SaschaSalamander
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Zeit zu sterben

lehtolainen_sterben_150_1.jpgNormalerweise lese ich nicht so gerne die nordischen Krimis, doch eine Kollegin schenkte mir dieses Buch, und der Klappentext klang mehr als überzeugend, also machte ich mich ohne zu zögern sofort ans Lesen. Und vielleicht werde ich meine Meinung doch überdenken und hier und da mal zu einem Autor aus den kühleren Gefilden greifen ;-)

Säde ist Sozialarbeiterin in einem Frauenhaus. Eines Tages kommt es zu einem tragischen Ereignis: eine Klientin wurde von ihrem gewalttätigen Ehemann zu Tode geprügelt. Schon unzählige Male war sie im Frauenhaus gewesen, und immer wieder hatte man ihr, wie in diesem Haus üblich, zu einem gemeinsamen Weiterleben mit ihrem Mann geraten. Dieser wollte sich bessern, nicht trennen was Gott geeint hat, und den Kindern zuliebe. Bisher hatte Säde sich keine Gedanken hierüber gemacht, doch nun wird sie nachdenklich und beginnt immer mehr gegen das bisherige Konzept ihres Arbeitgebers zu handeln. Die ortsansässige Polizistin rät ihr, die Frauen zu einem eigenständigen Leben und zu einer Trennung, zur Anzeige ihres Mannes zu motivieren. Als sie bei einem Besuch in der Wohnung ihrer Klienten zufällig ein defektes Kabel findet, kommt ihr ein Gedanke, und sie beschließt, dem Schicksal ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Und so stirbt der Ehemann der neuen Klientin durch einen Unfall, und auch andere Ehemanner erleiden zufällig einen plötzlichen Tod. Dann trifft sie auf ihren Nachbarn Karlie, und plötzlich ändert sich alles …

Mmh, dieses Buch ist was für Frauen. Und erst recht für Sozialarbeiterinnen. Also perfekt für mich *hihi*. Auch über die Thematik kann ich ein wenig mitreden, Frauenhaus kenne ich nicht, aber ähnliche Institutionen. Ich war während des Lesens unsäglich dankbar, dass wir mit anderen Zielen arbeiteten und die Selbständigkeit der Frauen unterstützen. Es war mir ein Graus, wenn ich von dem Vorgehen des Chefs dort las (ein Mann als Leiter eines Frauenhauses, das ist für mich sowieso ein Widerspruch, aber gut, andere Länder andere Sitten).

Die Heldin des Buches ist sehr schön beschrieben. Sie ist eine graue Maus, sie fällt nicht auf, sie erfüllt brav ihre Pflicht, sie hat ihre kleinen Hobbies, und sie hat noch nie wirklich etwas bewegt. Ihr Leben ist ruhig und anständig. Es fällt sehr leicht, sich in sie hineinzuversetzen bzw sie sich greifbar vorzustellen. Und als sich die Chance für den ersten „Mord“ bietet, da fiebert man mit ihr und möchte am liebsten selbst das Werkzeug führen. Sie mag eine Mörderin sein, aber sie ist zugleich auch sympathisch. Denn im Grunde begeht sie nicht wirklich einen Mord. Ein vernünftiger, gesunder, mitdenkender Mensch wäre wohl nie in ihre Fallen getapst, doch Säde nutzt geschickt die Schwächen der Männer. Dem Schicksal ein wenig unter die Arme gegriffen, die richtige an sich harmlose Handlung im rechten Moment, schon manövriert sich das Opfer (das ja eigentlich ein Täter ist, denn wer Frauen krankenhausreif schlägt, der … aber gut, anderes Thema) selbst in den Tod. Man kann ihr nichts nachweisen, und die ethische Frage nach Schuld oder Unschuld stellte sich mir bis zum Schluss.

Ach, ich habe das Buch mit Begeisterung gelesen. Es ist sehr ruhig, hat kaum Action, ist sehr leise. Mir gefiel der Stil, und ich werde mich nun nach weiteren Büchern der Autorin umsehen. Sie malt wunderhübsche Bilder in wenigen Worten und macht das Geschehen sehr greifbar. Der Roman war recht kurz, ich hatte ihn in kürzester Zeit gelesen, und doch hat er sich mir intensiver eingebrannt als so mancher dicke Schinken!

Ich kenne die Autorin nicht und weiß nicht, wie berühmt sie ist. Aber wer sie noch nicht kennt, der sollte unbedingt dieses Werk von ihr lesen!

SaschaSalamander 30.11.2009, 18.17| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Krimi, Tip,

Statistik KW 48

Gelesen
Die Hütte (W. P. Young)
Feuermohn (A. Martini)
Die Moorhexe (W. Hohlbein)


Gehört
Closer (D. Cortez)
Der Horla (G. de Maupassant)


 Tauschticket
Noel


Filme
Borat
Amusement
Boogeyman 3
Stark - The dark half

SaschaSalamander 29.11.2009, 17.58| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Film

Statistik KW 47

Gelesen
Die Moorhexe (W. Hohlbein)
Die Hütte (William P. Young)
Detektiv Conan 64 (G. Aoyama)


Gehört
Totengleich (T. French)
Jack Slaughter 05 - Am Ende der Welt
Jack Slaughter 06 - Im Land der Vampire
Jack Slaughter 07 - Dr. Jeykill und Mrs. Hyde


Gekauft
Oscar 01 (C. Frieser)
Oscar 02 (C. Frieser)
Maid Boy 02 (C. J. Michalski)
Detektiv Conan 64 (G. Aoyama)

Geschenk
/

Tauschticket

/

Filme
Kontroll
Anamorph
Shall we dance

SaschaSalamander 22.11.2009, 18.16| (4/3) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Statistik

Kontroll

kontroll_1.jpgNa sowas, ich dachte, den Film hätte ich längst rezensiert. Aber ich kann hier nichts finden. Nun gut, dann kann ich meine Gedanken dazu heute notieren, denn im Grunde sah ich ihn wie zum ersten Mal. Das erste Mal sah ich ihn direkt nach Erscheinen, und das ist um die fünf Jahre her. Da der Film weniger eine stringente Handlung denn vielmehr einzelne Szenen hat, ist er auch schwer zu beschreiben und noch schwerer im Gedächtnis zu behalten über so viele Jahre, ich habe ihn also fast jungfräulich ansehen dürfen, nur noch in dem Hintergedanken, dass ich schon damals absolut begeistert gewesen war.

Wie gesagt, eine Handlung ist nicht zu beschreiben. Im Grunde sind es einzelne Szenen rund um das Team des Kontrolleurs Bulcsu, der mit seinen vier Kollegen durch die Budapester U-Bahn (gedreht in Budapest, die Handlung jedoch ist nicht ortsgebunden) patroulliert. Zum einen gibt es die Begegnungen mit verschiedenen oder auch sich als Running Gag wiederholenden Fahrgästen ohne Fahrschein. Ein Zuhälter, der seine Nutten statt der Strafgebühr anbietet, ein Junkies mit seiner Drogenspritze, ein Schwuler, eine toughe Tussi, eine wildgewordene Prostituierte, ein Jugendlicher mit bissigem Hund, japanische Touristen, ein gehörloses Pärchen, der Nervenzusammenbruch eines Kollegen, ein stotternder Mann und viele andere Widrigkeiten lassen sie ihren Job nur schwer ausführen. Es mangelt den Fahrgästen einfach an Respekt und Verständnis für diesen tristen und doch verantwortungsvollen Job. Besonders Bootsie macht ihnen das Leben schwer, indem er ihnen Schaum ins Gesicht sprüht und immer wieder vor ihnen flieht, er ist nicht zu fassen.

Dann wären da noch die gehäuften Selbst(?)morde, die seit einigen Wochen in der U-Bahn geschehen. Außerdem trifft Bulcsu die junge Sofia, welche immer wieder ohne Farschein anzutreffen ist, ihr Markenzeichen das plüschige Bärchenkostüm. Und Bulscu scheint sich zu verlieben.

Ich weiß nicht recht, wie ich den Film beschreiben soll außer "super Bilder, geniale Kamera, klasse Inszenierung". Hm *grübel*. Er ist sehr symbolträchtig, die Geschichte im Hintergrund wird sehr viel über Bilder erzählt, welche sich schwer einordnen lassen. Sind es Träume? Surreale Momente? Könnte es wirklich so passiert sein? Ist es das Unterbewusstsein des Helden, welches ihm und den Zuschauern einen Streich spielt?

Die Farben sind eher trist, der Film besteht aus reinem Schmuddel-Look. Im Grunde sind alle dort im Untergrund Loser, die im Leben versagt haben. Alkoholiker, ein Narkoleptiker, ein alter kranker Mann, ein völliger Newbie. Und der Protagonist, welcher aus seinem zuvor erfolgreichen Leben als führender Architekt ausgestiegen ist, als er dem Erfolgsdruck nicht mehr standhielt. Nun lebt Bulcsu also in der U-Bahn, hat das Tageslicht nicht mehr gesehen, dort unten lebt, schläft, isst er, er findet den Ausgang nicht mehr, will ihn nicht mehr finden. Seine Freunde sind die Kollegen und der alte Fahrer "Onkel Bela", und nach der Arbeit macht er Schienenrennen, sitzt auf den großen Belüftungsventilatoren, schläft in den Gängen, streunt durch die Hallen.

Es würde mir großen Spaß machen, den Film nun zu zerlegen, etwa die Eule, die von Szene zu Szene schlimmer werdenden Wunden, die verschiedenen Kostüme, die Tunnelsysteme und Rolltreppen, die einzelnen Farben, die Kameraführung. Alles zusammen ergibt eine große, wunderbare Gesamtkomposition und ein nicht überraschendes Ende. Zwar ist alles möglich, und man darf in diesem Film nicht in geraden Bahnen denken, aber dennoch ist die Wende und das Ende nicht erstaunlich, im Gegenteil eigentlich schon von Anfang an klar gewesen.

Das Genre kann ich nicht definieren. Es hat ein bisschen was von allem. Schrill wie Comedy, lustig wie eine Komödie, selig wie eine Romanze, packend wie ein Drama, auch Thriller ist dabei, Underground, Mindfuck, Mystery, eigentlich so ziemlich alles. Ich sortiere so etwas bei mir unter "schräg", und ich kann jedem nur empfehlen, sich den Film anzusehen. Leider kenne ich kaum jemanden, der diesen Film gesehen hat, kenne also keine anderen persönlichen Meinungen. Aber ich vermute, es ist einer der Filme, die man entweder hasst oder lieb. Und ich liebe ihn ...

SaschaSalamander 21.11.2009, 22.34| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Film | Tags: Schräg, Komödie, Drama, Thriller, Fantasy, Mindf*ck, Romantik,

Oscar und Albrecht

frieser_oscar02_150_1.jpg   

Beide Bücher reizen mich schon lange. Ich sah sie in öffentlichen Gebäuden ausliegen, bei Veranstaltungen der Stadt liegen sie herum, und es gibt sogar Stadtführungen auf den Spuren Oskars. Man kann eigentlich nicht hier in der Stadt wohnen, ohne ständig auf diesen Bengel und seine beiden Bücher zu stoßen. Schon lange liebäugele ich damit, sie mir zu kaufen, ...

und gestern beim Stadtbummeln kam ich dann nicht mehr daran vorbei. Beide Taschenbücher nebeneinander, Teil 1 und Teil 2, dazu die netten Worte einer sehr guten Verkäuferin, ein bisschen Geld zur freien Verfügung, und jetzt liegen die Bücher also auf meinem Sub und können es nicht abwarten, bis ich "die Hütte", "die Toten schweigen nicht", "Feuermohn", "New York, New York 3 + 4" endlich beendet habe ;-)

SaschaSalamander 19.11.2009, 10.44| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Reihe, Nürnberg, Jugend, Tip,

Der alte Gernhardt

Dich will ich loben: Hässliches,
du hast so was Verlässliches.
Das Schöne schwindet, scheidet, flieht
– fast tut es weh, wenn man es sieht.
Wer Schönes anschaut, spürt die Zeit,
und Zeit meint stets: Bald ist's soweit.
Das Schöne gibt uns Grund zur Trauer.
Das Hässliche erfreut durch Dauer.

(Robert Gernhardt)

SaschaSalamander 18.11.2009, 17.37| (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Zitate

Tannöd

schenkel_tannoed_150_1.jpgNun habe ich also auch Tannöd gehört. Um schon alles vorweg zu nehmen, bevor ich schreibe (viel fällt mir zum Schreiben offen gesagt auch nicht ein), hier schon die Zusammenfassung: ich fand es nett, den Hype kann ich verstehen, aber mich selbst ließ es eher kalt, trotzdem hat es viele faszinierenden Aspekte.

Aber gut, ausnahmsweise mal das Pferd von hinten aufgezäumt. Ich möchte trotzdem nun schrittweise vorgehen. Erst einmal zum Roman selbst: die Autorin Andrea Maria Schenkel schrieb mit "Tannöd" ihren Erstling, und er schlug ein mit Bombenerfolg. Dabei bezieht sie sich auf einen real geschehenen Mord in >Hinterkaifeck< im Jahre 1922. Es gab schon eine andere literarische Aufarbeitung, doch der Vorwurf des Plagiats wurde dann abgewiesen. Nun gut, ich kenne das andere Werk nicht, aber ich denke, berühmte Momente der Geschichte oder bekannte Mordfälle wie Jack the Ripper wurden auch immer wieder neu bearbeitet, ohne dann jedoch abgeschrieben zu sein ...

Zur Handlung nur soviel: so wirklich beliebt waren die Bauern Danner auf dem Tannödhof nicht, mürrisch, geizig, hart. Trotzdem sind alle geschockt, als das Ehepaar, deren Tochter, Enkel und sogar die Magd auf brutale Weise getötet wurden, und niemand kann sich vorstellen, wer zu einer solch schrecklichen Tat fähig sein könnte.

Das Buch ist nicht als Roman geschrieben, sondern in Form einzelner Interviews. Beginnt ganz unverfänglich mit der Geschichte eines kleinen Mädchens, welches erzählt, wie seine beste Freundin nicht in der Schule war und auch nicht im Gottesdienst. Es wird erzählt, was kleine Mädchen eben so erzählen. Von gemeinsamen Freuden, von einem Streit, von ihrem Lieblingsessen und den gemeinsamen Spielen. Davon, wie die Tochter der Danners immer von ihrem Vater aus Amerika erzählte, und von dem Zauberer im Wald. Und so geht es weiter. Anfangs scheinbar unzusammenhängend, im Laufe der Zeit immer strukturierter und verständlicher sind die Berichte abgefasst. Nachbarn erzählen, der Lehrer, der Pfarrer, eine alte Bäuerin, sie alle haben ihren Teil beizutragen und tratschen munter über die Danners und deren unzüchtiges Leben. Immer mehr Details werden enthüllt, hier mal eine Andeutung, dort eine Mutmaßung, dort will niemand etwas gesehen haben, aber andere hätten behauptet, und so wird aus vielen verschwommenen Mosaiksteinchen ein immer deutlicheres Bild, welches sich dem Leser dann zwar enthüllt, aber dennoch viele Fragen offen lässt ...

Ich habe das Hörbuch gehört, ohne mir zuvor den Inhalt anzusehen. Keine Rezension, keine Inhaltsangabe, kein Klappentext. Nur das Wissen, dass dieses Buch wohl ein Riesenerfolg gewesen sein muss und nun sogar verfilmt wird. Umso erstaunter war ich dann über das, was sich mir bot. >Monica Bleibtreu< (gestorben 13.05.2009) war mir als Stimme bis dahin nicht bekannt, und ich war angetan von ihrer ausdrucksstarken Darstellung. Männer kenne ich als virtuose Künstler, die regelrechte Ein-Mann-Hörspiele hinbekommen, doch Frauen haben diese Stimmgewalt leider nicht, vor allem anatomisch bedingt (vermute ich). Doch Monica Bleibtreu gelingt, was ich von Frauen sonst nicht kenne: sie verkörpert verschiedene Personen. Ein naseweises Mädchen, eine alte Bäuerin, ein alter Pfarrer, die bigotte Haushälterin des Pfarrers, eine bauernschlaue alte Frau, der ruhige Lehrer, der Postbote, sie erschafft mit ihrer Stimme, ihrem Tonfall, ihrer Betonung, ihrer Sprachmelodie, ihrem Rhythmus, mit allem, was ihre Stimme hergibt, unzählige verschiedene Menschen. Ich sah sie bildlich vor mir, wie sie hibbelnd auf dem Stuhl saßen, wie sie ruhig in die Ferne blickten, die Finger ineinandergruben, hektisch sich umsahen, wie sie genüsslich erzählten und immer mehr ausschmückten oder aber sich in sich zogen und nicht wirklich etwas von dem Grauen erzählen wollten.

Anfangs war ich extrem verwirrt, weil ich gar nicht wusste, auf was das Buch nun abzielen soll. Und bis zum Ende wurde mir nicht klar, wem diese Personen nun antworten. Einem Reporter? Einem Schriftsteller? Einem Polizisten? Und was haben die Gebete zwischen den einzelnen Interviews zu bedeuten? Ich dachte, dass mir da etwas entgangen sei, aber bei späterem Stöbern im Web fand ich heraus, dass dies wohl Fragen sind, welche allgemein nicht geklärt wurden. Nun gut, es sind stilistische Mittel, und ein Autor muss sich nicht immer erklären. Die Gebete haben mich dann langsam recht genervt, aber sie gehörten dazu, und das "Herunterleiern", wie Monica Bleibtreu es so perfekt gemacht hat, hat sehr viel Stimmung in das Hörbuch gebracht, es verstärkte das Gefühl, welches für mich während des Hörens aufkam. Die Atmosphäre von heuchlerischen, auf sich bedachten, kleingeistigen, aber doch auf ihre Weise gerissenen Menschen, die sonntags in die Kirche gehen und ihre Gebete herunterleiern, die täglich ihre Litanei beten, die aber hinter ihren verschlossenen Türen ihre Ehefrau prügeln, die Kinder schlagen, die Tochter missbrauchen und böse über andere reden, welche sich in der Öffentlichkeit einen kleinen Fehler erlauben. Ich sah sie hinter ihren Gardinen hervorlugen, streng bedacht, den Schein zu wahren und mit dem Finger auf andere zu zeigen ...

besonders auffällig auch die Mundart. Es wurde sehr viel Dialekt eingebracht, es kamen alte Ausdrücke zur Sprache, die das Hörerlebnis sehr stimmungsvoll machten und perfekt in die Inszenierung passten.

Um wieder zum Anfang zurückzukommen: die Handlung an sich (oder besser der Inhalt dahinter, denn Handlung konnte man es nicht nennen) ließ mich recht kalt, und im Normalfall hätte ich ein solches Buch recht schnell wieder beiseite gelegt. Doch die Darstellung durch die Sprecherin, und auch die gekonnte Erzählweise mit all den kleinen Aha-Erlebnissen, wenn eine kurze Erwähnung vom Anfang nun plötzlich sich mit einem weiteren Puzzleteil zu einer weiteren Erkenntnis für den Leser zusammenfügt, das hat seinen ganz eigenen Reiz.

Wirkliche Spannung kommt nicht auf, und einen klaren Handlungsfaden darf man nicht erwarten. Man sollte sich wirklich völlig auf das Werk einlassen, ohne sich bestimmte Erwartungen oder Vorstellungen davon zu machen. Sondern es einfach wirken lassen.

Als Film würde ich mir das vermutlich nicht ansehen, dazu reizen mich das Thema und die Leute viel zu wenig. Ob es mir als Buch gefallen würde, weiß ich nicht, denn Monica Bleibtreu hat dem allem für mich schon einen sehr persönlichen Touch verliehen. Aber das Hörbuch - WOW! Ich kann verstehen, wenn viele das Buch langweilig finden, die Rezensionen im Web (die ich erst im Nachhinein angesehen habe) gehen ja sehr auseinander, und viele halten es für herausgeworfenes Geld. Kann ich verstehen. Aber ebenso verstehe ich all jene, welche das Buch begeistert als Meilenstein feiern und in den Himmel loben. Mich selbst findet man irgendwo dazwischen.

Mein Tipp: auf jeden Fall das Hörbuch in der Version mit Monica Bleibtreu hören!

SaschaSalamander 18.11.2009, 10.27| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Krimi, Drama, Deutsch, Tip,

Beides hervorragend

Normalerweise ist es so, dass ich entweder das Hörbuch bevorzuge und mir mehr Zeit für den Haushalt und Spaziergänge nehme. Oder dass ich den Roman bevorzuge und das Zeug für die Ohren höchstens in der U-Bahn zu mir nehme. In diesem Fall schwanke ich ständig und weiß vor lauter Lesen und Hören nichtmehr wohin, weil eines von beiden besser ist als das andere.

"Totengleich" von Tana French  hält mich in seinem Bann, der erste Band war nett, aber der zweite hier fesselt mich richtig und begeistert mich, wie er immer mehr kleine Details preisgibt und man die jungen Leute aus Lexies Freundeskreis immer besser kennenlernt, das Haus in dem sie leben, ihre Gewohnheiten, ihre Verbindungen.

Und "die Hütte" ist wirklich ein sehr erstaunliches Buch, von dem man in den Medien seltsamerweise viel zu wenig hört. Gott in Gestalt einer japanischen Gärtnerin, einer dicken afrikanischen Mama und eines jungen südländischen Handwerkers. Das Buch lässt mich eine Wärme spüren, die ich schwer beschreiben kann, und jedes Wort dringt tief ins Innere. Ob gläubig oder nicht, es bewegt mich. Ich weiß nicht, ob es Antworten liefern wird, viele sind angetan von den Antworten, andere vermissen diese dagegen. Aber eines ist sicher: es ist eines der Bücher, die ich nie vergessen werde.

SaschaSalamander 17.11.2009, 21.32| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Drama, Krimi,

Gleich einer Toten

french_totengleich_150_1.jpgDie letzten Wochen habe ich ja mal wieder sehr viele Dinge gehört, die mir sehr gut gefielen. Manchmal habe ich ja das Pech, ein ödes Teil nach dem anderen zu erwischen und es dann selbstauferlegt hören zu müssen, weil ich es zu Ende kriegen und mitreden will. Aber derzeit wirklich alles sehr unterhaltsam.

Gestern habe ich angefangen mit "Totengleich", dem zweiten Roman von Tana French, welche mit >"Grabesgrün"< schon einen rechten Bestseller gelandet hat. Schon Grabesgrün hatte mir ja weitgehend recht gut gefallen, und auf dieses bin ich nun erst recht gespannt. Was ich bisher hörte, klingt absolut mitreißend. Man erfährt mehr über die weibliche Protagonistin aus dem ersten Teil. War sie anfangs nur die Begleitperson für den männlichen Hauptchara, ist nun diesmal sie die Heldin des Buches. Man erfährt mehr über ihre Vergangenheit als Undercoveragentin. Und dann plötzlich der Schock: ihre damals von ihr und den Mitpolizisten erschaffene Figur wird getötet! Eine Frau, die exakt so aussieht wie sie. Mit all den Daten, Informationen etc ihrer fiktiven Figur, welche sie als Undercover verkörperte.

Mehr weiß ich nicht, weil ich Rezensionen und Inhaltsangaben gerne vermeide wenn möglich. Von daher kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, in welche Richtung die Geschichte nun gehen wird. Ob sie ihre alte Rolle nun noch einmal antreten wird? Oder ob sie deren bisher nicht existente aber nun ins Rennen geworfene Zwillingsschwester sein soll? Ob sie eine neue Figur erschafft? Wer hat sie getötet? Und vor allem: warum?

Na, in den nächsten Tagen werde ich es ja erfahren! ;-)

SaschaSalamander 16.11.2009, 15.07| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Krimi

Das Buch ohne Namen

anonymus_nameless_150_1.jpgZu Beginn der ersten CD war ich sehr angetan von dem Buch. Ich wusste noch nicht, worum es gehen würde, und ich war sehr gespannt. Doch gegen Ende der ersten, Anfang der zweiten CD, begann sich alles für mich zu ziehen. Ich habe lange überlegt, ob ich jetzt noch eine Rezension schreiben oder das Buch einfach für mich abhaken soll, aber ich tippe nun doch ein paar Zeilen …

Die Handlung zu beschreiben fällt mir nicht allzu leicht. Wo fange ich an? Es gibt sehr im Grunde nämlich sehr viele Handlungsstränge, die bald zueinander führen. Da gibt es zum Beispiel die beiden Mönche, die von ihrem Obersten hinausgeschicht werden in die Welt, um nach dem blauen Mondstein zu suchen. Außerdem lernt man ein Gangsterpärchen kennen, das im Hotel gerne die Gäste ausnimmt. Man begegnet einem Barmann, lernt eine Wahrsagerin kennen, trifft auf einen Sonderinspektor für ungewöhnliche Fälle und seinen mürrischen Partner vor Ort, einen mysteriösen  Revolvermann, eine fünf Jahre lang im Koma liegende unbekannte Schönheit und einige andere Personen. Und all dies führt den Leser dann zu dem Stein, der nicht nur materiellen Wert besitzt. Außerdem erfährt man von der Mondfinsternis, welche bald über die Stadt einbrechen wird, und so langsam wird es klar, was es mit dem Stein auf sich hat, und wer aus welchem Grund hinter ihm her ist. Ach ja, und man erfährt, warum das geheimnisvolle „Buch ohne Namen“ des anonymen Autoren so wichtig ist und weshalb nur Menschen reinen Herzens dieses lesen dürfen.

So schwer mir nun eine Beschreibung des Inhaltes fiel, so lässt sich auch mein Problem mit dem Buch beschreiben: mir fehlte irgendwie die Handlung. Ich habe im Grunde nichts gegen innovative Bücher. Und gerne lese ich auch Bücher, die keinen strikten, schnurgeraden Verlauf haben. Aber irgendwie war mir diese Story ein wenig zu chaotisch. Ich hatte den Eindruck, der Autor wollte möglichst kuriose Charaktere an einen noch skurilleren Ort packen und diese dort gemeinsam in einem actionreichen, brutalen Showdown aufeinandertreffen lassen, den man am besten von Tarantino verfilmen lassen könnte. Es war stellenweise sehr verwirrend, die parallelen Handlungsstränge, die Rückblicke und die fortlaufenden Erzählungen zu verfolgen, und einige Male habe ich offen gestanden den Faden verloren. Was ich nicht zwangsläufig dem Buch anlasten möchte, es lag vielleicht auch an mir. Ich habe mir schon oft vorgenommen, eine Dramatis Personae für jedes Buch während des Lesens / Hörens für mich zu erstellen, und hier wäre es wohl wieder einmal besonders wichtig gewesen …

Aber nicht nur Negatives, es gab auch Dinge, die mir dennoch sehr gefielen. Zum einen der Sprecher, der wirklich hervorragende Arbeit geleistet hat: Stefan Kaminski. Ein Ein-Mann-Hörspiel, im Grunde fast schon eine inszenierte / szenische Lesung (das hätte man ihm eigentlich gönnen müssen, finde ich, dann wäre es perfekt gewesen). Und zum anderen das Genre. Es ist nämlich nicht wirklich einzuordnen. So etwas gefällt mir (auch das Konzept des Buches mit den vielen Handlungssträngen, wenngleich es mir in diesem Fall nicht zugesagt hatte), ich mag es gerne nonkonform und ungewöhnlich. Ich habe schon so viele Bücher gelesen, dass ich mich immer über innovative Ideen und ausgefallene Dinge freue. In diesem Fall einen quietschbunten Mix aus Western, Fantasy, Horror, Splatter, Mistery, Thriller, Drama und womöglich noch mehr, ich möchte es gar nicht so genau analysieren, möchte es nicht zu Tode zerpflücken ;-)

Ich möchte dieses Werk weder empfehlen noch davon abraten. Sondern ich finde, es ist ein sehr ungewöhnliches Buch, auf das man sich einlassen muss. Einfach mal anlesen, reinschnuppern und dann selbst eine Entscheidung treffen ;-)

SaschaSalamander 16.11.2009, 10.37| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Schräg, Vampire, Western, Fantasy,

Statistik KW 46

Schon lange habe ich keine Statistik mehr geschrieben. Für die Leser mag es nutzlos sein, für mich selbst aber fand ich sie immer sehr interessant jede Woche. Ich hoffe, dass ich es schaffen werde, sie wieder regelmässig hier einzustellen ...


Gelesen

Die Hütte (W. P. Young)
Die Moorhexe (W. Hohlbein)


Gehört
Totengleich (T. French)
Tannöd (A. M. Schenkel)
Das verlorene Symbol (D. Brown)
Don Harris Psycho-Cop 5-6 (J. Dark)

 
Tauschticket

Voice (B. McFerrin)
Feuermohn (A. Martini)
Gestatten - Heine (U. Türk)
Gestatten - Goethe (U. Türk)
New York, New York 3 (M. Ragawa)


Filme
Insomnia
Bad Taste
Parasomnia
Muppets-Krimi

SaschaSalamander 15.11.2009, 17.41| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Bücher lesen und sich merken

Ich finde den Vorgang des Lesens sehr faszinierend. Weil jeder seine eigene Methode hat und jeder es anders angeht. Ein anderer liest langsam und genau, ein anderer rasant und ungenau. Und doch stelle ich fest, dass dies nichts damit zu tun hat, wie man sich Dinge einprägt. So habe ich festgestellt, dass ich kleine Details oft nicht weiß, nicht einmal während des Lesens. Aber dass der Kerninhalt und wichtige Dinge mir noch Jahre später im Gedächtnis sind. Und trotzdem, wenn ich ein Lesezeichen im Buch verschlagen habe, dann kann ich die Stelle nur mit sehr großer Mühe wiederfinden, weil ich einfach nicht weiß, ob ich etwas bereits gelesen habe oder nicht?!?

Vor ein paar Wochen habe ich ein Buch über effektives Lesen zu mir genommen, da ging es nicht um Speedreading, sondern um das rasche Auswerten eines Buches, und da war auch genau dieses Phänomen beschrieben: dass man sich den Inhalt eines Buches einprägt, wenngleich man nicht einmal wirklich sagen kann, ob man es überhaupt gelesen hat. Das hat mich dann doch sehr erstaunt ...

Und dann fällt mir noch auf, dass ich mir Namen der Autoren merken kann. Ich weiß heute noch, wie der Kinderbuchautor von anno irgendwann hieß, oder jeden einzelnen Roman. Die Namen meiner Menschen im Umfeld kann ich mir ebenfalls sehr gut merken. Doch wenn ich eine Rezension schreibe, dann klicke ich meist auf eine Beschreibung im Web oder lese den Klappentext des Buches, weil ich nicht einmal mehr den Namen des Protagonisten weiß im Anschluß!

Schon verrückt ... und ich habe mir vorgenommen, Bücher manchmal etwas genussvoller zu lesen. Was allerdings dazu führt, dass ich für einzelne Bücher schon mal mehrere Wochen brauche *seufz*.

Wie ist das bei Euch? Wie effektiv lest Ihr Bücher? Geniest Ihr sie, oder verschlingt Ihr sie? Könnt Ihr Euch später an Namen, Details, Inhalte, Autoren erinnern? Findet Ihr auch ohne Lesezeichen Euren letzten Leseabbruch?

SaschaSalamander 14.11.2009, 16.25| (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Pulp

Der Zweifler und die Dreieinigkeit

young_huette_150_1.jpgGestern habe ich von einem Kollegen auf Arbeit das Buch "die Hütte" geliehen bekommen, über das ich mich sofort stürze. Ich weiß nur den groben Inhalt, nämlich dass ein Mann mit dem Schicksal hadert, nachdem sein Kind gestorben ist, und dass er nun eine mysteriöse Einladung auf eine einsame Hütte im Wald erhält, wo er mit der Dreieinigkeit konfrontiert wird und ... hm, keine Ahnung, es soll sehr gut sein. So gut, dass es die Gefangenen an den Pfarrer herangetragen haben, weil sie nach dem Lesen so begeistert davon waren. Und wenn unsere Leute Bücher verschlingen und dann sogar noch das Bedürfnis haben, danach mit uns darüber zu reden, dann hat das wirklich etwas zu bedeuten. Klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Ich habe keinerlei Ahnung, was mich erwartet, und ich bin mehr als nur gespannt!

Ich kann nicht einmal wirklich Tags für diesen Beitrag erstellen, weil ich nicht weiß, wo man dieses Buch einordnen kann. Aber ich versuche es einmal, kann es ja anschließend noch ändern, wenn ich falsch liege ;-)

SaschaSalamander 12.11.2009, 10.46| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Religion, Drama, BewusstSein,

Das verlorene Symbol

brown_symbol_150_1.jpgDer neue Dan Brown, und ich konnte es nicht mehr erwarten. Die ersten beiden Romane Sakrileg und Illuminati waren erstklassige Unterhaltung. Literarisch hatte ich ein paar Dinge zu bemängeln, aber die Idee war neu, die Umsetzung klasse, man konnte es nicht aus der Hand legen, und es hat mich in seinen Bann gezogen. Auch Meteor gefiel mir sehr, von Diabolus ganz zu schweigen. Ein bisschen arg reißerisch alle, aber wie gesagt perfekte Unterhaltung und ein paar nette Infos über verschiedene Verschwörungstheorien, der Autor verfügte über eine Menge Background, und der Leser hing gebannt an seinen Lippen. Genialer Mix für einen abendfüllenden Kinofilm, was ja auch sehr schnell umgesetzt wurde.

Dieses Mal dagegen war ich bereits zu Beginn ... ach, bevor ich erzähle, kurz einmal die Handlung. Falls jemand noch nicht weiß, worum es geht ;-)

Robert Langdon wird gebeten, in Washington einen Vortrag zu halten. Und schwupps tappst er in die erste Falle und darf einem wortwörtlichen Fingerzeig folgen, den die abgetrennte Hand seines Freundes als Beginn einer langen Schnitzeljagd darstellt. Der Rest ist schnell erzählt, falls man die anderen Romane bereits kennt: eine wilde Hatz über viele berühmte Schauplätze der Stadt beginnt, in der es um mehr als nur ein kleines Menschleben geht. Es geht nämlich und die Apotheose, die Gottwerdung des Menschen und um das verlorene Wort, welches eine ungeahnte Macht in sich birgt.

Und nun könnte ich die Rezension ganz lange ausdehnen mit allem, was mich störte. Ich könnte es auch kurz fassen unter "dritter Aufguss". Was im ersten Roman begeisterte, gefiel im zweiten und ist im dritten nur noch ermüdend. Natürlich wird dieses Buch als Fortsetzung der ersten beiden gehandelt, es hat den gleichen Protagonisten, also sollte der Leser auch wieder etwas Ähnliches erwarten. Dass er allerdings exakt das gleiche bekommt, war dann doch enttäuschend für mich.

Die Handlung ist im Grunde exakt die selbe, nur dass Namen und Schauplätze vertauscht wurden. Außerdem geht es diesmal nicht um die katholische Kirche (naja, irgendwie schon am Ende) oder die Illuminaten, sondern die Freimaurer. Es wird eine recht ungewöhnliche Wissenschaft eingebracht, die "Neoetik". Und dazu ein paar interessante Fakten aus dem Web recherchiert, die man dann als neue Puzzleteile an die alten Stellen des vorherigen Buches setzt. Am Ende eines Kapitels ein Cliffhanger, damit es immer spannend bleibt. Zwischendrin unzählige Fachbegriffe und extrem intelligent klingende "Weisheiten", die bei genauer Betrachtung allerdings recht flach wirken und teilweise auch recht unangebracht sind.

In den ersten beiden Büchern habe ich noch mit den Helden mitgebangt, sie hatten für mich Leben, und ich konnte mich sehr gut hineinversetzen. Dieses Mal muss ich leider sagen, dass ich vom ersten Moment immer wieder darauf wartete, dass mich die Handlung endlich mitreißen würde. Ich habe bald mehr nebenbei gehört und war dann froh, als es sich dem Ende zuneigte, auf das ich so lange gehofft hatte. Leider wurde ich enttäuscht, und statt eines grandiosen Finales wie in den ersten beiden Büchern erwartete mich ein endloser Monolog, der dem Aufwand des Buches in meinen Augen nicht wirklich gerecht wurde. Auch, als Langdon in eine wirklich schlimme Situation gerät und alles verloren ist, berührte mich dieser Moment sogut wie gar nicht, er als Hauptheld interessierte mich nicht einmal.

Eigentlich würde ich das ganze jetzt gerne an Beispielen begründen und den Roman so richtig zerlegen, aber offen gesagt ist mir das zuviel Aufwand, ich wende mich lieber dem nächsten Buch zu. Ich weiß auch, dass ich mit meiner Meinung viele Gleichgesinnte habe, bei eingefleischten Fans nun aber womöglich Empörung hervorrufen werde. Aber gut, es muss nicht jedem alles gefallen, und ich werde auch das nächste Buch von Brown wieder lesen, vielleicht ist das nächste (welches bereits angekündigt wurde) dann wieder besser?

Und jetzt bin ich so richtig gespannt auf wilde Diskussionen! Wie fandet Ihr das Buch? Wart Ihr ebenso enttäuscht wie ich, oder könnt Ihr meine Meinung so gar nicht nachvollziehen, hat es Euch richtig gut gefallen?  Sollte man ein gutes Erfolgskonzept so richtig durchziehen, weil man das Rad nicht ständig neu erfinden kann? Oder wollt Ihr lieber aber dafür einzigartigere Bücher? Werdet Ihr den nächsten Brown lesen?

Feuer frei! ;-)

SaschaSalamander 11.11.2009, 19.37| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Thriller, Verschwörung,

Spannender als erwartet

schenkel_tannoed_150_1.jpgWeil ich so viel davon gehört habe, habe ich nun mit Tannöd begonnen. Als Hörbuch, denn ich wollte nur mitreden, Lesen war nicht so mein Ding in diesem Fall. Und ich bin äußerst überrascht. Die Sprecherin bringt es wirklich perfekt rüber, und die Zeit vergeht unglaublich schnell beim Hören. Das Genre an sich ist überhaupt nicht mein Ding, aber die Machart aus Erzählung und Zeugenbefragung ist sehr gut gelungen, und ich bin schon sehr gespannt, wie es endet und ob das Bild, welches sich nun langsam zusammenfügt, auch so weitergesponnen wird oder es eine plötzliche Wende geben wird?

SaschaSalamander 11.11.2009, 17.30| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Krimi, Deutsch,

Eine Weihnachtsgeschichte

scrooge_150_1.jpgWeihnachten mag ich nicht, und Weihnachtsgeschichten erst recht nicht. Von der Musik ganz zu schweigen. Alles Humbug. Ich gehöre zu denen, die sich wünschen, dieses olle Fest wäre schnell vorüber. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die ich widerwillig gestehen muss dennoch zu mögen. So unter anderem die Weihnachtsgeschichte von Dickens. Klar, im Original gelesen immer noch am besten, aber die aberdutzenden Verfilmungen sind auch nicht ohne. Meine bisherigen Favoriten waren die mit den Muppets und die mit Patrick "Jean Luc Picard" Stewart. Nun kam noch eine dritte hinzu: die animierte Version von Disney.

Disney? Die mit den kitischigen Sachen, die früher mal gut waren (vom hausbacken und albern mal abgesehen) und irgendwann keinen Spaß mehr machten, weil sie nur noch Schrott produzierten? Genau die! Denn in den letzten Monaten war ich einige Male sehr irritiert, zuletzt war es >"Oben"<, was mich sehr erstaunt hatte über den Beitrag von Disney.

Ich denke, über den Inhalt muss ich nichts mehr erzählen. Oder doch? Nagut, hier die Kurzform: der böse, hartherzige, kalte, geizige, verbitterte usw Ebenezer Scrooge ist so böse, hartherzig, kalt usw, dass er sogar an Weihnachten böse, hartherzig usw ist. Kein freier Tag für die Mitarbeiter, böse Worte an Spendensammler, keine Kohle zum Heizen, nichts. In der Weihnachtsnacht erscheint ihm der Geist des verstorbenen Kollegen Marley, welcher ihm drei Geister ankündigt. Der erste zeigt Scrooge, wie er Weihnachten damals erlebte, bevor er einsam war. Der zweite zeigt ihm, wie gegenwärtig die Menschen in seiner näheren Umgebung Weihnachten feiern und über ihn denken. Und der dritte zeigt, was passieren könnte, wenn sein böses, hartzherziges usw Herz sich nicht erweichen lässt. Scrooge bekommt Angst, und schwupps wird er ein guter Mensch.

Albern, Humbug, mir ist das zu kitschig. Trotzdem mag ich die Geschichte, weil ich die Idee dahinter klasse finde. Der Weihnachtskram nervt mich, vor allem der zweite Geist ist schrecklich mit seinem Lachen, in jeder Verfilmung, auch im Original nervt er mich. Aber egal, gehört dazu. Was ich mag, sind die Geister, der Gedanke dahinter. Es ist zwar in eine kitschige Weihnachtsstory verpackt, doch die Idee ist grandios, und es ist spannend zu sehen, wie aus dem kleinen Jungen ein solch harter Mann werden konnte, und wie er nun seine Zukunft selbst in die Hand nimmt. Und wenn Patrick Stewart oder die Muppets mitwirken, erst recht.

Und nun eben auch Disney. Animiert in 3D. Ich konnte es nicht fassen, als ich den Vorspann sah, er war grandios, und ich musste an manchen Stellen schon sehr genau hinsehen, ob es nicht ein realer Film war. Er wird beworben mit Jim Carrey, Bob Hoskins, Colin Firth und anderen Schauspielern, und man erkennt im Film sehr deutlich, wer von ihnen wer ist, die animierten Figuren gleichen den Menschen aufs Haar. Jede noch so kleine Geste, jedes Stirnrunzeln oder Fingerzeigen, alles ist perfekt animiert.

Die Bilder sind unglaublich gestaltet, sowohl in ihrer Animation wie auch in ihrer Symbolkraft. Noch nie hat mich diese Geschichte so enorm beeindruckt wie gestern! Es gibt einige sehr kleine Abweichungen zum Original, die ich sofort verzeihe, weil sie hervorragend umgesetzt sind. Und eine grandiose Verfolgungsjagd, die im Buch in dieser Form keinesfalls vorhanden ist, aber auch hier drücke ich alle Augen zu, denn es war perfekt passend in den Film! Ich möchte keines der Bilder missen, die ich im Kino sah, und ich werde mir diese Version auf jeden Fall auf DVD holen.

Pechschwarze Pferde, welche der Hölle entsprungen scheinen, mit feuerglühenden Augen, die sogar mir abgebrühtem Cineasten einen grausigen Schauer über den Rücken jagten. Ein turmhohes Uhrwerk, welches im Hintergrund tickt und die Zeit vorantreibt, die Vergänglichkeit der nahen Zukunft bewusst macht. Ein in Ketten gelegter Geist, eine von Geistern gesäumte Straße, der dritte Geist so unheimlich wie noch nie zuvor. Unwissen und Not verschreckend und beängstigend in ihren ausgemergelten Körperchen und verhärmten Gesichtern.

Es ist zudem ein Film, für den man Popcorn und alles Störende weglassen sollte, ich habe es später bereut. Denn abgesehen von einer actionreichen Szene ist es sehr still, die Musik gering dosiert, die Sprache ruhig, alles wirkt alleine durch die Bilder und knappen Dialoge. Ich halte ihn in seiner Gesamtheit für ein wirklich einzigartiges Meisterwerk, wie es in dieser Form nur sehr wenige gibt.

Allerdings, Disney hin oder her, für junge Kids würde ich ihn keinesfalls empfehlen. Ab 12 etwa, denn es gibt einige schon recht schaurigen Bilder. Wie gesagt, auch wir Erwachsenen saßen im Kinosessel und waren recht erschrocken darüber, wie düster Disney geworden ist. Früher kannte ich dies nur (in abgeschwächter Form, nicht so extrem wie hier) von Don Bluth (Anastasia, Nimh, Feivel, Littlefoot, Titan A.E. etc), doch so langsam beeindruckt Disney mich. Und dass sie noch immer niedliche abendfüllende Kinderfilme machen, zeigen sie ja zusätzlich dieses Jahr mit "Küss den Frosch".

Einziges Fazit: unbedingt ansehen. Und zwar im Kino in 3D!

SaschaSalamander 07.11.2009, 12.59| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Film | Tags: Tip, Animation, Märchen,

Endlich wieder mal der Leidenschaft gefrönt

So langsam sieht es aus, als käme ich wieder ein wenig mehr zum Lesen und Schreiben. Ich werde nicht mehr wie früher regelmässig bloggen und vorbloggen, aber doch wieder etwas häufiger schreiben, zumindest werde ich mir Mühe geben. Ein paar Beiträge sind schon vorgearbeitet (Anonymus, Schlechter Sex und Zeit zu sterben). Und derzeit lese und höre ich wieder absolut spannende Sachen, die ich demnächst vorstellen möchte

"Dschungelkind"von Sabine Kuegler hat mir sehr gefallen. Ich brauchte ein wenig, mich an ihre Sprechweise zu gewöhnen, doch nach ein paar Tracks ging es, und was sie erzählte, hat mich sehr fasziniert!

"Das Symbol" habe ich gerade auf den Ohren, ich gehöre nicht zu denen, die seine Bücher im Regal haben müssen, aber zur Unterhaltung finde ich ihn ganz nett.

"Die Toten schweigen nicht" habe ich mir nach "Der siebte Tod" nun vom gleichen Autor geholt, in ein paar Tagen müsste es endlich in meinem Briefkasten sein, und ich kann es nicht erwarten, loszulegen!

Mit "New York, New York" hat mir meine Lieblingsverkäuferin mal einen Shonen Ai - Manga ans Herz gelegt, der fernab von dem Gesülze der letzten Jahre auf dem Markt handelt. Eine wunderschöne Liebesgeschichte, sehr angenehm erzählt.

"Kirihito" vom Gottvater des Manga, Ozamu Tezuka, lässt mich verzweifeln. Der Herr ist schon lange tot, der Mange schon seit zig Jahren fertig, aber in Deutschland erscheint der zweite Band trotzdem erst im Januar nächsten Jahres, und dabei habe ich den ersten Band so rasch verschlungen!

"Der König von Deutschland" ist das nächste auf meiner Liste. Ich bin ja schon lange großer Fan von Andreas Eschbach, den lese ich, ohne auf den Inhalt zu sehen, weil ich weiß, dass es gut sein wird. Was mich erstaunte: die Videowerbung zu Büchern finde ich albern, ich habe schon viele Clips gesehen, einen fand ich nichtssagender als den anderen. Dieser hier war der erste, der mir wirklich gefiel, und er hat mich NOCH mehr bestätigt, das Buch unbedingt lesen zu müssen!

Mit "der Mann der lacht" von Hugo habe ich zwischendurch wieder einen Klassiker, den ich leider nicht zwischen Tür und Angel lesen kann. Es wird mich einiges an Zeit kosten, dieses Buch zu lesen, aber schon das erste Kapitel war seine Zeit wert, jedes Wort wurde zelebriert, Fremdwörter habe ich nachgeschlagen, und ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht!

SaschaSalamander 02.11.2009, 21.42| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles

Der siebte Tod

cleave_siebte_150_1.jpgViel erzählt und in den Kommentaren ausgetauscht wurde bereits über dieses Buch, aber noch kam ich nicht zu einer Rezi, es war recht viel los. Hier ist sie endlich! :-)

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Krimis gehören zu dem Genre, das ich lieber auf Hörbuch genieße statt zu lesen. Irgendwie mag ich gerne die gekürzte Version, weil es da sehr viel Beschreibung der Romanhelden (meist Detective, Inspector oder sonstige Mitarbeiter in irgendeinem Bereich der Polizei und Justiz) gibt, die mich nicht sonderlich interessiert. Nicht, dass sie schlecht wären, aber Hunter, Wallander, (Reichs), (Cornwell), (McDermid) und all die anderen bedeuten mir einfach nicht wirklich etwas, ich interessiere mich mehr für die Fälle und Vorgehensweisen. In diesem Fall jedoch bin ich enorm froh, dass ich zufällig via Tauschticket dieses Buch in die Finger bekam und als kompletten Roman genießen konnte. Ich hätte jedes gekürzte Kapitel vermisst!

Joe beschreibt sich selbst als netten Kerl. Der manchmal Frauen umbringt. Nach einem seiner Morde begann er sich zu fragen, wie es um die polizeilichen Ermittlungen steht, und durch einen geschickten Schachzug (und das „zufälige“ Verschwinden des bisherigen Hausmeisters) bekam er einen Posten bei der Polizei. Er spielt einen leicht behinderten Mann von schlichtem Gemüt, und jeder kauft ihm seine Rolle ab. So kommt er regelmässig an brandaktuelle Informationen aus erster Hand. Und dann geschieht ein Mord, welcher in seine Serie eingereiht wird, der aber ganz sicher nicht von ihm stammt, denn das wüsste er! Also beginnt Joe auf eigene Faust zu ermitteln und findet auch recht bald den Mörder. Nun gilt es, diesem die restlichen seiner eigenen Morde in die Schuhe zu schieben. Was gar nicht so schwer wäre, wenn es da nicht die Frau gäbe, die er sich ursprünglich als Opfer ausgesucht hätte, die sich dann aber als Femme Fatal entpuppt. Und wenn es nicht Sally gäbe, seine nette Kollegin von schlichtem Gemüt, die an ihm Gefallen gefunden hat und ihm gerne Gutes tun möchte. Immer enger zieht sich das Netz, und immer weniger kann der Leser das Buch aus der Hand legen …

Ich habe viele Rezensionen gelesen, begeisterte wie verärgerte. Die negativen Stimmen meinen, dass es langweilig sei und die Idee, einen Serienkiller aus der eigenen Perspektive erzählen zu lassen, nicht neu sei. Ist es auch nicht. Aber ich mag einfach den Stil. Ich mag Joe. Und ich mag seine Sicht der Dinge. Es kommen regelmässig Sprüche, die nur so von Sarkasmus bis hin zum Zynismus triefen, und ich musste unzählige Male lachen.

„Wenn ich vorhin sagte, meine Mutter ruhe in Frieden, dann heißt das nicht, dass sie tot ist. Aber jeder Mensch stirbt einmal, das ist eben eine unweigerliche Tatsache. Der eine früher, der andere später. In den meisten Fällen leider letzteres“. Oder „es ist nicht so, dass ich etwas gegen Schwule hätte. Das sind auch nur Menschen. Aber ich hasse Menschen eben einfach“.

Es macht einfach bitterböse Freude, Joes Gedankenwelt zu verfolgen. Auch seine Versuche, der herrischen Mutter entgegenzukommen. Die täglichen Anrufe, immer wieder das gleiche Lamento, die stetig gleichen Vorwürfe, die gleichen Tiraden. Und Joes Art, mit all diesem umzugehen, ist einfach köstlich zu beobachten. Er ist ihr verbunden durch eine Art Hassliebe, die manchmal sehr seltsame Formen annimmt: er stellt ihr kleine Fallen, an denen sie ihr Leben eher früher als später beenden könnte, und immer wieder hat er panische Angst, dass ihr etwas passiert sein könnte. Allzu komisch die Formen, welche dies annimmt und die Verquickungen, zu denen seine Aktionen führen.

Zudem überbieten sich Krimis ja alle an Ekelfaktor. Einem geneigten Krimileser dürften inzwischen alle Stadien der Verwesung, der Fäulnis, die Möglichkeiten einer Wasserleiche, eines verbrannte Korpus und so weiter bekannt sein. Ich überlese diese Dinge meist, weil ich manchmal denke, es dient einfach dem Effekt. In diesem Roman hält sich alles die Waage, was die Leichen betrifft. Sie sind eben da, weil Joe sie mal nebenbei ermordet hat. Eine Szene gibt es allerdings, die sich über viele Kapitel hin erstreckt, die wirklich hammerhart ist. Sogar mir als Frau drehte sich der Magen um, und ich litt mit den Höllenqualen, die der arme Joe über sich ergehen lassen musste. Klar, er ist ein Mörder, er ist ein Vergewaltiger, eigentlich müsste man ja sagen „recht so, Schw*nz ab, damit er nie wieder solche Straftaten begehen kann“, aber irgendwie ist er ja doch der sympathische Held des Buches, und was ihm dann angetan wird, ist hier nicht zu beschreiben. Nur so viel: ich mag es mir nicht vorstellen, und ich frage mich, wie der Autor diese Szene nur so detailliert und exakt niederschreiben konnte, ohne sich mehrfach immer wieder zu übergeben? Uärgs, ich bin echt viel gewohnt, und ich liebe Splatter, Horror und Killerspiele, aber in diesem Buch bin ich wieder einmal auf eine neue Grenze gestoßen (ich gebe zu, so etwas freut mich immer. Es zeigt mir, dass ich nicht gänzlich abgestumpft bin).

Ich könnte dieses Buch noch immer weiter loben, noch länger und mehr erzählen, was mich daran so begeisterte. Doch ich denke, der Beitrag ist inzwischen schon mehr als ausführlich genug, und ich dürfte hoffentlich schon einige von diesem Buch überzeugt haben. Und für wen es nichts ist – den kann ich auch verstehen. Denn dieses Buch ist schon sehr extrem ;-)

SaschaSalamander 31.10.2009, 14.23| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Thriller, Tip,

SO EKLIG

cleave_siebte_150_1.jpgIch bin hart im Nehmen. Wirklich! Und wenn ich all die Beschreibungen der Opfer lese, die brutale Ausführung der Morde und die Zerfallsstadien von Leichen, das lässt mich kalt. Ich blende sowas aus, mein Hirn macht das für mich automatisch. Ich lese gerne Krimis, auf diese Darstellungen könnte ich verzichten, aber es ist eben dabei, also was solls. Ich bin hart. So hart, dass ich sogar "Hard Candy" ansehe und lache. Aber ich bin ja auch kein Mann, denn ich weiß, dass Männer die Panik kriegen, wenn das Mädel über ihm steht und ihm mit ein wenig Eis als Narkosemittel dann mit Hilfe eines Skalpelles ... aber lassen wir das, ich will keine alten Traumata bei meinen männlichen Lesern wecken ... wie gesagt, sogar bei diesem Film blieb ich cool.

Aber DAS toppt alles bisher! UARGH, ich geh gleich kotzen!

Das Buch ist klasse bisher, und auch jetzt finde ich es noch klasse. Die Szene an sich hat was, ich saß da und dachte mir "yeah, STRIKE!!!", der böse Killer wird selbst zum Opfer eines wirklich sadistischen bösen Weibs, ich habe gelesen und konnte nicht weglesen. Und habe gelesen und wurde bleich. Wurde langsam grün. Spürte, wie sich langsam das Abendessen von gestern in meiner Kehle sammelte ...

ARGH, Empfehlung an alle Männer, die wirklich ernst gemeint ist: Bitte Kapitel 23 bis 25 weglassen, wenn Ihr nachts keine Albträume haben wollt! Und bitte diese Warnung etwas ernster nehmen als ein "ich guck mal, ob das wirklich frisch gestrichen ist" oder "oh, ein roter Knopf, ich drück mal drauf" ... bah, wie kann der Autor sowas nur schreiben, er ist doch selbst ein Mann?!?!?!? 

SaschaSalamander 15.10.2009, 09.43| (3/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Thriller, Tip,

Ghetto Kidz

Von Morton Rhue habe ich bisher eigentlich alles gelesen. "Die Welle", "Boot Camp", "Asphalt Tribe", "ich knall Euch ab". Es gibt ein paar andere Werke, die ich so als Buch jedoch noch nicht gefunden habe, die hier und da aber verzeichnet sind. Ich war von allen seinen Büchern begeistert, ausnahmslos. Habe diese Bücher auch als Lektüre für meine Schüler verwendet in Englisch. Und einige Bücher habe ich sogar mehrfach zu mir genommen, die Welle etwa habe ich als Jugendliche gelesen, als junge Erwachsene noch einmal, und nun letztens als Film. Ich mag seine Art zu schreiben, er versteht es, sogar diejenigen Kids zum Lesen zu animieren, die sonst schwer dazu zu bewegen sind.

Nur mit "Ghetto Kidz" kann ich mich nicht anfreunden. Ich habe es als Buch versucht. Ich habe es zweimal als Hörbuch versucht. Und nie komme ich über die ersten Kapitel hinaus. Eigentlich wäre das für mich das derzeit wichtigste Buch, weil ich mit ihm die Jungs auf Arbeit besonders erreichen könnte. Gang, Ghetto, Gewalt, Realität, Kriminalität, das ist genau das, womit ich bei ihnen durchdringe, und da ließen sich herrliche Diskussionen anbahnen, da könnte ich sie für ein Buch begeistern. Aber ich schaffe es nicht.

Kann nicht einmal wirklich sagen, weshalb. Irgendwie scheint es mir mehr in Episoden aufgebaut zu sein, weniger als Handlung. Dies war bei "Asphalt Tribe" jedoch auch der Fall, der fehlende Handlungsfaden kann es also nicht sein. Die Gewalt ist es auch nicht, die mich stört, das bin ich gewohnt. Der Erzählstil könnte es sein, ich finde ihn anders als in den anderen Büchern. Er reißt mich nicht mit. Allerdings habe ich ihn noch nicht näher analysiert. Ich kann es nicht anders beschreiben als dass das Buch mich einfach nicht packt. Das Thema wäre höchinteressant, aber was er daraus gemacht hat, schaffe ich einfach nicht zu lesen.

Ich habe mich nun im Internet informiert, wie das Buch enden wird. Und ich finde es realistisch und prima, dass er nichts beschönt, sondern den Kreislauf der Gewalt so zeigt, wie er draußen auf den Straßen tatsächlich stattfindet. Vielleicht werde ich es in ein paar Monaten noch einmal versuchen. Aber vorerst nach zig Anläufen brauch ich erst mal eine Pause von diesem Buch ...

SaschaSalamander 10.10.2009, 08.17| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Jugend, Drama,

Alles streng geheim und tödlich

anonymus_nameless_150_1.jpgIch habe keinen Plan, worum es geht. Ich habe keinerlei Erwartungen. Ich weiß absolut nichts. Nicht einmal den Titel oder den Autor. Denn der Autor nennt sich "Anonymous", und auf dem Buch steht "das Hörbuch ohne Namen". Und eigentlich würde ich ja gar nicht erzählen, was ich hier höre, denn es ist streeeeeeng geheim! Aber ich kann es mal wieder nicht lassen ;-)

Das erste Mal sah ich es bei Tauschticket und dachte, da hätte einer eine Reservierung abgegeben oder ein Buch für einen Rücktausch benennen wollen, aber dann fand ich, dass es ein Buch diesen Titels tatsächlich gibt. Logisch, dass ich da neugierig bin!

Vorerst weiß ich nur, dass ein paar herrlich schräge Charaktere vorkommen. Ein moderner Westernmix, der mich an den Revolverhelden Roland denken lässt, nur eben abgedrehter. Und es ist klar, dass es witzig ist, ein wenig überdreht, und ich traue dem Buch alles zu. Es geht bisher um einen Stein, der mehr als nur materiellen Wert zu bieten hat, und um die Jagd nach diesem. Ich bin unglaublich gespannt, was das alles noch werden soll ... irgendwo las ich den Werbetitel "wer dieses Buch liest, wird sterben ... und nur wer es liest, weiß warum" oder so ähnlich. Na, dann lasse ich mich überraschen ;-)

Eines jedoch ist bisher sicher: der Sprecher Stefan Kaminski ist wirklich hervorragend! Aber mehr später in der Rezension. Selbst, wenn das Buch mich später enttäuschen sollte (was ich nicht vermute), alleine Kaminskis Vortrag wäre es dann wert gewesen!

SaschaSalamander 30.09.2009, 18.09| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Schräg, Vampire, Western, Fantasy,

Grabesgrün

french_grabesgruen.jpgÜberall in den Läden sieht man "Grabesgrün" von Tana French ausliegen. Der Debutroman einer jungen Autorin (36) aus Irland, der einige Preise einheimste. Und wenn das Buch schon von David Nathan gelesen wird, komme ich um das Hörbuch nicht umhin ;-)

Rob und Cassie sind ein Ermittlerin in Dublin. Als ein Mädchen auf dem Opferstein einer Ausgrabungsstätte gefunden wird, zieht man sie beide sofort hinzu. Es gibt viele wilde Spekulationen über Opferrituale, Vergewaltigung, Serientäter oder vielleicht einen Gegner der Bürgerbewegung, welche der Vater des Kindes leitet. Doch Rob zieht eine Verbindung, welche anderen gar nicht in den Sinn kommt, und er behält seine Vermutung für sich. Damals verschwanden drei Kinder, es geschah ein schlimmes Verbrechen an genau diesem Ort, und nur Rob wurde lebend aufgefunden. Ohne Erinnerung, er weiß nicht, was damals geschehen war. Mühsam versucht er nun, sich schrittweise an damals zu erinnern, in der Hoffnung, dass er auf diese Weise mehr über das aktuelle Verbrechen erfährt ...

Doch, das Buch ist recht nett gemacht. Die Charakere sind mir mit der Zeit sehr sympathisch geworden. Haben ihre Schwächen, ihre Stärken, sind eben einfach menschlich. An meine Favoriten kommen sie nicht heran, aber das muss ja auch nicht sein. Mir fehlt einfach ein wenig das gewisse Etwas, das sie dann noch einen Tick anders macht als die anderen. Das, was sie von den normalen AlltagsAntiHelden unterscheidet, die in den normalen Krimis von Fitzek, Franz etc vorkommen.

Die Handlung schlängelt sich wie ein gemächlicher Fluß voran, ohne Hektik, ohne Stromschnellen, dafür aber beständig und gleichmäßig. Das Buch soll, wie ich hier und da gehört habe, wohl manchmal ein wenig zäh sein, im Hörbuch hatte ich dieses Gefühl niemals, da passte jede Szene, nichts war zuviel oder zuwenig, alles sehr gut abgestimmt. Ich mag es, wenn keine rasanten Actionszenen vorkommen, sondern das Buch realistisch bleibt.

Nur das Ende ist ... hm, ich weiß nicht. Es bleibt realistisch, das gefällt mir. Aber ich bin dennoch unzufrieden, denn das, was die Essenz des Buches ausmachte, das, worauf der Leser die gesamte Zeit bangte, mehr als auf die Auflösung des eigentlichen Falles, das wurde dann unter den Tisch fallen gelassen. Es mag sein, dass dies in der Realität auch der Fall ist. Nicht immer geht alles gut aus, nicht immer gibt es für alles eine Lösung, aber wenn dies den Kern des Buches ausmachte, dann fehlt mir einfach etwas. Das Ende hat nich, wie bei anderen Büchern oft, das gesamte Buch verdorben (manchmal hat man das Gefühl "ach hätte ich es doch nicht gelesen"), nein, das nicht. Es hinterlässt nur einen bitteren Nachgeschmack und ein Gefühl von "ich hätte es aber gerne noch gewusst".

Aber ansonsten war das Buch wirklich sehr nett. Solide, könnte man sagen. Sehr gut aufgebaut, ein wenig wie aus dem Schulbuch für moderne Thriller. Eben glatt und geschmeidig, leserfreundlich und unterhaltsam, spannend, das, was man einen "Pageturner" nennt. Ich kann es guten Gewissens jedem empfehlen, der gute Krimis / Thriller zu schätzen weiß. Ein paar Abstriche am Ende, aber damit kommt man recht gut klar. Alles in allem ein Buch, das den Kauf meiner Ansicht nach lohnt.

SaschaSalamander 30.09.2009, 10.07| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Krimi

Erster Letzter Satz Zeit zu Sterben

Erster Satz:
Das Ferkel hatte nur noch einen Flügel.

Letzter Satz:
Dann erzählte ich ihm alles.

aus: Leena Lehtolainen, Zeit zu sterben; rororo 2009

SaschaSalamander 29.09.2009, 21.37| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Sozialarbeit mal anders

lehtolainen_sterben_150_1.jpgAm Wochenende bekam ich ein Buch geschenkt, welches so interessant klingt, dass ich dafür sogar meinen aktuellen Roman (irgendein Gestaltwandler - Liebes - Erotik - Scifi - Schnulz *g*) unterbreche. Ich bin schon ganz hibbelig, wie das Buch sein wird! "Zeit zu sterben" von Leena Lehtolainen handelt von einer Sozialarbeiterin, welche die Fälle ihren von Gewalt bedrohten Klientinnen auf ihre ganz eigene Weise zu Hilfe kommt. Da werde ich mich bestimmt seeehr gut hineinversetzen können *muahaha*, ich kann es nicht erwarten!

Ich habe eine Kollegin, mit der ich mich sehr oft über Bücher unterhalte, es ist spannend, wenn wir zufällig gerade das gleiche Buch lesen (letztens "Grabesgrün") oder einer von uns etwas liest, das der andere vor ein paar Tagen oder Wochen erst gelesen hat. Dieses hier, meint sie, wäre genau meine Kragenweite *vorfreu* ...

SaschaSalamander 29.09.2009, 18.23| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Krimi

Deutschland mal anders

Ich mag Asia-Filme. Neinnein, nicht Bollywood, das ist nicht mein Ding, das meine ich nicht. Aber dafür koreanische, japanische, thailändische, chinesische Filme. Ich mag den Ausdruck, die Bilder, die Symbolik, die Geschichten und Inhalte. Und so, wie viele von uns sich für Japan etc interessieren, so groß ist auch die Faszination anderer Ländern am Deutschen. Gerade in diesen Filmen (und Mangas / Animes) strotz es häufig nur so von deutschen Namen, Ausländern aus Deutschland, klassischer Musik, Literatur und landestypischen Inhalten. Es tut gut zu sehen, dass wir nicht immer nur "die Bösen" sind wie in den typischen amerikanischen Filmen, sondern es auch Länder gibt, die in uns etwas Gutes sehen ... es tut gut zu sehen, dass mit Deutschland nicht nur Soldaten assoziiert werden, die die Hacken zusammenschlagen, dass man damit keinen Befehlston assoziiert, und dass es nicht nur mit Pünktlichkeit, Spießigkeit und Pedanterie gleichgesetzt wird ;-)

SaschaSalamander 28.09.2009, 15.57| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rund um Bücher

Hansel und Gretel

hanselgretel_150_1.jpgDie Märchen der Gebrüder Grimm sind weit über den deutschen Kulturschatz hinaus bekannt und beliebt. Immer wieder sind sie Grundlage für Varianten an Märchen, Fantasy, Horror. Mal leicht abgewandelt, mal dicht an der Vorlage. Mal kindgerecht, ein andermal bluig oder sexuell für Erwachsene. Neben Rotkäpchen zählt Hänsel und Gretel zu den Märchen, die am häufigsten hierfür verwendet werden. Ich kann gar nicht zählen, wie viele ausländische Filme und vor allem Mangas ich bereits über Variationen der Gebrüder Grimm gelesen habe!

Eine besonders gelunge Version, die ich heute vorstellen möchte, ist "Hänsel und Gretel". Das Grundmotiv bleibt erhalten: Kinder im Wald, ein böser Mensch, die Kinder begehen Rache.

Eun-Soo fährt gerade zu seiner kranken Mutter, als er im Wald einen Unfall hat. Hilflos irrt er durch das Gehölz, als ihm ein hübsches Mädchen begegnet und ihn zu ihrem nahegelegenen Elternhaus führen will, wo sie mit Vater, Muter und zwei Geschwistern lebt. Alles dort erscheint ihm seltsam, aber er hat keine Wahl, als die Nacht dort zu verbringen. Am nächsten Tag bricht er mit einer Wegbeschreibung auf und will zurück zu seinem Auto, doch er landet am Abend wieder in dem seltsamen Haus. Noch hält er das für einen Zufall. Doch als ihm dieses mehrere Male immer wieder passiert, ahnt er, dass etwas nicht stimmt. Und plötzlich verschwinden die Eltern der drei Kinder und bitten ihn auf einem Notizzettel, für diese Sorge zu tragen. Immer seltsamer wird das Verhalten der Geschwister, immer bedrohlicher die gesamte Situation. Ein weiteres Ehepaar baut einen Unfall und wird von dem Bruder nun ebenfalls in das Haus geführt, kann nicht mehr entkommen. Die beiden Erwachsenen scheinen Böses zu planen, und Eun-Soo schwankt in seinem Verantwortungsgefühl für die Kinder und seiner Sorge um die eigene Familie zu Hause, für welche er seit Tagen verschollen gilt. Die Lage spitzt sich zu, und wenn er den Wald verlassen will, muss er zuvor das schreckliche Geheimnis der Kinder lüften ...

Erst recht spät gegen Ende des Filmes werden die Bezüge zum ursprünglichen Märchen "Hänsel und Gretel" sichtbar, und je deutlicher sie werden, desto faszinierter war ich von der Geschichte, welche die Koreaner hier gewoben haben! Der Film behandelt quasi die Frage was mit Hänsel und Gretel geschehen wäre, wenn sie nicht am Ende ihre bösen Eltern aufgesucht, sondern sich an allen grausamen Erwachsenen gerächt hätten.

Es ist kein "reinrassiger" Horrorfilm, aber dennoch ist er sehr unheimlich. Ohne Schockeffekte, ohne literweise Blut, ohne gruslige Effekte kommt der Film aus, und doch brennen sich die Bilder in ihrer Intensität ins Gedächtnis. Surreale Schauplätze bilden die Kulisse, schaurige Orte werden verzerrt und spielen mit den Urängsten der Menschen. Der Dachboden ist ein Labyrinth ohne Ausgang, der Wald steckt voller düsterer Geheimnisse, und die aufgesetzte Niedlichkeit des Hauses wirkt umso bedrohlicher, je bunter und zuckriger die Bilder werden. Kleine Holzpüppchen beginnen wie im Märchen zu fliegen und mit den Kindern zu spielen, ein Weihnachtsmann lässt Wünsche wahr werden.

Ein zauberhaftes Märchen, ein ernster Hintergrund. Die Handlung ist am Ende nicht leicht zu verkraften, und wie bei Asiafilmen üblich erfährt der Zuschauer, dass Gut und Böse nicht zwangsläufig Gegensätze sein müssen ...

Ich kann diesem Film nur jedem empfehlen, der offen ist für neue Eindrücke. Nichts für nebenbei, sondern tiefgründige Unterhaltung, bei der man sich in Ruhe auf das Geschehen am Bildschirm konzentrieren sollte. Ein Film, auf den man sich einlassen muss ...

SaschaSalamander 28.09.2009, 09.43| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Film | Tags: Fremde Kultur, Tip, Schräg, Drama, Horror, Märchen,

Grüne Gräber

french_grabesgruen.jpgWenn ich durch die Bücherläden schlendere, stoße ich derzeit immer wieder auf die Autorin "Tana French" und die beiden Werke "Grabesgrün" und "Totengleich". Ersteres ist das frühere der beiden Werke (wieder mal ein Ermittlerteam, um das es mehrere Teile zu geben scheint.) Das Hörbuch wird gelesen von David Nathan *schmacht*, und die Story gefällt mir bisher sehr gut. Hübsch verpackt, prima präsentiert, auch der Inhalt recht ansprechend.

Ein Detective im Morddezernat muss einen Fall aufklären. Er verrät niemandem, dass er damals bei einem sehr ähnlichen Fall (ein Zusammenhang?) eines der betroffenen Kinder war. Er kann sich nicht mehr erinnern, was damals geschah, aber vielleicht könnte seine Erinnerung zur Klärung des Falles beitragen. Trotzdem versucht er, niemanden erfahren zu lassen, dass er damals dieser Junge war ...

Ich habe mich noch nicht weiter informiert, woher Tana French kommt, ob es Erstlingswerke sind oder ihr erster internationaler Durchbruch. Sollte ich mal tun, denn bisher finde ich das Buch sehr schön, seit langem Mal wieder ein Krimi, der mich richtig mitreißt und auch bewegt ...

SaschaSalamander 25.09.2009, 16.27| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Krimi

Oben

oben_150_1.jpgDisney ist bekannt, da muss ich nichts mehr erzählen. Und Pixar ist auch jedem ein Begriff: Toy Story, Monster AG, Findet Nemo, die Unglaublichen, Ratatouille, Cars, Wall-E. Mit anderen Worten beide Firmen ein Garant für großartige Kinderfilme, die auch Erwachsene begeistern. Trotzdem war ich wenig angetan von der Werbung über das neue Werk "Oben". Ein Rentner, der sein Haus an Luftballons befestigt und damit fliegt. Aha, toll *gähn*. Aber meinem Freund zuliebe begleitete ich ihn dann doch ins Kino. Und ich habe es nicht bereut ...

Carl, ein eher schüchternes Kind, trifft auf die quicklebendige, quirlige Ellie. Sie sind verbunden durch ihr Hobby Luftfahrt und die Begeisterung für fremde Länder und große Abenteuer. Aus Freundschaft wird Liebe, sie heiraten. In Form eines Fotoalbums sieht der Zuschauer das Leben an ihnen vorübergleiten: die Hochzeit, die Freude über das erwartete Baby, die Trauer über dessen Verlust, das für die Südamerikareise gesparte Geld wurde dann für die Reparatur am Haus verwendet, der nächste Groschen landete im Krankenhaus, die nächste Pfennigflasche wurde für das Auto ausgegeben, und sie werden immer älter, sie führen ein glückliches Leben, doch ihren Traum können sie nicht erfüllen. Bevor Ellie stirbt, will Carl ihr den letzten Wunsch erfüllen und kauft Flugtickets nach Südamerika. Doch sein Geschenk kommt zu spät, Ellie stirbt ...

und hier beginnt der Film. Und eigentlich möchte ich jetzt gar nichts weiter erzählen, denn alles, was ich nun beschreibe, würde die Spannung vorwegnehmen. Deswegen nur noch knapp: Carl wird einsam und verbittert, und am Ende wird er per gerichtlichem Beschluss in ein Altenheim beordert. Doch bevor sie ihn holen, beschließt er, endlich seinen Traum zu leben. Er bläst alle Luftballons auf, die er im Haus hatte, und fliegt mit seinem Haus nach oben, Richtung Südamerika. Endlich will er die Paradiesfälle besichtigen und sich dort zur letzten Ruhe niederlassen. Zu dumm nur, dass der lästige kleine Pfadfinder beim Abheben gerade auf seiner Veranda war und ihm jetzt an der Backe klebt ...

Ich war restlos begeistert. Aber auch sehr erstaunt. Schon häufiger hatte Pixar ernste Untertöne in seinen Filmen. Doch dieser Film hier hat mich sehr, sehr oft zu Tränen gerührt, der Kloß in meinem Hals wurde immer dicke. So viele geplatzte Träume, so viel Trauer, Ungerechtigkeit! Für Kinder mag es in dem Film sehr viele Elemente geben, etwa die witzigen sprechenden Hunde, den süßen Vogel, den kleinen Jungen als Identifikationsfigur. Aber eigentlich ist es ein Film für Erwachsene. Lustig mag es aussehen, wenn zwei alte Männer sich mit Schwert und Krückstock bekämpfen und der eine ein Knacken im Knie verspürt, es dem anderen im Rücken zwackt. Aber eigentlich ist es eher traurig, mit anzusehen, wie der große Held aus Carls Kindheit plötzlich zu einem Gegenspieler wird, wie auch der letzte große Traum zerplatzt und der bitteren Realität weichen muss.

In diesem Film gibt es keinen einzigen Helden, nur Antihelden. Zwar musste ich immer wieder lachen an witzigen Stellen, aber das Erstaunen über das, was Pixar seinen jungen Zuschauern zumutet, überwog. Nun gut, ich kann schwer beurteilen, wie Kinder diese Aspekte des Filmes aufnehmen, und ob der wirklich sehr ernste Unterton ihnen überhaupt bewusst ist (kann ein Kind bereits nachempfinden, wie ein alter Mensch sich fühlt, der sein gesamtes Leben im Rückblick betrachtet und von einer Enttäuschung zur nächsten blicken muss und am Ende nichts mehr zu verlieren hat?)

Die Animationen sind sehr kindgerecht und bunt, mit Liebe zum Detail bearbeitet. Man sieht, wie Pixar von Mal zu Mal besser wird und die Filme auch optisch immer mehr an Qualität gewinnen. Die Menschen sehen zwar wie üblich extrem unrealistisch aus, aber daran habe ich mich gewöhnt. Dafür sind die Tiere und die Landschaft umso besser!

Die Geschichte ist witzig erzählt. Nicht ganz so temporeich wie viele andere Streifen der Firma, aber dafür stetig spannend und mit einem kleinen Lacher für die Kids. Kein Brüller, der im Gedächtnis bliebe, aber das würde auch nicht zu dem Film passen.

Ein Film, der offen Konflikte und elementare Themen anspricht (Umgang mit Senioren, vernachlässigte Kinder, Umweltschutz, Jagd ausgestorbener Tierarten, Respekt, Freundschaft, Familie, Lebensträume, usw), der aber trotzdem niemals mit dem moralisierenden Zeigefinger langweilt. Ob Spaß, Moral, Unterhaltung, gute Bilder, nette Musik, tiefgründiger Inhalt, es ist wirklich für jeden Zuschauer etwas geboten. Kleine Kinder allerdings sollten ihn trotzdem besser in Begleitung Erwachsener sehen, weil einige Szenen aus Carls Leben bestimmt Fragen hervorrufen werden ...

Ich überlege und überlege, aber ich kann nichts finden, was an diesem Film negativ anzumerken wäre ... im Gegenteil, je länger ich nachdenke, umso mehr positive Aspekte fallen mir auf! Deswegen höre ich an dieser Stelle auf, die Rezension hat bereits Überlänge ;-)

Auch, wenn der Film "dank" seiner bisherigen Vermarktung eher langweilig auf viele Kinogänger wirkt: man muss ihn unbedingt ansehen, dieses Werk ist wirklich etwas Besonderes ... --

SaschaSalamander 25.09.2009, 10.01| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Film | Tags: Tip, Kinder, Drama, Komödie,

Erster und letzter Satz Leopardenblut

Erster Satz:
Sascha Duncan konnte keine einzige Zeile des Berichts entziffern, der über den Bildschirm ihres Pocket Organizers flimmerte

Letzter Satz:
In diesm Augenblick war das kleine, kaum sichtbare Netz viel stärker als das Medialnet jemals sein würde.

aus: Nalini Singh: Leopardenblut; Egmont Lyx, 2008

SaschaSalamander 23.09.2009, 19.04| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Für immer Disco

hermanns_disco_150_1.jpgNun also habe ich "Für immer D.I.S.C.O." von Thomas Hermanns gehört. Klar hätte ich das Buch lesen können, dann hätte ich sogar einige Bilder aus seinem privaten Fotoalbum gehabt. Das wäre schon sehr spannend gewesen. Außerdem soll das Buch ein sehr schönes Cover haben, passend im Glitterlook der Discozeit. Aber ich wollte lieber das Hörbuch, denn der Autor spricht den Text selbst, und ich mag seine Art, seine Stimme, seinen Stil einfach sehr gerne. Und dann gibt es natürlich noch die Hörbeispiele, die dabei sind. Das macht es greifbarer, und so erfuhr ich nun den Titel mancher Songs, die ich bisher nur von der Melodie kannte. Der Inhalt des Buches kommt manchmal einfach besser, wenn man nebenbei die Hüfte schwingt und richtig mitgeht ;-)

Thomas Hermanns, bekannter Stand-Up Comedian. An ihm scheiden sich wie an vielen anderen Komikern auch die Geister. Entweder, man mag ihn, oder man mag ihn nicht. Viele mögen ihn nicht, weil er zu tuntig wirkt und zu aufgesetzt strahlend. Ich mag ihn, weil er zu den "leisen" Komikern gehört, nicht rumbrüllt wie viele andere. Sein Humor ist etwas subtiler, er nimmt sich auch gerne mal selbst auf die Schippe. Während andere oft böse gegen andere reden, holt er seine Witze nicht aus der Schadenfreude über andere.

Es dürfte inzwischen jedem bekannt sein, dass er bekennender Schwuler ist. Und dies ist auch Teil des Hörbuches: seine Entwicklung, sein Coming Out, seine ersten Erfahrungen. Und dass er Discofan ist, dürfte ebenfalls kein Novum sein. Er mag den Glitter, den Glamour, die bunte fröhliche Welt der Discomusik. Und beides zusammen mixt er zu einer witzigen, spannenden, leichtgängigen Erzählung.

Es ist ein Ausflug in die Welt der Musik. Amanda Lear, Hot Chocolat, Boney M, Abba, sie alle haben sein Leben, sein Emfinden, seine Entwicklung beeinflusst, und es gelingt ihm hervorragend, Information über Musik perfekt mit persönlichen Eindrücken zu vermischen. Hier ein paar Hintergründe, dort ein paar kleine Anekdoten. Eine Gruppe Jugendlicher, die gemeinsam Charts erstellt, sich die Lieblingsmusik vorspielt und heißblütig über die neuesten Songs diskutiert (immer schön im Nermbärcher Dialeggd).

Und es ist ein Coming-of-Age eines junges Mannes, der sich langsam seiner homosexuellen Neigungen bewusst wird. Ein Liebesbrief an seinen besten Freund, die erste Enttäuschung, der Kontakt zu Gleichgesinnten, das Kennenlernen der Nürnberger Schwulenszene, am eigenen Leib erlebte Gewalt gegen Schwule, sein Umzug nach München. Ohne falsche Dramatik, ohne es tuntig zu verpacken. Klischees werden gerne mal aufs Korn genommen, aber ohne dabei überzogen zu wirken und immer mit einer guten Portion Selbstironie. Doch, man kann sich schon gut in ihn hineinversetzen und nachempfinden, wie erfreulich, peinlich, spannend die Situationen für ihn waren. Am schönsten ja sein erster Abend in der Münchner Disco "New York" und der Faux Pas in der Vorhalle ;-)

Speziell für Freunde der Stadt Nürnberg dann noch der Lokalcolorit. Der Dialekt zwischendurch lässt mich jedes Mal grinsen. Und neugierig verfolge ich seine Spaziergänge in die Altstadt, in die einzelnen Stadtteile. Manches, von dem er erzählt, kenne ich und hat sich bis heute gehalten, anderes war wohl damals gerade in, und manches sagt mir nichts, lässt mich auch zwischendurch mal ein wenig bei Google nachforschen, ob es das heute noch gibt.

Manches finde ich inhaltlich nicht ganz so toll, weil es die Schwulen- und SM-Szene etwas verzerrt aussehen lässt und ich mich ja doch recht gerne in diesen Bereichen engagiere, aber andererseits wird sehr deutlich klar, dass es seine Meinung ist, dass es seine Erfahrungen sind, dass es keine allumfassenden Aussagen sind, sondern eben das, was er damals erlebt hat. Ich bin versöhnt ;-)

Alles in Allem bin ich wirklich sehr begeistert. Doch, dieses Hörbuch hat mir sehr gefallen. Und wer nicht prinzipell etwas gegen Thomas Hermanns hat, sollte sich das auf jeden Fall anhören!

SaschaSalamander 23.09.2009, 10.08| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Biographie, Deutsch, Humor,

Immer mehr von meinem früheren Lieblingsgenre

Früher als Fan von Vampirbüchern tat ich mir schwer, und als großer Anhänger von Werwölfen und Gestaltwandlern war es NOCH schwerer. Inzwischen allerdings wird man mit Neuerscheinungen ja quasi totgeprügelt in den Buchhandlungen. Manchmal ist das fast wie ein Overflow. Ich kaufe gar nicht mehr, sondern hole bei Tauschticket, was mir gerade in die Finger fällt. Wenn es gefällt, dann überlege ich einen Kauf ...

eines dieser Bücher ist "Leopardenblut" von Nalini Singh. Eine neue Autorin für mich. Ein Buch um eine Mediale (Menschen in der Zukunft, die den Staat ohne Emotionen rein objektiv lenken sollen) und einen Gestaltwandler Leopard. Sie entflammt in Emotion (böse, böse, das darf sie sich nicht anmerken lassen), und ihm wird ganz heiß. Ich schätze, es geht wohl mehr in Richtung Erotik als in Richtung Gestaltwandler. Aber das macht nichts, das lese ich ja auch gern. Mal sehen, ob es mir gefallen wird. Die ersten 30 Seite haben sich sehr schnell überfliegen lassen ... ich hoffe, es wird mehr wert sein als nur überflogen zu werden ;-)

SaschaSalamander 22.09.2009, 18.49| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Vampire, Erotik, Sci-Fi,

Discobeat

Ich höre gerade "Disco" von Thomas Hermanns, und ich bin wirklich sehr begeistert. Zum einen, weil ich Thomas Hermanns mag (ichweißichweiß, gerade an ihm scheiden sich wirklich die Geister, aber ich gehöre zu den großen Fans). Dann, weil ich den Ausflug in die bunte Discowelt der 70er klasse finde. Es war zwar kurz vor meiner Zeit, aber ich finde es einfach faszinierend. Und dann, weil er aus Nürnberg kommt. Ich finde es spannend, wenn er davon erzählt, finde hier und da einiges wieder, und es macht einfach Spaß. Seine bisherige Geschichte, sein Coming-Out, das Schwulsein, auch das hat er spannend dargestellt, ich kann mich da sehr gut in ihn hineinversetzen und mitfühlen ... eine ausführlichere Rezi folgt noch ;-)

SaschaSalamander 22.09.2009, 10.58| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Deutsch, Biographie, Humor,

Aus alt mach neu

Wenn ein Autor über Nacht mit einem neuen Werk erfolgreich wird, dann zeigen alle Verlage das gleiche Verhalten: um die Zeit bis zum nächsten Werk zu überbrücken, wird alles Alte noch einmal flink herausgekramt und neu aufgelegt. Und dann gibt es noch Anthologien, die sich umso besser verkaufen, je besser sie vermarktet werden. Denn schließlich wollen die Leser unterhalten, die Kassen gefüllt werden. So geschah es auch mit Simon Beckett. "Die Chemie des Todes" begeisterte, und seine Fans wollten mehr. Kurz darauf folgte "Kalte Asche", dann "Leichenblässe". Man merkt dem Autor deutlich an, dass er jetzt wohl unter Erfolgsdruck steht. Manchmal täte ein wenig Zeit zwischen den einzelnen Werken gut, so schwer das Warten fällt. Ich fühle mich dann wie am Fließband.

Nun wollen die Leser jedenfalls mehr, und da gab es ja noch Obsession (1998 "owning Jacob", bisher noch nicht in Deutschland erschienen) und Flammenbrut (1998 als "Kind des Prometheus" hier veröffentlicht), die wurden in kurzem Abstand bereits neu aufgelegt, eigentlich sind es frühe Werke des Autors, wer sich nicht informiert freut sich über neues Lesefutter seines Lieblingsautoren. Demnächst wird "tödliche Gaben" erscheinen, eine Anthologie von Simon Becket, Friedrich Ani, Linwood Barclay und Sebastian Fitzek. Ein Name klangvoller als der andere, das Buch in der Optik ähnlich wie eine Fortsetzung der David-Hunter-Romane von Beckett. Ihr Kinderlein, kaufet, oh kaufet doch all ... und im Frühjahr wird dann bereits "Voyeur" (1994  "Galerie der Verführung") erscheinen. Mal sehen, wann "Animals" (1995, noch nicht für Deutschland geplant) erscheinen wird ...

Was haltet Ihr von dieser Taktik? ;-)

SaschaSalamander 21.09.2009, 21.34| (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: MachMit

Splitter

fitzek_splitter_150_1.jpgNachdem ich Splitter gehört hatte, war ich sehr ernüchtert und enttäuscht. Aber bevor ich loslege, vor mich hinzujammern, erst mal alles der Reihe nach. Erst mal der Inhalt, bevor ich ihn zerreiße ;-)

Das Leben nimmt für den Sozialarbeiter Marc eine schreckliche Wende, als er einen Unfall verschuldet, bei dem seine schwangere Frau verstirbt. Er überlebt, hat lediglich einen Splitter im Kopf und ist geplagt von Selbstvorwürfen. Da kommt ihm eine Zeitungsannonce, in welcher das gezielte Vergessen angepriesen wird, gerade recht. Er bietet sich als Testobjekt an und begibt sich in die Klinik. Dort wird er befragt, durchläuft verschiedene Tests. Allerdings kommt es ihm immer seltsamer vor, und er willigt nicht in die Durchführung des Experimentes ein. Doch als er nach Hause kommt, ist nichts mehr, wie es einmal war. Sein Schlüssel passt nicht ins Schloss, seine tote Frau steht vor ihm, sein Job wird von einem fremden Mann ausgeführt, an seine Handynummer geht eine fremde Person mit seinem Namen, und wo gestern noch die Klinik stand, ist heute ein riesiges Baugelände.

So geht es in einem Fort, und immer mehr fragt sich Marc ebenso wie auch der Leser, was hier eigentlich vorgeht. Das Buch erscheint mir ein riesengroßer Mix aus vielen bekannten Filmen und Romanen, die gut liefen. Doch was in Filmen oder Büchern wie "The Game", "das zweite Gedächtnis", "Vanilla Sky", "der Nobelpreis", "die Vergessenen", "Weltengänger" und anderen gut lief, muss noch lange kein Erfolgsrezept sein. Fitzek reizt es zusehr aus, und der Plot wird immer verworrener, ohne dem Leser jedoch auch nur die geringste Chance zu bieten, zu erahnen, was nun tatsächlich passiert sein könnte. Eigentlich sehr spannend, denn ich bin geduldig, solange es nur mitreißend geschrieben ist, und lasse mich sehr gerne überraschen am Ende.

Doch dann die herbe Enttäuschung. Das Ende ist so unglaubwürdig, dass ich die CD am liebsten in die Ecke geworfen hätte aus lauter Wut! Ich habe mich um meine Zeit betrogen gefühlt! Ungern möchte ich spoilern, deswegen ist es schwer, zu sagen, was mich daran störte. Sagen wir es mal so: es ist kein Fantasy oder Scifi, sondern an sich real. Aber so unglaublich unrealistisch und unglaubwürdig, dass nie irgend ein Leser solch eine Möglichkeit in Betracht gezogen hätte. Als hätte ein Tierfreund alleine mit einer kleinen Sandkastenschaufel ein Loch von den Ausmaßen des Hoover-Dammes ausgegraben, um den Kopf eines Kanarienvogels zu beerdigen, dessen Körper man zuvor der Katze verfüttert hatte, die ohne diesen Kanarienvogel eines grausemen Hungertodes gestorben wäre. Sorry, aber das ist mir einfach zu blöd, zu konstruiert, zu unangemessen, zu unzusammenhängend und dämlich, anders kann ich es nicht nennen!

Es tut mir sehr leid, ein solch vernichtendes Urteil über dieses Buch abzugeben. Und ich weiß, dass es sehr viele Leser gibt, die auch diesen neuen Fitzek mögen, einfach weil es eben Fitzek ist oder weil es ihnen vielleicht sogar tatsächlich gefallen hat. Aber ich selbst war einfach nur enttäuscht, und wenn ich mich im Internet umsehe, dann ging es sehr, sehr vielen Lesern genauso.

Was man empfehlen kann, ist wirklich "die Therapie". Dieses Buch ist grandios, spannend, hat eine sehr gute Wende, es hat mich zutiefst beeindruckt. Es ist ein Mindfuck allererste Güte, bei dem man geneigt ist, ihn sogar zweimal zu hören, um mit dem Wissen nach Abschluss des Buches die Szenen nochmals neu zu beleuchten. Über "Amokspiel", "Seelenbrecher" und "das Kind" gibt es geteilte Meinungen. Ich finde, an den ersten Erfolg konnte er nicht anknüpfen, aber sie waren ganz nett zur Unterhaltung und haben mir spannende Stunden beschert. Doch nach "Splitter" finde ich, täte eine kleine kreative Pause ihm wohl besser als das mechanische Abarbeiten des nächsten Bestellers (der nur durch den Namen des Autors zum Erfolg wurde, ohne jedoch von dessen Qualität zu zeugen. Das funktioniert einmal, zweimal, dreimal, aber irgendwann nehmen einem die Fans das wirklich übel) ...

Wer Fitzek noch nicht kennt, sollte unbedingt "die Therapie" lesen! Wer ihn kennt, der soll bitte selbst entscheiden, wie er zum neuesten Werk steht ... vielleicht gefällt es ja trotzdem ;-)

SaschaSalamander 21.09.2009, 16.48| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Thriller, Deutsch, Mindf*ck,

Ich bin ja so gespannt

Derzeit höre ich "Splitter" von Sebastian Fitzek. Die anderen Bücher haben mir von "einfach grandios" ("die Therapie") über "naja, schon okay" ("das Kind", "das Amokspiel") bis hin zu "na, wem´s gefällt, aber mir nicht" ("der Seelenbrecher") gefallen. Auf jeden Fall hat der Autor ein Talent, den Leser mit angehaltenem Atem von Seite zu Seite hetzen zu lassen. Und auch jetzt bin ich wieder gefesselt. Es gibt ja einige negative Stimmen, die das Ende ärgerlich finden, aber ich kenne Fitzeks Art ja, und auch andere überraschenden Wendungen, die viele Leser verstörten (z.B. der Nobelpreis von Eschbar), gefielen mir sehr. Ich bin wirklich gespannt!

Marc baut einen Unfall, der für seine schwangere Frau tödlich endet, er überlebt und hat seitdem einen Splitter im Kopf, nimmt Medikamente und leidet unter schweren Selbstvorwürfen, sein Leben gerät aus den Fugen. Ein Institut bietet ihm an, als Testperson für die Wissenschaft zu fungieren, man könne sein Gedächtnis komplett löschen und neu bespielen. Er sagt nein. Doch als er nach dem Gespräch in der Klinik zurückkommt, stimmt gar nichts mehr. Seine angeblich tote Frau öffnet ihm die Tür, doch sie kennt ihn nicht. Ein fremder Mann meldet sich, als Marc seine eigene Handynummer anruft, und er gibt sich als Marc aus. Er besucht die Klinik, wo er vorhin noch war, doch wo diese stand, ist nur ein baufälliges Gelände.

Momentan mutet mir das Buch jedenfalls an wie eine Mischung aus "The Game", "Open your Eyes" (Remake "Vanilla Sky"), "die Vergessenen" und Lukianenkos "der Weltengänger". Mal sehen, was sich Fitzek da nur hat einfallen lassen! Solange er mir nicht mit Außerirdischen kommt (das hatten wir ja auch schon mal, aber dann wird es echt hanebüchern), werde ich ihm fast alles verzeihen, glaube ich. Ich könnte mir vorstellen, dass er im Koma liegt und nun beginnt, Realität und Wunsch / Wahn zu mischen, während sein Körper verzweifelt um sein Leben kämpft. Vielleicht hat er seine Frau auch umgebracht und kann nun nicht damit umgehen und beginnt, sich seine eigene Realität ... nein, stop, zweimal den gleichen Trick wird er nicht ... . Es ist auch nicht in der Ich-Perspektive erzählt und führt den Leser durch bewusst falsche Tatsachen des Protagonisten in die Irre. Oder vielleicht ist alles ein abgekartertes Spiel, am Ende stehen alle da, halten die Tassen hoch und rufen "happy Birthday", als er sich gerade das Leben nehmen will. Oder er hat bereits seine Einwilligung  zu einem früheren Zeitpunkt gegeben, aber dann ging es schief, und nun geraten die Erinnerngen durcheinander. Nenene, all die anderen Film- und Buchenden passen hier irgendwie nicht. Ich bin wirklich ab-so-lut gespannt! Es gibt für mich kaum ein Genre, das ich mehr liebe als die "Mindfucks", aber sie müssen gut sein ... ich hoffe in diesem Fall sehr!

SaschaSalamander 24.08.2009, 21.04| (3/3) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Aktuelles

Zurück und geschockt

Ein halbes Jahr lang war ich nicht bei Tauschticket. Und kaum bin ich wieder da, schon sehe ich zig Änderungen. Viele davon gefallen mir gar nicht. Computerspiele und Brettspiele fand ich hart an der Grenze, ich hätte es gerne knallhart nur für Bücher und ähnliche Medien gelassen. Aber jetzt darf man dort so ziemlich alles tauschen. Ein popliges Wollknäuel für 2 Tickets. Ein hässliches Stück Modeschmuck. 20 Klarsichtfolien. Hey, es wird lächerlich!

Und dann heute Mittag der Schock, sie hatten mir etwas aus meinem Regal gelöscht! Man darf nun dies nicht mehr einstellen an Büchern, jenes nicht mehr. Was mich am härtesten trifft, sind die zusammengestellten Medienpackete. Ich habe häufig eine kurze Mangaserie, die in ein oder zwei Bänden abgeschlossen ist. Und die Leute fordern es gerne auch komplett an. Klar gibt es Leute, die nur Band zwei wollen, trotzdem finde ich es schön, beide zusammen anzubieten, weil es einfach fair ist, wie ich finde. Ist jetzt verboten, zukünftig muss ich jeden Manga extra reinstellen. Und dann fordert einer den Band 2, der nächste den Band 3, und irgendeiner ärgert sich, weil er es gerne komplett gehabt hätte :(

und dann habe ich gesehen, dass die Ticketinflation immer mehr steigt. Die Leute scheinen teilweise verdammt unverschämt zu werden, solche wie mich, die wirklich einfach nur Bücher tauschen wollen zum Lesen und dann wieder weitergeben, die scheint es kaum noch zu geben, Hauptsache möglichst viele Tickets kassiert. Eine sieben Jahre alte DVD, im Handel für 5 Euro erhältlich, wird teilweise für 3 oder mehr Tickets verhökert, ist das nicht eine Unverschämtheit? Leider kann man es niemandem vorschreiben. Aber es frustriert mich, denn ich möchte meine Preise fair halten. Dies führt allerdings dazu, dass ich zwei oder gar drei Bücher hergeben muss (neuwertig und aktuelles Erscheinungsdatum), wenn ich ein einziges Büchlein haben möchte. Und das ist einfach nicht in Ordnung!

Naja, mal sehen, wie es mir mit dem neuen Tauschticket geht. Ich werde weitermachen wie bisher, meine Preise fair halten. Wenn ich ein Buch unbedingt haben will, dann werde ich es mir eben lieber kaufen anstatt überzogene Ticketpreise zu bezahlen. Es gibt auch faire Angebote, und ich bin sicher, dass ich meine Tickets auch jetz noch gut einsetzen werde im Tausch, ...

SaschaSalamander 22.07.2009, 19.55| (5/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Pulp

Statistik KW 24

Gelesen
Blutportale (M. Heitz)
Außer Atem (L. Reese)
Engel der Schatten (A. Martini)
Chronologie der letzten Tage 1-4
Nürnbergs Sagen und Legenden (M. Kirchner)


Filme
Twilight
School of Rock

SaschaSalamander 14.06.2009, 16.54| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Offenbarung 23 alt vs neu

Eine meiner TOP Hörspiel-Serien. Offenbarung 23. Kann ich nicht genug von kriegen. Klar ist es alles reine Fiktion, aber alles in allem absolut spannend. Großartige Sprecher, hervorragende Story, nettes Drumrum. Verschwörungstheorie in ganz großem Stil, ausgelegt auf den bekannten und (angeblich) verstorbenen Hacker Tron. Hindenburg, Titanic, deutscher Mauerfall, krebserregende Stoffe in Sonnencreme, die Illuminaten, Jack the Ripper, alte und neue Geschichten, so spannend inszeniert wie kaum etwas anderes.

Und was passiert, Ian Gaspard (der Autor, ob nun Einhandliteraturautor unter Pseudonym oder Realname, es ist mir egal, er hat eine geniale Schreibe zumindest in dieser Serie, und ich finde Offenbarung 23 großartig) und Lübbe (der Verlag) kriegen sich überkreuz. Und das Ergebnis: wir Hörer dürfen drunter leiden. Auf 52 Folgen war Offenbarung 23 ausgelegt, und nach 29 Folgen war Schluss. Jetzt macht der Verlag ohne Herrn Gaspard weiter. Seine Story wird von fremden Leuten weitergesponnen.

Ich habe jetzt mal reingehört, nur ein paar Tracks, und ich werde es irgendwann anders hören. Nebenbei, wenn ich was habe, das mich ablenkt. Denn ich glaube, so ganz ohne alles kann ich mir das nicht antun. Es tut mir einfach nur leid., was ich bisher gehört habe. Die Namen wurden grauenvoll verschandelt, die Handlung ist wirklich albern, die Dialoge sind grausig, und auch sonst hat es überhaupt nichts mehr mit der alten Serie zu tun. Mag ja sein, dass es nett ist und als eigene Serie gefällt (mir nicht, aber jedem wie er mag), aber als Fortsetzung von Offenbarung 23 ist es eine gnadenlose Zumutung. Der Verlag hat sich damit nicht wirklich etwas Gutes getan!

Gerne gebe ich zu, dass die alte Serie auch Schwächen hatte. Vor allem die letzten Folgen waren manchmal ... naja ... ach, egal, es ist Fiktion, es machte Spaß, es gehörte zusammen, es hatte Hand und Fuß. Auch, wenn es manchmal etwas skurril wurde gegen Ende. Aber trotzdem kein Vergleich, ...

Eine Rezi, die genauer beschreibt, was in den alten und neuen Folgen geschieht, und in der vielleicht nähere Hintergründe zu Gaspard und Lübbe beleuchtet werden - die spare ich mir. Ich warte ab und bin gespannt. Im Moment jedenfalls bin ich einfach nur enttäuscht ... ich finde, sie hätten diese Teile als neue Serie auf den Markt bringen sollen. Aber unter diesen Bedingungen eine Pseudo-Fortsetzung zu verkaufen, nur, um aus dem guten Namen der Serie ordentlich Kohle zu scheffeln - das ist eine Frechheit. Und ich bin sicher, Lübbe wird es an den Einnahmen sehr, sehr deutlich spüren. Diese Serie wird ihnen kaum noch jemand kaufen ... Fans lassen sich nicht für dumm verkaufen!

SaschaSalamander 08.06.2009, 10.47| (4/3) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rund um Bücher

Statistik KW 23

Gelesen
Die Rekrutin (C. Thompson)
Die Teppichvölker (T. Pratchett)
Die mit dem Werwolf tanzt (M. J. Davidson)


Gekauft
/

Geschenk
/

Buchticket
/

Filme
Slither
Cypher
Nothing
Back to Gaya
Open your Eyes
From Dusk till Dawn
Stranger than Fiction
Die Girls von St. Trinian´s

SaschaSalamander 07.06.2009, 14.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Den Werwölfen fehlt der Biss

davidson_werwolf01_150_1.jpgNachdem ich so begeistert bin von den Romanen um die Vampirkönigin Betsy, ist diese neue Serie mit Werwölfen natürlich ein MUSS für mich. Vampire mag ich, Werwölfe sind aber das Nonplusultra, da steh ich drauf, die Bücher müssen her!

Durch dreieinhalb Kapitel habe ich mich bisher gequält. Es fehlt mir an Elan, Humor, Spannung. Es ist bisher sogut wie nichts passiert, der Schreibstil ist in keinster Weise vergleichbar mit der Vampirkönigin. Klar, ich vergleiche Bücher nicht gerne, und nicht jedes Werk eines Autors kann so gut sein wie das andere. Aber wenn ich nicht Geld für den Roman bezahlt hätte, hätte ich ihn vermutlich schon wieder beiseite gelegt.

Ich hoffe, er wird noch besser ...

SaschaSalamander 06.06.2009, 11.59| (3/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Vampire

Unten Rum

haarmann_untenrum_150.jpg"Ein Aufklärungsbuch von Frauen für Frauen". Braucht es nicht, denn die Frau von heute ist stark, selbstbewusst, emanzipiert. Sie ist gesellschaftlich angesehen, sie ist sexuell aufgeschlossen und weiß was sie will. Ein Aufklärungsbuch ist da doch völlig fehl am Platz!

Sollte man meinen. Aber dass dem nicht so ist, zeigt Claudia Haarmann mit ihrem Buch "Unten rum - die Scham ist nicht vorbei". Es beginnt bereits damit, dass es doch kaum einen Begriff für das weibliche Geschlechtsteil gibt. Das eine klingt zu fachlich, unerotisch. Das nächste kennt man aus amerikanischen Filmen voller Flüche und unanständiger Szenen. Aber gibt es eines, welches die Schönheit und die Weiblichkeit der Frau unterstreicht? Eines, welches man im Gespräch ganz normal aussprechen kann ohne rot zu werden? Oder, kann man überhaupt über "das da unten" reden, ohne dabei rot zu werden? Oder ist es tabu? Weiß eine Frau, wie sie "dort" aussieht, hat sich schon einmal im Spiegel betrachtet? Und falls ja - kennt sie es nur vom Waschen, Rasieren und Tamponwechseln, oder wirklich als erogene Zone, als weibliches Zentrum? Kennt ihre lustvollsten und empfindlichsten Stellen, weiß, wie sie am zärtlichsten erregt werden kann, was ihr beim Sex gefällt? Und wenn sie es weiß - getraut sie sich auch, dies dem Mann zu sagen?

Das Fernsehen lebt es vor: Mann und Frau haben Sex, und beide kommen gleichzeitig. Die Frau kommt natürlich alleine durch seine Penetration auch ohne weiteres Zutun ihrerseits. Sie braucht dafür nicht besonders lange, und sie sieht wunderschön aus, während sie stöhnt und das volle Haar zurückwirft.

Und dann ist da die Realität. Die Frau, die vielleicht nur durch eine ganz bestimmte Technik Lust empfinden kann. Die Frau, die mindestens eine dreiviertel Stunde oder länger braucht. Die Frau, für die Sex einfach nur bedeutet, "ihn ranzulassen", die selbst aber nichts dabei empfindet. Und weil der Mann ja alles tut, was der Mann eben so tut, um eine Frau zu befriedigen, muss es also an ihr liegen wenn sie keinen Spaß dabei hat. Sie schämt sich, sie fühlt sich schlecht. Wie kann sie ihm sagen, dass sie es gerne anders hätte, wenn er sich doch solche Mühe gibt? Also spielt sie es ihm vor. Und der Kreislauf ist geschlossen, denn im Grunde ist es heute kaum anders als damals, zu Großmutters Zeiten und davor ...

Dieses Buch bietet keine Anleitungen, keine Bilder. Es befasst sich weder mit dem G-Punkt noch anderen anatomischen Besonderheiten. Es sagt nicht, was falsch oder richtig ist, es bietet keine Spielpläne und Beschreibungen, wie man beim Sex vorgehen sollte und was eine Frau erregt. Sondern es zeigt in kurzen Texten und einzelnen Interviews, wie Frauen ihre Sexualität empfinden, wie sie ihre Einstellung ändern könnten, was sie bedauern, was sie erfreut. Denn es gibt kein falsch oder richtig. Jede Frau ist anders. Und dies will Claudia Haarmann ihren Lesern vermitteln.

Die Autorin zeigt, wie unterschiedlich Sexualität erlebt werden kann und wie verschieden Frauen ihre Lust empfinden. Sie möchte helfen, das weibliche Geschlecht nicht mehr als Mittel zum Zweck zu betrachten, sondern sich bewusst damit auseinanderzusetzen und auf diese Weise zu einem neuen Selbstbewusstsein als Frau zu gelangen.

Ob und wiesehr sich jede Leserin darin wiederfindet, möchte ich dahinstellen. Natürlich würde ich niemandem hier sagen "lies das, ich bin sicher, Du brauchst das", wie könnte ich mir das anmaßen. Aber ich bin mir dennoch sicher, dass so ziemlich jede Frau unzählige Aha-Erlebnisse haben wird, wenn sie sich einmal damit befasst. "Unten rum" ist kein Buch, mit dem man besseren Sex hat oder wodurch man neue grandiose Techniken lernt. Aber es ist ein Buch, welches Weiblichkeit, Sexualität und das individuelle Frausein hinterfragt. Und als solches möchte ich es allen Leserinnen (und auch aufgschlossenen Lesern) ans Herz legen: als Denkanstoß ...

SaschaSalamander 03.06.2009, 09.57| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: | Tags: Frauen, Tip, Erotik, Fachbuch,

Weltengänger

lukanjenko_weltengaenger_150_1.jpgDie Meinungen über Lukanjenko gehen stark auseinander. Bekannt wurde er bei uns ja vor allem durch die "Wächter"-Reihe (Wächter des Tags, - der Nacht, - der Ewigkeit, - des Zwielichts), aber nach deren Erfolg werden nun auch zig weitere Romane von ihm in Deutschland veröffentlicht, so etwa "Spektrum", "das Schlangenschwert", "Sternenschatten", "Ritter der vierzig Inseln", "Herr der Finsternis" und unzählige andere, manche davon bekannt, andere nichtssagend und nur Insidern ein Begriff. Fans verehren ihn für seinen Schreibstil, seine treffende Beschreibung des modernen russischen Lebensstils und der fantastischen Ideen. Gegner sagen, er schreibe alles nur ab, und seine Werke seien billiger Abklatsch von den wirklichen Größen der Phantasik. Mir ist es egal. Natürlich war alles schon mal da. Und Lukanjenko weiß wenigstens, wie man es verkauft  und in Szene setzt. Was ich von ihm gelesen habe, ziert mein Regal, denn diese Bücher MUSS ich haben ...

Kirill lebt in Moskau, hat eine kleine Eigentumswohnung und geht jeden Tag zu seiner Arbeit, wie ein braver Bürger Moskaus dies eben tut. Und eines Tages kommt er nach Hause, und in seiner Wohnung - wohnt eine ihm fremde Frau! Sein Hund erkennt ihn nicht mehr, und die Nachbarn sind sich anfangs nicht so sicher, ob sie ihm beistehen sollen, oder ob die Fremde schon länger hier wohnt. Ein Anruf auf seiner Arbeit, und dort dasselbe: man kennt ihn nicht. Aber es wurde soeben eine Stelle frei (nämlich die seine), ob er nicht gerne, ...

nein, er möchte nicht. Denn sein Ziel ist es, herauszufinden, warum ihn alle vergessen. Sogar seine besten Freunde, seine Eltern, jeder hat ihn vergessen. Wo er war, ist nun eine fremde Identität, eine Leere, nichts. Und dann bekommt er auf einmal eine Nachricht: "geh zum Wasserturm an der Metro Alexejewskaja". Dort findet er zwar keine Antworten, aber neue Rätsel. Dort kennt man ihn, und dort wird ihm seine neue Aufgabe zuteil. Als Weltengänger muss er nun die Tore bewachen, doch er gibt nicht auf und will herausfinden, welche Macht dahintersteckt, wer ihn seiner alten Identität beraubt hat und welchem höheren Zweck er nun dienen soll ...

Argh, ist das genial! Ja, ich liebe Lukanjenko. Ich mag seinen Zynismus, seine Ironie, und es mag sein, dass er hier und da einfach nur abkupfert, aber er macht es auf eine so offensichtliche Weise, dass ich ihm nicht dafür böse sein kann. Denn er nimmt sein gesamtes Genre aufs Korn. Immer wieder fragt sich der Protagonist, was wohl als nächstes käme, wäre er eine Figur in einem Roman diesen oder jenen Autors. Er und sein Freund - der einzige, welcher ihn nicht vergessen hat - suchen sogar tatsächlich einen berühmten Autor phantastischer Literatur auf und fragen ihn, was er für einen Hintergrund vermutet und welche Aufgaben nun für Kirill folgen könnten. Alte Klassiker, moderne Bestseller, sogar Hinweise auf Harry Potter und die unendliche Geschichte. Ich finde es zwischendurch richtig spannend, wenn ich lese, welche Musik und Literatur in Russland bekannt und angesagt ist.

Und überhaupt, die Beschreibung Moskaus gefällt mir sosehr. Ich weiß nicht, ob sie der Realität entspricht, dies müssten mir andere Leute bestätigen, aber ich zu gerne würde ich einmal dort wandeln, wo Lukanjenkos Werke spielen. Möchte den Fernsehturm an der Ostanka sehen, den großen Platz, die Metro an der Alexejewskaja, möchte die Läden betreten, welche Kirill besuchte. Es scheint mir alles so greifbar, so nah. So bekannt, als wäre ich selbst dort gewesen. Und so fremd, wie Russland, ein fremdes und faszinierendes Land, es eben sein kann.

Sein Schreibstil ist ... nun ja ... kein Meisterwerk. Er ist kein Poet. Aber er vermag es, Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen und mich an die Seiten zu fesseln. Flüssig, nachvollziehbar, Alltagssprache. Seine Helden schreiben die Bücher in der Ich-Form, und so sind sie geschrieben. Denn seine Helden sind Anti-Helden und reden eben nicht hochgestochen und fein. Ein wenig erinnert es mich an den Stil der alten Film-Noir: "Die Straße war düster, der Regen war kalt, und plötzlich stand diese Lady in meiner Tür. Ihre Beine lang, das Haar wallend, ein Hut bedeckte das Gesicht .Lasziv blies sie mir ihren Rauch entgegen ... "ich brauche Hilfe" sagte sie ... und wenn eine Lady Hilfe braucht, dann werde ich weich" ...

Ach, ich liebe seine Bücher! Und ich kann sie jedem nur ans Herz legen. Keine Bereicherung, keine gesunde Kost, nichts, womit man angeben könnte es gelesen zu haben. Aber seine Fantasie ist schräg, seine Gedanken sind ungewöhnlich. Und die Bücher sind nur geeignet für Leser, die bereit sind, sich auf ihn einzulassen und ihm in seine eigene Welt zu folgen. Dort ist es grau, einsam und leer. Aber verdammt spannend ...

SaschaSalamander 01.06.2009, 13.47| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: | Tags: Tip, Fantasy,

Statistik KW 22

Gelesen
Det. Conan 61 (G. Aoyama)
Weltengänger (S. Lukanjenko)
Peter Lundt 09-10 (A. Sommer)
Die Teppichvölker (T. Pratchett)


Gekauft
Weltenträumer (S. Lukanjenko)
Detektiv Conan 61 (G. Aoyama)
Die mit dem Werwolf tanzt (M. J. Davidson)


Geschenk
/

Buchticket
/

Filme
Mindhunters

SaschaSalamander 31.05.2009, 08.32| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Widmung

Die wenigsten Bücher, die ich lese, kaufe ich. Die meisten hole ich aus der Bib, danach folgt das Ausleihen von Freunden, und dann wäre da noch Tauschticket. Und manchmal entdecke ich kleine Dinge, die auf den Gebrauch des Buches hindeuten, ob nun eine Widmung, Dachbodenduft, Rauchgestank, eine unterstrichene Stelle, ein Eselsohr, und so weiter. Heute las ich in dem Buch "Teppichvölker" von Terry Pratchett flgende Widmung:

"Ich war ja schon immer der Ansicht, dass diese Bücher Dir schaden. Und ich frage mich, was eines Tages nur aus Dir werden soll. Aber angesichts Deines 51. Geburtstages will ich mal ein Auge zudrücken, Deine Mutter"

SaschaSalamander 29.05.2009, 06.51| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: | Tags: Zitate

Peter Lund der blinde Detektiv

sommer_lundt_150_1.jpgPeter Lundt ist einfach genial! Ich bin happy, dass ich vor einiger Zeit die neunte und zehnte Folge ergattern konnte, ich dachte ja schon, dass die Serie nach so langer Zeit nicht fortgeführt werden würde. Aber meine blinde Freundin ist glücklicherweise immer up to date und hält mich auf dem Laufenden ;-)

Das Besondere an diesem Hörbuch - Krimi: der Detektiv ist blind. Seine Assistentin hilft ihm beim Ermitteln, erklärt ihm, was er sieht, ist seine linke Hand und seine zwei Augen. Und so hilflos, wie man meint, ist Peter Lundt auch gar nicht. Ich habe ja schon im Freundeskreis festgestellt, dass Blinde wirklich fit sind im Alltag, und dass sie mit einzelnen Tricks Dinge meistern, die man als Außenstehender kaum für möglich hält. Dazu gibt es auch viele Hilfsmittel für Internet, Uhren, Wahlzettel und vieles mehr.

Dieses Hörbuch bringt sie wie nebenbei ein, ohne belehrend zu wirken oder darin zu übertreiben, ich finde es jedes Mal wieder interessant, wenn hier und da kleine Tricks oder Hilfsmittel gezeigt werden. Und witzig auch die Anspielungen zwischendurch, in der aktuellen zehnten Folge etwa die Drillinge Jonas Just, Pedro Just und Roberto Just *hihi* ...

Die Fälle spielen in Hamburg, es gibt jede Menge Lokalcolorit für Freunde dieser Stadt. Hanseaten und ihre Eigenheiten, einzelne Lokale und Straßen, das Fußballstadion und sein Verein, viele kleine Besonderheiten mehr. Und nicht alles ist normgerecht und moralisch, das liebe ich an dieser Serie *g*.  Peters Freundin ist eine Nachfahrin aus hohem Hause, die jedoch lieber in einem Nachtclub als Tänzerin arbeitet, die Methoden sind nicht immer rechtens, und der Detektiv ist äußerst zynisch. Die Scherze sind manchmal sehr derb, aber niemals unter der Gürtellinie oder geschmacklos, einfach perfekt für Erwachsene, die einen Sinn für makaberen Humor mit Niveau lieben ;-)

Und ansonsten: die Musik ist angenehm im Hintergrund, stört nicht den Text und untermalt sehr gut die entsprechenden Szenen. Die Dialoge sind pfiffig, die Charaktere schrullig und sympathisch, die Fälle spannend.

Ach mensch, es ist so schade, dass die nächste Folge noch so ewig hin ist, von Peter Lundt kann ich einfach nicht genug kriegen ...

SaschaSalamander 27.05.2009, 09.47| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörspiel

Vom Glück und vom Pech

Es gibt Tage, da will dir rein gar nichts glücken. Dein Fuß findet den Weg vom Bett zum Pantoffel nicht, sondern landet auf dem Rücken deines geliebten Hundes, der dir vor Schreck nach dem Knöchel schnappt. Den Kaffee gießt du an der Tasse vorbei - und natürlich direkt auf das frisch gewaschene Hemd. Auf dem Weg zur Metro stellst du fest, dass du Papiere und Geld zu Hause vergessen hast, und als du kehrtmachst, wird dir klar, dass du die Sachen nicht vergessen, sondern verloren hast. Zusammen mit den Schlüsseln.

Aber auch das Gegenteil kommt vor. Du wachst munter und mit angenehmen Erinnerungen an einen Traum auf, der gestrige Schnupfen hat sich über Nacht spurlos verflüchtigt, es gelingt dir, weich gekochte Eier zu fabrizieren, deine Freundin, mit der du dich am Vortag überworfen hast, ruft von sich aus an und bittet dich um Verziehung, Oberleitungs- und Autobus kommen, kaum dass du die Haltestelle erreicht hast, dein Chef ruft dich zu sich und teilt dir mit, er habe beschlossen, dir eine Gehaltserhöhung zu gewähren und eine Prämie auszuzahlen.

Solche Tage jagen mir mehr Angst ein. Denn das wusste man bereits in der Antike: Man darf das Schicksal nicht durch übermäßigen Erfolg ergrimmen. Der Herrscher Polykrates hat sich schon etwas dabei gedacht, als er den Ring ins Meer war. Als die See dieses Opfer verschmähte, hätte der König sich freilich den Finger abschneiden müssen, womöglich wäre er ihm ja nicht nachgewachsen. Solltest du kein geborener Glückspilz sein, der mit dem leichten Schritt eines Flaneurs durchs Leben geht, dann hüte dich vor den glücklichen Tagen! Nicht umsonst gleicht das Leben der gestreiften Gefängnistracht. Hast du heute Pech, winkt dir morgen schon das Glück.

aus: S. Lukanjenko: Weltengänger; Heyne, 2007, erster Absatz

SaschaSalamander 25.05.2009, 18.50| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zitate

Brügge sehen ... und sterben

bruegge_150_1.jpg"Brügge sehen ... und sterben?" ist ein Titel, den ich mir wohl nie angesehen hätte, wenn er mir nicht empfohlen worden wäre. Titel, Cover, nichts davon zieht seine Aufmerksamkeit auf mich. Gut, dass ich ihn mir trotzdem angesehen habe.

Ken und Ray sind Auftragskiller. Nachdem Ray seinen letzten Job vermasselt hat, wurden die beiden nach Belgien beordert. Da sitzen sie nun in Brügge, einer aus Kens Sicht wundervollen mittelalterlichen Stadt voller Faszination und Flair, einem aus Rays Sicht sterbenslangweiligen Kaff. Doch bald trifft Ray auf die hübsche Chloe und verliebt sich in sie, und so langsam beginnt auch ihm dieser Trip im Land "der Kinderschänder und der Schokolade" (Zitat Film) zu gefallen. Und als es gerade so richtig schön wird, beginnen die Probleme. Und ab hier möchte ich auf eine weitere Beschreibung verzichten, ...

es ist schwer, das Interesse für diesen Film zu wecken, wenn man nicht zuviel darüber verraten möchte. Aber so oder so - man sieht die ersten zehn Minuten, und man mag diesen Film oder nicht. Langweilige Bilder, platte Sprüche, null Handlung - das meinen die einen. Traumhafte Kulisse, subtiler schwarzer Humor und einen klasse Storyaufbau - das sagen die anderen. Es ist ein eher stiller Film, den man nicht einfach nebenbei konsumieren sollte, ein Film der Gegensäze, auf den man sich einlassen muss. Die Charaktere sind sehr eigenwillig. Immerhin sind die Protagonisten sympathische Berufskiller, eine niedliche Drogendealerin, ein zwergwüchsiger übellauniger Schauspieler und ein cholerischer Boss.

Was mich persönlich besonders begeisterte waren die Doppelmoral und die witzige Auffassung von Ethik in diesem Film. Aber so ist die Realität eben, es gibt kein Gut und Böse, kein Schwarz auf Weiß. Und das kann dieser Film wirklich gut vermitteln.

Und diesmal ist die Rezension verdammt kurz. Ich sitze hier und überlege, was ich schreiben könnte, um Euch "Brügge sehen ... und sterben" ans Herz zu legen, aber es ist einer der Filme, die zu beschreiben wirklich schwer sind. Ich kann einfach nur empfehlen, ihn anzusehen und selbst zu entscheiden. Ihr werdet ihn langweilig finden und sofort wieder beenden ... oder ihr werdet von der ersten Minute an begeistert sein und mitlachen, mitweinen, mitfiebern ...

SaschaSalamander 25.05.2009, 10.07| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Film | Tags: Drama, Komödie, Tip, Schräg,

Statistik KW 21

Gelesen
Die ??? 129 - 130
Point Whitmark 26
John Sinclair 49 - -50
Lady Bedfort 19 - 23
Obsession (S. Beckett)
Unten rum (C. Haarmann)
In seiner Hand (N. French)
Weltengänger (S. Lukanjenko)


Gekauft
/

Geschenk
/

Buchticket
/

Vorgemerkt


Filme
Brügge sehn ... und sterben

SaschaSalamander 24.05.2009, 10.47| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Hörspielwahn

Und wieder habe ich meine Bib ausgeräubert und mir einen großen Schwung aktueller Sachen reserviert, ich kann es nicht erwarten, endlich geht Peter Lundt weiter, der blinde Detektiv, da habe ich schon lange darauf gewartet! John Sinclair, die Hexerin, Point Whitmark, die drei Fragezeichen, Lady Bedfort, Hellboy, Offenbarung 23, mmmmh, ich schwelge! Und, nein, ich will keine Punkte für Google sammeln, sondern ich freue mich einfach und sabbere gerade meine Tastatur voll während der Aufzählung ...

heute Abend fange ich mit dem, was ich schon hier habe, an ... da freue ich mich richtig aufs Saubermachen in der Bude!

PS: wobei ich mich mal wieder blendend selbst blockiere. Um die 20 CDs liegen bereits hier (bis 50 darf ich ja ausleihen *muahaha*), und ich weiß absolut nicht, wo ich anfangen soll ... triefe die Cover voll aber höre nix ... ich glaub, ich mach die Augen zu, zeige mit dem Finger auf eines, und das nehm ich dann ...

SaschaSalamander 22.05.2009, 20.29| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Pulp

Frage zur Verblendung

Ich habe die ersten Tracks aus "Verblendung" von Stieg Larsson gehört. Es sind ja alle megamäßig begeistert, aber bisher (fünf Tracks) reizt es mich nicht wirklich. Wird es wirklich noch so spannend? Oder bleibt es so? Ich denke so an Mankell, der mich ja auch nicht wirklich vom Hocker reißt, und ich frage mich, ob ich mir nun wirklich 8 CDs Verblendung antun möchte, oder ob ich das Buch besser zur Seite lege ...

SaschaSalamander 22.05.2009, 17.28| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Pulp

Obsession

Kaum begonnen, schon habe ich das Hörbuch bereits beendet. Ein freier Tag, jede Menge im Haushalt zu erledigen, und schon musste ich mir etwas Neues zum Hören suchen ;-)

Als seine Frau stirbt, entdeckt Ben eine verschlossene Schatulle. Darin befindet sich die Geburtsurkunde ihres Sohnes sowie alte Zeitungsausschnitte über das Verschwinden eines Kindes aus dem Krankenhaus. Das Datum des Verschwindens deckt sich mit Jakobs Geburtstag. Ben, der seine Frau erst nach diesem Tag kennenlernte, beginnt sich nun zu fragen, ob Jakob vielleicht das gestohlene Baby von damals sein könnte. Er engagiert einen Detektiv und findet sehr schnell heraus, dass Jakob in Wirklichkeit "Baby Stephen" ist. Er liebt das Kind über alles, doch ihm ist bewusst, dass er den wahren Eltern das Kind nicht vorenthalten kann. Im Hinblick darauf, was das Beste für das Kind ist, macht er sich nun Gedanken, wie es weitergehen soll. Doch leider hat der Detektiv, den er beauftragte, den Fall in seine eigenen Hände genommen, und nun läuft alles ganz anders, als Ben es eigentlich für das Kind wollte ...

Ich möchte nicht zuviel verraten, deswegen stoppe ich an dieser Stelle, obwohl es noch einiges mehr zu erzählen gäbe. Und eines möchte ich vorab gleich anmerken: wer die forensischen Thriller von Simon Beckett begeistert verschlungen hat, der darf auf keinen Fall eine Fortsetzung oder ein Buch von ähnlichem Stil erwarten. "Obsession" ist wirklich klasse, aber es hat in keinster Weise irgend etwas gemein mit den drei aktuellen Romanen. Das Buch entstand VOR dieser Reihe, es wird derzeit von der Verlagen neu herausgebracht, um mit dem Namen des Autors weiteres Geld einzuheimsen. Was ich allerdings nicht schlecht finde, denn mir gefiel dieser Roman sehr gut. Allerdings würde ich ihn in der Kategorie Drama einordnen, nicht unter Krimi oder Thriller wie zu erwarten.

Ben war mir nach kurzer Zeit bereits sehr sympathisch, er ist menschlich in seinem Verhalten, und ich fühlte mich ihm stellenweise sehr nah. Und nun ist er in einen Konflikt geraten, den auszubügeln er sich alle Mühe gibt. Ich leide mit ihm, als alles aus dem Ruder läuft, und mehrfach hätte ich am liebsten die Gegenspieler gepackt, geschüttelt und ihnen klargemacht, dass sie so nicht agieren können, so geht man nicht mit Kindern um, so behandelt man keinen Unschuldigen (Ben, der nichts von der Entführung damals wusste). Bis zum Schluss fragte ich mich, ob all das Chaos doch noch zu einem guten Ende führen kann? Und ich konnte nicht begreifen, wie die Behörden ihm immer wieder so viele Steine in den Weg legen. Aber dies ist wohl auch das, was das Buch ausmacht: es ist frustrierend. Und zugleich leider so unendlich realistisch. Ich bin sicher, wäre dieses Buch real, exakt so könnte es sich zutragen.

Gegen Ende zieht sich der Roman ein wenig, aber da es ein Hörbuch ist, störte mich das nicht weiter, auf einer dreiviertel CD ist das flink gehört. Für einen Leser könnte es wohl etwas langwieriger werden, da bin ich gespannt, wie andere dies empfunden haben. Und ansonsten liest es sich sehr flüssig. Was zum Bestseller fehlt, kann ich nicht mal direkt sagen, es fehlt mir ein wenig der "Pfiff", das "gewisse Etwas", es ist spannend, aber nichts, weswegen ich die Nacht durchmachen würde. Dazu ist wohl einfach das Thema der Handlung ungeeignet, denn der Schreibstil an sich hat mich gefesselt, ich mag Becketts Texte.

Es ist kein Meisterwerk, ich reihe es auch nicht unter meinen Tipps ein, aber es ist ein Buch, das auf jeden Fall spannend ist, und das ich gerne weiterempfehle. Wer es liest, soll sich bewusst sein, dass er keinen Krimi in der Hand hat, sondern ein packendes Drama, in welchem ein Mann um das Sorgerecht eines behinderten Jungen kämpft. Ohne Schmalz, ohne Kitsch, dafür aber packend geschrieben. Mal was anderes ...

SaschaSalamander 22.05.2009, 17.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Drama

Wunder

Erstens: Wunder gibt es nicht.
Zweitens: Ausnahmen schon, aber nur bei bösartigen Wundern.
Doch wenn die Zeit der bösartigen Wunder gekommen ist, dann hat es keinen Zweck, ein guter Mensch zu sein.

aus: S. Lukanjenko, Weltengänger, Heyne 2007, S. 86

Mmh, ich liebe diesen Stil. Grau, trostlos, Livre Noir  ... kann man das so sagen, Livre Noir, statt Film Noir? *grübel* ... ich sehe beim Lesen regelrecht die Schatten vor mir, die tief ins Gesicht gezogenen Hüte, die Dreitagebärte der angetrunkenen Antihelden, die tiefen Ausschnitte der Ladies, rieche den Wodka und das Erbrochene in der Gosse,  der Protagonist murmelt düstere Aphorismen ... der Autor "hat´s wirklich drauf"!

SaschaSalamander 21.05.2009, 16.17| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zitate

Alltagsgrau mit einem Schuss Phantastik

Schon die Wächter-Trilogie (bescheuert, dass man das so sagt, eigentlich sind es vier oder fünf Bände!) hat mich begeistert und gehört zu den Büchern, die ich nach dem Lesen in mein Regal stelle zu den ausgewählten Werken. Ich mag den tristen, realistischen, grauen Stil des Autors. Russland heute, mit einem Schuss Fantasy, Goth und Dramatik.

In diesem Roman geht es um den jungen Kirill, der nach Hause kommt. Seine Wohnung ist von einer fremden Frau bewohnt, es stehen fremde Möbel darin. Sein Hund erkennt ihn nicht, und so nach und nach beginnen auch seine Nachbarn, Freunde und sogar Familienangehörigen ihn zu vergessen. Was geschieht mit ihm? Wie ist das möglich?

Aaaaah, ich bin begeistert! Allein in der U-Bahn habe ich bereits 90 Seiten verschlungen, und auch heute Abend werde ich mir Zeit dafür nehmen. Erwähnte ich schon, dass ich den Stil des Autors mag? ;-)

Mein einziger Frust: Bücherei kommt bei diesem Roman für mich nicht in Frage. Und sobald ich ihn ausgelesen habe, will ich die Fortsetzung. Die in diesem Fall jedoch nicht gerade billig ist *seufz* ...

SaschaSalamander 21.05.2009, 09.07| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Fantasy, Tip,

In seiner Hand

french_hand_150.jpgUnd schon habe ich den Roman von Nicci French beendet. Wobei - eigentlich ist Nicci French keine Person, sondern ein Autorenduo, bestehend aus der Frau Nicci Gerrard und ihrem Gatten Sean French. Deren Werke sind recht bekannt, immer wieder stoße ich auf den "Glaspavillon" oder andere Titel, allerdings muss ich gestehen, dass ich bisher nichts von ihnen gelesen habe. "In seiner Hand" ist mein erster Titel, wird jedoch nicht mein letzter bleiben, ...

Abbie Deveraux erwacht, um sie herum Dunkelheit, Stille, eine Kapuze über dem Kopf, um den Hals eine Drahtschlinge. Ein fremder Mann besucht sich in unregelmäßigen Abständen, um ihr einen Eimer für ihre Verrichtung zu bringen und ihr minimale Mengen Flüssigkeit und Nahrung zu bringen, welche das reine Überleben sichern sollen. Bald wird er sie töten ... doch Abbie gelingt das Unmögliche: sie kann ihrem Peiniger entfliehen und bricht zusammen, kommt in einem Krankenhaus wieder zu sich. An die Tage vor ihrer Entführung kann sie sich nicht mehr erinnern.

Das Grauen ist für Abbie nicht vorbei, denn statt sich in die Ermittlungen zu stürzen, den Täter ausfindig zu machen und ihr Polizeischutz zu gewähren, beginnen die Poliziste und Ärzte ihr Fragen zu stellen. Denn ihre Geschichte ist zu unglaublich, und alles deutet darauf hin, dass sie die Entführung nur erfunden hat. Weil niemand ihr helfen will, stürzt sch Abbie nun selbst in Nachforschungen. Was ist geschehen? Warum reagieren ihre Freunde so seltsam auf ihr Erscheinen? Wer war die Frau, die von heute auf morgen ihren Freund verlassen und ihre Arbeit niedergelegt hat, um ein völlig neuer Mensch zu werden?

Ich habe das Buch so rasch als möglich beendet, etwa zwei Tage habe ich dafür gebraucht, für meinen derzeitig eher geringen Konsum wirklich erstaunlich schnell. Es ließ mich nicht mehr los, und entgegen meines sonst immer beachgteten Vorsatzes, abends keine Krimis zu lesen, konnte ich vor dem Schlafen nicht aufhören damit. Ein Pageturner erster Güte.

Wobei ich mich zugegeben frage, weshalb. Die Charaktere sind nicht allzu tief, und ich habe nicht das Gefühl, Abbie wirklich kennengelernt zu haben. Zu verschwommen sind mir auch ihr Exfreund, ihre Freundinnen, ihre Kollegen. Sie sind mir nicht wirklich ans Herz gewachsen, sondern plätscherten eher so dahin.

Das erste Drittel des Buches ist hochspannend, das zweite Drittel sehr gut zu lesen, und gegen Ende ist es vor allem die Frage nach Abbies Vergangenheit, die mich weiterlesen ließ. Es zog sich inhaltlich sehr lange hin, blieb dabei aber für mich dennoch spannend. Kann sie dem neuen Mann in ihrem Leben trauen? Was wollte ihre Mitbewohnerin mit dem Katzenzubehör in der Wohnung? Warum hat der Täter gerade sie ausgewählt?

Das Ende ist leider zu kurz geraten. Das Buch stellt sehr viele Fragen, und nur ein winziger Bruchteil hiervon wird beantwortet. Ich mag offene Enden, doch dieses hier lässt nicht wie sonst üblich die Zukunft offen, sondern die Vergangenheit. Und um genau diese ging es, die Vergangenheit ist der Grund, weshalb der Leser bis zum Ende angespannt die Seiten blätterte. Ich fühlte mich wie vor den Kopf gestoßen, fühlte mich um viele Erklärungen betrogen, die die Autoren mir noch schulden. Ein Epilog wäre angebracht gewesen ...

Ich bin hin- und hergerissen. Das Buch hat mich begeistert, doch wieder einmal hat das Ende einen schalen Nachgeschmack hinterlassen, ... es braucht kein Meisterwerk, um mich zu unterhalten, keine großartigen Charaktere, keine perfekte Sprache. Aber wenigstens das Ende muss stimmig sein ...

Zwischen vielen Thrillern ist dies also ein weiterer. Kein herausragender, aber trotzdem einer, den ich gerne weiterempfehle für die Zeit zwischen den wirklich guten Werken. Es kann nicht immer nur Champagner sein ;-)

SaschaSalamander 20.05.2009, 19.56| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Frauen, Thriller, Krimi,

Da unten

Ein weiteres Buch, das ich aktuell lese: "Unten rum" von Claudia Haarmann. Ein "Aufklärungsbuch von Frauen für Frauen". Man sollte meinen, dass es solch ein Buch heutzutage nicht mehr braucht, aber beim Lesen habe ich sehr viele Aha-Erlebnisse, und ich muss traurig feststellen, dass sich zu damals gar nicht so viel geändert hat ... damals, als Großmutter noch ans Vaterland dachte und es geschehen ließ ... mal sehen, ob ich Zeit und Lust für eine Rezension haben, aber ich werde mich bemühen. Denn dieses Buch möchte ich vielen Frauen wirklich ans Herz legen ...

ich lese es derzeit in kleinen Dosen. In der U-Bahn mit neugierigen Blicken auf Cover oder Inhalt möchte ich es nicht lesen, und schnell mal zwischendurch zu Hause ist es ebenfalls ungeeignet. Also lese ich in Ruhe abends vor dem Schlafengehen ein paar Zeilen. Es ist absolut simpel zu lesen, aber der Inhalt dagegen braucht, bis er sich setzt ... auf positive Weise ...

SaschaSalamander 20.05.2009, 10.27| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Frauen, Erotik, Fachbuch,

Bin gespannt

In letzter Zeit höre ich nur noch wenige Hörbücher, denn ich habe meinen Rechner aufgeben müssen und arbeite nun an einem Laptop. Und die Daten auf meinem mp3-Player sind leider laufwerksgebunden und müssen nun komplett neu synchronisiert werden *ätz* ... aber während der Hausarbeit gönne ich mir bis dahin natürlich immer noch meinen Ohrenschmaus, nicht vom Player sondern vom Rechner, nicht portabel aber immerhin überall in der Bude hörbar ...

ich fange jetzt an mit "Obsession" von Simon Beckett. Und ich bin gespannt wie ein Flitzebogen! Die ersten beiden Bücher fand ich klasse, das letzte, "Leichenblässe" hat mich dagegen recht kalt gelassen. Das vermeintlich aktuellste ist nun allerdings keine Fortsetzung, sondern ein altes Buch von früher, bevor er diesen Durchbruch hatte. Neu verlegt, groß vermarktet, und ich kann es kaum erwarten!

SaschaSalamander 19.05.2009, 19.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Thriller, Krimi,



 






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