SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

In these Words

VORAB

Eigentlich lese ich ja gerne Boys Love bzw Yaoi. Aber natürlich habe ich da so meine Vorstellungen, und die meisten Titel auf dem Markt entsprechen diesen Vorstellungen so gar nicht. Daher bin ich immer SEHR skeptisch, wenn mir irgendetwas angespriesen wird als Überraschungserfolg, als Nummer 1, als Bestseller, als Must Have und absoluter Top-Titel. Noch kritischer bin ich, wenn ich höre "bisher nur ein Band, aber noch nicht abgeschlossen". Normalerweise würde ich das ja nie kaufen. Bei IN THESE WORDS habe ich es trotzdem getan. Weil das Cover mal so gar nicht nach dem 0815 Knuddelwuddelsexy aussah, sondern im Stil sogar recht erwachsen. Und nachdem ich den Manga gelesen habe - WOW, ich verstehe die Begeisterung um diesen Titel!


AUTOREN

>Guilt and Pleasure< sind keine beruflichen Mangaka sondern arbeiten nebenbei an ihren Werken. Daher dauert es mit der Veröffentlichung recht lange. Auf ihrer Homepage schreiben sie ein paar Infos über sich. Auch Teile ihrer Artworks sind dort zu sehen, ein Blick auf die Site lohnt sich.


GENRE / AB 18

Tokyopop verkauft den Manga in der Rubrik Boys Love. Wohl mangels anderer Schubladen. Denn dank den erwachsenen Männern und realistischen Zeichnungen hat es mit "Boys" schon einmal gar nichts zu tun. Und das, was dort geschieht, als "Love" zu bezeichnen, grenzt an Hohn, handelt es sich klar um einen Psychopathen, der seine Opfer quält und missbraucht. Unzensiert sind Wunden, Blut, Folter, Fesselung und Geschlechtsteile zu sehen, das "ab 18" ist also mehr als gerechtfertigt (was man bei vielen anderen 18ern nicht behaupten kann, die eher der Neugier und Vermarktung dienen sollen denn tatsächlich dem Jugendschutz). Ich würde es unter Thriller einordnen, mit dem Vermerk "explizit". Denn mal ehrlich, in jedem handfesten Thriller gibt es brutale Szenen. Mancher Thriller enthält sogar mehr nackte Haut und sexuelle Gewalt als irgendein beliebiger SM-Titel. Aber Boys Love verkauft sich scheinbar besser als ein Thriller, fand Tokyopop ...


ZEICHNUNGEN

Das Heft ist ab 18, wird im Laden nur verschweißt verkauft. Nach dem Aufschlagen sofort zwei wunderschön gezeichnete Artworks, gehalten in nüchternem Braun. Kein Zuckerguss, keine sexy Darstellung, sondern zwei attraktive Männer, erwachsen und mit ausdrucksstarken Gesichtern. Auch, wenn ich bei Mangas meist schnell über so etwas hinwegblättere, bei diesen beiden Bildern musste ich einige Zeit verweilen, sie sprechen den Leser an, sie drücken etwas aus. 

Und dann: Text? Wie im Roman? So richtig zum Lesen? Tatsache, die ersten achteinhalb Seiten des Prologs sind rein textbasiert und mit zwei Illustrationen versehen, es beginnt also wie eine >Light Novel<. 

Dann beginnt der eigentliche Manga, wie man es gewohnt ist. Die folgenden Seiten halten, was die Artworks versprechen: realistische Darstellungen, erwachsene Männer. Die Zeichnungen sind wirklich gelungen, die einzelnen Personen sind sehr gut voneinander zu unterscheiden, jede Figur hat eigene Gesichtszüge, eigene körperliche Merkmale. Die beiden Mangaka haben sehr viel Mühe investiert, ihren Bildern auch ohne Text Inhalt zu verleihen: Gesten, Blicke, Körperhaltung, alles spricht für sich, und die Spannung ist regelrecht zu greifen. Auch hinsichtlich der Kleidung arbeiten sie sehr detailliert und realistisch. 

Interessant sind die Blickwinkel und Perspektiven, die für Manga zum Teil ungewöhnlich sind aber sehr viel Atmosphäre bereiten. "Kamerawinkel" von schräg unten oder oben, manchmal nur Füße, Fußboden, winzige Ausschnitte des Gesamtbildes. Ebenfalls erwähnenswert, da es recht deutlich wird: es gibt keine Zensur, auch wird nicht schamhaft irgend etwas davor platziert, sondern die Leser bekommen alles zu sehen. Da die Handlung sehr emotional ist und die Zeichnungen so realistisch erscheinen, ist das Label 18 ... ach, ich wiederhole mich, Ihr wisst, was ich meine!


AUFBAU, ERZÄHLWEISE

Der Text der Novel zu Beginn ist eher simpel gehalten. Ob die Übersetzer sich wenig Mühe gaben oder auch das Original eher schlicht ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Einen kompletten Roman in diesem Stil würde ich, selbst mit netten Zeichnungen anbei, nicht lesen. Aber bei lediglich 9 Seiten sehe ich gerne darüber hinweg, denn wirklich schlecht ist auch nicht. 

Die Einleitung schildert eine Szene aus Katsuyas Leben und endet abrupt. Es folgen Bilder, sie befördern den Leser sofort in eine Yaoi-Szene. Cut, Katsuyas Arbeit. So springt die Handlung nun weiterhin zwischen Yaoi einerseits und den Gesprächen zwischen Psyshologe und Mörder andererseits. Inwieweit die Szenen zusammenhängen, scheint klar, wird jedoch wieder verworfen, scheint dann wieder logisch, um kurz danach wieder zu wechseln. So, wie der Mörder ein Psychospiel mit seinem Therapeuten abzieht, führen auch die beiden Mangaka ihre Fans in die Irre. Handelt es sich um einen Traum? Um Erinnerungen? Um einen Ausblick auf Kommendes? Um Wahnvorstellungen? Ich hoffe, dass der nächste Band möglichst bald fertiggestellt ist, denn ich kann es nicht erwarten, weiterzulesen! 


PERSÖNLICHE MEINUNG

Von "schön" zu reden, wäre hier wohl unpassend in Anbetracht der Handlung. Doch IN THESE WORDS ist dennoch ein herausragender Manga, der sich deutlich von anderen Yaoi-Titeln abhebt. Inhaltlich und in den Zeichnungen durchweg erwachsen, eine Verfilmung in der Sparte Psychothriller könnte ich mir sehr gut vorstellen, sie fände ein großes Publikum. 

Ich weiß nicht, wie viele Bände die beiden Künstlerinnen geplant haben. Ich bitte nur inständig, dass sie die Reihe beenden mögen! Und egal, wieviele Bände es sein werden, sie werden alle in meinem Regal stehen und eine Ehrenplatz erhalten! 


FAZIT

Ein ungewöhnlicher Manga, der komplett vom üblichen Yaoi-Schema abweicht. Intelligent, realistisch gezeichnet und spannend von der ersten zur letzten Seite. Für mich persönlich einer der besten Mangas des Genres, die ich seit langem gelesen habe!

***********

Ergänzung: die Rezi schrieb ich nach Erscheinen des Mangas. Inzwischen habe ich auch den zweiten Band gelesen und kann alles, was ich damals geschrieben habe, nur unterschreiben ...

SaschaSalamander 19.09.2014, 09.44

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