SaschaSalamander
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13 Sins

Elliot Brindle hat einfach Pech. Job verloren, das Geld für die Krankenversorgung seines behinderten Bruders reicht vorne und hinten nicht, die Verlobte ist schwanger, und der rassistische Vater zieht nun auch noch bei ihnen ein. Und plötzlich erhält er einen Anruf: nur eine kleine, harmlose Aufgabe, schon soll er 1000 Dollar erhalten. Harmlos, nebenbei, natürlich tut er es. Die nächste Aufgabe ist nur ein wenig eklig, dafür gibt es aber schon sehr viel mehr Geld. Und dann kann das Spiel beginnen: ihm winken mehrere Millionen, wenn er 13 Aufgaben erfüllt. Und würde er diese ablehnen - gäbe es keinen Film, also willigt er natürlich ein, und das Unheil nimmt seinen Lauf ...


Zufällig stolperte ich über diesen Film. War völlig untergegangen bei mir. Wie ich später erfahren habe, ist 13 SINS ein Remake des asiatischen 13 GAME OF DEATH, und wenn möglich werde ich mir diesen später auch ansehen. 

Ob nun die Jungs in CHEAP THRILL zur Erheiterung eines reichen Paares Aufgaben erfüllen müssen, ob in SAW brutale Aufgaben über Leben und Tod entscheiden, ob eine BOX ein Ehepaar vor ein schwieriges Dilemma stellt, ob Simon die Ermittler in STIRB LANGSAM mit verschiedenen Aufgaben durch die Stadt jagt, ob in SEVEN ein brutaler Killer den Menschen tödliche Aufgaben stellt oder Michel Douglas in THE GAME zur Marionette eines Spielmeisters wird, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und scheint noch lange nicht ausgereizt. Dem geübten Zuschauer ist natürlich klar, worauf es hinauslaufen wird. Soviel kann ich ohne Spoiler sagen: niemand bekommt mehrere Millionen, nur um eine Fliege zu töten. Natürlich steigern sich die Aufgaben, anfangs handelt der Protagonist lediglich gegen Ekel und Moral, doch bald häufen sich die Straftaten. Auszusteigen würde nicht nur den Verlust des Geldes sondern auch Gefängnis bedeuten. 

Die Frage, wie weit man gehen würde, stellt sich zwangsläufig beim Zuschauer. Ich wage frech zu behaupten: die meisten würden entweder bis zum Ende spielen (weil es eine Spirale ist, der man nicht entkommen kann) oder gar nicht erst anfangen (weil sie für kein Geld der Welt töten würden, nicht einmal eine Fliege. Oder weil ihnen klar ist, dass man dem Teufel nicht mal den kleinen Finger reichen darf). Trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen Brindle vor der Wahl steht und sich entscheiden muss. Der Zuschauer darf also bangen und mitfiebern, ob es einen Ausweg gibt.

Um weitreichende ethische Fragen zu diskutieren oder wirklich Tiefgang aufzuweisen, ist der Film dann doch zu hektisch. Es bleibt kaum eine Minute, um länger nachzudenken, unser (Anti)Held wird von einer Aufgabe zur nächsten gehetzt, immer schneller dreht sich das Rad, immer heftiger werden die Filmszenen. Außerdem erweist sich 13 SINS als interessanter Genremix, der Ekel, Gewalt, Thrill, Action und Humor gekonnt verknüpft. Wo ich gerade noch lachte, muss ich wenige Sekunden später angewidert den Blick abwenden, nur um mich plötzlich mitten in einer wilden Jagd wiederzufinden und vor Spannung das Sofakissen zu krallen. Wäre es ein Kinofilm, ich hätte keine Zeit für Popcorn. 

Die atemlose Spannung und die unabänderlich rasch voranschreitende Handlung sorgen dafür, dass man gerne über einen Logikfehler nach dem anderen hinwegsieht. Um auf so etwas wie Logik zu achten, ist man sowieso gerade zusehr mit Lachen, Aufkeuchen, Gesicht verziehen beschäftigt. Kurze Gespräche mit dem Filmbuddy sind einfach nicht möglich, deswegen mussten mein Mann und ich häufiger mal den Pause-Knopf drücken für Fragen wie "sag mal, das hätte man aber auch einfacher lösen können" oder "das haben die doch bestimmt präpariert" oder "äh, und was sollte DAS jetzt bitteschön?!?". 

Es gibt einen Twist, der allerdings vorhersehbar ist für Kenner des Genres (der verschiedenen Genres, muss man wohl eher sagen). Wir fragten uns schon, wann Brindle ein Licht aufgeht, bis er begreift, dass (wird nicht verraten). 

Was ich bisher geschrieben habe, klingt alles ziemlich begeistert. War ich trotz einiger inhaltlicher Schwächen auch. Aber in der letzten halben Stunde wird der Film dann doch immer kruder und absurder. Und das Ende selbst ist dann extrem unbefriedigend. In der Leihversion über Prime zum Streamen sind leider nicht die Extras der DVD enthalten, aber dank Youtube habe ich von einem alternativen Ende erfahren, das mich zwar auch nicht komplett zufriedenstellt, aber wenigstens besser zur Atmosphäre und Geradlinigkeit des Filmes passt. 

Ohne zuviel zu verraten: gäbe es Fortsetzungen, wäre ich zufrieden. Nichts gegen ein offenes Ende. Aber hätte SAW nach dem ersten Teil geendet, wäre ich mir als Zuschauer verar**** vorgekommen. Und so ist es auch hier der Fall. Viele Zuschauer hätten SAW wohl auch ohne Fortsetzung toll gefunden, und denen kann ich 13 SINS auf jeden Fall empfehlen. Weil es auf jeden Fall Filmgenuss pur ist. Zumindest, solange man nicht allzu sehr auf Logik, Sinnhaftigkeit oder eine vollständige Auflösung fixiert ist. Deswegen, weil ich leider doch auf diese Punkte achte, wünsche ich mir sehnlichst eine Fortsetzung dieses ansonsten wirklich herausragenden Krachers. 

Also, kurz gesagt: 13 SINS ist ein actionreicher, lustiger, brutaler Popcornfilm, der von der ersten bis zur letzten Minute vollständig in seinen Bann zieht. Und um ihn so richtig genießen zu können, wünsche ich mir gefälligst einen zweiten Teil! ;-)

PS: Ron Perlman als Antagonist ist genial. Aber das ist er immer. Ich wünsche mir eine Realverfilmung von DUKE NUKEM. Diese Computerfigur wurde nur erschaffen, um Perlman endlich die Rolle seines Lebens zu verpassen!

SaschaSalamander 27.05.2015, 08.40

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