SaschaSalamander
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3




Statistik KW 35

GELESEN / GEHÖRT
1 - John Sinclair 76 - Herrin der Unterwelt
1 - Lady Bedfort 15 - Die goldenen Felder (Hörplanet)
1 - Lady Bedfort 16 - Der Plan des Bösen (Hörplanet)
1 - Das blaue Buch (A L Kennedy)
1 - Tripods 00 (J Christopher)
1 - Puppy Lovers (R Amazume)
1 - Solange die Nachtigall singt (A Michaelis)
2 - Trix Solier 02 - Abenteuer im Orient (S Lukianenko)
2 - Blind Date mit dem Leben (S Kahawatte)
2 - Das Känguru-Manifest (M+U Kling)


GESEHEN
Trollhunter


NEUZUGÄNGE
Die Poison-Diaries (M Wood)
1 - Tripods 00 (J Christopher)
1 - Solange die Nachtigall singt (A Michaelis)


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - teilweise
3 - abgebrochen

SaschaSalamander 02.09.2012, 20.09| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Solange die Nachtigall singt

Das Buch liest sich langsam. Im positiven Sinne. Ich spüre es, lasse es wirken, mag nicht eilen sondern bewusst Seite für Seite, Wort für Wort genießen. Es steckt voller Symbole, Andeutungen und Hinweise, von denen ich keinen verpassen möchte. Es strahlt eine dunkle Erotik aus, unschuldig und zugleich erschreckend erwachsen. Es zieht den Leser in eine Finsternis, und doch ist es leichtfüßig, zart und zerbrechlich. Der Leser fühlt sich beobachtet, und doch ist er es, der beobachtet, der Eindringling, der Voyeur, der Fremde. Über allem ein Gefühl von Bedrohung und Gefahr, nicht greifbar. Wie ein Spaziergang im Wald, nachts, alleine. Still, die Nacht sanft und schwer, die Luft leicht und klar, das Licht des Mondes zaubert geheimnisvolle Schatten, diese nicht greifbare Freiheit und zugleich Angst, von der Autorin perfekt eingefangen, mit Worten gemalt.

Der Verlag hat das Buch angekündigt als "Meisterwerk der Märchenerzählerin". Mit solchen Vorschusslorbeeren bin ich immer Vorsichtig. Einige Blogs und Kritiker loben das Buch als "Highlight des Lesejahres 2012". Auch das finde ich im August etwas unfair gegenüber allen bisher noch nicht erschienenen Büchern. Ich bin kein Fan von Superlativen, auch vergleiche ich nicht gerne, wie kann man auch die Qualität von Antonia Michaelis mit der eines Thrillers, einer Romance, eines Unterhaltungsbuches vergleichen, wäre das nicht unfair allen Beteiligten gegenüber? Doch abgesehen davon - ja, dieses Buch begeistert mich, und ich bereue es nicht, dass ich sofort zum Erscheinungstermin sofort in die Stadt gefahren bin und alle anderen Bücher liegengelassen habe.

Das halbe Buch liegt noch vor mir. Ich wünschte, ich hätte es schon gelesen, die Spannung ist nur schwer erträglich, das unbestimmte Gefühl verdichtet sich, ist körperlich beim Lesen spürbar. Und ich wünschte, es würde nie aufhören - es ist die Art Geschichte, bei der man alle beneidet, die den Genuss noch vor sich haben.

Ausnahmsweise gefällt mir übrigens auch der Trailer. Obwohl ich sonst kein Fan von Buchtrailern bin. Doch wie schon im >MÄRCHENERZÄHLER< und >DIE WORTE DER WEISEN KÖNIGIN< beschreibt Michaelis keine fortlaufende Handlung sondern malt die ihre Worte poetisch um die Geschichte herum, das Geschehen ergibt sich aus den Bildern, eher eine Ahnung denn ausgesprochene Klarheit. Diese Bilder wurden in den Trailern der jeweiligen Bücher sehr gut eingefangen, sie vermitteln sehr gut die Atmosphäre, die beim Leser entsteht.

Ebenfalls ungewöhnlich: mir ist egal, wie ein Cover aussieht, in den meisten Fällen hat das sowieso nichts mit dem Buch zu tun. Ich will ein Buch nicht anfassen, brauche kein Relief, kein buntes Bild, von mir aus könnten alle Bücher gleich aussehen (wäre im Regal sogar wesentlich praktischer). Aber bei dieser Autorin gibt man sich ganz besondere Mühe, beide oben genannten Bücher und auch dieses hier sind wirklich prächtig. Die Farben gedeckt, geheimnisvoll, der Schutzumschlag fest und glänzend. Und das Buch ohne Schutzumschlag sieht fast ebenso aus, das Bild das gleiche nur ohne die Andeutung des Menschen, allein die Landschaft. Da ich Bücher stets ohne Schutzumschlag lese, freue ich mich über solche kleinen Bonbons.


Der Klappentext:

Ein Haus, abgeschieden von der Zivilisation.
Ein Wanderer, der sich verirrt.
Ein Wald mit zu vielen Gräbern.

Völlig unverhofft trifft der achtzehnjährige Jari auf die geheimnisvolle Jascha, deren Schönheit er sich nicht entziehen kann. Er folgt ihr in das abgeschiedene Haus mitten im Wald, wo sie lebt. Und das, obwohl er spürt, dass dieser Ort ein düsteres Geheimnis birgt. Etwas ist geschehen. Etwas, das schrecklicher ist als alles, was Jari sich je hatte ausmalen können. Etwas, das ihn in tödliche Gefahr bringt

>Das Lied der Nachtigall< auf der Seite des Verlages downloaden.

SaschaSalamander 01.09.2012, 21.03| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Märchen, Fantasy, Jugend, Dark, Deutsch, Tip,

Blind Date mit dem Leben

kahawatte_blinddate_1.jpgVOR DEM LESEN

Ich weiß nicht mehr, wodurch ich auf das Buch MEIN BLIND DATE MIT DEM LEBEN von Saliya Kahawatte aufmerksam wurde. Da er aber buddhistisch orientiert ist, vermute ich, dass ich irgendwo in einer meiner Zeitschriften oder in einem Buch darauf gestoßen bin. Jedenfalls bin ich froh, über dieses Buch gestolpert zu sein, es hat mich sehr bewegt und bereichert. Und noch vor dem Lesen habe ich mit Freunden bereits darüber diskutiert. Erzählte ihnen vom Buch, und wir kamen ins Gespräch "ja, warum hat er das keinem gesagt" oder auch "wie ist das denn möglich, so etwas geht gar nicht", und so ergaben sich schon vor der Lektüre viele Fragen, sodass ich umso gespannter wurde, wer dieser Mensch ist und was ihn antrieb.

Vorab zum Inhalt: Als Spoiler empfinde ich es hier nicht, was ich schreiben werde, denn auch auf seiner Homepage, in Fernsehberichten etc hat man schon einiges über ihn gehört bzw kann viel über ihn finden. Eine Biographie bzw einen Erfahrungsbericht kann man meiner Ansicht nicht spoilern. Wer anderer Ansicht ist, der sollte den Abschnitt "Lebenslauf" bitte überspringen und erst bei "Aufbau" weiterlesen. Wer mehr über den Autor wissen möchte: >Seine Homepage<, >sein Blog<, seine Firma >minusVisus< und ein Interview in >Zibb<.


LEBENSLAUF

Was er beschreibt, ist sein Leben. Und einige Male musste ich innehalten und es auf mich wirken lassen. Sähe ich einen fiktionalen Film, würde ich den Drehbuchautoren ersteinmal mäßigen: "das ist zu viel, das kauft Dir keiner ab, bleib mal auf dem Teppich und sei realistisch". Aufgewachsen als Kind eines singhalesischen Adels, um die gesamte Welt gereist, er speiste im Dschungel, er erlebte auf dem Gut seiner Familie arbeitende Kinder, bereiste ferne Länder, er hat bis zu seinem 15ten Lebensjahr mehr gesehen als mancher Mensch in seinem ganzen Leben. Dann der Beginn der Netzhautablösung, vom Vater fallengelassen, Trennung der Eltern und vom reichen Sohn plötzlich zum Jugendlichen ohne jegliche finanzielle Unterstützung auf Sozialhilfe, ohne Hoffnung, doch er strebt ein normales Leben an, boxt sich durch, verheimlicht seine Krankheit, belügt seine Freunde ebenso wie seinen Arbeitgeber und die Kollegen, macht eine Lehre, ja eröffnet sogar nebenher bald ein eigenes Restaurant. Und dann die Diagnose Krebs, Chemotherapie, er springt dem Tod von der Schippe. Doch die Lügen, die Mehrfachbelastung durch Arbeit, eigenes Restaurant, Krankheit fordern Tribut, und es folgen Drogen, Alkohol, Medikamentenmissbrauch. Und dann aufgrund der Chemotherapie ein Hüftleiden, OP, künstliches Hüftgelenk, reguläres Arbeiten ist nicht mehr möglich, es ist die Zeit gekommen, die Lügen zu beenden, doch vom Amt hagelt es nur niederschmetternde Aussagen: "nicht auf dem normalen Arbeitsmarkt", "behindert", "Einrichtung". Das will er nicht akzeptieren, bewirbt sich an einer Uni, scheitert, es folgt ein Suizidversuch. Später wendet er sich an die Presse, nimmt den Studiengang wieder auf, bis er dann eines Tages angesprochen und um Coaching gebeten wird, was nun sein neues Arbeitsfeld ist. Nein, für ein Drehbuch zu unrealistisch. Doch das Leben hält sich nicht an Drehbücher, und nur so sind Lebensläufe wie der von Saliya Kahawatte möglich.


AUFBAU

Das Buch liest sich in seinem Stil sehr flott und ebenso spannend wie ein Roman. Der Autor hat es strikt gegliedert in verschiedene Abschnitte seines Lebens. Dabei geht jedem Kapitel eine Betrachtung der Gegenwart voraus, in der er von seinem jetzigen Leben schreibt sowie seine heutige Sichtweise des damaligen Geschehens. Es folgen ein, zwei Abschnitte aus der Vergangenheit, klar nach Jahreszahlen und Lebensereignissen geordnet. Dann das nächste Kapitel. Ein strikter, klar geregelter Aufbau, so wie auch sein Leben und Tagesablauf heute geordnet und gut geplant ist. Die Worte für die Kapitelüberschriften sind klar, direkt, energisch. Er beschreibt im Laufe des Buches, warum er so klar reglementiert in seinem Leben vorgeht, ich finde es gut beschrieben und nachvollziehbar, es ist das was er braucht. Und, offen gesagt, mir ist das sympathisch, er hat seine Grundsätze nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt, sondern er hat sie sich erarbeitet und lebt nun danach, er weiß was er will und braucht. Noch vor dem Lesen fiel mir das sehr deutlich auf, und dieses Selbstbewusstsein zieht sich durch das gesamte Buch.


ERZÄHLWEISE

Was mich unglaublich fasziniert ist die bildreiche, lebendige Erzählung des Autors. Mag er auch selbst nicht mehr sehen können, so erzeugt er beim Gegenüber dafür umso klarere Bilder. Seine Schilderung beispielsweise vom Urlaub bei der "Dschungeloma", die Besuche bei seinem Freund Thuya, alles war so farbenreich wie ein 3D-Film. Die Rituale im Tempel, die Pilgerreisen, das Schlafen auf den Strohmatten, das Essen im Dschungel und die Besonderheiten des "Geschirrs" und "Abwaschs", ich meinte im Tempel die Räucherstäbchen zu riechen und vor mir spazierten greifbar die Elefanten bei der Hochzeit. Kahawatte hat ein sehr gutes Gespür für die Wirkung seiner Worte, sie wirken charismatisch und fesselnd. Auch die Beschreibung, wie er das erste Mal bei einem Coaching etwas versuchte greifbar zu machen und darzustellen, war sehr anschaulich. Selbst habe ich ihn nicht erlebt, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Menschen an seinen Lippen hängen, wenn er spricht.

In seiner Schilderung ist er stets klar und direkt. Er schmückt das Gesagte aus, verschwendet aber keine unnötigen Worte, verliert sich nicht in belanglosen Schilderungen. Er kommt sofort zum Punkt und reduziert seine Aussagen auf das Wesentliche. Am Text erkenne ich einen Menschen, der zielstrebig seinen Weg geht und sehr viel reflektiert. Er beschönigt auch nichts, steht klar zu dem, was er getan hat, beschreibt sich auf S. 69 sogar selbst als "armselige, heruntergekommene Gestalt". Er sucht keine Entschuldigung, heute ist er aufrecht und sich seiner selbst bewusst.


DER MENSCH HINTER DEM TEXT

Anfangs war ich erstaunt, wie es das möglich ist: ein solch reflektierter, durch und durch reifer Text. Und dann ein solch unreifes Verhalten. Warum all diese Lügen? Ich konnte verstehen, dass er nicht als behindert gelten wollte, dass er kein Mitleid wollte. Doch warum sich selbst so viele Dinge erschweren, wo es doch so viele hilfreiche Möglichkeiten gibt, die sehbehinderten Menschen den Alltag erleichtern? Warum sogar in einer Beziehung monatelang die Partnerin belügen? Das war für mich der Punkt, der einen Teil der Spannung ausmachte, denn ich fragte mich, ob und wann der Knackpunkt kommen würde, der diesen für mich nicht erklärbaren Widerspruch auflöste. Und hier möchte ich tatsächlich nicht spoilern, denn die "Auflösung" kommt. Wann und warum er lernte, die Dinge anders zu betrachten, wann er diese Hilfe (z.B. PC mit spezieller Software, Monitor zum Lesen von Texten) entdeckte und wann er begann, sich selbst zu reflektieren. Als es soweit war, hatte ich eine Gänsehaut, ich spürte, was das für ihn bedeutet haben mochte und welch großen Schritt er in dieser Phase seines Lebens gegangen war, welche inneren Hürden er überwunden hatte.

Trotz der vielen Schicksalsschläge in seinem jungen Alter spürt man auf jeder Seite die Lebensfreude und die unglaubliche Power, die er jetzt ausstrahlt. Sein Lebenslauf ist keinesfalls Maßstab für die Allgemeinheit, denn so viel Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und Energie haben nur wenige Menschen. Viele seiner Erkenntnisse und jetzigen Weisheiten hat er sich erarbeitet, doch die Kraft, die ihn dazu brachte, es überhaupt erst durchzuziehen, die hatte er schon von Kind an, eine starke Persönlichkeit, wie er sich selbst schilderte. Doch auch, wenn nicht jeder seine Probleme wie er sosehr in Gutes wandeln kann - seine Biographie ist Inspiration, sie macht Mut und zeigt, dass ein Mensch auch am tiefsten Punkt seines Lebens aufstehen und das Beste aus sich herausholen kann.

Er hatte viele Helfer, zu Beginn seine Schwester und Mutter, die mit ihm lernten und ihm den Schulabschluss ermöglichten. Später enge Freunde und Weggefährten, mit deren Hilfe er die Ausbildung bestehen konnte, die ihn hier und da durch Prüfungen manövrierten und ihm hinter den Kulissen gelegentlich zur Hand gingen. Nur so gelang es ihm, eine normale Ausbildung im Gastronomiebereich zu absolvieren, ja sogar fast zum Leiter aufzusteigen, später ein eigenes Restaurant zu führen, in einem angesehenen Hotel zu arbeiten, einen riesigen Weinnkeller mit über 200 Sorten zu betreuen. Ihm wurde später bewusst, wieviel er diesen Menschen abverlangte, und seine Schlussworte mit dem Dank an seine engsten Freunde empfand ich als sehr bewegend, sie zeigten die tiefe Dankbarkeit hinter den Worten, es waren keine Phrasen, nicht die sonst üblichen Danksagungen am Ende eines Buches.


GESELLSCHAFTLICHE SITUATION

Sehr gut schildert er - nicht mit dem Holzhammer, eher nebenbei, wenn es sich in der Erzählstruktur ergibt - von der momentanen Situation sehbehinderter Menschen. Ein großes Problem sieht er in der Trennung von Behinderung und "normalem" Leben, von der Verortung des Problems in Einrichtungen. Gesunde Menschen, abgeschoben in eine eigene Welt, ohne die regulären Berufsmöglichkeiten, das ist etwas, das er nicht akzeptieren kann. Und ich muss ihm rechtgeben, denn es gäbe sehr viele barrierefreie Möglichkeiten im Alltag, die noch immer ungenutzt sind, einfach weil ... nun ja, ein sehr komplexes Thema, das hier den Rahmen sprengt. Ein Thema, mit dem ich mich beruflich wie auch privat schon häufig auseinandergesetzt habe und das noch sehr viel Handlungsbedarf in der Gesellschaft erfordert. Er bietet hier einige Denkanstöße. Geht stellenweise recht forsch vor, und was er verlangt ist teilweise etwas sehr hoch gegriffen, doch um das Mögliche zu erreichen, muss man das Unmögliche einfordern, und vielleicht wird eines Tages sogar das Unmögliche möglich, denn nur so ist eine vollständige Integration ohne Grenzen erreicht. Kahawatte hat sich noch einige Ziele gesteckt, und ich wünsche ihm von Herzen alles Gute für das, was er sowohl persönlich als auch gesellschaftlich noch alles vorhat :-)


FAZIT

Inspirierend und bereichernd. Ein Buch, dem ich unzählige Leser und einen großen Erfolg wünsche.

Wertung: Biographien, Lebensläufe und Erfahrungen erhalten von mir keine Wertung, das wäre vermessen ;-)

SaschaSalamander 31.08.2012, 15.05| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Biographie, Tip, Erfahrungen, Deutsch, BewusstSein,

Solange die Nachtigall singt

Dämmergrün
Flammenseide
Nebelmilch
Wildbeere
Fuchspelz
Sonnenocker
Herbstbronze
Lichtwein
Morgenpurpur
Regenschwarz
Brandorange
Rosentau
Mondsilber
Dunkelfels
Heimlichweiß
Feuchtmoos
Schneeblau
Birkengelb
Hellglut
Schattengold
Nachtviolett
Winterapfel
Zimtbraun
Schneeblut
Tiefzyklam
Aschekobalt
Spiegeleis
Ewigrot
Federgrau
Transparent
Abgesang

aus: Antonia Michaelis: Solange die Nachtigall singt;
Oetinger 2012

SaschaSalamander 31.08.2012, 13.28| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kapitel

After.Life

Liam Neeson und Christina Ricci. Gibt es zwei bessere Gründe, einen Film anzusehen? Noch dazu, wenn es sich um einen Mindfuck bzw Mystery-Thriller handelt? Beide zählen zu meinen liebsten Schauspielern.

Die junge Lehrerin Anna verlässt nach einem Streit mit ihrem Verlobten das Restaurant und fährt mit dem Auto nach Hause. Dabei geschieht ein Unfall. Sie wacht auf im Haus des Bestatters, liegt auf dem Tisch zur Präparation, und der Bestatter offenbart ihr - dass sie tot ist. Sie müsse es nur akzeptieren. Sie glaubt an eine Entführung, hält sich selbst nicht für tot. Sie bewegt sich, sie atmet, sie spricht mit dem Bestatter, also muss sie doch lebendig sein! Einer ihrer Schüler sieht sie sogar am Fenster stehen, er informiert ihren Verlobten, und dieser will nicht an den Tod seiner Freundin glauben, doch die Polizei tut nichts, denn Anna ist nachweislich tot. Ist sie tot? Oder ist sie es nicht? Perfides Spiel oder Afterlife?

Vom ersten Moment an ist der Zuschauer zwiegespalten, für beide Varianten gibt es sehr viele Hinweise. Immer wieder einmal denkt man "ja, klar, sie kann gar nicht tot sein", und kurz darauf "natürlich sie ist tot, das lässt sich ganz leicht erklären".

Der Film zeigt viel nackte Haut, macht auf Mystery, ist in ruhigen Tönen erzählt, Suspense und Mindfuck wo man nur hinsieht, man kann gar nicht wegsehen. Ebensowenig wie man wegsehen kann, wenn sich mal wieder einer von ihren riesigen ... äh, heute mal eine jugendfreue Rezension, belassen wir es davon, dass sich alle Rundungen und Knochen mit viel nackter Haut in die Kamera strecken. Das ist Kunst und gehört so. Ein Schelm, wer etwas anderes unterstellt. Sie zeigt ihren Körper in allen erdenklichen Posen, mal hübsch mit Kleidchen, mal nackt, und sie sieht gut darin aus. Auch abgesehen von diesen Momenten gibt es viel zu sehen, der Film spielt gut mit der Optik, ist sehr ästhetisch.

Außerdem wirkt der Film sehr lange nach, die Bilder bleiben im Kopf, sind sehr (im positiven Sinne) sehr eindringlich. Die Macher spielen gut mit der Wirkung ihrer in Szene gesetzten Motive. Es war ein Genuss, diesen Film auf einer Leinwand zu sehen, gestochen scharf und in Lebensgröße, das ist hier wirklich anzuraten, falls möglich.

Trotzdem war ich am Ende recht enttäuscht. Es bleibt vieles offen, auch wenn ich das Ende und die "Lösung" ziemlich klar und deutlich fand. Ich erwarte kein komplett erklärendes Ende, denn ein Mindfuck ist dazu da, dass man interpretiert und sich unsicher ist. Dennoch gibt ein Film dieses Genres dem Zuschauer das Gefühl, dass die Zeit nicht umsonst war. Hier allerdings hatte ich am Ende das Gefühl, dass ich nach den eineinhalb Stunden nicht klüger war als vorher. Es wurde bewusst alles offen gehalten, und mir scheint, als hätten die Macher selbst nicht gewusst, für welche Lösung (oder vielleicht eine andere sogar) sie sich entscheiden wollten und dann spontan eine Lösung hergezaubert (die andere hätte es auch getan, und auch dafür hätte es im Film genügend Hinweise gegeben).

Es werden viele Themen angeschnitten, etwa der Sinn des Lebens, die Frage nach Tod und Sterben, der Inhalt von Liebe, eine besondere Gabe oder doch Wahnsinn, und die Frage "was würdest Du tun, wenn Du weißt, dass Du nicht tot bist". Dazu die Frage, was ein Leben lebenswert macht und wer seines Lebens würdig ist. für mich zuviel cineastisches Geschwurbel ohne Aussage. Gab eine Menge Leute, denen der Film gefiel, auch mein Mann fand ihn nicht schlecht. Und ja, ich habe ihn gern gesehen, Ricci sieht gut aus und Neeson ist sowieso klasse, schade nur dass das alleine nicht genügt. Wollte ein Mystery-Thriller sein, ist statt dessen ein sexy Hingucker geworden.

Optik: Sehr sexy, viel Klinik und Nylon und nackte Haut. Beeindruckend in Szene gesetzt, die Bilder klingen noch lange nach.

Christina Ricci: Ebenfalls sehr sexy, viel nackte Haut, viele Knochen und zwei ... äh, ihr wisst schon was ...

Liam Neeson: sehr gut, sehr subtil und undurchsichtig

Gesamteindruck: will viel hermachen, kriegt aber nicht die Kurve vom Mindfuck zum Film mit Sinn ...

Wertung: 6 von 10 nackte Brüste


SaschaSalamander 31.08.2012, 08.46| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Thriller, Mindf*ck, Dark,

Verlockende Versuchungen

Vorstellen muss ich >VERLOCKENDE VERSUCHUNGEN< wohl nicht mehr. Sowohl die inzwischen vergriffene Erstausgabe wie auch das später erschienene und leicht überarbeitete Ebook habe ich Euch präsentiert. Und nun ist es endlich auch wieder als Taschenbuch erhältlich. Warum ich es trotzdem kurz vorstelle, obwohl ich schon zweimal darüber geschrieben habe?

Weil es über CREATESPACE verlegt wurde. Das Taschenbuch erschien 2009 erstmalig im UBooks Verlag. Im Juni 2012 hat Inka Loreen Minden selbst es als Ebook publiziert für unschlagbare 4 Euro. Verlage mögen ihre Gründe haben für die hohen Ebook-Preise, aber ich werde dennoch niemals ein Ebook kaufen, das fast den gleichen Betrag kostet wie ein Printmedium.  Aber mal ehrlich - 4 Euro für ein komplettes Ebook, das ist wirklich günstig, und da greife ich gerne in die Tasche. Und Minden hat schnell verstanden, wie der Buchmarkt funktioniert, sie bietet ihren Lesern in kleinen Häppchen appettitliche Geschichten zu günstigen Preisen, veröffentlicht hier mal eine Kurzgeschichte, dort einen Mehrteiler, für 99 Cent oder zwei, drei Euro muss der Leser einfach zugreifen.

Und wer im Regal sammeln möchte oder keinen Reader hat, der bekommt etwas später dann das Taschenbuch, etwa die Kurzgeschichtensammlung >LUSTPUNKTE< oder das  in drei Teilen veröffentlichte >BEIM ERSTEN SONNENSTRAHL<.

Minden nutzt die Möglichkeiten des Internets, sie ist eine der ersten, wenn sich neue Wege zur Veröffentlichung bieten. Nun das Besondere an VERLOCKENDE VERSUCHUNGEN: seit Kurzem bietet Amazon die Möglichkeit, Bücher über deren Eigenverlag "Createspace" zu publizieren. Und natürlich hat sie das sofort ausprobiert. Mit dem Ergebnis, das Fans nun in den Händen halten:

8,99 Euro für ein Taschenbuch von 154 Seiten ist für den Leser ein super Preis (den Kleinverlage leider nicht halten können, trotzdem halte ich meinen Favoriten weiterhin die Treue und zahle gern ein paar Euro mehr). Die Farben des Covers sind strahlend und klar, der Umschlag ist aus recht fester Pappe. Sogar mit kleiner Einkerbung längs neben dem Buchrücken, sodass man das Buch problemlos öffnen kann ohne dadurch das Cover oder den Buchrücken mit Leseknicken zu beschädigen (sorry, mir fehlt leider der Fachbegriff hierfür, für Infos bin ich dankbar). Das Papier wirkt von guter Qualität.

Auch etwas, wofür mir der Fachbegriff fehlt: viele Verlage haben über dem Cover eine hauchdünne Folie, die sich leider schnell ablöst, wenn man z.B. beim Lesen den Daumen immer an einer Stelle hält oder wenn die Ecke leicht bestupst werden. Hier scheint das nicht der Fall, ich habe extra ein wenig an den Ecken und Kanten gepittelt, aber nichts hat sich gelöst, also auch hier ein dicker Pluspunkt von mir.

Ich bin wirklich zufrieden mit der Qualität des neuen Buches und bin mal gespannt, wie Createspace sich weiterentwickeln wird. Den Verlagen wird es wohl ein Dorn im Auge sein, aber für private Veröffentlichungen bieten sich da neue Möglichkeiten ...

>Hier< gibt es einen interessanten Bericht über die Nutzung von Createspace.

SaschaSalamander 30.08.2012, 16.47| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rund um Bücher

Solange die Nachtigall singt

Erster Satz:
Etwas war geschehen.

Letzter Satz:
"Still, still."

Aus: Antonia Michaelis: Solange die Nachtigall singt; Oetinger 2012

SaschaSalamander 30.08.2012, 13.23| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Wächterschwingen 01 - Herzen aus Stein

minden_waechterschwingen01_1.jpgINHALT

Vincent ist ein ganz besonderer Gargoyle: er verwandelt sich tagsüber nicht in eine Statue, sondern in einen Menschen. Doch alles Lebendige, was er berührt, verwandelt er in Stein. Sein Schützling ist die Hexe Noir, die nach dem Tod ihrer Eltern und dem Verschwinden ihres Bruders auf Dämonenjagd geht. Er ist unsterblich in sie verliebt, doch er darf sich ihr nicht zeigen, darf sie nicht berühren. Noir spürt seine Nähe, hört seine Stimme, und dann steht sie Vincent plötzlich gegenüber ...

Kara ist ein Engel, der im Auftrag des Erzengels Raphael der Hexe Noir ein magisches Artefakt übergeben soll. Doch sie trifft auf den Dämonen Ash, der sich so gar nicht verhält, wie es ein bösartiger Dämon eigentlich tun sollte. Auch zwischen ihnen funkt es gewaltig, und Kara hält sich nicht in allen Punkten an ihren Auftrag ...


BEZUG ZU ANDEREN BÜCHERN

HERZEN AUS STEIN ist eine wundervolle Romance, die sich sowohl für Erstleser der Autorin eignet wie auch für langjährige Fans. Das Buch ist in sich geschlossen, dennoch gibt es sehr viele Anspielungen, vor allem auf >ENGELSLUST<. Wir begegnen meinem Lieblingscharakter Magnus Thorne wieder, dem dominanten Magier, der hier eine kleine aber äußerst wichtige Rolle spiel. Die Geschichte spielt im gleichen Universum wie ENGELSLUST und natürlich auch >BEIM ERSTEN SONNENSTRAHL<. Obwohl die Geschichte um den Gargoyle Zahar und seinen menschlichen Freund David nur wenige Wochen vor den HERZEN AUS STEIN erschienen ist, ähneln sich die beiden Bücher inhaltlich nicht, die Autorin hat komplett neue Charaktere geschaffen. Ich liebe es, wenn Schriftsteller nicht ihre eigenen Werke kopieren sondern stets neue Handlungsspielräume erschaffen, gerade in diesem Genre ist das ja nicht unbedingt selbstverständlich.

Was die anderen Bücher betrifft, waren sie alle wesentlich kürzer, HERZEN AUS STEIN ist mit 400 Seiten das bisher längste. Da der Siebenverlag seine Seiten recht platzsparend bedruckt, hätte der Titel als normales Taschenbuch rund 600 Seiten, ist also ein ganz schön ordentlicher Schmöker. Hier kann sich wirklich keiner beklagen, dass das Buch viel zu kurz war. HERZEN AUS STEIN ist der erste Band der WÄCHTERSCHWINGEN - Trilogie, ist aber in sich geschlossen. Die anderen Bände erzählen eine eigene Geschichte, aber man darf sich auf ein Wiedersehen mit seinen Freunden freuen, und natürlich werden auch ein paar der Themen aus dem ersten Band aufgegriffen ;-)


CHARAKTERE

Wer Romances in Verbindung mit mystischen Geschöpfen und fantastischen Hintergründen liebt, kann hier gar nichts falsch machen. Engel, Gargoyles, Dämonen, Hexen, Magier, hier tummelt sich alles, was das Leserherz höher schlagen lässt. Und nicht nur die fantastischen Wesen, auch deren Charaktereigenschaften werden hier perfekt eingesetzt, für jeden ist eine Lieblingsfigur dabei. Der äußerlich starke Prachtkerl, der innerlich doch unsicher und soft ist. Der arrogante Bad-Boy, der sich zum ersten Mal richtig verliebt. Der mächtige Mann im Hintergrund. Das pfiffige unschuldige Mädchen. Die selbstbewusste stolze Dame. Die Autorin hat ganz typische Protagonisten erschaffen, ohne dabei in Klischees abzurutschen. Mein persönlicher Favorit ist Ash (und wie schon beim letzten Mal natürlich Magnus), der eine ungewöhnliche und äußerst spannende Hintergrundgeschichte zu bieten hat.


ERZÄHLWEISE, AUFBAU

Inka reist mit dem Leser ein paar Tage in die Zukunft, um dann wieder zur Gegenwart zurückzukehren. Handlungsorte hierbei sind London, Florenz, Paris, die Seyschellen, die dämonische Unterwelt, ein Sexclub und einige weitere. Es gibt also jede Menge Abwechslung und viele spannende Schausplätze, trotzdem liest sich das Buch flüssig, man verliert niemals den Faden und weiß sehr genau, wann und wo sich eine Szene gerade abspielt, teils durch die entsprechenden Kapitelüberschriften, teils auch durch die direkte Erzählweise.

Die Geschichte beginnt mit zwei Handlungsfäden: Vincent und Noir, Kara und Ash. Der Engel Raphael macht gleich zu Beginn die Andeutung, dass das Schicksal all dieser Beteiligten zusammenhängt. Zwar offenbaren sich immer mehr kleine Puzzlestücke, doch das Gesamtbild zeigt sich erst kurz vor Ende, und danach wird so manches sichtbar, das bis dahin noch verborgen war. Und zum Abschluss gipfelt die Story in einem gewaltigen Showdown, der endlich alle Fäden zusammenführt und neue Erkenntnisse offenbart.

Wie üblich darf auch in HERZEN AUS STEIN wieder geschmunzelt werden, die Charaktere sind einfach köstlich, haben ihre Macken und Eigenheiten, und einige Male manövrieren sie sich in verzwickte Situationen oder hegen entsprechende Gedanken. Es tut gut, wie dadurch alles etwas aufgelockert wird, wenn Spannung, Erotik, Handlung und humorvolle Leichtigkeit in Balance sind.

Faszinierend finde ich die Erzählperspektive der Hexe: hier hat die Autorin den Kunstgriff gewagt, zwar in der dritten Person aus Sicht Noirs zu erzählen, zugleich aber auch Vincents Unsicherheit darzustellen. Denn Noir kann Gedanken lesen, der Gargoyle in seiner menschlichen Gestalt ist wie ein aufgeschlagenes Buch für sie und somit auch den Leser. Eine clevere Lösung, die mir gefällt.


EROTIK

Je nachdem, ob es sich um Kara und Ash oder Vincent und Noir handelt, ist das Geschehen mal heiß und wild, mal liebevoll und romantisch, es kommt jeder auf seine Kosten. Obwohl die Erotik hier eine große Rolle einnimmt, ist sie geschickt in die eigenständige Handlung eingebaut.

Man merkt, dass die Autorin inzwischen in verschiedenen Bereichen erfolgreich schreibt: normale Romance, aber auch Gay sowie Soft-SM. Hier beschränkt sie sich weitgehend auf die straighte Erotik, trotzdem gibt es für Fans der anderen Spielarten einige Kostproben. Meine Lieblingsszene ist jedenfalls der Besuch im Club. Der große, starke, sexy Vince als Sklave der Hexe, mmmh, davon hätte ich gerne mehr gelesen. Und auch Jamies Interesse an Männern wird hoffentlich in späteren Bänden noch etwas ausführlicher geschildert ;-)


FAZIT

HERZEN AUS STEIN bietet 400 Seiten geballte Romance, Sinnlichkeit und Lust. Wieder einmal hat Inka Loreen Minden bewiesen, dass sie das Wechselspiel aus Handlung und Erotik perfekt umzusetzen vermag. Für Fans des Genres ist dieser Roman ein absolutes MUST-HAVE :-)

Wertung: 8,5 von 10 Zash

SaschaSalamander 30.08.2012, 08.57| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Erotik, Romantik, Deutsch, Reihe, Fantasy,

Beastly

beastly_1.jpgAm Wochenende habe ich BEASTLY mit meinem Mann gesehen. Wir wussten beide kaum etwas über den Film, bei mir war es das Cover, bei ihm der Trailer, was uns dazu bewegte. Auch hatte ich im Groben gewusst, dass es eine moderne Variante von "Die Schöne und das Biest" darstellen soll.

Von daher gibt es auch nichts zum Inhalt zu sagen außer: er legt Wert auf Äußerlichkeiten und ist kaltherzig. Zur Strafe wird er verwandelt in ein hässliches Monster. Nur, wenn jemand ihn von Herzen lieben kann, bevor seine Zeit abgelaufen ist, wird er erlöst werden. Er verkriecht sich, dann trifft er auf SIE, und sie verliebt sich in ihn und er in sie, und gerade im letzten Moment und so weiter.

Die Bilder waren ganz nett, auch wenn ich die Maske und die Effekte recht billig fand für heutige Verhältnisse. Muss nicht immer aufwändig sein, und die Tattoos auf seinem kompletten Körper waren recht ansehnlich (hässlich ist wohl verschieden definiert, ich fand ihn als "Monster" wesentlich hübscher. Klar laden Furunkel im Gesicht nicht sofort dazu ein, ihm zärtlich mit dem Finger über die Wange zu streichen, aber hässlich ist trotzdem was anderes).

Was konsequent stört ist, wiesehr der Film an der Oberfläche kratzt. Ständig wird dem Zuschauer um die Ohren geballert, dass nur das Innere zählt, und es ist egal wie ein Mensch aussieht. Statt solche Momente zu zeigen, wird immer nur darüber geredet. Das führt zu teilweise absurden Dialogen (absurd, wenn man ein Mensch ist, für den so etwas selbstverständlich ist) wie "hey, Dein Tip war gut, vorher darüber nachzudenken hat wirklich etwas genutzt".

Es wird nicht wirklich eine Veränderung gezeigt, bzw wurde sie nicht glaubhaft umgesetzt, er legte auch als Monster noch immer Wert auf Schein statt Sein, zwar nicht mehr auf den optischen, dafür aber den intellektuellen, liebenden usw Schein, ihm geht es nur darum etwas darzustellen, in das sie sich verlieben kann, mehr nicht.

Ab der zweiten Hälfte wurde es auch extremst kitisch, einige Male habe ich laut aufgeseufzte, nicht vor Romantik sondern eher entnervt. Hier wurden wirklich jede Menge Klischees von Romantik bedient, sowohl an Themen wie auch Charakterdartsellung. Und wer nicht dahinter blickt und es bei den Äußerlichkeiten des Films belässt, der wird sicher auch davon angetan sein, denn es kommt alles vor, was zu einer ordentlichen Romanze gehört: Rosen im Übermaß, eine dramatische Wendung, fast ein Kuss und dann kurz davor die Störung, Kerzenlicht und noch mehr Kerzen, Gedichte, handgeschriebene Briefe usw.

Auch die Botschaften hinter der vordergründigen Aussage finde ich schrecklich. Schönheit ist subjektiv, aber dass jemand mit Tattoos und Hautverletzungen als hässliches Monster dargestellt wird, ist sehr oberflächlich. Ebenso dass die Leute, die wirklich hübsch waren, hier abgestempelt wurden, nur weil sie eben ein Tattoo im Gesicht haben (die Hexe) oder eine recht ungewöhnliche Frisur. Da wurde ein Teenie-Trend gehypt. Und wenn jetzt einer sagt "aber genau darum geht es doch" - nein, eben nicht, hier hätte es darum gehen sollen zu zeigen, was wahre Schönheit ist. Wurde hier aber leider versäumt. Auch das Ende um den Lehrer fand ich sehr klischeebeladen und komplett an der angeblichen Botschaft vorbei, doch dies zu erklären würde leider spoilern.

Aber: was den Film enorm aufwertet, und warum ich ihn glatt ein zweites Mal gucken würde und was mich absolut begeistert hat: >Neil Patrick Harris< als blinder Lehrer. Mmh, DER ist hübsch, und er spielt seine Rolle hervorragend. Auch die Haushälterin ist sehr sympathisch und hat so einige Weisheiten auf Lager, die zwar der Oberflächlichkeit des Films entsprechen aber wenigstens nicht ganz so plump daherkommen. Die beiden reißen ´ne Menge wieder raus, und ich werde mich begeistert nach weiteren Filmvon von Harris umsehen.

Zielgruppe: Girlies zwischen 14 und 20.
Alle anderen: unterhaltsamer Film mit netter Optik aber null Aussage.
Oder besser gesagt: keiner Aussage, die wir nicht spätestens seit "man sieht nur mit dem Herzen gut" irgendwann nicht mehr hören können, weil es zu offensichtlich ist. Holzhammer - Gutmenschentum, das klischeeüberladen daherkommt.

Wertung: 4,5 von 10 zwinkernde Rosen

SaschaSalamander 29.08.2012, 15.31| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Romantik

Bitte um Eure Meinung

Dieser Beitrag kann nur mit einem Gäste-Passwort gelesen werden!

SaschaSalamander 29.08.2012, 12.54| (4/3) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Passwort

Toast

toast_1.jpgKeine Rezension, dafür ein paar Gedanken kurz nach dem Ansehen von TOAST. Ein Film, der in groben Zügen auf der Biographie des Kochs und Kochbuchautors >Nigel Slater< basiert. Seine Mutter konnte nicht wirklich kochen, und gelegentlich versuchte er sich an eigenen Kreationen, die aber an der Akzeptanz der Eltern scheiterten. Auch sonst ging einiges schief, war er eher ein Außenseiter und Eigenbrötler. Nachdem seine Mutter an einer Lungenkrankheit verstarb, holte der Vater sich eine Putzfrau ins Haus, die bald mehr tat als nur zu putzen: abgesehen davon, dass sie sich an den Vater heranmachte, kochte sie auch. Nigel und sie versuchen in einem Krieg gegeneinander um die Gunst des Vaters zu werben. Bald besucht Neil den Haushaltskurs der Schule, knüpft erste zarte Bande, erleidet seine nächsten Misserfolge, gibt aber nicht auf.

Der Film ist anders. Positiv anders. Die Handlung spielt im England der 60er Jahre, entsprechend die Musik, Kleidung, Frisuren, die Gestaltung des Films. Dabei weniger knallig, bunt und lebendig (ich denke bei "England" und 60er, 70er eher an Rockmusik), sondern eher ruhig, still, noch etwas altbacken und ländlich.

Was mir gefiel war der subtile Humor, die wirklich sehr gut gewählten Schauspieler und das ungewöhnliche Thema des Filmes, mit Essen kann man mich immer begeistern, auf diese Weise eine Biographie darzustellen war wirklich eine gelungene Umsetzung.

Schade fand ich allerdings den fehlenden Spannungsbogen. Es gab eine Handlung, ein Ziel, trotzdem wäre es mir jederzeit möglich gewesen, den Film zu pausieren, es drängte mich nicht unbedingt sofort weiterzusehen. An manchen Stellen zog es sich etwas in die Länge. Ich hätte mir gewünscht, dass man die ersten beiden Drittel stark rafft und dafür etwas mehr Gewicht auf das letzte Drittel legt. Doch der Großteil befasst sich mit der Kindheit, ein kleiner nur mit der Jugend. Und genau da, wo es dann spannend wird, hört der Film auf.

Auch hätte ich mir gewünscht, dass man etwas konkreter auf einzelne Chraaktere eingeht. Ja, mit Nigel fühlt man mit, dennoch empfand ich alles als recht distanziert und fand alle außer dem Jungen ziemlich blass. Bonham Carter spielt ihre Rolle großartig, doch statt ihrer Schauspielkunst und der Darstellung immer wieder mehr oder weniger sexy Posen hätte ich mir etwas mehr Gewicht auf ihre Rolle an sich gelegt, ich fand vieles widersprüchlich bzw nicht nachvollziehbar, klar ließe sich dies interpretieren, doch etwas mehr Info und etwas weniger Optik hätte dem gesamten Film gut getan.

Trotzdem, er hat mir sehr gut gefallen, ich habe ihn gerne gesehen und fand ihn erfrischend ungewöhnlich, ein Lob an die Macher. Mit der Bitte, das nächste Mal die Charaktere und den Plot etwas weniger zu vernachlässigen. Aber dennoch empfehle ich ihn gerne, denn man sollte ihn gesehen haben, einfach weil er positiv aus der Masse hervorsticht.

Wertung: 6,9 von 10 verbrannte Dosen mit Fertigessen

SaschaSalamander 29.08.2012, 08.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Aktuelles | Tags: Komödie, Biographie, Queer, Kochen,

Blind Date mit dem Leben

EINS
Heute. Klarheit
1985. Alles verschwimmt

ZWEI
Heute. Strukturen
1969 bis 1985. Drauflosgelebt
1985 bis 1989. Ich will mehr!

VIER
Heute. Volle Kraft voraus
1993 bis 1994. Im Aufwind
Juli bis Dezember 1994. Am Abgrund

SECHS
Heute. Immer noch die Ausnahme
2003 bis 2004. Absturz
2004 bis 2006. Im Blindflug zum Erfolg

SIEBEN
Heute. Und morgen

**********************

Anmerkung: das Buch ist sehr klar und direkt strukturiert (anders hätte mich das auch bei diesem Hintergrund des Buches sehr gewundert). Andere Biographien sind oft recht chaotisch, springen in der Zeitlinie, hier ist alles sehr akkurat. Auch angenehm für den Leser, der stets weiß, wo er sich gerade befindet.

Die Kapitelüberschriften haben es mir hier besonders angetan, da sie einerseits klar die Grundaussage des folgenden Kapitels widergeben und dabei dennoch die Spannung wahren, sodass aus einer reinen Biographie fast eine Abenteuergeschichte wird. Man liest vom Absturz, Aufstieg, der Karriere, vom Wunsch nach Mehr im Leben, auch die geballte Energie des Autors spiegelt sich in Überschriften wie "Volle Kraft voraus". Sehr aussagekräftig, direkt und ohne große Worte. Gefällt mir :-)

SaschaSalamander 28.08.2012, 14.22| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kapitel

Das Geheimnis von Ashton Place 01

wood_ahston01.jpgPenelope Lumley ist 15, als sie ihre Ausbildung zur Gouvernante in einer Einrichtung für begabte Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen abschließt. Und sie hat Glück, denn sie findet sofort eine Anstellung bei Lord Ashton, soll seine drei Kinder betreuen. Doch schnell stellt sich heraus, dass es drei Kinder sind, die er auf seinem Grundstück bei der Jagd gefunden hatte, scheinbar großgezogen von Wölfen. Sie jaulen, bellen, jagen Eichhörnchen und verhalten sich auch sonst wie junge Hunde. Doch Penelope, kurz Penny, freundet sich sofort mit den Kleinen an und lässt ihnen die bestmögliche Erziehung angedeihen. Beim nächsten Weihnachtsball sollen sie der Dame des Hauses beweisen, wie gut sie sich entwickelt haben. Aber es scheint, jemand will dieses Vorhaben sabotieren ...

Ein wundervolles Buch! Das Cover mit seinen warmen Farben und den quirligen Kindern sprach mich sofort an, und es trifft den Grundton des Buches auch sehr gut: wuselige Kinder, eine freundlich lächelnde Gouvernante als ruhender Pol zwischen ihnen, die Farben bzw die Atmosphäre weich und warm. Ein Buch, das sofort mein Herz berührte, weil ich die Hauptcharaktere vom ersten Moment an mochte und mich sehr gut in die Geschichte hineinversetzen konnte.

Natürlich gibt es auch Unsympathen, doch manche sind nicht böse, und bei anderen ist es unklar, was sie im Schilde führen. Das ist das, was ich schade finde: es ist der Beginn einer Reihe, und das Buch ist nicht abgeschlossen, es häufen sich mehr Fragen auf als beantwortet zu werden. Doch während ich dies bei anderen Büchern ärgerlich finde, konnte ich mich hier wider Willen Pennys Charme nicht entziehen und werde mir wohl flink Band 2 und 3 auf Englisch kaufen (auf Deutsch sind sie noch nicht erhältlich), hoffend auf weitere Geheimnisse und Begegnungen mit den Kindern.

Manches Mal hat es mir regelrecht einen Stich versetzt, wenn die adligen Herrschaften so böse über Penny (niederes Dienstpersonal) oder die Kinder (bezeichnet als "die Unerziehbaren") sprachen, bevorzugt in der dritten Person, während sie neben ihnen standen. Das grausame Verhalten der Reichen wird sehr überzeichnet, sodass auch dem kindlichen Leser schnell klar ist, dass die "Wilden" und "Unzivilisierten" in Wirklichkeit nicht die Kinder sind. Denn die Kinder sind wissbegierig, bemühen sich Penny zu gefallen, sie sind aufmerksam und höflich, wenn auch manchmal etwas ... eigen. Aber dagegen gibt es Tricks, z.b. das "Eichhörnchen - Desensibilisierungs - Programm". Und Penny aus ihren ärmlichen Verhältnissen ist ein Goldstück, sie bleibt ruhig, hat immer einen weisen Spruch ihrer Lehrerin auf den Lippen. Passend für die damalige Zeit: sie ist 15, hat ihre Ausbildung abgeschlossen, ist bereits recht erwachsen und mitten im Leben. Trotzdem ist sie in vielen Dingen noch ein kleines Mädchen, liebt ihre Ponybücher und denkt manchmal noch etwas kindlich und naiv.

Die Reihe wird gelegentlich mit Lemony Snicket verglichen. Zugegeben, als ich das Hörbuch hörte, wunderte ich mich über diese Aussage, ich fand wenig Parallelen (abgesehen von dem jüngsten Kind, das mich mit seiner pfiffigen Art und ihrer Sprechweise ein wenig an die kleine Sunny erinnerte). Als ich allerdings über den "Blick ins Buch" bei Amazon ein paar Seiten des Buches las, musste ich schmunzeln. Ja, mit 3 CDs hat man das Buch wirklich sehr gekürzt, schon auf den ersten Seiten entdeckte ich viele kleinen Einschübe, die man weggelassen hat. Sie tragen nicht zur Handlung bei, sind von daher nicht relevant. Doch wie bei Lemony Snicket sorgen sie für einen gewissen spitzen Humor, die Erzählerin schweift ab, verleiht ihrer Geschichte kleine Akzente. Weniger bissig allerdings, ASHTON PLACE ist in seinem Grundton wärmer und weicher, weiblicher, wo Snicket dagegen bewusst das Düstere und Tragische seiner Erzählung betont. Man kann es nur bedingt vergleichen, finde ich.

Doch der Humor ist, wenn auch etwas stiller, ein ähnlicher. Er ergibt sich vor allem aus der Gegenüberstellung der beiden Parteien und den daraus resultierenden Konflikten. Das Aufeinandertreffen dieser zwei Welten sorgt häufig für ein Schmunzeln, manchmal auch für Traurigkeit, etwa wenn die Kinder plötzlich im Arbeitszimmer des Lords die Trophäensammlung an der Wand betrachten und darunter einen Wolf entdecken. Besonders witzig ist es, auf welche Weise die Kinder ihre Kreativität zum Ausdruck bringen und wie dies von ihrer Umwelt wahrgenommen wird.

Allerdings gibt es wenig Action, der Erzählstil ist ein eher gleichmäßig fließender. Ich würde das Buch eher jungen Bücherwürmern empfehlen, die etwas geübter sind und gerne lesen. Für Lesemuffel oder Gelegenheitsleser dürfte gerade zu Beginn etwas der Anreiz fehlen, die konkrete Handlung und die daraus resultierenden Konflikte finden sich erst im letzten Drittel.

Sprecherin des ersten Bandes ist Katja Danowski. Sie ist deutsche Theaterschauspielerin und hat bereits in einigen Filmen mitgewirkt. Ihre Stimme und Sprachmelodie passt sehr gut zu Penny und klingt angenehm weich im Ohr.

Alles in allem hat mir DAS GEHEIMNIS VON ASHTON PLACE sehr gut gefallen. Die Charaktere, die Atmosphäre, die Herzlichkeit, aber auch der leise Humor gefielen mir sehr. Die Folgebände hole ich mir auf jeden Fall, aufgrund der Kürzungen aber unbedingt in Printform. Ein Kinderbuch, das ich begeisterten Leseratten gerne empfehle.

Wertung: 8,5 von 10 Tableaus

SaschaSalamander 28.08.2012, 08.51| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Kinder, Humor, Reihe, Tip,

Blind Date mit dem Leben

Erster Satz:
Mein Lieblingsweg führt an der Außenalster entlang.

Letzter Satz:
Glück ist der Weg.

Aus: Saliya Kahawatte: Mein Blind Date mit dem Leben; Eichborn 2009

SaschaSalamander 27.08.2012, 13.17| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Mitternachtsraben

>Hier< habe ich von meinem ersten Hörerlebnis geschrieben. Die CD hatte mir eine Freundin in die Hand gedrückt "da, könnte Dir gefallen", ich habe sie auf dem Weg zur Arbeit gehört und abends nochmal mit meinem Mann gemeinsam auf dem Sofa, und tags darauf stand ich sofort im Laden und bestellte sie mir, seitdem kann ich gar nicht mehr zählen, wie oft ich sie bereits gehört habe. Sie begleitet mich im Alltag in den unterschiedlichsten Situationen, und leider kann ich die Texte noch immer nicht auswendig, aber bald dürfte es so weit sein. Mal höre ich nur einen bestimmten Track, ein andermal das gesamte Album.

Anlässe, bei denen ich die CD höre, gibt es viele. Z.B. wenn ich mit Kerzen in der Badewanne liege und komplett entspannen möchte. Oder wenn ich von der Arbeit komme, aufgeputscht und noch voller Hektik, etwas Ruhiges brauche zum Abkühlen. Wenn es mir gerade schlecht geht und ich etwas brauche, das mich wieder hochzieht. Wenn ich den Umweltlärm vor dem Fenster überdecken möchte, um nachmittags ein Schläfchen zu halten, sind die sanfte Stimme und die geheimnisvolle, ruhige Begleitmusik ideal. Wenn ich einfach mal ein paar Minuten Kultur brauche, die mich vom Alltag ablenkt und dabei dennoch anspruchsvoll ist. Wenn ich es mir mit einem Gläschen auf dem Sofa gemütlich mache und die CD gerade dazu passen würde. Oder weil ich beim Scrollen durch meine Playlist auf dem Ipod über das Album gestolpert bin. Oder weil ich dachte "jetzt hätte ich mal wieder Lust auf Numensang und Schattenbastard". Es gibt unzählige Gründe, und eigentlich brauche ich gar keinen Grund. Ich liebe diese CD und habe sie weit öfter gehört als alles andere, was ich auf dem Player an Texten habe.

Fast ein halbes Jahr ist das nun her, mindestens einmal die Woche habe ich mindestens eines der Gedichte gehört, und jedes Mal habe ich mir vorgenommen "JETZT schreibe ich ENDLICH eine Rezension". Trotzdem habe ich bis jetzt gewartet. Der Grund ist, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Und dass ich auch nicht so recht weiß, wie ich meine Gefühle und Gedanken in Worte fassen soll. Eine beobachtende Beschreibung, wie ich sie normalerweise verfasse, ist mir hier nicht möglich, zu tief berühren mich die Gedichte und die Musik. Und eine allzu persönliche Beschreibung, was sage ich damit über mich aus, will ich das, und wer will das überhaupt lesen?

Bevor ich mich weitere zahllose Monate mit einem schlechten Gewissen plage, weil diese CD auf jeden Fall eine Rezension verdient hat und ich mich weiterhin davor drücke, möchte ich sie also wenigstens vorstellen, meine Gedanken mit Euch teilen. Eine sachliche Rezension ist es nicht. Aber muss es ja auch nicht sein, oder? Also, hier ein paar meiner Gedanken, unsortiert, kunterbunt und äußerst unobjektiv, aber sosehr von Herzen, wie es ein Beitrag hier nur sein kann

Frank Zappa sagte einmal "Über Musik zu schreiben ist wie über Architektur zu tanzen". Gut, nun sind es Worte, über die es hier zu schreiben gilt, aber diese Worte empfinde ich als sehr viel mehr. Für mich sind diese Worte Melodie, ein Lebensgefühl, sie vermitteln Emotionen, sie gehen über reine Unterhaltung hinaus. Dazu die Musik, die so perfekt passt, so viel transportiert, auch sie zu beschreiben wäre ... naja, wie eben über Architektur zu tanzen. Es geht nicht, ich schaffe es nicht.

Die Gedichte in ihrer düster-romantischen Art erinnern in ihrer Schwermut, ihrer Aussage, ihren Themen und vor allem ihrem Stil an Poe. Eine Aussage, die ich keinesfalls leichtfertig treffe, da Poe für mich einer der absolten Größen und mein Favorit ist. Schon oft las und hörte ich Gedichte oder Geschichten, denen man dies nachsagte, und immer wurde ich enttäuscht. Nur, weil etwas düster ist oder melancholisch, gothic oder was auch immer, ist es noch lange nicht "wie Poe". (Aber auch hier: das zu analysieren wäre hier zu aufwändig)

Der Hörer (und Leser, denn die kompletten Gedichte sind auf einem Büchlein im Booklet enthalten) begegnet fantastischen Wesen, etwa dem personifizierten Tod, einer Nymphe, einem steinernen Engel, einem Schattenwesen, einer Fee, mehreren Raben, dem ewigen Juden Ahasver. Manche dieser Wesen sind real, andere Metaphern, und wieder andere Trugwesen, wer vermag zu sagen, was echt und was Traum?

Themen sind Eros und Thanatos, die Sehnsucht nach Liebe und Tod. Und dazwischen die Gier nach Leben, nach Fülle, nach Erfüllung, Leidenschaft und Lust. Das Geheimnis der Metarmorphose, häufig verbunden mit dem Übergang vom Leben in den Tod oder eine andere Wesensform, Tod als Wandlung und Transformation. Man könnte es als kitschig-romantisch bezeichnen, doch in meinen Augen hebt sich der Autor mit dieser CD deutlich von ebendiesem Klischee ab. Die Gedichte sind so verfasst, dass sie sich von typischen Todessehnsuchtsgedichten a la "ich-bin-Goth/Emo-und-deswegen-ach-so-literarisch" abheben (unnötig zu erwähnen, ich möchte jedoch nicht, dass bei dem, was ich hier schreibe dieser Eindruck entsteht. Denn diese Art Gedichte mag ich nicht). Im Grunde hätte jedes dieser Gedichte eine eigene Analyse verdient, den Aufbau und die Sprache hier explizit auszuführen würde eine einfache Rezension um Weiten sprengen, ein objektiver Rezensent könnte das in einer kurzen Zusammenfassung und jeder Menge hochliterarischem Geschwurbel vielleicht schaffen, aber mir ist es nicht möglich.

Außerdem: Ich will die Gedichte gar nicht analysieren, möchte sie nur wirken lassen, ihren Zauber spüren, möchte ausgelassen mit "Nymph und Sylph und Salamander" im trunkenen Bachhanal tanzen. Allein der Wohlklang dieser drei Worte, der Sylph eine lautmalerische Brücke zwischen Nymph und Salamander, mit m und ph des ersten und den Buchstaben S und l an erster bzw dritter Stelle). Ich habe es mir bereits ungezählte Male auf der Zunge zergehen lassen, die Worte geschmeckt, mich daran gelabt. Wie soll ich eine komplette CD rezensieren, wenn ich doch schon bei jedem einzelnen Satz ins Schwärmen gerate?

So viele einzelne Sätze, die ich herauspicken könnte. Nur einen: "Schatten sind seltsame Delikatessen, und seltsam ist auch die Moral der Geschicht: will einer dich zwingen, Schatten zu fressen, so schlage ihn tot und trete ins Licht". Aus dem Zusammenhang gerissen klingt dies seltsam, im Kontext der gesamten Geschichte ist es einleuchtend, und die Verbindung zwischen Leben, Tod und Wandlung, der Übergang vom Schatten ins Licht, ist hier in diesem abschließenden Satz gelungen zusammengefasst. Und dieser Satz ist ein gutes Beispiel für die ungewöhnliche Erzählweise des Autor. Doch bevor ich ausschweife: lest diesen Satz laut, lauscht seinem Klang, spürt ihn auf der Zunge, spürt ihn in Euch, versucht nicht ihn zu ergreifen, sondern laucht nur nach innen ...

Christian von Aster liest seine Texte selbst ein. Er nimmt sich sehr zurück, überlässt die Wirkung komplett dem Text. Still und ruhig umschmeichelt er mit sanfter Stimme das Ohr des Hörers, es ist entspannend und beruhigend ihm zu lauschen. Dazu die Musik, die den klangvollen Worten das rechte Gewicht verleiht, ohne sie mit Schwere zu belasten, immer etwas leiser als die Sprache aber stets präsent, eine perfekte Einheit aus Wort und Melodie. Beides zusammen, die Stimme und die Musik, empfinde ich als perfekt zum Träumen: es entschleunigt, beruhigt, regt zum Träumen an und sorgt mit einer gewissen Wehmut dennoch für die erforderliche Erdung, um nicht vollständig abzudriften. Was mir sehr gut gefällt und wofür ich diese CD besonders liebe: gerne würde ich Musik oder Text hören zum Einschlafen oder Entspannen, doch auf allen CDs ändert sich Tempo, Lautstärke, die mich dann aus meiner Stille herausreißen. Hier dagegen ist alles so abgemischt, dass man durchgehend hören kann, dass man auch gerne einmal abdriften, einnicken, vollständig abschalten kann. Und trotzdem ist es niemals monoton, dennoch folgt alles einer gleichmäßigen, wohltönenden Melodie, auch die Stimme wirkt wie ein Teil der Musik.

So, das war es, was mir auf dem Herzen lag. Im Groben. Denn eigentlich wäre es noch zehnmal soviel. Und jedes Mal, wenn ich einen Track oder die CD höre, finde ich weitere Gründe, warum ich so begeistert bin, erschließen sich mir weitere Interpretationen, höre ich wieder eine Besonderheit, die mir bisher entgangen war. Aber ich denke, das hier sollte vorerst genügen ;-)

Wertung: Außer Konkurrenz!


SaschaSalamander 27.08.2012, 08.17| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Deutsch, Tip, Fantasy, Dark, Romantik,



 






Einträge ges.: 3341
ø pro Tag: 0,7
Kommentare: 2745
ø pro Eintrag: 0,8
Online seit dem: 21.04.2005
in Tagen: 4657