SaschaSalamander

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Der Monstrumologe

Ich habe mich also gestern entschieden: der MONSTRUMOLOGE soll das nächste Buch sein, das ich lese. Schon lange habe ich mich darauf gefreut, und jetzt endlich. Aber ich muss sagen, dass ich nicht so recht weiß, was ich damit anfangen soll.

Es erwarten den Leser 400 Seiten, und knapp über 100 habe ich bereits davon gelesen. Es ist nett und liest sich flüssig (ein wenig altmodisch, aber das gehört zum Inhalt. Einige Leser tun sich laut diverser Beschreibungen eher schwer damit, aber ich komme eigentlich recht gut klar. Sind sehr verschachtelte Sätze stellenweise, die ein wenig gewöhnungsbedürftig sind aber zum Buch passen, wie ich finde). Aber es reizt mich nicht wirklich. Hundert Seiten, aber wirklich viel passiert ist noch nicht, wenn ich das Revue passieren lasse.

Die Figuren haben recht viele Macken und Eigenarten, sowohl der schrullige Wissenschaftler als auch der schüchterne Waisenjunge. Aber außer einer dritten Person gab es noch keinerlei weitere Figuren. Anfangs war die Interaktion zwischen beiden recht witzig zu lesen, aber langsam habe ich das Gefühl, dass sich alles ständig wiederholt:

der Wissenschaftler ist ein wenig wahnsinnig, Forschung geht ihm über Menschlichkeit, ständig scheucht er Will Henry herum und hat kein gutes Wort, dafür aber ständig Belehrungen für ihn. Will Henry dagegen fühlt sich dem Wissenschaftler verpflichtet, da sein verstorbener Vater für ihn arbeitete und sein Werk unterstützte. Einerseits wäre Will Henry gerne ein ganz normales Kind, andererseits betont er doch gerne, dass er schon sehr erwachsen ist. Er versteht nicht wirklich, warum er all dies für den Doktor tun soll, er findet sein Handeln oft falsch und widersinnig, aber er tut es trotzdem, er ist ja nur ein Kind und nützlich für seinen Herrn.

Ich fasse mal kurz zusammen: ein fünfseitiger Monolog. Und dann knapp 100 Seiten darüber, wie ein Grabräuber ein Monster zu dem Doktor bringt, das Monster wird untersucht, sie fahren alle zusammen auf den Friedhof, eine weitere Horde Monster taucht auf, Heimkehr, der Doktor macht sich Gedanken über die Herkunft der Wesen.

Klingt eigentlich eher nach einer Novelle oder Kurzgeschichte, nicht nach 100 Seiten Roman.

Am liebsten würde ich abbrechen. Andererseits möchte ich schon gerne wissen wie es weitergeht. Ob noch andere Figuren die Handlung bereichern werden. Ob der Wissenschaftler sich weiterentwickelt und doch irgendwann einen kleinen Funken Zuneigung für seinen Dienstjungen empfindet. Ob Will Henry über sich hinauswächst und widerspricht. Aber ich habe die dumpfe Befürchtung, dass das Buch so bleiben wird, wie es im ersten Viertel begann ...

außerdem, ein paar gute Dinge hat das Buch dennoch: die beiden Figuren werden zwar nicht tiefgründig beschrieben, oberflächlich aber sehr gut beschrieben, sie wirken sehr plastisch, ich sehe die Szene recht gut vor mir. Viktorianische Elemente, die mag ich sowieso. Und die Splatterszenen sind recht nett. Schwer, die Szene ohne Spoiler zu beschreiben, ich versuche es: die Reste eines Gehirns kleben in Will Henrys Gesicht, und er beginnt zu grübeln. Ob dieser Teil, den er jetzt abwusch, vielleicht das Sprachzentrum war? Oder waren es die Emotionen, die ihm nun gerade über die Stirn auf die Nase rutschten? Die Liebe, Freundlichkeit des Verstorbenen, die ihm das vorhin das Auge verklebte?

Und dann natürlich die Zeichnungen, wie gesagt: Schwarz-Weiß, sehr liebevoll detailliert und stellenweise recht makaber und brutal, aber sehr kunstvoll. Der Umschlag mit seiner Prägung, die hübsche Gestaltung auch der Innenseite der Broschur und das beigefügte Lesezeichen machen das Buch zu einem kleinen Schatz im Regal.

Nichts für schwache Mägen, optisch wie sprachlich, aber nicht im üblichen Sinne. Sondern hintersinnig und ziemlich kurios. Nur leider kann das alleine keine komplette Handlung tragen :(


SaschaSalamander 10.03.2011, 17.04

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Kommentare zu diesem Beitrag

2. von Kerstin

Ich denke "Der Apotheker" ist Geschmackssache, mir hat er sehr gut gefallen, aber ich bin Londonfan und vielleicht ein wenig voreingenommen?
Hier Hier klicken hab ich die Rezension dazu geschrieben. Clare Clark hat einen ganz eigenen Schreibstil.
LG KErstin

vom 13.03.2011, 14.30
Antwort von SaschaSalamander:

Londonfon bin ich ja auch, und die Rezi klingt interessant ...
mal sehen, ob es mir demnächst in die Hände fällt, dann werde ich auf jeden Fall zugreifen :-)

1. von Kerstin

Klingt sehr skurril und erinnert mich ein wenig an "Der Apotheker" von Clare Clark.

Du liest schon noch weiter oder? *gg*
Ich bin gespannt wie deine Gesamtmeinung ist ;-)
LG Kerstin

vom 11.03.2011, 11.17
Antwort von SaschaSalamander:

Den APOTHEKER kenne ich nicht, aber der Inhalt klingt prima. Ist das Buch gut?

Ja, ich werde den MONSTRUMOLOGE zu Ende lesen, wenn auch mit wenig Begeisterung. Aber die Handlung an sich ist ganz nett ...

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