SaschaSalamander

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Bald wird es Nacht, Prinzessin

Bisher war mir dieses Buch nie aufgefallen, da ich durch Cover und Titel nicht unbedingt zur Zielgruppe gehöre. >Anna Schneider< war mir also nicht wirklich ein Begriff, als ich die >Lesung< von ihr und Elisabeth Herrmann besuchte. Umso mehr freue ich mich, dass ich dadurch nun doch auf dieses Werk aufmerksam wurde.

Nova liegt auf dem Boden, die Jungs um sie herum sind geschockt und versuchen alles zu vertuschen. Daniel, DJ der Party, begleitet sie ins Krankenhaus, besucht das nun im Koma liegende Mädchen regelmässig. Dabei lernt er ihre beste Freundin Jessi kennen. Die beiden versuchen herauszufinden, was wirklich auf der Party vorgefallen ist ... 


Nach dem Lesen stellte ich auch fest, dass es (meiner Ansicht nach) tatsächlich eher ein reines Jugendbuch ist denn ein All-Ager, trotzdem habe ich es gerne gelesen. Meine Rezension wird aber eindeutig die eines Erwachsenen sein ;-)

Das Buch ist relativ kurz: großer Zeilenabstand, breiter Rand, viel ungenutzter Platz da Kapitel immer auf einer neuen Seite beginnen und die Kapitel selbst recht kurz sind. Dadurch erhalten die Charaktere weniger Tiefe, als es in einer ausführlicheren Schilderung möglich wäre. Sie bleiben an manchen Punkten etwas blass und verlieren sich als bewegliche Figuren inmitten der Handlung. Für jugendliche Leser hat das aber auch den Vorteil, dass sehr viel Raum für Interpretation bleibt. Lücken in der Charakterisierung werden geschlossen durch das, was der Jugendliche darin sehen möchte, eine Identifikation mit Daniel und Jessi ist dadurch leichter möglich. Man fühlt sich selbst betroffen, hat aktiv Teil am Geschehen und fiebert umso mehr, wie es weitergehen mag. Die Nebencharaktere werden noch weniger beschrieben, sodass ihre Motive zwar erklärt, aber nicht gezeigt werden. Allerdings liegt das Augenmerk des Buches sosehr auf Daniel und Jessi, dass eine ausführliche Darstellung anderer Figuren nicht nötig ist. 

Nova selbst hat keine Möglichkeit, sich zu präsentieren, liegt sie schließlich im Koma. Deswegen gibt es Ausschnitte ihres privaten Videotagebuchs (die Autorin schreibt, was sich auf dem Monitor abspielt und was Nova erzählt). Außerdem gibt es ein dreiseitiges Zusatzkapitel, das man auf der Homepage des Verlages lesen oder downloaden kann. Warum es nicht im Buch zu finden ist, verstehe ich nicht. Aber immerhin ist es ohne Passwort und verlangt nicht nach den Adressdaten des Lesers, wie es sonst oft üblich ist, hierfür Daumen hoch. 

Die Handlung selbst geht flüssig voran, ich flog beim Lesen nur so über die Seiten. Die Sprache ist angenehm zu lesen und passt sehr gut zu den jugendlichen Protagonisten, wirkt nicht aufgesetzt und ist doch locker. Die Autorin hat einen Stil, mit dem sie die Leser schon nach wenigen Sätzen an sich bindet: "wie geht es weiter, was kommt als nächstes, nur noch dieses eine Kapitel". 

Nova ist trotz ihrer Abwesenheit die komplexeste Figur des Buches, und hinter ihrer Girlie-Fassade steckt mehr, als man auf den ersten Blick ahnt. Doch mit großen Twists ist nicht zu rechnen, recht bald zeichnet sich ab, worauf die Geschichte hinausläuft. Wer dahinter steckt und wie es dazu kam, ist der Kern des Spannungsbogens.

BALD WIRD ES NACHT, PRINZESSIN ist ein packender Jugendroman, der seine Leser unterhält. Ein Pageturner, den man leider viel zu schnell gelesen hat, gerne hätte ich mehr über Nova, Daniel und Jessi gelesen. Anna Schneider weiß, was in den Jugendlichen vorgeht und schafft es, genau den richtigen Ton zu treffen. Ideal für ein flinkes Lesevergnügen an einem verregneten Wochenende :-)

SaschaSalamander 10.06.2014, 08.33

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vom 24.05.2016, 20.57

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