SaschaSalamander
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Mami, ist das vegan

Jumana Mattukat wird vegan. Aber da sind noch Mann, zwei Kinder und ein Haustier. Nun steht sie vor der Frage, wie weit sie ihre Überzeugung auslebt. Sie möchte auch für die Kinder nur das beste, aber ist es sinnvoll, Kinder auf vegane Ernährung umzustellen? Und wird es ihnen schmecken? Was, wenn der Ehemann weiterhin Fleisch essen möchte? Was ist mit dem Fleisch für die Katze? Wie geht sie damit um, wenn sie bei ihrer Mutter eingeladen ist und diese voller Stolz das bisher so geliebte Lamm serviert? Wie soll sie es den Freunden aus der Kochgruppe sagen, ohne diese vor den Kopf zu stoßen?

Das Buch der Journalistin Mattukat ist kein Roman mit fortlaufender Handlung, auch kein Sachbuch mit exakten Angaben zur veganen Ernährung. Ebenso ist es kein Kochbuch, sondern es sind gesammelte Erfahrungen einer Mutter und ihre ersten Gehversuche als Veganerin inmitten von Fleischessern, am Ende mit ein paar Rezepten ergänzt. 

Rezepte: Manchen Kritiken im Netz entnehme ich, dass die Leute gerne ausgefallenere Rezepte gehabt hätten. Finde ich nicht, denn gerade hier gefällt mir, dass es nicht raffiniert, kompliziert oder aufwändig ist, sondern perfekt in den Alltag einer berufstätigen Frau mit Kindern integrierbar. Lecker, simpel und ohne dafür teure Zutaten kaufen zu müssen. Schlicht, sodass man es problemlos für den Mann mit etwas Speck aufwerten kann, der Tochter ein paar Käsewürfel dazugibt und für den Sohn alles mit pflanzlicher Milch bereitet. Gerade so simple Rezepte wie Gemüsebrühe mit Karotten und Nudeln zeigen, dass Kinder oft die einfachen Dinge lieben. Ich finde es toll, dass die Autorin den Mut hat, keine Hochglanzkreationen zu präsentieren sondern ihren Alltag. Ideal zum Nachkochen, auch ohne teure Zutaten und stundenlangen Aufwand. 

Infopart: Für meinen Geschmack erzählt sie zwischendurch etwas zuviel vom Leid der Tiere. Mich interessieren eher die Erfahrungen mit der Umwelt und ihre Gedanken zu den Problemen des Alltags. Die ethischen Gründe sind mir bekannt, dafür las ich Grabolle, Foer, Kaplan, Sezgin, Singer, Joy und Co. Ich empfinde so etwas immer als Keule, die man den Leuten nicht reindrücken muss, aber das ist Ansichtssache. Außerdem sind in dem Buch ihre Erfahrungen. Sie hat während des Schreibens neue Dinge gelernt über Tierhaltung, und sie muss sich manches auch immer wieder ins Gedächtnis rufen, um ihren Standpunkt zu vertiefen. Denn noch ist ihr Weg nicht gefestigt, noch hat sie sich nicht mit allen Punkten befasst. Daher sind die ethischen Aspekte ein notwendiger Teil im Buch, weil es ihren veganen Werdegang spiegelt. 

Ich finde, gerade als Einsteiger kann man sich sehr gut darin wiederfinden. Vegan zu werden funktioniert selten über Nacht. Meist fängt man damit an, die Ernährung schrittweise umzustellen. Dann ist man plötzlich vegan. Bis man plötzlich merkt "oh, Wein etwa auch?" und "was soll an Honig schlimm sein". Obwohl man sich also bereits als vegan bezeichnet, kommen nach und nach immer mehr Themen dazu, wird man quasi von Monat zu Monat ein Stückchen mehr vegan und erfährt immer mehr darüber ... und muss immer wieder neu für sich überlegen, wo man die Grenze zieht. Wenn man sich damit befasst, entdeckt man Bereiche, mit denen man niemals im Leben gerechnet hätte. 

Mir gefällt, wie die Autorin diese Dinge angeht. Sie nimmt die Probleme ernst, verrennt sich aber nicht plötzlich in irgend etwas. Sie respektiert die Einstellung ihrer Umwelt, möchte nicht missionieren aber trotzdem selbstbewusst den nun gewählten Weg gehen. Ein schöner Mittelweg aus Konsequenz und Kompromiss. 

Zielgruppe? Hm, ich denke die Zielgruppe ist bei diesem Buch breit. Natürlich sollte man der veganen Ernährung gegenüber zu einem gewissen Grad aufgeschlossen gegenüberstehen. Für Interessierte ist es schön zu sehen, dass es nicht so verbissen ist und ein schrittweiser Prozess beginnt. Es dürfte vielen Omnis die Angst vor der pflanzlichen Ernährung nehmen. Frisch gebackene Veganer fühlen sich bestärkt in ihren Erfahrungen, weil sie vor den gleichen Fragen und Problemen stehen und sehen, wie ein anderer mit diesen Dingen umgeht. Und wer schon lange tierfrei lebt, der sollte sich gerade solche Einsteigerbücher durchlesen, finde ich. Denn manche Hardcore-Veggis vergessen vor lauter Enthusiasmus manchmal, dass es außer ihrem Standpunkt auch noch den von Toleranz geprägten Lebensstil gibt, der gelegentlich auch Ausnahmen zulässt, um nicht neues Leid in Form von Moralkeule und Abschreckung zu erschaffen ... 

Kurzweilig, unterhaltsam, und doch informativ. Es tut gut, seine Erfahrungen auf diese Weise zu teilen. Danke, Frau Mattukat, dass Sie uns daran teilhaben lassen :-)

SaschaSalamander 30.06.2014, 08.41| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Deutsch, Vegan, Erfahrungen, Kochen,

Statistik KW 26

GELESEN / GEHÖRT
Das Nebelhaus (E Berg)
Wenn gesundes Essen dick macht (LG Recitas)
Die eisige Göttin (I Pala)
Mami, ist das vegan (J Mattukat)
Lindbergh 01 (Ahndongshik)


GESEHEN
Conjuring - Die Heimsuchung
Modern Family Staffel 2
Die Eiskönigin


NEUZUGÄNGE
Verführung mit Worten (K C Angermyer)
Der Liebe ganze Härte (M Jo)
Air Koi (K Nanajima)
Silo (H Howey)
Gute Nacht, PunPun 06 (I Asano)
Peter Green Songbook 

SaschaSalamander 29.06.2014, 19.56| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Verspielte Bentos

Heute ein paar verspielte Bentos. So ernst ich im Alltag auf andere oft wirke, meine Futterbox soll zwischendurch so richtig bunt und niedlich sein. Manchmal brauch ich einfach was, das mich zum Lächeln bringt, wenn mal wieder die Hölle los ist in meinem Büro ;-)



Mini Reiswaffeln (Felix der Hase, mit Waldbeergeschmack), zwei Falafelbällchen. Dazu Chorizo von Spacebar und Gurkenscheibchen. Serviert von glücklichen Kätzchen und Hunden ;-)



Schon ein wenig älter. Nuggets (weiß nicht mehr, ob noch Hühnchen oder schon Seitan) mit Dekoblümchen. Dazu Reis mit Ahornblatt-Deko. Außerdem Mandarine, Alfalfasprossen, Paprika und Feldsalat. Im Döschen Sauce für die Nuggets.



Reis mit zwei Falafelbällchen. Dazu Paprikastreifen, Gurkenscheibchen und Karottenherzen :-)

SaschaSalamander 27.06.2014, 08.50| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Bento Galerie

Die sonderbare Buchhandlung des Mr Penumbra

Es ist schon etwas länger her, dass ich das Hörbuch gehört hatte. Ich habe auch irgendwie nicht den Nerv und die Zeit, die Rezension zu schreiben, die das Buch meiner Ansicht nach verdient hätte. Also ist es mal wieder Zeit für unsortierte Stichpunkte ;-)

Klappentext: Als Clay Jannon seinen Job als Webdesigner verliert, meldet er sich auf eine Stellenanzeige hin bei Mr. Penumbra, der in San Francisco eine alte, verstaubte Buchhandlung betreibt, die rund um die Uhr geöffnet ist. Clay übernimmt die Nachtschicht, und bald ist ihm klar, dass hier irgendetwas nicht stimmt: Die Kunden kaufen nichts, sondern leihen die Bücher nur aus, drei Stockwerke hohe Regale beherbergen riesige Folianten, die keine Texte beinhalten, sondern nur ellenlange Reihen aus Buchstaben. Nach und nach findet Clay heraus, dass Mr. Penumbra und seine Kunden einem uralten Geheimnis auf der Spur sind. Mit der Unterstützung seiner Freundin Kat und seines ältesten Kumpels Neel, sowie der Weisheit von Mr. Penumbra, macht sich Clay daran, dieses Geheimnis zu lüften. Ein Geheimnis, das bis in die Anfangszeiten des Buchdrucks zurückreicht.

- ein Nerdbuch ohnegleichen. Zwar geht es um Bücher, aber nur Leseratten finden keine Freude daran. Mal sollte technikaffin sein, Freude an Pen and Paper haben, sich mit Comics auskennen und insgesamt ein wenig seltsam sein.Und vielleicht ein bisschen Latein. Das hilft ungemein. Das Buch hat sehr viele Anspielungen, ohne die es sonst schnell langweilig wird.

- viele Leser beschweren sich über Product-Placement und ärgern sich über Schleichwerbung. Sehe ich nicht so. Wenn Kat auch bei Google arbeitet und die Arbeit nicht nur mit der Maschine sondern dem kompletten System ein wichtiger Part der Handlung ist, dann ist die Erwähnung von Google und anderen Produkten einfach unabänderlicher Teil des Buches. Es wäre lächerlich es zu tarnen und der Firma einen anderen Namen zu geben, da würde der Autor seine Leser für blöd verkaufen, also lieber direkt und geradeheraus.

- außerdem ist es witzig, wenn man viele Dinge wiedererkennt, ob nun die verwendeten Apps und Programme oder die Methoden, wie gearbeitet wird sowie die Gadgets, die sie nutzen. Oder die Bücher, die erwähnt und gelesen werden

- Apple, Google, Koble, Kindle, Amazon, Fruit Ninja,  Tolino und Co. Nein, kein Product Placement. Sondern eine Verbindung zwischen Tradition (verstaubte alte Bib) und Moderne. Beides hat seinen Platz, beides wird gelobt. Und die militanten Verfechter beider Parteien bekommen ihr Fett weg, Kritik wird zwischen den Zeilen geübt, wenn Google doch nicht alles kann und immer wieder Grenzen überschreitet oder die Bücherfreunde in ihrer Forschung nicht vorankommen, weil sie sich weigern Technik in ihre Arbeit einzubeziehen und einfach nicht wahrhaben wollen, dass die Welt nach Erfindung des Buchdruckes nicht aufgehört hatte sich zu drehen. Das Buch sagt "schließt endlich Freundschaft, Ihr seid beide toll"

- Spannung von der ersten zur letzten Minute. Aber keinerlei Action. Spannung eher im sozialen Miteinander, im Lösen des Rätsels (das nicht mal wichtig ist, sondern einfach nur interessant). Kein Blut, keine Gefahr. Ich mag es, wie die Handlung vor sich hinfließt

- Alte Nerds (Astrolab, Geheimcodes, Kult, Sekte, Kellergewölbe, Arbeit im Kerzenschein) treffen auf moderne Nerds (Google, Apple, Vernetzung, Pen and Paper, Comics, Actionfilme, Fantasyliteratur, Programmcode zur Berechnung der naturgetreuen Animation von 3D-Busen in Computerspielen)

- die Charaktere sind sympathisch, aber ihnen fehlt der letzte Schliff. Sie wirken stellenweise etwas steif und leblos. sie sind nicht so tiefgründig, wie das Buch es vorgaukelt, und man hat sie sehr schnell nach der Lektüre wieder vergessen. Hier hätte das Buch mehr Potential gehabt

- Beziehung der Menschen untereinander ist eher nebensächlich. Am Ende trennt sich ein Paar, das ich bisher eher als Freunde empfunden hatte und erstaunt war, dass sie scheinbar als Paar galten. Egal, das war auch nie die Hauptsache das Buches 

- gelegentlich bissiger Humor. Weniger Splapstick oder Situationskomik. Vielmehr die Windungen des Lebens und die Interaktion der Charaktere. Eine Menge schräger Vögel und noch schrägere Dinge, die sie tun und denken

- die Auflösung ist etwas enttäuschend. Irgendwie wartete ich auf den Twist, den großen Knall, das AHAAAAA. Nichts davon kam. Es gibt eine Lösung, sie passt zum Buch, aber sie schwächt das Buch in der Nachwirkung ziemlich ab. Auch hier wäre mehr möglich gewesen, schade

- überhaupt: ich hatte zwischendurch gewartet, dass irgend etwas passiert. Es war spannend, ja. Aber es passiert fast nichts. Das ist sehr ungewohnt für ein Buch, und gelegentlich wäre etwas weniger mehr gewesen. Der Spannungsbogen hat sich etwas zu lang gestreckt.

FAZIT: trotz des schwachen Endes und der gelegentlichen Schwächen im Tempo ein tolles Buch. Allerdings ein Buch für eine eher kleine Zielgruppe: Technikfreaks mit Vorliebe für Comics, Fantasy und den Duft von alten Büchern. Alle anderen werden sich fragen "was soll das", aber die Zielgruppe dürfte restlos begeistert sein


SaschaSalamander 26.06.2014, 08.48| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Angriff der Killerkekse

1. Ansage
2. Der Fußball, der lahmt
3. - 4. In der Muckibude
5. Kackwürste mit Kosenamen
6. - 7. Der Tag, an dem ich das Meerschweinchen rettete
8. - 9. Der Gummibaum
10. - 12. Angriff der Killerkekse
13. - 14. Faltenwolf grüßt Krokotasche
15. Warum ich Stuntman werden will
16. - 17. Das hohe Lied der Vergesslichkeit
18. Absage

Klingt herrlich schräg, oder? Ich kann es kaum erwarten, die CD von Wilhelm Ruprecht Frieling zu hören. Vorgetragen von Stefan Kaminski. Keine Ahnung, was mich erwartet, aber es wird sicher genial ;-)



SaschaSalamander 25.06.2014, 09.12| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Kapitel

L´Osteria

Pizza, mmmmh! Ich mag weniger die amerikanischen, dick belegten mit meterdickem Boden. Lieber die italienischem mit hauchfeinem, knusprigen Boden. Der Belag nicht so dick, dafür lieber exquisit. Und sowas bekommt man in der Osteria. Link kann ich nicht geben, denn selbst auf der Hauptseite sind nur drei von weit mehr Ketten angeführt, meine Favoriten sind nicht mal dabei. Einfach Ausschau halten nach dem roten Logo mit der weißen Schrift ;-)

Will gar nicht viel dazu schreiben, das Foto spricht für sich ;-)

Wichtig für Freunde pflanzlicher Kost: es ist zwar eine Kette, trotzdem sollte man nachfragen, ob Nudeln oder Pizzateig Ei enthalten. Ich habe angerufen, eine Filiale bestätigte mir, dass sie Ei verwenden, eine andere verneinte dies, es hängt wohl vom jeweiligen Pächter ab, sagte man mir. 

Doppelt so groß wie der Teller. Halb so groß wie der Tisch. Hauchdünn und sehr ausgewählt belegt. Habe die vegetarische bestellt und statt Käse um eine weitere Zutat gebeten. Ergebnis: köstlich! Ananas, Paprika, Champignons, Artischocken, Tomaten, zwiebeln, eine sehr leckere Mischung, saftig und fruchtig. Es fehlts nichts, ohne den Käse konnten die Zutaten richtig schön ihren Geschmack entfalten, das war in der Anfangszeit für mich ein ganz neues Erlebnis, das mich erstaunte. Dachte ich doch früher, dass Käse DAS I-Tüpfelchen ist. Dabei hat er oft den Geschmack überdeckt ... 

Für 10 Euro pro Pizza kann man da nichts falsch machen (die Hälfte nimmt man meistens mit nach Hause) ... 

Mich amüsiert auf dem Bild gerade die Perspektive. Denn eigentlich sind beide Pizzen gleich groß. Achtet mal auf seine Hand, die neben der Pizza liegt, dann er kennt Ihr, wie groß die Dinger sind)


SaschaSalamander 24.06.2014, 08.52| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: V-Nürnberg

Der Altmann ist tot

Frau Freitag und Fräulein Krise sind inzwischen vielen Lesern bekannt. Das Autorinnen-Duo arbeitet in Berlin als Lehrerinnen, beide haben eigene Bücher veröffentlicht, das bekannteste darunter CHILL MAL, FRAU FREITAG. 

Mit CHILL MAL FRAU FREITAG und dem Nachfolger VOLL STRENG, FRAU FREITAG konnte ich nicht ganz so viel anfangen, denn die Stories sind zwar witzig, aber für mich irgendwie Alltag, ich möchte lieber etwas zum Abschalten. Habe selbst solche Kids unterrichtet. Auch die Erzählweise der einzelnen unzusammenhängenden Episoden ist für mich in diesem Kontext wenig interessant. GHETTO-OMA von Frl Krise kenne ich nicht.

DER ALTMANN IST TOT dagegen reizte mich umso mehr. Ein Krimi, diesmal beide Lehrerinnen vereint. Keine gesonderten Episoden, sondern eine fortlaufende Handlung: der wenig beliebte Lehrer Altmann wird ermordet. Während die Polizei ermittelt, machen sich die beiden Kolleginnen eigene Gedanken. Kommissar Zufall kommt ihnen dabei sehr oft zur Hilfe, und so lösen die beiden nicht nur den Fall des toten Mathelehrers sondern kommen auch noch einer kriminellen Bande auf die Spur und müssen sich im Alltag zwischen Kopierer, Sportfest, türkischer Hochzeit, Verfolgungsjagden und Vertretungsstunde beweisen. 

Doch, dieser Band war eine nette Abwechslung, die mich schön ablenkte und für witzige Stunden sorgte. Ich hörte das Hörbuch, gelesen von Kebekus (Fr Freitag) und Joseline Gassen (Frl Krise). Die beiden passen sehr schön zu den vorgegebenen Charakteren. Die eine jung, quirlig, oft unvernünftig und mit rotzfrecher Schnodderschnauze. Die andere älter, gesetzter aber doch lebenslustig und mit Pfeffer. Sie können auch die unterschiedlichen Charaktere gut darstellen. Den passenden Berliner Deutschtürken-Dialekt kriegen sie zwar nicht zu 100 Prozent hin in Melodie und Tonfall, aber es klingt trotzdem recht authentisch und witzig. 

Mit einem normalen Krimi würde ich das Buch allerdings kaum vergleichen. Es hat eben den tpischen Fr. Freitag - Stempel, und Frau Freitag ist eben keine Ermittlerin. Vielmehr mischt sie sich neugierig in fremde Angelegenheiten, verpatzt die Observierungen, hat völlig unvernünftige Ideen für Verkleidungen oder Recherche und tut auch sonst eine Menge unpassender Dinge. Und Frl Krise hat eigentlich viel mehr mit der Suche nach einem neuen Kinderwagen für die kleine Victoria-Estelle zu tun, die eine ehemalige Schülerin immer wieder bei ihr zum Babysitten vorbeibringt. Ich empfand den Krimi als roten Faden, nicht als Hauptthema, aber doch angenehm, um die einzelnen Episoden miteinander zu verbinden und die Charaktere des Kollegiums, der Schüler und Ehemaligen besser kennenzulernen. Was den Realismus betrifft - ja, es beinhaltet kein Fantasy. Und ja, solche Schülerkommentare gibt es wirklich. Aber das Verhalten einzelner Personen ist schon sehr stark karikiert und überspitzt, doch gerade diese oft absurden Situationen machen den Reiz dieses ungewöhnlichen Buches aus. Auch, wenn  manche der Aktionen in der Realität so niemals umsetzbar wären.

Wer sich in Berlin und vor allem Neukölln ein wenig auskennt, wird vieles wiedererkennen. Die Autorinnen haben den Schulalltag aber auch das Berliner Alltagsleben gekonnt eingefangen und liebevoll karikiert. Auch die türkische, arabische, kurdische Kultur der Schüler wird sehr schön beschrieben. Etwa die Schnitzeljagd der Schüler mit all den schrägen Antworten, die Hochzeitsfeier mit den Bräuchen und Traditionen, das Treiben an belebten Plätzen, eine ganz "normale" Schulstunde. Das hat Charme und Witz, das tut gut zu hören und hat richtig Spaß gemacht. Danke, Frl Krise und Fr Freitag. Ich hoffe auf weitere Bücher, die nicht nur blogartig Episoden erzählen sondern eine Handlung verfolgen. Der Grundstein für den nächsten Kriminalfall ist ja bereits gelegt ;-)

SaschaSalamander 23.06.2014, 09.10| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:



 






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