SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Darkmouth - Der Legendenjäger

KLAPPENTEXT: Was würdest du tun, wenn ein gigantischer Minotaurus sich dir in den Weg stellt? Richtig, du rennst um dein Leben! Und genau das würde der zwölfjährige Finn am liebsten auch tun. Stattdessen muss er gegen die gefährlichsten Kreaturen und Monster, die sogenannten Legenden, kämpfen, Denn er ist der Sohn des Legendenjägers von Darkmouth und soll schon bald selbst ein Jäger werden. Nur leider hat Finn dazu absolut keine Lust - und vor allem noch weniger Talent! Doch der Riese Gantrua, Anführer der Legenden, plant eine Invasion - mithilfe einer riesigen Armee von schlafenden Legenden. Und wenn die erwacht, muss Finn sich dem großen Kampf stellen. Ob er will oder nicht ... 








DARKMOUTH ist ein Fantasyroman für Jugendliche von Shane Hegarty. Sein Erstlingswerk, und derAutor startet gleich mit einem Mehrteiler. Das markante Cover, die Beschreibung des Inhalts und auch eine Empfehlung von Eoin Colfer (Artemis Fowl) sorgten dafür, dass ich sofort neugierig war. 

Man merkt dem Autor nicht an, dass dieser Titel ein Debut ist, denn sein Schreibhandwerk versteht er, DARKMOUTH verfügt über eine Handlung und vor allem Charaktere wie aus dem Lehrbuch. 

Finn, der gerne andere Wege gehen möchte als den vom Vater vorgeschriebenen. Erste Liebe, Enttäuschung, ein wenig Rebellion und natürlich der Weg zur Selbstfindung. Er ist ein typischer Antiheld, noch dazu ein sympathischer, mit dem der Leser sehr schnell Freundschaft schließt. Finn ist einfach liebenswert und gutmütig. Zu gutmütig für jemanden, der böse Wesen töten soll, ohne überhaupt erforscht zu haben, ob sie wirklich böse sind. 

Die Mutter, der Vater, die Klassenkameradin, sie sind ziemlich genretypisch aufgebaut, agieren auch stellenweise sehr vorhersehbar und beinahe ein wenig klischeehaft. Aber es ist stimmig, alles passt hervorragend ineinander. 

Die Geschichte ist durchdacht, man merkt dem Autor an, dass er viel Feinarbeit in sein Werk investiert hat. Die Welt um Finn und die Legenden ist mit liebevollen Details versehen, Hegarty hat eine klare Vorstellung von den Monsterwesen, auch die Geschichte und das Handwerk der Legendenjäger sind sehr gut ausgearbeitet. Durch die Erklärungen des Vaters sowie die fortlaufenden Handlungen und auch den gelegentlichen (urkomischen) Ausschnitten aus Finns Lehrbüchern erfährt der Leser schrittweise immer mehr, was es mit den Legenden auf sich hat. 

Der Spannungsbogen ist mustergültig aufgebaut: ein packender Einstieg, dann einige ruhigere Passagen, in denen man Finn und sein Umfeld kennenlernt, ein neuer Charakter tritt auf, erste Besonderheiten geschehen, man erfährt von Geheimnissen, und zwischendurch immer wieder ein wenig Action, bis hin zum großen Showdown (der abrupt endet, ohne das Buch abzuschließen).

Sprachlich ist das Buch ebenfalls gelungen. Flüssiger Schreibstil, pfiffiger Humor und Situationskomik. Der Autor kann mit Worten umgehen und trifft gekonnt den Ton der Jugend. Und obwohl die Story nicht gerade harmlos ist in der Monsterjagd, sind die Szenen für Kids ab etwa 10 Jahren so umgesetzt, dass sie sich zwar angenehm gruseln, stellenweise wird es auch ein wenig brutal,  aber Albträume wird das Buch vermutlich nicht bescheren. 

Das Buch ist für die Zielgruppe perfekt gestaltet: ein tiefschwarzes Cover mit dämonisch roten Augen, darunter in giftgrüner Farbe ein geöffnetes Maul mit Reißzähnen, dahinter im Maul ist eine düstere Landschaft zu erkennen. Unten gut sichtbar der ebenfalls giftgrüne Schriftzug des Titels. Ein absoluter Hingucker im Regal, man kommt im Buchladen keinesfalls an diesem Bild vorbei, wenn es geschickt platziert ist. 

Innen ist das Buch ebenfalls sehr hübsch gestaltet. Die ersten Kapitelseiten sind unterschiedlich in schwarz-weiß gestaltet, mal mit Ornamenten, Zeichnungen, Skizzen. Auch im Text selbst sind gelegentlich Zeichnungen eingebunden, etwa Lautmalerei oder markante Schriftzüge. Passend zum Buch gibt es eine >Homepage< mit Wallpapern, einem Spiel, einem Videotrailer und Hintergrundinfos.

Was man dem Verlag zugute halten muss: es ist angekündigt, dass dies der erste Teil einer Reihe ist. Das ist mehr, als andere Verlage machen, denn nicht immer wird es dem Leser vorher mitgeteilt. Schade finde ich allerdings, dass das Buch nicht abgeschlossen ist. Ich hatte auf einen abgeschlossenen ersten Teil gehofft, doch die Handlung bricht quasi an der spannendsten Stelle ab, Lesegenuss interruptus, immer eine sehr unschöne Erfahrung. 

Im Original hat DARKMOUTH außerdem sehr viele Zeichnungen: Darstellungen der Monster, Waffen, Momentaufnahmen der Kampfszenen sowie einzelne witzige Momente des Buches. Ich verstehe nicht, warum das in der deutschen Variante weggelassen wurde, denn die Bilder passen sehr gut zum Buch und runden es zu einem gelungenen Gesamtwerk ab. Erwachsenen Lesern würde ich also auf jeden Fall zum Original raten!

Abgesehen vom Kaufzwang der Folgebände (bei Gefallen) und den fehlenden Zeichnungen kann man insgesamt sagen, dass das Buch in allen Punkten durch und durch gelungen ist. Äußere Gestaltung ebenso wie Sprache, Charaktere, Aufbau, Inhalt. Humor, Spannung, Abenteuer, Freundschaft, Familie, eben die perfekte Mischung und ein wenig durchgeknallt, prima Öffentlichkeitsarbeit und Merchandise. Ich wäre als Jugendlicher begeistert gewesen!

Meine persönliche Meinung als Erwachsener, der schon sehr viele Bücher dieser Art gelesen hat: es war mir etwas zu glatt, zu perfekt und geradlinig im Verlauf, sodass es wenig Überraschungen gab und ich bald anfing zu überfliegen. Ich empfinde es nicht als All-Ager, weil dafür zu wenig versteckte Anspielungen auch für Erwachsene zu finden sind und der Humor sowie die Darstellung der Charaktere eher auf jüngere Leser abzielt. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen und mich kurzweilig unterhalten. 


SaschaSalamander 03.03.2015, 08.46

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Kerry

Mir hat das Buch auch gefallen, wobei ich den Plot doch etwas zu leicht zu durchschauen fand.

vom 05.03.2015, 09.34
Antwort von SaschaSalamander:

ja, es war halt doch eher ein Jugendbuch im Aufbau und Inhalt, kein All-Ager. Aber macht nix, war trotzdem nett zu lesen :-)


 






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