SaschaSalamander
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3




Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Humor

Flavia de Luce 04 - Vorhang auf für eine Leiche

bradley_flavia04_1.jpgVORAB

>Flavia de Luce - Vorhang auf für eine Leiche< ist der vierte Band der Flavia-Reihe von Alan Bradshaw. Ich habe die ersten Bände begeistert gelesen und freue mich immer, wenn ein neuer Titel erscheint. Die kleine Göre ist mir inzwischen ans Herz gewachsen.


INHALT

Buckshaw steht kurz vor dem Ruin, und so hat Flavias Vater einem Filmteam das Anwesen für Dreharbeiten zur Verfügung gestellt. Niemand anderes als Phyllis Wyvern und ihr Team beehren den kleinen Ort nun mit ihrer Anwesenheit. Doch hinter den Kulissen ist nicht alles so rosig, wie es in den Kinozeitschriften aussehen mag, und bald geschieht ein Mord. Natürlich ist Flavia wieder die Erste am Tatort und beginnt zu ermitteln ...


AUFBAU

Wie auch schon im letzten Band wird der Leser hier ziemlich lange bis zum Mord hingehalten. Erst ziemlich genau in der Mitte ist es soweit. Die Zeit bis dahin vergeht vergnüglich, das Lesen wird nicht langweilig, der Krimianteil ist allerdings deutlich geringer als vor allem im ersten Band. Die Ermittlungen sind ziemlich knapp gehalten, und dann folgt ziemlich überraschend und spontan der Showdown, als ich aufgrund des bisher sehr dürftigen Ermittlungsstandes überhaupt nicht damit gerechnet hatte.

Zugegeben, der Krimianteil und Aufbau hat dieses Mal in meinen Augen ein wenig geschwächelt. Mir ist nicht so ganz klar, wie Flavia ihre Schlussfolgerungen auf einmal so plötzlich aus dem Hut zaubern konnte, und wüsste ich es nicht besser, würde ich vermuten, dass die deutsche Ausgabe um ein bis zwei inhaltlich relevante Kapitel gekürzt wurde. Sie schreibt eine Liste mit noch zu klärenden Fragen, alles ist unklar, und plötzlich liegt alles angeblich offensichtlich auf der Hand. Flavia ist toll, das wissen wir, und intelligent auch - dennoch hätte ich gerne gewusst, wie sie sich diese Dinge nun erschlossen hat. Statt dessen zauberte der Autor dieses Mal plötzlich Namen und Zusammenhänge einfach so aus dem Hut. Es wirkte diesmal ein wenig künstlich und steif, wo die Ermittlungen sonst lockerer und nachvollziehbarer waren.


SPRACHE, HUMOR

Sprachlich ist das Buch bzw auch die Übersetzung wieder sehr gelungen. Ach, ich liebe Flavias schrägen Humor, ihre zynischen Kommentare. Die plötzlichen Sprünge von kindlicher Neugier hin zu menschenverachtenden Gemeinheiten. Altkluge Sprüche, die so gar nicht zu einem kleinen Mädchen passen wollen. Vergleiche, wunderbar plastisch und witzig. Sätze wie "Manchmal hilft nichts anderes mehr als nur eine Prise gutes altes Strychnin" oder "ja, auch ich werde älter. Erst gestern habe ich einen Fingergut mit Arsen irgendwo hier abgestellt und finde ihn nun nicht mehr" oder "er ist so geschmeidig wie Rizinusöl". Weihnachtsstimmung, und plötzlich philosophiert das Mädel freudig über Ilex und Gifte. Auch, wenn ich von den chemischen Momenten des Buches wenig Ahnung habe, finde ich sie köstlich zu lesen.

Einige Male war ich schon recht erstaunt. Da hantiert ein Mädchen mit so gefährlichen Giften, weiß Schießpulver herzustellen und Feuerwerke, Vogelleim und kennt die historischen Hintergründe verschiedener naturwissenschaftlicher Dinge, und doch glaubt sie noch an den Weihnachtsmann und versucht ihn mit den ihr eigenen Tricks einzufangen. Ob es realistisch ist, sei mal dahingestellt, aber ich liebe diesen Widerspruch. Und versuche mir eben klarzumachen, dass die Kleine vielleicht eine Inselbegabung mit zugehöriger Krankheit hat. Der Autor vermag aus diesen Widersprüchen jedenfalls wieder so skurille Szenen zu erschaffen, dass es eine wahre Freude ist, das Buch zu lesen.


REIHE

Da dies der vierte Band einer Reihe ist, möchte ich kurz auf die gesamte Reihe und die Bedeutung des vierten Bandes eingehen: die Bücher leben vor allem von ihrem schwarzen Humor und dem Widerspruch der sowohl kindlichen als auch hochintelligenten und beinah schon misantrophischen Flavia. Ebenso geht es wie immer um die drohende Verarmung der Familie und den Streit der Geschwister untereinander.

Der vierte Band ist sehr gut in sich geschlossen, und ich kann mir vorstellen, dass man ihn lesen kann, auch ohne die ersten Teile zu kennen. Dennoch gibt es natürlich viele Anspielungen auf frühere Geschehnisse, die zu verstehen jedes Mal eine kleine Freude für die Leser der gesamten Reihe ist.

Während die ersten Bücher aber ihr Gewicht vor allem auf die Kriminalfälle legen, geht es im vierten Band weniger um den Mord als vielmehr um die Hintergründe auf Buckshaw. Dabei allerdings finde ich schade, dass es zwar wieder enorm viele Andeutungen gibt bezüglich Flavias Mutter, Tante Felicity, Dogger und das Verhältnis der Geschwister untereinander, aber noch immer keinen Funken konkreter Information. Als Leser fühle ich mich dann oft hin- und hergerissen: einerseits liebe ich die Reihe und will alle Bände verschlingen. Andererseits fühle ich mich hingehalten und hinausgezögert, als wolle der Autor mit den Büchern möglichst viel Geld machen, bevor er dann, wenn es sich nicht mehr lohnt, irgendwann einen Abschluss präsentiert. Ich fände es schön, wenn Bradley die Reihe nicht irgendwann plattwalzt sondern neue Impulse einbringt. Denn der immer gleiche Humor, das immer gleiche Strickmuster zieht nicht auf Dauer.


FAZIT

Ich freue mich, dass ich dank >BloggDeinBuch< und >Penhaligon< das neueste Abenteuer von Flavia lesen durfte. Trotz einiger Schwächen, die sich bei der Umsetzung von Mehrteilern leider meistens ergeben, fand ich das Buch wieder sehr unterhaltsam und freue mich schon auf den nächsten Band.

Wertung: 3,6 von 5 Fingerhütchen mit Arsen

SaschaSalamander 14.12.2012, 08.42 | (0/0) Kommentare | PL

Er ist wieder da

vermes_wiederda_1.jpgLetztens sah ich im Buchladen ein Cover, das mich irritierte, aber ich hatte wenig Zeit, und das Thema "Drittes Reich" hing mir schon in der Schule zu den Ohren raus. Also habe ich es nicht weiter beachtet. Aber nun drückte mir es eine Freundin in die Hand, meinte "hier, das musst Du unbedingt hören". Nagut, also habe ich unbedingt mal reingehört. Und siehe da - kein Sachbuch über das Dritte Reich, auch kein trockener historischer Roman - sondern der Grund, warum ich heute mitten auf der Straße für die um mich befindlichen Menschen scheinbar aus heiterem Himmel in schallendes Gelächter ausbrach :-)

Hitler erwacht, und statt in seiner Zeit befindet er sich im Berlin des Jahres 2011. Und kommentiert in der Ich-Form nun das Geschehen, beschreibt seine Erkundungen und die Reaktion seiner Umwelt.

Literarisch vielleicht nicht vergleichbar mit Rosendorfer und Ustinov, die literarische Wertigkeit mögen andere beurteilen, das maße ich mir nicht an (da ich diese ollen Vergleiche a la "DAS ist Litearatur und DAS nicht" nicht mag). Aber inhaltlich ein ähnliches Prinzip: mal lebt ein chinesischer Mandarin im Bayern der Neuzeit, mal reist Gott auf die Erde, und hier nun Hitler in der Neuzeit. In jedem Fall wird ein kritischer Blick auf die Gesellschaft der Gegenwart geworfen, geschickt verpackt im Gewand der gleichzeitigen Schilderung einer anderen Person. Bei Hitler ein gewagtes Unterfangen, das der Autor meiner Ansicht nach aber genial umgesetzt hat.

Kritisch insofern, als er die Gegenwart teils sogar zu Recht kritisiert (etwa die Darstellung des nachmittäglichen TV-Programmes, die mangelnde Bildung der Jugend, Vergeudung von teuren Rohstoffen für Werbung die eh im Müll landet usw), dies jedoch natürlich immer aus seiner Perspektive des ... nun ja, dessen, wer er eben ist. Dem Autor ist es allerdings hervorragend gelungen, diese Kritik angemessen anzubringen und trotz der teilweise guten Argumente Hitlers (oh mann, ich komme mir komisch vor, in meinem Blog ständig dieses Wort zu schreiben) immer das Maß zu wahren. Schließlich ist es ja seine Erzählperspektive, und ein guter Autor vermag die Beweggründe des Progatonisten darzustellen, was hier sehr gut gelungen ist, sogar mit Sympathie oder vielmehr Humor. Wie gesagt: gewagt, gewagt, aber sehr gelungen.

Zumindest auf den ersten beiden CDs. Ich glaube, ich werde heute seeeehr viel im Haushalt arbeiten, denn ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und ich bin enorm gespannt, ob er eventuell auf Rechtsradikale treffen wird, das wäre eigentlich obligatorisch, und ich kann kaum erwarten, wie Timur Vermes das umgesetzt hat ...

Und was Christoph Maria Herbst betrifft - er ist sowieso genial. Wie immer. Steht für mich inzwischen neben Beck und Kaminski als einer der ganz Großen. Seine Fähigkeit zur Darstellung der Dialoge ist unvergleichlich, und auch hier hat er wieder eine Meisterleistung abgelegt. Besonders witzig, das Hitler über eine längere Passage mit Stromberg verglichen wird, was ein kleines Extrabonbon für Fans der Serie und des Sprechers ist ;-)

SaschaSalamander 17.10.2012, 18.05 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Finsteres Verlangen

hamilton_verlangen_1.jpgHier ist der Gastbeitrag der >Geschichten-Agentin< aus ihrem Projekt >Adopt a Blogger<. Wer mag, kann ihr außer im Blog gerne auch auf >Facebook< folgen. >Hier< verlinkt sie auf meinen Beitrag. "Bloggt wild und quer durch die Welt" beschreibt sie mein Konzept, das gefällt mir. >Hier< Ihr Link zu meinem Beitrag und einer kurzen Beschreibung zum Buch.

Ich bedanke mich herzlich für diese Rezension und wünsche Euch viel Spaß beim Lesen :-)

*******************

Manchmal muss es einfach Trash sein – >Anita Blake!<

Die Abenteuer der Vampirhenkerin, die im Hauptberuf als Animator Verstorbene zum Leben erweckt, damit diese so wichtige Fragen wie „Wo hast Du das Testament versteckt?“ beantworten können, haben schon von Beginn an einen hohen Trash-Faktor. Da Laurell K. Hamilton schon seit vielen Jahren an dieser Serie schreibt, kamen mit der Zeit immer mehr Trash-Elemente dazu. Das reicht von uralten Monstern, vor denen sogar Meister-Vampire Angst haben, bis hin zu der Frage, mit wievielen Männern eine Frau ausgehen darf. Dazwischen detaillierte Beschreibung und Verwendung von Waffen und Kampftechniken aller Art. Und dazwischen jede Menge Sex. Oder auch nicht, wenn die amerikanische Moral gerade mal wieder verbietet, mit einem ganzen Rudel Wer-Leoparden ins Bett zu gehen.


Die Serie um die Vampir-Henkerin Anita Blake hat für europäische Leser einen doppelten Trash-Faktor. Da sind einmal die Charaktere, Schauplätze und Handlung. Gestaltwandler aller Art, Meistervampire mit französischen Akzent, Monsterjäger die mit P. Marlowe verwandt sein könnten besiedeln amerikanische Strip-Clubs, Wüsten, Vororte und Hochhausschluchten und stürzen sich in Machtkämpfe, Intrigen und die Suche nach der wahren Liebe. Übel genug, doch der besondere amerikanische Blickwinkel verdoppelt den Trash-Genuss. Anita Blake fragt sich allen Ernstes, ob sie die klassische amerikanische Dating-Regel brechen darf: Gehe niemals mit jemanden aus, der attraktiver ist als Du! Und dieser Vampir ist schon verdammt attraktiv. Oder die Frage, mit wievielen Monstern eine Frau ins Bett gehen darf. Oder ihre Probleme, angemessen weiblich gekleidet zu sein und trotzdem voll bewaffnet.


Für immer im Gedächtnis bleibt mir die Szene, als ein Schneider ihr ein Brautjungfern-Kleid nähen soll – noch so etwas typisch Amerikanisches. Der arme Kerl verzweifelt an der Aufgabe, die vielen Narben mit Stoff zu verstecken. Anita hingegen ist es nur wichtig, ihre Waffen in dem Brautjungfern-Kleid so zu verstecken, dass sie schnell dran kommt. Nicht, dass es einen konkreten Anlass gäbe – aber bei so vielen Menschen wie auf einer Hochzeit kann immer etwas passieren. Nein, und jemand der mit einem Stoff-Pinguin schläft kann ja nicht paranoid sein …


Und spätestens seit dem Wer-Kaninchen war mir klar, dass diese Autorin vor nichts zurückschreckt und sich ihr Plot immer auf der falschen Seite der Wahrscheinlichkeit aufhält. Hat mal jemand gemessen, wieviel Liter Blut die Heldin pro Buch verliert?


Für mich hat die Serie nur ein Manko: Der deutsche Heimatverlag Bastei Lübbe braucht unangemessen lange, um die neuen Folgen ins Deutsche zu übersetzen. Und er hält die Reihenfolge nicht so wirklich ein. Deswegen gehören die Anita Blake Romane von >Laurell K. Hamilton< zu den wenigen Büchern, die ich zum Teil auf Englisch gelesen habe.

SaschaSalamander 17.10.2012, 08.45 | (0/0) Kommentare | PL

Wie man die Ratschläge seiner Eltern ignoriert

INHALT

Marcus ist ein Halbvampir, und gerade jetzt erklären seine Eltern ihm, dass er demnächst zwei "Blutfieber" - Attacken erleiden wird. Deswegen soll er in den nächsten Wochen unbedingt eine Flasche Blut mit sich tragen. Bitte in der rechten Hosentasche, die linke hat nämlich ein Loch! Und dann wäre da noch Marcus´ Klassenkameradin Tallulah, die auf Vampirjagd geht (sie weiß natürlich nicht, dass er ein Halbvampir ist). Um sie zu beschützen, spielt er mit und besucht die ältere Dame, die im Internet vorgab, mehr über die dunklen Wesen zu wissen. Außerdem ist da das junge Halbvampir-Mädchen Gracie, das sich ebenfalls in der Wandlung befindet und dem Marcus auf Bitten seiner Eltern hin ein bisschen Aufmunterung zukommen lassen soll. Und als wäre all das nicht schon genug, vereinbart sein Kumpel auch noch ein Doppeldate mit dem Ziel, Marcus mit der hübschen Julie zu verkuppeln. Na, wenn das mal nicht alles schiefgeht ...


AUTOR, BUCH, GENRE

WIE MAN DIE RATSCHLÄGE SEINER ELTERN IGNORIERT ist der dritte Teil einer Vampir-Reihe, wie ich nun im Nachhinein erfahren habe, steht allerdings komplett für sich und erfordert keinerlei Kenntnisse über die anderen Titel, auch ist es in sich geschlossen und lässt keine weiteren Fragen offen. Im Original heißt das Buch THE VAMPIRE HUNTERS, wurde für Deutschland jedoch in Anlehnung an andere erfolgreiche Titel des Autors (WIE MAN SEINE ELTERN ERZIEHT, WIE MAN IM CHAOS ÜBERLEBT u.a.) umbenannt.

Ein Jugendbuch, und wieder einmal Vampire. Klingt abgedroschen und langweilig, aber >Pete Johnson< ist nicht umsonst so erfolgreich: Er hat erneut ein faszinierendes Buch geschaffen, das sogar ich als Erwachsener kaum beiseite legen konnte.

Was das Buch für mich zu etwas Besonderem macht ist nicht der Humor oder der Vampir-Aspekt, sondern der realistisch geschilderte Alltag des Jugendlichen. Ganz normale Probleme, witzig verpackt und mit dem aktuell beliebten Thema Vampire versehen, das ist genau DIE Mischung, mit der man Lesemuffel wachkitzelt. Denn eigentlich ist dieses Buch ein ganz normales Werk über das, was einen Jungen in Marcus´Alter beschäftigt: die Veränderungen des Körpers und die Unsicherheit gegenüber anderen. Mädchen sind nicht mehr nur doof sondern werden plötzlich interessant. Und obwohl man schon längst groß ist, behandeln einen die Erwachsenen noch immer wie ein Kind und kommandieren einen herum, geben irgendwelche Ratschläge und wissen alles besser. Dabei fühlt man sich, als könnte man Bäume ausreißen und die Welt verändern! Zumindest solange, bis einem der "neue" Körper und die eigene Impulsivität einen Strich durch die Rechnung machen und man sich so richtig blamiert.


CHARAKTERE

Marcus und seine Freunde bieten als Identifikationsfiguren beste Vorlage. Durch Gracie und Tallulah werden auch typische Mädchen-Probleme benannt, und ihre beiden Charaktere bieten abwechslungsreiche Projektionsflächen. Nebenfiguren wie die alte Dame, Marcus´ Eltern, sein Kumpel und der böse Vampir werden dabei aber nicht vernachlässigt. Sehr schön finde ich, dass gut und böse hier von Beginn an nicht überzeichnet werden sondern viel Freiraum für Interpretationen lassen und der Geschichte dadurch sehr viel Spielraum für Entwicklung und spannende Wendungen lässt.


AUFBAU

Die Geschichte beginnt an einem ganz normalen Schultag, als Marcus von seinem bevorstehenden Blutfieber erfährt. Natürlich schlägt er die Warnungen in den Wind, außerdem hat er andere Sorgen. Einige Probleme kündigen sich bereits an, immer steigert sich das Chaos. Das Buch ist sehr gut geplottet, bietet kleine Hinweise auf Kommendes und baut gut aufeinander auf, sogar mich vermochte es zu überraschen. Alltagsprobleme werden geschickt mit der fortlaufenden Handlung um die Suche nach dem Supervampir verbunden.


SPRECHER

Anton Sprick macht seine Sache prima, passt sehr gut zu dem jugendlichen Darsteller und vermag die witzigen Momente gut hervorzuheben, ohne das Buch albern werden zu lassen. 1994 geboren, ist er noch einer von den jungen Sprechern. Ich finde es schön, wenn gerade für Jugend- und Kinderhörbücher bevorzugt frische Stimmen genommen werden. Und es freut mich, wenn ich neue Stimmen für mich entdecke statt immer nur die gleichen bekannten Sprecher zu hören.


FAZIT

WIE MAN DIE RATSCHLÄGE SEINER ELTERN IGNORIERT ist ein pfiffiges Hörbuch für Jugendliche, das mir große Freude bereitet hat und das ich sehr gerne weiterempfehle.


SaschaSalamander 08.10.2012, 08.47 | (0/0) Kommentare | PL

Three Wolves Mountain

naono_3wolves_1.jpgINHALT

Jirou und sein älterer Bruder Tarou sind Werwölfe. Sie wurden von ihren Eltern aus dem Haus geworfen und müssen nun auf eigenen Beinen stehen. Da treffen sie den Café-Inhaber (und außerdem Friedhofswächter) Kaya. Nachdem sie seinen Kühlschrank leergefuttert haben, arbeiten sie ihre Schuld ab, indem sie ihm im Café zur Hand gehen. Schnell verliebt sich Jirou in Kaya, doch dieser hat anderes im Sinn: er muss das Grab seines verstorbenen Bruders bewachen. Außerdem stehen plötzlich die Eltern vor der Tür und wollen, dass die beiden Brüder nach Hause kommen. Und dann wäre da noch Tarous Verlobte, die ebenfalls für einigen Wirbel sorgt.


AUFBAU, GENRE

Hier vergibt die Zeichnerin leider einiges Potential. Wie schon aus der Inhaltsangabe ersichtlich, werden mehrere Handlungsstränge angerissen und aufgebaut, keiner davon wird allerdings so richtig vertieft. Eine klare Handlung im eigentlichen Sinne ist nicht geboten. Vielmehr bekommt der Leser einzelne kleine Episoden präsentiert, die sich einem neuen Thema widmen und zudem gelegentlich Elemente der vorherigen Episoden enthalten.

Das finde ich sehr schade, denn das Thema Werwolf ist zwar nicht gerade die Erfindung des Rades, aber Bohra Naono zeigt, dass sie es auf witzige und ansprechende Weise umzusetzen vermag. Mit viel Witz und hübschen Zeichnungen ist der Leser vom ersten Moment an gefesselt, ich konnte den Manga nicht mehr aus der Hand legen. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass man mindestens eine dreiteilige Serie, vielleicht sogar noch mehr Bände daraus macht. Und dafür dann intensiv auf die einzelnen Aspekte eingeht. So wird der Hintergrund des Werwolf-Clans sogut wie überhaupt nicht beleuchtet, auch der tote Bruder bekommt nur eine Nebenrolle. Allein die Idee rund um den Friedhof und die Grabräuber würde ebenfalls Stoff für einen eigenen Manga bieten. Von den Yaoi-Elementen zwischen Jirou und Kaya ganz zu schweigen.

Durch die verschiedenen Handlungsebenen ist es auch schwer, das Genre einzusortieren. Klar, es ist ein Yaoi. Aber es ist zugleich auch eine Komödie, enthält außerdem Mystery und Horror-Elemente. Eine faszinierende Mischung, und einige Male musste ich an meinen Lieblingsmanga YAMI NO MATSUEI denken, der auf ähnliche Weise bei mir punktet. Doch leider bleibt es hier beim Yaoi, und leider ist die "Handlung" mehr als dünn.


ZEICHNUNGEN, YAOI

Die Zeichnungen gefallen mir ausgesprochen gut. Gelungen finde ich die Szenen, in denen Jirou teilweise als Wolf zu sehen ist. Er kann sich im Gegensatz zu seinem Bruder nicht komplett verwandeln, mal sind es nur Ohren und Schweif, ein andermal geht er auf zwei Beinen und hat den Oberkörper eines Wolfes. Gerade in den erotischen Momenten gibt das einiges an Spielart her, etwa wenn der buschige Schweif geschickt eingesetzt wurde, um dadurch nicht allzu explizit werden zu müssen. Die Körperproportionen wurden hier sehr gut dargestellt, ich finde die Körper realistisch und teilweise auch ziemlich lecker.

Meistens begnügt sich die Zeichnerin mit Rasterfolie und einfachen Mustern zur Gestaltung des Backgrounds. Wenn jedoch einmal die Wohnungseinrichtung oder eine Landschaft zu sehen ist, dann ist diese sehr schön gezeichnet. Nicht so detailliert, dass ich lange darin versinken würde, aber dennoch ausreichend, um für eine dichte Atmosphäre zu sorgen und die jeweilige Szene zu intensivieren.

Was mich sehr stark stört sind ein, zwei Artworks, auf denen Jirou als Kind dargestellt wird (nicht im expliziten Kontext, sondern neutral). Das geht in den Bereich Sh*ta-Con, was mir zutiefst zuwider ist, und ich frage mich immer noch, weshalb solche Zeichnungen in Deutschland in Yaoi-Mangas veröffentlicht werden.


FAZIT

Der Manga hat mich sehr gut unterhalten, die Zeichnungen waren sehr schön, und ich hätte zu gerne mehr davon gelesen, liebend gerne würde ich sechs oder gar sieben Punkte vergeben. Da die Handlung allerdings trotz der schönen Vorlagen sehr vernachlässigt wurde und wegen des angedeuteten Sh*ta-Aspektes muss ich auf jeden Fall einen Punkt abziehen. Schade, denn eigentlich ein wirklich toller Manga, der bei mir nun auch im Regal steht und den ich sehr gerne ein weiteres Mal lesen werde.

Wertung: 3,6 von 5 Grabräuber

SaschaSalamander 02.10.2012, 09.15 | (0/0) Kommentare | PL

Amadeus 03 - Schofar

INHALT

In der dritten Folge der neuen Reihe AMADEUS bekommt Mozart angeboten, als Organist im Kloster an der alten Orgel zu spielen. Er ist begeistert und setzt sich sofort an das Instrument. Dabei bemerkt er, dass eines der Register defekt ist und will der Sache nachgehen. Auch verwundert es ihn, dass von beiden vorherigen Organisten keine Aufzeichnungen über den Gebrauch der Orgel vorhanden sind, ja man sogar einen der beiden sogar regelrecht totzuschweigen versucht. Was ist mit den Organisten geschehen? Und was hat es mit dem seltsamen Geräusch aus den Katakomben des Klosters auf sich?


AUFBAU

Auffällig und positiv bisher finde ich, dass es bisher keine "klassischen" Kriminalfälle sind, in denen Mozart und Resch ermitteln. In der ersten Folge ein grausamer Todesfall, dessen Zeuge sie gezwungenermaßen wurden. Darauffolgend ging es eher nebenbei um die Klärung des Falles (der eigentlich recht offensichtlich erschien anfangs) und vielmehr um eine bahnbrechende Neuheit. Und in SCHOFAR nun weiß der Hörer zwar durch das Intro von einem Verbrechen, doch dessen Hintergrund wird dem Hörer erst recht spät klar, und Mozart selbst hat in dieser Folge nicht wirklich mit einem Mord zu kämpfen als vielmehr mit einer kaputten Orgel. Wie man aus einem kaputten Register fast ein komplettes, spannendes Hörspiel gestalten kann und dann zum Ende hin nicht nur einen blutigen Mord, sondern sogar noch ein bombastisches Finale zaubern kann, finde ich erstaunlich und hätte es nicht für möglich gehalten. Erstaunlich und beachtenswert!


CHARAKTERE UND SPRECHER

Mozart und Resch agieren wieder perfekt als Team: frech und gewitzt vs rational und gelassen. Während Resch sachlich seine Schlüsse zieht, überschreitet Mozart wieder einmal einige Grenzen, um sich mit kleinen Listen die Aussagen anderer Personen einzuholen, für ihn scheint alles ein Spiel. In dieser Folge bilden nicht nur Mozart und Resch einen Gegenpart, sondern auch Mozart und die Kirche. Sein Programm ist sehr weltlich angehaucht, und sein Verhalten ist für die Ordensbrüder sehr gewöhnungsbedürftig bzw geht einige Male zu weit, der Hörer kommt in den Genuss einiger witziger Dispute.

Bodo Wolf als Bruder Adelphus spricht seine Rolle überzeugend und mit entsprechender Würde, ich sah den Mönch regelrecht vor mir. Obwohl er als Inspektor Gomery eine regelmässige Rolle in LADY BEDOFORT spielt, hatte ich kein Problem, sofort umzuschalten und in ihm statt des Inspektors nun den Ordensbruder zu sehen. Was mich fasziniert ist Rainer Fritzsche, den ich nun schon in vielen unterschiedlichen Rollen hörte und der es dennoch schafft, jedes Mal neu zu erscheinen, sodass ich ihn zwar erkenne aber dennoch nicht mit einer festen Rolle assoziiere (und das, obwohl Basil Creeper aus JACK SLAUGHTER wirklich sehr markant ist). Auch Dennis Rohling, Stefan Fredrich, Helmut Gauß und Bert Franzke sind Hörspielfreunden inzwischen gut bekannt und verkörpern ihre jeweiligen Rollen passend und angenehm.


THEMEN

Natürlich geht es wieder um Musik. Hier besonders um die Königin der Instrumente, die Orgel. Ohne sie explizit zu erklären, wird hier ziemlich intensiv auf Bauart und Spielweise der Orgel eingegangen. Die Beschreibung der verschiedenen Register, die Kalkanten und der zugehörige Klingelzug, die Bauweise und die Besonderheiten des Orgelspiels. Ich denke, das ist schon sehr speziell, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass gerade diese Teile für manche Hörer wenig interessant sein könnten, es ist recht gewagt vom Hörplaneten, ein solch ungewöhnliches und vor allem spezielles Thema für ihre neue Reihe zu wählen. Dafür finde ich die Umsetzung umso gelungener, kann mir vorstellen, dass auch Hörer, die sich im Alltag wenig mit klassischer Musik und Instrumentenbau beschäftigen, von AMADEUS fasziniert sind, einfach weil es einmal etwas komplett anderes ist und diese Themen eben geschickt in den Fall um die verschwundenen Organisten und die zu Beginn angedeutete Leiche eingebaut ist, ohne den Hörer zu langweilen.

Der Kriminalfall selbst ist ebenfalls sehr gut inszeniert. Da es ein historisches Hörspiel ist, sind die Motive nicht nur die heute üblichen, sondern eben entsprechend eingebunden in die damalige Zeit, in diesem Fall die katholische Kirche und entgegengesetzte häretische Ansinnen. Auch das, was dem Hörspiel seinen Titel gab, ist wirklich grandios. Allein dieses uralte Thema auf diese Weise einzubinden finde ich wirklich einzigartig und neu, würde dafür gerne zusätzliche Extrapunkte vergeben sowohl für den Mut zu solch ungewöhnlichen Themen wie auch für die Idee an sich.


UMSETZUNG

Einzelne Stücke von Mozart, aber auch eigens für das Hörspiel komponierte Melodien sorgen für die perfekte Untermalung. Auch hier wurde wieder sehr gut die Waage gehalten zwischen leichtfüßiger Unterhaltung und düsteren Momenten, in denen die Musik unterschwellig bereits die Gefahr ankündigt und später in den Katakomben für wohlige Schauer sorgt.

Besonders gelungen fand ich in dieser Folge die Geräusche. Und wieder betone ich die Szenen, die sich in den Katakomben abspielen. Bereits die Stimmung des Klosters bzw der Kirche war sehr gewichtig und beklemmend, versetzen den Hörer in kalte Gemäuer und dunkle Gänge, doch als es dann unter die Erde ging, fühlte ich mich regelrecht beklommen, meinte den alten Moder zu riechen, die Nässe aus den Wänden kriechen zu spüren, ein Effekt führte sogar dazu, dass ich regelrecht erschrak und danach erst einmal tief durchatmen musste (und ich bin in Hörspielen beileibe nicht schreckhaft, doch diesmal war ich sosehr in das Hörspiel versunken, sosehr von der Szene gebannt, dass ich richtig zusammenzuckte).


EIGENE MEINUNG

Ich habe mich zu Beginn amüsiert (über Mozart, Resch und die witzigen Dialoge), später etwas gegruselt (als die Atmosphäre immer dunkler wurde) und war zum Ende hin einerseits angeekelt (von der Auflösung eines Teils des Falles) wie auch tief berührt (von der Tragik der Situation). AMADEUS ist eine Reihe, die für mich mehr ist als nur Unterhaltung oder Spannung, sie berührt etwas in mir und trifft genau meinen Nerv wie nur wenige andere Titel.


FAZIT

Waren eins und zwei bisher schon gelungen, Folge drei vermag sie zu toppen. Die Verbindung von historischen Elementen, witzigen Dialogen und einem packenden Mordfall ist hier besonders dicht gewebt. Beim Hören taucht man sofort ab in die Atmosphäre des Klosters und der dunklen Katakomben, wird hineingezogen und am Ende mit einem bombastischen Finale belohnt. Absoluter Hör-Tipp!

Wertung: Wertung: 14,8 von 15 häretische Beile im Haupt der Madonna

SaschaSalamander 24.09.2012, 09.05 | (0/0) Kommentare | PL

Amadeus 02 - Rosignolo

amadeus02_rosignolo_1.jpgINHALT

Eine Sängerin wird nach ihrem großen Auftritt umgebracht. Der Täter, ihr Liebhaber Ferragosta, richtet sich danach selbst. Der Fall scheint eindeutig. Doch als plötzlich die Stimme der angeblich toten "Nachtigall" zu hören ist, wird bald klar: hier wurde ein hinterhältiges Spiel inszeniert, in dem alle nur als Marionetten benutzt wurden, um am Ende etwas Bahnbrechendem den Weg zu ebnen. Doch die Strippenzieher haben nicht mit Mozarts aufbrausendem Temperament und Reschs Entschlossenheit gerechnet ...


ATMOSPHÄRE

ROSIGNOLO besticht durch seine sowohl in historischer als auch akustischer Hinsicht realistisch umgesetzte Kulisse: In >WOLFER< wurden die Hörer in einen dunklen Wald geführt. Hier dagegen ist es hell, glänzend und voller Leben: das Nationaltheater, ein großer Empfang, die Reichen und Mächtigen der Gesellschaft. Hier wird mit hocherhobener Nase diskutiert und philosophiert, und natürlich gibt es auch Intrigen, Betrug und Neid. Schon vom ersten Moment an konnte ich mich gut an den Ort des Geschehens versetzen, das Durcheinander der vielen Menschen, die Musik, die angeregten Diskussionen, das alles wurde sehr lebendig umgesetzt, die Geräusche als perfekte unauffällige Hintergrunduntermalung eingebaut.


THEMEN

Thematisch werden hier Realität und Fiktion sehr gut gemixt, und Mozarts Schaffen nimmt eine wichtige Rolle in dieser Episode ein, alles dreht sich um die Musik. Und natürlich um einen Mord. Zwar ist nach der Hälfte des Hörspieles klar, worauf es hinausläuft, doch auch danach bleibt es spannend, geht in eine völlig neue Richtung, und ich möchte nichts vorweg verraten, halte mich bedeckt. Was ich aber anmerken möchte: interessant, was man daraus gemacht hat, wie Mozart darauf reagiert und wie man um die Sache herum eine solche Geschichte entspinnen konnte. Ob das zu Mozarts Zeiten bereits ein Thema war, vermag ich nicht zu sagen, doch eine Andeutung ganz am Ende stellt eine Frage, die einige Aspekte des Hörspieles sowieso in ein völlig neues Licht rückt. Ich bin gespannt, wie sich dies in den zukünftigen Folgen auswirken wird und was sich daraus entwickelt. Ein wirklich geschickt - fieser Cliffhanger, den man hier geboten bekommt!


CHARAKTERE UND SPRECHER

Was Mozart von all dem hochtrabenden Geschwätz und der Arroganz seiner Mitmenschen hält, gibt er in recht eindrucksvollen Worten wider, der Hörer darf sich auf einige Wutausbrüche und unschickliche Beleidigungen ganz im Stil des frechen Komponisten freuen. War er im ersten Teil schon recht dreist, legt er hier noch einmal einen Zacken an Schärfe zu, eine seiner ersten Beschimpfungen über den Arbeitgeber, welcher ihn vor die Tür setzte, wage ich hier gar nicht widerzugeben ;-)

Neben Mozart und Resch begegnet der Hörer hier erstmals Constanze Weber, Mozarts späterer Ehefrau, ein interessanter Nebenstrang im Rahmen der Hörspielreihe. Constanze wird gesprochen von Luisa Wietzorek, die als Schauspielerin und Synchronsprecherin schon einige Erfahrungen gesammelt hat. Sie vermag mit ihrer Stimme neben Kluckert, Knauer und Hasper gekonnt die bisher fehlende weibliche Note einzubringen und die Gruppe zu bereichern.

Auch die anderen Sprecher überzeugen in ihren Rollen. Wen ich diesmal allerdings besonders hervorheben möchte, das ist der Sprecher des Georg Tonlechner, und als ich ihn hörte, musste ich doch glatt zurückspulen und noch einmal hören, ob ich mich nicht verhört hatte: Santiago Ziesmer? Tatsache, Santiago Ziesmer! Der herzliche Inspektor Miller, der hyperaktive Steve Urkel, der freundliche SpongeBob - er kann auch ganz anders, nämlich so richtig unsympathisch und fies! Mag sein, dass er schon in anderen Rollen den Fiesling gesprochen hat, für mich war es neu, und ich war erstaunt. Und er macht es hervorragend, schon vom ersten Moment an ist der Hörer abgeneigt und fühlt sich angewidert von dieser unangenehmen Person. Ich hätte es nicht gedacht, aber Ziesmer ist richtig klasse als widerlicher Unsympath


AUFBAU

Was leider nicht ganz perfekt ist, das ist der Aufbau der Geschichte. Anfangs scheint alles offensichtlich, sodass sich in der ersten Hälfte die Frage stellt, wohin all die später folgenden Diskussionen um gänzlich andere Themen bitte hinführen sollen und was das mit der Sache zu tun hat. Als dies dann offenbar wird, steigt die Spannung etwas an, bis hin zu einem ziemlich actionlastigen (und von den Effenten her wieder hervorragend umgesetzten) Showdown. Dazwischen aber gab es einige Längen, die zwar nicht gravierend ins Gewicht fallen, leider aber dafür sorgen, dass das Hörspiel nicht ganz so dicht gestrickt ist und der Hörer hier und da einmal kurz gedanklich abschweifen könnte.


FAZIT

Nach dem grandiosen Auftakt mit >WOLFERL< hatte ich natürlich sehr hohe Erwartungen, die nicht ganz aber immerhin fast erfüllt wurden. Die Story ist sehr schön umgesetzt, die Sprecher leisten professionelle Arbeit, neue Handlungsstränge für weitere Fortsetzungen werden gelegt, Musik und Geräusche bilden eine harmonische Einheit mit den Dialogen und dem Erzähler. Trotz kleiner Längen im Mittelteil ist ROSIGNOLO angenehm zu hören und weiß die Hörer auf hohem Niveau zu unterhalten.

Wertung: 12 von 15 zukunftsweisende Aufzeichnungen

SaschaSalamander 22.09.2012, 09.05 | (0/0) Kommentare | PL

Amadeus 01 - Wolferl

VORAB

Bereits letztes Jahr hat der Hörplanet sein neues Projekt angekündigt, lange wurden die Hörer auf die Folter gespannt, lange stellte sich die Frage, was nun bald kommen würde. Dann wurde es enthüllt: AMADEUS. Ein Hörspiel um den berühmten Wolfang Amadeus Mozart. Was natürlich zu Ratlosigkeit aber auch Neugier führte, denn das klang doch sehr gewagt und ungewöhnlich, die ersten Teaser dienten weniger einer Antwort auf die Frage nach dem Inhalt der neuen Serie als darauf, die Hörer neugierig zu machen. Auch das Genre war unklar. Was mich persönlich betrifft muss ich offen sagen, dass ich sehr, sehr skeptisch war. Sosehr ich klassische Musik liebe, und so gerne ich Hörspiele mit historischem Hintergrund mag - ein Mozartfan war ich noch nie, und auch Ort und Zeit in Wien sind nicht gerade das, was ich mir als spannende Kulisse ausgemalt hätte. Um die Hörproben bin ich lange herumgeschlichen, habe es nicht so recht gewagt. Nun aber lagen die ersten drei Folgen vor mir, und ich habe mich auf das Abenteuer AMADEUS eingelassen. Und jetzt ... tja, jetzt bin ich angefixt und werde versuchen, Euch ebenfalls neugierig zu machen ;-)


KLAPPTENTEXT

Es war im Frühjahr 1781. Wir hatten unsere Reise nach Wien unterbrochen und in einer kleinen Poststation Halt gemacht. Dort gingen furchterregende Dinge vor sich. Was mochte dem armen Mädchen widerfahren sein, das am ganzen Leib zitterte und unentwegt ins Feuer starrte? Und welch blutiges Schicksal war dem Gangleder beschieden, den wir tot auf dem Häußgen fanden - grausam zugerichtet und mit geraubtem Herzen. Mit dem Mute der Verzweiflung folgten Amadeus und ich der Blutspur des Mörders…


GRUNDIDEE, RAHMEN, GENRE

Jürgen Kluckert (Tim Denham, Benjamin Blümchen, Mr Crabs) bildet den äußeren Rahmen der Geschichte. Der gealterte Arzt Dr. Justus Resch erzählt von damals, als er Mozart begegnete und was er mit ihm erlebte. Kluckerts Texte sind teils philosophisch angehauchte Monologe, teils handlungsbegleitende Beschreibungen. Jedoch wird hier nicht der Schwerpunkt auf den Erzähler gelegt, der die Geschichte vorantreibt, die Geschichte wäre auch ohne diesen Part sehr gut zu verstehen und könnte gut auf eigenen Beinen stehen. Von daher bin ich sehr gespannt, ob dies noch eine tiefere Bewandnis haben wird. Natürlich, Resch und Mozart werden gemeinsam vieles erleben, sodass er sich als Beobachter eignet. Doch noch ist offen, ob dem Arzt später eine engere, vertrautere Rolle zukommen wird, oder ob er weiterhin der zufällige Begleiter an der Seite des jungen Komponisten bleibt.

Die Handlung selbst wird als Hörspiel erzählt, beinhaltet mystische und kriminalistische Elemente. In der ersten Folge ist anfangs unklar, ob Mozart und Resch es mit einem Werwolf zu tun haben, oder ob menschliche Machenschaften hinter dem grausen Mord stecken. Durch die düstere Untermalung wirkt es gruslig, jagt beim Hören einen leichten Schauder über den Rücken, ist stellenweise regelrecht eklig. Der Hörplanet hat die Einteilung in ein einziges Genre hier klar vermieden, setzt sich über die Schubladen hinweg und vermischt Historie, Krimi, Thriller und Mystery auf ungewöhnliche Weise. Zugegeben, ich hatte diese Konstellation anfangs für nicht möglich gehalten, und das Cover mit einerseits dem traditionell mystischen Wolf und andererseits dem allseits bekannten Mozart-Bild lässt den Hörer irritiert zurück. Doch nach dem Hören ist klar: dieser Mix ist gelungen!

Die Verbindung aus Fiktion und Realität ist etwas, das ebenfalls zum Konzept dieser neuen Serie gehört. So finden sich immer wieder Anspielungen auf reale Geschehnisse sowie auch das Leben des großen Komponisten. Auf der anderen Seite ist da natürlich die künstlerische Freiheit, Mozart auf eine Reise zu schicken, wo er immer wieder in tödliche Abenteuer verstrickt wird. Es gibt reale Charaktere (so trifft der Hörer ab der zweiten Folge etwa auf Constanze Weber), doch die meisten Figuren, allen voran Mozarts Begleiter Dr. Justus Resch, sind fiktiv.

Mozart und Resch stellen übrigens kein klassisches Ermittlerduo dar. Während Dr. Resch sich seine eigenen Gedanken dazu macht, ist Mozart vielmehr mit sich selbst beschäftigt. Dies gefällt mir, weicht in seiner Struktur klar von den klassischen Mustern aus Ermittler und Helfer ab und bietet dadurch abwechslungsreiche Spannung, die einmal nicht nach dem üblichen Muster verläuft.


CHARAKTERE, SPRECHER

Mozart ist ein Charakter, der für ein Hörspiel ungewöhnlich ist, in den üblichen Medien aber bereits eine inzwischen schon übermäßige Präsenz zeigt. Zeichentrickfilm, Realverfilmung, Bücher, er ist einfach eine schillernde Persönlichkeit, eine ideale Mischung aus Genie und Wahnsinn, dazu eine ordentliche Ladung Arroganz, Egoismus und kindlichem Gemüt. Es ist schwer, ihn wirklich zu mögen, er war ein unangenehmer Zeitgenosse, und dennoch faszinierend und auf seine Weise trotz allem auch irgendwie sympathisch. Diese Widersprüche werden hier sehr gut eingefangen. Tim Knauer ist die ideale Besetzung für den quirligen Lebemann, verkörpert die kindlich verspielte Leichtigkeit ebenso realistisch wie den derben Humor und die selbstbezogenen Momente. Tim Knauer hat als Sprecher sowohl in Hörspielen wie auch TV-Serien bereits Erfahrung gesammelt, war mir bisher als Stimme jedoch nicht präsent. Es gefällt mir, eine neue Serie auch mit neuen Sprechern zu besetzen. Dadurch wird mir als Hörer der Zugang erleichtert, ich muss keine alten Rollen und Bilder aus meinem Kopf löschen, um mich neu darauf einzulassen, sondern kann völlig aufgeschlossen den neuen Stimmen lauschen.

Dr. Resch wird gesprochen von Kim Hasper. Ihn kannte ich bereits als Tom Cole aus POINT WHITMARK, außerdem spricht er in weiteren Hörspielreihen wie auch als Synchronsprecher für Filme, TV-Serien und Anime. Auch er also ein professioneller Sprecher, der dennoch angenehm frisch klingt und wunderbar zu dieser ruhigen Rolle passt. Der analytische und gebildete Dr. Resch ist das Gegenstück zum hyperaktiven Mozart, ist ruhig und besonnen, macht sich umfassende Gedanken und ist ein scharfer Beobachter. Als Arzt hat er schon viel gesehen, ist nicht leicht zu beeindrucken. Während die anderen Mozarts grenzverletzendes Verhalten als störend empfinden, kommt er gut mit ihm klar, vermag seine Aufdringlichkeit zu ignorieren und sich stattdessen auf seine Lebendigkeit und Lebensfreude einzulassen

Die Nebencharaktere sind sehr schön dargestellt, die Sprecher verleihen ihnen glaubhaft Leben, und auch die Dialoge werden ihnen geschickt in den Mund gelegt, schnell hat man einen Zugang gefunden zu den Mitreisenden und den Wirtsleuten. Mit Tomas Petruo, Victoria Sturm, Sabine Jäger, Rainer Fritzsche, Stefan Fredrich, Bert Franzke, Harald Effenberg, Frank-Otto Schenk und Dennis Rohling finden sich hier Sprecher, die man als LADY BEDFORT-Fan alle bereits gehört hat, gelegentlich auch aus anderen Produktionen kennt und die mit ihrem Auftreten überzeugen.


DIALOGE

Die Dialoge sind das, was für mich den größten Reiz an dieser Folge ausmacht. Sie stellen die Verbindung zwischen den düsteren Geschehnissen und der locker-verspielten Art des "Wunderkindes" Mozart dar. Mir gefällt der Witz, den der Autor Sebastian Weber (ORDENSSCHWESTER AMELIE, LADY BEDFORT) hier geschickt eingebaut hat. Mozart steht immer im Mittelpunkt, selbst wenn er nur im Hintergrund agiert, ständig muss er dazwischenreden, Selbstgespräche führen, sich unpassenderweise einbringen. Er fällt den Leuten ins Wort, beendet ungefragt deren Sätze, immer muss sich alles nur um ihn drehen. Und er ist bekannt für seine derben Ausdrücke, die auch hier nicht geschönt werden. Hier spricht er auch schon mal von Ärschen oder davon dass er furzen muss. Dabei wirkt die Sprache nicht vulgär, sondern eher humorvoll, und sie passt auch in die damalige Zeit, wo es nicht unüblich war, sich auf diese Weise auszudrücken. Es freut mich, dass man hier kein Blatt vor den Mund genommen hat. So unverblümt Mozarts Äußerungen sind, so filigran, gewandt und voller Wortwitz sind die Aussagen von Dr. Resch und den anderen Charakteren. Ich liebe die Wortgefechte, mal simpel und direkt, mal wortreich und verstrickt. So etwa "Ich habe die Ehre, das Missvergnügen zu haben", "wenn ich mich damit zufrieden geben würde, was ich habe, wenn ich mich je zufrieden gegeben hätte, was wäre ich dann" oder "der Mann HAT keine Wunde, der IST eine Wunde".

Die Handlung selbst ist recht düster, es gibt einige Gänsehautmomente, actionreiche Spannung und einen Showdown mit einer Verfolgungsjagd. Und besonders in den tragischen Momenten kann Mozart es nicht lassen, ein unpassendes Kommentar abzuliefern. Es klingt wie eine unvereinbare Mischung, doch dem Label ist es gelungen, diesen schmalen Grat nicht zu überschreiten, niemals ins Alberne abzudriften oder die Atmosphäre zu zerstören.


UMSETZUNG

Die Atmosphäre ist trotz des Humors und der Leichtigkeit der Charaktere eher düster, man meint beim Hören regelrecht den Nebel zwischen den Bäumen aufsteigen zu sehen, wenn die Kutsche ihre Rast im Wald macht. Die Geräusche und Effekte sind genau so, wie ich sie mag: man muss sehr bewusst darauf achten, sonst gehen sie wie selbstverständlich in der Handlung unter, ergänzen die Sprecher und dienen vor allem einem dichten Hörgenuss ohne "Lücken". In besonderen Momenten allerdings treten sie hervor, man hört beispielsweise die Knochen knacken, das Blut spritzen, eine ordentliche Portion Ekel, die sogar den erfahrenen Wundarzt Dr. Resch überrascht.

AMADEUS ist ein Hörspiel auf historischer Basis, und die damalige Zeit wird hier vor dem inneren Auge des Hörers lebendig. Altmodische Formulierungen, damals übliche Redensarten, die Gepflogenheiten, auch Anspielungen auf die Forschung, Politik und Gesellschaft finden sich zuhauf und sorgen für eine realistische Umsetzung des Themas. Der Autor hat sich intensiv mit dieser Zeit auseinandergesetzt und versteht es, die Hörer in seinen Bann zu ziehen, auf eine spannende Zeitreise zu schicken.

Dem Hörspiel gelingt es außerdem, beide Hörerschaften zufriedenzustellen: die "Nebenbei-Hörer", die gerne während des Abspielens Hausarbeit erledigen, Auto fahren etc. Aber auch die "Puristen", die sich bewusst hinsetzen und nur dem Inhalt lauschen. Der Handlung ist einfach zu folgen, die Atmosphäre wird gut transportiert, der Humor ist auch nebenbei ersichtlich. Wer sich allerdings intensiver auf das Werk einlässt, bekommt viele Feinheiten und unterschwellige Anspielungen und Scherze geboten, die bei oberflächlichem Hören wohl verlorengehen (aber nicht handlungsrelevant sind). Somit also perfekt, die CD auch mehrfach zu hören, ob nun nebenbei oder pur.


MUSIK

Die Musik sind Variationen zu - na, zu was sonst, zu Mozarts Werken. Sowohl inhaltlich (etwa die Anspielung auf sein Werk IDOMENEO) als auch musikalisch dreht sich neben dem Mord natürlich alles um Mozart. Titelsong der Serie ist die bekannte Melodie aus der Symphonie No 40 in einer sehr schönen, Hörplanet-typischen Variation. Diese taucht abgesehen vom Intro auch gelegentlich als Teil des Soundtracks auf. Auch andere bekannte Themen des Komponisten werden aufgegriffen, bekommen ein neues Gewand und werden teilweise recht original übernommen und andernorts geschickt überarbeitet und zu beinahe neuen Melodien verarbeitet. Auch hier ist der Spagat gelungen: es ist erstaunlich, dass diese verspielten, leichten Melodien als Untermalung für ein solch düsteres Hörspiel dienen können, doch es funktioniert.

Bekannte und weniger bekannte Melodien des großen Musikers werden in das Hörspiel eingebunden. Auch eigene Kompositionen des Hörplaneten fließen in den Soundtrack ein und bilden eine kongeniale Untermalung der jeweiligen Handlung. Auch, wenn man als Hörer wohl nicht jede von Mozarts 626 Melodien kennt und daher nicht immer klar differenzieren kann - es gefällt und passt wunderbar zusammen. Mir hat die Musik in dieser ersten Folge ausgesprochen gut gefallen und sorgt dafür, dass ich mir die CD gerne mehrfach anhören werde.


FAZIT

AMADEUS 01 WOLFERL ist ein gelungener Auftakt in die lange erwartete neue Serie. Dramatik, Mystery, Spannung, ein historisches Setting und jede Menge Unterhaltung - der Hörplanet hat es geschafft, ein Hörspiel auf den Markt zu bringen, wie es in dieser Form noch nicht zu hören war. Ich wünsche der Serie großen Erfolg und hoffe auf viele weitere Folgen voller Tiefgang und Esprit.

Wertung: 14,5 von 15 schändlichst vernachlässigte Spinette

SaschaSalamander 18.09.2012, 08.29 | (0/0) Kommentare | PL

Barnaby Grimes - Der Fluch des Werwolfs

stewart_grimeswerwolf_150_1.jpgIm Juli 2010 hörte ich BARNABY GRIMES von Paul Stewart. Schon einige Zeit her, die Rezension damals geschrieben aber noch nicht veröffentlicht. Zeit wird´s ;-)

Denn auch wenn es schon über zwei Jahre her ist und ich mich nicht mehr an Details erinnere, habe ich das Hörbuch in sehr guter Erinnerung, ...

***********************

Paul Stewart ist mir bekannt von der Reihe "aberwitzige Abenteuer" und den "Klippenlandchroniken" (absolut genial, gehören zu meinen Top Favoriten). Schon länger war ich scharf auf den Titel "Barnaby Grimes - der Fluch des Werwolfs", und letztens fiel er mir dann endlich auch in die Hände. Mit Genuss begann ich die beiden CDs.

Barnaby Grimes ist Tick-Tack-Junge im alten London, das heißt, er bringt Briefe und Nachrichten so flink als möglich zu ihrem Empfänger. Zeit ist Geld, und die Zeit eilt dahin. Er springt über die Dächer, krabbelt durch engste Winkel und ist einer der geschicktesten Jungs der Gilde. Eines Nachts trifft er auf einen unheimlichen großen Wolf. Bald lernt Barnaby auch den seltsamen Dr. Catwallader kennen: dieser erweist sich als Held der Armen, und gerade ihnen hilft er mit seinem Wunderelixier zu neuer Gesundheit. Doch Barnaby erkennt, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht. Warum verschwinden die Geheilten kurz nach ihrer Therapie? Woher auf einmal die neue Mode des Westfalen-Pelz? Wie kommen auf einmal so viele Wölfe in die Stadt?

Ein spannendes Abenteuer im Stil der viktorianischen Romane, wie ich sie sosehr liebe. Viel kann ich dazu gar nicht sagen. Mit Twig oder den aberwitzigen Abenteuern hat dieses Buch wenig zu tun, der Humor bzw Stil ist ein anderer. Dennoch ein sehr schönes Buch. Schon das erste Kapitel ist absolut spannend und zeigt dem Leser, was ihn bald erwarten wird. Ich mag den pfiffigen Jungen und seine schrägen Freunde aus der Unterschicht. Obwohl Schuppen-Sally oder der Kutscher nur ganz kurz auftauchen, sind sie bereits sympathisch. Gut und Böse sind hier ganz klar verteilt, die Geschichte ist absolut vorhersehbar. Und doch ist es einfach nur schön zu lesen, ich war am Ende enttäuscht, als es vorbei war.

Das Hörbuch wird vorgetragen von Simon Jäger, der für mich neben anderen Größen wie Stephan Kaminski, David Nathan und Rufus Beck Jugendliteratur grandios vorträgt. Eine Ein-Mann-Show, besser als jedes Hörbuch, ein Mann mit tausend Stimmen. Barnaby Grimes ist zudem unterlegt mit Geräuschen, also kein klassisches Hörbuch, sondern eine sogenannte "inszenierte Lesung". Die Geräusche manchmal recht künstlich, in anderen Momenten jedoch so echt, dass ich mich auf der Straße unterwegs umdrehte, weil ich mich fragte, wo auf einmal Möwen herkommen und ob mich gerade jemand verfolgt und woher diese Kneipenmusik gerade kam?

Für Jugendliche, die spannende Gruselgeschichten und Abenteuer mögen. Für Erwachsene, die gerne Jugendliteratur lesen. Für alle, die einen schrägen Humor haben und sich gerne auf verrückte Ideen einlassen. Ein netter Leckerbissen zwischendurch, eher für den kleinen Appettit als den großen Hunger. Und es macht Lust auf mehr ...

SaschaSalamander 13.09.2012, 20.40 | (0/0) Kommentare | PL

Trix Solier 02 - Odyssee im Orient

2010 las ich bereits den ersten Band von TRIX SOLIER, leider habe ich nichts darüber geschrieben. Ein Jugendfantasy, aber im Grunde ein All-Ager, der mit seinem hintergründigen Humor auch Erwachsene begeistert. Autor ist Sergej Lukianenko, den ich mit seinen Werken unterschiedlichster Genres sehr gerne lese. Düstere Fantasy liegt ihm ebenso wie Science-Fiction oder Jugendromane. Man spürt den russischen Witz, und ich liebe es, wie er auf diese Weise ein Bild des modernen Russland vermittelt und dabei dennoch fernab von Raum und Zeit seine Geschichten spinnt, er gehört zu meinen liebsten Vertretern der modernen Fantasy.

Rezensiert habe ich von ihm bisher >WELTENGÄNGER / WELTENTRÄUMER< und >DER HERR DER FINSTERNIS<


Beschreibung des Verlages:

Trix träumt von ruhmreichen Heldentaten – und verbringt seine Lehrzeit mit ordinärer Küchenmagie. Als ihn ein Drache als »Kerlchen« bezeichnet, hat er endgültig die Nase voll. Zeit für ein großes Abenteuer! Im fernen Samarschan lauert der Mineralisierte Prophet und will die ganze Welt unterwerfen. Trix reist in die Wüste und trifft dort nicht nur auf Drachen in Riesenkükenform, fremdbeschleunigte Kamele, Zwerge und einen hinterhältigen Dschinn im Hawaiihemd, sondern auch auf alte Freunde. Zusammen mit Fürstin Tiana, dem gewitzen Klaro und Annette, der rauschkrautsüchtigen Fee, begibt sich Trix auf die Jagd nach dem mächtigsten Wesen der Welt.


Meine Meinung zu diesem Buch:

Trix Solier ist ein Zauberlehrling, der schon im ersten Band viele Abenteuer bestehen musste. Auch der zweite Teil - dieses Mal spielt die Geschichte im Orient - strotzt wieder vor Anspielungen. Literatur (Goethe, Schiller, britische Limericks sowie weitere) wird dieses mal großgeschrieben, trifft Trix doch auf einen Herrscher, der regelrecht vernarrt ist in diese Kunstform. Auch Rätsel kommen in Hülle und Fülle vor, einige der Protagonisten sind ziemlich rätselvernarrt. Natürlich zaubert Trix eine Menge Dinge, die man heute unter schnöden Begriffen wie "Auto" kennt. Ich liebe es, wie Lukianenko Fantasy, Märchen, mittelalterlichen Orient und Okzident sowie die moderne Gegenwart miteinander verknüpft, alle Genres über Bord wirft. Und sich im Gegenteil sogar selbst auf die Schippe nimmt, wenn Trix und seine Freunde überlegen, was in einem typischen Abenteuer nun wohl als nächstes geschehen würde (auch in anderen Werken karikiert er sich gerne selbst). Die Charaktere wachsen dem Leser schnell ans Herz, haben alle ihre Macken und Angewohnheiten, mit denen sie schnell unverwechselbar werden.

Einziger kleiner Kritikpunkt ist für mich (nicht nur hier, sondern bei fast allen seiner Werke): Lukianenko schreibt laaang. Seine Stories sind packend und voller Abenteuer, aber hier und da könnte er gerne etwas kürzer treten. Trotzdem empfinde ich diese Momente nicht als langweilig, da sie zur Atmosphäre beitragen und die Handlung dennoch vorantreiben. Schwer zu erklären, ich versuche es mal so: Die Quest führt von A nach Z, und es gibt viele kleine Zwischenschritte, sonst wäre es ja zu geradlinig und kurz. Lukienanko führt recht viele kleine Stationen ein, sodass die Helden also sehr viele Abenteuer erleben, aber natürlich zögert sich dadurch auch alles hinaus. Ich denke, eine gute Umschreibung ist: "lang, aber nicht langweilig". Man muss Zeit mitbringen und Geduld, aber man wird prima unterhalten. Und man muss bereit sein, dass die Geschichte ziemlich viele Umwege beschreitet.

Wer Fantasy liebt und mal etwas lesen möchte, das abseits der gängigen Klischees und zu erwartenden Handlungsabläufe ein bisschen Abwechslung bietet, der ist hier goldrichtig. Auch Freunde von Pratchett und Co dürften Trix lieben, denn der Humor ist ähnlich schräg.

Und was das Hörbuch betrifft: zu Stefan Kaminski spare ich mir die Worte, er ist einfach toll und macht jedes Hörbuch quasi zum One-Man-Hörspiel, dass man meint eine ganze Riege verschiedener Sprecher vor sich zu haben. Seine Stimme, sein Vortrag, es ist wie immer meisterlich.


SaschaSalamander 10.09.2012, 14.36 | (0/0) Kommentare | PL



 






Einträge ges.: 3395
ø pro Tag: 0,7
Kommentare: 2746
ø pro Eintrag: 0,8
Online seit dem: 21.04.2005
in Tagen: 4833