SaschaSalamander

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Tag: Krimi

Lady Bedfort 58 - Schatten der Vergangenheit

bedfort58_schatten_1.jpgINHALT

Francis Gillick wird aus dem Gefängnis entlassen. In Broughton will er sich niederlassen, wo die Polizei auch seine damals verschwundene Beute vermutet. Will er wirklich ein neues Leben beginnen, oder hat er andere Pläne? Die Ereignisse überschlagen sich, zu viele Personen hatten damals ihre Hände im Spiel, und als ein Mord geschieht, eskaliert es ...


STORY, AUFBAU

Marc Freund, den man im Rahmen der Lady Bedfort Reihe nicht mehr vorstellen muss, hat mit SCHATTEN DER VERGANGENHEIT einen auf den ersten Blick recht vielschichtigen Fall geschaffen. Da wäre einmal der Strafentlasse, seine Vergangenheit und das zukünftig geplante Vorgehen. Außerdem sind da seine frühere Partnerin und deren neuer Ehemann. Und dann ist da noch das Ehepaar, dessen Sohn damals vom Fluchtauto überfahren wurde. Jeder hat seine eigenen Ziele und Hintergründe, und alle spielen sie ein doppeltes Spiel. Es ist für den Hörer im ersten Moment nicht leicht, den Überblick zu behalten, wer nun wer ist und was ihn / sie antreibt, ein zweites Hören ist hier auf jeden Fall hilfreich und sinnvoll.

Immer wieder springt der Hörer von einer Szene zur nächsten, belauscht mal dieses Gespräch, mal jene Szene. Doch so verwirrend es im ersten Moment auch scheint, ist es doch recht gut durchschaubar. Der Autor hat mit allen Möglichkeiten  gespielt, um dann am Ende die beste (und nahezu einzige bisher nicht angesprochene) als Auflösung zu wählen. Ich empfand das als relativ durchschaubar und clever gelöst, gelungene Mischung aus komplexer Story und klassischem Aufbau.

Mit all den vielen Blickwinkeln und Möglichkeiten allerdings kommt die Lady selbst etwas zu kurz. In der Folge BURGESS TRAGÖDIE fand ich das recht gut umgesetzt, die Story bot genügend Pep, um auch mit wenig Lady zu überzeugen. SCHATTEN DER VERGANGENHEIT dagegen ist zwar eine clevere Story, doch mir persönlich fehlt ein bisschen das Feuer, das die Serie sonst ausmacht, die Spitzfindigkeiten und gewitzten Dialoge, ich habe ein wenig das "typische Bedfort-Feeling" vermisst.


SPRECHER

Noch immer habe ich mich nicht so ganz an Margot Rothweiler gewöhnt. Immerhin, bei den ersten beiden CDs fiel es mir schwer, überhaupt zu erkennen, dass die Lady spricht. Inzwischen fällt es mir leicht, das zuzuordnen, auch wenn es noch immer fremd klingt. Was die anderen bekannten Stimmen betrifft, gibt es bezüglich deren Leistung nicht viel zu sagen, sie machen ihre Sachen wie immer prima.

Alte Bekannte trifft der Hörer dieses Mal mit Helmut Gauß, der mir bereits in Folge 23 und 25 positiv auffiel und über dessen Mitarbeit an der aktuellen Folge ich mich sehr freute. Reinhard Kuhnert konnte man bereits in Folge 24, 26 und 57 hören, ist aktuell also bereits zum vierten Mal dabei. Harald Effenberg ist mit seiner inzwischen zwölften Folge ein alter und gern gehörter Bekannter. Neu dabei sind dieses Mal Anke Reitzenstein und Iris Artajo, denen ich ihre jeweilige Rolle sehr gut abkaufen konnte. Ich hätte nichts dagegen, sie bald wieder einmal zu hören.


FAZIT

Die vielen Charaktere und zusammenhängenden Handlungsfäden der Vergangenheit und Gegenwart machen diese Folge zu einer CD, die man gerne mehrfach hören kann. Die Geschichte ist sehr schön ausgearbeitet, bietet den Fans aber etwas wenig Bedfort und Rahmenhandlung, dafür aber einen clever gestrickten Kriminalfall.


Wertung: 7,9 von 10 braune Altfrauenschuhe

SaschaSalamander 26.11.2012, 08.59 | (0/0) Kommentare | PL

Schwarzer Mond über Soho

aaronovitch_moon_1.jpgINHALT

Freunde des Buches >DIE FLÜSSE VON LONDON< kennen Peter Grant bereits: Zauberlehrling bei einer Spezialeinheit der britischen Polizei. Auch im zweiten Band der Reihe übt er sich in Magie, versucht ihre Wirkungsweise und Herkunft zu erforschen. Außerdem ermittelt er in einem seltsamen Fall, bei dem erstaunlich viele Jazzmusiker nach ihrem Auftritt scheinbar an Herzversagen sterben. Und dann wäre da noch der Fall, bei dem es aussieht, als hätte jemand den getöteten Männern ihr bestes Stück - abgebissen ...


REIHE, AUFBAU

SCHWARZER MOND ÜBER SOHO ist der zweite Band. Im Gegensatz zu vielen modernen Krimis, die in sich geschlossen sind, rate ich hier dringend zu chronologischem Lesen. Der Autor nimmt sehr viel Bezug auf Teil 1, ohne dies zu erklären. Ohne Kenntnis der Charaktere und Vorgeschichte dürfte das Buch zwar verständlich aber reizlos sein. Der Autor geht direkt in die Handlung und hält sich nicht mit aufwändigen Erklärungen auf. Zugegeben, ich wünschte, ich hätte den ersten Teil nochmals kurz überflogen vor dem Lesen.

Das zweite Abenteuer wirkt auch mich ein bisschen wie ein Lückenfüller. Es werden neue Handlungsfäden begonnen, alte Fragen zum ersten Band werden nicht beantwortet. Auch endet das Buch ziemlich abrupt und bereitet ohne Umwege den Weg zum dritten Band, WHISPERS UNDER GROUND, der auf Deutsch bisher noch nicht erschienen ist.


GENRE, STIL, AUTOR, SPRACHE

Im >ersten Band< habe ich bereits sehr viel zu diesem Buch beschrieben. Ich möchte es nicht ausführlich widergeben, aber wenigstens kurz anreißen: Aaronovitch ist bekannt vor allem als Autor der Serie DR. WHO, und der Reihe um Peter Grant merkt man das Britische sehr schön an. Staubtrockener, intelligenter Humor, manchmal so subtil, dass man genau hinhören muss. Auch die Atmosphäre der Stadt London hat er wunderbar eingefangen, er vermag es Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen. Seine Reihe lässt sich klar der Urban Fantasy zuordnen, und seine Art des Umgangs mit der Magie gefällt mir sehr. Er hat etwas ganz Eigenes geschaffen, das ich seitdem oft zitiert habe und das mir seit dem Lesen des ersten Bandes immer wieder durch den Kopf spukte, sobald in anderen Büchern Magie praktiziert wird.

So humorvoll und unterhaltsam das Buch anmutet, ist es dennoch recht komplex und eignet sich nicht zum Nebenbeihören. Viel hintergründiger Humor (der ja den Reiz des Buches ausmacht) würde verlorengehen, außerdem werden wichtige Schlüsselszenen recht unauffällig dargestellt, sodass auch dem weiteren Verlauf des Buches schwer zu folgen ist, sobald man etwas überhört. Für meinen Teil muss ich sagen, dass ich beim dritten Band wohl wieder zum Buch greifen werde.


JAZZ

Schon im ersten Band klang sehr viel Jazz an, denn der Protagonist ist Sohn eines berühmten Musikers. Hier wird der Jazz quasi zum Hauptthema der Ermittlungen. Es wird sehr viel über die Musik, die Musiker, die Instrumente, die Stilrichtungen geredet, Variationen einzelner Songs werden auseinandergenommen, auch gibt es einige scherzhafte Anspielungen für Insider, das gesamte Buch eine große Hommage. Ich denke, man muss Jazz nicht mögen, und man muss sich auch nicht auskennen, wenn man dieses Buch liest. Aber es ist auf jeden Fall hilfreich ;-)


SPRECHER

Dietmar Wunder (Adam Sandler, Daniel Craig) wurde als Sprecher für das Hörbuch gewählt, und er passt hervorragend zur Rolle des Peter Grant. Er spricht den Text ruhig und mit der richtigen Prise Betonung an den wichtigen Momenten, auch sein Tempo ist ideal. Wie für Wunder üblich gelingt es ihm, sich zurückzunehmen und alleine den Inhalt wirken zu lassen. Auch, wenn ich zukünftig das Buch ungekürzt und zum Lesen statt Hören für mich wählen werde, hat der Verlag mit diesem Sprecher alles getan, das Bestmögliche aus dem Hörbuch herauszuholen.


FAZIT

Der zweite Band hat mir sehr gefallen, er wird der Reihe gerecht. Trotzdem wirkt er ein bisschen wie ein Lückenfüller für den folgenden Band und ließ mich etwas unzufrieden zurück. Ansonsten aber hat Aaronovitch mit Peter Grant ein kleines Meisterwerk geschaffen, das in vielerlei Hinsicht aus dem Mainstram des modernen Fantasy herausragt.

Wertung: 8,8 von 10 Milliwuff

SaschaSalamander 05.11.2012, 09.24 | (0/0) Kommentare | PL

Die drei ??? 157 - Im Zeichen der Schlangen

fragezeichen157_schlange_1.jpgINHALT

Die ??? bekommen ein Set Spielkarten in die Hand gedrückt, dazu 50 Dollar, und nun sollen sie bitteschön den Star suchen, danach gibt es nochmal 50 Dollar. Der Auftraggeber verschwindet, und das wars. Aber findig, wie sie sind, kommen sie bereits auf eine erste Spur, was es mit den Spielkarten und dem geheimnisvollen Mann auf sich hat. Zeitgleich werden sie von einer jungen Frau kontaktiert, die sich Hals über Kopf verliebt hat - in Skinny Norris! Er gibt ihr eine falsche Identität vor und behauptet Inhaber eines Lieferservice zu sein. Sehr rätselhaft, all diese Dinge, doch Justus, Peter und Bob kommen dem Täter (ja, welchem Täter überhaupt? Was wird hier gespielt? Gibt es überhaupt einen Fall?) bald auf die Schliche ...


AUFBAU

Die Story beginnt mit zwei parallelen Handlungssträngen. Einmal ist da der mysteriöse Auftraggeber, auf der anderen Seite die junge Frau (die Peter und Bob wieder einmal um den Finger wickelt). Beides ist noch nicht gleich als Fall zu erkennen. Es ist unklar, was der Mann mit dem Kartenspiel bezweckt und welchen "Star" man finden soll. Und die Frau will eigentlich nur, dass die Detektive ihren neuen Schwarm genauer unter die Lupe nehmen, da ihr einiges merkwürdig vorkommt. Dann wäre da als dritte Ebene im Hintergrund noch die bald stattfindende Auktion, die einiges an Aufmerksamkeit auf sich zieht. Drei Ebenen also, die hier geschickt miteinander verwoben werden und anfangs für Ratlosigkeit und bald darauf für Spannung sorgen, denn natürlich ist klar, dass es alles auf ein Ziel hinauslaufen wird. Ich mag es, wenn eine Story nicht auf den ersten Blick geradlinig ist sondern verschiedene Fäden spinnt. Gut, im Grunde war es recht übersichtlich, aber für ein Hörspiel und für die Gesamtheit der ??? war das hier schon ziemlich komplex, und dafür gebührt dem Autor - Hendrik Buchna, der mich bereits im >DARKSIDE PARK< und >MINDNAPPING< begeisterte - Anerkennung.


MUSIK, EFFEKTE

Die Effekte wie üblich passend zur Story und schön eingebunden. Manchmal haben die ??? damit zu kämpfen, dass die Geräusche für meinen Geschmack zu laut sind oder ich während des Hörens schonmal die Lautstärke regeln muss, das war diesmal nicht der Fall. Was die Musik betrifft: super, hat mir sehr gut gefallen. Altbekannte Stücke, die gut zur Story passen und auch ein wenig Retro-Gefühl aufkommen lassen.


ATMOSPHÄRE

Überhaupt empfand ich die Atmosphäre dieses Mal als recht gemütlich, das hatte was von den älteren Folgen. Rätsel knobeln, Freundschaft der drei Jungs, ein hübsches Mädel, ein alter Erzfeind, ein mysteriöser Auftraggeber und jede Menge Arbeit auf dem Schrottplatz. Eine prima Kombi, die ich einfach gerne höre und von der ich, wenn sie gut umgesetzt ist, nicht genug kriegen kann.


KLEINES MANKO

Die Auflösung fand ich an den Haaren herbeigezogen. Viel Arbeit für nichts, man hätte all das auch einfacher haben können. Direkt nach dem Hören dachte ich mir "boah, neee, das kann es echt nicht gewesen sein, also bitte, Null Punkte!" Uns ist klar, dass Skinny ein Bösewicht ist, mal clever, mal ziemlich naiv (wie es die Story eben gerade erfordert), aber was hier abgezogen wurde fand ich ziemlich daneben. Kurz nach dem Hören habe ich überlegt, ob ich diese Folge mit großem Minus abstrafen soll, weil ich vom Ende ziemlich enttäuscht war.

Und was die Titelvergabe betrifft - über Covergestaltung und Titel habe ich schon lange aufgehört mich zu wundern oder ärgern. Nur Gott allein und die Verlage wissen, was da in den Köpfen der Entscheidungsträger vorgehen mag ...


EIGENE MEINUNG

Ich zähle nicht zu den Fans, die alles von den ??? loben. Und ich bin keiner von denen, die prinzipiell alle alten Folgen gut und die neuen schlecht finden. Sondern einfach ein Erwachsener, der mit den ??? aufgewachsen ist und noch heute seinen Spaß damit hat, mal mehr und mal weniger. Und in dieser Folge - hatte ich durchweg eine Menge Spaß! Tolle Musik, die Sprecher auf gewohnt hohem Niveau, viele Rätsel und alles, was es für eine gute Portion ??? braucht. Nur das Ende, das Ende, ohweh. Für meinen Geschmack sehr unrealistisch. Wenn ich allerdings bedenke - wie realistisch ist es, dass LADY BEDFORT in ihrem kleinen Ort zufällig in 57 Krimninalfälle tappte? Wie realistisch ist es, dass die Hölle nach so unendlich vielen Heftromanen, Filmen und Hörspielen noch immer nicht komplett von JOHN SINCLAIR gesäubert wurde? Und wie realistisch ist es, dass Skinny Norris nicht schon längst lebenslänglich für all seine gesammelten Gaunereien hinter Schloss und Riegel sitzt? Also - was solls. Was mir für die ??? wichtig ist, das ist der Spaß, und den hatte ich hier rundum, ohne Längen und in prima Umsetzung. Dazu eine für die Serie in sich recht komplexe Story mit einigen gut verwobenen Handlungsebenen. Was will man mehr? Es kann nicht jede Folge perfekt sein ;-)


FAZIT

Recht unrealistisch am Ende, aber ansonsten durch und durch gelungen. Es war in sich stimmig, und ich hatte nach vielen langen Folgen mal wieder ein richtig nostalgisches Gefühl beim Hören. Scheint, als geht es nach einigen Flops langsam wieder aufwärts mit meinen drei Lieblingsdetektiven :-)

Wertung: 8,1 von 10 alberne Hüte

SaschaSalamander 19.10.2012, 09.25 | (0/0) Kommentare | PL

Ihr unschuldiges Herz

INHALT

Staatsanwältin Inga Jäger ist neu und gerät gleich am ersten Arbeitstag mit Hauptkommissar Gebert aneinander. Doch um den Fall zu lösen, müssen sie sich zusammenfinden und miteinander arbeiten: eine Frau wurde brutal ermordet, nach dem Tod ihr Herz aus dem Brustkorb geschnitten. Der Ehemann ist verdächtig, doch im Zuge der Ermittlung findet Inga Jäger heraus, dass im Abstand von jeweils 13 Jahre immer wieder Frauen auf exakt die gleiche Weise an genau dieser Stelle getötet wurden ...


CHARAKTERE

Inga Jäger und Kai Gebert werden intensiv geschildert. Der Leser erfährt sehr viel über die Beweggründe der beiden, und es macht Spaß sie in ihrem Alltag zu beobachten. Beide wuchsen mir rasch ans Herz, besonders Gebert mit seiner manchmal etwas grob-unbeholfenen Art war mir sympathisch. Ich finde, der Autor hat ein gutes Gleichgewicht geschaffen: nicht überpsychologisiert wie gerade in den nordischen Krimis, aber auch nicht so plump und klischeebeladen wie manche deutschen Regionalkrimis. Ein perfektes Mittelmaß, um einerseits Raum für eigene Interpretation zu lassen und dennoch vielschichtige und gut durchdachte Figuren zu präsentieren.

Es gibt weitere Nebencharaktere, denen man im Laufe der hoffentlich folgenden Bücher begegnen wird: Inga Jägers Tochter, ihre Sekretärin, die Wissenschaftlerin Elli Falkenstein und Geberts Gehilfin "die Otto". Auch sie wurden mit Liebe zum Detail erdacht. Die fallbezogenen Figuren (Verdächtige, Angehörige etc) passen gut in die Geschichte und haben entsprechend interessante Lebensläufe, die nach und nach offengelegt werden.

Zugegeben, eigentlich sind Ermittler in Krimis Charaktere, mit denen ich mich selten verbunden fühle und denen ich wenig abgewinnen kann. Dies ist tatsächlich einer der wenigen Titel, wo ich sie dagegen richtig mochte. Vielleicht lag es an ihrer Darstellung. Oder vielleicht verbindet mich einfach, dass die beiden genauso leidenschaftlich wie ich kochen und backen und dies teilweise sehr ausführlich und herzlich beschrieben wird? ;-)


SPRACHE

Die Sprache ist in diesem Buch etwas, an das ich mich herantasten musste. Die ersten zwei, drei Kapitel fielen mir etwas schwer, die Sätze waren teilweise recht sperrig. So gibt es zu Beginn gelegentlich einmal Konstrukte über 8 oder 9 Zeilen mit mehreren Einschüben und Nebensätzen, die das flüssige Lesen etwas erschwerten. Dies legt sich aber sehr schnell. Teils, weil der Autor seinen Text bald darauf fließender formuliert, teils weil man sich an diesen Stil gewöhnt und nun locker über die Seiten fliegt.

Ebenfalls auffällig ist, dass Ivo Pala immer wieder sein recherchiertes Wissen einbringt. Zu Beginn vieler Kapitel finden sich kurze Passagen, die nicht aus Sicht eines der Ermittler geschrieben sind sondern allgemeine Aussagen über die Location oder Einrichtung geben, etwa das Gefängnis, die Staatsanwaltschaft, das Forensische Institut, die psychiatrische Klinik und viele andere.

Von den ersten kleinen Schwierigkeiten abgesehen liest sich das Buch äußerst flüssig. Man merkt, dass der Autor Übung im Schreiben hat und weiß, wie er seine Leser packen kann. Ich habe IHR UNSCHULDIGES HERZ abends gelesen und konnte es nicht beiseite legen, bin wieder einmal sehr viel später ins Bett als geplant (was nur wenige Bücher bei mir schaffen).


AUFBAU, TEMPO

Der Prolog ist ziemlich brutal, blutig und temporeich, der Leser wird sofort mitten in den grausamen Mord katapultiert, bereits der erste Satz lässt erschrocken die Luft anhalten. Doch zur Entwarnung für alle, die lieber Handlung als Gewalt lesen: damit hat es sich auch schon an brutaler Darstellung erschöpft. Ivo Pala schließt sich nicht den deutschen Bestsellern an, die sich gegenseitig mit Gräueltaten übertrumpfen. Er wendet seine Energie lieber auf die Ermittlungsarbeit, die Charaktere und ganz besonders das Gewicht des Themas (was das Thema des Buches, also das Motiv für die Morde ist, möchte ich hier jedoch nicht spoilern).

Nach dem Einstieg werden die Charaktere vorgestellt, treten in Interaktion, erste Verdächtige werden verhört, der Leser tappt ebenso wie Jäger und Gebert im Dunkel. Bald kommen mehr Informationen hinzu, die Handlung verdichtet sich. Das Tempo ist angenehm ausbalanciert, ruhigere Szenen wechseln sich mit spontanen und handlungsreichen Momenten ab.

Etwas nach der Hälfte häufen sich die Hinweise, die Richtung wird immer geradliniger, und bald ist klar, worauf der Autor hinauswill. Ein sehr schweres Thema, dem er sich gewidmet hat und das er mit entsprechender Ernsthaftigkeit darstellt. Noch bevor dies klar war, habe ich bereits im Internet nach einer Szene des Buches im Internet gesucht, um für mich selbst den Wahrheitsgehalt des Buches zu überprüfen, dadurch hatte ich mir einen Teil der Spannung genommen und wusste nun also bereits, auf was es hinauslaufen würde. Also ein Tipp für alle, die keine Spoiler wünschen: besser nicht googeln, erst nach der Lektüre ;-)

Zum Schluss wartet das Buch mit einem gewaltigen Showdown auf, das Tempo zieht straff an. Die letzten 80 Seiten, also den letzten großen Abschnitt "Nemesis", sollte man am besten lesen, wenn man auch sicher zu Ende lesen kann ohne zu unterbrechen. Hier einen Cut zu machen fällt schwer, man rast über die Seiten und kann nicht mehr aufhören. Obwohl man zuvor dachte, das wahre Motiv zu kennen, ergibt sich hier eine zusätzliche Wende, mit der man nicht gerechnet hätte. Danach keine unnötigen Worte mehr, keine Erklärung, nur ein kurzer Epilog und Ende, perfekt abgerundet.

Es wird während des Lesens und rückblickend klar, dass der Autor großen Wert auf einen von Anfang bis Ende gut durchdachten Plot gelegt hat. Die Hinweise, wenn man sie nun kennt, liegen auf der Hand. Auch die im Buch verwendeten Charaktere sowie einzelne kleine scheinbar für die Handlung nicht relevante Alltagsmomente führen alle auf ein gemeinsames Ziel und runden den Roman ab.


REGIONAL

IHR UNSCHULDIGES HERZ spielt im >Rheingau<. Es gelingt dem Autor, die Landschaft für ortsunkundige Leser wie mich anschaulich zu beschreiben. Auch das Verhältnis einzelner Ortschaften zueinander und deren Lage spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle bei der Zusammenarbeit früherer Ermittlungen. Geschickt wurden realistische Hintergründe mit den für das Buch erfundenen Geschehnissen gemischt, alles wirkt aus einem Guss, sodass die Fiktion oft nicht mehr zu trennen ist. Daher ist der ansonsten eher floskelhaft erwähnte Satz "alle Figuren etc erfunden" hier wirklich von großer Bedeutung.


FAZIT

Ein packender Rheingau-Krimi mit erschreckend realem Hintergrund. Die Charaktere sind sympathisch, der Hintergrund wurde sauber recherchiert, das Buch baut perfekt aufeinander auf und ist in sich durchweg stimmig. Mein aktueller Lesetip für alle Krimi-Freunde :-)

'Wertung: 4,5 von 5 kross gebratene Hackfleischbällchen

SaschaSalamander 16.10.2012, 08.43 | (0/0) Kommentare | PL

Nachtblauer Tod

wolf_nachtblau_1.jpgINHALT

Als Leon von der Party kommt, ändert sich mit einem Schlag sein Leben: die Mutter wurde ermordet, der Vater sitzt nun in U-Haft. Anfangs ist sogar Leon verdächtig, denn sein Alibi weist Lücken auf. Doch er muss nicht in U-Haft, kommt bei Freunden der Familie unter. Weil er das Gefühl hat, dass die Polizei und der Anwalt sich zu wenig um den Fall kümmern, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln. Er will die Unschuld seines Vaters beweisen und den wahren Täter überführen. Doch je mehr er über mögliche Täter und Motive erfährt, desto mehr erfährt er über das, was hinter den Kulissen seines friedlichen Elternhauses geschah, mehr als er je wissen wollte. Und gleichzeitig kommt er dem Täter immer näher und bringt sich in tödliche Gefahr ...


GENRE

Dieser Roman richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren. Klaus-Peter Wolf gelingt etwas, das ich bei seinen Büchern sehr faszinierend finde: er schafft einen gekonnten Spagat zwischen Erwachsenen- und Jugendliteratur, lässt die Grenzen verschwinden.

NACHTBLAUER TOD hat als Protagonisten den jungen Leon. Dennoch gibt es hier und da auch Perspektivwechsel zu anderen Beteiligten, auch Erwachsenen. Sprachlich ist der Roman nicht an die lässige Jugendsprache gebunden, die manche Autoren zwanghaft versuchen, sondern in einem niveauvollen, krimitypischen Stil. Worauf er verzichtet, das ist die sprachliche Ausschmückung von Gewalt, Blut und Obszönität. Auch hier geht es ordentlich zur Sache, der Mord ist blutig, was Leon aufdeckt im Grunde ein Skandal. Dennoch bleibt es menschlich, wird nicht ausgeschlachtet und unnötig pervertiert (wobei der Inhalt mancher Skandalstory a la AMERICAN BEAUTY und Co gerecht werden würde).

Wenn auch für Jugendliche geschrieben, empfinde ich diesen Roman daher eher als All-Ager. Auch geeignet für erwachsene Krimileser, die einen Roman mit guter Story ohne Skandal, ohne das "personifizierte Böse" und ohne überdramatisch inszenierte Show zu schätzen wissen.

Weiterhin ist NACHTBLAUER TOD ein Lokalkrimi, spielt diesmal in Bremerhaven. Dem Ortskundigen wird vermutlich einiges bekannt vorkommen, das kann ich nicht beurteilen. Angenehm finde ich, dass es hier ein wenig zurückgenommen wurde im Vergleich zur Ostfriesen-Reihe des Autors, wo wirklich jedes Café, jede Straße ihren Namen hat. Hier dagegen gibt es einige Andeutungen, einiges Bekannte, aber das Augenmerk liegt weniger auf der Region als vielmehr auf der Story. (Ich beziehe mich auf das Hörbuch, das gekürzt ist. Inwieweit dies auch im Roman zutrifft, kann ich nicht beurteilen)


CHARAKTERE

Es ist ein Markenzeichen des Autors, dass jede noch so kleine Nebenrolle einen eigenen Namen bekommt. Ein kurz befragter Zeuge, der Mitpatient im Krankenhaus, die Dame am Telefon, der Künstler eines Bildes. Ich war versucht, mir wieder ein Personenregister zu erstellen. Da es allerdings ein Jugendroman ist, habe ich diesmal darauf verzichtet, ich erwarte diese Bücher zu verstehen auch ohne sie mir  "erarbeiten" zu müssen, und es hat geklappt. Wie auch in seiner Reihe >TREFFPUNKT TATORT< und anderen Jugendbüchern hat er die Zahl der Charaktere im Vergleich zu seiner >OSTFRIESEN-REIHE< doch deutlich beschränkt ;-)

Was Klaus-Peter Wolf nicht macht: Charakterprofile erstellen und einem einzelnen Charakter spezielle Tiefe und Dramatik verleihen (wie man es etwa besonders bei den nordischen Romanen a la Wallander und Co kennt. Mein Geschmack ist das nicht, aber diese Technik ist recht beliebt, wird gerne gelesen).

Was er statt dessen macht: er schildert wenig Hintergrund und Tiefe, lässt dadurch sehr viel Raum für Interpretation. Dafür geht er sehr intensiv auf den jeweiligen Moment und das Verhalten in der jetzigen Situation ein. Ich empfinde das Verhalten jedes Protagonisten nachvollziehbar und schlüssig (was nicht heißt, dass ich es gut finde oder gar selbst so handeln würde. Es gab einige Charaktere in diesem Buch, die mir regelrecht zuwider waren, was vom Autor wohl auch deutlich beabsichtigt wurde).

Manche der Charaktere sind etwas klischeebeladen, z.B. das Polizistenteam ist wieder sehr klassisch. Doch es passt in die Story (und zeigt leider auch die Sturköpfigkeit mancher Menschen, die schon lange in ihrem Beruf arbeiten), denn empfände der Junge die Polizei nicht als handlungsunfähig, hätte er wohl nicht selbst mit der Ermittlung begonnen und hätte es keinen Roman gegeben.


SPRACHE

Die Sprache des Autors ist direkt und der Situation angemessen, mal nüchtern und erklärend, ein andermal aufgebracht und wütend. Es wird auch mal ordentlich geflucht und geschimpft, ohne dabei jedoch vulgär, brutal oder ausfallend zu werden. Die Wortwahl, die Sätze, die Dialoge sind recht realistisch gehalten, man kann die CDs gut während der Arbeit / der Autofahrt hören und den Inhalt dennoch erfassen.

Auch, wenn ich mich zu meinen anderen Rezensionen über Klaus-Peter Wolf wiederhole: er nimmt die Jugendlichen ernst, schaut nicht auf sie herab und biedert sich auch nicht auf gleicher Höhe an. Sondern er ist ein Erwachsener, der als Erwachsener zu Jugendlichen spricht, einen punktgenauen Blick auf ihre Probleme, Sorgen, Ängste und Bedürfnisse hat und leicht Zugang zu ihnen findet. Das liest man zwischen den Zeilen immer wieder, und das gefällt mir so an seinen Romanen.


AUFBAU

NACHTBLAUER TOD beginnt harmlos auf einer Party. Knutschende Teenies, Zickenkrieg, das Übliche. Und plötzlich ist Leon mittendrin in der knallharten Realität, kommt ins Krankenhaus, wird verhört. Ein actionreicher Einstieg, der dem Leser zeigt "hier passiert was".

Als die ersten Ermittlungen beginnen, wird es etwas ruhiger, handlungsorientierter. Als Leon mehr über seinen Vater und seine Mutter erfährt, wird es stellenweise dramatisch, er muss diese neuen Erkenntnisse erst verarbeiten, will sie nicht wahrhaben. Für den Leser zeigen sich immer mehr Motive und mögliche Täter, man kann gut miträtseln. Denn Klaus-Peter Wolf hat seine Geschichte gut aufgebaut, es gibt hier und da Hinweise, er befolgt die klassischen Regeln der Personengestaltung eines Krimis. Es gibt eine interessante Wende, als die tatsächlichen Motive klar werden und Leon nun in eine völlig neue Richtung forscht.

Der Hörer ahnt nach spätestens der Hälfte, wer der Täter sein könnte, und nach zweieinhalb (von drei) CDs wird es offen ausgeprochen. Ab hier heißt es atemlose Spannung, während Leon und seine Freundin ihn stellen wollen und dabei selbst in Gefahr geraten.

Der Showdown ist wieder actionlastig, das Ende abrupt und offen. Es ging Leon darum, den Täter zu finden, nun hat er ihn. Wie das Gericht urteilt, wie es mit seinem Vater weitergeht, was das für Leon selbst bedeutet und wie sich das Leben aller Beteiligten nun ändern wird, das kann man sich denken, es auszuführen wäre unnötig und würde zu weit führen.


SPRECHER

Das Hörbuch wird gesprochen von Jacob Weigert, den ich gerne für jugendliche Titel höre. Da er zwar eine jugendliche Stimme hat aber als Erwachsener doch sehr gut den Bogen zum Erwachsenenkrimi schlägt, macht er das Hörbuch auf diese Weise für beide Zielgruppen interessant.

Während er in >REBELLEN DER EWIGKEIT< eher wenig Emotionen vermittelte und gelegentlich auch in actionreichen Momenten zu ruhig blieb, vermag er hier inzwischen weitaus intensiver Spannung in die verschiedenen Rollen zu legen und den Charakteren Leben zu verleihen. Dennoch denke ich, dass seine Stimme eher für die Erzählperspektive des Ich-Erzählers geeignet ist (etwa in >ÜBER UNS STILLE< war er wirklich die Top Besetzung für diesen Titel) als für dialoglastige Texte, da der Wechsel in verschiedene Tonlagen etwas bemüht klingt.

FAZIT

NACHTBLAUER TOD ist ein Krimi von Klaus-Peter Wolf, der mir wieder sehr gefallen hat. Hier und da ein paar Ecken und Kanten, die eben typisch für den Stil des Autors sind und weswegen ich gerade seine Titel so gerne lese und höre.

Wertung: 4,4 von 5 Liebesbriefe

SaschaSalamander 15.10.2012, 08.47 | (0/0) Kommentare | PL

Amadeus 03 - Schofar

INHALT

In der dritten Folge der neuen Reihe AMADEUS bekommt Mozart angeboten, als Organist im Kloster an der alten Orgel zu spielen. Er ist begeistert und setzt sich sofort an das Instrument. Dabei bemerkt er, dass eines der Register defekt ist und will der Sache nachgehen. Auch verwundert es ihn, dass von beiden vorherigen Organisten keine Aufzeichnungen über den Gebrauch der Orgel vorhanden sind, ja man sogar einen der beiden sogar regelrecht totzuschweigen versucht. Was ist mit den Organisten geschehen? Und was hat es mit dem seltsamen Geräusch aus den Katakomben des Klosters auf sich?


AUFBAU

Auffällig und positiv bisher finde ich, dass es bisher keine "klassischen" Kriminalfälle sind, in denen Mozart und Resch ermitteln. In der ersten Folge ein grausamer Todesfall, dessen Zeuge sie gezwungenermaßen wurden. Darauffolgend ging es eher nebenbei um die Klärung des Falles (der eigentlich recht offensichtlich erschien anfangs) und vielmehr um eine bahnbrechende Neuheit. Und in SCHOFAR nun weiß der Hörer zwar durch das Intro von einem Verbrechen, doch dessen Hintergrund wird dem Hörer erst recht spät klar, und Mozart selbst hat in dieser Folge nicht wirklich mit einem Mord zu kämpfen als vielmehr mit einer kaputten Orgel. Wie man aus einem kaputten Register fast ein komplettes, spannendes Hörspiel gestalten kann und dann zum Ende hin nicht nur einen blutigen Mord, sondern sogar noch ein bombastisches Finale zaubern kann, finde ich erstaunlich und hätte es nicht für möglich gehalten. Erstaunlich und beachtenswert!


CHARAKTERE UND SPRECHER

Mozart und Resch agieren wieder perfekt als Team: frech und gewitzt vs rational und gelassen. Während Resch sachlich seine Schlüsse zieht, überschreitet Mozart wieder einmal einige Grenzen, um sich mit kleinen Listen die Aussagen anderer Personen einzuholen, für ihn scheint alles ein Spiel. In dieser Folge bilden nicht nur Mozart und Resch einen Gegenpart, sondern auch Mozart und die Kirche. Sein Programm ist sehr weltlich angehaucht, und sein Verhalten ist für die Ordensbrüder sehr gewöhnungsbedürftig bzw geht einige Male zu weit, der Hörer kommt in den Genuss einiger witziger Dispute.

Bodo Wolf als Bruder Adelphus spricht seine Rolle überzeugend und mit entsprechender Würde, ich sah den Mönch regelrecht vor mir. Obwohl er als Inspektor Gomery eine regelmässige Rolle in LADY BEDOFORT spielt, hatte ich kein Problem, sofort umzuschalten und in ihm statt des Inspektors nun den Ordensbruder zu sehen. Was mich fasziniert ist Rainer Fritzsche, den ich nun schon in vielen unterschiedlichen Rollen hörte und der es dennoch schafft, jedes Mal neu zu erscheinen, sodass ich ihn zwar erkenne aber dennoch nicht mit einer festen Rolle assoziiere (und das, obwohl Basil Creeper aus JACK SLAUGHTER wirklich sehr markant ist). Auch Dennis Rohling, Stefan Fredrich, Helmut Gauß und Bert Franzke sind Hörspielfreunden inzwischen gut bekannt und verkörpern ihre jeweiligen Rollen passend und angenehm.


THEMEN

Natürlich geht es wieder um Musik. Hier besonders um die Königin der Instrumente, die Orgel. Ohne sie explizit zu erklären, wird hier ziemlich intensiv auf Bauart und Spielweise der Orgel eingegangen. Die Beschreibung der verschiedenen Register, die Kalkanten und der zugehörige Klingelzug, die Bauweise und die Besonderheiten des Orgelspiels. Ich denke, das ist schon sehr speziell, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass gerade diese Teile für manche Hörer wenig interessant sein könnten, es ist recht gewagt vom Hörplaneten, ein solch ungewöhnliches und vor allem spezielles Thema für ihre neue Reihe zu wählen. Dafür finde ich die Umsetzung umso gelungener, kann mir vorstellen, dass auch Hörer, die sich im Alltag wenig mit klassischer Musik und Instrumentenbau beschäftigen, von AMADEUS fasziniert sind, einfach weil es einmal etwas komplett anderes ist und diese Themen eben geschickt in den Fall um die verschwundenen Organisten und die zu Beginn angedeutete Leiche eingebaut ist, ohne den Hörer zu langweilen.

Der Kriminalfall selbst ist ebenfalls sehr gut inszeniert. Da es ein historisches Hörspiel ist, sind die Motive nicht nur die heute üblichen, sondern eben entsprechend eingebunden in die damalige Zeit, in diesem Fall die katholische Kirche und entgegengesetzte häretische Ansinnen. Auch das, was dem Hörspiel seinen Titel gab, ist wirklich grandios. Allein dieses uralte Thema auf diese Weise einzubinden finde ich wirklich einzigartig und neu, würde dafür gerne zusätzliche Extrapunkte vergeben sowohl für den Mut zu solch ungewöhnlichen Themen wie auch für die Idee an sich.


UMSETZUNG

Einzelne Stücke von Mozart, aber auch eigens für das Hörspiel komponierte Melodien sorgen für die perfekte Untermalung. Auch hier wurde wieder sehr gut die Waage gehalten zwischen leichtfüßiger Unterhaltung und düsteren Momenten, in denen die Musik unterschwellig bereits die Gefahr ankündigt und später in den Katakomben für wohlige Schauer sorgt.

Besonders gelungen fand ich in dieser Folge die Geräusche. Und wieder betone ich die Szenen, die sich in den Katakomben abspielen. Bereits die Stimmung des Klosters bzw der Kirche war sehr gewichtig und beklemmend, versetzen den Hörer in kalte Gemäuer und dunkle Gänge, doch als es dann unter die Erde ging, fühlte ich mich regelrecht beklommen, meinte den alten Moder zu riechen, die Nässe aus den Wänden kriechen zu spüren, ein Effekt führte sogar dazu, dass ich regelrecht erschrak und danach erst einmal tief durchatmen musste (und ich bin in Hörspielen beileibe nicht schreckhaft, doch diesmal war ich sosehr in das Hörspiel versunken, sosehr von der Szene gebannt, dass ich richtig zusammenzuckte).


EIGENE MEINUNG

Ich habe mich zu Beginn amüsiert (über Mozart, Resch und die witzigen Dialoge), später etwas gegruselt (als die Atmosphäre immer dunkler wurde) und war zum Ende hin einerseits angeekelt (von der Auflösung eines Teils des Falles) wie auch tief berührt (von der Tragik der Situation). AMADEUS ist eine Reihe, die für mich mehr ist als nur Unterhaltung oder Spannung, sie berührt etwas in mir und trifft genau meinen Nerv wie nur wenige andere Titel.


FAZIT

Waren eins und zwei bisher schon gelungen, Folge drei vermag sie zu toppen. Die Verbindung von historischen Elementen, witzigen Dialogen und einem packenden Mordfall ist hier besonders dicht gewebt. Beim Hören taucht man sofort ab in die Atmosphäre des Klosters und der dunklen Katakomben, wird hineingezogen und am Ende mit einem bombastischen Finale belohnt. Absoluter Hör-Tipp!

Wertung: Wertung: 14,8 von 15 häretische Beile im Haupt der Madonna

SaschaSalamander 24.09.2012, 09.05 | (0/0) Kommentare | PL

Amadeus 02 - Rosignolo

amadeus02_rosignolo_1.jpgINHALT

Eine Sängerin wird nach ihrem großen Auftritt umgebracht. Der Täter, ihr Liebhaber Ferragosta, richtet sich danach selbst. Der Fall scheint eindeutig. Doch als plötzlich die Stimme der angeblich toten "Nachtigall" zu hören ist, wird bald klar: hier wurde ein hinterhältiges Spiel inszeniert, in dem alle nur als Marionetten benutzt wurden, um am Ende etwas Bahnbrechendem den Weg zu ebnen. Doch die Strippenzieher haben nicht mit Mozarts aufbrausendem Temperament und Reschs Entschlossenheit gerechnet ...


ATMOSPHÄRE

ROSIGNOLO besticht durch seine sowohl in historischer als auch akustischer Hinsicht realistisch umgesetzte Kulisse: In >WOLFER< wurden die Hörer in einen dunklen Wald geführt. Hier dagegen ist es hell, glänzend und voller Leben: das Nationaltheater, ein großer Empfang, die Reichen und Mächtigen der Gesellschaft. Hier wird mit hocherhobener Nase diskutiert und philosophiert, und natürlich gibt es auch Intrigen, Betrug und Neid. Schon vom ersten Moment an konnte ich mich gut an den Ort des Geschehens versetzen, das Durcheinander der vielen Menschen, die Musik, die angeregten Diskussionen, das alles wurde sehr lebendig umgesetzt, die Geräusche als perfekte unauffällige Hintergrunduntermalung eingebaut.


THEMEN

Thematisch werden hier Realität und Fiktion sehr gut gemixt, und Mozarts Schaffen nimmt eine wichtige Rolle in dieser Episode ein, alles dreht sich um die Musik. Und natürlich um einen Mord. Zwar ist nach der Hälfte des Hörspieles klar, worauf es hinausläuft, doch auch danach bleibt es spannend, geht in eine völlig neue Richtung, und ich möchte nichts vorweg verraten, halte mich bedeckt. Was ich aber anmerken möchte: interessant, was man daraus gemacht hat, wie Mozart darauf reagiert und wie man um die Sache herum eine solche Geschichte entspinnen konnte. Ob das zu Mozarts Zeiten bereits ein Thema war, vermag ich nicht zu sagen, doch eine Andeutung ganz am Ende stellt eine Frage, die einige Aspekte des Hörspieles sowieso in ein völlig neues Licht rückt. Ich bin gespannt, wie sich dies in den zukünftigen Folgen auswirken wird und was sich daraus entwickelt. Ein wirklich geschickt - fieser Cliffhanger, den man hier geboten bekommt!


CHARAKTERE UND SPRECHER

Was Mozart von all dem hochtrabenden Geschwätz und der Arroganz seiner Mitmenschen hält, gibt er in recht eindrucksvollen Worten wider, der Hörer darf sich auf einige Wutausbrüche und unschickliche Beleidigungen ganz im Stil des frechen Komponisten freuen. War er im ersten Teil schon recht dreist, legt er hier noch einmal einen Zacken an Schärfe zu, eine seiner ersten Beschimpfungen über den Arbeitgeber, welcher ihn vor die Tür setzte, wage ich hier gar nicht widerzugeben ;-)

Neben Mozart und Resch begegnet der Hörer hier erstmals Constanze Weber, Mozarts späterer Ehefrau, ein interessanter Nebenstrang im Rahmen der Hörspielreihe. Constanze wird gesprochen von Luisa Wietzorek, die als Schauspielerin und Synchronsprecherin schon einige Erfahrungen gesammelt hat. Sie vermag mit ihrer Stimme neben Kluckert, Knauer und Hasper gekonnt die bisher fehlende weibliche Note einzubringen und die Gruppe zu bereichern.

Auch die anderen Sprecher überzeugen in ihren Rollen. Wen ich diesmal allerdings besonders hervorheben möchte, das ist der Sprecher des Georg Tonlechner, und als ich ihn hörte, musste ich doch glatt zurückspulen und noch einmal hören, ob ich mich nicht verhört hatte: Santiago Ziesmer? Tatsache, Santiago Ziesmer! Der herzliche Inspektor Miller, der hyperaktive Steve Urkel, der freundliche SpongeBob - er kann auch ganz anders, nämlich so richtig unsympathisch und fies! Mag sein, dass er schon in anderen Rollen den Fiesling gesprochen hat, für mich war es neu, und ich war erstaunt. Und er macht es hervorragend, schon vom ersten Moment an ist der Hörer abgeneigt und fühlt sich angewidert von dieser unangenehmen Person. Ich hätte es nicht gedacht, aber Ziesmer ist richtig klasse als widerlicher Unsympath


AUFBAU

Was leider nicht ganz perfekt ist, das ist der Aufbau der Geschichte. Anfangs scheint alles offensichtlich, sodass sich in der ersten Hälfte die Frage stellt, wohin all die später folgenden Diskussionen um gänzlich andere Themen bitte hinführen sollen und was das mit der Sache zu tun hat. Als dies dann offenbar wird, steigt die Spannung etwas an, bis hin zu einem ziemlich actionlastigen (und von den Effenten her wieder hervorragend umgesetzten) Showdown. Dazwischen aber gab es einige Längen, die zwar nicht gravierend ins Gewicht fallen, leider aber dafür sorgen, dass das Hörspiel nicht ganz so dicht gestrickt ist und der Hörer hier und da einmal kurz gedanklich abschweifen könnte.


FAZIT

Nach dem grandiosen Auftakt mit >WOLFERL< hatte ich natürlich sehr hohe Erwartungen, die nicht ganz aber immerhin fast erfüllt wurden. Die Story ist sehr schön umgesetzt, die Sprecher leisten professionelle Arbeit, neue Handlungsstränge für weitere Fortsetzungen werden gelegt, Musik und Geräusche bilden eine harmonische Einheit mit den Dialogen und dem Erzähler. Trotz kleiner Längen im Mittelteil ist ROSIGNOLO angenehm zu hören und weiß die Hörer auf hohem Niveau zu unterhalten.

Wertung: 12 von 15 zukunftsweisende Aufzeichnungen

SaschaSalamander 22.09.2012, 09.05 | (0/0) Kommentare | PL

Lady Bedfort 57 - Die letzte Wette

bedfort57_wette_1.jpgKlappentext:
Paul Hubbard, der Geschäftsführer der "Ill Bones Foundation", stürzt aus dem obersten Stockwerk eines Büro-Hochhauses und ist sofort tot. Allem Anschein nach ein Selbstmord. Nur Sir Alfred Langdon, der Stiftungsgründer, ist anderer Ansicht. Er wettet, dass er schneller einen Beweis für einen Mord findet als die Polizei ein Motiv für einen Selbstmord. Er gewinnt - doch der Einsatz ist sein eigener Tod! Und nun hat Lady Bedfort gleich zwei Morde aufzuklären ...

In dieser Folge ist es nicht unsere Heldin, die auf ein Verbrechen stößt und ihre Nase in fremde Angelegenheiten steckt. Dieses Mal ist der Auslöser für die Ermittlungen Sir Langdon. Seine Neugier endet tödlich, und natürlich sollte dies eine Warnung für Clara Bedfort sein. Doch zur Freude der Hörer schlägt sie die Warnung Millers in den Wind und geht der Sache nun selbst auf den Grund.

Die Folge ist recht klassisch aufgebaut: ein Mord geschieht, der Protagonist ermittelt, es gibt mehrere Verdächtige, nach und nach wird der ausgeklügelte Mordplan mit all seinen Motiven und technischen Hilfsmitteln aufgedeckt. Man gebe einem Krimiautor ein eingerichtetes Zimmer mit Regal, Schreibtisch, Fenster und Tür, dazu einige harmlose Gegenstände, die sich in jedem Büro finden, und schwupps zaubert er daraus 100 verschiedene Szenarien, wie man den beinahe perfekten Mord inszenieren könnte, wenn da nicht ein titelgebender Schnüffler plötzlich den entscheidenden Hinweis finden würde ;-)

Frau Rothweiler ist noch immer ungewohnt, macht ihre Sache aber professionell und passt gut zu den anderen Sprechern. Zu den bekannten Stimmen muss nicht mehr viel gesagt werden. Neu sind diesmal Frau Victoria Sturm und Sabine Jäger, und auch an ihnen gibt es nichts auszusetzen. Besonders Sabine Jäger spielte ihren Part sehr überzeugend, überdramatisiert und affektiert, genau wie es für die dramatische Diva vorgesehen war, sie erzeugt beim Hörer genau die Abneigung, die wohl für ihre Figur gedacht ist, bleibt dabei aber geheimnisvoll und macht es nicht leicht, ihre Rolle in dem Fall einzuschätzen, ein gelungenes Verwirrspiel.

Zugegeben, mehr fällt mir dieses Mal nicht ein. Es ist eine solide Folge, sehr schön aufgebaut und klassisch inszeniert. Die Charaktere wissen zu überzeugen, Musik und Effekte passen sich gut in die Story ein, rundum gelungen. Trotzdem konnte ich selbst nicht so wirklich den Zugang dazu finden, hatte das Gefühl nicht "dabeizusein" sondern eher als Beobachter am Rand zu stehen. Woher dieses Gefühl kommt, kann ich nicht benennen, und ich könnte aktuell auch keine konkrete Kritik üben, die Punktabzug rechtfertigen würde. Ich bin schon sehr gespannt auf andere Meinungen zu dieser Folge und hoffe auf viele aussagekräftige Rezensionen von anderen Bloggern, Hörern und Fans :-)

13,5  von 15 Türklinken

SaschaSalamander 19.09.2012, 08.41 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Amadeus 01 - Wolferl

VORAB

Bereits letztes Jahr hat der Hörplanet sein neues Projekt angekündigt, lange wurden die Hörer auf die Folter gespannt, lange stellte sich die Frage, was nun bald kommen würde. Dann wurde es enthüllt: AMADEUS. Ein Hörspiel um den berühmten Wolfang Amadeus Mozart. Was natürlich zu Ratlosigkeit aber auch Neugier führte, denn das klang doch sehr gewagt und ungewöhnlich, die ersten Teaser dienten weniger einer Antwort auf die Frage nach dem Inhalt der neuen Serie als darauf, die Hörer neugierig zu machen. Auch das Genre war unklar. Was mich persönlich betrifft muss ich offen sagen, dass ich sehr, sehr skeptisch war. Sosehr ich klassische Musik liebe, und so gerne ich Hörspiele mit historischem Hintergrund mag - ein Mozartfan war ich noch nie, und auch Ort und Zeit in Wien sind nicht gerade das, was ich mir als spannende Kulisse ausgemalt hätte. Um die Hörproben bin ich lange herumgeschlichen, habe es nicht so recht gewagt. Nun aber lagen die ersten drei Folgen vor mir, und ich habe mich auf das Abenteuer AMADEUS eingelassen. Und jetzt ... tja, jetzt bin ich angefixt und werde versuchen, Euch ebenfalls neugierig zu machen ;-)


KLAPPTENTEXT

Es war im Frühjahr 1781. Wir hatten unsere Reise nach Wien unterbrochen und in einer kleinen Poststation Halt gemacht. Dort gingen furchterregende Dinge vor sich. Was mochte dem armen Mädchen widerfahren sein, das am ganzen Leib zitterte und unentwegt ins Feuer starrte? Und welch blutiges Schicksal war dem Gangleder beschieden, den wir tot auf dem Häußgen fanden - grausam zugerichtet und mit geraubtem Herzen. Mit dem Mute der Verzweiflung folgten Amadeus und ich der Blutspur des Mörders…


GRUNDIDEE, RAHMEN, GENRE

Jürgen Kluckert (Tim Denham, Benjamin Blümchen, Mr Crabs) bildet den äußeren Rahmen der Geschichte. Der gealterte Arzt Dr. Justus Resch erzählt von damals, als er Mozart begegnete und was er mit ihm erlebte. Kluckerts Texte sind teils philosophisch angehauchte Monologe, teils handlungsbegleitende Beschreibungen. Jedoch wird hier nicht der Schwerpunkt auf den Erzähler gelegt, der die Geschichte vorantreibt, die Geschichte wäre auch ohne diesen Part sehr gut zu verstehen und könnte gut auf eigenen Beinen stehen. Von daher bin ich sehr gespannt, ob dies noch eine tiefere Bewandnis haben wird. Natürlich, Resch und Mozart werden gemeinsam vieles erleben, sodass er sich als Beobachter eignet. Doch noch ist offen, ob dem Arzt später eine engere, vertrautere Rolle zukommen wird, oder ob er weiterhin der zufällige Begleiter an der Seite des jungen Komponisten bleibt.

Die Handlung selbst wird als Hörspiel erzählt, beinhaltet mystische und kriminalistische Elemente. In der ersten Folge ist anfangs unklar, ob Mozart und Resch es mit einem Werwolf zu tun haben, oder ob menschliche Machenschaften hinter dem grausen Mord stecken. Durch die düstere Untermalung wirkt es gruslig, jagt beim Hören einen leichten Schauder über den Rücken, ist stellenweise regelrecht eklig. Der Hörplanet hat die Einteilung in ein einziges Genre hier klar vermieden, setzt sich über die Schubladen hinweg und vermischt Historie, Krimi, Thriller und Mystery auf ungewöhnliche Weise. Zugegeben, ich hatte diese Konstellation anfangs für nicht möglich gehalten, und das Cover mit einerseits dem traditionell mystischen Wolf und andererseits dem allseits bekannten Mozart-Bild lässt den Hörer irritiert zurück. Doch nach dem Hören ist klar: dieser Mix ist gelungen!

Die Verbindung aus Fiktion und Realität ist etwas, das ebenfalls zum Konzept dieser neuen Serie gehört. So finden sich immer wieder Anspielungen auf reale Geschehnisse sowie auch das Leben des großen Komponisten. Auf der anderen Seite ist da natürlich die künstlerische Freiheit, Mozart auf eine Reise zu schicken, wo er immer wieder in tödliche Abenteuer verstrickt wird. Es gibt reale Charaktere (so trifft der Hörer ab der zweiten Folge etwa auf Constanze Weber), doch die meisten Figuren, allen voran Mozarts Begleiter Dr. Justus Resch, sind fiktiv.

Mozart und Resch stellen übrigens kein klassisches Ermittlerduo dar. Während Dr. Resch sich seine eigenen Gedanken dazu macht, ist Mozart vielmehr mit sich selbst beschäftigt. Dies gefällt mir, weicht in seiner Struktur klar von den klassischen Mustern aus Ermittler und Helfer ab und bietet dadurch abwechslungsreiche Spannung, die einmal nicht nach dem üblichen Muster verläuft.


CHARAKTERE, SPRECHER

Mozart ist ein Charakter, der für ein Hörspiel ungewöhnlich ist, in den üblichen Medien aber bereits eine inzwischen schon übermäßige Präsenz zeigt. Zeichentrickfilm, Realverfilmung, Bücher, er ist einfach eine schillernde Persönlichkeit, eine ideale Mischung aus Genie und Wahnsinn, dazu eine ordentliche Ladung Arroganz, Egoismus und kindlichem Gemüt. Es ist schwer, ihn wirklich zu mögen, er war ein unangenehmer Zeitgenosse, und dennoch faszinierend und auf seine Weise trotz allem auch irgendwie sympathisch. Diese Widersprüche werden hier sehr gut eingefangen. Tim Knauer ist die ideale Besetzung für den quirligen Lebemann, verkörpert die kindlich verspielte Leichtigkeit ebenso realistisch wie den derben Humor und die selbstbezogenen Momente. Tim Knauer hat als Sprecher sowohl in Hörspielen wie auch TV-Serien bereits Erfahrung gesammelt, war mir bisher als Stimme jedoch nicht präsent. Es gefällt mir, eine neue Serie auch mit neuen Sprechern zu besetzen. Dadurch wird mir als Hörer der Zugang erleichtert, ich muss keine alten Rollen und Bilder aus meinem Kopf löschen, um mich neu darauf einzulassen, sondern kann völlig aufgeschlossen den neuen Stimmen lauschen.

Dr. Resch wird gesprochen von Kim Hasper. Ihn kannte ich bereits als Tom Cole aus POINT WHITMARK, außerdem spricht er in weiteren Hörspielreihen wie auch als Synchronsprecher für Filme, TV-Serien und Anime. Auch er also ein professioneller Sprecher, der dennoch angenehm frisch klingt und wunderbar zu dieser ruhigen Rolle passt. Der analytische und gebildete Dr. Resch ist das Gegenstück zum hyperaktiven Mozart, ist ruhig und besonnen, macht sich umfassende Gedanken und ist ein scharfer Beobachter. Als Arzt hat er schon viel gesehen, ist nicht leicht zu beeindrucken. Während die anderen Mozarts grenzverletzendes Verhalten als störend empfinden, kommt er gut mit ihm klar, vermag seine Aufdringlichkeit zu ignorieren und sich stattdessen auf seine Lebendigkeit und Lebensfreude einzulassen

Die Nebencharaktere sind sehr schön dargestellt, die Sprecher verleihen ihnen glaubhaft Leben, und auch die Dialoge werden ihnen geschickt in den Mund gelegt, schnell hat man einen Zugang gefunden zu den Mitreisenden und den Wirtsleuten. Mit Tomas Petruo, Victoria Sturm, Sabine Jäger, Rainer Fritzsche, Stefan Fredrich, Bert Franzke, Harald Effenberg, Frank-Otto Schenk und Dennis Rohling finden sich hier Sprecher, die man als LADY BEDFORT-Fan alle bereits gehört hat, gelegentlich auch aus anderen Produktionen kennt und die mit ihrem Auftreten überzeugen.


DIALOGE

Die Dialoge sind das, was für mich den größten Reiz an dieser Folge ausmacht. Sie stellen die Verbindung zwischen den düsteren Geschehnissen und der locker-verspielten Art des "Wunderkindes" Mozart dar. Mir gefällt der Witz, den der Autor Sebastian Weber (ORDENSSCHWESTER AMELIE, LADY BEDFORT) hier geschickt eingebaut hat. Mozart steht immer im Mittelpunkt, selbst wenn er nur im Hintergrund agiert, ständig muss er dazwischenreden, Selbstgespräche führen, sich unpassenderweise einbringen. Er fällt den Leuten ins Wort, beendet ungefragt deren Sätze, immer muss sich alles nur um ihn drehen. Und er ist bekannt für seine derben Ausdrücke, die auch hier nicht geschönt werden. Hier spricht er auch schon mal von Ärschen oder davon dass er furzen muss. Dabei wirkt die Sprache nicht vulgär, sondern eher humorvoll, und sie passt auch in die damalige Zeit, wo es nicht unüblich war, sich auf diese Weise auszudrücken. Es freut mich, dass man hier kein Blatt vor den Mund genommen hat. So unverblümt Mozarts Äußerungen sind, so filigran, gewandt und voller Wortwitz sind die Aussagen von Dr. Resch und den anderen Charakteren. Ich liebe die Wortgefechte, mal simpel und direkt, mal wortreich und verstrickt. So etwa "Ich habe die Ehre, das Missvergnügen zu haben", "wenn ich mich damit zufrieden geben würde, was ich habe, wenn ich mich je zufrieden gegeben hätte, was wäre ich dann" oder "der Mann HAT keine Wunde, der IST eine Wunde".

Die Handlung selbst ist recht düster, es gibt einige Gänsehautmomente, actionreiche Spannung und einen Showdown mit einer Verfolgungsjagd. Und besonders in den tragischen Momenten kann Mozart es nicht lassen, ein unpassendes Kommentar abzuliefern. Es klingt wie eine unvereinbare Mischung, doch dem Label ist es gelungen, diesen schmalen Grat nicht zu überschreiten, niemals ins Alberne abzudriften oder die Atmosphäre zu zerstören.


UMSETZUNG

Die Atmosphäre ist trotz des Humors und der Leichtigkeit der Charaktere eher düster, man meint beim Hören regelrecht den Nebel zwischen den Bäumen aufsteigen zu sehen, wenn die Kutsche ihre Rast im Wald macht. Die Geräusche und Effekte sind genau so, wie ich sie mag: man muss sehr bewusst darauf achten, sonst gehen sie wie selbstverständlich in der Handlung unter, ergänzen die Sprecher und dienen vor allem einem dichten Hörgenuss ohne "Lücken". In besonderen Momenten allerdings treten sie hervor, man hört beispielsweise die Knochen knacken, das Blut spritzen, eine ordentliche Portion Ekel, die sogar den erfahrenen Wundarzt Dr. Resch überrascht.

AMADEUS ist ein Hörspiel auf historischer Basis, und die damalige Zeit wird hier vor dem inneren Auge des Hörers lebendig. Altmodische Formulierungen, damals übliche Redensarten, die Gepflogenheiten, auch Anspielungen auf die Forschung, Politik und Gesellschaft finden sich zuhauf und sorgen für eine realistische Umsetzung des Themas. Der Autor hat sich intensiv mit dieser Zeit auseinandergesetzt und versteht es, die Hörer in seinen Bann zu ziehen, auf eine spannende Zeitreise zu schicken.

Dem Hörspiel gelingt es außerdem, beide Hörerschaften zufriedenzustellen: die "Nebenbei-Hörer", die gerne während des Abspielens Hausarbeit erledigen, Auto fahren etc. Aber auch die "Puristen", die sich bewusst hinsetzen und nur dem Inhalt lauschen. Der Handlung ist einfach zu folgen, die Atmosphäre wird gut transportiert, der Humor ist auch nebenbei ersichtlich. Wer sich allerdings intensiver auf das Werk einlässt, bekommt viele Feinheiten und unterschwellige Anspielungen und Scherze geboten, die bei oberflächlichem Hören wohl verlorengehen (aber nicht handlungsrelevant sind). Somit also perfekt, die CD auch mehrfach zu hören, ob nun nebenbei oder pur.


MUSIK

Die Musik sind Variationen zu - na, zu was sonst, zu Mozarts Werken. Sowohl inhaltlich (etwa die Anspielung auf sein Werk IDOMENEO) als auch musikalisch dreht sich neben dem Mord natürlich alles um Mozart. Titelsong der Serie ist die bekannte Melodie aus der Symphonie No 40 in einer sehr schönen, Hörplanet-typischen Variation. Diese taucht abgesehen vom Intro auch gelegentlich als Teil des Soundtracks auf. Auch andere bekannte Themen des Komponisten werden aufgegriffen, bekommen ein neues Gewand und werden teilweise recht original übernommen und andernorts geschickt überarbeitet und zu beinahe neuen Melodien verarbeitet. Auch hier ist der Spagat gelungen: es ist erstaunlich, dass diese verspielten, leichten Melodien als Untermalung für ein solch düsteres Hörspiel dienen können, doch es funktioniert.

Bekannte und weniger bekannte Melodien des großen Musikers werden in das Hörspiel eingebunden. Auch eigene Kompositionen des Hörplaneten fließen in den Soundtrack ein und bilden eine kongeniale Untermalung der jeweiligen Handlung. Auch, wenn man als Hörer wohl nicht jede von Mozarts 626 Melodien kennt und daher nicht immer klar differenzieren kann - es gefällt und passt wunderbar zusammen. Mir hat die Musik in dieser ersten Folge ausgesprochen gut gefallen und sorgt dafür, dass ich mir die CD gerne mehrfach anhören werde.


FAZIT

AMADEUS 01 WOLFERL ist ein gelungener Auftakt in die lange erwartete neue Serie. Dramatik, Mystery, Spannung, ein historisches Setting und jede Menge Unterhaltung - der Hörplanet hat es geschafft, ein Hörspiel auf den Markt zu bringen, wie es in dieser Form noch nicht zu hören war. Ich wünsche der Serie großen Erfolg und hoffe auf viele weitere Folgen voller Tiefgang und Esprit.

Wertung: 14,5 von 15 schändlichst vernachlässigte Spinette

SaschaSalamander 18.09.2012, 08.29 | (0/0) Kommentare | PL

Der Junge, der Gedanken lesen konnte

boie_gedanken_1.jpgINHALT

Valentins Vater und seine restliche Familie blieben damals nach dem Tod seines Bruders Artjom in Kasachstan, nur er und seine Mutter kamen nach Deutschland. Und nun heißt es wieder umziehen, denn seine Mutter hat eine Stelle als Marktleiterin bekommen. In seinem neuen Zuhause muss er sich erst zurechtfinden, hat noch keine Freunde. Auf dem Weg in die Bücherei begegnet er Mesut, der in seiner Straße wohnt und der ihm nicht geheuer ist. Und auf dem Friedhof lernt er Herrn und Frau Schelinsky kennen, Herrn Schmidt, "Dicke Frau" und den Friedhofsgärtner Herr Bronnislav, eine gesellige Runde. Mit ihnen versteht er sich gut, er kommt nun immer öfter auf den Friedhof. Bald freundet er sich auch mit Mesut an, der ihn begleitet. Eines Tages erfährt Valentin von einem Verbrechen, und Herr Bronnislav könnte darin verwickelt sein, aber das will Valentin nicht glauben und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei ist ihm seine neuentdeckte Gabe, Gedanken lesen zu können, sehr hilfreich.


FANTASY (GEDANKENLESEN)

Obwohl Valentin Gedanken lesen kann, ist dies nicht der Kern des Buches, den Leser erwartet kein Fantasy. Der weise Herr Schmidt kommentiert es treffend, wenn er meint, er habe schon so viel gesehen und erlebt, warum also nicht auch einen Jungen, der Gedanken lesen kann? Außerdem ist Valentin gar nicht so begeistert, ihm wird übel dabei, und er fühlt sich wie ein Eindringling, wenn er die persönlichen Gefühle der anderen teilt, er vermeidet es nach Möglichkeit. Eigentlich hätte man diesen Aspekt komplett aus dem Buch weglassen können, es hätte nicht gefehlt. Trotzdem bietet es natürlich zusätzlichen Diskussionsstoff und ist eine nette Ergänzung zur eigentlichen Handlung.


KRIMI (VERBRECHEN)

Die Aufklärung des Verbrechens ist wichtig, aber nicht der Kern. Valentin vergleicht sein Vorgehen immer mit der Kinderbande, von der er schon viele Bücher gelesen hat. Das fand ich nett umgesetzt von der Autorin, nimmt es doch freundlich das Genre der Kinderdetektive ein bisschen aufs Korn, obwohl es ja selbst ein Jugendkrimi ist.


MULTIKULTI

Ganz nebenbei wird auch das Thema der Multikulti-Gesellschaft angesprochen. Valentin kommt aus dem Kasachstan, Mesut ist Türke, Bronnislav ist Pole (wie er niemals müde wird zu betonen, wenn Herr Schmidt wieder "Alter Schwede" von sich gibt). Es ist allen egal, woher sie kommen, und doch bringen sie alle ihre eigenen Geschichte mit. So besteht in Mesuts Familie z.B. die Frage, ob sie den Urlaub in der Türkei verbringen wollen oder doch auf Gran Canaria. Auch Mesut erinnert sich viel an seine alte Heimat und überlegt, wo er nun hingehört. Doch wie gesagt ist dies etwas, das nebenbei geschieht und auf diese Weise den jungen Hörern ganz entspannt aufzeigt, wie Menschen verschiedenster kultureller Hintergründe miteinander auskommen und ihren Alltag erleben.


TOD UND STERBEN

Was den Großteil des Buches ausmacht, ohne sich dabei unangenehm in den Vordergrund zu drängen, das ist das Thema Tod und Sterben. Hier gehen alle verantwortungsvoll und bewusst damit um, aber ohne Tammtamm, ohne Angst. Sterben wird als ein Teil des Lebens betrachtet. Natürlich stellt sich auch die Frage, warum junge Menschen sterben müssen und ob das gerecht ist. Durch die entspannte Grundhaltung der erwachsenen Protagonisten ist das Buch sehr informativ und interessant für Kinder zu lesen. Die Freunde treffen sich auf dem Friedhof, weil sie kein Geld für einen Schrebergarten hatten, also beschlossen sie ihr Grab schon zu Lebzeiten zu kaufen und dieses kleine Fleckchen vorab zu nutzen. Sie möchten ihre "Nachbarn" kennenlernen, sie genießen das Leben und akzeptieren den Tod, freuen sich an der Natur, den wiederkehrenden Besuchern, bringen sogar Würstchen und Salat mit, sitzen auf Klappstühlen. Ob dies eine lebensbejahende Einstellung ist oder verwerfliche Störung der Totenruhe, das ist ein ständiger Streitpunkt zwischen dem Antagonisten (Verwalter des Friedhofs) und Familie Schelinsky. Kindern und Jugendlichen wird dadurch gelehrt, dass der Tod nichts Beängstigendes ist. Man soll das Leben genießen und Feiern, darf sich vor dem Tod aber nicht verschließen.

Da jedoch sein Bruder noch als Jugendlicher starb, hat unser Junge nun mit vielen Fragen zu kämpfen. Er trägt das Gefühl in sich, dass Artjom der bessere von ihnen war und er nun schlechter ist, seinen Bruder niemals ersetzen kann. Er fühlt sich schuldig, weil er kurz vor dem Unfall einen Streit mit ihm hatte, ohne den es vielleicht nie passiert wäre. Und sein Handeln richtet er stets danach, was sein großer Bruder getan hätte, denn der war klug und mutig. Während die Familie nicht mit ihm über diese Probleme reden kann und will, findet er in den Freunden auf dem Friedhof und in Mesut nun endlich Menschen, die ihm weiterhelfen. Besonders der alte Herr Schmidt gibt ihm Kraft und hilft ihm, sich von der Vergangenheit zu lösen und nun endlich vorwärts zu leben.

Und all das - ohne Zeigefinger, ohne umständliche Erklärung, sondern zwischen den Zeilen, verpackt in einen gemütlichen Krimi mit sympathischen Charakteren und zwei gewitzten jugendlichen Identifikationsfiguren.


CHARAKTERE

Zu den Charakteren habe ich im Abschnitt Genre ja eben bereits einiges erzählt. Sie wachsen dem Leser sofort ans Herz. Jugendlichen, weil sie sich in den beiden Jungs wiederfinden und von den Erwachsenen verstanden fühlen. Und den erwachsenen Lesern, weil die Kids wirklich sehr realitisch und kindlich - gewitzt dargestellt sind und die Erwachsenen mit ihrer aufgeschlossenen, lebensbejahenden Art gefallen. Jeder von ihnen trägt sein Päckchen mit sich, viele kleine Geschichten verbergen sich hinter den einzelnen Lebensläufen.

Schön zu beobachten ist auch, wie Valentin sich im Laufe der Handlung verändert: seine Einstellung zum verstorbenen Bruder überdenkt, sich mit dem anfangs von ihm gefürchteten Mesut anfreundet und wie er lernt mit seiner Gabe des Gedankenlesens umzugehen. Mit Valentin, Mesut, Schelinsky, Schmidt (samt Hund Jiffles) und Bronnislav hat Kirsten Boie Charaktere geschaffen, die mir seit dem Lesen vor einigen Tagen noch immer durch den Kopf gehen. Ich habe sie liebgewonnen, als wären es gute Freunde, und nur ungern habe ich mich am Ende von ihnen getrennt.


SPRECHER

Can Acikgöz ist ein sehr junger Sprecher, Jahrgang 2000. Er gewann 2012 den Lesewettbewerb des Deutschen Buchhandels und bekam nun die Möglichkeit, dieses Hörbuch zu sprechen. Und ich war wirklich begeistert! Mag sein, dass er erst 12 ist, dass er kein professioneller Sprecher ist, aber dafür macht er seine Sache wirklich großartig. Und ich finde es eine wirklich mutige und vor allem begrüßenswerte Idee, dass der Verlag keinen professionellen Sprecher engangiert hat sondern eben Can. Dadurch ist die CD den Kindern näher, als würde ein jugendlicher oder gar erwachsener Sprecher den Text einlesen.

Ja, hier und da macht er kleine Fehler, und natürlich hört man, dass er sich Mühe gibt (bei einem professionellen Sprecher klingt es locker und selbstverständlich). Aber gerade das macht es auch überaus sympathisch, ich habe ihm sehr gerne zugehört. Ich habe etwa eine Drittel CD gebraucht, um mich an seine Betonung zu gewöhnen (da er eben noch sehr bewusst liest, betont er genau und oft etwas zuviel, sodass die Sprachmelodie sehr ungewohnt ist im ersten Moment), und danach war ich wie gesagt ziemlich begeistert über das, was er da an Leistung abgeliefert hat. Seine Aussprache ist wirklich sehr gut und ohne weitere Beanstandungen, ein klar verständliches Hochdeutsch ohne große Ausrutscher. Sein Sprachtempo ist optimal, die Stimme klingt angenehm im Ohr und hat einen recht guten Wiedererkennungswert.

Was ich besonders anmerken möchte ist sein Talent, verschiedene Sprechweisen, Dialekte und Sprachmuster zu imitieren. Jeder Charakter hatte eine eigene Stimme, eine eigene Melodie, einen ganz eigenen Akzent. WOW! Das ist etwas, das selbst unter den geübten Sprechern nicht alle beherrschen, und Can scheint da wirklich eine natürliche Begabung dafür zu haben. Mesut mit seinem "ey Alder" ebenso wie die verwirrte "Dicke Frau" oder Bronnislav mit seinem polnischem Akzent, der bedächtige alte Herr Schmidt, sie alle bekommen ihre eigene Note verpasst, das Hören war für mich ein richtiger Genuss.


FAZIT

Ein herausragendes Kinderbuch, das wirklich allen Anforderungen von Pädagogik und Unterhaltung gerecht wird. Ich bin ja immer sehr kritisch in der Vergabe meiner Punkte, aber ich wüsste wirklich nicht, wo ich hier etwas abziehen sollte. Im Gegenteil, gerne lege ich noch ein bisschen drauf, als kleinen Bonus für Can, der hier wirklich eine bemerkenswerte Leistung erbracht hat. Can, super gemacht, ich hoffe auf weitere Kinder- und bald auch Jugendhörbücher von Dir!

Wertung: 12 von 10 Golddollar


SaschaSalamander 20.08.2012, 16.37 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

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