SaschaSalamander
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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Märchen

Die Schneekönigin

Ich habe nun in der Vorweihnachtszeit DIE SCHNEEKÖNIGIN genossen, vorgetragen von Katharina Thalbach. Ach, ich liebe dieses Märchen, es gehört neben einigen anderen zu meinen Favoriten, und ich könnte es immer wieder gerne hören. 

Zugegeben, es ist nicht leicht, eine Rezension zu schreiben über einen Klassiker, selbst wenn er in neuem Gewand auftritt. Trotzdem möchte ich ein paar Zeilen darüber verlieren, warum ich mich für diese CD entschieden hatten, wenn ich das Märchen auch in anderer Weise hätte hören können? 

Naja, Jumbo bzw Goya Lit ist ein Verlag, dem ich vertraue, das sage ich jetzt mal ganz so direkt, auch wenn ich sonst selten konkret Werbung mache. Aber schon seit längerer Zeit verfolge ich die Neuerscheinungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, und ich wurde bisher nur sehr selten enttäuscht. Die Leute haben einfach ein gutes Gespür für die Umsetzung ihrer Titel. Manchmal ist ein Autor oder Verlag für mich einfach Garant für ein gelungenes Buch oder Hörbuch, so auch hier.

Was dazu kommt, das ist auch Katharina Thalbach als Sprecherin. Ich mag sie, ob nun als Schauspielerin (erst letztens in dem TV-Movie DIE KANZLERIN) oder als Sprecherin im Hörbuch oder Hörspiel. Sie hat eine markante, leicht kratzige und doch sanfte Stimme, mit der sie perfekt für alles passt, was nicht in der Masse untergehen darf. Daher finde ich sie ideal für diese Umsetzung, denn sie ist zwar sehr gut geeignet als "Märchenoma" für die Kleinen (durch ihren warmen, sanften Ton), bringt aber auch schelmische Untertöne und sehr viel persönlichen Charakter ein für ältere Hörer, die der Geschichte gerne neue Aspekte abgewinnen möchten. Durch Thalbachs gelungene Interpretation wurde es für mich keine Minute langweilig, und stellenweise war es, als würde ich die Geschichte zum ersten Mal hören. Gebannt lauschte ich ihrer Stimme und ließ mich verzaubern, als Gerda sich auf die Suche nach ihrem Freund machte. 

Zwischen einzelnen Passagen wird Musik von Ulrich Maske eingespielt, die sehr schön zur winterlichen Atmosphäre des Märchens passt. Kinder kommen zur Ruhe, können das bisher Gehörte sacken lassen. Erwachsene können dadurch tiefer eintauchen in die Atmosphäre, können sich entspannt zurücklehnen und genießen. 

DIE SCHNEEKÖNIGIN ist wie gesagt ein Klassiker, bei dem man viel falsch machen kann, wenn man ihn umdichtet und zusehr verändert. Auch ein stupides Ablesen des Originals ohne Liebe zum Detail (Sprecher, Zwischentöne, Musik) wäre gefährlich, denn man hat das Märchen zu zu oft gehört, als dass man den hundersten langweiligen Aufguss hören möchte. Die Balance wurde hier perfekt gehalten.

In der Vorweihnachtszeit ist dieses Märchen einfach ein Muss, und mit Katharina Thalbach und Ulrich Maske ist es dem Verlag gelungen, die ideale Besetzung für das Hörbuch zu engagieren. Eine absolute Empfehlung für alle, die dieses zauberhafte Märchen neu entdecken möchten :-)


SaschaSalamander 23.12.2013, 09.14 | (0/0) Kommentare | PL

Der Geschichtenkater

Anatol zieht durch das Land und macht Rast in einem alten Haus, wo bereits andere Tiere wohnen. Als Dank für ihre Gastfreundschaft erzählt er ihnen Abend für Abend eine spannende Geschichte.

Zufällig darübergestolpert, normalerweise hätte ich die CD gar nicht weiter beachtet, aber beim Stöbern im Programm stieß ich darauf und war völlig unvoreingenommen einfach neugierig. Und was für eine Perle durfte ich nun hören! DER GESCHICHTENKATER ist eine ganz wunderbare CD, die ich ganz sicher noch öfter hören werde :-)

2 CDs, die Geschichten erzählt von >Ursel Scheffler<, über die ich hier kaum etwas erzählen muss, eine so bekannte Kinderbuchautorin muss ich nicht wirklich mehr vorstellen. Die von ihr ausgewählten Märchen sind bunt aus allen Regionen gewählt. Was mir besonders gefällt ist die Auswahl der Märchen. Es sind zwar bis auf zwei Ausnahmen alles bekannte Titel (des Kaisers neue Kleider, die Bremer Stadtmusikanten, der gestiefelte Kater, der Fischer und seine Frau, Hase und Igel, etc), doch sie gehören nicht zur Kategorie "inzwischen viel zu oft erzählt". 

Der Rahmen um den Geschichten Anatol lässt die Märchen in ganz neuem Licht erscheinen. Hier und da wird die Handlung ein wenig geändert, wird zusätzlich eine Katze oder ein anderes Tier eingebunden, so bekommt der Fischer etwa ein Haustier an seine Seite oder entpuppt sich der gestiefelte Kater als ein Urahn von Anatol. Die Geschichten werden nicht einfach so erzählt, sondern sie haben immer einen Zusammenhang, etwa die einzelnen Verwandten von Anatol oder die Erlebnisse eines Gastes, der später zur Gruppe stößt. Es ist einfach eine ganz süße Idee, alles durch die Rahmenhandlung zu verbinden, und das unterscheidet diese CD von anderen Märchensammlungen. 

Die Charaktere sind allesamt liebenswert. Obwohl die Rahmenhandlung nur einen kurzen Teil einnimmt, gelingt es Scheffler, sehr viel Wärme hineinzulegen, allen Tieren eine eigene Persönlichkeit zu verleihen. Schnell werden sie zu Freunden, die man am liebsten immer wieder einlädt, die man immer wieder hören möchte.

Aber was den GESCHICHTENKATER nun zu etwas ganz Besonderem macht, das ist der Sprecher: >Christian Rudolf<. Ich gebe zu, trotzdem er ein bekannter Schauspieler ist, war er mir völlig unbekannt, dazu sehe ich einfach zu wenige deutsche Filme und Serien. Aber nach dieser CD ist sicher, dass ich mehr von ihm will, nicht im TV sondern für die Ohren! Er ist großartig, einfach perfekt für diese Märchensammlung. Er hat eine an sich eher unauffällige, unaufdringliche Stimme, kann sich ebenso wie Stefan Kaminski und Rufus Beck selbst zurücknehmen und dann mit verstellter Stimme eine One-Man-Show abliefern wie in einem Hörspiel. In den Dialogen dann läuft er zur Höchstform auf. Er spricht mit verteilten Rollen, teilt jeder Figur eine eigene Stimme zu, die träge gemütliche Eule, der aufgeregte Hahn, die verführerische Katze, der selbstbewusste Kater, die ängstliche Maus und all die anderen Figuren werden lebendig, wenn er säuselt, lacht, ruft, kräht, krakeelt, ruft, flüstert, kichert, lockt, schmeichelt, flattert. 

Christian Rudolf ist einfach genial. Und entsprechend hoffe ich, dass er noch viele weitere Titel sprechen wird, in denen er die Möglichkeit bekommt, seine Fähigkeiten voll auszukosten. 

Alles zusammen bildet eine wunderbare Atmosphäre: die herzlichen Charaktere, die witzige Rahmengeschichte, die neu arrangierten Märchen, der herausragende Sprecher. DER GESCHICHTENKATER ist ein Schatz, der unbedingt ins Regal gehört!


SaschaSalamander 04.10.2013, 09.13 | (0/0) Kommentare | PL

Evies Garten

Klappentext: Seit die zehnjährige Evie ihre Mutter verloren hat, kommt ihr die ganze Welt kalt, grau und leblos vor. Der Umzug in eine neblige Kleinstadt mitten im Nirgendwo macht das alles nicht besser. In diesem seltsamen Ort liegt die neue Apfelplantage von Evies Vater, auf der nur alte, knorrige Bäume stehen, die nicht mehr blühen. Doch dann findet Evie einen Freund - Alex, der behauptet, ein Geist zu sein. Ist das wirklich möglich? Und gibt es einen Grund, warum die Stadt so kalt und grau ist? Evie und Alex entdecken das Geheimnis des Nebels und der leblosen Bäume ... 

EVIES GARTEN ist ein Kinder- und Jugendroman, der jedoch auch älteren und erwachsenen Lesern sehr gut gefallen wird. Er erzählt davon, wie die Protagonisten mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgehen. Tod, Verlust und Trauerbewältigung ist ein allgegenwärtiges Thema. Da gibt es zum Beispiel die alte Maggie, deren Bruder Rodney kürzlich gestorben ist und dessen Geheimnis sie nun an Evie übergeben soll. Auch Alex trägt eine schwere Bürde mit sich, die gegen Ende des Buches zu einem spannenden Twist wird. Und als Maggie aus ihrer Kindheit erzählt, handelt auch diese von sehr viel Trauer, Trennung, gebrochenen Versprechen und Menschen, die plötzlich einfach verschwinden. 

Obwohl das Thema sehr ernst ist, verspricht das Buch Hoffnung. Es ist traurig, auch ein wenig schwermütig, aber es nimmt den Leser an die Hand und spendet Trost. Es zeigt, dass es in Ordnung ist zu trauern, und es zeigt, welche Methoden Menschen dabei anwenden. Man klammert sich zum Beispiel an Gegenstände, Fotos, Gerüche, oder man vergräbt sich in Arbeit, verliert vielleicht sogar die Freude am Leben, vergisst die Menschen um einen herum, man verliert den Glauben an Magie und das Schöne im Leben, sehnt sich vielleicht sogar selbst nach dem Tod. 

Aber das Buch zeigt, dass es einen Ausweg gibt, nämlich das Leben selbst. Alle Betroffenen geraten in EVIES GARTEN an den Punkt, wo sie sich entscheiden müssen, was ihnen wichtiger ist - die Arbeit oder die Mitmenschen ... der Tod oder das Leben ... die Depression oder die Hoffnung. Nein, es ist kein leichter Weg, und es wird hier niemals verharmlos oder als einfach dargestellt. Es ist schwierig, und es tut weh, und es kommt nicht über Nacht. Aber es ist möglich. Es gibt Hoffnung, und jeder darf sie in diesem Buch finden, egal wie der Verlust aussah, und egal wie er / sie den Verlust zu kompensieren versuchte ... 

Ich bin im Nachhinein begeistert und berührt, wie sensibel alles umgesetzt wurde. Es sind sehr tiefgreifende Inhalte, und es werden elementare Fragen angesprochen, jedoch auf eine Weise verpackt, dass auch Kinder sie verstehen und diskutieren können. 

Abgesehen von diesen Elememten beinhaltet das Buch auch ein wunderschönes Märchen vom Wünschen, Sehnen, Hoffen. Es erzählt vom Garten Eden, den jeder in sich trägt. Auch gefällt mir, dass das Buch auf verschiedene Weise interpretiert werden kann. Ist es nun Fantasy, oder ist alles realistisch erklärbar? Da wird wohl jeder Leser seine eigene Wahrheit darin sehen, Kinder eine andere als Erwachsene, Träumer eine andere als Realisten. 

Für Erwachsene ist das Buch einfach nur wunderschön, um es an einem gemütlichen Abend zu lesen, dazu ein warmer Tee und ein bisschen SoulFood. Für Jugendliche zum Selberlesen. Die Kapitel sind kurz, die Sprache ist sehr einfach, sodass es auch ideal zum Vorlesen ist. Gerade für jüngere Kinder ist das Buch perfekt, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, etwa wenn sich kürzlich ein Todesfall ereignet hat oder bald zu erwarten ist. Es wird dem Leser leicht gemacht, sich in Eva und Alex hineinzuversetzen, sodass es ermöglicht wird, eigene Gefühle (auch die negativen, wie womöglich Todessehnsucht, Angst, Hoffnungslosigkeit) auf die Protagonisten zu übertragen und auf diese Weise darüber zu reden, aus sich herauszukommen und es gemeinsam mit dem vorlesenden Elternteil zu verarbeiten. 


SaschaSalamander 18.09.2013, 08.39 | (0/0) Kommentare | PL

Der Lorax

lorax02_1.jpgDER LORAX ist ein Kinderbuch von Dr. Seuss, aus dessen Feder unter anderem DER GRINCH oder HORTON HÖRT EIN HU stammen. DER LORAX wurde nun als Kinderfilm in 3D animiert und handelt von Ted, der in einer Welt ganz ohne Natur aufwächst, alles ist aus Plastik. Das Mädchen, in der er verliebt ist, würde alles tun für denjenigen, der ihr einen echten Baum besorgt. Also macht Ted sich auf den Weg, er verlässt die Stadt und trifft auf den Once-ler. Dieser erzählt ihm, weshalb es in Thneedville keine Bäume mehr gibt und was dagegen getan werden kann ...

Die Rahmenhandlung um Ted gefiel mir weniger. Sie ist simpel aufgebaut, extrem actionreich und eher von einem albernen Humor getragen. Auch die wundervollen Animationen können das für mich nicht wieder wettmachen. Wenn ich es richtig recherchiert habe, dann ist dieser Teil auch von den Machern hinzugefügt worden, während das Original nur vom Once-ler handelt und der Geschichte, die er Ted erzählt.

Der Lorax ist ein Naturgeist, beschworen in dem Moment, als der Once-ler damals den ersten Baum im Tal fällte. Die eigentliche Geschichte des Filmes handelt also davon, wie die Natur immer mehr ausgebeutet wird, die Tiere darunter leiden und die Raffgier der Menschen die Umwelt zerstört, bis nichts mehr übrig bleibt. Dieser Aspekt wurde sehr liebevoll umgesetzt. Es gelingt den Filmemachern, in diesen Szenen jede Menge Humor, Spannung und Abenteuer zu packen, auch ohne es wie in der Rahmenhandlung an Action und billigem Humor zu überfrachten.

Was mir an der Geschichte um den Lorax gefällt: es ist ein wenig altmodisch angehaucht, hat den Charme alter Kinderbücher und -filme, den ich in neuen Medien häufig vermisse. Dem entgegen steht die Handlung um Ted und die Plastikstadt, was ich wieder zu modern finde und was auch für mein Empfinden nicht wirklich zu der anderen Handlung passen will.

Ich denke, dieser Widerspruch wird gerade das sein, was viele Zuschauer mögen und wodurch sich verschiedene Zielgruppen für diesen Film begeistern können. Für meinen Geschmack allerdings hätte man sich rein auf den Once-ler und den Lorax konzentrieren sollen, denn man hätte diese Geschichte noch deutlich ausbauen können. Zugegeben, die Botschaft kommt nicht gerade auf leisen Pfoten sondern knallt dem Zuschauer plakativ ins Gesicht. Aber die Umsetzung ist einfach süß und witzig, unterhaltsam und wirklich liebevoll animiert, für Kinder eben und für die, die im Herzen Kind geblieben sind.

Markant ist im Deutschen die Stimme des Lorax. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass Danny DeVito, den ich für sein Schauspiel sehr bewundere, auch im Deutschen die Synchronstimme stellte. War ich anfangs über den seltsamen Akzent des Geistes verwundert, so war ich im Nachhinein wirklich begeistert, ich fand das eine sehr gelungene Umsetzung. Auch für die italienische, russische und spanische Übersetzung stellt er seine Stimme zur Verfügung.

Alles in allem ein Film, der mir durchwachsen gefiel. Ein Teil davon konnte mich durchweg begeistern, ich hätte ihn mir sofort ins Regal gestellt. Der andere Teil war eben ein modern animierter, überladener Kinderfilm, wie es heute schon zuviele gibt, nicht schlecht aber nichts Besonderes. Aber gut, ich bin auch nicht die Zielgruppe, und diese dürfte sich im Gegensatz zu mir sehr über Teds Abenteuer amüsieren. Von daher halte ich die Idee, die etwas altbackene Geschichte mit einem peppigen Rahmen zu versehen für durchaus gelungen ;-)

5,5 von 10 Truffala-Samen

SaschaSalamander 12.04.2013, 08.47 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Hugo Cabret

Ein ganz wunderbarer Film, dessen Bilder und Handlung mir noch immer im Gedächtnis sind, obwohl es schon einige Zeit her ist, dass ich ihn sah. Es wäre schade um die Notizen, denn der Film ist ein kleines Meisterwerk, das jeden Zuschauer verdient hat :-)

Hugo Cabret lebt im Bahnhof von Paris. Sein Vater, Uhrmacher, ist verstorben, seitdem lebt er bei seinem Onkel. Doch dieser verschwand, und nun kümmert Hugo sich alleine um die Uhren am Bahnhof. Der Stationsvorsteher ist ihm ständig auf den Fersen, möchte ihn ins Waisenhaus bringen. Der Spielzeugmacher "Papa George" erwischt Hugo beim Stehlen, nun soll er für ihn arbeiten. Und damit beginnt eine Kette von Ereignissen, die das Leben aller Beteiligten verändern wird, ...

- Ben Kingsley, einer meiner Lieblingsschauspieler, hier wie gewohnt eine gemischte Rolle, weder gut noch böse. Sascha Baron Coen wie üblich schräg und witzig. Jude Law älter aber immer noch attraktiv, und Christopher Lee ebenfalls älter und ... naja, nicht attraktiv aber äußerst charismatisch

- Story beginnt sehr langsam, hat viele Nebenplots und muss erst in die Gänge kommen. Dabei wird es aber keine Sekunde langweilig, da sehr viele kleine Geschichten werden (viele Personen finden sich regelmässig am Bahnhof, etwa Musiker, Verkäufer etc, und sie alle erleben kleine Abenteuer)

- Gegen Ende wird die Handlung immer dichter, recht komplex, aber trotzdem sehr gut verständlich und auch für Kinder nachvollziehbar

- Die Bilder sind atemberaubend, 3D ist für den Film absolut gerechtfertigt. Ganz tolle Kameraeinstellungen und tolle Perspektiven, wunderschönes Eye-Candy

 -Steampunk-Optik, sehr viel Uhrwerk, Mechanik, Zahnräder, alte Uniformen

- selten aber vorhanden: Anachronismus, der ins Auge fällt, wenn man genau hinsieht, vielleicht absichtlich, vielleicht kleine Drehfehler. Aber niemals störend

- sowohl die Bilder als auch die Musik und die Handlung laden den Zuschauer zum Träumen ein. Anfangs symbolisch, gegen Ende ganz offensichtlich und direkt, da dies eine der Kernaussagen des Filmes ist

- aus Spoilergründen kann ich nicht exakt sagen, worum es geht. Aber: Hugo ist nur ein Vorwand, um eigentlich eine sehr viel größere Geschichte zu erzählen. Ich habe nach dem Film recherchiert und einiges herausgefunden. Es ist keine Fiktion, sondern tatsächlich die spannende Biographie eines Menschen, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte, der jedoch sehr großen Einfluss auf (... Spoiler) ... genommen hat und dessen Name zu Unrecht vergessen wurde ... dieser Film setzt ihm ein würdiges Denkmal

SaschaSalamander 26.03.2013, 09.14 | (0/0) Kommentare | PL

Wenn das Glück fliegen lernt

Bei der Installation des Hörstern-Apps erhält der Kunde derzeit das kostenlose Hörspiel >WENN DAS GLÜCK FLIEGEN LERNT<.

Das Cover mit dem Glücksdrachen sprach mich einfach an, ich mag diese Wesen sehr. Und der Titel klang auch interessant. Die Geschichten sind für Kinder ab 3 Jahre, das mag Erwachsene im ersten Moment natürlich abschrecken. Trotzdem war ich neugierig, und ich habe es nicht bereut. René Wagner, den ich als Sprecher noch nicht kannte, liest die Geschichten von Stephanie Fiedler sehr angenehm vor, variiert gekonnt ohne zu übertreiben, bringt  genügend Abwechslung in den Vortrag. Das gefällt mir und passt sehr gut für die junge Zielgruppe.

Die Geschichten sind einfach niedlich. Manche ähneln Fabeln mit Moral, andere sind einfach nur nett, und viele von ihnen halten kleine Überraschungen bereit. Oft musste ich herzlich lachen. So wird endlich einmal erklärt, was Enten eigentlich unter Wasser treiben - wer sagt denn, dass sie einfach nur nach Futter suchen? Auch Enten wollen mal Spaß haben! Sehr schön auch die Frage, was Glück eigentlich ist - hier wird es mit einem Schmunzeln erklärt. Was passiert, wenn eine Maus im Angesicht des Todes plötzlich einer Wunschfee gegenübersteht?

Wer kindliche Geschichten mag, wird hier seinen Gefallen daran finden. Und wer Kinder hat und eine CD sucht, die in Dauerschleife dennoch nicht allzu nervig wird - diese hier ist prima geeignet. Und Kinds werden wohl begeistert sein von den liebenswerten Charakteren und witzigen Geschichten.

Wertung: 8 von 10 Hüpfburgen


SaschaSalamander 12.02.2013, 09.24 | (0/0) Kommentare | PL

Ins Herz gestohlen

minden_gestohlen_1.jpgINS HERZ GESTOHLEN ist eine neue Kurzgeschichte von Inka Loreen Minden. Weil sie so kurz ist, bekommt der Leser im Anschluss noch die Geschichte "Nymphenspiele" dazu. Auch, wenn es kein komplettes Buch ist (eigentlich müsste ich extra für Inka die Rubrik "Rezension Kurzgeschichten" einführen, weil ich ihre Titel einfach liebe und nicht anders kann als trotzdem immer wieder ein paar Zeilen dazu zu schreiben), möchte ich Euch die beiden Geschichten kurz vorstellen:

INS HERZ GESTOHLEN hat sich Tyler bei seiner Jugendliebe. Er ist Student und jobbt in dem Supermarkt, wo die sechs Jahre ältere Samantha als Security arbeitet. Als sie sieht, dass er etwas gestohlen hat, muss sie natürlich eingreifen.

NYMPHENSPIELE erzählt von dem Dämon Kosh, der die zierliche Nymphe Lynabella liebt. Sie soll in einer Zeremonie zur Hüterin der Quelle werden, doch dann wäre sie für ihn unerreichbar. Er muss sich etwas einfallen lassen ...

Die Geschichten sind wirklich sehr kurz, aber das stört nicht. Wer regelmässig bei mir liest, weiß ja, wiesehr ich Shortstories liebe :-)

Mmh, INS HERZ GESTOHLEN hat mir sehr gefallen. Schlicht, einfach, und von vorneherein durchschaubar. Ich musste einige Male schmunzeln, weil ich bereits ahnte / wusste, während Samantha sich dagegen ständig grundlos sorgte. Sehr erotisch, ein köstliches kleines Intermezzo. Ein junger, intelligenter Mann und eine etwas ältere, bodenständige Frau, dazu ein bisschen verspielte Bestrafung - tolle Mischung, die es in erotischen Werken viel zu selten gibt.

NYMPHENSPIELE fand ich sehr schön zu lesen, wurde wohl mit einem Augenzwinkern geschrieben. Ich habe einige Male gelacht, und ich liebe diese humorvollen Geschichten der Autorin ganz besonders. Sie beherrscht es vor allem in ihren Märchen und Fantasygeschichten meisterlich, mit den gängigen Klischees zu spielen, sie zu überspitzen, die Geschichten durch ihren Witz und Charme aufzulockern, die Erotik dennoch stilvoll zu präsentieren.

Beide Geschichten sind sprachlich recht soft in ihrer Wortwahl, passend zu den Inhalten. Der Aufbau ist knapp, zielstrebig und direkt, genau richtig für eine kurze Episode. Ich hatte meinen Spaß mit Tyler, Sam, Kosh und Lynabella. Und besonders Tyler würde ich nur zu gerne wiedersehen ...

Kurz gesagt: zwei Kurzgeschichten mit jeder Menge Erotik und einem verschmitzten Grinsen :-)

SaschaSalamander 01.11.2012, 09.26 | (0/0) Kommentare | PL

Solange die Nachtigall singt

INHALT

Die Handlung ist sehr komplex und schwer widerzugeben, wenn man nicht zuviel verraten möchte. Deswegen hier nur der Klappentext:

Ein Haus, abgeschieden von der Zivilisation.
Ein Wanderer, der sich verirrt.
Ein Wald mit zu vielen Gräbern.

Völlig unverhofft trifft der achtzehnjährige Jari auf die geheimnisvolle Jascha, deren Schönheit er sich nicht entziehen kann. Er folgt ihr in das abgeschiedene Haus mitten im Wald, wo sie lebt. Und das, obwohl er spürt, dass dieser Ort ein düsteres Geheimnis birgt. Etwas ist geschehen. Etwas, das schrecklicher ist als alles, was Jari sich je hatte ausmalen können. Etwas, das ihn in tödliche Gefahr bringt


GENRE

Inzwischen wissen die Fans der Autorin, dass sie sich auf kein Genre einstellen sollten. Antonia Michaelis ist eine Meisterin darin, die Grenzen der vorgegebenen Erzählmuster und Plotstrukturen aufzubrechen und eigenständige Werke zu erschaffen.

Hier gibt es viele Elemente, die aufgrund ihrer Vielzahl und vermeintlichen Widersprüchlichkeit eine Zuordnung unmöglich machen: ein märchenartiges Setting zu Beginn, ein zahmer Fuchs, das Thema Schönheit, auf den ersten oberflächlichen Blick wirkt dieses Buch wie ein verträumtes Märchen. Doch bald erkennt der Leser, dass hinter der verspielten Fassade der Tod lauert. Spannend wie ein Mystery-Thriller steigt die Spannung an, verursacht Gänsehaut, bietet Sex and Crime, Erotik und Gewalt bis hin zu einem Plot-Twist, der die meisten Leser sehr überraschen dürfte (Vielleser können möglicherweise damit rechnen, ich hatte es an einigen Stellen bereits geahnt, die Hinweise sind versteckt aber vorhanden). Die Hintergrundgeschichte um die entführten Drillinge birgt ein Drama, nach und nach erfährt der Leser, was hinter diesem Erzählstrang steckt und wie er mit der eigentlichen Geschichte zusammenhängt. Michaelis rüttelt an den Tabus ihrer Leser, manches Mal überschreitet sie die Grenze und schreibt sehr gewagte Szenen, welche den Leser verstören und aufrütteln.

Wer SOLANGE DIE NACHTIGALL SINGT liest, muss sich einstellen auf einen psychedlischen Trip voller Verwirrungen und Fallstricke. Am Ende wird zwar alles erklärt, doch nicht jedes Detail wird beantwortet. Wie auch schon in ihren anderen Büchern wird sie mit dem Ende die Leserschaft spalten: die einen finden es unbefriedigend und hätten sich mehr Antworten erhofft. Die anderen finden ihre eigene Interpretation, ihre eigenen Antworten. Ich war begeistert, für mich blieb nichts offen, und die von vielen Rezensenten angesprochenen Lücken kann ich für mich selbst sehr gut füllen und erklären.


CHARAKTERE

Konkret kann ich nur über Jari sprechen, alles andere wäre ein Spoiler. Es tauchen mehrere Personen auf, doch ihre Identität bzw ihre Existenz ist unklar. Traum, Illusion und Realität werden geschickt gemischt. Ich hatte versucht, einen klaren Überblick zu bekommen, indem ich während des Lesens einen Notizzettel hatte, auf dem ich mir die Namen, körperlichen Merkmale, Eigenheiten und Talente der jeweiligen Mädchen notierte. Das war sehr hilfreich, allerdings zweifelte ich immer wieder an meinen Notizen: waren das Logikfehler des Buches, oder hatte ich beim Notieren etwas verwechselt? Ich empfehle Euch, selbst Notizen anzufertigen, Euch von den Fehlern (?) aber nicht verwirren zu lassen, am Ende klärt es sich alles auf. Diese nicht greifbaren Charaktere machen einen großen Reiz in diesem Buch aus, es ist, als läge es dem Leser auf der Zunge, und doch kann er es nicht benennen.

Jari dagegen ist einfach zu beschreiben: er ist Mattis Freund, der Sohn seiner Mutter, Tischler-Lehrling seines Vaters. Über diese Eigenschaften definiert er sich zu Beginn, und seine Selbstfindung ist ein wichtiger Prozess. Denn im Wald gibt es keinen Matti, keine Mutter, keinen Lehrmeister, hier ist Jari nur er selbst. Doch wer oder was ist er? Und was möchte er werden, wenn er so lange im Wald bleibt? Im Trailer (den ich zum Glück erst nach der Lektüre ansah) wird leider bereits gespoilert, wer oder was Jari werden soll. Wer ohne Vorkenntnisse an das Buch herangeht, für den ist die drohende Ahnung gerade zu Beginn ein tragendes Element. Immer wieder gibt es kleine Momente, die darauf hinweisen. Als man es auf Seite 188 endgültig erfährt, wird die bisher nur empfundene Bedrohung plötzlich Realität, wird der verwunschene Märchenwald zu einer tödlichen Gefahr. Und Jari beschreitet diesen Weg offenen Auges, denn er ist nun ein anderer.


HANDLUNGSAUFBAU, ERZÄHLTEMPO

Das Buch besteht aus zwei Handlungssträngen: Jaris Erlebnisse im Wald bilden den Großteil der Erzählung. Dazwischen gibt es immer wieder Einschübe um die drei entführten Schwestern. Im Laufe der Geschichte werden diese beiden Stränge zusammengeführt, bis sie am Ende eine gemeinsame Handlung ergeben und als ein Faden weitergesponnen werden.

Das Erzähltempo ist eher beschaulich. Keine Actionszene, keine hektischen Momente. Langsam, fließend und gemütlich führt die Autorin den Leser in die geheimnisvolle Welt des Waldes ein. Genaugenommen gibt es anfangs keine klare Handlung, eher eine Aneinanderreihung von Szenen und Tagesabläufen. Mal stellen sie Apfelmost her, pflügen den kleinen Acker, musizieren sie, unterhalten sich, machen einen Spaziergang im Wald, hacken Holz und viele anderen alltäglichen Dinge mehr. Dennoch geht es im Buch stets vorwärts, sorgen kleine Andeutungen und Geheimnisse dafür, dass die Spannung konsequent steigt und niemals abbricht. Es gibt keine Längen, kein Wort, kein Absatz ist unnötig, alles bildet eine perfekte Einheit und vervollständigt das Gesamtbild am Ende.


SPRACHE

Antonia Michaelis ist eine Meisterin der zarten Andeutung. Es ist ihr möglich, schockierende Ereignisse in malerische Worte zu verpacken. Ein Tabubruch liest sich so zerbrechlich wie der Flügel der Nachtigallen, so weich wie der dunkle Samt der Kleider, so unschuldig wie der fallende Schnee. Dieser Widerspruch aus Worten und Inhalt ist der verstörende Kontrast, der das neueste Werk zu etwas Besonderem macht. Der Leser wird im Innersten gepackt, kann sich den schmeichelnden Worten nicht entziehen, nichtsahnend blickt er mit weit offenen Augen auf das Geschehen, und umso brutaler entfalten die dargebotenen Bilder ihre Wirkung.

Die Worte sitzen an den richtigen Stellen, sind perfekt gewählt, aus allen verfügbaren Synonymen das jeweils beste. Farben, Gerüche, Gefühle, sie alle haben eine Bedeutung und sorgen sowohl sprachlich als auch inhaltlich für eine dichte Atmosphäre.


ATMOSPHÄRE

Die Atmosphäre des Buches ist anfangs geheimnisvoll, mit Fortschreiten der Handlung wird sie immer bedrückender und beängstigender. Da die Autorin quasi "um die Handlung herum schreibt", nur andeutet statt beim Namen zu  nennen, ist die Bedrohung eher ein Gefühl als eine Gewissheit. Man spürt die Gefahr wie den berühmten Blick im Nacken, kann sie nicht zuordnen, bleibt in Lauerstellung, stets gespannt um vorbereitet zu sein. Wie bei einem guten Horrorfilm: je intensiver man die Handlung beobachtet, desto erschreckender ist ein unerwartet ins Bild springendes Objekt. Dies umzusetzen gelingt ihr mit Worten, wie es nur wenige Autoren vermögen.

SOLANGE DIE NACHTIGALL SINGT strahlt auch eine subtile Erotik aus, geeignet ab 16 Jahren aufgrund der Art der Darstellung, inhaltlich jedoch sehr erwachsen und erschreckend, ja sogar grenzwertig. Eine kleine Zungenspitze lugt zwischen den Lippen hervor, der Finger gleitet vielversprechend über einen Gegenstand, unschuldige Haut blitzt unter der Bluse hervor, Hände ertasten sich ihren Weg, die Silhouetten von Körpern bewegen sich wiegend im Dunkel. Ooh, der Leser hat Gänsehaut pur, teils aus Grusel, teils aus Lust, manchmal auch beides zugleich, und er kann sich nicht dagegen wehren, selbst wenn es ihm unmoralisch erscheint. Er ist eine Marionette, und die Autorin bewegt die Fäden, lässt uns hilflos zappeln und führt uns von einer Szene in die nächste.


FAZIT

Wieder hat Antonia Michaelis ein Meisterwerk erschaffen. Sie entführt uns in einen Wald, wo die Gesetze der Realität außer Kraft gesetzt werden und alles eine neue Bedeutung erhält. Düster, bedrohlich und doch feinsinnig, voller Zauber ist dieses Buch.

Wertung: 100 von 100 Fliegenpilze


SaschaSalamander 11.09.2012, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL

Solange die Nachtigall singt

Das Buch liest sich langsam. Im positiven Sinne. Ich spüre es, lasse es wirken, mag nicht eilen sondern bewusst Seite für Seite, Wort für Wort genießen. Es steckt voller Symbole, Andeutungen und Hinweise, von denen ich keinen verpassen möchte. Es strahlt eine dunkle Erotik aus, unschuldig und zugleich erschreckend erwachsen. Es zieht den Leser in eine Finsternis, und doch ist es leichtfüßig, zart und zerbrechlich. Der Leser fühlt sich beobachtet, und doch ist er es, der beobachtet, der Eindringling, der Voyeur, der Fremde. Über allem ein Gefühl von Bedrohung und Gefahr, nicht greifbar. Wie ein Spaziergang im Wald, nachts, alleine. Still, die Nacht sanft und schwer, die Luft leicht und klar, das Licht des Mondes zaubert geheimnisvolle Schatten, diese nicht greifbare Freiheit und zugleich Angst, von der Autorin perfekt eingefangen, mit Worten gemalt.

Der Verlag hat das Buch angekündigt als "Meisterwerk der Märchenerzählerin". Mit solchen Vorschusslorbeeren bin ich immer Vorsichtig. Einige Blogs und Kritiker loben das Buch als "Highlight des Lesejahres 2012". Auch das finde ich im August etwas unfair gegenüber allen bisher noch nicht erschienenen Büchern. Ich bin kein Fan von Superlativen, auch vergleiche ich nicht gerne, wie kann man auch die Qualität von Antonia Michaelis mit der eines Thrillers, einer Romance, eines Unterhaltungsbuches vergleichen, wäre das nicht unfair allen Beteiligten gegenüber? Doch abgesehen davon - ja, dieses Buch begeistert mich, und ich bereue es nicht, dass ich sofort zum Erscheinungstermin sofort in die Stadt gefahren bin und alle anderen Bücher liegengelassen habe.

Das halbe Buch liegt noch vor mir. Ich wünschte, ich hätte es schon gelesen, die Spannung ist nur schwer erträglich, das unbestimmte Gefühl verdichtet sich, ist körperlich beim Lesen spürbar. Und ich wünschte, es würde nie aufhören - es ist die Art Geschichte, bei der man alle beneidet, die den Genuss noch vor sich haben.

Ausnahmsweise gefällt mir übrigens auch der Trailer. Obwohl ich sonst kein Fan von Buchtrailern bin. Doch wie schon im >MÄRCHENERZÄHLER< und >DIE WORTE DER WEISEN KÖNIGIN< beschreibt Michaelis keine fortlaufende Handlung sondern malt die ihre Worte poetisch um die Geschichte herum, das Geschehen ergibt sich aus den Bildern, eher eine Ahnung denn ausgesprochene Klarheit. Diese Bilder wurden in den Trailern der jeweiligen Bücher sehr gut eingefangen, sie vermitteln sehr gut die Atmosphäre, die beim Leser entsteht.

Ebenfalls ungewöhnlich: mir ist egal, wie ein Cover aussieht, in den meisten Fällen hat das sowieso nichts mit dem Buch zu tun. Ich will ein Buch nicht anfassen, brauche kein Relief, kein buntes Bild, von mir aus könnten alle Bücher gleich aussehen (wäre im Regal sogar wesentlich praktischer). Aber bei dieser Autorin gibt man sich ganz besondere Mühe, beide oben genannten Bücher und auch dieses hier sind wirklich prächtig. Die Farben gedeckt, geheimnisvoll, der Schutzumschlag fest und glänzend. Und das Buch ohne Schutzumschlag sieht fast ebenso aus, das Bild das gleiche nur ohne die Andeutung des Menschen, allein die Landschaft. Da ich Bücher stets ohne Schutzumschlag lese, freue ich mich über solche kleinen Bonbons.


Der Klappentext:

Ein Haus, abgeschieden von der Zivilisation.
Ein Wanderer, der sich verirrt.
Ein Wald mit zu vielen Gräbern.

Völlig unverhofft trifft der achtzehnjährige Jari auf die geheimnisvolle Jascha, deren Schönheit er sich nicht entziehen kann. Er folgt ihr in das abgeschiedene Haus mitten im Wald, wo sie lebt. Und das, obwohl er spürt, dass dieser Ort ein düsteres Geheimnis birgt. Etwas ist geschehen. Etwas, das schrecklicher ist als alles, was Jari sich je hatte ausmalen können. Etwas, das ihn in tödliche Gefahr bringt

>Das Lied der Nachtigall< auf der Seite des Verlages downloaden.

SaschaSalamander 01.09.2012, 21.03 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Lord Skeffington Scatters Katzenärger

FAHR SINDRAM

Fahr Sindram ist Mangazeichnerin und Kinderbuchautorin, ihre Werke erscheinen im Butter and Cream Verlag, 2006 erschien das erste Werk LOSING NEVERLAND,  ein Manga, der sich neben einer packenden Handlung vor allem gegen Kinderpornographie ausspricht. Etwas, das ich allgemein sehr wichtig finde und das vor allem im Mangabereich ein ganz eigenes Thema ist, das hier viel zu selten angesprochen wird.


INHALT

LORD SKEFFINGTON SCATTERS - KATZENÄRGER ist ein niedliches Bilderbuch, das mit seinem Nonsens-Humor, den liebenswerten Charakteren und den herrlichen Bildern auch für Erwachsene ein unterhaltsames Lesevergnügen darstellt. Lord Skeffington Scatters ist ein junger Zombie, bleich und mit viel blauer Pomade im Haar, er lebt mit seinen fünfzehn (15!) Katzen zusammen. Und wie alle jungen Menschen Zombies wünscht er sich Freunde, doch das ist nicht leicht, wenn man bleich ist, blaue Haare hat und eigentlich tot ist. Während seiner Arbeit in der Eisdiele verliebt er sich in "das Mädchen", doch was soll er tun, um ihre Liebe zu gewinnen? Leider stellt er sich sehr ungeschickt an, und auch die fünfzehn (15!) Katzen sind ihm keine große Hilfe dabei.


SPRACHE, GENRE

Ach, ein wundervolles Bilderbuch, das ich gern gelesen habe und das mich durchweg begeisterte. Wie gesagt, sehr viele Elemente des Nonsens heitern die an sich knappe Handlung auf: viele Dinge werden wiederholt, etwa die fünfzehn (15!) Katzen, oder auch das Lieblingsfutter der Katzen, die blaue Pomade. Der Autor spielt mit der Bedeutung unterschiedlicher Worte, setzt Sprichwörter um zu realen Ereignissen, zieht unverhältnismäßige Vergleiche und jongliert mit den Sätzen, die Charaktere führen ungewöhnliche Dialoge, es gibt sehr schräge Aktionen und unlogische Schlussfolgerungen. Ein einfach zu lesender Text, an dem Leser aller Altersklassen ihre Freude haben, die Kinder eher aufgrund der witzigen Story, die Erwachsenen aufgrund des hintergründigen Humors. Ein paar Beispiele:

"Das Haus hatte er von seinem Großonkel geerbt. In seiner Familie wurde sowieso vieles weitervererbt. So hatte der gute Skeffington seine Füße von Großonel Milton und seine langen Unterarme von Urgroßvater John-Joe".

"Ich kannte einmal eine Katze, die so alberne Witze erzählte, dass sie sich eines schönen Tages einen Wolf lachte, den hatte sie dann ihr ganzes restliches Leben am Hals. Und das störte wirklich sehr, auch wenn er Vegetarier war!"

"Er war ziemlich wie Du und ich. Und wenn nicht wie Du, dann eben wie ich und Nachbars Gartentor."

"Er zitterte wie eine Klapperschlange und klapperte wie Espenlaub."


ZEICHNUNGEN

Text und Zeichnungen bilden hier eine kongeniale Einheit. Zwar kann jedes für sich stehen und überzeugen, doch in Verbindung ist es wirklich einzigartig. Immer wieder schweift beim Lesen der Blick auf die Bilder, man vergleicht das Bild mit dem Text und stellt fest, wie liebevoll einzelne Details umgesetzt wurden. Und die Bilder machen neugierig auf den Text. Auch blätterte ich immer wieder zwischen dem Text, den Bildern und dem Ende hin und her: denn am Ende des Buches werden alle fünfzehn (15!) Katzen namentlich und mit ihren Charaktereigenschaften vorgestellt. Da kommt ganz von selbst das Bedürfnis, auf jedem Bild zu zählen, ob wirklich alle Katzen zu sehen sind und wie sie sich diesmal gekleidet haben, ob man sie auch alle erkennt und zuordnen kann.

Einige kleine Bilder unterstreichen neben dem Text nur knapp dessen Aussage, andere bekommen eine eigene, komplett colorierte Seite, sogar doppelseitige Bilder sind zu finden. Die Textseiten sind zusätzlich mit einem hübschen Rahmen verziert, der in sich geschlossen ebenfalls viele kleine Motive beinhaltet und zum Entdecken einlädt.

Auf den Bildern gibt es auch unabhängig vom Text sehr viel zu entdecken, für Bücherwürmer dürften vor allem die herumliegenden Bücher oder die Bücherregale interessant sein, dort finden sich sehr viele spannende Titel, die zu entdecken einer Schatzsuche gleicht, jedesmal begleitet von einem kleinen freudigen Erfolgserlebnis. Unzählige süße Details verleiten zum Träumen, Lachen, Spaß haben und Entdecken. Alles gilt es zu betrachten von den Fotos an den Wänden hin zu Accessoires an der Kleidung oder kleine Geschichten, die auf den Bildern zusätzlich zur Handlung im Text erzählt werden. Ich werde das Buch noch sehr oft aufschlagen, um darin zu blättern.

Obwohl es um einen Zombiejungen geht, und obwohl es Gothic-Elemente enthält, zeigt Fahr Sindram mit diesen Bilder ganz wunderbar, dass Goth nicht immer Schwarz sein muss, sondern im Gegenteil auch kunterbunt, herzlich und verspielt sein kann. Sieüberschlägt sich regelrecht mit Farben, Formen und Mustern, und das Buch strotzt (zwischen den Zeilen, denn vordergründig geht es ja um einen toten Jungen und eine unglückliche Liebe) vor Lebensfreude, Glück und guter Laune, man kann gar nicht anders als nach dem Lesen glücklich zu sein.


MORAL

Die Moral des Buches gefällt mir, sie ist zwar klar und liegt für den Leser auf der Hand, dennoch kommt sie witzig daher, die Autoren nehmen sie aufs Korn und machen auch hieraus einen eigenen Scherz. Noch nie wurde eine Moral so süß verpackt! Überhaupt ist das Ende der Geschichte wirklich gelungen. Es ist ein Happy End, wenn auch anders als erwartet, man kann sich mit den Charakteren freuen. Und auch, wenn das Buch abgeschlossen ist, lädt das Ende die Kinder ein, gemeinsam mit den Eltern neue Abenteuer mit Lord Skeffington zu erfinden. Einen Freund wie den kleinen Zombie und seine fünfzehn (15!) Katzen wünscht man sich gerne


FAZIT

Unbedingt kaufen! Was auch immer ich hier alles geschrieben habe, man muss es sich selbst ansehen. Wer das, was ich hier in der Rezi angeschnitten habe, auch nur ansatzweise interessant fand, der wird von Skeffington begeistert sein! :-)

Wertung: 100 von 100 Rock und Rollende Kellermonster


SaschaSalamander 09.07.2012, 08.56 | (0/0) Kommentare | PL



 






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