SaschaSalamander
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Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte

Aktuell höre ich DAS JAHR, DAS ZWEI SEKUNDEN BRAUCHTE von Rachel Joyce. Später sah ich dann, dass Joyce auch die Autorin der PILGERREISE DES HAROLD FRY ist. Ach ja, den Harold, den wollte ich ja auch lesen, aber es gibt so viele Neuerscheinungen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Und der Hype um das Buch hatte mich irgendwann so genervt, dass es auf dem SUB immer weiter nach hinten rutschte.

Ich weiß noch nicht, ob ich das Hörbuch rezensieren werde. Hängt ein wenig davon ab, wiesehr es mir nachhängen wird und wohin es sich entwickelt. Deswegen schreibe ich eine kleine Zwischendurch-Meinung.

Der Roman spielt in zwei Handlungssträngen. Um 1970, als Byron Zeuge eines Unfalles wird, den niemand außer ihm bemerkte. Zusammen mit seinem Freund James versucht er das Problem in den Griff zu bekommen, doch es wird alles nur schlimmer. Der andere Faden spielt in der Gegenwart und erzählt von Jim, der aus der psychiatrischen Klinik entlassen wurde und nun mit den Tücken des Alltags kämpft.

Es ist schwer, etwa über den Inhalt des Buches zu erzählen, da sehr viel zwischen den Zeilen gesagt wird. Mehr Information würde spoilern. Trotzdem, obwohl ich nun vier von sechs CDs gehört habe, weiß ich noch immer nicht, worauf es am Ende hinauslaufen wird und was nun eigentlich das Ziel der Autorin ist. Die Kernfrage ist für mich, wie die beiden Handlungsfäden zusammenlaufen werden, ob meine Vermutungen sich bestätigen.

Im Moment kann ich noch nicht so viel mit dem Werk anfangen. Es ist insofern spannend, als ich gerne in beiden Plots wissen möcht, wie es weitergeht. Einer könnte sich positiv entwickeln, der andere scheint auf eine kleine oder größere Katastrophe hinzusteuern. Vielleicht ist ja diese mögliche Katastrophe Auslöser für das, was den Leser am Ende zu Jim führen wird?

Auch der eigentliche Inhalt zwischen der Handlung ist sehr schön transportiert worden. Das Verhältnis zwischen den zwei ungleichen Frauen (worin genau besteht eigentlich der Unterschied?), die Freundschaft der beiden Jungen, die Andersartigkeit des kranken Jim (der gar nicht so anders ist als die gesunden Menschen), der Rolle einer Frau vor etwa 40 Jahren (omG, bin ich schon so alt?!? Wie die Zeit sich ändert!). Hier spielt sich sehr viel ab, das nicht ausgesprochen wird und im Leser selbst arbeiten muss. Das ist etwas, das der Autorin außerordentlich geschickt gelungen ist.

Trotzdem fühle ich mich nicht gut bei diesem Buch. Es schwingt eine Düsternis mit, unaugesprochen. Keine wehmütige Melancholie, erträglich und poetisch, sondern eine drohende Gewitterwolke, die mir Bauchschmerzen bereitet. Stellenweise tut es regelrecht weh, der Handlung zu folgen. Und immer wieder die Frage, was nun real ist, was man als Leser interpretiert, was passieren würde wenn, und wo das alles noch enden soll. Die naive Unschuld der beiden Kinder, die kühle Berechnung einer der erwachsenen Protagonisten. Das kindliche Gemüt des Kranken, seine Unbeholfenheit, Hilflosigkeit. Ich wünsche mir, dass das Gefühl sich auflöst und der Roman gut endet. Normalerweise bin ich kein Junkie, der das Happy End fürs Endorphin braucht. Aber sollte die Geschichte tragisch enden, dann hat sie dazu geführt, dass ich mich sechs CDs lang sehr unwohl gefühlt habe. Und falls ich mich sechs CDs lang unwohl gefühlt habe, erwarte ich, dass die Geschichte mich wenigstens beeinflusst, verändert und meinem Denken eine neue Richtung gibt, aber damit rechne ich hier eigentlich nicht.

Nun ja, ich warte ab ...

SaschaSalamander 08.05.2014, 09.04

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