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Ausgewählter Beitrag
Geister
Schon vor einigen Wochen habe ich das Buch "Geister" gelesen. Dass ich die Rezension erst heute schreibe, hat dieses Mal einen besonderen Grund: der Inhalt hat mich sehr fasziniert und mitgerissen, einige Kritikpunkte fielen jedoch stark ins Gewicht. Da der Titel über "Book on Demand" verlegt wurde, wollte ich vorab ein paar Informationen über den Autor sammeln. Doch noch bevor ich dies tun konnte, schrieb Marco mich doch tatsächlich an (Google lebe hoch) und fragte, wie mir als erstem Leser (abgesehen von Freunden und Verwandten) dieses Buch gefallen hätte? Und so ist nun ein sehr intensiver freundschaftlicher Kontakt entstanden: er arbeitet mit meinem Schatz und mir gemeinsam an einem Projekt, über das ich ein andermal gerne etwas mehr erzählen werde.Bevor ich das Buch näher beschreibe, hier kurz der Inhalt: Stephen zieht mit seiner schwangeren Freundin in ein kleines Dörfchen. Hier wollen sie gemeinsam ihr Kind erziehen, möchte Stephen an seinem Buch weiterarbeiten. Doch das ländliche Idyll gerät sehr schnell ins Wanken, als Stephen vom Nachbarn und den Bewohnern immer wieder vereinzelte Andeutungen über die seltsamen Geschehnisse im Ort hört. Auch sein Haus sei verflucht, alle Kinder dort verschwanden. Anfangs hält Stephen dies für Ammenmärchen, bis er sehr bald eines Besseren belehrt wird. Und er ist der einzige, der möglicherweise den Fluch brechen kann. Wird es ihm gelingen, seine Frau und das Kind zu beschützen?
Die Geschichte klingt zwar nach "schon dagewesen", wird jedoch sehr gut erzählt, hat ihre ganz eigene Dynamik und zieht den Leser sehr schnell in ihren Bann. Die Atmosphäre erinnert anfangs an Stephen King: eine Kleinstadt, seltsame Nachbarn, gruselige Erlebnisse, der Held wird langsam wahnsinnig, und zwischendrin immer wieder kleine Alltäglichkeiten, die dem Leser Normalität vermitteln und ihm zeigen "Es könnte bei Dir um die Ecke passieren. Fühl Dich bloß nicht sicher in Deinem Lesesessel, das Grauen kommt auch zu Dir!".
Gegen Ende musste ich an Lovecraft denken mit seinen entfernten Dimensionen, den Tentakeln, Dämonen, dem urgewaltigen Grauen weniger durch Blut und Gewalt sondern durch das unabänderliche Wissen um etwas Gefährliches, das draußen auf uns wartet.
Ich habe die Geschichte nahezu in einem Rutsch gelesen. Dabei schwankte ich stark zwischen zwei Gedanken: zum einen begeisterte mich der Plot in seinem Inhalt und Aufbau. Auf der anderen Seite allerdings musste ich mir große Mühe geben, über Rechtschreibung und Grammatik hinwegzusehen und einige Schwächen im Schreibstil zu übergehen. Dialektsprache, wo sie eigentlich nicht hingehört, Tippfehler, holprige Dialoge und einige Dinge mehr. Stellenweise liest sich "Geister" eher wie ein Skript für einen Film oder ein Computerspiel denn wie ein normales Buch. Die Szenenwechsel, die teilweise Fokussierung auf einzelne kleine Momente, der geradlinige, schnörkellose Aufbau, all dies wäre das perfekte Drehbuch für einen Filmabend mit Gänsehautgarantie.
Book on Demand bedeutet, dass jeder Mensch sein Buch veröffentlichen kann. Man muss nicht zwanzig Verlage anschreiben und sich von jedem eine Absage kassieren. Sondern jeder, der das Bedürfnis hat, ein Buch auf den Markt zu bringen, darf dies tun. Es gäbe sehr viel über diese Art der Veröffentlichung zu erzählen, statt dessen an dieser Stelle von mir lediglich ein Link zu >Wikipedia< und >Book on Demand<.
Die Vorteile dürften auf Anhieb klar sein. Der Nachteil allerdings: wer das günstige Paket möchte, sollte möglichst viel alleine erledigen. So hat Marco Callari das Cover gestaltet, die Landkarte selbst erstellt und nicht von einem Lektor sondern von Freunden korrekturlesen lassen. Und dies ist in dem Buch "Geister" eben sehr deutlich zu spüren. Bevor ich also über Rechtschreibfehler und vereinzelte inhaltliche Schwächen kritisiere, wollte ich mich mit dem Autor in Kontakt setzen, um mehr über seine Motive zu erfahren. In seinem Fall: er dreht Filme und schreibt Bücher, jedoch nicht professionell, sondern rein als Hobby. "Ich habe Geschichten in mir, und die müssen einfach raus". Mag sein, dass es nicht über Piper, Heyne oder Egmont klappt, also warum nicht etwas Eigenes? Okay, das kleine Büchlein kostet im Handel nun 15 Euro, und kaum ein Leser wird es anfordern, dazu müsste man ja erst einmal von diesem Buch wissen. Aber er hat sich den Traum erfüllt, ein eigenes Buch veröffentlicht und seine Idee mit anderen geteilt zu haben. Vielleicht liest es ja doch jemand? Und genau das ist hier also geschehen: ich bin zufällig über "Geister" gestolpert, wurde neugierig. Und das Besondere: mit unserem gemeinsamen Projekt wird es vielleicht doch etwas größere Kreise ziehen und weitere Leser (und Spieler) begeistern? ;-)
Nun zum Abschluss der diesmal eher ungewöhnlich enezension: Empfehlung? Davon abraten? Da ich Marco inzwischen kenne und mag, müsste ich wohl sagen "unbedingt kaufen". Da ich aber trotzdem weiß, dass jeder einen anderen Geschmack hat: entscheidet selbst! Das Buch hat eine zwar altbekannte aber doch ungewöhnlich dargestellte Handlung, die zu überzeugen weiß. Eher wenige Seiten, somit nur ein kurzer Lesespaß für nicht gerade wenig Geld. Um über die Fehler hinwegzusehen, muss man sich allerdings deutlich bewusst machen, dass es sich nicht um ein regulär verlegtes Buch handelt, sondern eben ein privates Projekt einer einzelnen Person. Auf jeden Fall sicher: ein in vielerlei Hinsicht äußerst ungewöhnliches Buch, wie man es nicht alle Tage in die Finger bekommt ...
PS: wer mehr über Marco erfahren möchte, ist auf seiner >Homepage< herzlich willkommen. Und er ist aufgeschlossen gegenüber Meinungen, Ideen und Kritik und freut sich über weitere Leser :-)
SaraSalamander 15.11.2010, 18.17
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Hm, bei mir kann eine Geschichte noch so gut sein, aber wenn ich über Rechtschreib- oder Grammtikfehler stolpere, lese ich meist nicht bis zum Ende. Klar, um den Inhalt etwas zu "formen" bedarf es eines guten Editors, aber das andere kann schon ein gute Freund machen, nur sollte er ein sicheres Sprachgefühl haben. Außerdem würde ich empfehlen, das Buch mindestens 3x von 3 verschiedenen Leuten gegenlesen zu lassen. Ich war auch schonbei ein paar Büchern die dritte Korrekturkraft und habe immer noch Fehler gefunden und sicher auch übersehen.
Eine gute Story ist nicht alles.
LG
Sonja
vom 15.11.2010, 19.36
jain ... normalerweise sehe ich das ähnlich. Aber nicht jeder halt halt jemanden, ... von daher war es mir wichtig, vorab mal mit dem Autor zu reden. Und, wenn ein Buch mich am Lesen hält trotz der Fehler, dann will das was heißen (normalerweise breche ich da auch schon oft ab, wenn ich über zuviel stolpere).
Und, wie gesagt: inzwischen arbeiten wir zusammen, für das nächste Buch haben wir schon die Zusammenarbeit geplant, und die Story des Buches "Geister" als Computerspiel wird hoffentlich auch gefallen, wenn es dann endlich soweit ist *smile*
Du weißt, wie schwer es normalerweise ist, mich zu begeistern ;-)