SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Mirror

Über den Autor Karl Olsberg bin ich schon häufiger gestolpert, hatte ihn stets auf meiner "will ich irgendwann mal lesen" - Liste. Mit anderen Worten, ich hatte gerade immer andere Bücher, die mir aktuell wichtiger waren. Dann stolperte ich über MIRROR WELT: PREQUEL, eine kostenlose Sammlung von ein paar Kurzgeschichten aus diesem Universum. Während eines Arztbesuch flink gelesen, und schwupps war ich angefixt. Jetzt wollte ich schließlich wissen, was es mit diesen Mirrors wirklich auf sich hat ;-)


Olsberg schrieb seine Doktorarbeit über künstliche Intelligenz, und auch sonst scheint das Thema KI, Computer, Internet und moderne Medien sein Steckenpferd (sorry, ich mag es nicht, langweilig einfach nur Lebensläufe abzutippen, aber für Interessierte gibt es ja Google. Lohnt sich, gibt gerade bei ihm einiges her). Seine Bücher handeln von einer Welt im Game Minecraft, von in einem Computerspiel verschwundenen Studenten, von gefährlicher künstlicher Intelligenz, von Terrorismus über das Internet, Biotechnologie und anderen ähnlichen Themen. Wie gesagt: wollte ich alle schon lange lesen, klingt einfach genial ;-)

MIRROR sind neue Systeme, die noch besser als Smartphones, Tablets und Computer das Verhalten ihrer Nutzer analysieren. Sie wissen immer genau, was der Nutzer nun am besten tun oder sagen sollte, was ihn beruhigt, motiviert, beschützt. Sie sind Freund und Ratgeber, denn sie kennen den Nutzer quasi besser als dieser sich selbst. Doch bald gibt das System gefährliche Ratschläge und scheint Verhaltensweisen zu zeigen, die sich anfänglich mit Fehlfunktionen erklären lassen. Doch das wäre zu einfach gedacht - das System hat sich ZU gut entwickelt, und die MIRROR werden zu einer realen Bedrohung ...

Ich habe das Buch an zwei Tagen verschlungen. Der Schreibstil ist extrem flüssig, sehr schlicht, die Wortwahl und der Satzbau sind sehr einfach gehalten. Die Charaktere sind ebenfalls recht einfach gehalten. Anfangs fand ich das etwas schade, weil ich befürchtete, dass das Buch entsprechend seicht in seiner Aussage sein könnte. Aber diese Sorge hat sich sehr schnell zerschlagen:

die Technik hinter dem Mirror ist keine ferne Zukunftsmusik einer überbordenden Autoren-Phantasie, sondern sie ist erschreckend realistisch, im Grunde nur eine kleine technische Ergänzung zu dem, was heute bereits alles an Daten über die User gesammelt wird. Immer wieder werden Parallelen gezogen zu Skynet (Terminator), und es ist gruselig, wie nah man heute inzwischen die damalige Fiktion entwickelt hat.

Die Handlung selbst ist recht vorhersehbar, bietet wenig Überraschung. Es lässt sich kurz zusammenfassen mit "tolle Technik - entwickelt Eigenleben - wird bekämpft". Trotzdem blieb es spannend. Weniger aufgrund der Frage "wie wird es enden", sondern vielmehr aus dem Interesse heraus "warum tut die KI das", "was wird die KI als nächstes tun", "wie würde ich in dieser Situation reagieren".

Als Leser muss man sich zwangsläufig immer wieder selbst hinterfragen, wenn es um die Nutzung von Smartphones, Tablets und omnipräsent eingeloggte Accounts (Google, Facebook, Amazon etc) geht. Wir alle wissen ja, dass das Netz sehr viele Daten über uns sammelt und verbindet, und obwohl keiner das will, hat man sich über die Jahre daran gewöhnt. Selbst, wer immer schreit "ich mache das nicht" hat überall seine Spuren hinterlassen.

MIRROR hat mich großartig unterhalten. Es ist sehr einfach zu lesen, die Handlung wird rasch vorangetrieben, das Thema ist hochspannend und trotz der zugrundeliegenden Komplexität sehr simpel dargestellt. Mit anderen Worten, kein anspruchsvolles Buch für ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema, dafür aber großartige Lektüre für zwischendurch, die wieder einmal für das Thema "gläserner Mensch" sensibilisiert. Sicher ist, dass ich bald mehr von Olsberg lesen werde. Diesmal wirklich ;-)

SaschaSalamander 07.10.2016, 08.53

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