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Ausgewählter Beitrag

Doppelrezension - Jenny mit O

Immer wieder freue ich mich, wenn Leser meines Blogs eine andere Meinung haben als ich. Die kontroverse Auseinandersetzung mit einem Buch macht es umso spannender. Dieses Mal hat Björn vom Lekt*rat Sch*ltz (siehe meine Linkliste) einen Beitrag geschrieben über das Buch JENNY MIT O. Ich freue mich, dass ich das hier veröffentlichen darf! Er geht in einzelnen Punkten näher auf meine Darstellung ein, die man >hier< finden kann. Und nun folgt seine Rezension:


Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil Trans* mal ohne die üblichen Klischees um Operationen, Hormoneinnahme und „Ich war schon immer ein Junge“ behandelt wird. Es geht um die Auseinandersetzung eines_r Jugendlichen mit der eigenen Identität, die Autorin begleitet den_die Protagonisten_in dabei. Der Ausgang ist erst einmal offen, eine Lösung kristallisiert sich erst langsam heraus. 

In der öffentlichen Darstellung von Trans* stehen ja meist körperliche Aspekte im Vordergrund, es geht um spektakuläre OPs und angeblich ist man(n) erst mit einem Penis ein richtiger Mann. Diese körper- und genitalfixierte Sicht findet man hier glücklicherweise gar nicht. Karen-Susan Fessel erzählt aus der Innensicht ihres Protagonisten, und das gelingt ihr sehr einfühlsam und glaubwürdig. Sie hat sich offenbar vor dem Schreiben mit einigen Transmännern unterhalten, die sorgfältige Recherche merkt man dem Buch an.

Ein weiterer Aspekt hat mir gefallen, der junge Leute ganz allgemein betreffen kann, unabhängig von Trans*: Es geht um einen jungen Menschen, der aus einer konfliktbeladenen Familie stammt, dem seine Herkunftsfamilie nicht viel Halt und Orientierung bieten kann, der seinen Platz im Leben sucht – und am Ende auch findet. Ich denke, dass sich viele Jugendliche (und Erwachsene) damit identifizieren können.

Sehr schön fand ich, wie die Autorin die unterschiedlichen Begegnungen beschreibt, die Jenny/Jonny auf dem Weg zu sich selbst mal weniger, mal mehr weiterhelfen. Und wie Jenny/Jonny sich ausprobiert, sich durch die Begegnungen und Erfahrungen verändert, immer mehr zu sich selbst findet.

Zum Inhalt möchte ich gar nicht viel sagen, anhand des Klappentextes und der Leseproben in Saschas Rezension kann sich jede_r selbst ein Bild machen.

Mir ist die Sprache beim Lesen nicht als besonders vulgär aufgefallen. Jetzt nach Saschas Rezension habe ich noch mal reingeschaut, und sicher ist die Sprache zum Teil recht derb, aber das passt einfach zum Inhalt. Es ist eben nicht alles rosig, was Jenny/Jonny und die anderen Jugendlichen im Buch erleben, daher sind sie mit Recht frustriert oder wütend, und es wäre komisch, wenn sie sich gewählt ausdrücken würden. Insofern trägt die Ausdrucksweise zur Glaubwürdigkeit bei. Und es ist nicht so, als ob das Buch nur aus Schimpfworten bestehen würde, sondern die Autorin setzt eine etwas derbere Ausdrucksweise nur dort ein, wo es passt. 

Wie gesagt, der Inhalt ist wirklich super. Die Autorin gibt einem die Möglichkeit mitzuerleben, wie ein junger Trans*mann sich fühlt (wobei Jonny natürlich nicht stellvertretend für alle Trans*männer stehen kann, da jeder unterschiedlich ist, aber das ist sowieso klar). Daher finde ich, dass Leser_innen, die sich für Trans* interessieren, „Jenny mit O“ ruhig eine Chance geben sollten.

SaschaSalamander 22.06.2016, 09.04

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