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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Schräg

Knast oder Kühlfach

KNAST ODER KÜHLFACH ist der fünfte Band um den toten Autoknacker Pascha. Es ist selten, dass ich bei einer fortlaufenden Reihe wirklich alle neuen Titel bespreche, denn irgendwann gibt es einfach nichts mehr zu sagen. Doch bei Pascha ist das nicht der Fall. Immer wieder denke ich "na, was soll denn jetzt bitte noch kommen", und immer wieder bringt Autorin Jutta Profijt wieder etwas Neues, mit dem sie mich begeistert. 

Die Ausgangslage dieses Mal ist folgende: als Martin und Freunde bei einem gemütlichen Essen im Restaurant sitzen, wird Gregor plötzlich festgenommen. Gregor, Paschas Lieblingspolizist und Martins bester Freund, soll angeblich seine Exfrau getötet haben. Und statt es zu leugnen, schweigt er einfach. Natürlich glauben alle an seine Unschuld, doch eine leise Stimme nagt, denn absolut alles spricht gegen ihn. Gregors Freunde möchten ihm helfen, geraten aber in den Konflikt, die offiziellen Ermittlungen zu behindern. Pascha dagegen kann ungestört zwischen den Schauplätzen hin und her flitzen und schnappt so allerhand Wissenswerte auf. Zu dumm, dass nur alles keinen Sinn zu ergeben scheint. Und wo erst ein Mord stand, steht er plötlich vor mehreren Straftaten, die wohl irgendwie zusammenhängen.
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SaschaSalamander 27.11.2014, 08.46 | (0/0) Kommentare | PL

Angriff der Killerkekse

>Wilhelm Ruprecht Frieling< war mir bis dato kein Begriff. Wenn ich ein bisschen stöbere, dann erfahre ich, dass er einen erfolgreichen Verlag betreibt (aaaah, DAHER kam mir der Name bekannt vor, der >Bücherprinz< liegt schon länger auf meinem Sub), selbst vor allem Sachbücher schreibt und auch einige Kurzgeschichten veröffentlicht. Aufmerksam wurde ich auf ANGRIFF DER KILLERKEKSE vor allem wegen des Titels. Gut, man beurteilt ein Buch nicht nach Cover oder Titel, aber irgendeinen Grund braucht man ja, weshalb man gerade zu diesem statt zu einem anderen fremden Werk greift. Dass das Hörbuch zudem von Stefan Kamsinski gesprochen wird, machte die Entscheidung für mich leicht. Ich wollte mich darauf einlassen. Ohne irgendeine Ahnung, was mich erwarten würde. Denn aus dem Klappentext wird man nicht wirklich schlau:

Herr Frieling wird älter. Das gefällt ihm nicht, zumal ihm merkwürdige Dinge passieren. Er bekommt Falten, das Haar wird licht, und in der U-Bahn wird ihm ein Sitzplatz angeboten. Weil er nicht über das Thema sprechen mag, macht er sich darüber lustig und schreibt. In der Interpretation von Stefan Kaminski entfalten seine Reportagen und Geschichten aus dem alltäglichen Wahnsinn ihren vollen Wortwitz. Auch wenn die Skurrilität des Älterwerdens irgendwann jeden einholt, bleibt dank Stimmen-Virtuose Kaminski bei diesem Hörbuch kein Auge trocken.

Zugegeben, vorbereitet auf das, was ich dann hörte, wurde ich durch den Klappentext nicht. Gut, es versprach kurze Episoden, aber "Reportage" klingt doch realistisch, wenn auch mit Humor. Die anfänglichen Geschichten waren auch noch recht real gehalten, werden jedoch von Track zu Track abgedrehter. Mit dem Älterwerden haben nur einige Geschichten etwas zu tun, und ich bin froh, dass ich mich davon nicht abschrecken ließ, denn es vermittelt ein wenig den Touch von den derzeit aktuellen Unterhaltungsromanen rund um hippe Senioren, dafür fühle ich mich doch noch etwas zu jung. Und jetzt überlege ich, wo ich in meiner Beschreibung anfangen soll ... 

Von einem "Aufbau" zu sprechen, ist bei einzelnen Episoden natürlich hinfällig. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass hier geschickt platziert wurde in der Reihenfolge der Tracks: "Der Fußballer, der lahmt" erzählt von einem Mann, der eben nicht wirklich an Fußball Interesse zeigt und wenigstens zur WM Schritt zu halten versucht. "In der Muckibude" handelt, logisch, davon, wie er versucht schrittweise seinen Traumkörper zu erlangen. Beide Texte sind noch recht ruhig, der Humor vorhanden aber noch ein wenig ... lahm (sorry, der musste sein, fünf Euro von mir in die Kasse für schlechte Witze). "Kackwürste mit Kosenamen" dann wird schon etwas schräger. Spätestens bei "Der Tag, an dem ich das Meerschweinchen rettete" ist klar, dass Frieling gerne auch mal die Realität verlässt und sich wild austobt, wenn er vom Shopping der Zukunft erzählt und das Wohnzimmer der Tochter von mehreren virtuellen Haustieren bevölkert wird, die sich dank eines Programmfehlers weigern zurück in den Katalog zu hüpfen. Weiter geht es mit Geschichten vom ständig plappernden Gummibaum und anderen Sonderlichkeiten, bis es dann mit "das hohe Lied der Vergesslichkeit" langsam wieder abklingt und den Hörer wieder durchatmen lässt. 

Auf der CD findet sich nur ein Teil dessen, was im Ebook zu lesen ist (welches mit 3 Euro quasi sogut wie geschenkt ist und nach dm Genuss der CD nun ebenfalls auf meinem Reader zu finden ist). Ich finde die Auswahl gelungen, weil sie unterschiedliche Leser ansprechen dürfte und die Geschichten sich sehr gut voneinander unterscheiden in Stil und Inhalt. Es ist im Grunde nicht wirklich möglich, einen Klappentext zu schreiben, der allen Texten gerecht würde. Die Themen und auch die Erzähltechnik unterscheiden sich zu stark, als das man es alles zusammenfassen könnte. Aber gerade diese Vielfalt ist es, die mir gefällt: Älterwerden, Sci-Fi, hemmungsloses Ablästern vor realem Hintergrund, das Darlegen menschlicher Schwächen und völlig abgefahrene Texte fernab jeglichen Genres. 

Ich denke, nicht jeder Text wird jedem Hörer gefallen. Mir sagten vor allem die schubladenbefreiten und skurrilen Geschichten in der Mitte der CD zu, andere werden vielleicht den glaubwürdigeren und auch gegenwartsbezogenen Humor zu Beginn und Ende mögen, in welchem sie sich selbst wiederfinden können. 

Auch, wenn es schwer ist, Frielings Technik zu generalisieren, und auch wenn ein Hörbuch schwerer auf Sprache hin zu beurteilen ist als ein Ebook (gesprochener Text geht eben nebenher leichter unter als das gelesene Wort) fällt mir trotzdem eines auf: Frieling liebt Alliterationen. Je absurder der Text, desto häufiger die Verwendung dieses einen Stilmittels. Kaminski kostet das voll aus. Allerdings würde ich empfehlen, die Geschichten nicht als CD am Stück zu hören sondern gelegentlich eine kleine Pause einzulegen, irgendwann nutzt es sich ab und verliert an Wirkung, sodass ich doch gelegentlich die Augen verdrehte und dachte "es gibt doch noch mehr, muss es immer das gleiche sein?" Das ist eben das Geheimnis aller Shorties: sie wirken nicht in der Masse, sondern für sich allein. Eine Geschichte am Tag, und man kann es gar nicht erwarten, vor dem Schlafengehen noch flink etwas zu hören / lesen. Mehr, und man wird es schnell über.

Stefan Kaminski tut sein Weiteres, um die Texte von Friehling lebendig werden zu lassen. Wie man es von ihm gewohnt ist, trägt er nicht nur vor, sondern macht auch die passenden Geräusche, verleiht seiner Stimme Melodie, intoniert unterschiedliche Charaktere und macht es mal wieder zur One-Man-Show. Nicht immer ist das möglich (ich habe auch schon Hörbücher gehört, in denen er sich sehr zurückhielt), aber Friehling und Kaminski passen hervorragend zusammen, und die Shorties bieten ihm eine perfekte Bühne, so richtig aus sich herauszugehen und alle Register zu ziehen. Vor allem die Geschichte vom Meerschweinchen entfaltet erst hier so richtig ihre Wirkung. 

Auch, wenn man bereits das Ebook kennt: auf der CD kann der Hörer viele neue Nuancen entdecken und sich von Kaminski vorlesen lassen, wie er die Texte interpretiert. Beides zusammen - unschlagbar!

Alles in allem also: eine hervorragende Auswahl, die geschickt auf der CD platziert wurde. Die Geschichten sprechen eine Vielzahl von Lesern an und bieten eine kleine Auszeit vom tristen Alltag. Aber: unbedingt einzeln hören, sonst nutzt der Humor des Autors sich zu schnell ab ... 


SaschaSalamander 29.07.2014, 08.42 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Alice vs Wunderland

Über die Handlung von ALICE IM WUNDERLAND muss ich wohl nichts mehr erzählen. Was ALICE VS WUNDERLAND betrifft, erwarten den Leser viele bekannten Dinge (die Raupe, das Kaninchen, die Herzogin und ihr Mann, die Spielkarten, die Grinsekatze, der Hutmacher und all die anderen Figuren und Elemente), dennoch sollte man sich hier auf einiges gefasst machen: denn Alice steckt mitten in der Pubertät und verarbeitet die Krise nach der Trennung ihres Freundes Ronny auf ganz eigene Weise. Und während das Mädchen Erfahrungen sammelt und über sich selbst hinauswächst, kümmert sich ihre Mutter zwischen Sherry und Plastikblumengestecken eifrig um den Psychologen und Arzt, die sie ihrer Tochter wegen aufsuchen. 


AUTOR
 
Auch, wenn ich in (fast) allen literarischen Genres und Nationalitäten unterwegs bin, bevorzuge ich doch unsere heimischen Autoren. Und besonders diejenigen, die mich mit ihrem Erfindungsreichtum überraschen und bei denen kein Buch dem anderen gleicht. Eine meiner Entdeckungen ist Christian von Aster, der mich seit eineinhalb Jahren immer wieder begeistert. >Gedicht<, >Kurzgeschichte<, >Roman<, >Videoclip<, aktuell sogar die Arbeit an zwei Filmen. Mal Fantasy, dann wieder Krimi, dann Satire, rabenschwarz, märchenhaft verträumt, auch ein Kinderbuch findet man unter seinen Werken. Mal Texte zum raschen Überfliegen, ein andermal Satzkkonstrukte zum Auseinanderfitzeln und Wort-Für-Wort-Erarbeiten, ein andermal lautmalerisch melodisch. Wer ein Buch von ihm aufschlägt, der muss für alles bereit sein und mit allem rechnen. Auf jeden Fall aber mit Hintersinn und Esprit.


GENRE

Oh, wie ich Bücher liebe, die sich keinem Genre zuordnen lassen! Der Buchhandel sieht das leider anders, denn für genreübergreifende oder gar genrelose Bücher wurden noch keine Regale erfunden. Schubladen langweilen mich, und daher ist ALICE VS WUNDERLAND einfach genial für mein neu-gieriges Hirn: 

Schon bei der simplen Trennung in Unterhaltung und ernsthafte Literatur wird es schwierig. Unterhaltsam zu lesen, nette Zeichnungen, jede Menge Spaß und Seitenhiebe, trotzdem voller Tiefgang, sprachlich und inhaltlich ein literarisches Experiment. 

Nonsensliteratur, auf jeden Fall. Neologismen, völlig unserer Realität widersprechende Gesetzmäßigkeiten und Regeln, ungewöhnliche Metaphern, verspielte Sprache mit scheinbar zusammenhanglosen Aussagen, jede Menge Wortwitz und wiederkehrende Stilmittel.

Der Autor selbst bezeichnet das Buch als Pubertäts-Dramödie. Klingt, finde ich, besser als die neumodischen Begriffe des Slice-of-life eines Jugendlichen oder Coming-of-Age. Und "Entwicklungsroman" wäre dann doch zu hoch gegriffen für die 104 Seiten in Buchkleinformat mit Großdruck und vielen ergänzenden Bildern. Ja, doch, Pubertäts-Dramödie trifft es einfach am besten.

Soweit also zu den Gedanken, was das Buch alles sein könnte und wo es inhaltich und stilistisch anzusiedeln ist. Wo man es auf keinen Fall ins Regal stellen sollte: bei den Kinderbüchern. Selbst, wenn Alice an sich und auch die niedlichen Zeichnungen dies vermuten lassen ;-)


BEZUG ZUM ORIGINAL UND ANDEREN WERKEN

Man kann gar nicht mehr zählen, wie oft Alice inzwischen als Zeichentrick, Real, Film, Serie, Roman, Comic, Manga, Computerspiel verarbeitet wurde, ob nun für Kinder, Jugendliche oder mit rotem FSK-Zeichen. Manche halten sich dabei nur sehr vage an das Original, während andere es recht genau nehmen. 

Christian von Aster hat die Charaktere als Vorlage genommen und gewissermaßen eine eigene Interpretation verfasst (ja, er lässt zwischen den Zeilen sogar den Autor selbst eine psychologische Analyse der jungen Alice vornehmen). Einzelne Elemente des Originals entfallen, es wurden vor allem die bekanntesten Elemente herausgenommen und neu in Szene gesetzt. So erfährt der Leser endlich eine Antwort auf die Frage nach dem Raben und dem Schreibtisch. Die Grinsekatze offenbart das Geheimnis ihres breiten Grinsens, und der Psychologe erklärt uns, warum es gerade ein weißes Kaninchen ist, welches Alice in das Wunderland führt. 

Was mir sehr gefällt ist, dass der Autor das Werk zwar selbst in Szene setzt und umarbeitet, dabei aber sehr eng am Stil des Originales bleibt. Andeutungen an mathematische Rätsel, eine Übernahme nicht der Sprache aber der Stilmittel, Anspielungen auf das Werk, den Autor und die Hintergründe. Es ist nicht möglich, all die Andeutungen zu erkennen, die auf jeder Seite versteckt sind, doch immer wieder gibt es kleine Aha-Effekte, an denen Fans von Lewis Carroll sich laben dürfen. 

Und damit es nicht so angestaubt ist (falls jemand auf die Idee käme, das von diesem zeitlosen Klassiker zu behaupten?!?), gibt es sehr viele Bezüge auch zu anderen Werken der Moderne, von Filmkomödien über Bücher, Filme, Autoren.


CHARAKTERE

Alice wird zerlegt und analysiert, das Buch beginnt mit ihrem Konflikt, dessen Erarbeitung und Lösung. Für die wenigen Seiten eine erstaunlich gut umgesetzte und vielschichtige Entwicklung, die der Autor präsentiert. Und während im originalen Werk lediglich Alice und die Bewohner des Wunderlandes zur Sprache kommen, spielt die Handlung hier parallel in der "realen" (nicht minder fantastisch als das Wunderland) Welt weiter. Während Alice aber nicht nur körperlich über sich hinauswächst, bleibt die Mutter in ihrer Entwicklung stehen, ein trauriges Abbild des Erziehungsversagens, gefangen in ihrer Welt aus Sherry, Plastikblumen und Alltagsgrau.

Die Charaktere des Wunderlandes wurden neu inszeniert, ihre Botschaften für Alice tragen zur Entwicklung während ihres Trennungsschmerzes bei und helfen ihr, den Wahnsinn der Realität besser zu verstehen. 


SPRACHE

Die >Kapitelüberschriften< sprechen für sich, auch einige >Zitate< habe ich Euch im Blog vorgestellt. Vor allem die Wortakrobatik ist es, die mich immer wieder zu Werken des Autors greifen lässt. Man spürt, wie er genüsslich mit Worten jongliert und Sprache neu zu erfinden versucht: ALICE VS WUNDERLAND ist ein kuioser Mix aus Alltagsdeutsch, Umgangssprache, Behördenstil, Alliterationen und kreativen Wortschöpfungen. 

Durch die ungewohnten grammatikalischen Konstrukte und neu zu erfassenden Worte liest sich das Buch eher langsam. Es verlangt die uneingeschränkte ihm gebührende Aufmerksamkeit, will erkundet werden. Verstärkt wird das auch durch den verspielten Font, bei dem man manchmal genau hinsehen muss, um ein Wort zu lesen.


ZEICHNUNGEN, AUFMACHUNG DES BUCHES

Die Textseiten sind nicht weiß sondern graubraun, wirken ein wenig dreckig, passen hervorragend zum erdigen Grundton der Zeichnungen. BenSwerk, die auch schon >DER WASSERSPEIER FLEDERMEIER< gestaltete, verleiht dem eigenwilligen Stil von Asters Gestalt. Die ganzseitigen Bilder sind verschnörkelt, perspektivisch verzerrt, die Farben und Muster erinnern an die Siebziger mit ihren psychedelischen orange-braunen Kringeln. Es macht Spaß, in den Bildern zu verweilen, immer wieder kleine Details zu entdecken, manchmal auch zweimal, dreimal hinzusehen, bis einem eine kleine Besonderheit auffällt. Noch nie habe ich ein so hübsches Paragraphenzeichen gesehen ;-)


FAZIT

ALICE VS WUNDERLAND ist eine ganz eigene, gelungene Neuinterpretation des Klassikers, die mit eigenen Ideen und stimmigen Zeichnungen überzeugt. Eines der Büchlein, die man zur Deko ins Regal stellt und dann immer wieder einen Blick hineinwirft, Neues entdeckt, sich festliest und die Zeit vergisst. Und eigentlich viel zu klein für das, was alles drinsteckt. 

Wertung: superb (das ist die frz Kurzform für "grandiös und kreativitätig)


SaschaSalamander 11.09.2013, 08.28 | (0/0) Kommentare | PL

Alisik

Alisik liegt im Grab und wird ausgebuddelt, während die Umstehenden scherzen. Und dann erzählen sie ihr - sie sei tot! Das Mädchen will ihnen nicht glauben, hält alles für einen verrückten Traum und rennt zurück in die Stadt. Doch dort muss sie erkennen, dass niemand sie sieht, dass man durch sie hindurchgreift, und dass die seltsamen Wesen auf dem Friedhof wohl Recht hatten. Sie ist verzweifelt und kann sich nur langsam an ihren Zustand gewöhnen. Bis sie Ruben trifft, denn Ruben ist ein lebendiger Mensch, er nimmt sie wahr. Und er ist blind. Doch ist eine solche Liebe zwischen ihnen überhaupt möglich?

Dieser Comic sprang mir mit seinem düsterromantischen Cover sofort ins Auge, und ich begann im Laden kurz zu blättern. Schon nach wenigen Sekunden war mir klar "muss ich unbedingt lesen". Und die Zeichnungen hielten, was sie auf den ersten Blick versprachen. Das Gesamtwerk allerdings hat einige Schwächen, über die ich gerne hinwegsehen und mir alle vier Bände kaufen werde. Aber jetzt erst einmal der Reihe nach: 

Die Geschichte selbst ist nicht gerade neu, und sie wirkt wie ein Zusammenschnitt aus mehreren bekannten Werken im Stil von Tim Burton, Neil Gaiman und Terry Pratchett. Show- und Tanzeinlagen der Charaktere erinnern stark an einen Moment aus Corpse Bride, auch sonst finden sich viele Ähnlichkeiten zu vergleichbaren Werken. Trotzdem sehe ich das nicht als Manko, schließlich erwarte ich nicht bei jedem Buch die Neuerfindung des Rades. 

Schade ist allerdings, dass dieses an sich faszinierende Setting zwar grafisch ausgereizt wurde, im Storytelling allerdings einiges vernachlässigte. Es ist recht vorhersehbar und bleibt deutlich hinter seinen Möglichkeiten. Die Dialoge und Texte sind beinahe zu vernachlässigen, die Geschichte selbst ist zwar gut erdacht aber mit wenig Details versehen und wirkt eher wie Mittel zum Zweck zur Darstellung der Bilder. Zwar wird das Schicksal der einzelnen Figuren nach und nach enthüllt, und auch ist die Erzählweise mit Rückblenden und Zwischenpassagen gelungen, trotzdem fehlt das "gewisse Etwas", das aus hübschen Bildern auch eine lesenswerte Story zum Mitfiebern macht. Ich hoffe, dass die anderen drei Bände an diesem Punkt etwas anziehen und ihr Potential ausschöpfen. 

Dafür überzeugen die Zeichnungen umso mehr durch ihre Detailverliebtheit, ihre Tiefe, Atmosphäre und Aussagekraft. Ich bin regelrecht verliebt in die verspielten Formen und warmen Farben. 

Sehr schön finde ich auch, dass die Artworks der jeweiligen Situation angepasst wurde. Menschen tagsüber wurden in anderen Farben, anderem Strich zu Papier gebracht als die Geister des Nachts oder als Rückblenden in die Vergangenheit der Protagonisten. Zudem freut es mich, dass der Zeichner sich sehr abwechslungsreich präsentiert und verschiedene Ideen einbaut: nicht nur Coverbilder und Panels, sondern auch einmal Alisik als ganzseitige Anziehpuppe, dazu die Gestaltung der Innenseiten des Covers, poetische Texte auf altmodisch anmutendem Hintergrund, Passagen aus dem Buch der 3 mal 77 Totenregeln. 

Als Leser kann man sich in den wunderschönen Zeichnungen verlieren, ins Träumen geraten. Ich freue mich schon auf die Folgebände und bin gespannt, ob und wie sich die Story noch entwickeln wird.

Auf der liebevoll gestalteteten >Verlagsseite< zu Alisik findet man einen sehr schönen Trailer sowie Einblicke in das Heft und weitere Informationen über Autor und Zeichner. 

SaschaSalamander 02.08.2013, 08.52 | (0/0) Kommentare | PL

CJ7

cj7_1.jpgDickies Mutter ist gestorben, er lebt mit seinem Vater in ärmlichsten Verhältnissen, den meisten Teil des Lebensunterhaltes ergattert der Vater auf der Müllkippe, so etwa Kleidung. Er ist Wanderarbeiter und hat hohe Schulden bei seinem Arbeitgeber, der ihm bereits die Beerdigung der Frau, die Krankenbehandlungen und andere Dinge vorstreckte. Auch ermöglicht der Vater dem Sohn eine Eliteschule statt einer normalen Schule, denn sein Sohn soll es besser haben als er. Da ist die Schulbildung wichtiger als Spielzeug oder teures Essen, auch ein vergammelter Apfel ist noch genießbar, wenn man den braunen Teil wegschneidet. Doch Dickie wird in der Schule gehänselt wegen seiner billigen Schuhe. Er hat kein Spielzeug und hat nicht einmal ein richtiges Pausenbrot. Aber dafür hilft er anderen, wenn diese in Not sind und liebt seinen Vater über alles. Trotzdem gibt es oft Spannungen zwischen den beiden, der Sohn will mehr und der Vater ist überfordert.

Eines Tages findet der Vater auf der Müllhalde einen seltsamen Ball und bringt ihm seinen Sohn nach Hause. Dieser Ball entpuppt sich als eine Art "Ei", in welchem ein außerirdisches Wesen ist, eine Art Hund. Dickie freut sich, hat er nun endlich einen Spielkameraden, der noch dazu über besondere Kräfte zu verfügen scheint! Vielleicht wird er ja endlich in der Schule angesehen?

Zuerst einmal verstehe ich nicht, warum man den Jungen "Dickie" nennt? Wenn ich für eine Rezension nicht weiß, wie ich einen Namen schreiben soll, sehe ich auf dem Cover nach, man spricht den Namen "Tschiaon-Dii", klar kann man das in unseren Buchstaben nicht korrekt wiedergeben, aber warum schreibt man dann statt dessen Dickie?

Aber gut, es soll ja um den Film gehen, nicht um den Namen. Und der Film war wirklich toll! Lustig, traurig, tragisch. Ein ungewöhnlicher Humor, stellenweise sehr strange. Wer Asiafilme mag und kennt, wird es ein wenig leichter haben und einzelne Szenen etwas anders interpretieren können. Aber auch ohne Asia-Kenner zu sein, wird man die gleichen Momente witzig finden und sich herrlich amüsieren.

Es ist ein Film für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, auch wenn natürlich jeder andere Inhalte für sich herausziehen wird. Ich finde es sehr schön gemacht, wie man sich mit jedem einzelnen der Charaktere sehr gut identifizieren kann. Sowohl mit dem kleinen Dickie, der einfach nur die Anerkennung seiner Mitschüler möchte und nicht versteht, warum sein Vater ihm nicht wenigstens den Spielzeughund kauft, der gerade so angesagt ist, als auch mit dem Vater, der auf Arbeit alles tut, sich sogar demütigen und beschimpfen lässt, nur um seinen Job zu behalten und wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen, um seinem Sohn wenigstens die Schule zu ermöglichen. Stellenweise zerreißt es einem beim Zusehen fast das Herz, und es gibt sehr viele traurige Momente.

Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. CJ7, wie der kleine Außerirdische genannt wird, ist wirklich klasse animiert. Biegsam, quetschbar, frech, einfach genial, er hat ein bisschen was von Flubber, nur weitaus niedlicher. Eine Stimme wie der Mix aus Gremlins und R2-D2, man kann gar nicht anders als den Kleinen zu mögen. Auch die Art und Weise seiner Fähigkeiten wird dem erwachsenen Zuschauer bald klar, wobei ich mit dem Ende dieser Art dann doch nicht gerechnet hatte.

Ich bin sicher, CJ7 liefe als Merchandise hervorragend, die Kids würden sich um dieses kleine Stofftier reißen! Wer hat als Kind nicht von einem kleinen Helfer geträumt, mit dem man bessere Noten schreibt, nicht mehr verprügelt wird und endlich Freunde findet? Dieser Film ist ein kleiner wahrgewordener Kindertraum, und es ist schade, dass er hier bei uns kaum bekannt ist, Asia-Kino läuft bei uns eben nicht so gut. Zu Unrecht, denn es gibt großartige Filme dort!

Der Hauptdarsteller und Regisseur ist Stephen Chow, er hat die bei uns etwas bekannteren Filme SHAOLIN SOCCERS und KUNG FU HUSTLE gedreht, letzterer einer meiner Favoriten dieser Genres. Chow hat auch einen ganze eigenen Humor, genannt >"Mo lei tau"<, daher fällt es mir eher schwer, CJ7 zu beschreiben, wenn jemand diesen Stil nicht kennt. Wie gesagt, ein Asiafan kennt es, ein Neuling wird verwundert sein (wie heißt es bei Mo lei tau: "was soll das?!?") aber trotzdem seinen Spaß haben.

Auf jeden Fall ist CJ7 ein Film, den ich absolut empfehle. Ohne Einschränkung. Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen. Actionfans, Dramafans, Sci-Fi-Freunden. Leuten, die Filme mit tiefer Message wollen genauso wie Leuten, die einfach nur stumpf abschalten wollen. Einer meiner filmischen Favoriten der letzten Monate!

SaschaSalamander 19.07.2013, 08.46 | (0/0) Kommentare | PL

Sarg niemals nie

wells_sarg_1.jpgFrederic Withers sitzt im Gefängnis. Eigentlich plant er einen großen Coup, und dafür stellt er sich tot, um im Sarg aus dem Gefängnis gebracht zu werden. Auf dem Friedhof wird er von Vampiren für den Auserwählten gehalten, sie folgen ihm nun überall hin. Doch er hat nur ein Ziel: sich als Neffe des verstorbenen Beard auszugeben und das reiche Erbe abzusahnen. Dabei begegnet er vielen Personen, die ihm helfen, zu Freunden werden. Aber auch anderen, die ihn jagen und töten wollen. Und seiner Geliebten Gwen, die ein falsches Spiel spielt. Alles geht drunter und drüber, es kommt ganz anders als geplant ...

Von Dan Wells kenne ich bisher nur den ersten Teil der Serienkiller-Reihe. Der Roman hatte mich zwar nicht vom Hocker gerissen, ich kann mich nur noch bruchstückweise daran erinnern, aber ich fand ihn gut genug, um mir den Autor positiv im Gedächtnis zu behalten. Da SA(R)G NIEMALS NIE ein Einzelband ist und der Inhalt recht witzig klang, war ich neugierig und habe ihn gelesen. Und dieses Buch werde ich wohl nicht so schnell vergessen wie den Auftakt des Serienkillers ;-)

Es ist herrlich schräg, ein Gag jagt den nächsten, die Charaktere sind unglaublich skurill. Frederic trifft auf eine recht freie Interpretation des Dichters John Keats, auf eine ebenso ungewöhnliche Auslegung von Mary Shelley (was würde die echte Autorin wohl dazu sagen, was Dan Wells aus ihr gemacht hat?), besonders diese beiden Figuren wuchsen mir mit ihren Macken sehr ans Herz. Mary, ständig auf der Jagd nach der nächsten Leiche und deren Einzelteilen, John stets am Reimen, Schreiben, Dichten, das Leben nur genießend, wenn es ihm Leid, Elend und Jammer bietet, ihn anspornend zu noch größeren Kunstwerken.

Ich habe das Buch zu Beginn rasend schnell verschlungen, denn ich lieben den eigenwilligen Humor: schwarz, makaber, düster, dabei aber auch sehr viel Situationskomik, jede Menge spritziger Dialoge, eine große Portion Wortwitz und sehr viel Ironie. Was schiefgehen kann, das geht ganz sicher schief, und jedes Missverständnis wird ausgereizt bis zum Äußersten.

Das ist auch die Schwäche des Buches: es ist einfach too much. Das erste Drittel habe ich laut gelacht, ich bin über die Seiten gerast. Im zweiten Drittel begann ich langsam, nach etwas mehr Handlung und weniger Chaos zu suchen. Das letzte Drittel habe ich eher überflogen, weil es dann sehr verworren wird und die Missverständnisse einfach zuviel. Was am Anfang lustig ist, das ist nach der 50sten Wiederholung eher ermüdend denn erheiternd. Es hätte dem Buch gut getan, entweder den Humor zu variieren und ein paar zusätzliche Ideen einzubringen, oder aber es drastisch zu kürzen. Oder, den Humor etwas zurückzunehmen. Es gibt quasi keinen Satz, der nicht mindestens zwei Scherze enthält. Hätte man sich auf vier oder fünf Gags pro Seite beschränkt, wäre es wohl langfristig besser gewesen, so aber fühlte ich mich wie nach fünf Tafeln Schokolade: mir war etwas übel, und ich konnte einfach nicht mehr, war froh als ich den letzten Bissen verdrückt hatte, aber genießen konnte ich nicht mehr.

Insgesamt also ein wirklich komisches Buch, ein Gagfeuerwerk ohnegleichen. Das sein Pulver viel zu schnell verschießt. Weniger wäre mehr gewesen. Schade, denn im Grunde war ich begeistert, und ich werde demnächst gerne ein weiteres Buch von Dan Wells lesen. Hoffend, dass dies eine Mischung aus dem eher subtilen Humor der Serienkiller-Reihe und der übergezogenen Keule des Frederic Withers ist.

Wertung: 6 von 10 Ghoule

SaschaSalamander 06.03.2013, 09.06 | (0/0) Kommentare | PL

Die Olchis - Witze aus der Pfütze

>DIE OLCHIS< sind mir schon oft in der Buchhandlung begegnet, hier und da habe ich einen Blick in die Bücher geworfen. Ich finde die kleinen Gesellen richtig schräg und die Idee dahinter toll, und ich hätte sie als Kind ganz sicher geliebt. Ich habe alles geliebt, was nicht regelkonform war, und die Olchis mit ihrem unanständigen Verhalten wären mir da gerade recht gewesen. Ich finde, Kinder haben das Recht, sich dreckig zu machen und auch mal unanständige Wörter zu sagen, das gehört zum Kindsein dazu :-)

Neugierig habe ich >DIE WITZE AUS DER PFÜTZE< gehört. Die "Handlung" ist eigentlich nur ein netter Rahmen: die Kinder der Schmuddelfinger Grundschule treten im Team gegen die Olchis an, es gilt die besten Witze-Erzähler zu ermitteln.

Es ist köstlich! Die Olchis erzählen natürlich eher "dreckige" Witze, rund um Schlamm, Schleim, Schmutz, Fürze und Gestank. Die Kinder dagegen eher "normale" Witze. Aber beide Parteien sind großartig, und die Witze sind prima erzählt.

Für Erwachsene Witzfreunde dürften die Einlagen alle bekannt sein, für mich waren nur ein oder zwei neue dabei, die anderen kannte ich schon. Aber das macht nichts, ich habe sie trotzdem sehr gerne wieder gehört, sie sind einfach witzig erzählt. Außerdem macht es Spaß zu lachen, ob man einen Witz schon kennt oder nicht.

Und Kinder dürften die Witzesammlung lieben, sie ist herrlich unkonventionell und frech. Ich kann mir vorstellen, dass Kids diese CD rauf und runterhören, sich die Witze gegenseitig in der Schule erzählen und immer wieder darüber lachen. So, wie ich auf dem Schulhof immer wieder darüber gelacht habe. Ach, es kamen bei mir sehr viele Erinnerungen hoch, als ich die Scherze hörte ...

Was mir gefiel waren die Sprecher. Die Olchis waren sowieso sehr witzig, aber auch den Kindern der Grundschule hörte man an, dass sie mit vollem Einsatz bei der Sache waren und richtig Spaß daran hatten, mitzuwirken. So soll es sein, und das überträgt sich auf die Hörer :-)

Der Titelsong der CD ist klasse, und ich habe ihn mir sofort auf den Player in meine Sammlung "schräger" Songs gepackt. Ich habe nämlich einen Ordner mit Titeln, die ich immer dann höre, wenn ich ein paar kuriose Texte brauche, um die Absurditäten des Alltags wieder ein wenig geradezurücken (erst diese Woche führte ich ein Gespräch mit der zukünftigen deutschen Königin). Und seitdem habe ich einen Ohrwurm rund um "Fliegenschiss und Olchifurz, das Leben ist doch viel zu kurz, wir lieben Schlick und Schlamm und Schlaaaaa-haaaim, das Leben kann nicht schöner sein" ...

Wertung: 9 von 10 überengagierte Moderatoren


SaschaSalamander 28.02.2013, 09.35 | (0/0) Kommentare | PL

Flavia de Luce 04 - Vorhang auf für eine Leiche

bradley_flavia04_1.jpgVORAB

>Flavia de Luce - Vorhang auf für eine Leiche< ist der vierte Band der Flavia-Reihe von Alan Bradshaw. Ich habe die ersten Bände begeistert gelesen und freue mich immer, wenn ein neuer Titel erscheint. Die kleine Göre ist mir inzwischen ans Herz gewachsen.


INHALT

Buckshaw steht kurz vor dem Ruin, und so hat Flavias Vater einem Filmteam das Anwesen für Dreharbeiten zur Verfügung gestellt. Niemand anderes als Phyllis Wyvern und ihr Team beehren den kleinen Ort nun mit ihrer Anwesenheit. Doch hinter den Kulissen ist nicht alles so rosig, wie es in den Kinozeitschriften aussehen mag, und bald geschieht ein Mord. Natürlich ist Flavia wieder die Erste am Tatort und beginnt zu ermitteln ...


AUFBAU

Wie auch schon im letzten Band wird der Leser hier ziemlich lange bis zum Mord hingehalten. Erst ziemlich genau in der Mitte ist es soweit. Die Zeit bis dahin vergeht vergnüglich, das Lesen wird nicht langweilig, der Krimianteil ist allerdings deutlich geringer als vor allem im ersten Band. Die Ermittlungen sind ziemlich knapp gehalten, und dann folgt ziemlich überraschend und spontan der Showdown, als ich aufgrund des bisher sehr dürftigen Ermittlungsstandes überhaupt nicht damit gerechnet hatte.

Zugegeben, der Krimianteil und Aufbau hat dieses Mal in meinen Augen ein wenig geschwächelt. Mir ist nicht so ganz klar, wie Flavia ihre Schlussfolgerungen auf einmal so plötzlich aus dem Hut zaubern konnte, und wüsste ich es nicht besser, würde ich vermuten, dass die deutsche Ausgabe um ein bis zwei inhaltlich relevante Kapitel gekürzt wurde. Sie schreibt eine Liste mit noch zu klärenden Fragen, alles ist unklar, und plötzlich liegt alles angeblich offensichtlich auf der Hand. Flavia ist toll, das wissen wir, und intelligent auch - dennoch hätte ich gerne gewusst, wie sie sich diese Dinge nun erschlossen hat. Statt dessen zauberte der Autor dieses Mal plötzlich Namen und Zusammenhänge einfach so aus dem Hut. Es wirkte diesmal ein wenig künstlich und steif, wo die Ermittlungen sonst lockerer und nachvollziehbarer waren.


SPRACHE, HUMOR

Sprachlich ist das Buch bzw auch die Übersetzung wieder sehr gelungen. Ach, ich liebe Flavias schrägen Humor, ihre zynischen Kommentare. Die plötzlichen Sprünge von kindlicher Neugier hin zu menschenverachtenden Gemeinheiten. Altkluge Sprüche, die so gar nicht zu einem kleinen Mädchen passen wollen. Vergleiche, wunderbar plastisch und witzig. Sätze wie "Manchmal hilft nichts anderes mehr als nur eine Prise gutes altes Strychnin" oder "ja, auch ich werde älter. Erst gestern habe ich einen Fingergut mit Arsen irgendwo hier abgestellt und finde ihn nun nicht mehr" oder "er ist so geschmeidig wie Rizinusöl". Weihnachtsstimmung, und plötzlich philosophiert das Mädel freudig über Ilex und Gifte. Auch, wenn ich von den chemischen Momenten des Buches wenig Ahnung habe, finde ich sie köstlich zu lesen.

Einige Male war ich schon recht erstaunt. Da hantiert ein Mädchen mit so gefährlichen Giften, weiß Schießpulver herzustellen und Feuerwerke, Vogelleim und kennt die historischen Hintergründe verschiedener naturwissenschaftlicher Dinge, und doch glaubt sie noch an den Weihnachtsmann und versucht ihn mit den ihr eigenen Tricks einzufangen. Ob es realistisch ist, sei mal dahingestellt, aber ich liebe diesen Widerspruch. Und versuche mir eben klarzumachen, dass die Kleine vielleicht eine Inselbegabung mit zugehöriger Krankheit hat. Der Autor vermag aus diesen Widersprüchen jedenfalls wieder so skurille Szenen zu erschaffen, dass es eine wahre Freude ist, das Buch zu lesen.


REIHE

Da dies der vierte Band einer Reihe ist, möchte ich kurz auf die gesamte Reihe und die Bedeutung des vierten Bandes eingehen: die Bücher leben vor allem von ihrem schwarzen Humor und dem Widerspruch der sowohl kindlichen als auch hochintelligenten und beinah schon misantrophischen Flavia. Ebenso geht es wie immer um die drohende Verarmung der Familie und den Streit der Geschwister untereinander.

Der vierte Band ist sehr gut in sich geschlossen, und ich kann mir vorstellen, dass man ihn lesen kann, auch ohne die ersten Teile zu kennen. Dennoch gibt es natürlich viele Anspielungen auf frühere Geschehnisse, die zu verstehen jedes Mal eine kleine Freude für die Leser der gesamten Reihe ist.

Während die ersten Bücher aber ihr Gewicht vor allem auf die Kriminalfälle legen, geht es im vierten Band weniger um den Mord als vielmehr um die Hintergründe auf Buckshaw. Dabei allerdings finde ich schade, dass es zwar wieder enorm viele Andeutungen gibt bezüglich Flavias Mutter, Tante Felicity, Dogger und das Verhältnis der Geschwister untereinander, aber noch immer keinen Funken konkreter Information. Als Leser fühle ich mich dann oft hin- und hergerissen: einerseits liebe ich die Reihe und will alle Bände verschlingen. Andererseits fühle ich mich hingehalten und hinausgezögert, als wolle der Autor mit den Büchern möglichst viel Geld machen, bevor er dann, wenn es sich nicht mehr lohnt, irgendwann einen Abschluss präsentiert. Ich fände es schön, wenn Bradley die Reihe nicht irgendwann plattwalzt sondern neue Impulse einbringt. Denn der immer gleiche Humor, das immer gleiche Strickmuster zieht nicht auf Dauer.


FAZIT

Ich freue mich, dass ich dank >BloggDeinBuch< und >Penhaligon< das neueste Abenteuer von Flavia lesen durfte. Trotz einiger Schwächen, die sich bei der Umsetzung von Mehrteilern leider meistens ergeben, fand ich das Buch wieder sehr unterhaltsam und freue mich schon auf den nächsten Band.

Wertung: 3,6 von 5 Fingerhütchen mit Arsen

SaschaSalamander 14.12.2012, 08.42 | (0/0) Kommentare | PL

Der Wasserspeier Fledermeier

VORAB

Es gibt Bücher, die hat man in zehn Minuten gelesen. Und genau deswegen darf man sie nicht einfach zwischen Tür und Angel vernaschen, nur weil man mal die Zeit überbrücken will. Sondern gerade diese kleinen Leckerbissen muss man genießen, bewusst und mit allen Sinnen. Und das habe ich getan: draußen dunkelte es bereits. Plätzchenduft in der Wohnung und zwei Kekse auf dem Teller neben einer Tasse mit heißem Kakao. Untermalt von hellgrünem Stimmungslicht, eingekuschelt in eine warme Decke. Perfekt für ein Bilderbuch. Also her mit dem WASSERSPEIER FLEDERMEIER :-)


INHALT

Der kleine Boris wohnt in einem Haus, auf dem Wasserspeier wachen. Sie sehen immer recht böse aus, deswegen hat er etwas Angst. Eines Tages rumpelt es auf dem Dachboden, auch die folgenden Nächte. Der Junge stellt fest, dass einer der Wasserspeier auf dem Dach fehlt! Er stellt sich seiner Angst und freundet sich bald mit "Herr Fledermeier", wie er ihn nennt an. Denn eigentlich sind die beiden gar nicht so verschieden.


AUTOR

Dieses Kinderbuch stammt aus der Feder von >Christian von Aster<, den regelmässige Leser meines Blogs inzwischen kennen sollten. Ich mag seine Fähigkeit, mit Worten zu spielen und treffsichere Pointen zu setzen, auch als Sprecher höre ich ihn gerne. >MITTERNACHTSRABEN< war meine erste Begegnung, es folgten >TIMMY KENNT DEN WEIHNACHTSMANN< und >STIRNHIRNHINTERZIMMER<. Weitere Werke warten in meinem Regal. Was mir auf- und gefällt ist die Wandelbarkeit des Autors, der mal ernst, mal satirisch, mal gereimt, mal in Prosa, mal bitterböse für Erwachsene und dann auch für Kinder schreibt. Er experimentiert, er spielt, er reizt aus, er provoziert, er unterhält, und er kann sogar pädagogisch ;-)


GENRE

DER WASSERSPEIER FLEDERMEIER ist ein reines Kinderbuch. Der Text ist sprachlich sehr einfach gehalten, von Aster hält sich mit seinen wortgewandten Spielereien zurück und vermittelt einen klaren Inhalt, geeignet für das kindliche Verständnis. Die Bilder sind recht düster, passen jedoch zur Geschichte und dürften - doch da sollen Eltern selbst entscheiden - keine Ängste bei den Kindern auslösen, passen sie schließlich gut zur Geschichte und werden gut erklärt. Es eignet sich wunderbar zum Vorlesen und gemeinsamen Betrachten, zum wohligen Schaudern und befreitem Aufatmen.

Wer als Erwachsener Kinderbücher liebt, der wird auf jeden Fall begeistert sein. Ansonsten sollte man sich bewusst sein, dass es sich eben an kindliche Ängste richtet, die Zielgruppe eine sehr junge ist, und dass man es selbst in wenigen Minuten gelesen hat. Eben ein Bilderbuch. Eines von der Sorte, wie ich es liebe und immer wieder gerne lese :-)


THEMA, PÄDAGOGIK

Das Buch setzt sich kindgerecht mit dem Thema Angst auseinander und wie man diese überwinden kann. Es handelt auch davon, dass Ängste aus Unverständnis entstehen können und es möglich ist, sie zu überwinden, wenn man aufeinander zugeht. Das Anderssein wird thematisiert, das Finden von Gemeinsamkeiten. Und es wird gezeigt, dass Dinge, die auf den ersten Blick gruslig scheinen, eigentlich völlig harmlos sein können. Außerdem kann es Kindern eine Hilfe sein, die sich alleine im Dunkeln fürchten.

Die Kinder können mit Boris gemeinsam ein Abenteuer erleben: zu Beginn fürchten sie sich, die Wasserspeier sind düster, die Bilder dunkel und vielleicht auch schaurig (das vermag ich als Erwachsener nicht zu beurteilen). Doch wenn man genau hinsieht (hier ist dann der Erwachsene gefordert, mit dem das Kind das Buch gemeinsam liest), findet man witzige Elemente in den Bildern, bunte Farben. Als die beiden sich annähern, werden die Bilder bunter, freundlicher, dennoch dominieren dunkle Hintergründe und Schatten, denen jedoch der Schrecken genommen wurde. Und das anfangs Gruslige wird dann sogar niedlich. Mal ehrlich, ein Wasserspeier mit geblümtem Kleid, Ringelschal und Bommelmütze, das ist doch richtig süß, da kann man gar keine Angst mehr haben. Das Kind kann am Ende befreit aufatmen und sich dann mit Boris auf den nächsten Winter und die anstehende Begegnung mit Herrn Fledermeier freuen.


SPRACHE

Normalerweise hat Christian von Aster einen sehr eigenen, markanten Stil. Hintergründig, schwarzhumorig, voller Alliterationen, lautmalerisch, wortgewand und meistens mit sehr viel Text zwischen den Zeilen. Für den WASSERSPEIER FLEDERMEIER wählt er dagegen einfache Worte, die auch ohne Subtext gut zu verstehen sind. Dabei gelingt es ihm dennoch, den Kindern Freiraum zu geben für eigene Interpretationen. Sie können sich selbst hineinversetzen, Boris´ Angst nachempfinden, mit ihm aufatmen und eine wunderbare Zeit mit den beiden Freunden verbringen. Nicht alles wird erzählt, der Autor lässt auch Raum für die Phantasie. Er gibt eine märchenhafte Rahmenhandlung vor, das Kind darf sie mit Leben füllen.

Sehr schön finde ich, dass auch die Beschreibung der Beteiligten hübsch dargestellt wurde, mit witzigen Worten und netten Bildchen. Es muss nicht immer die übliche Autorenbeschreibung sein und ein normales Foto. Die Macher dieses Buches beweisen, dass es auch anders geht, der Humor dabei ist sympathisch.


ZEICHNUNGEN, GESTALTUNG

Die Zeichnungen stammen von >Benswerk< und passen perfekt zu dem Buch. Düster und unheimlich, aber nicht beängstigend, teilweise auch niedlich. Die Wasserspeier mit ihren Glubschaugen und schiefen Zähnen, das ist ein recht skurriler Humor. Es wirkt nicht wie eine Imitation, ist nicht abgekupert, sondern etwas ganz Eigenes, erinnert mich aber ganz eindeutig an die Motive von Tim Burton. Ringelmuster, Spiralen und Windungen, lange Hälse, dürre Gliedmaßen, große Köpfe auf kleinen Körpern, eine düsterromantische Stimmung. Der bleiche Mond scheint durch ein Astskelett. Häuser und Fenster sind schief und unarchitektonisch. Ach, ich liebe diesen Loook :-)

Text und Bilder sind in einer Einheit gestaltet. Ein Bild erstreckt sich über eine Doppelseite, die Worte sind darin integriert, mal mit Hintergrund, mal im Bild selbst, mal leicht zu lesen, manchmal etwas schwerer zu erkennen (zugegeben, im Schummerlicht tat ich mir auf manchen Seiten etwas schwer bei dunkler Schrift auf dunklem Grund. Aber das ist okay, ich wollte es ja gerne langsam lesen. Es trug zur Atmosphäre bei und gefiel mir sehr. Und normalerweise hat man ja normales Licht, wenn man etwas vorliest).

Der Text ist auch mal perspektivisch geschrieben oder schräg auf der Seite. "Gerade" und "normal" sind zwei Dinge, die man sowohl in Wort wie auch Text bewusst vermieden hat. Es macht Spaß, sich den Tet auf jeder Seite neu zu erarbeiten und ihn quasi zu entdecken. Einmal wird auch die Leserichtung geändert, man muss das bisher regulär gelesene Buch nun plötzlich um 90 Grad drehen, weil das Bild hochkant ist und nicht auf eine Breitseite gepasst hätte. Klar, warum sollte der Künstler auch jedes Bild gleich gestalten? Das wäre schließlich langweilig. Und "langweilig" und "von Aster" in einem Satz, das geht gar nicht ...

Es sind keine Bilder, bei denen man immer wieder etwas neu entdecken kann als Erwachsener. Trotzdem sind sie einen genaueren Blick auch von den Erwachsenen wert und weisen interessante Details auf. So findet sich z.B. gegen Ende zweimal das gleiche Motiv, doch einmal blickt der Wasserspeier grimmig, das andere mal freundlich mit Blümchen auf dem Kopf. Als Boris sich einmal selbst als grimmiger Wasserspeier versucht, musste ich sehr über seinen Pulloveraufdruck schmunzeln, der so gar nicht dazu passen wollte. Ich  musste sehr oft beim Lesen lächeln, empfand die Bilder als sehr liebevoll gestaltet und bin gerne einen Moment in ihnen verweilt.


FAZIT

Ein wunderschönes Bilderbuch, das Kindern den Umgang mit der eigenen Angst erleichtert und das Zeug zum Lieblingsbuch hat. Wort, Text und Inhalt bilden eine kongeniale Einheit, an der auch Erwachsene Gefallen finden, wenn sie Kinderbüchern gegenüber offen sind. Ich kann den WASSERSPEIER FLEDERMEIER guten Gewissens empfehlen und werde ihn selbst noch oft lesen :-)


SaschaSalamander 07.12.2012, 09.01 | (0/0) Kommentare | PL

Finsteres Verlangen

hamilton_verlangen_1.jpgHier ist der Gastbeitrag der >Geschichten-Agentin< aus ihrem Projekt >Adopt a Blogger<. Wer mag, kann ihr außer im Blog gerne auch auf >Facebook< folgen. >Hier< verlinkt sie auf meinen Beitrag. "Bloggt wild und quer durch die Welt" beschreibt sie mein Konzept, das gefällt mir. >Hier< Ihr Link zu meinem Beitrag und einer kurzen Beschreibung zum Buch.

Ich bedanke mich herzlich für diese Rezension und wünsche Euch viel Spaß beim Lesen :-)

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Manchmal muss es einfach Trash sein – >Anita Blake!<

Die Abenteuer der Vampirhenkerin, die im Hauptberuf als Animator Verstorbene zum Leben erweckt, damit diese so wichtige Fragen wie „Wo hast Du das Testament versteckt?“ beantworten können, haben schon von Beginn an einen hohen Trash-Faktor. Da Laurell K. Hamilton schon seit vielen Jahren an dieser Serie schreibt, kamen mit der Zeit immer mehr Trash-Elemente dazu. Das reicht von uralten Monstern, vor denen sogar Meister-Vampire Angst haben, bis hin zu der Frage, mit wievielen Männern eine Frau ausgehen darf. Dazwischen detaillierte Beschreibung und Verwendung von Waffen und Kampftechniken aller Art. Und dazwischen jede Menge Sex. Oder auch nicht, wenn die amerikanische Moral gerade mal wieder verbietet, mit einem ganzen Rudel Wer-Leoparden ins Bett zu gehen.


Die Serie um die Vampir-Henkerin Anita Blake hat für europäische Leser einen doppelten Trash-Faktor. Da sind einmal die Charaktere, Schauplätze und Handlung. Gestaltwandler aller Art, Meistervampire mit französischen Akzent, Monsterjäger die mit P. Marlowe verwandt sein könnten besiedeln amerikanische Strip-Clubs, Wüsten, Vororte und Hochhausschluchten und stürzen sich in Machtkämpfe, Intrigen und die Suche nach der wahren Liebe. Übel genug, doch der besondere amerikanische Blickwinkel verdoppelt den Trash-Genuss. Anita Blake fragt sich allen Ernstes, ob sie die klassische amerikanische Dating-Regel brechen darf: Gehe niemals mit jemanden aus, der attraktiver ist als Du! Und dieser Vampir ist schon verdammt attraktiv. Oder die Frage, mit wievielen Monstern eine Frau ins Bett gehen darf. Oder ihre Probleme, angemessen weiblich gekleidet zu sein und trotzdem voll bewaffnet.


Für immer im Gedächtnis bleibt mir die Szene, als ein Schneider ihr ein Brautjungfern-Kleid nähen soll – noch so etwas typisch Amerikanisches. Der arme Kerl verzweifelt an der Aufgabe, die vielen Narben mit Stoff zu verstecken. Anita hingegen ist es nur wichtig, ihre Waffen in dem Brautjungfern-Kleid so zu verstecken, dass sie schnell dran kommt. Nicht, dass es einen konkreten Anlass gäbe – aber bei so vielen Menschen wie auf einer Hochzeit kann immer etwas passieren. Nein, und jemand der mit einem Stoff-Pinguin schläft kann ja nicht paranoid sein …


Und spätestens seit dem Wer-Kaninchen war mir klar, dass diese Autorin vor nichts zurückschreckt und sich ihr Plot immer auf der falschen Seite der Wahrscheinlichkeit aufhält. Hat mal jemand gemessen, wieviel Liter Blut die Heldin pro Buch verliert?


Für mich hat die Serie nur ein Manko: Der deutsche Heimatverlag Bastei Lübbe braucht unangemessen lange, um die neuen Folgen ins Deutsche zu übersetzen. Und er hält die Reihenfolge nicht so wirklich ein. Deswegen gehören die Anita Blake Romane von >Laurell K. Hamilton< zu den wenigen Büchern, die ich zum Teil auf Englisch gelesen habe.

SaschaSalamander 17.10.2012, 08.45 | (0/0) Kommentare | PL



 






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