SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Fledermausland

Ich hatte zum Einstieg in meinen Urlaub Lust auf ein Buch, das mich einfach gut unterhält. Ein bisschen Spannung, etwas zum Lachen, kein großer Anspruch aber trotzdem eine packende Story. Etwas, das mich ablenkt und in Ferienstimmung bringt. >FAUSTO< von Oliver Dierssen hatte mir außerordentlich gut gefallen, also war ich damals bereits neugierig auf andere Werke geworden. Besonders FLEDERMAUSLAND hatte es mir angetan.




Die Handlung des Buches ist schwer wiederzugeben, wenn man nicht spoilern möchte. Deswegen nur soviel: Sebastian Schätz schlägt sich irgendwie durchs Leben, und nichts will so recht klappen. Und dann taucht auch noch eine Fledermaus in seinem Schlafzimmer auf und will ihn töten. Die Frau, die er liebt, umgibt ein Geheimnis. Und im Kino will ihm ein depressiver Vampir an den Hals. Seine gammlige Bude ist wie durch Zauberhand blitzblank, nur unter der Spüle ist ein seltsames Geräusch zu hören. Und plötzlich steht ein selstamer Typ vor seiner Tür und will mit ihm reden. Aber Sebastian ist nicht unterzukriegen. Oder, besser gesagt, er scheint gar nicht zu begreifen, was es mit all diesen Dingen auf sich hat, nimmt sie eben so hin und wundert sich, dass sein Leben langsam aus dem Ruder läuft. Und dann beginnt eine verrückte Odyssee durch die Nacht.  

Grob gesagt lässt sich FLEDERMAUSLAND beschreiben als eine Mischung aus Jauds Vollidiot, Lukianenkos Wächter-Reihe und den Romanen von Moore. Witzig, abgedreht, ein absoluter Loser als Protagonist, jede Menge kurioser Einfälle. 

Eine gewisse Schwäche des Buches ist meiner Ansicht nach die Handlung. Es wirkt stellenweise eher wie eine Aneinanderreihung von Episoden. Zwar gibt es einen roten Faden, trotzdem wirkt es etwas gestückelt. Wenn man danach geht, welche Szenen nötig gewesen wären für das Buch, könnte man einen Großteil der Geschichte streichen, denn die Haupthandlung an sich ist sehr schnell erzählt und im Grunde sogar banal. Ich hatte das Gefühl, der Autor hat sehr viele Ideen angefangene, die er teilweise aber wieder fallenließ oder nicht weiterführte. FLEDERMAUSLAND hätte wesentlich mehr Potential gehabt, das Dierssen nicht komplett ausgeschöpft hat leider. Für ein eigenes Werk fehlt es dann doch an Ideen, wirkt es zusehr wie ein Mix aus bereits bestehenden Büchern.

Es geht also gar nicht darum, eine Geschichte zu erzählen oder eine neue Fantasywelt zu erschaffen, sondern einfach nur darum, Spaß zu haben. Und, DAS muss ich ihm lassen, das "Spaß haben" ist Dierssen hervorragend gelungen!

Ich wollte kein komplexes Meisterwerk, sondern gute Unterhaltung. Und das ist etwas, das Dierssen hervorragend beherrscht. Es war schwer im Bus zu lesen, denn spontane Lachanfälle sind garantiert, ich konnte mich kaum beherrschen. Die Situationskomik, in die der Autor seinen "Helden" immer wieder stolpern lässt, ist einfach köstlich. Die Naivität und Lernresistenz Sebastians ist gelegentlich fast schon schmerzhaft, und dafür hat man dann auch herzlich wenig Mitleid, wenn ihm so ziemlich alles schiefgeht. Ob er sich nun zwischen Müll und Glibberhirn als Zombie zu tarnen versucht, ob er im Schlaf mit Edding bemalt wird oder mal wieder irgendwo als Gefangener landet und so richtig verprügelt wird, wir wissen ja eh, dass er als "Held" der Geschichte da wieder rauskommt, also dürfen wir auch so richtig fies lachen. Und ich bin sicher, jeder Leser wird einen Lieblingscharakter unter all den Wesen des Lichts und der Dunkelheit finden. Mein Favorit ist klar: noch nie war ein tödliches Monster so fluffig niedlich ;-)

Auch das Verwirrspiel ist köstlich. Glaubt man anfangs noch, endlich zu begreifen, wer zu wem gehört und wem man nun trauen kann, so wird das im Laufe des Buches immer wieder über den Haufen geworfen. Lange ist unklar, wem Sebastian vertrauen kann und wer ihm schaden will. Gut und Böse wird hier ziemlich auf den Kopf gestellt. Dadurch bleibt von der ersten Seite an die Spannung erhalten, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen und will endlich erfahren, was es nun mit all den seltsamen Figuren auf sich hat. Absoluter Pageturner!

FLEDERMAUSLAND ist ein Buch, das man fast in einem Rutsch liest und ähnlich schnell wieder vergisst. Aber während man es liest, hat man verdammt viel Spaß und möchte am liebsten gar nicht mehr aufhören. Von daher: absolute Empfehlung für alle, die einfach mal den Alltag vergessen und sich ohne Anstrengung so richtig wegbeamen wollen :-)

SaschaSalamander 05.01.2015, 08.48

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