SaschaSalamander
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Lost and Found

ponczeck_lostfound.jpgLOST AND FOUND sprang mir aufgrund seines Covers sofort ins Auge. Ich finde, es sticht durch das intensive Blau und den schlichten aber hübschen Stil doch sehr aus der Menge der anderen Titelbilder hervor. Natürlich war ich neugierig, was sich hinter dem Titel verbergen könnte, und bei Shonen Ai musste ich natürlich zugreifen.

Shunsuke ist ein ganz normaler Schüler, nur dass er in seinen Klassenkameraden Kyohei verliebt ist. Dieser allerdings interessiert sich nur für Mädchen. Und Shunsukes Sandkastenfreundin eröffnet ihm, dass sie in ihn verliebt ist. Er ist hin und hergerissen, möchte sein Geheimnis für sich behalten, doch seine Freundin macht ihm Mut zur Offenheit, möchte ihn gerne unterstützen. Shunsuke nimmt sich dies zu Herzen und macht Kyohei ein Geständnis. Danach nehmen die Dinge eine Wendung, wie Shunsuke sie sich trotz seiner Ängste nicht hätte ausmalen können, es wird immer schlimmer. Einzig ein Fremder, der ihm gelegentlich über den Weg läuft, scheint nun sein Verbündeter ...

Aufgrund der großen Panels und nur wenigen kurzen Textpassagen ist der Manga leider viel zu schnell gelesen, gerne hätte ich mich länger in die eigentlich sehr schöne Geschichte vertieft. Ich finde es schön, dass die Autorin einmal vom klassischen Schema abgewichen ist und nun statt einer Liebesgeschichte ein Drama erzählt. Es ist die tragisches Geschichte eines Jugendlichen, der zwangsgeoutet und gemobbt wird, von zu Hause keine Unterstützung erhält und sich alleine in einer Welt voller Menschen findet, die anders zu sein scheinen als er. Eine Tatsache, die zwischen all den romantischen Liebeswirren und heißen Küssen der sonst üblichen Boys Love gerne übersehen wird, denn die Realität ist für homosexuelle Männer leider nicht so rosig wie in diesen Geschichten geschildert.

Was ich an der Story schade finde ist das recht krasse Ende, oder besser gesagt die extreme Ausgestaltung des fremden Jungen. Eine brisante Hintergrundgeschichte, eine heftige Vergangenheit okay, was hier präsentiert wird finde ich dem eher realistisch gehaltenen Beginn gegenüber schon sehr heavy und unpassend. Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen und zerstört leider ein wenig das ansonsten sehr positive Gesamtbild der restlichen Erzählung. Weniger das Thema an sich als vielmehr der drastische Wechsel des Genres vom Drama hin zum Hardcorecrime, was zuvor mit keinem Wort angedeutet wurde und auch nicht nötig gewesen wäre.

Zeichnerisch gefällt mir Mikikos erster Manga sehr gut. Man merkt, dass sie noch am Beginn ihrer Karriere steht, erkennt aber auch, dass sie einen sehr eigenen und vor allem aussagekräftigen Stil hat. Sie vermag es, auch ohne Worte Geschichten zu erzählen und Emotionen zu vermitteln, allein durch Körperhaltung und Gestik. Sie zeichnet schmucklos ohne Hintergründe, Details, Faltenwürfe, legt dafür sehr großen Wert auf die Darstellung ihrer Charaktere.

Es gibt zwei Arten von Künstler (ob nun Musik, Autoren, Zeichner etc): die einen scheinen von Beginn an alles sofort zu können und ruhen sich dann auf ihrem Erfolg aus, müssen nicht mehr besser werden, beginnen nachlässig zu werden und sinken ab. Und dann gibt es diejenigen, die zwar Talent haben aber noch lernen müssen. Sie arbeiten daran, verbessern sich, intensivieren ihre Arbeit, lernen aus den Fehlern und werden von Mal zu Mal besser. Das sind die Künstler, die ich mag, denn sie legen Herzblut in ihr Werk, und ich liebe es, sie dabei zu beobachten, wie sie sich immer mehr steigern. Mikiko ist so jemand: zeichnerisch und storytechnisch muss sie hier und da noch ein wenig feilen, aber sie hat großes Talent, wie man auch auf ihrer >Homepage< sehen kann. Ich freue mich auf weitere Titel von ihr und bin gespannt, wie sie sich weiterentwickeln wird. Ihre Zeichnungen mag ich jetzt schon, denn man sieht ihr klar an, dass sie bereits einen Weg gefunden hat: keine störenden Details, dafür absolute Konzentration auf das Wesentliche, sowohl in den Zeichnungen wie auch in der Story.

Leider war es in diesem One-Shot nicht möglich, die Geschichte um Shunsuke auszubauen. Gerne würde ich einen Mehrteiler von ihr lesen, in dem sie den Charakteren und deren Entwicklung Raum zur Entfaltung geben kann.

Einen kurzen Vergleich zur Geschichte KÖNIG DROSSELBART in der Sonderedition des GRIMMS MANGA möchte ich kurz noch anfügen: die Zeichnungen und Inhalte sind getreu dem Gesamtbild des Manga eher humorvoll gehalten, die Panels sind deutlich kleiner, trotzdem erkennt man ihre Eigenheiten sehr deutlich: Fokus auf das Wesentliche, kein einziger unnötiger Strich, stringent und effektiv erzählt, nicht umsonst eine meiner liebsten Geschichten dieser Anthologie.

Zur seichten Nebenbeiunterhaltung sollte man den Manga nicht lesen, das wäre schade und dem Werk nicht gerecht. Man sollte sich die Zeit nehmen, die Story wirken zu lassen und in den ansonsten schlichten Zeichnungen die filigranen Zwischentöne wahrzunehmen. Auf jeden Fall sollte man Mikiko Ponczeck als junges Talent im Auge behalten. Ich werde ihre Titel weiter verfolgen und bin schon sehr gespannt auf ihr weiteres Schaffen :-)

SaschaSalamander 30.09.2011, 16.46| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Manga | Tags: Drama, Queer,

Wer früher stirbt ist länger tot

werfrueherstirbt_1.jpgInzwischen finde ich hier und da ein paar Minuten zum Lesen, fürs Rezensieren fehlt mir aber noch die Zeit. Die nächsten Tage wird es etwas ruhiger, und ich kann es kaum erwarten, Euch meine aktuellen Titel vorzustellen. Aber bis dahin noch ein bisschen Knabbern am Vorrat. Diesen Film habe ich zweimal gesehen, und ich werde ihn wohl bald ein drittes Mal sehen, ich kann einfach nicht genug davon kriegen. Sobald die DVDs da sind, möchte ich mir ALMANYA - WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND und SUMMER IN ORANGE holen von den gleichen Machern!

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Auf die Gefahr hin, mich zum unzähligsten Male zu wiederholen: deutsche Filme liegen mir nicht. Aber ich bin nicht prinzipiell dagegen. Es gibt manchmal ein paar Glanzlichter, die mir ausgesprochen gut gefallen und sogar zu meinen Favoriten zählen. Und schon wenige Minuten nach Beginn war klar, DIESER Film würde auf jeden Fall dazugehören!

Der 11jährige Sebastian ist ein echter bayerischer Lausbub. Während eines Streits wirft sein älterer Bruder ihm vor, die Schuld am Tod seiner Mutter zu tragen, die bei seiner Geburt verstarb. Und wer Schuld auf sich läd, der wird nach seinem Tod im Fegefeuer büßen. Sebastian hat nun Angst, denn abgesehen von dem Tod seiner Mutter hat er viele weitere Dinge angestellt. Etwa die Hasen des Bruders getötet, möglicherweise den Tod von Evis Oma verursacht, er hat einem Gast in der Wirtschaft ins Essen gespuckt und viele bösen Dinge mehr. Der Junge sieht nur eine Möglichkeit, wie er dem Fegefeuer entgehen kann: er muss unsterblich werden! Und wenn das nicht klappt, dann muss er wenigstens seine Schuld bereinigen, indem er seinem Vater eine neue Frau sucht.

Ein wunderbarer Film! Vordergründig mag er aus vermeintlich platten Witzen bestehen: ein Junge baut jede Menge Unsinn, alles geht schief, und der Humor ist ziemlich derb. Wenn man jedoch zwischen den Zeilen liest, ist es ein sehr vielschichtiger Film, der auf ungewöhnliche Weise die Ängste eines Jungen aufzeigt. Geprägt von einer streng katholischen Erziehung, versucht er seine Seele reinzuwaschen. Er möchte Gutes tun, und je edler sein Ansinnen, desto schlimmer das Ergebnis. Es gibt auch keinen Erwachsenen, dem er sich anvertrauen kann, sodass er nach außen hin kindlich-naive Fragen stellt und eben die Antworten auf allein diese Fragen erhält, niemals jedoch für sein eigentliches Problem. Auf die Frage, wie man unsterblich wird, erfährt er also von Vampiren in Transsylvanien, von den sieben Leben einer Katze, von der Fortpflanzung zwischen Mann und Frau, von legendärer Musik. Doch seine Versuche als Casanova, Vampirfreund, Katzenlebentester, Rockmusiker sind leider zum Scheitern verurteilt, denn woher soll er die Gitarre nehmen, wie soll er nach Transsylvanien kommen, etc?

Ich habe den Film gebannt gesehen, ständig die Hand vor dem Mund. Sei es, um erschreckte Aufschreie zu unterdrücken, die sich anbahnten, sobald ich eine schlimme Situation kommen sah, etwa wenn er der Lehrerin eine wichtige Frage ins Ohr flüstern wollte oder bei laufendem Radiosender seinen Gruß formulierte. Und doch endete es alles in einem Lachen, teils erleichtert, teils um sich irgendwie Luft zu machen. Ein wenig erinnerte es mich an Michel von Lönneberga, wo ich zwar auch ständig lachen musste aber das Kind im Grunde doch von den Erwachsenen verkannt wurde in vielen Situationen.

Allein schon der Beginn! Nein, kein Spoiler, es sind gerade einmal die ersten zwei Minuten des Filmes: der Junge fährt wild mit dem Rad durch das Dorf, man sieht einen Laster heranfahren, es ist klar, was passieren wird, man mag gar nicht hinsehen. Ein metallisches Scheppern, ich saß da mit geweiteten Augen, fassungslos. Szenenschnitt, das Fahrrad eingekeilt unter dem Laster, der Fahrer guckt irritiert und fährt weiter, der Junge wie tot auf der Straße. Nächste Szene, der Junge steht auf, "Glück gehabt" sagt er, und dann geht er zu dem geparkten LKW (dessen Fahrer ein Kumpel seines Vaters ist und den Laster vor seinem Haus parkte), versucht sein Rad herauszuholen, es klappt nicht. Schnitt, ein Scheppern, der Laster landet im Hasenstall, der Junge wollte doch nur sein Fahrrad hervorholen und dafür den LKW ein wenig vorrollen. Man möchte schreien, dass der Junge überlebt hat und sie ihn gefälligst in den Arm nehmen sollen, aber es hatte ja niemand den Unfall bemerkt, statt dessen Vorwürfe für die toten Hasen. Und der Junge schweigt, denn er ist ja schließlich schuld an den toten Hasen und hätte nicht ans Steuer des LKW gedurft.

Skurill, absurd, absolut schwarzer Humor. Und einige Szenen sehr unwirklich, eben Traumsequenzen, entsprungen der seltsamen Phantasie des 11jährigen Jungen, welcher sich vor dem Fegefeuer fürchtet. Die Träume erinnern an Hyronimus Bosch, und man muss schon einen Sinn für schräge Komik haben, gebe ich zu. Wenn man den Film nur nebenbei sieht, entgehen einem die vielen Kleinigkeiten, die ihn aus der Masse der schwarzen Komödien hervorheben.

Auch die Kameraführung ist genial! Normalerweise fällt mir so etwas wie Schnitt und Kameraführung gar nicht auf, ich bin ein Filmbanause. Aber in diesem Fall ist es auffällig und so genial, dass sogar ich es bemerke. Es werden beispielsweise zwei, einmal sogar drei Szenen miteinander verknüpft, immer wieder hin- und hergesprungen zwischen drei Parteien, alle unterhalten sich bzw agieren, jeder für sich und doch zeitgleich zusammen. Auch die Kameraführung, die Bilder. Die Bilder sind ein Genuss: die Landschaft, die Gesichter, die Drehorte.

Es stimmt einfach alles. Sogar die Musik. Sie fällt nicht störend auf, sie drängt sich auch nicht brachial in den Vordergrund. Lautstärke und Musik sind perfekt abgestimmt (passiert selten in Filmen, normalerweise habe ich immer die Fernbedienung der Lautsprecher in der Hand, wenn ich einen Film sehe), und der Soundtrack ist es wert einzeln gehört zu werden. Sogar einen fiktiven Musiker haben sie gebracht und einen Song von ihm gespielt, der wirklich klasse ist! ;-)

Wäre es kein urbayerischer Dialekt, könnte man den Film glatt für eine britische Komödie halten. Der Humor kommt sehr derb daher, sehr bayerisch. Als Franke (irgendwie ja auch Bayer) kann ich leider nicht sagen, ob man selbst Bayer sein muss, um den Film zu verstehen, Lokalkolorit ist auf jeden Fall drin, und die Mentalität des kleinen Dorfes kommt schon sehr gut zur Geltung. Die DVD gibt es auch mit hochdeutschen Untertiteln, die sind für alle Nicht-Bayern unbedingt zu empfehlen!

Achtung allerdings, wer den Film kaufen möchte! Die DVD ist nur in reinen Playern abspielbar, nicht jedoch auf dem Laptop oder PC (Mac soll angeblich funktionieren). Für seltene Anlässe haben wir einen DVD-Player, aber ich gucke meine Filme in der Regel auf dem Laptop, von daher werde ich mir den Film vermutlich nicht kaufen, denn den Beamer / Player nutze ich normalerweise (außer wenn wie hier erforderlich) nur für unterhaltsame Filmabende mit Freunden, nicht jedoch alleine. Schade, denn wenn ein Film es verdient hätte, bei mir im Regal zu stehen, dann dieser! Doch diese Mentalität bestraft die ehrlichen Käufer, das mag ich nicht unterstützen :(

SaschaSalamander 29.09.2011, 21.02| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Film | Tags: Tip, Deutsch, Schräg, Humor, Komödie, Drama,

Statistik KW 38

Gelesen / Gehört
1 - Die Auserwählten (A J Kazinski)
1 - Kommissar Dobranski 01 - Russisch Brot
1 - John Sinclair Classics 01 - Der Anfang
1 - John Sinclair Classics 02 - Der Mörder aus dem Totenreich
1 - John Sinclair Classics 03 - Dr. Satanos
1 - John Sinclair Classics 04 - Das Leichenhaus der Lady L
1 - John Sinclair Classics 05 - Sakuro der Dämon
1 - John Sinclair Classics 06 - Friedhof der Vampire
1 - John Sinclair Classics 07 - Die Töchter der Hölle
1 - John Sinclair Classics 08 - Die gläsernen Särge
1 - Detektiv Sonderberg und Co 04 - der malaiische Dolch
1 - Lost and Found (M Ponczeck)
1 - The final loop (A Makino)
3 - Meditation für Dummies (S Bodian)
3 - Zen wrapped in Karma dipped in Chocolat (B Warner)
3 - 2 x Frankfurt und ein bisschen weiser (R Happ)
5 - Sieben Stunden im April (S Preusker)



Gesehen
/


Geschenkt
Secret Passions (I L Minden)


Gekauft
Dragon Love (J Mayama)
The Final Loop (A Makino)
Detektiv Conan 70 (G Aoyama)
Lost and found (M Ponczeck)
Sehnsucht - Paranormal Investigations 01 (A Blue)
Vordak der Unsägliche - Handbuch für den Schurken von morgen



Getauscht
/


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - beendet
3 - weitergeführt
4 - abgebrochen
5 - begonnen

SaschaSalamander 25.09.2011, 20.24| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Off Road Kids

himekawa_offRoad_1.jpgDrei Monate her, die Rezension ist also noch gar nicht so alt. Ein Manga, den ich Euch auf jeden Fall vorstellen möchte, weil ich gut finde, wie man dieses ernste Thema auch jüngeren Kindern näherbringen kann.

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Koichis Vater ist Arzt und kündigt seinen Job, um nun als Arzt im Ausland tätig zu sein. Er fliegt auf die Philippinen und bietet seinem Sohn an, ihn zu begleiten. Koichi ist begeistert, hofft er doch auf einen gemütlichen Urlaub, wo er für ein paar Wochen nicht zur Schule muss! Statt dessen landet er in den Elendsvierteln und erleidet einen Kulturschock. Er will nach Hause und erträgt es nicht, all das Leid mit anzusehen. Doch als begeisterter Fußballspieler freundet er sich mit einem der Straßenjungs an und lernt nun mehr über ihr Leben, ihre Träume, ihre Ziele.

Akira Himekawa, der unter anderem auch einzelne Spiele der kultigen Zelda-Reihe als Manga umgesetzt hat, nahm mit diesem Manga ein Projekt an, in dem es um Straßenkinder gehen sollte. Der Autor reiste in verschiedene Länder, arbeitete zusammen mit "Kinder ohne Grenzen" und setzten sich intensiv mit diesem ernsten Thema auseinander. Und es gelang ihm hervorragend, es auch für Kinder packend umzusetzen.

Drei zusammenhängende Geschichten. Die erste und längste spielt auf den Philippinen und erzählt von einer Kinderbande, die auf dem Friedhof nächtigt und tagsüber auf der Müllhalde gebrauchte Gegenstände sammelt und verkauft, um sich ein minimales Grundeinkommen zu sichern. Das harte Leben dieser Kinder wird sehr berührend dargestellt, und am Ende hatte ich sogar Tränen in den Augen. Denn Schicksalsschläge und menschliche Dramen werden hier zwar kindgerecht umgesetzt, doch es ändert nichts an der Tragik und Trauer.

Die zweite Geschichte erzählt von einem kleinen Jungen in Vietnam, der als Schuhputzer seinen Lebensunterhalt verdient und sich in ein Mädchen verliebt, dem er ein ganz besonderes Geschenk machen möchte. Diese Geschichte ist etwas kürzer und zwar sehr bewegend, fesselt jedoch nicht ganz so stark wie die erste. Denn hier ist die Hauptfigur ein Straßenkind, und sich in dieses hineinzuversetzen fällt natürlich schwerer als in einen typischen Jungen der fünften Klasse, wie Koichi es in der ersten Geschichte ist.

Die letzte Gschichte spielt in Afghanistan und zeigt das Leben eines Kindersoldaten auf. Sie ist recht kurz, dennoch sehr ergreifend.

Zu den einzelnen Ländern gibt es jeweils eine Extraseite, welche das Land kurz beschreibt hinsichtlich Größe, Einwohnerzahl, Klima und andere Faktoren. Ich finde das sehr hilfreich und interessant, und im Kontext des Mangas wird Kindern auf diese Weise nebenbei Wissen vermittelt, ohne dass man mahnend den Zeigefinger heben oder sie mit trockenen Fakten langweilen würde.

Dem Autor gelingt es, ein sehr ernstes Thema auch für Kinder sehr gut zu beschreiben. Er erzählt keine künstliche Happy-End-Story, sondern schildert das dramatische Leben auf der Straße. Ich finde es eine gelungene Umsetzung, die ich absolut empfehlen kann. Die Geschichte ist packend, die Handlung wird pädagogisch sinnvoll erklärt, und auch über die betreffenden Länder gibt es (nicht nur für Kinder, sondern auch für erwachsene Leser) eine Menge zu lernen.

SaschaSalamander 21.09.2011, 15.27| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Manga | Tags: Tip, Kinder, Kurzgeschichten, Drama,

Secret Passions

minden_secret_1.JPGDas neueste Buch aus der Feder von Inka Loreen Minden heißt "Secret Passions" und ist wieder ein Gay Historical. Diesmal spielt es um 1850 und handelt - abgesehen von einer Liebesgeschichte zwischen zwei Männern natürlich - von einem Lord, der erpresst wird sowie von einem brutalen Serienmörder, der nachts in London sein Unwesen treibt. Ein schönes Setting, das von Jack the Ripper inspiriert sein könnte, mit dieser Geschichte jedoch rein gar nichts zu tun hat. Dafür ein Schauplatz mit jeder Menge viktorianischem Flair, "very British", genau mein Ding.


INHALT

Derek lebte als Kind auf der Straße, bis ein Inspektor ihn unter seine Fittiche nahm. Nun ermittelt er tagsüber beim Scotland Yard bezüglich des Maskenmörders, seine Nächte verbringt er gerne in einem angesehen Herrenclub, der hinter seiner Fassade ein Treffpunkt für homosexuelle Männer ist. Dort begegnet ihm ein junger Mann, zu dem er sich hingezogen fühlt.

Simon ist ein Lord aus reichem Hause, der erpresst und bedroht wird und Hilfe von Polizeiseite anfordert. Doch nachts wagt er seine ersten Schritten in den Herrenclub, streng darauf bedacht, seine Identität zu wahren. Er trifft auf einen geheimnisvollen Mann, der ihn sofort in seinen Bann zieht.

Am nächsten Tag trifft Derek auf Simons Anwesen an, um ihm zukünftig Personenschutz zu gewähren und in der Erpressung zu ermitteln. Noch wissen die beiden nicht, wer der Gegenüber im Herrenclub war, und wieder entsteht zwischen ihnen ein Band der Zuneigung, das sie sich als angesehene Männer der Gesellschaft jedoch nicht anmerken lassen dürfen. In der Zwischenzeit geschehen weitere Morde, und nur Derek weiß, dass die Opfer allesamt Besucher des Clubs waren ...

Mmh, ein Genuss! Die Autorin hat sich wieder viele neue Ideen einfallen lassen, um ihren Lesern spannende Unterhaltung darzubieten :-)


EROTIK

Klar, Liebe ist Liebe, wie soll man das immer wieder neu verpacken. Man kann das Rad nicht ständig neu erfinden. Trotzdem gelingt es Inka, jedes Mal neue Möglichkeiten auszureizen. Mal bringt sie softe SM Elemente ein, ein andermal ist es eher reiner Sex, dieses Mal darf sich der Leser auf Tantra und fantasievolle, sanfte Berührungen mit und ohne Hilfsmittel freuen. Dennoch ist es keineswegs nur "kuschlig", sondern die Männer lassen sich gehen, und einmal wird Derek von seinen Emotionen gepackt und geht sogar fast zu weit. Von den bisher gelesenen Büchern von ihr fand ich persönlich dieses hier am intensivsten, konnte ich die Verbindung zwischen den beiden Protagonisten am besten spüren.

Dies liegt vor allem daran, wie gut sich die Geschichte entwickelt und wie gut die Anziehung zwischen beiden erklärt und auch in die Handlung verpackt wird. Zu Beginn musste ich noch etwas schmunzeln, weil ich es recht typisch fand: klar, man trägt eine Maske, und schon wird man nicht erkannt! Andererseits, es ist dunkel, und Inka beschreibt nachvollziehbar, wie man wirklich nur Schemen erkennt, nicht einmal die Augen des Gegenüber richtig sehen kann. Da ist es dann verzeihlich und sogar verständlich, wenn sie sich anfangs nicht erkennen ;-)

Außerdem beweist Inka, dass Dominanz keine Macht sein muss, keine lauten Befehle, sondern dass es auch leise geschehen kann, alleine durch Gesten und Handlungen. Man spürt als Leser regelrecht die machtvolle Ausstrahlung Dereks, ohne dass er ein Wort sagen muss. Die Perspektive wechselt sehr oft zwischen den zwei Protagonisten, sodass der Leser sich recht gut in beide hineinversetzen kann.


HANDLUNG, HISTORISCHER ASPEKT

Die Handlung besteht aus den zwei Hauptsträngen der Erpressung und des Maskenmörders. Ob dies ein und derselbe Täter oder zwei verschiedene Aspekte sind, ist eine Frage, die der Leser sich bis kurz vor Ende stellen wird und welche die Spannung des Buches aufrecht erhält. Neben diesen beiden Themen gibt es noch viele kleine Nebenplots, von denen manche im Laufe des Buches eine große Bedeutung erhalten werden und andere nur so nebenbei laufen aber doch alle zum Ende aufgelöst werden. So gibt es zum Beispiel das seltsame Verhalten von James (Simons langjähriger Freund), die schwer in eine Heirat zu vermittelnde Schwester, der getötete Mr. Tipps, den Tod von Simons Familie durch einen ungeklärten Brand, eine ehemalige Verlobte und deren neuer Ehegatte, Dereks geheimnisvolle Vergangenheit, Simons Bruder Benjamin, ein anonymer Brief für Simon mit der Adresse des Herrenclubs, Dereks Freunde aus Kindertagen, ein Schuss aus dem Hinterhalt. Und natürlich das Problem, dass Derek zu Beginn seiner Ermittlungen von Simons Identität im Herrenclub erfährt und nun vor der komplizierten Situation steht, dass er Privatleben und Arbeit trennen muss ...

Etwas, das die Sache besonders spannend macht: durch die wechselnde Perspektive erfährt der Leser beide Seiten und hat dadurch immer ein bisschen mehr Ahnung als die Akteure. Während Simon noch rätselt, was seine Schwester wohl vor ihm verbergen mag, hat Derek dies bereits in Erfahrung gebracht. Das lässt den Leser verschmitzt lächeln, ohne ihm jedoch die Spannung vorwegzunehmen. Denn die Hauptthemen bleiben ungeklärt, und alles, was man aktuell erfährt, könnte bereits ein neuer Hinweis sein. Obwohl man aufgrund des Genres und der Autorin weiß, dass das Buch ein Happy End haben wird, bangt man in jeder gefahrvollen Situation auf deren Ausgang.

Für einen normalen Roman ist das Buch mit rund 280 Seiten nicht gerade dick, aber doch ist sehr viel Handlung hineingepackt. Inka gelingt es, sehr viel Geschehen in nur ganz wenige Worte zu packen. Sie vermittelt dem Leser klare Bilder, sodass sich die Atmosphäre dicht und lebendig anfühlt. Die Regel "Show, don´t tell" ist etwas, das sie meisterhaft beherrscht: sie vermeidet unnötige Worte, indem sie anhand von Gesten und Gedanken wie nebenbei komplexe Zusammenhänge darstellt.

Aufgrund der gerafften Handlung, der vielen Nebenplots und sehr vielen Personen muss man schon recht genau lesen, um den Überblick zu wahren, was ich für das Genre Erotik als großes Kompliment sehe und wohl der beste Beweis ist, dass Erotik und Handlung sehr wohl Hand in Hand gehen können. Ich gebe zu, dass ich anfangs etwas zu gierig auf die Story war und daher ein, zwei Hinweise überlesen habe, auf die später wieder Bezug genommen wurde. Vielleicht hätte ich mit diesen Hinweise schon etwas früher erahnen können, wer hinter der Erpressung und den Morden steckt, vielleicht hätte Inka mich dennoch in die Irre geführt. Auf jeden Fall webt sie sehr geschickt die Morde und die Erotik ineinander, sodass die Grenzen oft verschwimmen.

Auch die Zeit des alten England wird realistisch und detailliert geschildert. Wie oben erwähnt, benötigt sie dafür keine Handlung, sondern es gibt viele kleine Andeutungen, die alles lebendig werden lassen. Eingestreute Hinweise auf die neuen Automobile, auf das Ritual des Duellierens, die Versiegelung von Briefen, solche Kleinigkeiten verleihen der Story Flair und gefühlte Tiefe. Die Wortwahl trägt ihren Teil dazu bei, indem sie von Peelern, Blaustrümpfen, dem "Ton" und anderen Dingen erzählt, die damals übliche Begriffe waren. Für mich bot das einigen Anlass, selbst einmal bei Wikipedia und anderen Quellen nachzuforschen, ob das damals wirklich so war, was hinter der Bezeichnung steckte und wie manche Dinge gehandhabt wurden im Altag.

Die Autorin hat am Ende des Buches sogar ein Nachwort geschrieben, in welchem sie dieses Mal auf die Recherche eingeht und beschreibt, wie sie großen Wert auf detailgetreue Beschreibung einzelner Dinge Wert legte und bis zu letzt immer wieder ihren Text infrage stellte und nachprüfte, ob dies damals wirklich so war (z.B. auf welche Weise Wunden versorgt wurden). Dies bezieht sich sogar bis hin zu Redewendungen, die heute üblich sind aber in der damaligen Zeit nicht existierten und somit störende Anachronismen für den kundigen Leser darstellen würden.

Die Sprache ist in den erotischen Szenen wie ihre bisherigen Bücher, daher diesmal keine ausführliche Beschreibung, sondern eine kurze Erwähnung: Inka schreibt flüssig, sodass man nicht über allzu blumenreiche oder vulgäre Begriffe stößt. Sexualität ist etwas Natürliches, und so wird es auch geschildert, die Szenen sind anregend und gefühlvoll.

Was mich sehr freut: Inka liegen die Protagonisten all ihrer Bücher am Herz, sie haben ein Eigenleben, und so bekommen sie gelegentlich auch Cameo-Auftritte in anderen Titeln. In SECRET PASSIONS dürfen sich die Leser freuen, dem Adligen und seinem Stallburschen aus TEMPTATIONS zu begenen ;-)


FAZIT

Wieder einmal hat die Autorin sich selbst übertroffen. Von Buch zu Buch wird ihr Stil besser, werden die Protagonisten ein Stück lebendiger, wird die Handlung bildlicher, der Sex heißer. SECRET PASSIONS ist ein hervorragender historischer Krimi mit jeder Menge Erotik. Für Neueinsteiger von Inka eine absolute Empfehlung, für Fans ein Muss!

SaschaSalamander 19.09.2011, 09.20| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Tip, Deutsch, Erotik, Queer, Historisch,

Statistik KW 37

Gelesen / Gehört
1 - Sonderberg und Co 2 - Der Tote im Rhein
1 - Sonderberg und Co 3 - Die Jakoblowtsche Kerze
1 - John Sinclair 68 - Die Leichenkutsche von London
1 - Secret Passions (I L Minden)
3 - Meditation für Dummies (S Bodian)
3 - Zen wrapped in Karma dipped in Chocolat (B Warner)
5 - 2 x Frankfurt und ein bisschen weiser (R Happ)



Gesehen
/


Geschenkt
Secret Passions (I L Minden)


Gekauft
/


Getauscht
Sieben Stunden im April (S Preusker)


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - beendet
3 - weitergeführt
4 - abgebrochen
5 - begonnen

SaschaSalamander 18.09.2011, 20.35| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Verlockende Versuchungen

minden_versuchungen_1.jpgVERLOCKENDE VERSUCHUNGEN ist eines der älteren Bücher von Inka Loreen Minden, über viele Wochen hinweg habe ich verteilt mal hier, mal dort eine Geschichte daraus gelesen, immer wenn ich gerade ein wenig Aufheiterung brauchte. Und, anbei: zwischen all den Büchern, die ich lese und weitergebe ist dieses eines der ganz wenigen, die den Weg in mein Regal finden, denn ich finde die Ideen hinter den Kurzgeschichten einfach zu klasse.

Hier wird nahezu jedes Märchenelement geschnappt, das nicht bei drei auf den Bäumen war. Hier ein Drache, dort ein Dämon, Schneewittchen, Rapunzel und Dornröschen dürfen auch nicht fehlen, es gibt einen Zauberspiegel, Elben sind auch zu finden, und natürlich Vampire. Kunterbunt durcheinander, wild vermengt und das Ergebnis ist ein Buch, so humorvoll und zugleich auch erotisch, wie man es noch nicht gelesen hat. Ich habe versucht, einen roten Faden zu finden, doch gemeinsam ist allen Geschichten wohl wirklich nur, dass sie in einer fiktiven Märchen- oder Fantasywelt spielen und direkt oder indirekt mit Sex zu tun haben.

Da verliert ein Vampir seine Geliebte und findet sie nach langer Zeit zurück, doch gehört sie nicht einem anderen? Ein Engel und ein Dämon verlieben sich und verbringen gemeinsam ihre Zeit in den unteren Örtern, auf der Erde und im Kino. Das devote Schneewittchen wurde von den Zwergen leider an den falschen Prinzen vermittelt und klagt nun über fehlende Schläge. Die böse Moorhexe will ein unschuldiges (?!?) Mädchen verführen und wird von einem selbstlosen Jäger bezwungen. Wer ein zauberartefakt zu seinem eigenen Vorteil missbraucht, der macht Bekanntschaft mit Rapunzels lukrativem Nebenjob. Eine Elfenprinzessin soll den Prinzen des Nachbarvolkes heiraten, obwohl doch alle wissen, dass dessen Bewohner alle knollennasig und krummbeinig sind. Und einige weitere Geschichten, die den Leser ungläubig, lachend und begeistert mit dem Kopf schütteln lassen.

Was mich ein wenig störte aber meiner Begeisterung keinen Abbruch tut: die Geschichten sind stellenweise in zwei, einmal sogar drei Teile gegliedert, und diese Teile folgen nicht direkt aufeinander sondern bunt gewürfelt. Beim Lesen etwas lästig, weil man quasi ständig hin- und herspringen muss, wenn man eine Geschichte komplett lesen möchte. Dadurch habe ich, da ich das Buch ja über einen längeren Zeitraum gelesen habe, ziemlich den Überblick verloren, was ich nun alles bereits gelesen hatte und was nicht, sodass ich immer wieder nachblättern musste.

Die Stimmung des Buches erinnerte mich in nahezu jeder Geschichte an eine Disney - Parodie. Eine Prinzessin, zwitschernde Vögel auf dem Baum, dazu ein geträllerter Song im höchsten Sopran, bauschige Kleider und wunderhübsche Gesichtlein mit geröteten Wangen. Und dazu die witzigen Umschreibungen. Dazu muss man sagen, dass es wie bereits erwähnt ein älteres Buch von Inka ist, und man kann regelrecht mitverfolgen, wie ihr Stil sich schrittweise geändert und gebessert hat. Schon zu Beginn zeigte sich, dass sie talentiert schreibt, aber ein paar Schwächen gab es doch: Wortwiederholungen, klischeebeladene Worte, der Satzbau noch nicht ganz so geschliffen, trotzdem aber bereits großartige Unterhaltung.

Ich habe sehr oft gelacht über die absurden Situationen. Meine Lieblingsszene (kein Spoiler, bis zu diesem Moment der Geschichte erahnt man nichts) ist ein sterbender Mann, und zack puff steht plötzlich ein goldener Drache auf der Lichtung und bringt alles wieder ins Lot. Keine Ahnung woher, keine Ahnung wohin, aber sollten wir nicht alle so einen goldenen Zauberdrachen haben? Oder der selbstlose Jäger, der - wir sind ja im Erotikroman - der die Moorhexe mit seinem "Jagdgewehr" von hinten außer Gefecht setzt und dem wirklich außerordentlicher Dank für sein uneigennütziges Tun gebührt (wer will es schon mit einer Moorhexe treiben). Wie gesagt: skurril, völlig abgefahren und so ganz anders als alles, was man von einem Buch mit erotischen Kurzgeschichten erwartet.

Aufgeschlossen sollte man auf jeden Fall sein. Denn abgesehen davon, dass eine Menge Märchen und Fantasyfiguren aufs Korn genommen werden, gibt es hier auch so ziemlich alles: Gay, SM, Hetero, freiwillig und unfreiwillig. Wer also ausschließlich Heteroerotik sucht, oder wer sich nicht für SM begeistern kann oder eben etwas Spezielles sucht, der wird hier nicht fündig. Wer vielseitig ist und sich vorstellen kann, dass Humor und Erotik sich nicht gegenseitig ausschließen, der ist hier auf jeden Fall richtig. Absoluter Geheimtipp für alle Inka Loreen Minden Fans, die bisher nur die neueren Werke kennen ;-)

SaschaSalamander 16.09.2011, 15.28| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Erotik, BDSM, Humor, Queer,

Detektei Sonderberg und Co

Aus dem Hause Zaubermond erschien im März eine neue Hörspielreihe, auf die ich vor ein paar Tagen aufmerksam wurde: DETEKTEI SONDERBERG UND CO. Wie die Reihe sich entwickelt und wie es weitergeht, darüber kann ich noch nichts erzählen, aber die erste Folge machte einen hervorragenden Eindruck, daher möchte ich sie Euch nicht vorenthalten. Auch der Hörspielverlag Zaubermond ist nicht unbekannt, wenn es um Hörspielveröffentlichungen geht, stammen aus diesem Hause doch auch Dorian Hunter, Professor Zamorra, Macabros und andere bekannte Serien.

Offen gesagt war ich im ersten Moment irritiert, als ich die CD in den Händen hielt, denn sie unterscheidet sich doch sehr stark von dem, was ich sonst höre. Das Cover sind jeweils hübsche Zeichnungen, weniger spektakulär als vielmehr beschaulich, hübsch anzusehen, unterschiedliche Landschaften mit zwei Menschen davor, passend zur Zeit, in welcher die Handlung angesiedelt ist: Düsseldorf im Jahre 1885. Und hier wurde ich skeptisch. Ich bin offen für alles, ob nun Zombies, Thriller, Sci-Fi, Dämonen, Landhauskrimi, viktorianisch, gegenwärtig, dystopisch, britisch, amerikanisch, deutsch, schwedisch oder was auch immer. Aber Düsseldorf im Jahre 1885, Zeit der Industrialisierung? Ob das genügend Hintergrund für ein packendes Hörspiel liefern kann?

Kann es! Ein sehr ungewöhnlicher Krimi, der sich überraschend positiv aus der Masse abhebt. Aber zuerst einmal zur Handlung:

Dr. Friedrich Sonderberg hat ein ungewöhnliches Hobby, er sammelt Schmetterlinge. Und er ermittelt gerne. Im Schlosshof des Jägerhofes findet er eine Mädchenleiche, und seine Neugier ist geweckt, teils weil er nicht an einen Unfall glaubt, teils wegen der bei der Leiche befindlichen Seidenraupen, die an diesem Ort eigentlich nicht vorkommen dürften. Bald soll auf dem Schloss Jägerhof eine große Feier stattfinden, eine Verlobung steht an, doch die Ermittlungen sind Dr. Sonderberg wichtiger. Gemeinsam mit seiner Dienstbotin Minnie Cogner macht er sich daran, den Fall zu lösen.

Durchaus sehr ungewöhnlich, aber äußerst angenehm, und ich freue mich auf die Fortsetzungen, vier Folgen gibt es bereits. Keine Action, keine Verfolgungsjagd, keine lauten Effekte, keine Schreie, kein "in letzter Sekunde", keine Todesgefahr. Dafür saubere Recherche der beiden Protagonisten, intelligente und wohldurchdachte Dialoge, eine clevere Geschichte und ein interessanter Hintergrund. Gemütlich wird die Handlung von den Charakteren getragen, die Geräusche sind fast schon idyllisch stellenweise (Vogelgezwitscher etc), auch die Nebengeräusche wie Teller, Schritte, raschelnde Kleidung, Kutschen, schwirrende Bienen etc sehr passend, sodass man sie kaum mitbekommt.Die Musik ist still und vermittelt ein sehr gutes Gefühl für die Szenerie, stellenweise meinte ich nahezu einen Film vor mir zu sehen in all seinen Details.

Gespannt bin ich in den späteren Folgen auf weitere Methoden des Dr. Denn damals gab es natürlich noch keine Handies, DNA-Analysen und andere modernen Möglichkeiten, sodass er sich auf sein Allgemeinwissen, seine Kombinationsngabe verlassen muss und damals so moderne Ideen wie etwa Pulver zur Feststellung eines Fingerabdruckes anwendet und zu verbessern versucht.

Die Nebencharaktere wurden sehr gut ausgearbeitet, die Protagonisten sind beide durchweg sympathisch. Dr. Sonderberg ist mal kein schrulliger Kauz sondern einfach ein normaler Mann, der gerne ermittelt, ich bin gespannt, wie weit man seinen Charakter in den weiteren Folgen ausbauen wird. Und Minnie ist wirklich klasse, eine gewitzte Dienstbotin, die für ihre Zeit bereits sehr emanzipiert ist und sich doch schicklich der Gesellschaft einfügt, da sie auf diese Weise am meisten erreichen kann, auch wenn sie dafür manchmal in die Trickkiste greifen muss. Sie ist selbstbewusst und markant, die Stimme dazu wurde perfekt gewählt: Regina Lemnitz, die man neben vielen anderen bekannten Rollen vor allem als Whoopie Goldberg im Ohr hat, womit man gleich die pfiffige, gezwungen angepasste und dahinter doch rebellische, kreative Person assoziiert, die sie auch hier darstellen soll.

Weitere Stimmen, die meinen Googlerecherchen zufolge als SChauspieler und Sprecherrecht bekannt sein dürften, über die ich persönlich jedoch nichts sagen kann, da ich sie selbst noch nicht allzu oft gehört habe, sind unter anderem Andreas Mannkopff, Douglas Welbat, Eckart Dux, Dagmar Dreke, Jan-Gregor Kremp und andere, die ihre Sache alle sehr gut gemacht haben. Man hört, dass sie vom Fach sind und schon oft vor dem Mikrofon gestanden haben, alles klingt sehr natürlich.

Eine Reihe, die ich auch Leuten empfehlen kann, die bisher wenig Hörspielerfahrung haben und dieses Medium eher für seichte Unterhaltung oder gar Kinderkram halten. DETEKTEI SONDERBERG UND CO hat die Qualität eines Krimis, den man sich am Sonntagabend gemütlich zum Ausklang des Wochenendes ansieht. Unterhaltsam, spannend und niveauvoll. Hoffentlich wird Zaubermond noch viele weitere Folgen dieser Serie produzieren.


SaschaSalamander 13.09.2011, 08.11| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörspiel | Tags: Tip, Krimi,

Trapped

minden_trapped_1.JPGTRAPPED ist eine weitere Kurzgeschichte von Inka Loreen Minden. Diesmal handelt sie von zwei jungen Indianern: Naska ist ein "Two Spirit", ein Mann, der Männer begehert. Er trägt Frauenkleider und hat in seinem Stamm die angesehene Position des Heilers inne. Schon als Jugendlicher begehrte er seinen Freund Yuko vom Nachbarstamm, doch ein Kuss führte zum Bruch der Freundschaft, Yuko wandte sich von ihm ab. Noch immer beobachtet Naska ihn heimlich, und eines Tages gerät er in eine Falle. Yuko befreit ihn, und somit schuldet der andere ihm sein Leben und soll ihm als Sklave dienen. Was sich in Naskas Träumen immer so erregend anfühlte, ist in der Realität nun recht beängistend: Soll er wirklich nur ein Diener sein, ständig mit ansehen, wie sein Angebeteter seine eigenen Frauen beglückt, und soll er womöglich zukünftig Felle gerben und einfach nur ein Statussymbol werden? Das war es nicht, was er sich erhofft hatte ...

"Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie noch heute". Mit diesen Worten müssten eigentlich alle Geschichten aus Inkas Feder enden. Wie Märchen muten sie an, ideal zum Dahinschmelzen und Träumen. Was sie aber von vielen anderen Geschichten des Erotikgenres abhebt sind die vielen Details. Zum einen die Recherche, die hinter der Story steckt (wie lebten "Two Spirits" bei den Indianern, welche Aufgaben hatten sie, wie kleideten sie sich, welche Rituale mussten sie begehen, welchen Stellenwert hatten sie im sozialen Gefüge des Stammes) und kleinen Andeutungen einfließt und die Figuren zum Leben erweckt. Zum anderen das Knistern. Klar kann man schreiben "sie lieben sich", aber hier spürt man es, es ist nachvollziehbar und baut sich trotz der Kürze der Geschichte schrittweise auf (oder wird wie in diesem Fall, wenn es von Anfang an vorhanden ist, rückblickend beschrieben).

Was mir ebenfalls positiv an TRAPPED auffällt: es gibt meist klassische Rollenverteilungen (im Manga nennt man es Seme und Uke, bei uns einfach simpel den männlichen und weiblichen Part). Ist zwar hier auch gegeben, aber dennoch stehen sich zwei ebenbürtige Partner gegenüber. Die Autorin reitet nicht auf Klischees herum, erschafft statt dessen zwei individuelle Menschen, die sowohl männliche als auch weibliche Anteile in sich vereinen, dadurch sympathisch und sehr realistisch erscheinen.

Und es wird sehr gut unterschieden zwischen Traum und Realität. Viele Geschichten sind sehr unglaubwürdig, und ich frage mich oft, wie das, was da alles an Praktiken beschrieben wird, tatsächlich funktionieren soll. Hier dagegen stößt der Protagonist an seine Grenzen, als er erkennen muss, dass er vor dem, wovon er immer träumte, nun plötzlich Angst hat. Inka ist hier sanft und gibt ihren Figuren die Chance, das erste Mal wirklich zu zelebrieren, gesteht ihnen Ängste zu und lasst sie Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um es nicht allzu heftig werden zu lassen. Romantik ohne Schnulz aber mit viel Gefühl.

Auch gefällt mir, dass Konflikte clever gelöst werden. Die Wendung, wie man sie hier erlebt, kennen Stammleser schon aus einer anderen Geschichte, aber ich hätte dann doch nicht damit gerechnet, dass es hier ebenso gelöst wird, es hatte mich jedoch sehr gefreut. Es gibt dafür ein sehr schönes Fachwort, aber damit würde ich da das Ende verraten ;-)

Zur zweiten Kurzgeschichte, die als Bonus dabei ist, möchte ich nicht viel schreiben. Fans kennen sie bereits aus dem Buch GAYLÜSTE oder als einzeln verlegte Story, trotzdem finde ich es nett, sie nochmals zu lesen, sie hatte mir damals sehr gefallen. Für mich ist sie etwas ganz Besonderes, denn sie war das Erste, was ich von dieser Autorin zu lesen bekam, und obwohl sie schon etwas älter ist, konnte sie mich sofort überzeugen. Sie erzählt aus der Sicht eines Cowboys von seiner Liebe zu einem Indianermann, ist sehr kurz und doch sehr liebevoll ausgearbeitet.

Einziges Manko, dass diese Geschichte natürlich viel zu schnell gelesen ist. Aber dafür ist sie recht günstig, ein Vorteil von Kurzgeschichten. Schnell geladen, schnell gelesen und lange im Gedächtnis.

SaschaSalamander 12.09.2011, 08.41| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Erotik, Queer, Romantik,

Statistik KW 36

Gelesen / Gehört
1 - Dark Life 01 (T Auster)
1 - Nach dem Frost
1 - Trapped (I L Minden)
1 - Detektei Sonderberg und Co 01 - Mord auf Schloss Jägerhof
1 - Ordensschwester Amelie 07 - Gebrochene Herzen
1 - Ordensschwester Amelie 08 - Trügerisch
1 - Lady Bedfort 44 - und der Scharlatan
1 - Die ??? Sonderfolge - House of Horrors
3 - Meditation für Dummies (S Bodian)
5 - Zen wrapped in Karma dipped in Chocolat (B Warner)
5 - 2 x Frankfurt und ein bisschen weiser (R Happ)



Gesehen
/


Geschenkt
Nach dem Frost (Hörplanet)
Trapped (Minden I L)


Gekauft
/


Getauscht
Mach mich wild (L Palmer)
Mach mich scharf (L Palmer)


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - beendet
3 - weitergeführt
4 - abgebrochen
5 - begonnen

SaschaSalamander 11.09.2011, 20.19| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Nach dem Frost

Hoerplanet_nachdemfrost_1.jpgVorab ein herzliches Danke an den >Hörplanet<, wo ich bei einem kleinen Gewinnspiel das Hörspiel NACH DEM FROST gewonnen habe und bei >Soforthören< herunterladen durfte. Ich habe mich riesig gefreut, denn ich bin schon lange Fan des damals noch recht kleinen, inzwischen aber doch recht gut etablierten Labels. Das neueste Werk ist wieder klasse geworden, und gerne möchte ich meine Begeisterung mit Euch teilen:

In der Hase findet man eine Leiche, die sich bald als Mitbewohner einer WG entpuppt. Kommissar Habermas ermittelt anfangs recht erfolglos, doch bald finden sich erste Spuren. Diese führen in einen kleinen Ort in Russland, und die Verbindungen scheinen nicht so wirklich klar. Die WG - Bewohner helfen fleißig mit ihren allzu wilden Verschwörungstheorien, und auch die Presse macht sich recht schnell ihr eigenes Bild. Doch die wahren Hintergründe und das riesige Ausmaß der eigentlichen Tat konnte wohl niemand erahnen. Und so wird nicht nur eine grausame Mordserie aufgedeckt, sondern eine jahrzehntealte Verschwörung endlich gelüftet ...

Eigentlich hat der Verlag es so treffend beschrieben, dass ich dem nichts mehr hinzufügen muss: „NACH DEM FROST ist der lustigste Krimi, den Henning Mankell nie geschrieben hat." Ja, der kauzige Wallander wird hier ganz schön aufs Korn genommen: seine persönlichen Wehwehchen, der melancholische Grundton, die körperlichen Befindlichkeiten, die eigenwilige Art, das ist schon sehr markant und hervorragend karikiert. Allerdings bleibt der Grundton respektvoll, und Fans des schwedischen Autoren dürften sich gut amüsieren ohne verletzt zu werden. Der Titel des Hörspiels ist angelehnt an VOR DEM FROST von Mankell, allerdings muss man diesen Roman nicht gelesen haben, NACH DEM FROST steht für sich alleine und erfordert keinerlei Vorkenntnisse über nordische Krimis allgemein oder Mankell im Besonderen.

Es gibt recht viele Running Gags (Eisblumen, Verschwörungen, Haarmann-Lied, Pinkelpausen). Hier wahren die Autoren ein gutes Mittelmaß, es ist eher hier und da eingestreut, ohne sich dem Hörer lästig aufzudrängen oder ins Alberne abzudriften. Der Humor kommt still daher, passend zum ruhigen Grundton des Hörspiels, das ähnlich nüchtern und sprachlich kühl anmutet wie die Originale. Ich finde es grandios, wie der Erzähler in ruhigem, fast schon beschaulichen Tonfall wie nebenbei die skurrilsten Dinge erzählt. Der Humor besteht weniger in Wortwitz oder Situationskomik als vielmehr in der absurden Darstellung einzelner Momente. In der Pressekonferenz etwa kommt der Kommissar komplett vom Thema ab und summt am Ende ein Lied für den Journalisten, das hat schon fast etwas von Loriot und Kerkeling, die mit ihren scharfsinnigen Beobachtungen die Menschen in ihren Eigenarten entblößen.

Es gibt, wie eben gesagt, einen Erzähler. Dieser beschreibt, wie häufig in besagten Krimis üblich, die Sichtweise des Täters, ohne natürlich den Täter oder seine Motive zu entlarven. Der Hörer erfährt also über die nächsten geplanten Schritte, er erlebt den Mord aus erster Hand und bleibt doch gespannt, was nun dahinterstecken mag. Die Ermittlungen dagegen werden getragen von verschiedenen Sprechern, die hervorragend harmonisieren. Hörplanet hat inzwischen ein hervorragendes Team von professionellen Sprechern, von denen auch für diesen Titel wieder einige von ihnen vor dem Mikro standen: Santiago Ziesmer (Sponge Bob, Ted aus "Queer as Folk"), Sascha Rotermund (Christian Bale), Helmut Krauss (Marlon Brando), Bodo Wolf (Monk), Ernst Meincke (Patrick Stewart) und andere.

Für ein Hörspiel braucht man aber nicht nur gute Sprecher, auch Dialoge, Drehbuch, Musik und Soundeffekte sind wichtig. Und da hat sich im Laufe der Jahre beim Hörplanet ordentlich etwas getan. Was mir anfangs gefiel, weil es einfach Leute waren, die Spaß an der Sache hatten, auch wenn es noch nicht ganz so ausgereift war, das ist jetzt ein Label, das sich für meinen Geschmack mit den Großen messen kann. Prima Schnitte, sehr gute Dialoge, die Musik schön unauffällig im Hintergrund und ideal zum Unterstreichen de jewiligen Atmosphäre. Die Geräusche sind sehr gelungen und fügen sich in die Texte ein, ich kann mir die jeweiligen Orte und Situationen sehr gut vorstellen. Einziger Schnitzer gegen Ende beim Showdown, als die Nebengeräusche dann doch etwas zuviel des Guten wurden. Der Situation angemessen, für den Hörer allerdings anstrengend über die gesamte Länge des Dialoges hinweg. Allerdings in dieser Hinsicht das einzige, was mir negativ auffiel.

Was mir besonders gefiel war die "Auflösung". Absolut schräg, herrlich komisch und ziemlich abgefahren. Eben passend zum Stil des Hörbuches: vermeintlich seriös und knochentrocken vorgetragen, aber dahinter absolut kurios. Ein hintersinniger Humor, bei dem man manchmal schon genau hinhören muss, dafür aber umso breiter schmunzelt. Ich bin im Grunde jemand, der Hörspiele nur einmal hört, bisher gibt es nur zwei Ausnahmen, die ich mehrfach höre, aber das muss ich nun wohl aufstocken, NACH DEM FROST hat absoluten Wiederholungswert, was bei Hörspielen aus meiner Sicht wirklich etwas ganz Besonderes ist! Es ist eben keine Serie, bei der man auf den nächsten Teil wartet, sondern ein einzelnes Werk, das auf den ersten Blick recht locker auftritt, dahinter aber doch pointiert und sehr gut durchdacht ist.

Man kann ein Hörbuch kaufen, dann hat man es mit Cover und Hülle im Regal stehen. Platzsparend kann man es natürlich auch downloaden, das Cover ist im Download enthalten. Zusätzlich bietet der Verlag eine Menge Goodies: Neugierige können sich >hier< die erste Hälfte des Hörspieles zur Probe anhören. Unter gleichem Link finden sich auch jede Menge entfallener Szenen und Teile des Soundtracks sowie die Entstehungsgeschichte des Hörspiels. Was ich schade finde ist, dass diesmal keine Outtakes dabei sind, die höre ich immer sehr gern. Besonders möchte ich auf den entfallenen Titelsong hinweisen, ich mag solche schrägen Texte: "erst fällt ein Körper, dann fallen Schreie, dann verschlingt sie der See" ...

Einen zusätzlichen Link möchte ich hier aufzeigen: Das >Haarman - Lied<. Auf dass es Euch ebenso wie mir einen tagelangen Ohrwurm bescheren möge ;-)

Insgesamt hoffe ich, dass es nicht bei diesem einen Fall bleiben wird. Kommissar Habermas ist klasse, und es wäre schön, wenn es weitere Titel gäbe, in sich geschlossen, nicht als fortlaufende Serie wie Bedfort, aber vielleicht vier oder fünf einzelne Titel. Eigentlich kopiere ich ja nichts und finde immer meine eigenen Worte, aber wie gesagt, besser als der Hörplanet selbst kann man es nicht ausdrücken, deswegen nochmal, weil´s so schön ist: "NACH DEM FROST ist der lustigste Krimi, den Henning Mankell nie geschrieben hat."

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Edit: ich hab den Link gefunden, den ich gesucht habe: >Hallervorden, Dr Shivago<

SaschaSalamander 10.09.2011, 09.43| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörspiel | Tags: Tip, Krimi, Deutsch, Humor,

Pieps

Ein kleines "Pieps" und "Hallo", weil ich in letzter Zeit so still bin. Das Sommerloch ist vorbei, endlich wird es draußen ein wenig kühler, fast schon kalt. Das weckt die Lebensgeister. Trotzdem mache ich mich derzeit rar. Aus gutem Grund:

wieder einmal heißt es Kisten packen. Bald geht es los, wir ziehen in eine neue Wohnung. Ein wenig außerhalb der Stadt, die Verkehrsanbindung nicht ganz so perfekt wie hier. Dafür mit viel Grünzeug drumrum und einer recht ruhigen Gegend.

Aktuell ist also recht wenig Zeit. Eine Kiste lasse ich für aktuelle Bücher, damit ich nicht erst in einem Kartonstapel wühlen muss, wenn mich die Lust packt. Allerdings ist die Konzentration dann doch eher bei anderen Dingen. Aufräumen, Möbel zerlegen, Kisten einräumen, Behörden informieren, Telefonate und Briefe erledigen, und nebenbei natürlich ab und zu zur Arbeit gehen. Freizeit ist also extrem rar gesät, und außer ein paar netten Hörbüchern zwischendurch reizt mich momentan kein Buch ;-)

Irgendwie habe ich gerade nicht den Nerv zum Lesen. Verständlich. Aber ich freue mich schon auf die Zeit danach, ich habe sehr viel nachzuholen und kann es nicht erwarten ...

SaschaSalamander 08.09.2011, 15.18| (3/3) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Pulp

LTs THEORIE DER KUSCHELTIERE

king_pets_150.jpgHeute eine ältere Rezension über ein Buch von King, das bei weitem nicht so bekannt ist wie die anderen Titel, das mir aber trotzdem sehr gut gefiel :-)

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Nein, kein Friedhof, sondern eine Theorie. Dennoch vom großen Meister (wie ihn andere nennen, meine Zeiten als King-Fan sind schon lange vorbei). Als ich dieses Hörbuch im Regal meiner Lieblingsbib sah, war ich erst mal irritiert. Klang nach einem Sachbuch über eines der großen Werke. Entpuppte sich aber als kurzes Hörbuch, das es nicht gerade in die Bestsellerlisten geschafft hat und eher ein verkanntes Dasein zwischen den bekannte Werken wie dem Friedhof der Kuscheltiere, Es, Mistery, Shining, The Stand und anderen fristet. Aber eine CD von King kann ich mir schon mal antun, noch dazu gelesen von Pleitgen, von dem würde ich mir sogar ein Telefonbuch oder meine Versicherungspolice vorlesen lassen.

LT ist Fleischpacker und erzählt seinen Kollegen, wie zwei Haustiere es schafften, die Ehe zwischen ihm und seiner Frau Lulu nach und nach zu zerstören. Zum ersten Hochzeitstag schenkte sie ihm den Jack Russel Terrier Frank. Frank hasst LT, er zerbeißt seine Vorhänge, pinkelt auf die Wäsche und kotzt in die Schuhe, knurrt ihn an, doch Lulu liebt er heiß und innig. Also "revanchiert" sich LT und schenkt Lulu zum zweiten Hochzeitstag die niedliche Siamkatze Lucy. Doch statt sich Lulu zuzuwenden, hängt die Katze innigst an LT. Die beiden Haustiere untereinander verstehen sich soweit, doch die Ehe der beiden Menschen wird immer bröckeliger, die Streitigkeiten drehen sich vor allem um den "angespuckten" Schuh, die kaputten Vorhänge, das stinkende Katzenfutter und derlei Dinge. Bis eines Tages Lulu ihre Koffer packt, Frank unter den Arm klemmt und geht ...

Es ist einfach eine nette Kurzgeschichte. Spannend erzählt, schneller am Ende, als man es selbst mitbekommt. Ulrich Pleiten genial wie immer, man kauft ihm den Erzähler ab, als wäre er ihm auf den Leib geschrieben. Die Geschichte hat nicht wirklich Spannungsbogen oder Showdown und Highlight, es ist einfach ein älterer Mann, der einfach die Geschichte erzählt, wie seine Frau ihn verließ. Was beim Leser besonders ankommt, ist die Beschreibung von Frank und Lucy. Wer Tiere insgesamt mag, wird sich manchmal so seinen Teil grinsen. Denn, so niedlich unsere Vierbeiner sind, sie haben ihre dämlichen Macken, und manchmal ist es fast schon zuviel. Wer von uns Hundeliebhabern hatte noch nie so einen Hundepups mitten im Gesicht, und wer von den Katzenfreunden bekam nicht schon mal eine mit der krallenbewehrten Pfote ins Gesicht gewatscht? Musste mit ansehen, wie der Liebling die Gardinen hochging oder die Vorhänge zerkaute, in den Schuh kotze und die Mitmenschen an die Grenze des Erträglichen ignorierte? Liebe in Ehren, aber Tiere können auch wirklich gemein sein! ;-)

Wer Tiere mag, den wird dieses Buch amüsieren. Wer Hunde oder Katzen nicht mag, wird sich in diesem Buch mehr als bestätigt sehen. Und wer King mag, den erwartet kein Horror-Roman, sondern ausnahmsweise einfach eine nette Erzählung zwischendurch ...

SaschaSalamander 07.09.2011, 09.29| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch

Zen wrapped in Karma dipped in Cholocate

Erster Satz Einleitung:
2007 starb meine Mutter und danach meine Großmutter, meine Frau beschloss, dass sie nicht länger meine Frau sein wollte, ich verlor meinen Traumjob, und Leute, von denen ich gedacht hatte, sie wären meine Freunde, fingen damit an, mich öffentlich wegen Skandalen anzuprangern, die allein in ihren Köpfen existierten.

Erster Satz Erstes Kapitel:
Das durchdringende Kreischen meiner Mutter prallte von den Museumswänden zurück wie das Geräusch eines Kojoten, den man mitten in einer Höhle aus Granit anbinden und dem man dann seinen Schwanz absägen würde.

Letzter Satz:
Was Erleuchtung angeht, die ist bloß was für Leute, die´s nicht fertigbringen, sich der Wirklichkeit zu stellen.

aus: Brad Warner: Zen wrapped in Karma dipped in Chololate; Aurum 2011


SaschaSalamander 05.09.2011, 16.26| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Get the Moon

takagi_moon_1.jpgGET THE MOON ist ein Boys Love (Shonen Ai) aus der Feder von Ryo Takagi (Kire Papa u.a.). Erzählt wird die Geschichte von dem Studenten Get, der von seinem Vater stets zuwenig Aufmerksamkeit bekam. Für den Vater zählten immer nur die Androiden. Der Sohn studiert also Androidenentwicklung, um die Aufmerksamkeit des Vaters zu erlangen. Dieser schenkt ihm zum Abschluss der Prüfungen P-02, sein neuestes Meisterwerk. P-02 ist eifersüchtig auf Get, denn für seinen Schöpfer ist dessen Sohn stets die Nummer 1 gewesen. P-02 will Get nun beweisen, dass er in allen Dingen besser ist. Aber es kommt anders als erwartet.

Doch, der Manga war nett. Er hat mich nicht vom Hocker gerissen, aber so schrecklich wie die anderen Rezensenten, deren Meinungen ich bisher las, fand ich ihn nicht, hab schon schlechtere Werke gelesen. Was positiv hervorsticht sind die Zeichnungen. Sie gefallen mir recht gut (auch, wenn Vater und Sohn nicht wirklich einen Altersunterschied aufweisen. Aber das haben wir ja bei Mangas oft, dass Alter und Herkunft nicht wirklich am Gesicht zu erkennen sind). Die Story ist schlicht erzählt, hat aber einen netten Humor, ich musste einige Male schmunzeln über das Verhalten der Charaktere und die süßen Chibi-Zeichnungen. Vor allem P-02 in seiner Art ist wirklich niedlich.

Was ich allerdings unpassend finde ist das Genre Boys Love. Äh, WO? Gut, ich bin kein Maßstab mit meinen Hardcoresachen, aber hier ist wirklich NICHTS. Es bleibt eine Beziehung zwischen Mensch und Maschine, es gibt kein Händchenhalten, kein Knistern, keine Funken, keinen Kuss. Der Satz "ich liebe Dich" macht kein Boys Love, denn zu meiner Hauskatze sage ich das auch, trotzdem haben wir keine Beziehung. Ich liebe auch Spaghetti, na und? In meinen Augen ist das gewollte Irreführung der Kunden, um den Titel einer größeren Zielgruppe anzupreisen.

Die Geschichte ist recht seicht, das sehe ich aber nicht zwangsläufig als Nachteil, schließlich ist es ein One-Shot, außerdem finde ich es entspannend, mal keine komplexe Struktur im Manga zu haben, wo ich ständig zurückblättern muss, um ihn zu begreifen, sondern hier macht man es sich gemütlich und liest einfach flink mit Genuss durch. Eine humorvolle Geschichte, in der ein Android und ein Sohn um die Gunst des Vaters bzw Schöpfers ringen, bis sie endlich begreifen, dass väterliche Liebe teilbar ist. Friede, Freude, Eierkuchen, alle haben sich lieb. Hach, war irgendwie schön. Besonders gefiel mir die Szene zu Beginn, als P-02 versucht besser als Get zu sein. Er weiß nicht, dass Get ein Mensch ist und vergleicht seine eigenen Fähigkeiten ständig mit dem Menschen und stellt fest, dass "die Nummer 1" des Professors wohl ein ziemlicher Reinfall gewesen sein muss. Allein diese Szene war mir den Manga wert ;-)

Was aber stört ist, dass die Geschichte sehr kurz ist. Die Kurzgeschichten danach sind sehr unpassend, und die Bonusgeschichte ist völlig daneben. Da sie sehr viel Platz einnimmt, ist auch hier die Vermarktung recht unfair, da man einen kompletten Manga erwartet und keine Zusatzgeschichte, die sich - wie ich anderen Infos im Netz entnehme, selbst kenne ich die Geschichte nicht - wohl auf ein anderes Werk bezieht. Ich dachte schon, ich sei völlig verpeilt, weil ich absolut nichts begriff, aber es scheint wohl sehr vielen anderen Lesern ebenso gegangen zu sein. Völlig unverständlich und albern, ich habe es dann mittendrin abgebrochen.

Empfehlung ja oder nein? Zum Einmallesen und dann Weiterverkaufen gerne. Kurzweilige Unterhaltung mit ein bisschen Humor. Große Erwartungen sollte man aber nicht hegen. Außerdem sollte man sich bewusst sein, dass Boys Love komplett außen vor bleibt. Am besten mal reinschnuppern und selbst entscheiden :-)

SaschaSalamander 05.09.2011, 09.45| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Manga

Statistik KW 35

Gelesen / Gehört
1 - Das kleine Tröstebuch (R Ruthe)
1 - Jack Slaughter 11 - im Haus des Todes
1 - Jack Slaughter 12 - der dämonische Hellseher
1 - Jack Slaughter 13 - der Ponyhof des Grauens
1 - Jack Slaughter 14 - Draculas großes Comeback
1 - Get the Moon (R Takagi)
2 - Verlockende Versuchungen (I L Minden)
3 - Meditation für Dummies (S Bodian)
5 - Zen wrapped in Karma dipped in Chocolat (B Warner)



Gesehen
/


Geschenkt
Das kleine Tröstebuch (R Ruthe)
X-Men Trilogie
Wolverine


Gekauft
Get the Moon (R Takagi)
Finder 01-05 (A Yamane)
Personal Paradise (M Schober)
Crimson Spell 2-4 (A Yamane)
Nana und Kaoru 5 (R Azume)
Franken Fran 3 (K Kigitsu)
Spice Wolf 4 (Y Ayakura)


Getauscht
A foreign Love Affair (A Yamane)


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - beendet
3 - weitergeführt
4 - abgebrochen
5 - begonnen

SaschaSalamander 04.09.2011, 20.14| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Mama, jetzt nicht

glattauer_mama_1.jpgDaniel Glattauer, gebürtiger Wiener, ist vor allem bekannt durch seinen Roman GUT GEGEN NORDWIND und dessen Nachfolger, er hat jedoch auch andere Bücher geschrieben, etwa DARUM oder DER WEIHNACHTSHUND. Außerdem hat er in einem mehrjährigen Projekt seinen kleinen Neffen Theo beim Aufwachsen beobachtet und die Erfahrungen in dem Buch THEO - ANTWORTEN AUS DEM KINDERZIMMER geschildert. Er schrieb weitere Bücher, aber auch Kolumnen, und einige davon wurden gesammelt in dem neuen Werk MAMA, JETZT NICHT veröffentlicht. Da es sowieso auf meiner Wunschliste stand, freute ich mich umso mehr, als ich die CD dann bei einem kleinen Gewinnspiel des >HörbuchHamburg< Verlages bekommen habe :-)

Es ist wie gesagt keine Geschichte, deren Inhalt ich beschreiben könnte, sondern es sind auf der CD 48 kleine Episoden, in denen er die Menschen beobachtet und pointiert beschreibt. Mit spitzer Feder schildert er kleine Situationen, an denen viele Menschen wohl einfach vorbeigehen würden, doch er sieht ein wenig genauer hin und stößt uns mit der Nase auf Dinge, die wohl jeder schon erlebt hat, skurrile Momente des Alltags.

So beschreibt er zum Beispiel, wie ein Stromanbieter über Stromfresser im Haushalt aufklärt und dann in einem Gewinnspiel gleich einen der größten Stromfresser überhaupt als Hauptpreis anbietet. Er schildert Erfindungen, die kein Mensch wirklich braucht: wie soll man einen Beipackzettel falten oder eingeschweißte CDs öffnen? Oder einfach aus dem Familienalltag, als Mutter und Kind diskutieren und der Vater zum Gespräch dazustößt und unwissend auch noch Öl ins Feuer gießt. Eine Trennung über Handy, und alle Umstehenden in der U-Bahn bekommen das leidvolle Gespräch mit. Er nimmt das österreichische Schulsystem aufs Korn, beschreibt humorvoll den Prozess des Älterwerdens, amüsiert sich ein wenig über das Wienerdeutsch, zeigt witzige Übersetzungsfehler im Ausland auf.

Feinsinnige Betrachtungen des Alltags, die mich zum Schmunzeln brachten, einige Male auch kurz zum lauten Lachen. In sehr vielen Anekdoten findet man sich wieder, ertappt sich bei den eigenen kleinen Macken. Entdeckt Fehler an sich, von denen man sich als Kind schwor sie niemals zu tun und die man dann als Erwachsener doch irgendwann tat. Die kleinen Fallstricke des menschlichen Zusammenlebens, denen jeder irgendwann einmal erliegt. Wir sind eben doch nur Menschen ;-)

Die CD wird diesmal nicht wie die anderen von einem eigenen Sprecher gelesen, sondern diesmal hört man den Autor selbst. Daniel Glattauer trägt seine Kolumnen höchstselbst vor. Etwas ungewohnt, da man selten den österreichischen Dialekt auf einem offiziellen Hörbuch hört, und man merkt offen gesagt schon den Unterschied zwischen einer professionellen und einer normal geübten Stimme. Aber das macht nichts, denn hier sollen keine Emotionen vermittelt, sondern einfach kleine Texte vorgestellt werden. Und wer könnte die Intention besser übertragen als Glattauer mit angenehmer Stimme und sympathischem Dialekt selbst?

Ob die CD gekürzt ist oder alle Titel enhält, weiß ich nicht, aber selbst falls das Buch ein paar zusätzliche Geschichten enthält würde ich wirklich das Hörbuch empfehlen, es ist einfach ein Genuss, flink mal die Augen zu schließen und dann eine oder zwei Geschichten zu hören, pro Kapitel nicht länger als eine bis zwei Minuten. Kurz hören, schmunzeln und die Arbeit danach ein klein wenig erfrischter fortsetzen. Besser in kleinen Dosen hören, um die Pointen nicht zu verschwenden ;-)

SaschaSalamander 03.09.2011, 14.09| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Humor

Crimson Spell 01

yamane_crimsonspell01_1.jpgFINDER ist inzwischen kein Geheimtip mehr für Freunde von deftigen YAOI-Mangas. Von der gleichen Mangaka erschien vor einiger Zeit auch CRIMSON SPELL, ebenfalls ein YAOI. Selbst hatte ich noch nichts von ihr gelesen, aber schon viel von Freunden darüber gehört. Inzwischen bin ich Shonen Ai und Yaoi fast über, der Markt wird überschwemmt, es gibt zuviel Mainstream, jungen Mädchen wird mit leckeren Jungs das Geld aus der Tasche gezogen. Deswegen gebe ich zu, dass ich an CRIMSON SPELL eher geringe Erwartungen hatte. Umso erstaunter und begeisterter war ich dann nach dem Lesen des ersten Bandes!

Prinz Valdrigue (kurz Vald) macht sich auf eine Reise, um den Fluch eines magischen Schwertes zu brechen. Er trifft auf den Magier Halvir, der von ihm als Gegenleistung Schutz bei der Suche nach einem besonderen Artefakt verlangt. Halvir entdeckt, dass der Fluch des Schwertes darin besteht, dass Vald sich nachts in ein wildes Monster verwandelt, und dieses Monster ist ziemlich lüstern. Halvir will dieses Monster zähmen ...

Vorab ist erst einmal zu erwähnen, dass Yaoi über Shonen Ai / Boys Love hinausgeht. Yaoi hat wenig mit Romantik zu tun, hier wird nicht verschämt geküsst und ein bisschen gestreichelt. Bei Yaoi geht es um pures Ausleben sexueller Triebe, man sieht Geschlechtsteile und alles, was damit angestellt wird, nicht hübsch versteckt unter einem Kimono oder schemenhaft skizziert, sondern in aller Deutlichkeit. YAOI steht für Yamanashi Ochinashi iminasi, was soviel heißt wie "ohne (inhaltlichen) Höhepunkt, ohne Pointe, ohne Sinn" (es gibt eine weitere Bedeutung, die befasst sich mit den körperlichen Nachwehen des Aktes und wird hier von mir zensiert *vg*). Dementsprechend ist natürlich die Handlung schmückendes Beiwerk, bei schlechten Titel ein Alibi, bei guten Titeln eine eigene spannende Geschichte, Hauptaugenmerk liegt auf dem Aussehen der Charaktere und dem, was sie miteinander anstellen.

Die Handlung in diesem Fall finde ich für einen YAOI recht nett. Eine spannende Fantasystory, die zwar eher dünn gesät ist aber doch nette Momente bietet und sich geschickt um die Handlung webt. Die Reise der beiden Protagonisten ist in ruhigen Tönen erzählt, der Ausgleich aus ruhigen Momenten und Action ist perfekt gehalten und in sich schlüssig, und auch ohne die Sexszenen finde ich die Story interessant erzählt und würde die Folgebände weiterkaufen.

Dazu tragen auch die wundervollen Zeichnungen bei. Die Proportionen passen perfekt (gerade Hals, Arme, Hände, Finger sind oft zu dürr oder unproportional, wenn die Zeichnerinnen es besonders hübsch aussehen lassen wollen, aber Yamane gelingt es perfekt, das Maß zu halten). Ebenfalls gelungen: sobald es intim wird, bleibt die Szene dennoch übersichtlich, man weiß noch immer genau, welches Körperteil zu wem gehört und wer was gerade tut (auch hier: leider ein häufiger Makel bei vielen Yaoi, der mich ziemlich stört. Ich möchte schon gerne wissen, wer gerade was mit wem anstellt, und zwar bitte detailliert, sonst könnte ich auch Shonen Ai lesen).

Auch die nichtsexuellen Szenen sind hervorragend gezeichnet, Yamane hält sich an das Wesentliche, sie füllt die Bilder nicht mit unnötigen Hintergründen, der Blick konzentriert sich auf das Wesentliche: die Gesichter und Körper der Charaktere, und natürlich sind nicht nur die Protagonisten hübsch, sondern der Manga strotzt nur so von Bishonen, einer leckerer als der andere.

Der Humor kommt nicht zu kurz, viele Chibi und SD Elemente sind enthalten, der kleine Dämon Lizregbel in Gestalt eines ultraplüschigen Hasen sorgt für witzige Momente und wird die beiden hoffentlich auch in den nächsten Bänden begleiten.

Insgesamt ein Manga, der sich deutlich aus der Masse hervorhebt und den ich zukünftig auf die Liste meiner Empfehlungen setzen werde, wenn mich jemand nach wirklich guten Yaoi fragt :-)


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Im Nachtrag noch ein Link: im >Spiegel Online< wird berichtet, wie es zur Indizierung des ersten Bandes der Serie FINDER kam. Ich finde es immer interessant, wie Szenen entsprechend gewertet werden. Nicht direkt bezogen auf CRIMSON SPELL, aber aus gleicher Feder, daher hier trotzdem passend :-)

SaschaSalamander 01.09.2011, 08.49| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Manga | Tags: Erotik, Tip, Queer, Fantasy, ,



 






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