SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Layers

Dorian lebt auf der Straße. Eines Tages wacht er neben einem toten Obdachlosen auf, sein Taschenmesser in der Hand. Ein Fremder gibt an, dass er einen Angriff gesehen hat und es sich um Notwehr handelte. Er verspricht, die Polizei nicht zu informieren, und er nimmt Dorian mit in eine große Villa: dort sammelt Bornheim viele Jugendliche von der Straße auf, lässt ihnen Unterricht zuteil werden, für all ihre Bedürfnisse ist gesorgt. Dafür verteilen sie Flugzettel oder erledigen kleine Botengänge für ihn. Dorian ist glücklich, doch eines Tages kann er einen der Aufträge nicht erledigen. Und dann beginnen die Ereignisse sich zu überschlagen.


Über die Autorin werde ich hier nicht mehr viele Worte verlieren, ich liebe ihre Thriller für Erwachsene und noch mehr die Jugendromane, etwa >EREBOS< oder >ELERIA<.

Der Inhalt des Buches selbst ist schwer wiederzugeben, da das Kernthema sich erst nach etwa einem Drittel zeigt. Daher kann auch die Bedeutung der "Layers" nicht in der Rezension erklärt werden. Nur soviel: die Autorin greift ein aktuelles Thema auf, das keine Zukunftsmusik ist (auch, wenn es noch in den Kinderschuhen steckt).

Wie für Poznanski üblich, raste ich über die Seiten und war anschließend recht begeistert vom Lesegenuss. Aber, natürlich denke ich während des Lesens und danach immer wieder nach. Und sobald ich etwas nachdachte, verzog ich skeptisch die Mundwinkel.

Die Situation an sich ist realistisch geschildert, allerdings wird der Protagonist doch sehr unterschätzt. Ich wage zu behaupten, dass ein Jugendlicher in Dorians Situation bereit wäre, viel zu tun und über viele Dinge hinwegzusehen. Da er allerdings als so intelligent dargestellt und dies immer wieder betont wird, finde ich manche seiner Aktionen doch etwas einfältig und unüberlegt. Auch das Vorgehen Bornheims mutet mir manchmal etwas seltsam an, die Verhältnismäßigkeit seiner Mittel ist etwas überzogen (naja, ohne dieses Stilmittel gäbe es den Roman nicht, denn dann wäre das ja nicht nötig. Trotzdem ein kleiner Wermutstropfen).

Schwierig ist, dass das Buch rein aus Dorians Sicht erzählt wird. Das ist notwendig, da auf diese Weise die unterschiedlichen Schichten der Realität zum Tragen kommen und der Leser immer nur stets soviel weiß wie der Junge. Was den Vorteil hat, dass es spannend bleibt und man niemals weiß, wem man vertrauen kann. Was aber dazu führt, dass der Leser extrem misstrauisch wird und sich oft wundert, warum Dorian vertraut, wenn doch alles, was er erlebte, absolut dagegen spricht.

Ein weiteres Problem: das erste Drittel gibt es sehr viele Andeutungen, aber außer dass der Junge in die Villa kommt, Leute trifft und Aufträge ausführt, passiert nicht viel. Danach wird es lebhafter, allerdings wiederholt sich sehr viel. Er kann nicht zurück, wird gejagt, bekommt neue Häppchen an Informationen, kann seinen Verfolgern gerade wieder fliehen, bekommt neue Informationen, wird fast erwischt, entdeckt etwas neues, nur um wieder zu fliehen. Die Informationen steigern sich, die Gefahr wird größer, die Verfolgungsjagden wilder, die Mittel er Jagd drastischer, alles scheint auf ein gewaltiges Finale zuzusteuern. Der Showdown selbst ist ein großer Twist (der findige Leser zwar überrascht aber nicht erstaunt), jedoch nicht der erwartete Knalleffekt. Dafür mit sehr vielen schönen Effekten.

Nun ja, hundert Prozent Realismus kann man dem Buch bei diesem Thema sowieso nicht bescheinigen. Die Story selbst hätte eine gewisse Kürzung vertragen, war aber an sich sehr flüssig zu lesen und hat hervorragend unterhalten. Ich war weitgehend zufrieden und in den Lesepausen gedanklich immer wieder bei Dorian und seinen Erlebnissen.

Fazit: nicht das beste Werk von Poznanski, aber hervorragende Unterhaltung in packendem Erzählstil und mit interessanten Gedanken hinsichtlich der Frage, ob der Frieden einen Krieg wert ist.

SaschaSalamander 11.04.2016, 08.43

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