SaschaSalamander
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Nürnberger Stadtführungen

STADTFÜHRUNGEN

Ich liebe diese Stadt, und ich liebe vor allem auch den mittelalterlichen Flair. Es ist herrlich, hier immer wieder neue Fleckchen zu entdecken und mehr über das bunte Treiben der damaligen Zeit, aber auch über die Gegenwart zu erfahren. Dazu lese ich gerne Reiseführer, besuche Museen und Veranstaltungen, mache die Gegend mit dem Fahrrad unsicher. Habe schon einige Antiquariate nach bestimmten Buchtiteln durchstöbert. Und ich habe noch viel vor.

Was ich toll finde: bei "Stadtführung" denkt man an einen Führer, der die Touristen mit trockenen Jahreszahlen totprügelt und sie so lange von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten treibt, sie ihnen die Fakten aus den Ohren bluten und niemand mehr weiß, was eigentlich erzählt wurde. Eben das, was man als Tourist erlebt haben muss: "ich war da, ich habe es gesehen, woah, war das toll, aber ich habe keine Ahnung, was ich mir eigentlich angeguckt habe". So ist es in Nürnberg nicht. Im Gegenteil: die Kulturliebhaber, Vereine und Privatpersonen überschlagen sich regelrecht darin, die Stadt nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische immer wieder zu einem spannenden Erlebnis zu machen. Nürnberg ist Geschichte. Nürnberg ist Politik. Nürnberg ist Mittelalter. Und Nürnberg ist lebendige Gegenwart. Klar gibt es ein kleines Touristenwägelchen, das am Hauptmarkt startet und dann ein paar nette Sehenswürdigkeiten abklappert, eine Stimme vom Tonband spult ein paar langweilige Fakten ab. Das zeige ich den Touristen, wenn sie Nürnberg an einem Tag mal kurz erleben wollen. Aber wer länger hier ist, für den bietet die Stadt weitaus mehr!


ALTSTADTFREUNDE

Ich liebe die Architektur der Stadt und ihr traumhaftes Stadtbild. Werde es niemals müde, durch die Altstadt zu spazieren. St. Sebald, St. Lorenz, ich wandere über die Kopfsteinpflaster, blicke hinauf in das Fachwerk, ich liebe die uralten Gebäude, wohnte sogar selbst in einem denkmalgeschützten Haus des 16ten Jahrhunderts direkt an der Stadtmauer. Die alte Architektur liegt mir sehr am Herzen, und ich könnte Stunde um Stunde meine Gäste von außerhalb durch die Innenstadt führen und ihnen erzählen von den alten Häusern, von den Bauwerken und Denkmälern, von besonderen Geschehen, die sich hier und dort ereigneten. Besonders aktiv sind auf diesem Gebiet die >Altstadtfreunde Nürnberg<.

Sie veranstalten nicht nur spannende Streifzüge und lehrreiche Stadtspaziergänge, halten Vorträge und leisten Informationsarbeit für Touristen und Einheimische, sondern sie setzen sich auch ein für die Instandhaltung historisch bedeutsamer Gebäude. Diese Veranstaltungen sind besonders geeignet für Menschen, denen die Geschichte der Stadt sowie der Erhalt der Tradition und der alten Bauwerke am Herzen liegt.


HISTORISCHE FELSENGÄNGE

Man ahnt es nicht, aber Nürnberg ist nicht nur oberirdisch hübsch anzusehen, sondern auch unter der Stadt gibt es viel zu entdecken. Das war meine erste Begegnung mit der Stadt, als wir in der Schule die Felsengänge besuchten. Ich lernte die Stadt kennen bei einem Schulausflug, von oben und unten, und ich wusste, eines Tages würde ich in dieser Stadt leben. Inzwischen gibt es unzählige Führungen in den >historischen Felsengängen<. Wer diese das erste Mal besichtigt, der scheut sich, oberirdisch auch nur noch einen Fuß auf den Boden zu setzen, aus Angst die Stadt könnte zusammenbrechen. Durchzogen wie ein Schweizer Käse ist Nürnberg, ein Wunder, wie all dies möglich war damals!

In den Felsengängen gibt es Themenführungen zu verschiedenen Epochen und Bedeutungen. Man erfährt über die Kassematten der Burg und ihre Nutzung im Mittelalter. Man besichtigt die Räume, die als Luftschutzräume im zweiten Weltkrieg benutzt wurden. Man erfährt über die Bierbrauerei und die Lagerung in den alten Kellern, zum Abschluss gibt es Rotbier in der Schänke. Es gibt Kinderführungen. Und sogar eine Dunkelführung, in der die Besucher nur mit Taschenlampen bewaffnet in die Gewölbe gehen dürfen, die Lampen sind ausgeschaltet, man kann die freigegebenen Gänge für sich selbst erkunden. Es gibt auch Sonderführungen in geschützten Räumen, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zur Verfügung stehen. So habe ich zum Beispiel bereits einen der Atombunker besichtigt, es war ein sehr beklemmendes Erlebnis.


OSKAR

Die Autorin >Claudia Frieser< hat eine wundervolle Kinderbuchreihe geschrieben: Oskar. Ein Junge aus unserer Zeit entdeckt die Möglichkeit, in das mittelalterliche Nürnberg zur Zeit des jugendlichen Albrecht Dürer zu reisen. Dort ermittelt er mit seinen Freunden in spannenden Kriminalfällen. Ich liebe diese Bücher, sie sind ein wunderbarer Mix aus historischen Beschreibungen und einem clever gestrickten Kinderkrimi. Eine absolute Leseempfehlung nicht nur für Nürnberg-Freunde.

Diese Bücher sind so erfolgreich, und die Beschreibungen so realistisch, dass es inzwischen auch >Oskar-Führungen<  gibt. Die Führung leitet die Besucher über die originalen Schauplätze auf den Spuren Oskars durch die Stadt und lässt auch für Kinder die alte Zeit wieder lebendig werden.


GESCHICHTE FÜR ALLE

Der Verein >Geschichte für Alle< ist nicht nur in Nürnberg aktiv, auch andere Städte in der Region werden mit Führungen versorgt. Aber da es hier nur um Nürnberg geht, will ich natürlich nur darauf eingehen. Hervorragend finde ich das breite Spektrum an verschiedenen Themen. Ein kulinarischer Spaziergang, das Leben im Mittelalter, alte Kriminalgeschichte, Friedhofsbesuche, Informationen über Nürnberg in Zeiten des Nationalsozialismus, Kirchenführungen, Rundgänge um Architektur, Bildhauerei, Wasserwirtschaft. Führungen zu bestimmten Anlässen wie dem Christkindlesmarkt oder zu berühmten Persönlichkeiten wie Dürer, Veit-Stoß, Hans-Sach, Peter Henlein, Kaspar Hauser, den Nürnberger Henkern. Touren zum Nachdenken und Grübeln, aber auch zum Lachen und Schmunzeln, zum Gruseln, zum Ausprobieren, zum Philosophieren. 

Auch gibt es Führungen in einzelne Stadtteile, es werden sogar Radtouren angeboten. Dieser Verein bietet die meisten Führungen und dies auf den unterschiedlichsten Gebieten für alle Zielgruppen. Wie der Name sagt: "Geschichte für ALLE", Jung und Alt, Mittelalterfreunde und Interessenten des Dritten Reiches ebenso wie diejenigen, die sich über die Gegenwart informieren wollen. Touristen und Einheimische. Es gibt so viele unzählige Führungen, dass es gar nicht möglich ist, sie alle zu besuchen, und immer wieder kommen neue Themen dazu. Ich versuche mich regelmässig zu informieren, und gerne würde ich alle Führungen besuchen, aber ich muss wirklich sehr selektiv vorgehen und mir genau herauspicken, wo ich hingehe.


NACHTWÄCHTERIN

Dann ist da noch die >Nachtwächterin<. Über sie kann ich leider nicht mehr erzählen als das, was ihr selbst bei Interesse auf der Homepage lesen könnt. Denn ihre Führungen habe ich noch nicht besucht. Wie Ihr oben sehen könnt - Nürnberg ist prallvoll mit Touren. Ich könnte über Jahre jedes Wochenende eine Führung besuchen und hätte noch immer nicht alles erlebt, was es zu sehen gibt. Deswegen führte mich mein Weg bisher noch nicht zur Nachtwächterin. Sie klingt jedoch sehr interessant. Ihre Führungen sind stets gut besucht, und ich habe schon viel Gutes von ihr gehört.

Aaaaaaber - sie startet ihre Führungen am Schönen Brunnen auf dem Hauptmarkt. Und nur wenige Meter daneben vor der Touristeninformation startet jemand anders seine Führungen. Jemand, der mich dazu animierte, diesen Beitrag über Stadtführungen überhaupt zu verfassen:


MARCO KIRCHNER

Er geleitet seine Gäste auf die >GEISTERWEGE<. Eigentlich wollte ich ja nur über ihn schreiben, doch ich kam wieder einmal ins Plaudern, verzeiht ;-) Zusehr liebe ich die Stadt und ihre Geschichte, als dass ich mich nur auf eine kurze Vorstellung beschränken könnte. Also habe ich hier einen kurzen Überblick über die bekanntesten Anbieter der Stadtführungen gegeben. Und Marco Kirchner verdient >einen eigenen Beitrag

SaschaSalamander 09.04.2012, 08.29| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Events | Tags: Nürnberg

Statistik KW 14

GELESEN / GEHÖRT
1 - Sonderberg & Co 05 - D psychomagnetische Experiment
1 - Lady Bedfort 05 - der geheimnisvolle Krämer
1 - Tim und Struppi - die Krabbe mit den goldenen Scheren
1- Tim und Struppi - das Geheimnis der Einhorn
1 - Die Katzen von Ulthar (H P Lovecraft)
1 - Das Geheimnis der Sklavin (T de Torres)
1 - Der Alchemist (H P Lovecraft)
1 - Mörderische Ostern (I Behrens)
1 - Transalp 01 (M Ritter, CUS)
1 - Doppelgänger (R Henss)
1 - Tierisch gut (A Pillach)
2 - Der Umweg (G Bakker)
2 - Starters (L Price)
5 - Liebe ohne Deadline (R Amazume)


GESEHEN
Tim und Struppi und das Geheimnis der Einhorn
Der Exorzismus von Emily Rose
Die Tribute von Panem


NEUZUGÄNGE
Wenn der Windmann kommt (A Michaelis)
Watermark (Enya)
Everlasting - Der Mann, der aus der Zeit fiel (H-J Rahlens)
Sein - D Kraft d Augenblicks (A u S Kane)
Wenn andere mit Gefühlen drohen (S Forward)
Wie i eines Morgens i April d 100%ige Mädchen sah (H Murakami)
Wie der Mensch zum Schluckauf kam (Brockhaus)
Der Elefant verschwindet (H Murakami)
Jetzt nicht, Mama (D Glattauer)
Nach dem Beben (H Murakami)
Die Bestimmung (V Roth)


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - beendet
3 - weitergeführt
4 - begonnen
5 - abgebrochen

SaschaSalamander 08.04.2012, 20.12| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Starters

price_starters_1.jpgINHALT

Bei einer schlimmen Krankheit gab es nur Gegenmittel für die Jungen und die Alten. Die Starters und die Enders. Die Alten haben die Macht, und sie bestimmen über die Jungen. Viele der Starters müssen ohne Angehörige auf der Straße leben, werden im Heim für Zwangsarbeiten missbraucht. Callie lebt mit ihrem kranken Bruder und einem Freund auf der Straße. Um an Geld für die Behandlung des Bruders zu kommen, verkauft sie ihren Körper an die Body Bank: sie wird zurechtgemacht, und dann wird ihr Bewusstsein "ausgeknipst", ein Ender bemächtigt sich ihres Körpers, kann endlich wieder tun, was ihm als gebrechlichen alten Menschen inzwischen verwehrt ist. Drei Aufträge, die ersten beiden kurz, der dritte soll einen Monat dauern. Doch es geht etwas schief, und Callies Bewusstsein findet den Weg zurück in den Körper, während er eigentlich noch vermietet ist. Und dabei erfährt das Mädchen, dass ihr Körper für eine schreckliche Tat missbraucht werden soll. Sie muss dies unter allen Umständen verhindern!


THEMA

Die Geschichte, die Lissa Price hier gebastelt hat, ist nicht neu. Zwei Seelen in einem Körper. Oder aber ein Geist in einem echten oder künstlichen Mietkörper. Ob nun THE HOST / SEELEN von Stephenie Meyer (mein Favorit des Genres) oder SURROGATES mit Bruce Willis oder DIE INSEL oder Komödien wie SOLO FÜR ZWEI von Steve Martin und einige weitere Titel. Trotzdem, den Körper wie hier direkt zu vermieten, sowie die Geschichte um Starters und Enders in einer dystopischen Gesellschaft, das ist eine nette Umsetzung des Themas, und von daher war ich sehr, sehr gespannt auf das Buch.


CHARAKTERE

zu den Charakteren konnte ich wenig Verbindung aufbauen, sie haben mich nicht sonderlich gerührt. Callie selbst ist ein nettes Mädchen, aber sie hatte mir zu wenige Ecken und Kanten, sie war mir zu flach, als dass ich mehr für sie hätte empfinden können. Sie ist das klassische Mädchen, wie es in diesem Genre üblich ist: durch die äußeren Umstände ist sie nicht fein herausgeputzt, empfindet sich selbst als nichts Besonderes, aber hübsch zurechtgemacht ist sie ein Blickfang, alle drehen sich nach ihr um, und natürlich ist sie auch clever und intelligent, hat einige besondere Talente. Sie muss sich ein bisschen weiterentwickeln. Ebenfalls gern gesehen: ein Junge, den sie liebt und der auf sie wartet, während sie in ihrer Abwesenheit aber einen anderen kennenlernt. Und dann ist da plötzlich ein Dreiergespann. Sie hat niemandem etwas versprochen, aber moralisch ist das natürlich für sie eine Zwickmühle, und auch der Leser muss sich entscheiden zwischen den beiden. Ach, das hat man schon so oft gelesen, es fängt an mich zu langweilen. Es ist nicht schlecht, aber es ist einfach der hundertste Aufguss, das schmeckt irgendwann nicht mehr. Zumindest mir nicht.

Die Nebencharaktere sind sehr oberflächlich gehalten, sogar der kleine Bruder oder der zurückgelassene Freund sind recht farblos. Ich hätte mir besonders gewünscht, dass die Enderin, die sich ihren Körper gemietet hatte und die gedanklich Kontakt zu ihr aufnahm, stärker ausgebaut wird. Schließlich ist sie eine wichtige Schlüsselfigur. Trotzdem bleibt sie immer im Hintergrund, verschwindet in den wichtigsten Momenten und ist dann auch viel zu schnell wieder weg. Etwas für mich sehr Wichtiges (aufgrund der Spoilergefahr kann ich es nicht nennen, sorry) wurde überhaupt nicht näher beleuchtet, sondern einfach nur kurz erwähnt. Ich hätte in die Tischkante beißen können, wie kann man das so unter den Tisch fallen lassen? Vielleicht werden die näheren Umstände im zweiten Band besser beleuchtet, es ist zu hoffen!

Traurig fand ich, dass mich die Schicksale einzelner Figuren wenig bewegt haben. So gibt es ein junges Mädchen, das mir sofort sympathisch war. Aber mehr auch nicht. Denn der Abschied von ihr war so emotionslos gehalten, dass es mich nicht berührte. Ich erinnere mich, wiesehr ich bei TRIBUTE VON PANEM (was leider ein Maßstab ist, da es der Auslöser für diese Dystopie-Welle war. Wenngleich zu Recht, denn diese Reihe ist wirklich etwas Besonderes in ihrer Ausarbeitung und Umsetzung) weinte, als Rue sterben musste, und wiesehr es mich jetzt noch bewegt, wenn ich daran denke. Hier eine ähnliche Szene - gar nichts. Ich dachte "okay, gut, tot, Kollateralschaden, passiert, weiter im Text".

In meinen Augen ist die Charakterausarbeitung eine der großen Schwächen des Buches. Die Frage, die ich mir stelle: wie hätte die Autorin es besser machen können. Aber ich denke, das wäre zuviel für eine Rezension. Deswegen nur so viel: ich hätte mir mehr Substanz gewünscht. Weniger Charaktere, weniger Nebenschauplätze, dafür mehr Charakterdesign. "Show dont tell". Ich hatte sehr oft das Gefühl, dass die Autorin enorm viel erzählt, aber nur sehr, sehr wenig zeigt. Über den Charakter zu erzählen, berührt nicht das Herz des Lesers. Ich will nicht hören "er ist krank". Sondern er muss husten, Blut spucken, vom Treppensteigen erschöpft sein.


AUFBAU, UMSETZUNG

Der Aufbau ist sehr, sehr klassisch, und deswegen ist das Buch auch so erfolgreich, es gefällt, denn es beinhaltet alles, was dazugehört. Die Dreiecksgeschichte, die aufzudeckende Verschwörung, das hässliche Entlein wird zum stolzen Schwan und zur Anführerin einer großen Mission. Außerdem ist die Geschichte äußerst geradlinig. Es gibt kaum Nebenplots und zusätzliche Elemente, nur den Hauptstrang. Dadurch ist das Buch sehr einfach zu lesen, es eignet sich ideal zum Entspannen und für nebenbei. Ist kein Manko, weil ich sowas zwischendurch auch gerne lese, trotzdem wäre ein bisschen Komplexität stellenweise nett gewesen.

Was ich schade finde: es gab sehr viele Logikprobleme. Einige Male musste ich irritiert innehalten und fragte mich, warum das jetzt gerade so geschehen konnte. Warum ein Charakter so und nicht anders reagierte, warum dieser oder jener Umstand besteht und weshalb man ein Problem nicht einfach anders hätte lösen können. Dies hätte nur verhindert werden können, indem die Autorin das dystopische Thema genauer ausbaut. Denn sie deutet die Vorgeschichte der Krankheit sowie das Sterben der Menschen mittleren Alters eher an, auch die bestehende Gesellschaft wird nicht komplett beleuchtet, sondern der Fokus wird auf die armen Starters und reichen Enders gelegt. Dass es auch reiche Jugendliche und vernünftige, nicht korrupte Senioren gibt, das wird hier und da aufgezeigt aber ansonsten eher unter den Teppich gekehrt. Aber das wäre wichtig gewesen. So jedoch wirkt vieles auf mich platt und leblos, sehr klischeebeladen.

Das Ende ist leider komplett offen und wird erst im zweiten Buch geklärt. Das fand ich ärgerlich, denn auch wenn man Mehrteiler schreibt, kann man ja trotzdem die Bücher in sich abschließen. Hier meiner Ansicht nach nicht der Fall.


GESAMTEINDRUCK

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es hat mich hervorragend unterhalten, und ich hatte es flink beendet, weil ich es nur schwer aus der Hand legen konnte. Es liest sich sehr flüssig, die Grundidee ist prima, und ich habe mitgefiebert. Für sich alleine betrachtet ist das Buch ganz nett und gelungen. In der breiten Masse der Dystopien allerdings empfinde ich es als eines von vielen. Es reitet auf einer großen Welle. Es gehört zu den besseren Titeln, aber an die Spitze schafft STARTERS es nicht. Ich finde es gut und kann eine klare Leseempfehlung aussprechen, trotz der Schwächen. Es kann nicht immer Kaviar sein, manchmal genügt auch einfach eine gute Unterhaltung. Aber ich empfehle allen, die es lesen möchten: wartet, bis auch der zweite Teil auf dem Markt ist!

SaschaSalamander 07.04.2012, 09.22| (3/3) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Dystopie, Jugend,

Starters

Erster Satz:
Enders machten mir Angst.

Letzter Satz:
(enthält Spoiler)

Aus: Lissa Price: Starters; Ivi, 2012

SaschaSalamander 06.04.2012, 15.25| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Toyboy

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SaschaSalamander 06.04.2012, 14.24| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Passwort

Das Katzen-Komplott

davies_katze_1.jpgINHALT

Die Neue Katze mochte niemand so wirklich in der Familie, denn sie brachte tote Tiere ins Haus und zerkratzte allen die Füße. Dem kleinen Tom war das egal, und als die Katze verschwindet, kümmert es niemanden, nur Tom macht sich große Sorgen. Ob sie, wie Herr Tucker sagt, wirklich nur in Urlaub gefahren ist? Oder war sie, wie Susanne vermutet, beleidigt, weil Vater sie mitten in den Regen gejagt und der Wohnung verwiesen hatte? Oder wurde das Tier gar von der Nachbarin überfahren? Hat die böse Nachbarin mit dem kleinen bissigen Hund die Neue Katze entführt? Gemeinsam mit seiner Schwester Anna, deren Freundin Susanne und mit dem Nachbarn, Herrn Tucker, macht er sich auf die Suche nach dem verschwundenen Tier.


CHARAKTERE

DAS KATZEN-KOMPLOTT ist der Nachfolger des Kinderbuches >DAS GROSSE HAMSTER-MASSAKER<, das mich letztes Jahr bereits begeisterte. Die beiden Bücher sind absolut unabhängig voneinander zu lesen, die Kenntnis des einen ist für das Verständnis des anderen nicht erforderlich. Trotzdem ist es natürlich prima, wenn man alten Freunden wiederbegegnet. Ich hatte die Charaktere bereits im HAMSTER-MASSAKER liebgewonnen und war begeistert, dass das zweite Buch auf diesen aufbaut und man somit mehr über Frau Rotherham, Herrn Tucker, Joe-von-der-Straße-runter und all die anderen schrulligen Figuren erfährt.

Das Buch ist erzählt aus Sicht der 9jährigen Anna, Toms Schwester. Entsprechend sind die Charaktere auch gestaltet: aus Sicht eines neunjährigen Kindes. Und es ist schnell klar, wen Anna mag und wen nicht. Susannes Vater schreit immer, und er ist dem Leser sofort unsympathisch. Während im ersten Band die inzwischen berentete Polizistin, Frau Rotherham, einen Hauptanteil der "Ermittlungen" übernahm, ist es diesmal Herr Tucker, der den Kindern zur Seite steht, ein alter Kriegsveteran, herrlich skurril und originell dargestellt.

Interessant ist, dass die Katze keinen Namen hat, immer nur "Neue Katze" genannt wird. Das zeigt, wie wenig das Tier in der Familie integriert war, baut eine gewisse Distanz zum Leser auf und macht das Ende - welches angemessen aber nicht unbedingt ein klassisches "happy End" ist - ein wenig leichter.

Was mir sehr gefällt: während das HAMSTER-MASSAKER ein rein witziges Buch ist, das kaum eine Botschaft transportiert und einfach nur unterhalten soll, geht das KATZEN-KOMPLOTT tiefer. Es erzählt von der alten Katzenlady. Eine traurige Figur, anfangs beängstigend und unangenehm, doch durch Toms kindliche Unschuld kommen sich die Protagonisten näher, lernt man die Katzenlady von einer anderen Seite kennen. Hier hat Katie Davies einen wirklich interessanten Charakter geschaffen, der Kindern altersgerecht auch viel Stoff zur Auseinandersetzung mit dem Thema "alleinstehende Senioren", "Messie-Syndrom" und "psychisch auffällige Menschen" bietet.


AUFBAU, ERZÄHLWEISE

Erzählt aus der Ich-Perspektive der neunjährigen Anna, ist DAS KATZEN-KOMPLOTT nicht immer wirklich korrekt. So berichtet Anna Dinge, die sie selbst nicht erlebt hat. Da es jedoch ein Kinderbuch ist und man die künstlerische Freiheit einbeziehen könnte (Kinder erfinden gerne Dinge und schmücken das Gehörte blumig aus), sehe ich das nicht als Mangel, es stört den Lesefluss nicht und ist nachvollziehbar.

Schön finde ich, wie in diesem Buch sogar eine kleine Geschichte in der Geschichte eingebaut ist: Die Katzen-Lady erzählt das Märchen "von der Katze, die eigene Wege ging". Gut, der Leser erfährt den Anfang, einzelne Szenen dazwischen sowie das Ende, aber findige Kids werden angeregt, sich die Geschichte selbst zu suchen, und die Eltern können dabei gerne ein wenig behilflich sein. Es ist eine nette Idee, wie die Katzenlady immer wieder eine Geschichte anfängt und aus den unterschiedlichsten Gründen abbrechen muss, eine Art Running Gag, der sich durch das Buch zieht.

Besonders witzig finde ich die Ereignisse, die nicht erzählt sondern nur angedeutet werden. So finden die Kinder beim Ausmisten der Rumpelkammer einen Toaster "den wir zum Explodieren brachten". Es wird nicht erzählt, wieso und warum, und ich bin sicher, das wäre fast schon ein eigenes kleines Buch wert. Und solche Momente, die den Leser aufhorchen lassen, die ihn gierig machen auf weitere Episoden aus dem chaotischen Familienalltag, gibt es zuhauf.

Die kindlichen Gedankengänge machen den Charme des Buches aus. Ein kleines Beispiel: Anna erzählt, dass die Neue Katze gerne Dinge mit nach Hause bringt, die tot, ein bisschen tot oder total tot sind. "Total tot" ist zum Beispiel dieses komische Zeug in der Küche, das mal in einem Tier drin war und von dem man gar nicht mehr weiß, ob das jetzt eine Maus oder ein Vogel war, nur noch die Innereien liegen in der Küche. Und "ein bisschen tot" ist der kleine Frosch, den sie in der Küche fanden, beerdigen wollten, und der dann im Garten während der Beerdigungszeremonie einfach wieder aus dem Schuhkarton herausgehüpft ist. Auch die naive Unschuld, das offene Reagieren auf direkte Fragen der Erwachsenen, ist einfach köstlich und gefällt den Eltern oft gar nicht, gerade in der Öffentlichkeit führt dies manchmal zu urkomischen Situation.

Das Buch beginnt recht humorvoll, bis es knapp nach der Hälfte dann ernster wird und die Kinder auf die Katzenlady treffen. Es ist nicht wie im ersten Band ein zielloses Umherirren, sondern in diesem Buch gibt es eine konkrete Handlung, die sich auch tatsächlich weiterentwickelt. Auch die Kinder durchleben eine Entwicklung und sehen sich mit einer ungewöhnlichen Situation konfrontiert. Es ist allerliebst anzusehen, wie sie damit umgehen und sich Mühe geben, der alten Lady zu helfen, auch wenn ihr Weg natürlich der falsche ist. Während das HAMSTER-MASSAKER einfach nur witzig ist, hat das KATZEN-KOMPLOTT mich tatsächlich berührt und bewegt.


BILDER, GRAFISCHE DARSTELLUNG

Das gesamte Buch ist von Zeichnungen unterlegt. Die Ausschnitte des Wörterbuches kleben auf Notizzetteln (Anna und Susanne wollen alles nachschlagen, was sie nicht verstehen). Und das Geschehen das Buches wird mit kleinen Bildern versehen, die die witzigsten Momente perfekt einfangen. Es sind keine hübschen, detailreichen Zeichnungen, sondern einfach Bleistift-Kritzeleien in herrlich schrägem Humor. In einigen Fällen ist der Text in die Zeichnung eingebunden, so findet sich der Fließtext beim Kennenlernen der Katzenlady zwischen die gestapelten Kartons und herumliegenden Gegenstände. Wenn Susannes Vater schreit, ist der Text in Großbuchstaben und in größerer Höhe geschrieben. Dadurch wirkt alles sehr bildlich, dennoch ist die Lesbarkeit sehr gut gewahrt.


SPRACHE

Die Übersetzung hat gute Arbeit geleistet, ich finde es gut der Sprache einer Neunjährigen entsprechend. Das Buch enthält keine Rechtschreibfehler, die Kinder übernehmen können, grammatikalisch allerdings wird z.B. auf Konjunktiv oder Genitiv verzichtet, was für ein Kind dieses Alters zu kompliziert wäre. Auch die Satzstellung ist nicht immer korrekt aber eben typisch. So liest man zum Beispiel: "Ich und Susanne und Tom", "und auf dem Dach fehlten viele Ziegel. Und oben auf dem Abflussrohr steckte ein Vogelnest. Und der Schornstein sah aus, wie als würde er gleich umkippen". Oder "Ich habe sie gefragt, weil, wir waren ja schon fertig". Oder "Und Mama hat gesagt, sie hat das gar nicht toll gefunden".

Ich habe das Buch als Erwachsener gelesen und finde die Idee und Umsetzung gelungen. Ob Eltern ihren Kindern dieses Buch in die Hand geben möchte, kann ich nicht entscheiden. Die einen sagen wohl "mein Kind kann das gut trennen zwischen Buch und wirklicher Sprache", die anderen sagen "mein Kind soll auf keinen Fall eine falsche Sprache lernen, das würde sich so etwas abgucken".


FAZIT

DAS KATZEN-KOMPLOTT ist ein Feuerwerk kindlichen Einfallsreichtums. Die Autorin hat eine herzliche Geschichte erschaffen, die für Kinder und Erwachsene gleichermaßen witzig zu lesen ist. Ob Vorlesen, selbst lesen oder gemeinsam, ich kann dieses Buch auf jeden Fall allen Altersgruppen empfehlen für eine unterhaltsame Lesezeit :-)

SaschaSalamander 06.04.2012, 09.11| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Kinder, Tip, Humor, Schräg, Tiere,

Tim und Struppi und das Geheimnis der Einhorn

Eben habe ich TIM UND STRUPPI gesehen. Schade, dass ich nicht im Kino war, es hätte sich schon gelohnt. Aber trotzdem, so nett es animiert war, und so gut ich mich an und für sich unterhalten habe, als Fan von Kindesbeinen an war ich recht irritiert. Meine zwei liebsten Folgen als Kind waren die KRABBE MIT DEN GOLDENEN SCHEREN und DAS GEHEIMNIS DER EINHORN, umso mehr hatte ich mich gefreut, dass das Einhorn verfilmt wurde. Aber dann wurden die Krabbe und die Einhorn im Film gemischt? Und woher kam die Castafiore, die doch dort eigentlich überhaupt nichts zu suchen hatte? Und wo war mein geliebter Bienlein, mein heimlicher Held gleich nach den hunderttausend heulenden Höllenhunden?

Schade fand ich auch, dass der Kapitän so brav war. Vielleicht bin ich als Erwachsener inzwischen abgestumpft und empfinde Dinge heute als harmlos, die ich als Kind als bösartig oder als Fluch empfand, wer weiß. Aber irgendwie wirkte Haddock auf mich langweilig, und ich konnte dem Film nichts von dem Reiz abgewinnen, den die Figur damals auf mich ausübte.

Mir kam es vor, als hätte Spielberg versucht, allen Fans gerecht zu werden, egal welche Folge sie gelesen oder gehört hatten. Es gab Anspielungen auch auf andere Bände, siehe etwa die Castafiore, die anderweitig mehrfach auftaucht, oder auch Rackham der Rote, der eigentlich der Folgeband der Einhorn wäre. Plattes Sprichwort, aber viel Wahres dran: "jedem Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann". Und deswegen finde ich, man sollte gar nicht erst versuchen, es jedem Recht zu machen. Dieser Film hat es aber versucht.

Das Ergebnis finde ich nett. Im Kino wäre es toll gewesen, in 3D ganz besonders. Die Synchronsprecher waren prima, der Humor war nett. Aber im Regal brauche ich die DVD leider nicht. Dazu fehlte mir einfach der Biss. Zuviel Mischmasch, zu wenig Biss.

Und jetzt muss ich erstmal kramen gehen, ob ich in meiner alten Kassettenbox unten im Keller noch die zwei Kassetten finde, die mir mein Vater damals geschenkt hatte. Habe das dringende Bedürfnis, den Kapitän so richtig fluchen zu hören mit seiner markigen Stimme. Das hat mir heute gefehlt ...

SaschaSalamander 05.04.2012, 21.35| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Aktuelles

Das Katzen-Komplott

Erster Satz:
Hier kommt die Geschichte von Tom und der Katzenfrau und was passiert ist, als die Neue Katze verschwunden ist.

Letzter Satz:
Und danach sind die Katzen eine nach der anderen zurückgekommen.

Aus: Katie Davies: Das große Katzen Komplott; Sauerländer 2012

SaschaSalamander 05.04.2012, 17.27| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Das Katzen-Komplott

01. Kapitel: Katzen-Komplott
02. Kapitel: Die Petition
03. Kapitel: Mäuschen im Häuschen
06. Kapitel: Der Koi-Karpfen vom Pfarrer
08. Kapitel: Was der Neuen Katze passiert sein könnte
15. Kapitel: Das Neue Zuhause der Neuen Katze
20. Kapitel: Das Krankenhaus

aus: Katie Davies: Das große Katzen Komplott; Sauerländer 2012

SaschaSalamander 05.04.2012, 15.25| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kapitel

Der Umweg

bakker_umweg_1.jpgINHALT

Es ist schwer, die Handlung wiederzugeben, da ... nun, was an der Handlung so besonders ist, beschreibe ich näher unter "Erzählweise". Aber ich möchte kurz widergeben, was in dem Roman erzählt wird: die Protagonistin zieht sich alleine zurück in ein Haus, abgelegen und entfernt von der nächstgrößeren Stadt. Der Leser begleitet ihren Alltag, sei es eine ungewöhnliche Begegnung mit einem Dachs, der draus resultierenden Besuch beim Arzt, der Gang zum Bäcker. Auch begegnet sie anderen Personen, etwa dem Schafzücher Rhys Jones oder dem jungen Bradwen, der auf der Suche nach einer hübschen Wanderstrecke ist.


ERZÄHLWEISE

Es gibt drei Erzählperspektiven: Die der Protagonistin, die ihres verlassenen Ehegatten und die des jungen Mannes. Der Schwerpunkt liegt bei der Frau und ihren Erlebnissen rund um das Haus, ihre Tiere und die Dorfbewohner.

Das Ungewöhnliche an diesem Roman ist die Erzähltechnik. Es ist üblich, das Bild aufzuzeigen und die Handlung darzustellen. Bakker macht es genau anders: er erzählt alles außer der Handlung selbst. Er schreibt um die Handlung herum, beschreibt die Auswirkungen der Kernhandlung. Recht bald erfährt der Leser, dass die anfangs namenlose Protagonistin eine schwere Krankheit diagnostiziert bekam und ihren Mann verließ. Dies wird jedoch nicht auf direktem Weg erzählt. Sondern zu Beginn ist der Leser ahnungslos. Erst mit dem ersten Perspektivwechsel hin zum Ehemann wird beschrieben, dass dieser von seiner Frau verlassen wurde. Durch kleine Gemeinsamkeiten (seine Frau übersetzte ebenso Dickinson wie die Protagonistin) erkennt der Leser den Zusammenhang. Der Ehemann nimmt einen Arzttermin wahr und erfährt zufällig, dass seine Frau untersucht wurde und eine schlimme Diagnose bekam, jedoch darf der Arzt aus Gründen der Schweigepflicht dies nicht ausführen. Der Leser hat also viele Möglichkeiten: wird sie in wenigen Monaten sterben? Kann sie geheilt werden? Ist ihr Körper dem jahrelangen Verfall und Siechtum anheim gegeben? ist dies der Grund für ihre Flucht vor dem Ehemann? Ist dies der Grund für das, was am Ende des Romanes geschieht? Wie hängt es mit anderen Punkten zusammen, die der Leser später erfährt? All diese entscheidenen Fragen beantwortet der Autor nicht.

Man könnte es so beschreiben: der Autor zeichnet die Umrisse eines Gegenstandes und malt den Hintergrund in melancholischen, gedeckten Farben aus. Es liegt am Leser selbst, die Silhouette des Gegenstandes zu deuten und entsprechend selbst zu colorieren. Je nach Erfahrungsschatz und persönlicher Einstellung wird sich wohl jeder eine eigene Geschichte zusammensetzen. Viele verschiedene Themen werden angerissen von beruflicher, privater und sexueller Natur, ein Gewicht wird ihnen nicht verliehen, der Leser hat freie Hand bei der Wahl der Malwerkzeuge und Farben.

Ich fände es hochspannend, mit unterschiedlichen Lesern über dieses Werk zu diskutieren. Denn ich bin sicher, viele nehmen die Handlung als gegeben wahr und erkennen gar nicht, dass es die eigene Interpretation dahinter ist. Sehr geschickt versteht es der Autor, vermeintliche Wahrheiten zu erschaffen und eine Geschichte zu erzählen, ohne sie selbst in Worte zu kleiden. Gerne würde ich Eindrücke der Leser vergleichen, fragen was sie hinter jener Andeutung sehen und welche Verbindungen sie zwischen einzelnen Elementen geknüpft haben.


CHARAKTERE

Wie auch die Handlung sind die Charaktere eher umrissen als deutlich beschrieben. Über die Protagonistin erfährt der Leser natürlich am meisten, doch auch hier ist vieles der Interpretation überlassen. Andere Figuren werden eher angedeutet als beschrieben. Dennoch gibt es deutlich Sympathieträger und Unsympathen.

Faszinierend ist auch, wiesehr die verstorbene Witwe Evans in die Handlung eingebunden ist: die alte Frau, der das Haus früher gehörte, bevor sie verstarb. Immer wieder ist sie Gesprächsthema, sei es ihr tatsächliches Leben oder seien es die Vermutungen der Protagonistin. Ich würde ihr tatsächlich eine eigene Rolle in diesem Roman zuteilen, obwohl sie natürlich niemals persönlich auftritt. Ebenso Emily Dickinson, die eine wichtige Funktion innehat und durch ihre Gedichte die Handlung untermalt. Ihr Foto, ihre Werke, die Arbeit der Protagonistin sind stets präsent.

Auch die Tiere bekommen einen sehr hohen Stellenwert im Leben der Frau: die Schafe des Nachbarn, die auf ihrem Grundstück weiden dürfen. Die Gänse, die frei auf ihrem Grundstück laufen und die sie zum Schutz vor Feinden gerne in einen kleinen Stall sperren möchte. Sam, der Hund des Jungen. Und natürlich die Dachse am Steinkreis, die ihr sofort einen neuen Spitznamen im Dorf bescheren.


SPRACHE, HÖRBUCH, SYMBOLIK

So schwer der Inhalt stellenweise sein mag in seiner Tragweise, so geradlinig und leichtfüßig kommt der Roman in seiner Sprache daher. Regina Lemnitz - Whoopie Goldberg, Roseanne - ist die perfekte Besetzung (wenngleich drei Sprecher für die jeweils drei Erzählperspektiven auch nett gewesen wären). Da die Protagonistin die Gedichte Emily Dickinsons übersetzt, gibt es viele Anspielungen auf die Dichterin. Außerdem tauchen sehr viele Wörter auf, die nicht ins Deutsche übersetzt wurden, etwa das "Kissing Gate" oder die "Stiles". Einzig was mich störte war die derart häufige Erwähnung der Chaiselongue, dass mein Bedarf an diesem Wort für die nächsten 20 Jahre gedeckt ist. Gut, "Sofa" wäre unpassend, es ist doch etwas anderes, trotzdem hätte der Autor oder Übersetzer sich da etwas einfallen lassen können. Gefühlt habe ich den Begriff rund 100 Mal gehört, es hat mich nach der zweiten CD extremst genervt (was allerdings das einzige war, das mich störte an diesem Buch). 

Der Inhalt des Buches ist gestützt von sehr viel Symbolik. Die stetig dezimierte Gänsezahl verweist auf ein nahendes Ende, die Fußverletzungen aller drei Hauptfiguren als schmerzhafte Verbindung der drei ansonsten so unterschiedlichen Personen, Socken als Sinnbild einmal für Leichtfüßigkeit und ein andermal für Respektlosigkeit. Die Monate November und Dezember als eher triste Monate, hier jedoch durchzogen von ungewöhnlich warmen Tagen. Eine lilafarbene Mütze, Farbklecks in einer immer trister werdenden Umgebung. Altweibergeruch im Haus, der sich langsam auf die Protagonistin überträgt. Der Dachs, ein eher friedliches Tier, hier eine kurzzeitige Bedrohung. Die Welt ist aus den Fugen geraten, die Frau muss sie neu sortieren, ebenso der Leser.


FAZIT

DER UMWEG von Gerbrand Bakker ist ein nach außen hin schlichtes, ruhiges und eher melancholisches Buch. Bei genauer Betrachtung jedoch zeigt sich die herausragende Erzählkunst des Autors: mit nur wenigen Worten lässt er eine komplexe Handlung entstehen, die jedem Leser ein individuelles Erlebnis beschert. Für diesen Roman sollte man sich die Zeit nehmen, ihn bewusst zu genießen. Denn ob er gefällt oder nicht - liegt einzig am Leser und dem von ihm selbst entworfenen Bild.

SaschaSalamander 05.04.2012, 10.06| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch

Sechs Ebooks

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SaschaSalamander 04.04.2012, 19.12| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Passwort

Passwort

Wenn ich etwas gelesen habe und nicht darüber schreibe, dann geistert es mir noch lange im Kopf umher. Dafür brauche ich das Schreiben: um einen Text loszulassen und mich anderen Gedanken zu widmen. Also werde ich ein paar Beiträge schreiben, auch wenn es mir schwerfällt. Der Grund, warum ich eigentlich nicht schreiben möchte: manchmal möchte ich keine lange Rezension tippen. Eine Rezension bedeutet Notizen, Recherche, Arbeit. Gerade bei Kurzgeschichten im Eigenverlag bedeutet dies, dass das Rezensieren weitaus aufwändiger ist als das fünfminütige Lesen selbst. Nope, muss nicht sein. Manchmal möchte ich trotzdem einfach nur Gedanken loswerden. Ich möchte niemandem Unrecht tun, indem ich unreflektierte Gedanken im Internet verbreite und dadurch Autoren an den Karren fahre. Aber ich möchte mich von diesen Gedanken befreien und sie trotzdem loswerden.

Einige wenige Beiträge (die ganz sicher die Ausnahme bleiben und nur selten vorkommen werden) möchte ich also nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Über die Hintergründe dazu mehr in dem Beitrag "PASSWORT" auf den Zusatzseiten meines Blogs (erreichbar links in der Navigationsleiste). Zukünftig wird also hier und da ein Beitrag erscheinen, der nicht öffentlich ist. Ich werde mit dem Passwort sehr bedacht sein und es nicht allzu oft verteilen. Trotzdem braucht sich niemand benachteiligt fühlen, der diese Beiträge nicht lesen kann, Ihr verpasst sowieso nicht viel außer einfach nur unreflektierte Katharsis und zusammenhanglosen Gedankenmüll ;-)

SaschaSalamander 04.04.2012, 19.01| (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Blog

Ostfriesenangst

wolf_ostfriesenangst_1.jpgOSTFRIESENANGST ist der sechste Roman der Ostfriesen-Krimi-Reihe von Klaus-Peter Wolf, der siebte Band ist bereits für 2013 geplant. Der aktuelle Fall handelt zuerst von Schülern, die ohne ihren Lehrer von einer Wattwanderung zurückkehren. Sind sie Täter, die sich ihres ungeliebten Pädagogen entledigt haben? Oder sind sie Opfer eines verantwortungslosen Mannes, der sie viel zu tief hinein ins Watt führen wollte? Bald kommt ein weiterer Handlungsstrang hinzu. Ich halte dies nicht für einen Spoiler, da dieses Thema sehr früh einsetzt: ein freigelassener Serientäter ist den aufsichtshabenden Polizisten entkommen und macht nun den Norden unsicher. Und er hat bereits ein neues Opfer im Visier ...


CHARAKTERE

Eine der ganz besonderen Stärken des Autors Klaus-Peter Wolf ist die Gestaltung lebensnaher Charaktere. Deswegen liebe ich seine Bücher, denn die Figuren sind aus dem Leben gegriffen, als würden sie jeden Moment vor mir stehen. Jeder Charakter, ob Haupt- oder Nebenfigur, erhält Stärken und Schwächen, Eigenheiten und Macken, eine ganz individuelle Persönlichkeit, die ihn von allen anderen Unterscheidet. Und wie im realen Leben, kann man niemanden zu hundert Prozent mögen oder hassen, denn jeder Mensch trägt mehrere Seiten in sich.

Durch die häufig wechselnde Erzählperspektive erhält der Leser Einblick in viele verschiedenen Charaktere, teilweise auch die eher unbedeutender "Statisten", wodurch ebenfalls sehr viel Realismus entsteht.


NAMEN, ORTSBEZEICHNUNGEN

Ich mag diesen Stil sehr. Ein gewisses Problem birgt dies jedoch: der Autor beschreibt einzelne Figuren so detailreich und wechselt so häufig die Perspektive, dass man oft sehr genau darauf achten muss, bei wem er sich gerade befindet. Manchmal ist es fast schon ein wenig zuviel des Guten. Sogar unbedeutende Nebencharaktere erhalten eigene Vor- und Nachnamen. Ich habe die erste CD wie üblich während des Pendelns gehört und konnte danach fast nichts von der Handlung wiedergeben. Also habe ich von Beginn an nochmal gehört und diesmal alle Namen und Orte notiert, um der Handlung folgen zu können. Da das Hörbuch gekürzt ist (z.B. Ubbos Marzipan-Tick, das habe ich nur aus anderen Rezensionen erfahren, im Hörbuch wird dies nicht erwähnt), sind wohl nicht alle Namen erwähnt. An die 40 habe ich gezählt, darunter auch die Namen von Urlaubsgästen, Partygästen, Haustieren, der früheren Therapeutin des Serientäters, frühere Opfer eines Killers, also für die Handlung eher irrelevante Personen. Zusätzlich erhalten viele Personen einen Spitznamen oder Decknamen, was dem Leser einiges an Konzentration abverlangt.

Ähnlich ist es bei den Ortsangaben. Die Darstellung ist überaus lebendig, ich habe ein klares Bild der jeweiligen Lokalitäten vor mir. Ob es allerdings notwendig ist, jedes Café, jeden Bücherladen und jedes Restaurant namentlich zu benennen, da scheiden sich die Geister. Für Ortskundige mag das wunderbar sein, für Ortsfremde ist das ein wenig zuviel. Ob alles exakt so stimmt, vermag ich als Ortsfremde natürlich nicht zu beurteilen, aber ich gehe davon aus, dass er sich sehr genau an die tatsächlichen Orte gehalten hat. Gelegentlich als ihm eigenes Stilmittel und weil ich seine Romane sosehr liebe, finde ich es okay, aber am Stück mehrere Romane dieser Art wäre mir dann doch zuviel.

Auch wird immer wieder der Roman OTTERNBISS der Autorenkollegin Kölpin erwähnt. Finde ich eine prima Sache, wenn Autoren sich gegenseitig unterstützen, in dieser Häufigkeit allerdings wirkt es ein wenig aufdringlich und kontrapoduktiv. Als Hörbuchfan freute ich mich natürlich über die einmalige Erwähnung des Komponisten Ulrich Maske ;-)


AUFBAU, SPRACHE, ZIELGRUPPE

Der eigentliche Aufhänger, die ohne Lehrer zurückgekehrten Kinder, ist recht schnell Nebenschauplatz. Wird weiterhin behandelt, doch mit dem Auftritt des Serientäters fügen sich mehrere Handlungsstränge ineinander. Viele Dinge werden geklärt, dafür ergeben sich andere Fragen. Etwa danach, weshalb der Täter seinen Bewachern entkommen konnte oder wieso die zuständigen Kollegen sich so auffällig verhalten. Auch die Folgen der voreiligen Berichterstattung ist ein wichtiges Element. Ein sehr schöner Aufbau, der den Leser fesselt und die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht erhält.

Die Sprache des Autors gefällt mir außerordentlich gut. Es ist inhaltlich ein klarer Titel für Erwachsene, es geht auch um Sexualität und brutale Verbrechen. Die Sprache ist aber jugendlich frisch gehalten, ich würde das Buch bedenkenlos auch einem Jugendlichen in die Hand geben, der sich für Krimis interessiert. Keine perversen, grusligen Ausdrücke und Beschreibungen (etwas, das mich in vielen modernen Krimis sehr stört. Warum diese Überdramatisierung von Gewalt, die nicht mehr dem Inhalt dient sondern dem gaffenden Publikum?). Sondern Formulierungen, die für Jugendliche wie auch Erwachsene eindeutig sind und die dennoch nicht die Sensationsgier bedienen.

Auch schreibt er gelegentlich Umgangssprache, ohne es dabei zu übertreiben. "Es war ihr grottenpeinlich" oder in der wörtlichen Rede "das war blöde von mir" oder "Och nee, das ist nicht Dein Ernst". Das mag ich, er übertreibt nicht mit diesem Stilmittel und setzt es wohldosiert ein, sodass er den Figuren zwar Leben einhaucht, das Buch aber dennoch durchweg in einer angenehmen Hochsprache gehalten ist.

Hervorragend finde ich, dass Wolf sich auch der neuen Medien bedient: Facebook fließt in die Ermittlungen ein, und ich finde es schön, wie wertneutral dies geschieht, ohne mahnenden Zeigefinger aber ohne Jubelrede auf die moderne Technik. Sondern als das, was es ist: ein Medium der aktuellen Zeit, das man bedacht verwenden sollte und das auch viel Potential in sich birgt.


SPRECHER

Klaus-Peter Wolf lese ich nicht nur gerne, ich höre ihn auch ebensogern, daher ziehe ich seine Hörtitel den Büchern vor. Er hat eine wunderbare Stimme, der ich gerne lausche. Bei den Jugendbüchern (z.B. TREFFPUNKT TATORT) ist es aufgrund geringer Perspektivwechsel und Protagonisten kein Problem. In OSTFRIESENANGST allerdings muss man schon sehr genau darauf achten, was er gerade spricht. Mann, Frau, Jugendlicher, sie klingen bei ihm gleich, da er die Stimme nicht variiert, sodass es manchmal schwierig ist, dem Wechsel rasch zu folgen, falls man gedanklich ein paar Sekunden abgeschweift ist und sich nun andernorts befindet.

Trotzdem, man muss sich bewusst machen, dass man ihn nicht nebenbei hören sollte (weshalb ich in diesem Fall tatsächlich fast eine komplette Woche für das Hörbuch gebraucht habe). Wenn man das beherzigt, dann kann man sich wunderbar in der Geschichte fallenlassen und der grandiosen Erzählstimme lauschen.

Und was Wolf kann, das andere Sprecher nicht können: niemand könnte die Intention einer Geschichte besser an den Leser weitergeben als der Autor selbst :-)



GESAMTEINDRUCK

Ein paar kleine Schwächen hat das Hörbuch. Aber die sehe ich nicht als Manko, sondern als Besonderheit des Autors, und wieder hat er es geschafft, mich mit seinem aktuellen Titel zu begeistern. OSTFRIESENANGST war mein erster Roman aus dieser Reihe, aber ich werde mich flink um die anderen bemühen und freue mich schon darauf. Und ich kann kaum den nächsten Band erwarten.


FAZIT

Klaus-Peter Wolf kann es einfach: spannende Krimis für Jung und Alt. Bücher, die man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Und Hörbücher, in denen er mit seiner markanten Stimme verzaubert. Der Autor hat es nicht nötig, seine Leser mit blutigen Details oder einer vulgären Sprache zu ködern. Statt dessen schreibt er einen Krimi, wie er sein sollte: clever durchdacht von der ersten bis zur letzten Seite, unterhaltsam und mitreißend.

SaschaSalamander 02.04.2012, 08.49| (2/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Deutsch, Reihe, Tip, Krimi,

Statistik KW 13

GELESEN / GEHÖRT
1 - Dr Morbius 01 - Mein dunkles Geheimnis
1- Das Katzen-Komplott (K Davies)
1 - Mitternachtsraben (C v Aster)
1 - Die namenlose Stadt (H P Lovecraft)
2 - Ostfriesenangst (K-P Wolf)
4 - Der Umweg (G Bakker)
4 - Starters (L Price)


GESEHEN
Apollo 18
Grimmsberg
Dreiviertelmond


NEUZUGÄNGE
Der letzte Schattenschnitzer (C v Aster)
Knast (J Bausch)
Demütig (Cosette)
Tierisch gut (A Pillach, R Henss)
Ondragon - Menschenhunger (A Strohmeyer)
Transalp 01 (M Ritter, CUS)


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - beendet
3 - weitergeführt
4 - begonnen
5 - abgebrochen

SaschaSalamander 01.04.2012, 20.49| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik



 






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