SaschaSalamander
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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Drama

Alleine das Vorwort

rhue_asphalt_150_1.jpgBald gehen die Ferien los, meine Schülerin hat Nachhilfe auch während dieser Zeit, und jetzt die letzten Wochen ist in der Schule kein neuer Stoff. Da möchte ich es also etwas lockerer angehen mit einer für sie spannenden Lektüre. In der Bib griff ich ein paar Bücher, die ihr gefallen könnten. Fantasy, Abenteuer, das ist nicht so ihr Ding. Dafür mag sie sehr die authentischen Geschichten von was auch immer. Authentische Erzählungen oder zumindest Geschichten, die wahr sein könnten, um Jugendliche und deren Probleme im Alltag oder in besonderen Lebenslagen.

Ich habe knapp acht oder neun Bücher geschnappt, die ich heute mit ihr mal durchging. Klappentexte studiert, Schreibstile verglichen, Inhalt überflogen. Und von allen Büchern gab es eines, das ganz klar aus der Masse hervorstach. Da ich weiß, wie "wählerisch" die Schülerin ist, achtete ich nur auf den Inhalt, auf nichts weiter. Aber was auch zählt, sind natürlich die Verständlichkeit der Sprache, und vor allem auch, ob das Buch bewegt und zum Weiterlesen anregt. Erst, als wir uns eindeutig entschieden hatten, fiel mein Blick auf den Autor. Morton Rhue. Hätte ich das vorher gesehen, hätte ich alle anderen Bücher zu Hause lassen können! Morton Ruhe, Autor von "die Welle", "Boot Camp" und "Ich knall Euch alle ab". Seine Bücher bewegen Jugendliche überall auf der Welt. Und gibt es eigentlich einen Erwachsenen, der "die Welle" noch nicht gelesen hat und davon begeistert, aber auch erschüttert war?

Um in die Sprache reinzukommen, lasen wir die ersten Seiten, und wir waren bereits eifrigst am Diskutieren. Auch ich war begeistert und gefesselt. Und das alleine vom Vorwort! Außerdem bin ich mächtig stolz auf "meine Kleine". Letztes Jahr lasen wir ein Buch Deutsch-Englisch mit einfacher Sprache extra für Schüler zum Lernen, später hörten wir einen Deutsch-Englischen Jugendroman (Hören ist schwerer als Lesen), und jetzt lesen wir gemeinsam ein komplett englisches Buch eines amerikanischen Autoren, geschrieben für Muttersprachler.

"Asphalt Tribe" beschreibt das Leben einiger Kinder auf der Straße. Ich weiß selbst noch nichts Genaueres, aber das wird sich bald ändern. Wie gesagt, bisher nur das Vorwort. Es handelte in flüssigem Stil davon, weshalb Jugendliche von zu Hause ausreißen oder wieso sie von ihren Eltern hinausgeworfen werden. Wie sie sich auf der Straße durchkämpfen mit Prostitution und Drogen, dem allgegenwärtigen Risiko von HIV und ohne Hoffnung auf eine Zukunft. Vier Seiten, nur ein einfaches Vorwort, aber mein Mädel war erschüttert, und auch mir wurde dieses Thema, das ich in der Schule wie auch während meines Studiums immer wieder gehört hatte, wieder sehr deutlich nahegebracht. Wie gut mag dann erst das Buch sein ...

Bald werde ich Euch mehr darüber erzählen ... oder vielleicht habt Ihr es schon gelesen und möchtet mir darüber berichten? ;-)

SaschaSalamander 03.07.2008, 18.16 | (0/0) Kommentare | PL

Gute Nacht Zuckerpüppchen

hassenmueller_zuckerpueppchen_150.jpgEs ist die Zeit nach Kriegsende. Gaby und ihr Bruder Achim leben zusammen mit der Mutter, ihr Vater starb auf dem Feld. Da klingelt eines Tages ein Fremder an der Tür, er sei ein Kamerad des Vaters, und der Vater habe ihn gebeten, sich um die Familie zu kümmern. Bald heiratet er die Mutter, und für die Kinder beginnt eine schlimme Zeit. Achim sei verweichlicht, er solle ein richtiger Mann werden, er muss die schweren Kohlen schleppen und sich morgens eiskalt waschen. Gaby dagegen ist "Pappis", wie sie ihn nun nennen müssen, Zuckerpüppchen. Er erzählt ihr Geschichten, spielt mir ihr und ... beginnt sie zu missbrauchen. Die Mutter hat es schwer, und Gaby kann sich ihr nicht anvertrauen, sie weiß, dass sie ihr nicht glauben würde. Außerdem sagt Pappi, dass Gabi dann ins Heim müsse. Als Mutter erfährt, dass ihr Mann ein  14jähriges Nachbarmädchen geschwängert hat, begeht sie einen Selbstmordversuch. Und Gaby fühlt, dass sie ganz alleine ist mit ihrer Angst ...

Das Buch ist schrecklich. Ein Jugendbuch, mag sein, aber ich denke, auch und erst recht für Erwachsene. Ich hatte einen derart dicken Kloß im Hals, und doch konnte ich es nicht weglegen. Von der ersten Seite an ist der Leser von dem einfachen, eindringlichen und ergreifenden Schreibstil gefesselt. Die Beschreibungen sind der Zielgruppe entsprechend gehalten, und doch sind die Bilder so klar vor Augen, dass das Atmen schwerfällt. Man fiebert mit Gaby, wenn die Zimmertür aufgeht und sie sich fürchtet, und man leidet mit ihr, wenn der Stiefvater eifersüchtig ihre Treffen und Termine überwacht. Ständig möchte man schreien "sag doch was", vor allem, wenn der freundliche Arzt oder die engagierte Lehrerin mit ihr reden. Doch leider ist das Buch sehr real. Und die Täter wissen, wie man Kinder zum Schweigen bringen kann. Und aus den Kindern werden junge Frauen, und die Scham wächst, die Angst wird ein ständiger Begleiter.

Am Ende des Romanes sind ein paar Seiten Information. Ich finde das gerade für die Jugendlichen, die diesen Roman lesen, sehr wichtig. Näheres darüber, wie Fälle von Missbrauch ablaufen, beschrieben anhand von Beispielen aus der Geschichte um Gaby. Anlaufstellen für Betroffene sind genannt.

Ich halte es für sehr wichtig, dass die jugendlichen Leser danach mit Freunden oder Verwandten über dieses Buch reden, denn es muss verarbeitet werden. Keine Lektüre, die man schnell mal so nebenbei lesen kann und dann weglegt und es vergisst ...

"Gute Nacht, Zuckerpüppchen" hat zu Recht den Buxtehuder Bullen als Jugendbuch 1989 verdient. Es ist ein Buch, das man, finde ich, auf jeden Fall gelesen haben sollte, ob Jugendlicher oder Erwachsener. Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst ...

SaschaSalamander 05.05.2008, 18.02 | (0/0) Kommentare | PL

Wunderschöne Bilder

zusak_buecherdiebin_150_1.jpgDie Bücherdiebin lese ich nun schon seit einiger Zeit. Ein wunderschönes Buch, aber ich kann nicht zuviel davon auf einmal lesen. Habe erst ein knappes Sechstel davon beendet. Es handelt von Kriegszeiten, und auch, wenn es nicht voller Gewalt und Angst ist, muss ich bei Krieg vorsichtig sein. So etwas beschert mir Albträume. Und dazu kommt, dass die Sprache wunderschön ist. Aber sehr intensiv, sehr bildhaft. Würde ich zuviel auf einmal davon lesen, würden die Worte nicht mehr wirken. Vor allem sehr viel Personifizierungen sind es. Das Buch wird erzählt aus der Perspektive des Todes, und er haucht mit seiner Sprache auch den unbelebten Dingen Leben ein. Eine sehr gute Idee. Aber auf Dauer auch ein wenig anstrengend. Unten ein paar Beispiele.

Jedenfalls finde ich das Buch sehr schön. Ich sehe die Figuren gut vor mir, kann mich sehr gut in sie hineinversetzen, habe meine Charaktere bereits liebgewonnen, fiebere mit ihnen. Es gibt sehr viele Exkurse zu anderen Leuten, die entweder nur so kurz beleuchtet werden oder vielleicht später noch wichtig werden könnten. Egal, es ist nett zu lesen. Aber durch die vielen Wechsel von einer Person zur nächsten fehlen auch die Cliffhanger, die bei anderen Büchern dazu verleiten, "nur noch eine Seite", "nur noch ein Kapitel" zu lesen.

Die Worte trotteten aus ihr heraus.
Das Flugzeug hustete noch. Rauch trat aus seiner Lunge.
Die Leiche verharrte, hartnäckig und still.
Das Echo folgte ihm die Straße entlang.
Die Worte fielen vom Bett und ergossen sich auf den Boden.

SaschaSalamander 08.04.2008, 10.07 | (0/0) Kommentare | PL

Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

claudel_linh_150.jpgGestern auf dem Weg zu meiner Arbeit habe ich dieses Buch begonnen, habe sogar eine Bushaltestelle verpasst (passiert mir auf dieser Strecke allerdings auch ohne Buch, wirklich eine seltsame Linie) und auf dem Nachhauseweg von der U-Bahn bis zur Wohnung während des Laufens weitergelesen und dann zu Hause endlich das letzte Kapitel gelesen ... dieses Buch hat mich gefseselt wie schon lange keines mehr ...

Ein alter Mann flüchtet nach dem Krieg in seiner Heimat in ein fremdes Land. Er heißt Linh, aber niemand erinnert sich an seinen Namen, denn alle Menschen seines Dorfes sind tot. Nur seine sechs Wochen alte Enkelin Sang diû hat er bei sich, und einen alten Koffer mit Kleidung, einem verbleichten Foto und einem Säckchen Heimaterde ... er kommt in die fremde Stadt, ist einsam, wird verlacht, findet sich nicht zurecht. Aber für die kleine Sang diû muss er stark sein, für sie bleibt er am Leben, denn sie braucht ihn. In der Stadt auf einer Parkbank begenet ihm ein einsamer alter Mann, dick, freundlich, warm. Die beiden verstehen kein Wort, das der andere sagt, und Monsieur Linh redet auch nicht, doch das macht nichts, dafür redet Herr Bark, zeigt Linh die Stadt, lädt ihn zum Essen ein, ist ihm Freund und Vertrauter. Doch bald wird Monsieur Linh in ein neues Gebäude gebracht, fort aus dem alten Wohnheim. Er hat Angst alleine, er beherrscht die fremde Sprache nicht, und er kennt nicht den Namen seines Freundes. Wie soll er ihn nur im Gewirr dieser großen Stadt wiederfinden?

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, dieses Buch zu preisen, ich könnte ein Loblied nach dem anderen singen. Schon lange hat mich kein Buch mehr so bewegt. Klar, mir gefallen viele Sachen, ich liebe die Abwechslung, und vieles ist gut. Aber dieses hier hat mich wirklich bewegt. Tief innen berührt. Und das schaffen tatsächlich nur sehr wenige Werke.

Monsieur Linh ist ein Buch, das sparsam an Wort und Information ist. Nur 127 Seiten im Kleinformat. Dabei jedoch soviel Inhalt und Aussage, als wäre es ein dicker Wälzer. Wie auch Baricco ("Oceano Mare", "Seide", "Novecento", etc) lässt Claudel die Bilder im Kopf des Lesers entstehen. Er braucht keine emotionalen Worte, um Gefühle zu beschreiben, er beschreibt nur das Äußere. Und dadurch, finde ich, kann der Leser selbst empfinden. Diese Art des Schreibens liebe ich, solche Bücher lese ich so gerne. Natürlich könnte Claudel sagen "das Heimweh schnürte ihm die Kehle" oder "er fühlte sich einsam und verlassen". Phrasen. Ausgelutscht. Nicht mein Ding. Kleine Gesten, Beobachtungen sind soviel lebendiger! Im nächsten Beitrag heute Nachmittag werde ich dagegen ein paar Passagen zitieren, die wunderbar Gefühle erzeugen, den Leser die Verzweiflung, Einsamkeit, Freude des Alten selbst spüren lassen ...

Die Figuren wachsen ihm sehr schnell ans Herz, man fühlt sich mit Monsieur Linh verbunden. Er ist ein wenig verschroben, aber er will das Beste für seine Enkelin, er ist stark, und er kämpft, auch wenn er am liebsten aufgeben möchte. Und dann der lebendige, aufgeschlossene Herr Bark, er redet und redet und redet und redet. Er hat eine warme Stimme, und in seiner Stimme liegen Gefühle, wie die anderen Menschen sie stets unterdrücken nach außen. Er ist groß, und er kann Monsieur Linh beschützen, niemand wird Sang diû in seiner Gegenwart etwas antun. Herr Bark ist traurig, denn er hat seine Frau verloren, aber das weiß Monsieur Linh nicht. Und es ist auch egal. Die beiden Männer verstehen sich auch ohne Worte, eine Freundschaft, die weit über gemeinsame Interessen hinausgeht. Und demgegenüber die kalte, leere, trostlose Stadt mit den hastenden Menschen, den ihn verlachenden Mitbewohnern im Heim, der unbeteiligten Dolmetscherin, den kalten Wärtern im Heim. Der Leser empfindet die Enge zwischen den grauen Häusern, als wäre es seine eigene, und gemeinsam mit Monsieur Linh träumt er sich auf die Reisfelder, atmet den Duft von Zitronengras, fühlt den Wind auf der Haut ...

Und dann plötzlich ... eine drastische Wende. Auf der vorletzten Seite. Der Leser hat es die ganze Zeit schon geahnt, und nun die Gewissheit. Nebenbei, in einem kleinen Nebensatz, wie zufällig nur in den Raum geworfen, ein einziges kleines Wort. Und daraufhin das offene Ende. Happy End? Trauriges Ende? Das darf der Leser selbst entscheiden, Tränen werden ihm auf jeden Fall ohne Zweifel in den Augen stehen, denn das Schicksal des alten Mannes kann niemanden unberührt lassen.

Spannung, Thrill, komplexe Handlungsstränge, anregende Dialoge, das gibt es nicht, dieses Buch ist wirklich sehr karg gehalten, nur das Notwendigste wird gesagt, und dadurch gewinnt jedes Wort an Bedeutung. Wer solche ruhigen, knappen Bücher voll Inhalt und Wärme mag, kommt an Monsieur Linh nicht vorbei.

SaschaSalamander 23.05.2007, 12.05 | (0/0) Kommentare | PL

Das Geheimnis des Weinbergs

lenoir_weinberg_150.jpgEin Buch, das mich in der Bücherei sofort ansprach, obwohl ich noch nie davon gehört hatte, obwohl auch der Autor mir fremd war. Während ich mich sonst gerne auf aktuellere oder bekanntere Werke beschränke, hatte ich das Bedürfnis, dieses hier sofort zu hören. Und es hat mich sehr bewegt. Schade, dass dieses Buch nicht bekannter ist, vielleicht trägt ja wenigstens meine Rezension dazu bei, dass es ein wenig mehr von der verdienten Aufmerksamkeit erhält ... aus meiner Begeisterung heraus werde ich auch ein wenig über eine knappe Inhaltsangabe hinausgehen, aber keine Angst, gespoilert wird natürlich nicht ;-)

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Frankreich, ein kleines Dorf im 19. Jahrhundert. Wie Dörfer in ihrem Alltagsleben und ihrem Hunger nach Neuigkeiten eben sind. Und dort lebt der junge Mann Pierre Morin, dessen Mutter nach einer geheimen Liebschaft mit einem Fremden von ihren Eltern verstoßen und vom Pfarrer als "junge Witwe" in die Dorfgemeinschaft aufgenommen wurde. So war Pierre schon immer ein Außenseiter gewesen. Doch auch sonst war er anders als die anderen Kinder. Er liebt die Natur, beobachtet die Tiere, seine Freizeit verbringt er im Wald, auf den Feldern und am Fluss. Die Kinder ziehen ihn damit auf, quälen ihn, verspotten ihn, die Erwachsenen beäugen ihn kritisch und verdrossen. Nur der Lehrer und der Pfarrer erkennen, dass er ein ganz besonderer Mensch ist, dem die wahren Werte des Lebens wichtiger sind als alles Hab und Gut der Welt. Und auch das Mädchen, das von allen nur "die Stumme" genannt wird, genießt seine Gegenwart und folgt ihm oft hinaus in die Natur ...

Eines Tages wird Pierre für einige Tage vermisst, man findet ihn auf dem brachliegenden Acker des alten Weinberges. Seitdem hat er einen Glanz in den Augen, den nur seine Mutter, die selbst ein wunderbares Geheimnis in sich trägt, erkennen kann. Immer wieder besucht Pierre den Acker, übernachtet sogar dort, verbringt seine Zeit auf dem wertlosen Stück Land. Als er später sogar bereit ist, 10 Goldstücke zu opfern, um den Weinberg zu kaufen, wird er nur mit noch mehr unverhohlenem Spott betrachtet. Auch seine Liebe zu dem Bäckersmädchen Pauline verläuft sehr unglücklich. Doch bald darauf erbt Pierre von einer reichen Witwe, der er damals in seiner Selbstlosigkeit einen großen Gefallen getan hat, ein prächtiges Haus mitsamt Mobiliär, Gehöft, Land und Vieh. Vergessen der Spott, nun wird er von allen Mitgliedern des Dorfes umgarnt und verwöhnt, die Mädchen liegen ihm zu Füßen, und auch Pauline erhört ihn. Aber Pierre kümmert sich nicht um das falsche Geschwätz der Dörfler, und endlich bekommt er, was er sich sosehr ersehnt: er tauscht all seinen Besitz gegen das kleine, wertlose, karge Stück Land, ...

Neid, Missgunst, Verleumdung, die Dorbewohner werden immer mehr von ihren eigenen Intrigen zerfressen und verbünden sich gegen Pierre. Was will er mit dem Land? So unterstellen die Bewohner ihm in ihrer eigenen Bosheit allerlei Dinge. Trifft er sich dort mit einer Geliebten? Hat er gar einen so großen Schatz gefunden, dass er ihn nicht des nachts heimlich davontragen kann? Ein fremder Reisender schürt neue Gerüchte, und dann geschieht das Unvermeidliche, das schon lange in den Honoratioren des Dorfes gärte, sich machen sich auf, Pierre das Geheimnis notfalls mit Gewalt zu entlocken ...

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Dieses Buch hat mich sehr begeistert. Ich fand nur wenige Rezensionen darüber im Netz, aber sie unterscheiden sich jeweils sehr voneinander. Manche bezeichnen es als "hochspannend, man könne kaum durchatmen", was ich nicht wirklich unterstreiche, denn gerade der ruhige, sanfte Erzählstil hat es mir angetan. "Schlecht übersetzt, farb- und kraftlos", nein, ich fand es gewaltig in seinem Stil. Sehr simpel, einfache Sätze, aber gerade dadurch so ansprechend und bewegend, spiegeln sie doch Pierres Naturell so wunderbar wieder.

Was macht den Zauber dieses Buches für mich aus? Hm, in der Fassung als Hörbuch natürlich ganz besonders die Stimme des Sprechers, Friedrich Schoenfelder. Ein bekannter Synchronsprecher, den bestimmt jeder schon in Film und Werbung gehört hat, eine weiche, angenehme Stimme, zu der man sich so richtig wohlfühlt.

Auch die einfache Sprache hat es mir sehr angetan. Kurze, einfache Sätze ohne besondere Fremdwörter, ohne Verstrickungen, ohne komplizierte Gebilde. So schlicht und natürlich Pierres Naturell, so einfach und unkompliziert ist auch der Erzählstil der Geschichte. So simpel es auch sein mag, vermag der Text sofort zu fesseln. Ich sah nur allzu lebhaft die Bilder vor mir: die neidvollen Blicke der Dorfbewohner, das ruhige Erdulden der Mutter, der Glanz in Pierres Augen, die schüchternen Blicke der Stummen, der fruchtlose Weinberg, das Misstrauen fast greifbar, als wäre ich mitten unter ihnen, beengt und erdrückt von den Menschen um mich. Es fällt nicht schwer, sich schon nach wenigen Sätzen in Pierre hineinzuversetzen, mit ihm zu fühlen, und am Ende mit ihm zu leiden ...

Was natürlich auch das gesamte Buch hinweg die Spannung trägt, ist die Frage nach Pierres wundersamem Geheimnis. Vielfach stellte ich mir die Frage, ob es überhaupt gelüftet werden würde, denn es hätte auch gut gepasst, es dem Leser freizustellen mit offenem Ende. Denn ich bin sicher, jeder Leser trägt seinen eigenen Weinberg in sich, und jeder Leser wird seine eigene Version davon haben, was Pierre nun gesehen, gefunden oder erlebt haben mag. Doch das Geheimnis wird gelöst, ich freute mich, wie nah ich mit meiner Vermutung lag, wie gerne hätte auch ich dieses Geheimnis mit ihm geteilt ...

Das Ende wird von manchen Rezensenten als schwach bezeichnet, denn in der Tat ist es kein großer Knall, keine besondere Wende, nichts, das all das Getue der Dorfbewohner gerechtfertigt hätte. Doch ich finde, es passt, und auch der Schluss, so traurig er sein mag, ist für mich wundervoll und bewegend ...

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Ein kleiner Gedanke zum Abschluss: manche von Euch haben vielleicht das Buch >"Dichterfreunde und Schreiberlinge"< gelesen, in welchem auch meine Geschichte "Aaron" veröffentlicht ist. Mir bedeutet diese Geschichte, dieser kleine Junge darin sehr viel. Und wäre Aaron erwachsen geworden, so wäre er wie Pierre Morin ... es war mir, als hätte ich eine Fortsetzung gelesen, in der Aaron noch lebte ...

SaschaSalamander 02.04.2007, 10.58 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Apocalypto

An dieser Stelle sollte eigentlich eine recht lange und ausführliche Rezension zu Apocalypto stehen. So lang, dass sie eh kaum jemand gelesen hätte. Aber ich hab keine Lust mehr *grummel*. Zwischenspeichern schön und gut, aber auch ich bin nur ein Mensch. Beim ersten Mal schloß ich versehentlich mit einem falschen Klick das Fenster, wo der Text stand. Beim zweiten Mal stürzte sich (was er sogut wie nie tut!) mein Rechner ab. Zweimal ein langer, ausführlicher Text mit Hintergrundinfo, eigener Meinung, objektiven Gedanken und ein paar Hinweisen. Neeeee, keine Lust mehr. Einen Text zweimal tippen ist lästig, aber dreimal tu ich mir nicht an!

Kurzfassung:
Großartiger Film, der jedoch zu Recht ab 18 ist, da er stellenweise sehr blutig ist. Ich halte ihn nicht für gewaltverherrlichend, die Bilder sind bombastisch, die Kameraführung genial, die Sprache gefiel mir sehr, die Handlung ist zwar minimalistisch udn fast schon etwas platt, aber die Umsetzung grandios. Wer den Film ansieht, sollte sich auf jede Menge Blut gefasst machen und zu Beginn mit einer recht grausamen Darstellung des überfallenen Dorfes umgehen können. Es gibt jede Menge schöner Körper zu sehen und wundervolle Landschaften, aber auch jede Menge offener Wunden, abgeschlagener Köpfe und geschundener Menschen. Die Musik ist spitze, die Untertitel fallen - da der Film eher bild- als dialoglastig ist nicht negativ ins Gewicht.

Manche halten Gibson für wahnsinnig, aber mir gefiel sein neues Werk, sofern "gefallen" das richtige Wort für dieses ungewöhnliche Meisterwerk ist. Statt der langen Rezi eine kleine Aufforderung an alle, die den Film bereits gesehen haben: Feuer frei zur Diskussion um dieses umstrittene Werk :-)

>Hier< gibt es einige Interessanten Infos zum Film
>Hier< die offizielle HP mit einer herrlichen Gallerie

SaschaSalamander 27.12.2006, 09.17 | (3/1) Kommentare (RSS) | PL

Aufstieg der Info Partei

Da denk ich, ich hätte Zeit, aber ich komme doch erstaunlich wenig zum Lesen. Lesen muss ich, um mich abzulenken, und wenn ich Zeit habe, muss ich mich nicht ablenken, also fällt mir auch das Lesen schwer. Na, dafür habe ich am Wochenende drei Zugfahrten von insgesamt 10 h anstehen, da dürfte ich den >"Stern der Brüder"< auf jeden Fall beenden können ;-)

Inzwischen hat sich schon einiges ergeben. Berts Leben wurde näher beleuchtet, auch seine Freundschaft zu einer älteren Dame, von der er viel über Musik und das leben lernt. Und Fred, der zu Beginn wie ein verhärmter, sturer "Untertan" wirken mag, erhält langsam auch Kontur. Es ist nachvollziehbar, wie er zum Sympathisanten der Info-Partei wurde. Auch, wenn ich wohl einer der Menschen in diesem Buch wäre, welche als minderwertige Kategorie eliminiert werden sollten, kann ich nachvollziehen, warum Fred in reinem Gewissen und Glauben handelt.

Schon einige Male kochte die Wut in mir hoch beim Lesen. Diese schrecklichen Mechanismen! Eine genetisch "bessere" Rasse, Vererbung und Ausrottung der "schlechteren" Menschen. So töricht, und wer heute lebt, fragt sich oft, wie es damals so weit kommen konnte. Doch wie auch in dem Buch "die Welle" kann man nachvollziehen, wie es dazu kommen konnte, warum die Beteiligten sosehr an ihr Tun glaubten.

Mal sehen, ob ich dieses Wochenende noch den genaueren Aufstieg und Niedergang der Info-Partei erleben werde, um Euch am Montag davon zu erzählen, ...

SaschaSalamander 14.12.2006, 21.25 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Kopf über Wasser

kopfueberwasser_150.jpgDie Filme in unserer TV-Zeitschrift sind nicht alle wirklich der Hit. Oft hat es schon seinen Grund, warum diese DVDs kostengünstig angeboten werden. Aber manchmal sind auch richtige Superfilme dabei. Der aktuelle Film "Kopf über Wasser" sagte mir absolut nichts, aber der Inhalt klang nach schwarzer Komödie, könnte mir gefallen. Noch gestern Abend sahen mein Schatz und ich uns diesen Film an, und wir waren begeistert!

Nathalie hatte einfach kein Glück mit Männern. Mit dem fast doppelt so alten Richter George - der sie damals verurteilt hatte - soll sich das ändern, die beiden lieben sich und Nathalie möchte ein neues Leben beginnen. Mit Nathalies Jugendfreund Lance leben sie auf einer beschaulichen Insel, alles ist friedlich, und bald kann Nathalie sogar ihre Beruhigsungsmittel absetzen. George und Lance unternehmen eine gemeinsame Angeltour, als plötzlich und unerwartet Nathalies Ex-Mann Kent vor der Tür steht. Die Postkarte, welche er angeblich zur Ankündigung geschickt hatte, kam nie an. Nathalie ist besorgt, ihr Mann wird bestimmt vor Eifersucht schäumen! Und dann - ist Kent am nächsten Morgen plötzlich TOT! Sie gerät in Panik, versteckt die Leiche und versucht es zu vertuschen. Aber sie ist eine schlechte Lügnerin. Und so findet George die Leiche, gemeinsam überlegen sie was zu tun ist. Niemand würde diese verrückte Geschichte glauben, und George fürchtet um seine Karriere. Die Leiche muss verschwinden! Doch dann eskaliert die Situation: immer neue Indizien um Kents plötzlichen Tod tauchen auf, jeder verdächtigt jeden, und am Ende ist Nathalies Leben ernsthaft in Gefahr ...

Ein genialer Genremix aus Schwarzer Komödie, Thriller und Drama. Außerdem kommt dieser Film mit lediglich vier Schauspielern aus, was die Handlung für mich immer sehr reizvoll macht. Die Darsteller müssen all ihr Können aufbringen, und nur mit einer wirklich guten Story wird der Film für den Zuschauer zu etwas Besonderem. Und das ist hier zweifelsfrei gelungen.

Anfangs etwas platt und albern, steigert sich der Film nach einiger Zeit wirklich zu ungeahnten Höhen. Herrlich makaber, düster und unglaublich spannend. Erste Anzeichen sind bereits vorhanden, doch der Zuschauer kommt noch gar nicht auf die Idee, dass es vielleicht Mord gewesen sein könnte. Erst, als Nathalie plötzlich die Erkenntnis trifft, dass es alles wohl von George geplant war, macht es beim Zuschauer "klick". Doch bevor sich alles klärt, gibt es auf einmal den Verdacht, dass auch Lance seine Finger im Spiel haben könnte. Ein grausames Katz- und Maus-Spiel beginnt, dessen Ende nicht wirklich vorhersehbar ist. Da die unterschiedlichen Genres sosehr ineinander übergehen, fällt es schwer, die Handlung vorauszusagen, ein klarer Bonus in meinen Augen, ich liebe unerwartete Wendungen! Am Ende schließt sich der Kreis, und Nathalie klagt erneut ihr Leid, dass sie eben einfach kein Glück mit Männern hat ... Und der Schlussgag am Ende, ich lag vor Lachen fast unter dem Tisch, das musste einfach kommen!

Effekte, Musik und ähnliche Dinge, da kann ich in diesem Fall nicht viel dazu sagen. Dieser Film setzte nicht auf aufwändige Tricks oder massentaugliche Soundtracks, sondern einfach auf eine völlig abgefahrene, durchgeknallte Story im Stil von "Immer Ärger mit Harry", dazu ein paar Thrillerelemente: abgelegene Insel, keine Fluchtmöglichkeit, jeder der Anwesenden könnte der Täter sein.

Ein wirklich böser Humor, wie er wohl nicht jedem gefällt. Aber wer sich für rabenschwarze Filme begeistern kann, wird "Kopf über Wasser" bestimmt lieben! Eine Woche lang wird die TV Movie mit dieser DVD noch für günstige 3,30 € im Handel erhältlich sein, wirklich ein Top Preis für diesen Film, also nix wie los!

SaschaSalamander 24.07.2006, 10.17 | (0/0) Kommentare | PL

Das zweite Gesicht

Cover"Das zweite Gesicht" ist ein Film, den ich vor etwa zehn Jahren schon einmal gesehen hatte. Da er mich ziemlich faszinierte, gehört er zu den wenigen Filmen, die ich später ein zweites Mal ansah, wenn auch erst knapp zehn Jahre später.

Als seine Mutter stirbt und kurz darauf sein Vater auf eine nicht aufzuschiebende Geschäftsreise muss, soll Mark Eavens zwei Wochen bei Verwandten verbringen. Es soll eine schöne Zeit für ihn werden, wo er unbeschwert mit seinem Cousin Henry und dessen Schwester Conny spielen soll. Seine Tante kümmert sich liebevoll um ihn.

Sein Cousin scheint allen ein fürsorglicher Bruder und mustergültiger Sohn. Aber Mark stellt fest, dass tief in Henry das Böse lauert. Sein Spiel ist grausam, und seine Gedankengänge sind krankhaft. Doch Henry versteht es, Mark so in sein "Spiel" einzubeziehen, dass dieser Angst hat, etwas von ihren gemeinsamen Taten zu berichten. Als er erkennt, dass von seinem Cousin tatsächlich eine Gefahr für Conny und ihre Eltern ausgeht, ist es bereits zu spät. Henry hat alles getan, Mark als armen, verwirrten Jungen dastehen zu lassen, der den Tod seiner Mutter nicht verwinden konnte. Niemand glaubt Mark mehr. Ob es Mark gelingt, Henrys Eltern von den Plänen ihres geliebten Sohnen zu überzeugen?

Macaulay Culkin, der Kinderstar aus "Kevin allein zu Haus" spielt hier ziemlich brilliant den bösartigen Cousin. Elijah Wood, der Hobbit Frodo aus dem "Herrn der Ringe" ist in der Rolle des Mark zu sehen und spielt ebenfalls sehr gut. Nun, letzendlich hat nur einer von beiden den Sprung nach oben geschafft ...

Der Film hat einen wundervollen Soundtrack, die Landschaftsbilder und Hintergründe der einzelnen Szenen sind klasse. Trotz des ernsten Themas ist "das zweite Gesicht" vor allem ein Genuss für Auge und Ohr. Der Erzählstil ist recht ruhig und nicht mit den üblichen haarsträubenden Thrillern zu vergleichen. Es gibt keine Schockeffekte, keine Szenen zum Gruseln, allein das Verhalten des Jungen ist erschreckend. Spannung besteht vor allem darin, was er als nächstes plant, wie Mark reagiert und ob Mark am Ende die Pläne seines kranken Cousins vereiteln kann.

Wer Action oder Gänsehaut erwartet, wird von diesem Film enttäuscht sein. Aber wer auf inhaltlichen Tiefgang, schöne Bilder und gute Machart setzt, sollte sich "das zweite Gesicht" auf jeden Fall ansehen.

SaschaSalamander 07.04.2006, 10.22 | (0/0) Kommentare | PL

Die Wand

CoverAls ich mir neugierig das ungekürzte Hörbuch ">die Wand<" von Marlen Haushofer lieh, wusste ich nicht, wie bedeutend dieses Werk eigentlich ist. Vielleicht hätte ich mich sonst lange davor gegraut, es überhaupt anzuhören, denn "wichtige" Werke haben immer einen Beigeschmack von "schwerfällig" und "langweilig". So aber hörte ich das Buch gerne und suchte danach neugierig >im Internet< nach Interpretationen.

Die namentlich ungenannte Ich-Erzählerin wird von ihren Freunden auf eine Jagdhütte eingeladen. Die Freunde gehen abends noch kurz in das benachbarte Dorf. Am nächsten Morgen sind sie noch immer nicht zurück. Die Frau geht in Richtung des Dorfes und stößt unweit der Jagdhütte mitten auf der Wiese gegen eine unsichtbare Wand. Hinter der Wand scheinen die Menschen in ihren Bewegungen erstarrt, gestorben, ebenso die Tiere. Nur auf ihrer Seite der seltsamen Barrikade geht das Leben weiter. Der Hund Lux, eine ihrer Herde entlaufene Kuh und eine Katze werden zu ihren Gefährten. Die Frau muss lernen, mit dieser Situation zu leben. Um nicht dem Wahnsinn zu verfallen, schreibt sie später dieses Buch.

Mir gefällt das Buch sehr gut. Es zählt zu den 100 Lieblingswerken der Deutschen, was mich nicht erstaunt. Zu den zehn persönlichen Favoriten würde ich es im Gegensatz zu Frau Elke Heidenreich jedoch keinesfalls zählen. Das Buch hat etwas von einer typischen Schullektüre, finde ich. Und es lässt soviele Interpretationsmöglichkeiten offen, dass es schon fast beliebig scheint. Angst vor Atomkrieg, endogene Depression, Emanzipation, Antizipation, das Urwesen des Menschen, autobiographische Züge, was habe ich da beim Überfliegen im Internet alles gefunden. Was wirklich dahinter stecken mag, könnte uns wohl nur Frau Haushofer erzählen, so sie noch lebte. Ich persönlich sehe es einfach als interessantes Buch.

Allerdings ist es sehr beunruhigend. Manch einer gruselt sich vor Blut, Mord, Monstern oder Außerirdischen, ich empfinde offen gesagt (Achtung, hier wirds jetzt sehr persönlich!) Visionen einer leeren Welt, wie etwa "The Stand" oder "Langoliers" von Stephen King oder eben "die Wand" beängstigend. Ich möchte mir diese Situation gar nicht vorstellen. Doch die Frage "wie hätte ich reagiert" kommt jedem Leser während dieser Lektüre zwangsläufig wie von selbst. So kann ich es nicht nachvollziehen, wie scheinbar gelassen die Erzählerin diese Wand hinnimmt. Ich hatte sogar den Eindruck, sie wäre ihr recht willkommen. Kein Versuch, Höhe oder Tiefe der Wand zu erkunden, sie durch Gewalteinwirkung zu zerstören, keine Suche nach anderen Menschen in der von der Wand gesteckten Einsamkeit.

Das Buch ist sehr ungewöhnlich, geschieht in dieser Zeit kaum etwas. Alles wird reduziert auf den Kreislauf des Lebens, bestehend aus Saat und Ernte, Geburt und Tod. Die Frau kümmert sich um ihre Tiere, sie lernt im Einklang mit der Natur zu leben, bebaut ihren Kartoffelacker, melkt die Kuh, bereitet Heu für den Winter vor. Sie hat sich damit abgefunden. Sollten ihr Menschen begegnen, hat sie immer ein Gewehr in ihrer Nähe. Das Buch ist also reduziert auf das Wesentliche, und genau dadurch gibt es soviel Raum für Interpretation. Ein Mensch, auf sich alleine gestellt, fernab jeglicher Zivilisation. Das alte Robinson-Motiv. Immer wieder spannend.

Allerdings kann ich mir vorstellen, dass es manchem Leser rasch langweilig werden mag, sich alleine auf diese Frau, die zu melkende Kuh und den Kartoffelacker zu konzentrieren. Die eigentliche Frage, welche die Frau beschäftigt und weswegen sie diese Niederschrift beginnt, stellt sich erst ganz am Ende, ist quasi die Kernfrage, auf die alles abzielt, und auf die bereits in den ersten Seiten hingearbeitet wird: was trieb den Menschen dazu, ihre Tiere so grausam zu töten? Diese Frage belastet sie während des gesamtes Buches weit mehr als die Mauer, welche sie inzwischen als gegeben hinnimmt, wohl eine von Menschen geschaffene Waffe. Es wäre für mich sehr interessant, über die Weltsicht der Erzählerin, ihre Prioritätensetzung, ihr Menschenbild, ihren Neuanfang, ihr selbstgestaltetes Leben zu diskutieren. Wer solche Fragen eher langweilig findet, der wird vermutlich wenig Interesse an diesem Buch zeigen, denn um kaum etwas anderes geht es.

"Die Wand" ist ein wichtiges Buch, das sich flüssig und rasch in einem Zug lesen lässt. Es fesselt den Leser ab der ersten Seite, oder er wird über die ersten Seiten niemals hinauskommen. Es ist etwas ganz Eigenes, das zu lesen sich auf jeden Fall lohnt.

SaschaSalamander 31.03.2006, 13.22 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL



 






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