SaschaSalamander
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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Schräg

Schaurig schön

FilmplakatVor einiger Zeit bin ich auf den Film "Lemony Snicket - rätselhafte Ereignisse" gestossen. Leider war es da schon zu spät für einen Kinobesuch. Aber es gibt ja die freundliche 24h-Videothek um die Ecke ;-)

Es gefällt mir gar nicht, einen Film vor dem Genuss des Buches zu sehen. Aber manchmal lässt es sich eben nicht ändern. Und in diesem Fall brannte ich zusehr auf den Film, als dass ich das Ausleihen in der Bücherei abwarten wollte! Auch, wenn ich Jim Carrey (Ace Ventura u.a.) nicht so gerne sehe, fand ich die Vorschau ansprechend, sie machte mich neugierig auf den Film.

Da ich die Bücher aber leider noch immer nicht gelesen habe, kann ich nicht sagen, welche Bände diese Verfilmung umfasst, ob die Reihe gut umgesetzt wurde und wie sehr der Film gekürzt oder verändert wurde im Vergleich zu den Büchern. Auch, ob es eine Fortsetzung geben wird, ist mir unbekannt.

Die Geschwister Violet (Erfinderin, wann immer sie ihre Haare hochsteckt), Klaus (begeisterte Leseratte) und Sunny (die Kleine beißt sich stets durch, im wahrsten Sinne des Wortes) sind nicht zu beneiden: ihre Eltern sterben im Brand ihres Hauses, die Kinder sind nun auf sich alleine gestellt. Der trottelige Notar Poe gibt sie in Obhut ihres Onkels Olaf, der sich nur für das Vermögen der Familie interessiert. Er legt alles daran, die Kinder zu töten. Als er erfährt, dass er durch den Tod der Kinder nicht an das Vermögen gelangt, versucht er es auf anderem Wege. Das Sorgerecht wird ihm entzogen, die Geschwister kommen zu ihrem Onkel Monty, doch Olaf ist ihnen auf der Spur. Als Schauspieler versteht er es, die Erwachsenen zu täuschen und stets auf der Spur der Kinder zu bleiben. Doch diese schlagen sich wacker durchs Leben. Auch, wenn sie vom Pech verfolgt sind halten sie zusammen und kämpfen tapfer gegen ihren durchtriebenen Onkel.

Cover Buch Band 1Eigentlich ist diese Inhaltsangabe recht spärlich. Soviele Einzelheiten, die ich jetzt am liebsten erzählen würde, so viele kleine Details, so viele Erfindungen und Schachzüge und Charaktere, die ich gerne einzeln erwähnen würde, so viele Nebenhandlungen! Auch, wenn ich sehr gespaltene Meinungen über diese Bücher und den Film gelesen habe, bin ich zumindest vom Film bereits hochbegeistert! Oft erinnerten mich die Bilder an Tim Burton (Nightmare before Christmas, Sleepy Hollow, Big Fish), die Geschichte an einen meiner Lieblingsautoren, Roald Dahl.

Eine Kindergeschichte ohne Kitsch, Happy End *schüttel* oder niedliche Elemente. Diese Geschichte ist hart, grausam und gnadenlos. Gut und Böse sind sehr deutlich trennbar und stark überzeichnet, die Szenerie ist düster und strotzt nur so vor Hausruinen, grauem Himmel und dürren Baumskeletten. Herrlich schräg, skurill und makaber in Bild und Text. Und immer so dargestellt, dass auch jüngere Kinder diesen Film ohne Albträume und Ängste sehen, mit den Geschwistern leiden und mitfiebern können.

Denn so düster Inhalt und Bilder auch sein mögen, immer wieder muss der Zuschauer lachen. Besonders Sunny ist wirklich ein Sonnenscheinchen. Herrlich, wenn die drei Geschwister zusammenarbeiten und gemeinsam ans Ziel gelangen. Witzige Kameraführung, abgedrehte Situationen, geniale Szenenwechsel, völlig verrückte Ereignisse und überzeichnete Charaktere ließen mich immer wieder den Kopf schütteln und laut lachen. Und für ältere Zuschauer finden sich viele kleine Andeutungen und versteckte Scherze, die erst entdeckt werden wollen, die ein aufmerksames Auge erfordern.

Jim Carrey hat mich ausnahmsweise sogar fasziniert, er passte einfach zu gut in die Rolle des verrückten Onkels Olaf. Seine Grimassen und theatralischen Verrenkungen sind wie geschaffen für diesen skurillen Charakter.

Cover Buch Band 2Besonders gelungen finde ich den Autoren, der die Reihe der unangenehmen Ereignisse erzählt: man sieht ihn als Silhouette an der Schreibmaschine sitzen, er gibt immer wieder kleine Hinweise und Anmerkungen. An einer spannenden Stelle reißt ihm das Farbband, er muss kurz abbrechen, bevor er die Geschichte weiterschreibt. Er warnt den Leser, dass es hier gewiss keine lustigen kleinen Elfen gibt. Sondern nur die betrübliche Geschichte der Geschwister, die er ja gerne anders erzählen würde, die sich aber leider so zugetragen hat.

Diese Rezension ist leider recht lang geworden, ich bitte um Verzeihung. Aber dieser Film hat mich sosehr begeistert! Genau die Art von Märchen, die ich als Kind bereits sosehr liebte ... ich bin gespannt, ob manch einer von Euch schon diesen Film gesehen hat und wie er gefiel :-)

SaschaSalamander 20.06.2005, 15.27 | (4/4) Kommentare (RSS) | PL

Wie ein Fisch im Wasserglas

FilmplakatAm Wochenende hatte ich wieder Zeit für einen Film. Zu gerne hätte ich "Big Fish" ja schon im Kino gesehen, ... aber nun konnte ich ihn wenigstens auf DVD nachholen.

Will hat seit drei Jahren nicht mit seinem Vater geredet. Denn er hat es aufgegeben, denn wahren Mann hinter dessen Lügengeschichten zu suchen. Der alte Edward Bloom ist ein symphatischer Mann, freundlich und hilfsbereit. Doch er schmückt seine Erzählungen aus. Was ihm zählt, sind die Details und romantischen Zwischenepisoden, nicht die trockenen Fakten. Nichts kann er ohne Umweg erzählen. Sein Sohn glaubt ihm nicht mehr, und erst am Sterbebett findet Will wieder den Kontakt zu seinem Vater. Er hört wieder die alten Geschichten: Was Großes am Tag seiner Geburt geschehen sei, wie er in das Glasauge der Hexe blickte, wie er den großen Fisch mit einem Ehering köderte, wie er in die große Welt hinauszog, wie er die große Liebe seines Lebens kennelernte. Alles ist groß, einzigartig und märchenhaft. Edward Blooms Leben ist ein einziges Märchen. Und als er stirbt, bittet er Will, dieses Märchen fortzusetzen ...

Dieser Film ist noch schöner, als ich erwartet hatte. Tim Burton ist sogar mir als Film-Laien ein Begriff: Nightmare before Christmas, Edward mit den Scherenhänden, Sleepy Hollow, Ed Wood, Beetlejuice ... Filme voll menschlicher Wärme, immer mit makaberem Unterton und einem gutmütigen Zwinkern. Prächtige Bilder (die sogar mir gefallen), wunderschöne Musik, Spannung ohne Hollywood-Action.

Vor einiger Zeit hatte ich den Film auf Englisch begonnen, aber es fiel mir recht schwer. Denn es gibt nicht allzuviele Dialoge, denen man folgen könnte. Während man wundervolle Bilder, Landschaften und Märchenwelten sieht, erzählt der alte Bloom seine Geschichte. Deswegen ist es kein Film, den man mal so nebenbei laufen lassen kann, sondern man muss sich wirklich auf den Text und die Bilder konzentrieren, um all die vielen wärmenden Botschaften in sich aufzunehmen. Man kann Big Fish nur mit offenem Herzen sehen.

An manchen Stellen musste ich an "Pleasantville", "Garp und wie er die Welt sah" oder "Edward mit den Scherenhänden" denken, denn Big Fish zeigt die klassischen Bilder einer älteren amerikanischen Vorstadtidylle, ohne dabei zuckrig oder kitschig zu wirken. Ansonsten sind die Bilder wunderschön, voll weicher und warmer Farben. So bunt und kurios wie Edward Blooms Leben ist auch der Film. Ein riesiges Feld voll gelber Narzissen, ein bunter Zirkus mit allerlei seltsamen Wesen, die Frau mit zwei Oberkörpern, die alte Hexe, ein Poet und ein herzensguter Riese.

Ein Goldfisch, den man im Wasserglas hält, wächst nicht zu seiner wahren Größe heran. Und Edward Bloom wusste, dass diese Stadt für ihn zu klein war. Deshalb zog er aus, seine wahre Größe zu erreichen.

Dieser Film ist einfach nur wundervoll ... phantasievoll, tragikomisch, melancholisch, warm, bunt. Wer gerne träumt und weiß, dass diese Welt zu klein für ihn ist, der wird sich in Big Fish wiederfinden und an den Bildern erfreuen. Schade, dass man ihn nicht mehr im Kino sehen kann.

SaschaSalamander 15.06.2005, 08.57 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Markanter Synchronsprecher

Derzeit höre ich "Die Nachtwächter" von Terry Pratchett. Nicht übel, wenngleich ich die Bücher um die Wachen Ank Morporks weniger gern lese als die um den dunklen Gevatter. Trotzdem ist "die Nachtwächter" spannend und witzig, die Zeit auf dem Fahrrad vergeht wie im Flug. Weil das Cover der CD so hübsch ist, hier die Großausgabe :-)

Den Sprecher mag ich besonders gerne: Peer Augustinski, markanter Synchronsprecher von Robin Williams. Großartig, wie er mit seiner Stimme spielt und alleine die komplette Palette aller Charaktere und Stimmlagen darstellen kann. Eine unglaublich emotionale Stimme!

>Hier< gibt es ein Hörbeispiel seiner Synchronstimme :-)

SaschaSalamander 11.06.2005, 16.03 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Sehr langatmig

Ein bisschen langatmigWirklich faszinierend und einmal etwas anderes. Aber das Hörbuch hat 16 CDs, aktuell höre ich die fünfte davon. Die Handlung ließe sich in wenigen Sätzen zusammenfassen, der Rest sind witzige und liebevoll erdachte Lebewesen, Kreaturen und Gestalten. Eigentlich genau meine Kragenweite, so fantasievolle Geschichten wie Käptn Blaubär fesseln mich sehr.
Aber wenn sich ein Buch zu lange hinzieht, muss ich es weglegen. Ich werde es also beiseite legen und ein paar andere Schmöker dazwischenschieben.

Glücklicherweise gibt es keine Handlung, deren Faden ich verlieren könnte ...

SaschaSalamander 03.06.2005, 20.32 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Käptn Blaubär

CoverEigentlich wollte ich das Buch gar nicht lesen, und genausowenig hören. Käptn Blaubär, das ist dieser Plüschbär mit den drei tuffigfarbenen Neffen und dem verrückten Hein Blöd. Und Walter Moers ist der Zeichner des "kleinen Arschloch". Kinderkram, Schweinskram. Nichts für mich (zumindest nicht dieser Kinderkram und auch nicht solcher Schweinskram, aber über andere Varianten selbiger können wir gerne reden *g*)!

Aber damit soll dieses Buch angeblich wenig gemeinsam haben. Und als ich erfuhr, dass auch meine Freunde und Arbeitskollegen, sogar Vorgesetzten dieses Buch lieben, siegte letztendlich doch die Neugier. Zum Glück :-)

Ich musste mich zwar etwas durchbeißen anfangs, weil Stil und Inhalt doch sehr ungewöhnlich sind, aber es hat sich gelohnt. Ich freue mich schon darauf, Euch dieses Buch vorzustellen, wenn ich es zu Ende gehört habe. Und mich mit denen, die es bereits gelesen haben (was bestimmte auch einige unter Euch sind) darüber auszutauschen ...

SaschaSalamander 30.05.2005, 15.17 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Fluch über Sanktaphrax

Und weil ich gerade den fünften Band der Klippenlandchroniken lese und schon länger nicht zum Bloggen hier kam, möchte ich mich gleich über einen Text zum vierten Buch hermachen ...

Fluch über Sanktaphrax spielt viele Jahre vor Twigs Zeit, als er noch nicht mal ein Funkeln im Auge seines Vaters ... äh ... es geht in diesem Band um Twigs Vater, Quint. Anstatt mit seinem Vater Himmelsschakal durch die Lüfte zu fliegen, soll er bei dessen Freund - Sanktaphrax´höchstem Akademiker - als Lehrling bleiben und ihm treu zu Diensten sein. Und dann ist da noch Maris (Lesern des ersten Bandes als Twigs Mutter bekannt), die zickige Tochter des Akademikers, der man es einfach nicht recht machen kann!

Im Laufe der Zeit freunden sich die beiden an und kommen dem Geheimnis von Maris´ Vater auf die Spur: tief im Inneren des Wabensteins hält er ein wehrloses Wesen gefangen. Sie machen sich auf den Weg, es zu befreien und ahnen nicht einmal, dass sie damit den grausamen Schleimschmeichler entfesseln und dessen ewigen Fluch auf sich und Sanktaphrax ziehen ...

Dieses Buch hat mir bisher am besten von allen Bänden gefallen. Es gibt viele kreative Ideen und faszinierende neue Kreaturen, ohne das Buch mit Neuem zu überladen. Der Leser hat Zeit, alles Neue zu bestaunen und zu bewundern.

Was Paul Stewart in den letzten Bänden an Charaktertiefe versäumt hat, hat er sich vermutlich gut für den vierten Band aufgehoben. Ihm gelingt sogar das Kunststück, sowohl Maris als auch Twig parallel als Hauptpersonen mit ihrem Denken und Fühlen nebeneinander und miteinander agieren zu lassen, ohne dass der Leser den Faden verliert. Man kann sich sehr gut in die beiden hineinversetzen. Aufgrund ihrer anfänglichen Streitereien und Unsicherheit ist es faszinierend zu beobachten, wie sie sich immer mehr annähern, bis sie zu festen Freunden werden :-)

Schön ist auch, dass der Leser immer mehr erfährt über Sanktaphrax, das Klippenland, die Hintergründe und Ursprünge der früheren Bücher (ach, ich liebe Prequels ... das ist immer noch die beste Form der "Fortsetzung" in meinen Augen) ...

Die Handlung ist weniger grausam als in den vorherigen Bänden, die Zeichnungen sind noch immer sehr emotionsgeladen und unterstreichen sehr gut die Handlung des Buches. Gegen Ende werden die Bilder, wie ich finde, ziemlich intensiv und eindringlich.

Auch, wenn nicht ganz so viel "Action" vorkommt, ist das Buch unglaublich spannend. Während die bisherigen Bände sehr wenige Zeilen für eine recht breite Zeitspanne aufwenden, beschreibt Stewart hier den Moment ausführlicher und genauer, was sehr zur Atmoshpähre beiträgt.

Einziger Nachteil für manche der Leser (zumindest ist dies den Rezensionen bei Amazon zu entnehmen): Nicht überall, wo Twig draufsteht, ist auch Twig drin. Auch ich habe mich gewundert, weshalb der Name der bisherigen Hauptperson vor dem Titel stehen muss? Aber egal ... Marketing ist alles ... und es kann nicht schaden, wenn diese unterhaltsame Buchreihe etwas bekannter wird ;-)


SaschaSalamander 24.04.2005, 22.22 | (0/0) Kommentare | PL

Twig im Auge des Sturms

Ein weiterer Band der Klippenlandchroniken, eine weitere Rezension in meinem Blog. Aber da sich lediglich die Story geändert hat und der Rest bis auf wenige Ausnahmen gleich geblieben ist, möchte ich euch nicht mit allzu vielen Umschreibungen und Ausführungen langweilen.

Kurz gesagt: das Buch war toll, lest es, kauft es, wem die ersten gefielen gefällt auch das, Ende ...

Jaja, okay,... ein wenig mehr darf es dann doch sein ;-)
Nachdem Twig im vorherigen Band das Himmelsschiff mutig nach Hause gesteuert und die Felsenstadt Sanktaphrax gerettet hat, erfährt er nun, dass sein Vater noch am Leben ist. Er wurde beim großen Sturm nicht getötet sondern ist im unbekannten Gebiet weit hinter dem Klippenland zu finden.

Aber wie üblich geht Twigs Vorhaben daneben, und statt seinen Vater zu retten, wird seine Mannschaft vom großen Sturm weit über das gesamte Klippenland verstreut. Ohne Aussicht auf Hoffnung macht er sich dennoch voller Zuversicht auf den Weg, seine verlorenen Mannen zu finden ...

Nachdem ich den zweiten Band etwas zu langgezogen fand, hat mir der dritte wieder sehr gut gefallen. Auch, wenn es eigentlich nur wieder eine Etappenreise war, um an verschiedenen Stationen hier und dort jemanden aufzulesen oder etwas zu erledigen, war es trotz allem eigentlich immer spannend. Vor allem die Reise über den Sklavenmarkt finde ich sehr anschaulich geschildert, ...
Das ständige Einführen neuer Wesen und Kreaturen im ersten und zweiten Band wirkte nach einer gewissen Zeit eher ermüdend als unterhaltsam, im dritten Band konnte man als Leser dann schon auf vorhandenes Wissen zurückgreifen. Aha-Erlebnisse und Erklärungen zu früheren Ereignissen machen das ganze für Fans der Serie umso interessanter.

Die Zeichnungen sind wie üblich großartig und unterstützen die Handlung sehr ...

Und um die "Kurzrezension" von vorhin anzuknüpfen: wem die ersten beiden Bände gefallen, der sollte auf jeden Fall auch die späteren Bände der Klippenlandchroniken lesen, denn vieles wird erst später erklärt, und die Geschichte erhält immer mehr Puzzleteilchen, die sich nacheinander zu einem großen Gesamtbild fügen.


SaschaSalamander 24.04.2005, 22.03 | (0/0) Kommentare | PL

Twig bei den Himmelspiraten

Aus der Reihe der Klippenlandchroniken von Paul Stewart habe ich letzte Woche während meiner Krankheit Teil zwei gelesen und möchte Euch meine Meinung nicht vorenthalten :-)

Twig, der Held aus Twig im Dunkelwald lebt jetzt also in Unterstadt bei den Himmelspiraten. Sanktaphrax, die über Unterstadt schwebende Stadt auf dem fliegenden Felsen, wird von einer großen Gefahr bedroht: das für das Bestehen von Sanktaphrax notwendige Sturmphrax droht auszugehen. Die Herstellung neuer Ketten zur Befestigung am Boden zerstört die Umwelt immer mehr, und bald wird Sanktaphrax entweder im Dreck ersticken oder aber einfach davonfliegen.
Um das zu verhindern, soll der stolze Himmelspirat Wolkenwolf - Twigs Vater - sich aufmachen und neues Sturmphrax im Dunkelwald suchen.

Twig sieht natürlich entgegen dem Verbot seines Vaters keinen Grund, weshalb er dieser abenteuerlichen Reise fernbleiben sollte und schleicht sich als blinder Passagier an Bord. Tollpatschig, wie er ist, steuert er das Schiff mitten in eine Katastrophe. Die "Sturmpfeil" stürzt ab, die Überlebenden der Mannschaft landen im Dämmerwald oder in den Modersümpfen, wo unzählige Gefahren auf sie lauern.
Kann Twig die überlebenden Himmelspiraten durch die Gefahr führen und die Stadt Sanktaphrax vor dem sicheren Untergang bewahren?

Das Buch gefällt mir nicht ganz so sehr wie der erste Band, da sich die Handlung stellenweise doch etwas hinzieht. Er konnte mich im Vergleich zu "Twig im Dunkelwald" nicht sonderlich fesseln, für sich selbst betrachtet ist er allerdings wie zu erwarten ein unterhaltsames Lesevergnügen.

Es fällt mir ziemlich schwer, Twig als reines Kinder- und Jugendbuch zu sehen. Waren im ersten Band schon einige grausame Szenen enthalten, ist der zweite Band sogar noch eine Steigerung dessen. Es ist ziemlich eklig, auf welche Weise manches der Besatzungsmitglieder sterben muss, und die ans Herz gewachsenen Schniffkobolde erleiden ein blutiges und vor allem äußerst unerwartetes Ende.

Manche Szenen dienen der Atmosphäre des Buches, ohne jedoch direkt zur Handlung beizutragen. So kommt etwa der unsympathische Tierhändler Wabbelspak nach einem seltsamen Tumult wieder zurück in den Laden. Er merkt nebenbei an, dass dieser aggressive Vogel sich gerade über seinen kleinen Schoßmuffler hergemacht habe, und wie teuer es käme, ihn von einem Straßendoktor zusammenflicken zu lassen. Diese Schoßmuffler seien sehr teuer, die heraushängenden Därme würden den Wert definitiv mindern!

Andererseits - man liest Kindern Märchen vor, in denen Frauen in Fässern mit nach innen geschlagenen Nägeln einen Berg hinabgerollt werden und in denen man die Bösen ganz einfach in den Backofen schiebt ...
Der einzige Unterschied dürfte wohl der sein, dass bei Twig auch die "Guten" nicht immer die Gewinner bleiben.
Deswegen denke ich, dass Eltern dieses Buch zumindest antesten sollten, bevor sie es vorlesen oder dem Kind in die Hand geben. Denn sie kennen ihre Kinder und das, was ihnen Furcht bereitet, am besten, unabhängig von jeglichen Altersfreigaben oder -beschränkungen.

Erwachsene haben an Twig auf jeden Fall ihren Spaß. Das Einzige, was manchem reiferen Leser sauer aufstoßen könnte, sind die flachen Charaktere. Wie schon im ersten Band gibt es wenig Hintergründe für Verhalten und Motivation der Hauptpersonen. Während es in "Twig im Dunkelwald" noch nicht so wichtig erschien und aufgrund die Handlung einen gewissen Spielraum für freie Interpretationen ließ, wäre ein wenig Tiefe im zweiten Band nicht schlecht gewesen. Der plötzliche Wandel vom unreifen Balg zum mutigen Himmelspiratenkapitän wirkt dann doch sehr unrealistisch und nicht nachvollziehbar. Aber das muss man eben hinnehmen.

Auch der zweite Teil der Klippenland-Chroniken bietet trotz allem einige Stunden spannender Unterhaltung und jede Menge Spaß, wenn man über einige wenige Schwächen hinwegsieht. Das Buch hat wie alle Teile hervorragende Zeichnungen zu bieten, das Hörbuch glänzt durch sehr gut produzierte Hintergrundgeräusche und einen überzeugenden Sprecher.


SaschaSalamander 24.04.2005, 22.00 | (0/0) Kommentare | PL

Twig im Dunkelwald

Wie bereits angekündigt, möchte ich die einzelnen Bücher der Klippenland-Chroniken vorstellen. Ich habe sie als Hörbücher zu Hause, aber auch die Bücher habe ich der Zeichnungen und Vollständigkeit halber ausgeliehen. Bevor ich beides vermische, möchte ich zuerst über Inhalt und Aufbau plaudern, und dann die Zeichnungen beziehungsweise musikalische Untermalung ansprechen.

Twig war schon immer anders als die anderen Trollkinder. Und eines Tages erfährt er von seiner Mutter Spelda, dass er in Wirklichkeit ein Findelkind ist. Nun sei er alt genug, den Dunkelwald zu verlassen und sich auf die Suche nach seinen richten Eltern zu begeben. Trolle verlassen niemals den Weg, und so ermahnt Spelda ihren "Sohn", niemals den Weg zu verlassen. Denn im Dunkelwald lauern viele Gefahren.
Twig verlässt den Weg. Und gerät von einer Gefahr in die nächste, bevor er endlich an das Ziel seiner Reise gelangt und erfährt, wer er tatsächlich ist.

So einfach die Geschichte gestrickt ist, so angenehm ist das Buch auch zu lesen. Zugegeben, das Buch hat einige Schwächen: Twig ist einer jener Hauptcharaktere, die nichts, wirklich rein gar nichts, dazulernen und am Ende des Buches in der Entwicklung nicht einen Schritt weiter sind als zuvor. Aber er ist auch kein Held ... Zudem wirkt das Buch stellenweise wie aneinandergereihte Episoden anstatt wie ein gesamtes Buch. Im Hörbuch werden zwei der Kapitel auf Twigs Reise durch den Dunkelwald einfach ausgelassen, was jedoch weder stört noch auffällt, da diese Kapitel in keinster Weise zum Fortgang der Handlung beitragen. Man könnte auch über die mangelnde Charaktertiefe stolpern. In diesem Fall allerdings finde ich, lassen Handlung und Charakterbeschreibung bewusst Freiraum für die Fantasie des Lesers. Getreu dem Motto "weniger ist mehr" spielt sich bei Twig vieles in der Vorstellung des Lesers ab.

Was das Buch so spannend und vor allem lesenswert macht, das ist der einfache, aber absolut mitreißende Schreibstil des Autors Paul Stewart. Er lässt den Leser durch den Dunkelwald irren und an einem unglaublichen Sammelsurium von Ideen, Kreaturen und Sonderlichkeiten teilhaben. All die verwunderlichen und seltsamen Pflanzen, Wesen und Kreaturen bringen den Leser immer wieder schmunzeln, aber lassen ihn auch schaudern. Die Atmosphäre des Buches ist sehr dicht, die gesamte Umgebung ist glaubwürdig und vor allem stimmungsvoll umschrieben. Eines der wenigen Bücher, bei denen man während des Lesens tatsächlich in eine fremde Welt eintaucht.

Das Besondere an Twig im Dunkelwald: schon sehr schnell stellt der Leser fest, dass er sich nicht auf die für dieses Genre ansonsten üblichen Regeln verlassen kann. Je niedlicher das Tierchen, umso größer die von ihm ausgehende Gefahr. Je freundlicher die neuen Bekannten, umso heuchlerischer ihre Absichten. Je geliebter der Freund, umso überraschender sein endgültiger Tod. Ob es bei einem solch erfrischend ungewöhnlichen Handlungsbogen zu einem Happy End kommen kann? Oder stellt sich das Ende wieder nur als trügerisches Glück heraus? Paul Stewart ist nicht gerade zimperlich in der Wahl seiner Schicksalsschläge für den armen Twig.

Es gibt einige Kreaturen und Ereignisse im Dunkelwald, die mich aufgrund ihrer düsteren Darstellung ernsthaft daran zweifeln lassen, ob das Buch tatsächlich für 10jährige geeignet ist?

Der Text ist versehen mit Bildern des Zeichners Chris Ridell. Die sowieso schon düstere Stimmung des Dunkelwaldes kommt durch seine Darstellungen noch sehr viel besser zur Geltung, alles wirkt auf seinen Bildern noch skuriller und seltsamer. Die einzelnen Charaktere sind mit viel Liebe zum Detail angefertigt, man denkt sich nur "ja, genau so muss es aussehen, anders kann es gar nicht sein" ...

Das Hörbuch ist um zwei Kapitel und einige Sätze in den verbliebenen Kapiteln gekürzt, was jedoch weder stört noch der Handlung und Spannung einen Abbruch täte. Herrliche Musikuntermalung (einzelne Töne, auf einem tiefen Saiteninstrument angeschlagen, klingen lange und dumpf nach, bevor ein weiterer, einzelner langer Ton langsam die "Melodie" aufbaut, geschickt in die Kunstpausen des Vortragenden eingebunden) und eine bunte Geräuschkulisse (besonders genial finde ich die Wigwigs, kleine gelbe Fellwuschel. Es kann nur ein Geräusch für sie geben! Und ebendies wurde mit einfachsten Mitteln für das Hörbuch erzeugt) sorgen für Abwechlungs. An spannenden Stellen werden Schockmomente zelebriert, die den Hörer erschrocken zusammenfahren lassen und den Puls nach oben treiben. Der Vorleser spielt gekonnt mit seiner Stimme und lässt für den Hörers die unterschiedlichsten Charaktere erstehen. Es ist unglaublich, wie gekonnt er Stimmlage, Dialekt, Klangfülle und Sprachtempo einsetzt, um die seltsamen Kreaturen des Dunkelwaldes darzustellen!

Buch oder Hörbuch - sogar für Bücherwürmer mit festen Prinzipien dieses Mal wirklich eine schwere Entscheidung! Das Buch enthält einige spannende Details, großartige Zeichnungen sowie zwei weitere Kapitel , aber das Hörbuch erschafft eine derart faszinierende Atmoshpähre, dass die Wahl wirklich schwerfällt!
Ich habe mich dafür entschieden, das Hörbuch zu genießen und die fehlenden Kapitel und Zeichnungen im Buch nachzulesen. Und ich kann es gar nicht erwarten, auch die restlichen Bände dieser ungewöhnlichen Buchserie in die Finger zu bekommen!


SaschaSalamander 24.04.2005, 21.56 | (0/0) Kommentare | PL



 






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