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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Queer

Im Park - Think Positive

Justin C Skylark kenne ich aus >2 MEN KISSING<, einer gemeinsam mit Simon Rhys Beck veröffentlichten Anthologie. Übrigens mein erster Gay-Titel, ich hatte damals noch keine Ahnung vom Genre und war einfach neugierig. Eine Neugier, die sich ausgezahlt hat, denn inzwischen lese ich von unterschiedlichsten Autoren Kurzgeschichten und Romane. Trotzdem nehmen die beiden für mich einen ganz besonderen Platz bei mir ein.

Mit IM PARK - THINK POSITIVE präsentiert Justin C Skylark zwei Kurzgeschichten. Wirklich extrem kurz. Aber dafür pfiffig. Nur eine minimale Inhaltsbeschreibung, da alles andere wirklich zuviel wäre: IM PARK will René eigentlich nur kurz mit seiner Hündin Gassi gehen, aber es kommt zu einem netten Stelldichein. THINK POSITIVE erzählt davon, wie der Protagonist beim Arzt einer Sexbekanntschaft begegnet und aus dessen Reaktion eine positive HIV - Diagnose ableitet, eine Zeit bangen Wartens bis zum eigenen Test beginnt.

Beide Geschichten sind außerordentlich kurz, dafür aber ungewöhnlich witzig. Nicht wie sonst gewohnt eine reine Erotikgeschichte, sondern der Schwerpunkt liegt auf dem humorvollen Anteil. Das fand ich zur Abwechslung sehr angenehm, und ich habe mich hervorragend unterhalten. Der Schreibstil liest sich flüssig, und die Idee zu beiden Stories gefiel mir sehr gut. Bei IM PARK gefällt mir besonders, wie der Leser ebenso wie der Protagonist etwas Entscheidendes völlig vergisst und dann am Ende auflacht: "stimmt, da war noch was". Und bei THINK POSITIVE musste ich an Watzlawicks >Mann mit dem Hammer
Zur Beschreibung von Handlungsaufbau oder Charakteren waren die Geschichten doch etwas sehr kurz, deswegen möchte ich es ausnahmsweise bei diesen wenigen Sätzen belassen. Aber eine klare Empfehlung möchte ich trotzdem aussprechen. Freunde knallharter Gay-Erotik bekommen ausnahmsweise nichts geboten, aber Fans von Justin und Freunde ansprechender Kurzgeschichten kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten ;-)

SaschaSalamander 23.03.2012, 09.22 | (0/0) Kommentare | PL

Zuschauer - exzessive Freunde

meerling_zuschauer_1_1.JPGKathy liebt Ian, aber der ist leider schwul, und so sind sie nur beste Freunde. Eines Tages erfährt Kathy, dass auch Piero schwul ist und Ian ihn begehrt. Sie nutzt die Gelegenheit, die beiden miteinander bekannt zu machen. Eigentlich möchte sie die Männer ja nur verkuppeln und dem schüchternen Piero, der noch nicht geoutet ist, ein wenig unter die Arme greifen. Doch Ian weiß, dass Kathy gerne dabei zusieht ...

Eine leider viel zu kurze Geschichte, die mir sehr gefallen hat. Für eine Kurzgeschichte dieser Länge sind die beiden Hauptcharaktere Kathy und Ian recht gut ausgebaut, der Leser erfährt zwischen den Zeilen ein bisschen mehr über die Hintergründe der beiden, sodass man mitfühlen und sich gut in die Story hineinversetzen kann.

Was Kathy macht und Ian noch weiter ausbaut, hat mich im ersten Moment sehr geärgert. In der Realität würde ich wütend werden: einfach das intime Geheimnis eines anderen weitersagen und das dann auch noch schamlos ausnutzen. Aber man hat Kathy als Charakter gut genug kennengelernt um zu begreifen, dass sie es nicht böse meinte, sondern nur helfen wollte. Und außerdem - es ist nur eine Fiktion, und wenn alles immer moralisch und politisch korrekt wäre, dann müsste ich keine Geschichten lesen sondern könnte die Zeitung abonnieren. Also habe ich mich einfach in der Handlung fallenlassen und das Setting genossen.

Piero, noch so unschuldig und scheu aber doch so verlangend, die personifizierte Versuchung. Der draufgängerische Ian, der ihm zwar sanft aber doch sehr bestimmt zeigt, wonach es ihm verlangt. Und die freche Kathy, die - ebenso wie wir Leserinnen, die wir uns an solchen Geschichten ergötzen - gerne zusieht und mindestens soviel Spaß hat wie die beiden Männer. Eine kurze aber heiße Szene, die prima umgesetzt wurde.

Sprachlich ist ZUSCHAUER weitgehend gelungen, ein paar kleine Schwächen sind zu finden, die jedoch Geschmackssache sind: ob man bei wörtlicher Rede nur Verben des Sagens verwenden darf oder auch andere Begriffe, da wurde schon viel diskutiert. Mich stört es, und auch hier bin ich einige Male gerade zu Beginn darüber gestolpert. Im Gesamtbild aber ließ es sich trotzdem angenehm flüssig lesen.

ZUSCHAUER - EXZESSIVE FREUNDE ist eine gelungene Kurzgeschichte, genau richtig für zwischendurch. Nur zu gerne möchte ich mehr von Kathy, Ian und Piero lesen, schon nach wenigen Seiten habe ich sie ins Herz geschlossen. Romantik, Lust und Sex in perfektem Mischungsverhältnis neben Charakterbeschreibung und Handlung. Ein perfekter Happen, der Appetit auf mehr macht.

SaschaSalamander 20.03.2012, 09.38 | (0/0) Kommentare | PL

Only the flower knows

takarai_flower.jpgZwei junge Männer, auf den ersten Blick sehr verschieden, und sich doch so ähnlich: Arikawa, Jurastudent, quirlig und offenherzig. Misaki, Agrarstudent, eher zurückhaltend und zurückgezogen. Mehrfach treffen sie aufeinander, und Arikawa spricht Misaki daraufhin an, was dieser unangenehm findet und die früheren Treffen leugnet. Zu Misakis Ärger wird Arikawa ihm dann auch noch als Kollege für die Arbeit an der Uni eingeteilt. Langsam, vorsichtig kommen die beiden sich näher.

Ich mochte den Manga auf Anhieb. Die Charaktere sind sehr lebendig und realistisch. Gerade im Boys Love ist es üblich, dass es vor Kitsch nur so trieft, dass Liebe ohne Hintergrund einfach plötzlich da ist, und dass dann nichts anderes mehr zählt. Dem ist hier nicht so. Statt dessen begegnen sich die beiden Männer, lernen sich kennen, es entwickelt sich etwas zwischen ihnen. Im ersten Band findet man keine Küsse, keine Erotik, keine Romantik, keine Liebesschwüre. Dafür aber gibt es innige Momente, in denen zwei empfindsame Menschen sich schrittweise ihrer Gefühle bewusst werden.

Die Zeichnerin erzählt die Geschichte sehr still, sehr sanft. Dazu passen auch die eher zerbrechlich aussehenden Charaktere, die weichen Zeichnungen. Die beiden Protagonisten gefielen mir sehr gut, vor allem Arikawas verwuschelte Frisur und sein unschuldiger Blick sind sehr ansprechend und realistisch dargestellt. Auch der nachdenkliche Misaki wird sehr gut beschrieben. Etwas, das ich in diesem Genre sehr zu schätzen weiß: jeder Charakter hat ein eigenes Gesicht, die Figuren unterscheiden sich voneinander, haben ihre eigene Mimik, ihre eigene Persönlichkeit, ihr eigenes Äußeres.

Es ist ein Manga mit einer eher klassischen Handlung, der Leser bekommt wenig Neues geboten. Die Geschichte ist recht vorhersehbar. Was ich sehr schade finde ist, dass es kaum etwas gibt, wodurch dieser Manga sich von anderen abhebt. Sehr schöne Zeichnungen, eine nette Geschichte, eine angenehme Darstellung. Aber eben dennoch ein Manga unter vielen, so gerne ich etwas finden möchte, das ihn zu etwas Besonderem macht.

Action und heiße Szenen darf man bei ONLY THE FLOWER KNOWS nicht erwarten. Dafür aber eine gefühlvolle Erzählung, die vor allem Freunde der ruhigeren, handlungsorientierten Boys Love zu schätzen wissen.

SaschaSalamander 13.02.2012, 09.20 | (0/0) Kommentare | PL

Parodie der Liebe

honjoh_parodieliebe_1.jpgAoto lebte nach dem Tod seiner Eltern bei seiner älteren Schwester und deren Ehemann. Als die Schwester nun stirbt, lebt er alleine mit seinem Schwager. Dieser muss auf Geschäftsreise und bittet seinen Freund Masayuki, auf den "Kleinen" aufzupassen. Masayuki verliebt sich in Aoto, und schwupps ist eine verzwickte Dreiecksgeschichte in Gang. Denn eigentlich liebt Aoto ja seinen Schwager, aber dies könnte er seiner Schwester wegen niemals zugeben ...

PARODIE DER LIEBE war mein erster Manga von Rie Honjoh. Und wird wohl auch mein letzter sein. Statt einer einzelnen Geschichte waren zwei weitere Kurzgeschichten enthalten. Keine der drei konnte mich fesseln. Die erste ist die titelgebende. Die zweite handelt von einem der Nebencharaktere, die dritte spielt wieder um die Protagonisten der Hauptgeschichte. In keiner der drei Stories kam Romantik auf, die Handlung war ein Alibi für etwa 5 oder 6 Seiten Sex, es gab keinerlei Tiefgang weder bei Charas noch bei der Handlung.

Die Zeichnungen sind auf den ersten Blick nett, aber wenn man genau hinsieht sind sie eher skizzenhaft. Die Figuren sind im Gesicht alle ähnlich und unterscheiden sich nur durch Frisur und Kleidung (und das, obwohl teilweise ein ordentlicher Altersunterschied zwischen ihnen liegt). Ich brauche keine Romantik, wirklich nicht. Aber ich habe trotzdem meine Grenzen, wenn ein älterer Mann einen kleinen Jungen (gut, er ist 17, aber ich sah ihn trotzdem als kleinen Jungen) einfach nach seinem Gutdünken schnappt und loslegt, obwohl der Junge weint und nein sagt. Nicht in einem Manga, der als "Romantik" betitelt ist bitte! Es gibt Mangas, da mag ich das, z.B. >Crimson Spell<, aber da passt dann auch die Geschichte zu dieser eher brutalen Handlung.

Der Manga ist in Story und Zeichenstil deutlich ein niedlicher Shojo, den junge Mädels anhimmeln. Die Sexszenen dagegen (die wenigen, kurzen) sind explizit und zeigen sehr deutlich den Akt und die Geschlchtsteile ohne Zensur. Junge Leserinnen werden damit wohl überfordert sein. Ältere Leser dagegen wollen in der Regel doch etwas mehr Handlung und ausgefeiltere Charaktere. Oder aber nur den erotischen Aspekt, und keine Alibihandlung drumherum. Von daher frage ich mich, wer als eigentliche Zielgruppe von Rie Honjoh gedacht ist?

Rie Honjoh hat viele Fans in Japan, und auch in Deutschland. Ich gebe zu, ich kann das nicht nachvollziehen. Aber gut, jedem sein eigener Geschmack, und ich muss nicht alles verstehen ;-)

Meine ausführliche Rezension bei AnimeY findet sich >hier<.

SaschaSalamander 01.02.2012, 09.50 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Blue Friend

eban_bluefriend_1.jpgBLUE FRIEND ist ein Manga, den ich Euch auf jeden Fall vorstellen möchte, da er aus der Masse der aktuellen Romance herausragt. Es gibt sehr viele Shonen Ai und Yaoi, in denen Männer sich verlieben, Sex haben und Frauenherzen höher schlagen lassen. Was es dagegen selten gibt, sind gute Titel, in denen Frauen ihre Gefühle füreinander entdecken, und dies ist hier der Fall.

Ayumu ist sportlich, maskulin und eine Frohnatur. Misuzu ist wunderhübsch, der Traum aller Jungs, aber sie ist unnahbar und hat kein Interesse an einem Freund, weist alle Bewerber eiskalt ab. Die beiden Mädchen freunden sich nach und nach an, Misuzu verliebt sich, und Ayumu weiß einfach nicht, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen soll. Und natürlich gibt es einige Mitschüler, denen die tiefe Freundschaft zwischen den beiden Mädchen ein Dorn im Auge ist.

Zeichnungen, Erzählstil, Charakterentwicklung, Story, einfach alles ist hier gelungen. Während ich andere Mangas ziemlich schnell verschlinge, musste ich mir für BLUE FRIEND wirklich Zeit nehmen. Die Zeichnungen sind filigran und drücken die aufkeimenden Gefühle sehr gut aus. Die Charaktere sind liebevoll beschrieben, und gerade Ayumu wächst dem Leser nach wenigen Seiten ans Herz. Man fiebert mit ihr mit, diese Spannung erstreckt sich über den kompletten Manga und macht einen Großteil des Charmes dieser Geschichte aus.

Kein romantisches Rosa, sondern eher ein melancholisches Blaugrau gibt die Atmosphäre des Mangas wider, die Zeichnungen sind schlicht gehalten und lassen alles weg, was unnötig den Blick vom Wesentlichen ablenken würde.

Erotik oder Sex gibt es hier nicht, auch wenn der Manga als Yuri angepriesen wird. Dafür wird sehr viel Gefühl vermittelt, das sehr schnell das Herz des Lesers ergreift und bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt. Eine absolute Empfehlung für alle, die einen ruhigen Erzählstil und sutbile Zwischentöne mögen.

Meine ausführliche Rezension hierzu findet sich bei >AnimeY<

SaschaSalamander 19.11.2011, 17.02 | (0/0) Kommentare | PL

Dragon Love

mayama_dragonlove_1.jpgDer Manga DRAGON LOVE ist ein klarer Yaoi. Von daher ist es nicht leicht für mich, eine Rezension zu schreiben. Denn Yaois haben in der Regel selten mehr zu bieten als explizite Szenen. Von daher erst ein wenig zum Inhalt und dann zum Zeichenstil, bevor ich auch schon zum Fazit übergehe:


INHALT

Der Manga beginnt, als der Polizist Kyosuke von der Mafia bei einer Veranstaltung als nettes Spielzeug gefesselt präsentiert wird. Feifon rettet ihn unter der Bedingung, dass er ab nun sein Geliebter sein muss. Bei der nächsten Gelegenheit flieht Kyosuke, doch Feifon macht ihn ausfindig und verlangt, was ihm versprochen wurde. Ein Katz- und Maus-Spiel beginnt, bei dem Feifon sein "Opfer" immer wieder findet, entführt und benutzt.

Sehr viel mehr gibt die Handlung nicht her, eine SexSzene folgt der nächste,n die Handlung ist die Verpackung, damit es in den Verkauf durfte aber ist nicht wirklich als "Inhalt" zu bezeichnen, sondern sie ist leider recht dürftig. Es gibt einzelne Momente, aus denen man mehr hätte machen können, z.B. hatte ich auf eine spektakuläre Entführung während der Hochzeitsfeier gewartet, aber selbst das wurde nicht ausgereizt sondern nur als Sprungbrett für die nächste Szene verwendet.


ZEICHNUNGEN

Die Zeichnungen sind Geschmackssache. Meinen Geschmack treffen sie nicht, mir persönlich sind die Gesichter zu kantig, die Körper zu langgezogen, die Gesichter zu ausdruckslos. Dies ist eben der Stil der Zeichnerin, und ich weiß, dass gerade dieser Stil sehr gerne gesehen wird und vielen Lesern gefällt. Er ist auf jeden Fall geübt, die Hauptpersonen sind klassische Bishonen, wie sie genau in dieser Form beim weiblichen Publikum ankommen und gefallen.

Die erotischen Momente sind sehr offen dargestellt, über zuwenig kann sich die Leserschaft eindeutig nicht beklagen. Was mir ein wenig fehlt ist die Kreativität, es ist hier wirklich das ganz klassische Programm ohne Drumrum, ohne Gerede, losgelegt, gekommen, fertig. Wer ein wenig Abwechslung möchte, ist hier falsch, wer es ganz direkt möchte, ist bei diesem Manga genau richtig.

Was ich etwas schade finde ist, dass in manchen Panels nur zu erahnen ist, was die beiden gerade tun (ist das ein Finger? Ist das sein ***? Ist das ein Bein? Es sind ein paar Striche und ein wenig Speichel oder andere Flüssigkeit, aber wo und was genau, das kann man sich eher denken als es zu wissen, getreu dem Motto "weniger ist mehr"). Dafür, dass der Manga ansonsten sehr direkt ist, finde ich dieses ein kleines Manko, das entweder der Zensur zum Opfer fiel oder aber an der Zeichentechnik der Mangaka liegt.

Da sich auf das Wesentliche konzentriert wird, gibt es auch nicht wirklich Hintergründe oder Details. Die würden nur ablenken vom Kern des Mangas ;-)


FAZIT

Wer einen reinen Yaoi sucht ohne großen Wert auf andere Dinge zu legen, ist hier goldrichtig, für den ist es eine Top Empfehlung. Da es jedoch auch Yaois gibt, die neben dem Akt auch ein wenig Handlung oder Gefühl bieten, kann ich ihn nicht wirklich auf meine Favoritenliste setzen. Aber das ist meine persönliche Meinung und sollte andere Fans des Genres nicht abhalten ;-)

SaschaSalamander 07.10.2011, 20.32 | (0/0) Kommentare | PL

Lost and Found

ponczeck_lostfound.jpgLOST AND FOUND sprang mir aufgrund seines Covers sofort ins Auge. Ich finde, es sticht durch das intensive Blau und den schlichten aber hübschen Stil doch sehr aus der Menge der anderen Titelbilder hervor. Natürlich war ich neugierig, was sich hinter dem Titel verbergen könnte, und bei Shonen Ai musste ich natürlich zugreifen.

Shunsuke ist ein ganz normaler Schüler, nur dass er in seinen Klassenkameraden Kyohei verliebt ist. Dieser allerdings interessiert sich nur für Mädchen. Und Shunsukes Sandkastenfreundin eröffnet ihm, dass sie in ihn verliebt ist. Er ist hin und hergerissen, möchte sein Geheimnis für sich behalten, doch seine Freundin macht ihm Mut zur Offenheit, möchte ihn gerne unterstützen. Shunsuke nimmt sich dies zu Herzen und macht Kyohei ein Geständnis. Danach nehmen die Dinge eine Wendung, wie Shunsuke sie sich trotz seiner Ängste nicht hätte ausmalen können, es wird immer schlimmer. Einzig ein Fremder, der ihm gelegentlich über den Weg läuft, scheint nun sein Verbündeter ...

Aufgrund der großen Panels und nur wenigen kurzen Textpassagen ist der Manga leider viel zu schnell gelesen, gerne hätte ich mich länger in die eigentlich sehr schöne Geschichte vertieft. Ich finde es schön, dass die Autorin einmal vom klassischen Schema abgewichen ist und nun statt einer Liebesgeschichte ein Drama erzählt. Es ist die tragisches Geschichte eines Jugendlichen, der zwangsgeoutet und gemobbt wird, von zu Hause keine Unterstützung erhält und sich alleine in einer Welt voller Menschen findet, die anders zu sein scheinen als er. Eine Tatsache, die zwischen all den romantischen Liebeswirren und heißen Küssen der sonst üblichen Boys Love gerne übersehen wird, denn die Realität ist für homosexuelle Männer leider nicht so rosig wie in diesen Geschichten geschildert.

Was ich an der Story schade finde ist das recht krasse Ende, oder besser gesagt die extreme Ausgestaltung des fremden Jungen. Eine brisante Hintergrundgeschichte, eine heftige Vergangenheit okay, was hier präsentiert wird finde ich dem eher realistisch gehaltenen Beginn gegenüber schon sehr heavy und unpassend. Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen und zerstört leider ein wenig das ansonsten sehr positive Gesamtbild der restlichen Erzählung. Weniger das Thema an sich als vielmehr der drastische Wechsel des Genres vom Drama hin zum Hardcorecrime, was zuvor mit keinem Wort angedeutet wurde und auch nicht nötig gewesen wäre.

Zeichnerisch gefällt mir Mikikos erster Manga sehr gut. Man merkt, dass sie noch am Beginn ihrer Karriere steht, erkennt aber auch, dass sie einen sehr eigenen und vor allem aussagekräftigen Stil hat. Sie vermag es, auch ohne Worte Geschichten zu erzählen und Emotionen zu vermitteln, allein durch Körperhaltung und Gestik. Sie zeichnet schmucklos ohne Hintergründe, Details, Faltenwürfe, legt dafür sehr großen Wert auf die Darstellung ihrer Charaktere.

Es gibt zwei Arten von Künstler (ob nun Musik, Autoren, Zeichner etc): die einen scheinen von Beginn an alles sofort zu können und ruhen sich dann auf ihrem Erfolg aus, müssen nicht mehr besser werden, beginnen nachlässig zu werden und sinken ab. Und dann gibt es diejenigen, die zwar Talent haben aber noch lernen müssen. Sie arbeiten daran, verbessern sich, intensivieren ihre Arbeit, lernen aus den Fehlern und werden von Mal zu Mal besser. Das sind die Künstler, die ich mag, denn sie legen Herzblut in ihr Werk, und ich liebe es, sie dabei zu beobachten, wie sie sich immer mehr steigern. Mikiko ist so jemand: zeichnerisch und storytechnisch muss sie hier und da noch ein wenig feilen, aber sie hat großes Talent, wie man auch auf ihrer >Homepage< sehen kann. Ich freue mich auf weitere Titel von ihr und bin gespannt, wie sie sich weiterentwickeln wird. Ihre Zeichnungen mag ich jetzt schon, denn man sieht ihr klar an, dass sie bereits einen Weg gefunden hat: keine störenden Details, dafür absolute Konzentration auf das Wesentliche, sowohl in den Zeichnungen wie auch in der Story.

Leider war es in diesem One-Shot nicht möglich, die Geschichte um Shunsuke auszubauen. Gerne würde ich einen Mehrteiler von ihr lesen, in dem sie den Charakteren und deren Entwicklung Raum zur Entfaltung geben kann.

Einen kurzen Vergleich zur Geschichte KÖNIG DROSSELBART in der Sonderedition des GRIMMS MANGA möchte ich kurz noch anfügen: die Zeichnungen und Inhalte sind getreu dem Gesamtbild des Manga eher humorvoll gehalten, die Panels sind deutlich kleiner, trotzdem erkennt man ihre Eigenheiten sehr deutlich: Fokus auf das Wesentliche, kein einziger unnötiger Strich, stringent und effektiv erzählt, nicht umsonst eine meiner liebsten Geschichten dieser Anthologie.

Zur seichten Nebenbeiunterhaltung sollte man den Manga nicht lesen, das wäre schade und dem Werk nicht gerecht. Man sollte sich die Zeit nehmen, die Story wirken zu lassen und in den ansonsten schlichten Zeichnungen die filigranen Zwischentöne wahrzunehmen. Auf jeden Fall sollte man Mikiko Ponczeck als junges Talent im Auge behalten. Ich werde ihre Titel weiter verfolgen und bin schon sehr gespannt auf ihr weiteres Schaffen :-)

SaschaSalamander 30.09.2011, 16.46 | (0/0) Kommentare | PL

Secret Passions

minden_secret_1.JPGDas neueste Buch aus der Feder von Inka Loreen Minden heißt "Secret Passions" und ist wieder ein Gay Historical. Diesmal spielt es um 1850 und handelt - abgesehen von einer Liebesgeschichte zwischen zwei Männern natürlich - von einem Lord, der erpresst wird sowie von einem brutalen Serienmörder, der nachts in London sein Unwesen treibt. Ein schönes Setting, das von Jack the Ripper inspiriert sein könnte, mit dieser Geschichte jedoch rein gar nichts zu tun hat. Dafür ein Schauplatz mit jeder Menge viktorianischem Flair, "very British", genau mein Ding.


INHALT

Derek lebte als Kind auf der Straße, bis ein Inspektor ihn unter seine Fittiche nahm. Nun ermittelt er tagsüber beim Scotland Yard bezüglich des Maskenmörders, seine Nächte verbringt er gerne in einem angesehen Herrenclub, der hinter seiner Fassade ein Treffpunkt für homosexuelle Männer ist. Dort begegnet ihm ein junger Mann, zu dem er sich hingezogen fühlt.

Simon ist ein Lord aus reichem Hause, der erpresst und bedroht wird und Hilfe von Polizeiseite anfordert. Doch nachts wagt er seine ersten Schritten in den Herrenclub, streng darauf bedacht, seine Identität zu wahren. Er trifft auf einen geheimnisvollen Mann, der ihn sofort in seinen Bann zieht.

Am nächsten Tag trifft Derek auf Simons Anwesen an, um ihm zukünftig Personenschutz zu gewähren und in der Erpressung zu ermitteln. Noch wissen die beiden nicht, wer der Gegenüber im Herrenclub war, und wieder entsteht zwischen ihnen ein Band der Zuneigung, das sie sich als angesehene Männer der Gesellschaft jedoch nicht anmerken lassen dürfen. In der Zwischenzeit geschehen weitere Morde, und nur Derek weiß, dass die Opfer allesamt Besucher des Clubs waren ...

Mmh, ein Genuss! Die Autorin hat sich wieder viele neue Ideen einfallen lassen, um ihren Lesern spannende Unterhaltung darzubieten :-)


EROTIK

Klar, Liebe ist Liebe, wie soll man das immer wieder neu verpacken. Man kann das Rad nicht ständig neu erfinden. Trotzdem gelingt es Inka, jedes Mal neue Möglichkeiten auszureizen. Mal bringt sie softe SM Elemente ein, ein andermal ist es eher reiner Sex, dieses Mal darf sich der Leser auf Tantra und fantasievolle, sanfte Berührungen mit und ohne Hilfsmittel freuen. Dennoch ist es keineswegs nur "kuschlig", sondern die Männer lassen sich gehen, und einmal wird Derek von seinen Emotionen gepackt und geht sogar fast zu weit. Von den bisher gelesenen Büchern von ihr fand ich persönlich dieses hier am intensivsten, konnte ich die Verbindung zwischen den beiden Protagonisten am besten spüren.

Dies liegt vor allem daran, wie gut sich die Geschichte entwickelt und wie gut die Anziehung zwischen beiden erklärt und auch in die Handlung verpackt wird. Zu Beginn musste ich noch etwas schmunzeln, weil ich es recht typisch fand: klar, man trägt eine Maske, und schon wird man nicht erkannt! Andererseits, es ist dunkel, und Inka beschreibt nachvollziehbar, wie man wirklich nur Schemen erkennt, nicht einmal die Augen des Gegenüber richtig sehen kann. Da ist es dann verzeihlich und sogar verständlich, wenn sie sich anfangs nicht erkennen ;-)

Außerdem beweist Inka, dass Dominanz keine Macht sein muss, keine lauten Befehle, sondern dass es auch leise geschehen kann, alleine durch Gesten und Handlungen. Man spürt als Leser regelrecht die machtvolle Ausstrahlung Dereks, ohne dass er ein Wort sagen muss. Die Perspektive wechselt sehr oft zwischen den zwei Protagonisten, sodass der Leser sich recht gut in beide hineinversetzen kann.


HANDLUNG, HISTORISCHER ASPEKT

Die Handlung besteht aus den zwei Hauptsträngen der Erpressung und des Maskenmörders. Ob dies ein und derselbe Täter oder zwei verschiedene Aspekte sind, ist eine Frage, die der Leser sich bis kurz vor Ende stellen wird und welche die Spannung des Buches aufrecht erhält. Neben diesen beiden Themen gibt es noch viele kleine Nebenplots, von denen manche im Laufe des Buches eine große Bedeutung erhalten werden und andere nur so nebenbei laufen aber doch alle zum Ende aufgelöst werden. So gibt es zum Beispiel das seltsame Verhalten von James (Simons langjähriger Freund), die schwer in eine Heirat zu vermittelnde Schwester, der getötete Mr. Tipps, den Tod von Simons Familie durch einen ungeklärten Brand, eine ehemalige Verlobte und deren neuer Ehegatte, Dereks geheimnisvolle Vergangenheit, Simons Bruder Benjamin, ein anonymer Brief für Simon mit der Adresse des Herrenclubs, Dereks Freunde aus Kindertagen, ein Schuss aus dem Hinterhalt. Und natürlich das Problem, dass Derek zu Beginn seiner Ermittlungen von Simons Identität im Herrenclub erfährt und nun vor der komplizierten Situation steht, dass er Privatleben und Arbeit trennen muss ...

Etwas, das die Sache besonders spannend macht: durch die wechselnde Perspektive erfährt der Leser beide Seiten und hat dadurch immer ein bisschen mehr Ahnung als die Akteure. Während Simon noch rätselt, was seine Schwester wohl vor ihm verbergen mag, hat Derek dies bereits in Erfahrung gebracht. Das lässt den Leser verschmitzt lächeln, ohne ihm jedoch die Spannung vorwegzunehmen. Denn die Hauptthemen bleiben ungeklärt, und alles, was man aktuell erfährt, könnte bereits ein neuer Hinweis sein. Obwohl man aufgrund des Genres und der Autorin weiß, dass das Buch ein Happy End haben wird, bangt man in jeder gefahrvollen Situation auf deren Ausgang.

Für einen normalen Roman ist das Buch mit rund 280 Seiten nicht gerade dick, aber doch ist sehr viel Handlung hineingepackt. Inka gelingt es, sehr viel Geschehen in nur ganz wenige Worte zu packen. Sie vermittelt dem Leser klare Bilder, sodass sich die Atmosphäre dicht und lebendig anfühlt. Die Regel "Show, don´t tell" ist etwas, das sie meisterhaft beherrscht: sie vermeidet unnötige Worte, indem sie anhand von Gesten und Gedanken wie nebenbei komplexe Zusammenhänge darstellt.

Aufgrund der gerafften Handlung, der vielen Nebenplots und sehr vielen Personen muss man schon recht genau lesen, um den Überblick zu wahren, was ich für das Genre Erotik als großes Kompliment sehe und wohl der beste Beweis ist, dass Erotik und Handlung sehr wohl Hand in Hand gehen können. Ich gebe zu, dass ich anfangs etwas zu gierig auf die Story war und daher ein, zwei Hinweise überlesen habe, auf die später wieder Bezug genommen wurde. Vielleicht hätte ich mit diesen Hinweise schon etwas früher erahnen können, wer hinter der Erpressung und den Morden steckt, vielleicht hätte Inka mich dennoch in die Irre geführt. Auf jeden Fall webt sie sehr geschickt die Morde und die Erotik ineinander, sodass die Grenzen oft verschwimmen.

Auch die Zeit des alten England wird realistisch und detailliert geschildert. Wie oben erwähnt, benötigt sie dafür keine Handlung, sondern es gibt viele kleine Andeutungen, die alles lebendig werden lassen. Eingestreute Hinweise auf die neuen Automobile, auf das Ritual des Duellierens, die Versiegelung von Briefen, solche Kleinigkeiten verleihen der Story Flair und gefühlte Tiefe. Die Wortwahl trägt ihren Teil dazu bei, indem sie von Peelern, Blaustrümpfen, dem "Ton" und anderen Dingen erzählt, die damals übliche Begriffe waren. Für mich bot das einigen Anlass, selbst einmal bei Wikipedia und anderen Quellen nachzuforschen, ob das damals wirklich so war, was hinter der Bezeichnung steckte und wie manche Dinge gehandhabt wurden im Altag.

Die Autorin hat am Ende des Buches sogar ein Nachwort geschrieben, in welchem sie dieses Mal auf die Recherche eingeht und beschreibt, wie sie großen Wert auf detailgetreue Beschreibung einzelner Dinge Wert legte und bis zu letzt immer wieder ihren Text infrage stellte und nachprüfte, ob dies damals wirklich so war (z.B. auf welche Weise Wunden versorgt wurden). Dies bezieht sich sogar bis hin zu Redewendungen, die heute üblich sind aber in der damaligen Zeit nicht existierten und somit störende Anachronismen für den kundigen Leser darstellen würden.

Die Sprache ist in den erotischen Szenen wie ihre bisherigen Bücher, daher diesmal keine ausführliche Beschreibung, sondern eine kurze Erwähnung: Inka schreibt flüssig, sodass man nicht über allzu blumenreiche oder vulgäre Begriffe stößt. Sexualität ist etwas Natürliches, und so wird es auch geschildert, die Szenen sind anregend und gefühlvoll.

Was mich sehr freut: Inka liegen die Protagonisten all ihrer Bücher am Herz, sie haben ein Eigenleben, und so bekommen sie gelegentlich auch Cameo-Auftritte in anderen Titeln. In SECRET PASSIONS dürfen sich die Leser freuen, dem Adligen und seinem Stallburschen aus TEMPTATIONS zu begenen ;-)


FAZIT

Wieder einmal hat die Autorin sich selbst übertroffen. Von Buch zu Buch wird ihr Stil besser, werden die Protagonisten ein Stück lebendiger, wird die Handlung bildlicher, der Sex heißer. SECRET PASSIONS ist ein hervorragender historischer Krimi mit jeder Menge Erotik. Für Neueinsteiger von Inka eine absolute Empfehlung, für Fans ein Muss!

SaschaSalamander 19.09.2011, 09.20 | (0/0) Kommentare | PL

Verlockende Versuchungen

minden_versuchungen_1.jpgVERLOCKENDE VERSUCHUNGEN ist eines der älteren Bücher von Inka Loreen Minden, über viele Wochen hinweg habe ich verteilt mal hier, mal dort eine Geschichte daraus gelesen, immer wenn ich gerade ein wenig Aufheiterung brauchte. Und, anbei: zwischen all den Büchern, die ich lese und weitergebe ist dieses eines der ganz wenigen, die den Weg in mein Regal finden, denn ich finde die Ideen hinter den Kurzgeschichten einfach zu klasse.

Hier wird nahezu jedes Märchenelement geschnappt, das nicht bei drei auf den Bäumen war. Hier ein Drache, dort ein Dämon, Schneewittchen, Rapunzel und Dornröschen dürfen auch nicht fehlen, es gibt einen Zauberspiegel, Elben sind auch zu finden, und natürlich Vampire. Kunterbunt durcheinander, wild vermengt und das Ergebnis ist ein Buch, so humorvoll und zugleich auch erotisch, wie man es noch nicht gelesen hat. Ich habe versucht, einen roten Faden zu finden, doch gemeinsam ist allen Geschichten wohl wirklich nur, dass sie in einer fiktiven Märchen- oder Fantasywelt spielen und direkt oder indirekt mit Sex zu tun haben.

Da verliert ein Vampir seine Geliebte und findet sie nach langer Zeit zurück, doch gehört sie nicht einem anderen? Ein Engel und ein Dämon verlieben sich und verbringen gemeinsam ihre Zeit in den unteren Örtern, auf der Erde und im Kino. Das devote Schneewittchen wurde von den Zwergen leider an den falschen Prinzen vermittelt und klagt nun über fehlende Schläge. Die böse Moorhexe will ein unschuldiges (?!?) Mädchen verführen und wird von einem selbstlosen Jäger bezwungen. Wer ein zauberartefakt zu seinem eigenen Vorteil missbraucht, der macht Bekanntschaft mit Rapunzels lukrativem Nebenjob. Eine Elfenprinzessin soll den Prinzen des Nachbarvolkes heiraten, obwohl doch alle wissen, dass dessen Bewohner alle knollennasig und krummbeinig sind. Und einige weitere Geschichten, die den Leser ungläubig, lachend und begeistert mit dem Kopf schütteln lassen.

Was mich ein wenig störte aber meiner Begeisterung keinen Abbruch tut: die Geschichten sind stellenweise in zwei, einmal sogar drei Teile gegliedert, und diese Teile folgen nicht direkt aufeinander sondern bunt gewürfelt. Beim Lesen etwas lästig, weil man quasi ständig hin- und herspringen muss, wenn man eine Geschichte komplett lesen möchte. Dadurch habe ich, da ich das Buch ja über einen längeren Zeitraum gelesen habe, ziemlich den Überblick verloren, was ich nun alles bereits gelesen hatte und was nicht, sodass ich immer wieder nachblättern musste.

Die Stimmung des Buches erinnerte mich in nahezu jeder Geschichte an eine Disney - Parodie. Eine Prinzessin, zwitschernde Vögel auf dem Baum, dazu ein geträllerter Song im höchsten Sopran, bauschige Kleider und wunderhübsche Gesichtlein mit geröteten Wangen. Und dazu die witzigen Umschreibungen. Dazu muss man sagen, dass es wie bereits erwähnt ein älteres Buch von Inka ist, und man kann regelrecht mitverfolgen, wie ihr Stil sich schrittweise geändert und gebessert hat. Schon zu Beginn zeigte sich, dass sie talentiert schreibt, aber ein paar Schwächen gab es doch: Wortwiederholungen, klischeebeladene Worte, der Satzbau noch nicht ganz so geschliffen, trotzdem aber bereits großartige Unterhaltung.

Ich habe sehr oft gelacht über die absurden Situationen. Meine Lieblingsszene (kein Spoiler, bis zu diesem Moment der Geschichte erahnt man nichts) ist ein sterbender Mann, und zack puff steht plötzlich ein goldener Drache auf der Lichtung und bringt alles wieder ins Lot. Keine Ahnung woher, keine Ahnung wohin, aber sollten wir nicht alle so einen goldenen Zauberdrachen haben? Oder der selbstlose Jäger, der - wir sind ja im Erotikroman - der die Moorhexe mit seinem "Jagdgewehr" von hinten außer Gefecht setzt und dem wirklich außerordentlicher Dank für sein uneigennütziges Tun gebührt (wer will es schon mit einer Moorhexe treiben). Wie gesagt: skurril, völlig abgefahren und so ganz anders als alles, was man von einem Buch mit erotischen Kurzgeschichten erwartet.

Aufgeschlossen sollte man auf jeden Fall sein. Denn abgesehen davon, dass eine Menge Märchen und Fantasyfiguren aufs Korn genommen werden, gibt es hier auch so ziemlich alles: Gay, SM, Hetero, freiwillig und unfreiwillig. Wer also ausschließlich Heteroerotik sucht, oder wer sich nicht für SM begeistern kann oder eben etwas Spezielles sucht, der wird hier nicht fündig. Wer vielseitig ist und sich vorstellen kann, dass Humor und Erotik sich nicht gegenseitig ausschließen, der ist hier auf jeden Fall richtig. Absoluter Geheimtipp für alle Inka Loreen Minden Fans, die bisher nur die neueren Werke kennen ;-)

SaschaSalamander 16.09.2011, 15.28 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Trapped

minden_trapped_1.JPGTRAPPED ist eine weitere Kurzgeschichte von Inka Loreen Minden. Diesmal handelt sie von zwei jungen Indianern: Naska ist ein "Two Spirit", ein Mann, der Männer begehert. Er trägt Frauenkleider und hat in seinem Stamm die angesehene Position des Heilers inne. Schon als Jugendlicher begehrte er seinen Freund Yuko vom Nachbarstamm, doch ein Kuss führte zum Bruch der Freundschaft, Yuko wandte sich von ihm ab. Noch immer beobachtet Naska ihn heimlich, und eines Tages gerät er in eine Falle. Yuko befreit ihn, und somit schuldet der andere ihm sein Leben und soll ihm als Sklave dienen. Was sich in Naskas Träumen immer so erregend anfühlte, ist in der Realität nun recht beängistend: Soll er wirklich nur ein Diener sein, ständig mit ansehen, wie sein Angebeteter seine eigenen Frauen beglückt, und soll er womöglich zukünftig Felle gerben und einfach nur ein Statussymbol werden? Das war es nicht, was er sich erhofft hatte ...

"Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie noch heute". Mit diesen Worten müssten eigentlich alle Geschichten aus Inkas Feder enden. Wie Märchen muten sie an, ideal zum Dahinschmelzen und Träumen. Was sie aber von vielen anderen Geschichten des Erotikgenres abhebt sind die vielen Details. Zum einen die Recherche, die hinter der Story steckt (wie lebten "Two Spirits" bei den Indianern, welche Aufgaben hatten sie, wie kleideten sie sich, welche Rituale mussten sie begehen, welchen Stellenwert hatten sie im sozialen Gefüge des Stammes) und kleinen Andeutungen einfließt und die Figuren zum Leben erweckt. Zum anderen das Knistern. Klar kann man schreiben "sie lieben sich", aber hier spürt man es, es ist nachvollziehbar und baut sich trotz der Kürze der Geschichte schrittweise auf (oder wird wie in diesem Fall, wenn es von Anfang an vorhanden ist, rückblickend beschrieben).

Was mir ebenfalls positiv an TRAPPED auffällt: es gibt meist klassische Rollenverteilungen (im Manga nennt man es Seme und Uke, bei uns einfach simpel den männlichen und weiblichen Part). Ist zwar hier auch gegeben, aber dennoch stehen sich zwei ebenbürtige Partner gegenüber. Die Autorin reitet nicht auf Klischees herum, erschafft statt dessen zwei individuelle Menschen, die sowohl männliche als auch weibliche Anteile in sich vereinen, dadurch sympathisch und sehr realistisch erscheinen.

Und es wird sehr gut unterschieden zwischen Traum und Realität. Viele Geschichten sind sehr unglaubwürdig, und ich frage mich oft, wie das, was da alles an Praktiken beschrieben wird, tatsächlich funktionieren soll. Hier dagegen stößt der Protagonist an seine Grenzen, als er erkennen muss, dass er vor dem, wovon er immer träumte, nun plötzlich Angst hat. Inka ist hier sanft und gibt ihren Figuren die Chance, das erste Mal wirklich zu zelebrieren, gesteht ihnen Ängste zu und lasst sie Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um es nicht allzu heftig werden zu lassen. Romantik ohne Schnulz aber mit viel Gefühl.

Auch gefällt mir, dass Konflikte clever gelöst werden. Die Wendung, wie man sie hier erlebt, kennen Stammleser schon aus einer anderen Geschichte, aber ich hätte dann doch nicht damit gerechnet, dass es hier ebenso gelöst wird, es hatte mich jedoch sehr gefreut. Es gibt dafür ein sehr schönes Fachwort, aber damit würde ich da das Ende verraten ;-)

Zur zweiten Kurzgeschichte, die als Bonus dabei ist, möchte ich nicht viel schreiben. Fans kennen sie bereits aus dem Buch GAYLÜSTE oder als einzeln verlegte Story, trotzdem finde ich es nett, sie nochmals zu lesen, sie hatte mir damals sehr gefallen. Für mich ist sie etwas ganz Besonderes, denn sie war das Erste, was ich von dieser Autorin zu lesen bekam, und obwohl sie schon etwas älter ist, konnte sie mich sofort überzeugen. Sie erzählt aus der Sicht eines Cowboys von seiner Liebe zu einem Indianermann, ist sehr kurz und doch sehr liebevoll ausgearbeitet.

Einziges Manko, dass diese Geschichte natürlich viel zu schnell gelesen ist. Aber dafür ist sie recht günstig, ein Vorteil von Kurzgeschichten. Schnell geladen, schnell gelesen und lange im Gedächtnis.

SaschaSalamander 12.09.2011, 08.41 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL



 






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