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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: BDSM

Das Geheimnis der Sklavin

INHALT

Sandra lässt alles hinter sich und macht sich auf den Weg zur ersten Begegnung mit ihrem neuen Meister. Er soll es sein, der ihr Leben komplett für sich einnimmt, stark und mächtig und stolz. Bald zeigt sich, dass ihr Meister etwas zu verbergen hat, in Sandra keimt der Verdacht, dass es vor ihr bereits andere Sklavinnen gab, und dass deren Verbleib ein tragischer war. Trotzdem gibt sie sich ihrem neuen Meister hin und genießt die Situation. Nur die Haushälterin Elena steht zwischen ihnen, behandelt Sandra herablassend und grausam, nimmt sogar den Tod der Sklavin in Kauf, ja vielleicht provoziert sie ihn sogar. Doch nichts ist, wie es scheint, und auch Sandra hat viel zu verbergen. Nicht umsonst hat sie die Brücken hinter sich abgebrochen ...


CHARAKTERE

Die Charaktere bleiben sehr lange im Dunkeln. Der Leser erfährt sogut wie gar nichts über Sandra, ihren Meister Martin oder dessen Haushälterin Elena. Sie drei stellen die Protagonisten, andere Figuren gibt es nicht. Es handelt sich quasi um ein literarisches Kammerspiel an einem einzigen Ort (von der kurzen Einleitung auf dem Flughafen abgesehen) und mit lediglich drei Personen.

Obwohl die Geschichte aus der Sicht Sandras geschildert wird, bleibt ihr Handeln und ihre Vergangenheit unklar. Es beschleicht den Leser eine Ahnung, was der Grund für ihr Verhalten sein könnte, doch die Auflösung gibt es erst am Ende. 160 Seiten muss man hinter sich bringen, bevor auf den letzten 20 Seiten das bisherige Geschehen entschlüsselt wird und man mehr über Sandra und Martin erfährt. Elenas Geheimnis wird erst auf der vorletzten Seite in einem kurzen Nebensatz erwähnt und lässt viele Fragen offen. Auch die Vergangenheit von Sandra und Martin wirft mehr Fragen auf als zu beantworten.

Gelungen finde ich jedoch, dass durch die Erzählweise der Leser sich gut in Sandra hineinversetzen kann. Etwas, das normalen Lesern gerade bei dem Thema der kompletten Kontrollabgabe an den Meister schwerfallen dürfte. Alles aufgeben: das Geld, den Ausweis, die Kleidung, ja sogar die eigene Persönlichkeit, die eigene Stimme. Keine Rechte, kein eigener Wille. Dafür jedoch auch keinerlei Verantwortung. So unvorstellbar das für die meisten Menschen klingen dürfte, so nachvollziehbar und gekonnt beschreibt er diesen Gedanken.


SPRACHE, KULISSE

Die Sprache ist wie bei Torres gewohnt niveauvoll und angenehm, ich habe den Roman blitzschnell gelesen. Der Blick fliegt nur so über die Seiten, der Lesefluss ungestört und die Umschreibung der teilweise sehr drastischen Szenen gekonnt.

Dazu eine traumhafte Kulisse, die Lust auf Urlaub macht: spanisches Gebirge, weite Landschaften, das Haus auf einem hohen Bergsporn mit drei tief abfallenden Felswänden. Man vermeint selbst vor Ort zu sein, einen Blick auf das Panorama zu werfen. Etwas, das mich bereits an dem Buch >SKLAVENJAGD< sehr begeisterte.

Wenngleich ich es dort nicht erwähnte. Das Problem ist, dass die Rezensionen sonst einfach zu lang werden, mir fällt soviel auf, zu gerne würde ich sehr viel mehr schreiben, aber schon jetzt bin ich stark an der Grenze des Zumutbaren ;-) Aber, wie gesagt: traumhafte Kulisse, Torres beherrscht es meisterlich, über Spanien und seine wundervolle Landschaft zu schreiben.


EROTIK

Die Erotik in diesem Buch ist dem Hardcore - Bereich einzuordnen. Wie bereits in SKLAVENJAGD weniger aufgrund der Beschreibung oder der Handlung, sondern teils auch hier wieder aufgrund der Auslassungen und Andeutungen. Sandra gibt alles an ihren Meister ab, und dieser nimmt sich, was er will. Natürlich auch, aber nicht nur bezogen auf den sexuellen Aspekt. Der reine Geschlechtsverkehr ist es nicht, worum es hier geht, vielmehr die fantasievolle Gestaltung der Demütigung, des Schmerzes und der Unterwerfung. Der Autor versteht es, das Kopfkino anzuregen. Allerdings auf einer Stufe, die deutlich über Romance oder normale Erotik hinausgeht und eine Akzeptanz des Themas BDSM und auch der härteren Praktiken dieser Spielart voraussetzt. Er spielt nicht nur mit dem Körper, er spielt auch mit der Seele der Protagonistin, und dies auf einer Basis des Metakonsens, die bereits in den kriminellen Bereich übergeht. Dafür ist es ein Thriller, dafür ist es in Ordnung und spannend.


STORY, AUFBAU

Was mich allerdings enttäuschte, war der Handlungsaufbau. Das Buch beginnt sehr vielversprechend mit einer Szene am Flughafen, als Sandra sich für ihren neuen Herren zurechtmacht, sehr viele anregende Fetischelemente. Viele Fragen werden aufgeworfen, man hofft auf eine Steigerung der Handlung. Dann die erste Begegnung mit dem Meister. Sie kannte ihn nicht, hat jedoch alles für ihn hinter sich gelassen. Erst am Ende wird klar, warum sie dies tat und was sie sich davon versprach. Doch bis es soweit ist, vergehen fast 160 Seiten. Auf diesen Seiten geschieht fast nichts. Der Leser erlebt aus Sandras Sicht die Unterwerfung. Angekettet in der Box, eingekerkert in einem dunklen Loch, gepeitscht und mit dem Rohrstock bestraft, der prallen Sonne ausgesetzt, das Metronom als Taktgeber der Lust. Kreative Ideen, nette Umsetzungen. Aber erwartet hatte ich einen Thriller, bekommen eine erotische Umschreibung. Die Thrillerelemente waren mir deutlich zu wenig, die Handlung zu spärlich. Sie ließe sich hier in wenigen Sätzen, gar kürzer als meine Rezension selbst, beschreiben.

Keine Nebenplots, keine Komplexität. Hier und da eine Andeutung. Ein neu entdeckter Blutfleck, ein gefundener Gegenstand. Die lebensbedrohliche Gefahr ist vorhanden, ich habe sie selbst jedoch nicht gespürt, sie wirkte auf mich imaginär, entstanden aus Sandras Vermtungen, keinen Moment lang real. Eine gefährliche Szene gibt es, doch das Wissen "sie wird eh nicht sterben, da kommen noch 100 Seiten" hielt meine Anspannung deutlich in Grenzen. Müsste ich eine Spannungskurve zeichnen, so wäre es eine fast gerade Linie mit nur sehr wenigen Erhebungen, erst im letzten Achtel hebt sich die Kurve und steigt im Showdown an.


GESAMTEINDRUCK

Insgesamt war der Roman sehr schnell gelesen, doch das Erleben stand hinter der Erwartung an den Autor und das Genre "SM-Thriller" leider sehr zurück. Schlecht war das Buch nicht, dazu schreibt Torres einfach zu flüssig, dazu baut er eine zu lebendige Kulisse auf. Ich bin sicher, es kommt bei den Lesern an und weiß hervorragend zu unterhalten. Meinen persönlichen Geschmack aber hat es dieses Mal leider nicht komplett getroffen, ich hätte mir mehr Komplexität und Handlung erhofft. Der Autor kann es besser, und so hoffe ich bereits auf das nächste Buch und werde auch dieses wieder gerne lesen.


FAZIT

Ein SM-Thriller vor atemberaubender Kulisse. Spannend geschrieben, die Situation der völligen Kontrolle gekonnt beschrieben, sodass der Leser sich sehr gut in die Hauptfigur hineinversetzen kann. Ein eher schlicht aufgebauter Roman, der dafür jedoch großen Wert auf eine klar Beschreibung setzt und in den erotischen Momenten zu überzeugen weiß. Handlungsorientierte Leser sollten nicht zuviel erwarten. Freunde anspruchsvoller Hardcore - Erotik dagegen werden begeistert sein.


SaraSalamander 10.04.2012, 09.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Flamingofrau

lay_flamingofrau_1.jpegVORAB

Einige Zeit habe ich überlegt, ob ich die FLAMINGOFRAU lesen soll oder nicht. Es sprach einiges dagegen. Aber die Neugier siegte. Denn ich mag >Verwandlungsmärchen< und darin besonders Vogelfrauen. Anhand der Inhaltsangabe war mir klar, dass es sich um kein Verwandlungsmärchen handeln würde, trotzdem wäre ich wohl vor Neugier gestorben, wenn ich nicht einen Blick in das Buch geworfen hätte ;-)


DIE AUTORIN

Laura Lay ist eine erfahrene Autorin, die in Publikumsverlagen unter ihrem realen Namen in verschiedenen Genres schreibt. Unter ihrem neuen Pseudonym möchte sie sich von diesen Büchern abgrenzen und einer neuen Zielgruppe ihre vergriffenen Geschichten sowie ihre neuen erotischen Phantasien zugänglich machen. DIE FLAMINGOFRAU stellt hierbei den Anfang.


INHALT

Leon ist ein erfolgloser Schriftsteller. Als er vor dem endgültigen Aus steht, spricht ihn eine Mäzenin an. Sie wünscht sich eine erotische Geschichte, deren Verlauf sie selbst bestimmen kann. Einige Seiten soll er ihr schicken, und sie sagt ihm, ob er etwas ändern soll und in welche Richtung es sich entwickeln muss, der Rest obliegt ihm. Seine Aufgabe besteht darin, zu den Flamingos im Zoo zu gehen, dort eine junge Frau zu beobachten, sie in die Geschichte einzubinden und zu schreiben. Wer ist diese seltsame Frau, und was hat es mit dem Fenster hinter dem Gehege auf sich?

Die Geschichte um Leon ist die Rahmenhandlung. Der erotische Anteil findet sich in der Binnengeschichte: Tania von Rosenfels ist neu in dem kleinen Ort, wo Christian als Lehrer unterrichtet und gelegentlich für die Lokalzeitung seine Artikel schreibt. Sie gibt sich unnahbar und kühl. Und dann ist da noch dieses zerbrechlich wirkende Mädchen an ihrer Seite, gleich einem Schmuckstück, einem Spielzeug, einem Objekt. Christian findet dies unmoralisch, doch sehr schnell zieht ihn Tania in ihr Spiel ein, er kann sich nicht entziehen. Mit sanfter aber bestimmtender Hand führt Tania die Fäden.


SPRACHE, EROTIK

An einigen kleinen Stellen merkt man, wie zumeist üblich in Eigenpublikationen, kleine Fehler wie Wortwiederholungen oder ähnliche. Diese fallen jedoch nicht ins Gewicht, die Geschichte selbst ist sehr kunstvoll geschrieben und lässt sehr schnell alles andere vergessen. Was mir besonders gut gefällt: die Autorin versteht es, in wenigen Worten klare Bilder zu erschaffen und die Figuren mit Leben zu erfüllen. Besonders in den erotischen Momenten war ich hingerissen: keine Gewalt, keine wilde Lust, kein heißes Begehren. Dafür Sinnlichkeit und eindrückliches Erleben. Obwohl es um Dominanz geht, ist die Geschichte sehr sanft. Tania wirkt zwar unnahbar, ist im Umgang mit ihrer Sklavin (dieses Wort fällt kein einziges Mal, überhaupt werden alle wertenden oder klischeebesetzten Wörter ausgespart) sehr sanft und still. Sie beherrscht nicht, sie führt und leitet verantwortungsvoll und ruhig.

Viele verbinden Dominanz und BDSM mit strengen Befehlen und lauten Worten. Wen dies stört, der sollte DIE FLAMINGOFRAU lesen, denn hier wird gezeigt, dass Führung von innen kommt. Sie liegt in der Ausstrahlung, in den Blicken, in einer selbstbewussten Haltung und einer starken Persönlichkeit. Wer dies verkörpert, benötigt keine laute Stimme.

Mancher mag anschließend fragen - ja, und wo war jetzt der Sex? Nein, es muss nicht immer Sex sein. Eine innige Verbindung zwischen zwei oder drei Menschen, das ist es, was zählt. Eine gemeinsame Erfahrung, eine intime Berührung, das kann weit lustvoller sein als das körperliche Verbinden zweier Leiber. Und dies beweist Laura Lay in ihrer sensiblen Kurzgeschichte.


ERZÄHLPERSPEKTIVE, AUFBAU

Zu Beginn lernt man Tania nur indirekt kennen, denn alle reden über sie, jeder weiß etwas Neues, die Bewohner überschlagen sich regelrecht mit Gerüchten. Auf diese Weise wird die Figur Tanias mit Leben gefüllt: "[...] hatte ich ein Gefäß vor Augen. Ein Gefäß, das nach und nach mit den Vorstellungen und der Neugier anderer gefüllt worden war." Auf diese Weise erfährt der Leser sehr viel über den Ich-Erzähler sowie die Dorfbewohner. Und je mehr dieser angeblichen Informationen man erhält, desto mehr drängt es, endlich die echte Tania kennenzulernen und auch zu erfahren, was es mit der jungen Frau an ihrer Seite auf sich hat.

Die Rahmengeschichte ist in der dritten Person aus Sicht des Schriftstellers geschrieben. Es gefällt, wie sein Alltag in die Geschichte um Tania einfließt und beide Ebenen sich auf diese Weise verbinden.

Nur als Ebook erschienen, beinhaltet die Geschichte umgesetzt 50 Seiten. Ein viel zu kurzes Lesevergnügen, an dessen Ende es den Leser nach mehr verlangt.


FAZIT

DIE FLAMINGOFRAU ist ein kleiner Leckerbissen für Liebhaber sinnlicher Erotik und sanfter Dominanz. Ideal für einen gemütlichen Abend allein zu Hause bei Kerzenlicht und romantischer Musik.

SaraSalamander 28.03.2012, 09.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Das letzte Element

gerwalt_element_1.jpgKLAPPENTEXT

Eigentlich war Naomi Gerber ja Feuilletonistin, also gar nicht zuständig für solche brutalen Mordgeschichten. Doch dann nutzte sie spontan ihren Resturlaub, um für einen Hintergrundbericht über die Morde zu recherchieren - und stieß prompt auf eine Pensionswirtin, die mit der örtlichen SM-Szene recht vertraut zu sein schien, und auf den geheimnisvollen Ralf Schuhmann, der erstaunlich viel über die Morde wusste - vielleicht ein wenig zu viel ...


CHARAKTERE

Obwohl der Leser wenig über das Vorleben und die Hintergründe der Charaktere erfährt, fühlt man sich ihnen doch schnell verbunden. Ulli mit ihrer offenen Art und Naomi in ihrem Tatendrang sind angenehme Protagonisten, die sich vom klassischen Weibchen abheben. Und Ralf lässt sehr schnell durchblicken, dass er nicht gerade alltäglich ist, die Bedrohung in seinem Verhalten ist vom ersten Moment an spürbar. Ob das Verhalten der Personen nachvollziehbar ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, man sollte dabei auf jeden Fall immer das Genre im Auge behalten. Denn Gerwalt kokettiert nicht mit dem Mode-SM, wie er momentan überall auftaucht, sondern er dringt tief in die Thematik ein und verlangt dem Leser einiges ab.


GENRE

Gerwalt hat keinen romantischen Krimi geschrieben, sondern ganz klar einen BDSM-Thriller. Wer mit dem Thema nichts anfangen kann, der wird auch seine Probleme haben, sich in die Charaktere hineinzuversetzen oder deren Gefühle nachzuvollziehen. Denn der Autor bewegt sich hart an der Grenze zwischen Spiel und Ernst, verlässt dabei einige Male den Bereich des Spiels und driftet ab in eine Welt aus Todessehnsucht und realer Gewalt. Wäre es abgesprochen und harmlos, wäre es kein Thriller. "Normale" Thriller streifen häufig das Thema BDSM, verfälschen jedoch eine Menge und werfen ein falsches Bild darauf. Und BDSM-Titel sind häufig einfach nur Beschreibung von Spielarten, die jedoch die intelligente Handlung vermissen lassen. DAS LETZTE ELEMENT verbindet beides: eine gelungene Beschreibung der Szene und des Spiels, aber auch eine spannende Handlung, die eines Thrillers würdig ist. Und auch die Gefahr, die davon ausgeht, wenn Menschen zu weit gehen.


AUFBAU, ERZÄHLWEISE

Zu Beginn handelt der Thriller nur von Naomi, flink trifft sie aber auch auf Ulli und Ralf, die die einzigen Figuren bleiben. Andere Personen treten nur am Rand auf, etwa der Polizist oder ein Mitorganisator der Party.  Die Geschichte wird wechselnd aus der Sicht von Naomi und Ralf erzählt. Weiterhin gibt es in Kursivschrift eine Ich-Perspektive (was es mit dieser auf sich hat, wird der Leser recht schnell für sich selbst erkennen), die das Geschehen zusätzlich beleuchtet. Je mehr das Buch sich dem Showdown nähert, desto kürzer werden die jeweiligen Passagen, desto mehr fließen sie nahtlos ineinander über, bis alle drei Textpassagen vereint sind und der Leser mitten in einer wortwörtlich atemberaubenden Szene mit den Morden konfrontiert wird.


SPRACHE

Sprachlich hat mich DAS LETZTE ELEMENT sofort überzeugt. Die einzelnen Passagen sind anregend und niveauvoll beschrieben. Obwohl der Inhalt stellenweise sehr drastisch ist, bleibt die Sprache immer gediegen. Mancher Thriller (über dessen Perversion sich niemand aufregen würde, da es ja ein Thriller ist und nichts mit Sex zu tun hat. Ich könnte mich über diese Heuchelei aufregen, aber das ist ein anderes Thema, ich beruhige mich also wieder *tief durchatmet*) ist da weitaus heftiger und brutaler in seiner Beschreibung des Geschehens.

Ich finde es auch gelungen, wie Gerwalt allen Beteiligten ein eigenes Sprachmuster verleiht. Man erkennt anhand der jeweiligen Sätze zum Teil sehr gut, wer gerade spricht, jeder hat seine eigenen Merkmale und Besonderheiten. Und auch in den erotischen bzw gewalttätigen Momenten ist es ein deutlicher Unterschied, ob nun aus Sicht des Täters, aus Sicht von Naomi (die auf ihre Weise eine Neuinszenierung der Morde als lustvoll erlebt) oder aus Sicht des Polizisten geschieht. Es freut mich immer, wenn ich sehe, wie Schriftsteller die Sprache gekonnt als Mittel zum Zweck einsetzen und damit jonglieren.


SONSTIGES

Was den BDSM-Aspekt betrifft, beschreibt Gerwalt hier Praktiken, die man in anderen Büchern oft nicht liest. Es gibt ja doch klassische Spielarten, denen man in jedem 0815 Roman immer wieder begegnet. Hier dagegen werden mal Szenerien aufgebaut, die sich klar von anderen unterscheiden und seinen Einfallsreichtum beweisen. Wem klar ist, dass dies hier keine Realität sondern einfach nur Fiktion ist, dem werden die kribbelnden und gefährlichen Ideen sehr gut gefallen. Auch wird hier Bondage nicht als Mittel zum Zweck benutzt sondern sehr ausführlich beschrieben, wie Ralf die Seile um den Körper legt, wie er sie führt und spürt, das ist selten in Büchern zu finden.

Die Handlung spielt im Schwarzwald, und abgesehen von einer gewissen künstlerischen Freiheit gibt es die Tatorte, das Schloss, die unterirdische Bunkeranlage wirklich, der Autor hat dies in einem Nachwort speziell erklärt. Ich finde es schön, wenn Romane nicht immer im Ausland spielen müssen, und der Schwarzwald scheint mir für die bedrohliche Stimmung des Romanes sehr geeignet. Die Beschreibungen stören nicht den Lesefluss, sind jedoch sehr anschaulich, sodass man Lust bekommt, sich alles vor Ort anzusehen.


WERMUTSTROPFEN

Die Charaktere bieten sehr viel Stoff zur Diskussion, es werden Themen angerissen, die eigentlich eine weiterführende Auseinandersetzung mit dem Buch verlangen. Besonders das Ende lässt sehr viele Fragen offen. Normalerweise störe ich mich nicht an einem offenen Ende. In diesem Buch allerdings halte ich etwas mehr Klarheit für überaus wichtig. Es ist ein ernstes Thema, das angesprochen wird, und im Epilog geschieht etwas, das ich ohne eine Auflösung nicht gutheißen kann. Ja, es ist nur ein Roman, das muss ich mir vor Augen halten. Während andere Bücher jedoch klar als Fiktion erkennbar sind, weil sie einfach Dinge darstellen, die eben nur Kopfkino sind und deutlich überzeichnet, halte ich dieses Buch in seiner Art jedoch für durchaus realistisch, es könnte so passiert sein. Das finde ich prinzipiell gut, das macht es umso spannender und lesenswerter. Aber gerade deswegen fände ich es wichtig, den Leser nicht mit diesen Fragen alleine zu lassen und offene Anliegen aufzuklären. Leider hat dies meinen Lesegenuss am Ende etwas getrübt.


FAZIT

DAS LETZTE ELEMENT ist ein realistisch gehaltener Thriller, der ein bedrohliches Szenario erschafft. Der Leser ist gefesselt und kann sich sehr gut in die Handlung einfinden. Besonders den Aufbau und die sprachliche Präsentation finde ich sehr gelungen, sodass ich das Buch uneingeschränkt allen Freunden der härteren Erotik empfehlen kann. Das Ende allerdings hat mich etwas betroffen zurückgelassen und schmälert den ansonsten hervorragenden Genuss.

SaraSalamander 17.02.2012, 10.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mindnapping 06 - Dopamin

DOPAMIN ist die sechste Folge aus der Hörspielreihe MINDNAPPING des Labels Audioanarchie. Die einzelnen Bände sind unabhängig voneinander zu hören, jeder Teil erzählt eine spannende Geschichte. Diese Folge möchte ich besonders hervorheben, da es sich um eine erstklassige BDSM-Geschichte handelt.

Susan hatte eine Affaire, doch eine Woche nach dem letzten Treffen verstirbt ihr heimlicher Liebespartner bei einem Motorradunfall. Sie erzählt nun drei ihrer Bekannten (Pfarrer, Arzt, Anwalt) unter Schweigepflicht von den Ereignissen. Für die Zuhörer (sowohl die drei Männer als auch die Hörer der CD) stellt sich recht bald die Frage, was sie mit dieser Erzählung bezweckt. Was hat ihre Geschichte mit dem Unfall zu tun? Was erwartet sie von den drei Gesprächspartnern, wenn nicht Vergebung, juristischen Rat oder therapeutische Hilfe?

Audioanarchie hat bereits in den vorherigen fünf Kurzgeschichten bewiesen, dass sie es meisterlich verstehen, Spannung aufzubauen. Jede Erzählung ist anders, und der Zuhörer weiß zu Beginn nicht, was ihn erwarten wird. So auch bei DOPAMIN, wo die Situation lange unklar bleibt.

Was jedoch absolut klar ist: Susans Schilderungen sind sehr explizit. Ausführlich erfährt der Hörer, was die junge Frau erlebte. Sie war ihrem Liebhaber hörig, und er hatte viele "Wünsche", Befehle an sie, sie wurde gefesselt, geschlagen. Teils erzählt Susan in eigenen Worten, teils spielt die Handlung als Rückblende, untermalt von anregender und recht realistischer Soundkulisse. Interessant natürlich auch die Reaktionen der einzelnen Gesprächspartner. Der Pfarrer reagiert entsprechend pikiert, bittet um weniger Details (eine Bitte, der Susan dem Hörer zuliebe natürlich nicht nachkommt), der Anwalt sieht es etwas gelassener und reißt hier und da seine Späßchen, während der Therapeut immer wieder zu analysieren versucht und mit seinen Platitüden Verständnis heuchelt. Eine innovative Erzählweise, auf die Audioanarchie sich eingelassen hat, und das Hörspiel ist rundum gelungen. "Erotik" kann man diese CD nicht nennen, was hier geschildert wird, geht für mich bereits in den Bereich "Hardcore", und die Macher sind hierbei nicht gerade pingelig, wenn es um die Ausgestaltung der einzelnen Szenen geht.

Noch immer werden Hörspiele als Unterhaltung für Kinder betrachtet, aber es gibt immer mehr Titel, die den Hörern beweisen, dass es durchaus einzelne Serien gibt, die Kinder keinesfalls in die Hände bekommen dürfen. MINDNAPPING gehört definitiv dazu, und von allen sechs Teilen, die ich bisher gehört habe, ist DOPAMIN die härteste. Zimperlich darf man bei dieser Reihe auf keinen Fall sein! Die Reihe setzt sich mit ihrer innovativen Machart und den expliziten Themen über die bisherigen Grenzen hinweg und beschreitet neue Wege, die für zukünftige Serien Maßstäbe setzen werden. Ein Label, das ich unbedingt im Auge behalten muss!

SaraSalamander 30.12.2011, 10.40 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Dornröschen - Trilogie

VORAB

Die Trilogie DORNRÖSCHEN stand viele Jahre auf dem Index. Das weckt natürlich die Neugier. Erst recht, wenn das Buch von "Anne Roquelaure" stammt, bekanntes Pseudonym von Anne Rice, aus deren Feder auch die Reihe CHRONIK DER VAMPIRE floss. Die Autorin schrieb neben ihren Büchern um Hexen, Vampire und die Unterwelt nämlich auch erotische Titel. Ich habe schon viel von DORNRÖSCHEN gehört, hier und da mal einen Blick hineinwerfen können, und umso erfreuter war ich, als der Marterpfahl-Verlag dann 2011 das Buch nun endlich veröffentlichte! Es folgt im Anhang eine ausführliche Anmerkung von Arne Hoffmann (Autor und Medienwissenschaftler, der unter Pseudonym Cagliostro sowie unter seinem realen Namen ebenfalls erotische Werke sowie Fachbücher veröffentlicht), die sich mit den Hintergründen der Indizierung befasst.


INHALT

Puh, Inhalt? Kurz gesagt: der Prinz rettet das schlafende Dornröschen, bringt sie auf sein Schloss und lässt ihr dort eine recht ausführliche Erziehung angedeihen. Sie wird nach allen Regeln der Kunst gepeinigt sowie vom Prinzen auch an andere "Erzieher" verliehen. Dornröschens Stolz ist dabei ungebrochen, und als sie Tristan kennenlernt, nimmt sie die schlimmste Strafe in Kauf, um bei ihm sein zu können. Was wird sie im Dorf erwarten? Und wird die junge Frau am Ende zurück auf ihr Schloss gehen dürfen?


HANDLUNGSAUFBAU

Anne Rice schreibt Erotik, und sie lässt alles weg, was unnötig stören könnte. Mit anderen Worten: die Handlung. Das Buch ist quasi eine Aneinanderreihung unterschiedlister Praktiken und Spiele. Wer unter Sex versteht, wie Mann und Frau sich in Liebe körperlich vereinen, sollte hier aufhören zu lesen. Alle anderen: holla, nicht schlecht, was die Autorin dem Leser hier bietet! Fantasievoll und variantenreicht zelebriert sie alles, was möglich ist. Alleine, zu zweit, zu mehreren, hetero- und homoerotisch, mal schmerzhaft, mal sanft. Es wird gefesselt, geknebelt, geschlagen, erniedrigt und gequält, nicht immer lustvoll und willentlich, aber stets bedacht auf das Wohlergehen der Sklaven und durch den Hintergrund der Geschichte auch stets im einvernehmlichen Metakonsens.


SPRACHE

Dabei ist die Handlung jedoch nur der Rahmen, welcher die einzelnen Momente zusammenhält. Führt dies bei den meisten Büchern dazu, dass es zur Pornographie verkommt und ins Vulgäre abdriftet, beweist sich Anne Rice hier wieder einmal als Meister ihres Faches. Ihr Schreibstil ist bildreich und doch elegant. DORNRÖSCHEN ist kein Titel, den man zwischendurch zur Anregung überfliegt, sondern man muss sich schon Zeit dafür nehmen, wenn man die drei Bände auskosten möchte.


CHARAKTERE

Obwohl die Handlung deutlich hinter der ausführlichen Beschreibung der einzelnen "Erziehungsmaßnahmen" zurücksteht, werden die Charaktere sehr greifbar beschrieben. Es ist dem Leser möglich, sich in Dornröschen, den Prinzen oder andere Sklaven hineinzuversetzen, die Autorin beschreibt das Geschehen jeweils aus wechselnder Sicht und bietet dadurch ein zusätzliches Spektrum des Erlebens.


FAZIT

Neben DER GESCHICHTE DER O, der VENUS IM PELZ, Gor der GEGENERDE, den Werken von de Sade ist DORNRÖSCHEN ein Buch, das unbedingt in jedes Erotik-Regal gehört. Einmal angefangen, kann man sich der bildhaften Sprache und den ausgefallenen Spielen nicht mehr entziehen. Ein Buch, das man auf jeden Fall mehrfach lesen kann und gerne immer wieder zur Hand nimmt.

SaraSalamander 27.12.2011, 09.38 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Verlockende Versuchungen

minden_versuchungen_1.jpgVERLOCKENDE VERSUCHUNGEN ist eines der älteren Bücher von Inka Loreen Minden, über viele Wochen hinweg habe ich verteilt mal hier, mal dort eine Geschichte daraus gelesen, immer wenn ich gerade ein wenig Aufheiterung brauchte. Und, anbei: zwischen all den Büchern, die ich lese und weitergebe ist dieses eines der ganz wenigen, die den Weg in mein Regal finden, denn ich finde die Ideen hinter den Kurzgeschichten einfach zu klasse.

Hier wird nahezu jedes Märchenelement geschnappt, das nicht bei drei auf den Bäumen war. Hier ein Drache, dort ein Dämon, Schneewittchen, Rapunzel und Dornröschen dürfen auch nicht fehlen, es gibt einen Zauberspiegel, Elben sind auch zu finden, und natürlich Vampire. Kunterbunt durcheinander, wild vermengt und das Ergebnis ist ein Buch, so humorvoll und zugleich auch erotisch, wie man es noch nicht gelesen hat. Ich habe versucht, einen roten Faden zu finden, doch gemeinsam ist allen Geschichten wohl wirklich nur, dass sie in einer fiktiven Märchen- oder Fantasywelt spielen und direkt oder indirekt mit Sex zu tun haben.

Da verliert ein Vampir seine Geliebte und findet sie nach langer Zeit zurück, doch gehört sie nicht einem anderen? Ein Engel und ein Dämon verlieben sich und verbringen gemeinsam ihre Zeit in den unteren Örtern, auf der Erde und im Kino. Das devote Schneewittchen wurde von den Zwergen leider an den falschen Prinzen vermittelt und klagt nun über fehlende Schläge. Die böse Moorhexe will ein unschuldiges (?!?) Mädchen verführen und wird von einem selbstlosen Jäger bezwungen. Wer ein zauberartefakt zu seinem eigenen Vorteil missbraucht, der macht Bekanntschaft mit Rapunzels lukrativem Nebenjob. Eine Elfenprinzessin soll den Prinzen des Nachbarvolkes heiraten, obwohl doch alle wissen, dass dessen Bewohner alle knollennasig und krummbeinig sind. Und einige weitere Geschichten, die den Leser ungläubig, lachend und begeistert mit dem Kopf schütteln lassen.

Was mich ein wenig störte aber meiner Begeisterung keinen Abbruch tut: die Geschichten sind stellenweise in zwei, einmal sogar drei Teile gegliedert, und diese Teile folgen nicht direkt aufeinander sondern bunt gewürfelt. Beim Lesen etwas lästig, weil man quasi ständig hin- und herspringen muss, wenn man eine Geschichte komplett lesen möchte. Dadurch habe ich, da ich das Buch ja über einen längeren Zeitraum gelesen habe, ziemlich den Überblick verloren, was ich nun alles bereits gelesen hatte und was nicht, sodass ich immer wieder nachblättern musste.

Die Stimmung des Buches erinnerte mich in nahezu jeder Geschichte an eine Disney - Parodie. Eine Prinzessin, zwitschernde Vögel auf dem Baum, dazu ein geträllerter Song im höchsten Sopran, bauschige Kleider und wunderhübsche Gesichtlein mit geröteten Wangen. Und dazu die witzigen Umschreibungen. Dazu muss man sagen, dass es wie bereits erwähnt ein älteres Buch von Inka ist, und man kann regelrecht mitverfolgen, wie ihr Stil sich schrittweise geändert und gebessert hat. Schon zu Beginn zeigte sich, dass sie talentiert schreibt, aber ein paar Schwächen gab es doch: Wortwiederholungen, klischeebeladene Worte, der Satzbau noch nicht ganz so geschliffen, trotzdem aber bereits großartige Unterhaltung.

Ich habe sehr oft gelacht über die absurden Situationen. Meine Lieblingsszene (kein Spoiler, bis zu diesem Moment der Geschichte erahnt man nichts) ist ein sterbender Mann, und zack puff steht plötzlich ein goldener Drache auf der Lichtung und bringt alles wieder ins Lot. Keine Ahnung woher, keine Ahnung wohin, aber sollten wir nicht alle so einen goldenen Zauberdrachen haben? Oder der selbstlose Jäger, der - wir sind ja im Erotikroman - der die Moorhexe mit seinem "Jagdgewehr" von hinten außer Gefecht setzt und dem wirklich außerordentlicher Dank für sein uneigennütziges Tun gebührt (wer will es schon mit einer Moorhexe treiben). Wie gesagt: skurril, völlig abgefahren und so ganz anders als alles, was man von einem Buch mit erotischen Kurzgeschichten erwartet.

Aufgeschlossen sollte man auf jeden Fall sein. Denn abgesehen davon, dass eine Menge Märchen und Fantasyfiguren aufs Korn genommen werden, gibt es hier auch so ziemlich alles: Gay, SM, Hetero, freiwillig und unfreiwillig. Wer also ausschließlich Heteroerotik sucht, oder wer sich nicht für SM begeistern kann oder eben etwas Spezielles sucht, der wird hier nicht fündig. Wer vielseitig ist und sich vorstellen kann, dass Humor und Erotik sich nicht gegenseitig ausschließen, der ist hier auf jeden Fall richtig. Absoluter Geheimtipp für alle Inka Loreen Minden Fans, die bisher nur die neueren Werke kennen ;-)

SaraSalamander 16.09.2011, 15.28 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Mach mich geil

palmer_machmichgeil_1.jpgVon Lucy Palmer (aka Inka Loreen Minden) gibt es bei Blue Panther Books eine Reihe namens MACH MICH ... (gierig, geil, scharf, wild), da es Kurzgeschichten sind und die Reihenfolge egal ist, ich habe mit dem letzten Titel "Mach mich geil" begonnen. Eigentlich bevorzuge ich Gayromane oder BDSM - Titel, "normale" Erotik bringt mich meist unfreiwillig zum Lachen und ist einfach nicht mein Ding, wenn die Autoren sich angestrengt um saubere Worte für körperliche, schweißtreibende und unsaubere Dinge bemühen. Dass ich diesen Titel nun doch gelesen habe, liegt an der Autorin, die mich vor allem durch ihre Sprache begeistert, also warum nicht auch mal ein Buch über das probieren, was im Alltag so schön und in der Literatur so albern sein kann?

MACH MICH GEIL beinhaltet die fünf Kurzgeschichten "Insel der Begierde", "Führe mich nicht in Versuchung", "Arena der Lust", "Lady Cop" und "der maskierte Lord". Der maskierte Lord hat noch einen zweiten Teil, den man sich kostenlos im Internet herunterladen kann. Führt bei manchem Leser zu Begeisterungsstürmen, da man gratis noch etwas geschenkt bekommt. Führt bei anderen zu Verärgerung, sie legen sich einen Fakeaccount auf der Seite zu und laden sich die Geschichte runter, schließlich hat man ja als Besitzer des originalen Buches ein Anrecht auf die Story, der Verlag jedoch nicht auf die persönlichen Daten).

Es war eines der ersten "normalen" Erotikbücher, die ich komplett gelesen habe (jetzt dürft Ihr von mir denken, was Ihr wollt *vg*, aber die meisten habe ich aus oben genannten Gründen abgebrochen), und ich war wirklich positiv überrascht. Lucy Palmer hat mich nicht enttäuscht, und so wortgewandt sie die Liebe zwischen Männern zu schildern vermag, so geschickt ist sie auch im Umgant mit Worten zwischen Mann und Frau. Keine Honigtöpfchen und Liebessäfte, aber auch kein F*cken und R*mmeln, sondern eine geschickte Umschreibung, die sich flüssig liest und Lust auf mehr macht. Weder vulgär noch albern schicklich bemüht, sondern einfach lustvoll. Lucy Palmer schreibt so selbstverständlich, dass man sich fragt, warum andere Autoren sich so verzweifelt um Worte bemühen, alles wirkt selbstsicher und normal. Es ist, was es ist: Liebe, Lust und Leidenschaft.

"Ladycop" geht in den Soft-SM Bereich und bietet nette Ideen für ein spannendes Rollenspiel mit Unterwerfung und Züchtigung. "Führe mich nicht in Versuchung" ist die vierte Geschichte um den Vampir Riley. Ich kenne die ersten drei Teile, die nacheinander in den MACH MICH - Büchern erscheinen nicht, und trotzdem konnte ich sie in vollen Zügen genießen, jede Geschichte steht für sich und ist eher ein freudiges Wiedererkennen für Stammleser der ersten Bände.

Mein Favorit "Arena der Lust" handelt von einer jungen Frau, die aus einer Zukunft ohne körperlichen Sex mittels einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reist und dort zwei Gladiatoren zu einer Menage-a-Tr*is aufsucht. Die Geschichte bietet von allem etwas: sie ist romantisch, hat ein paar vereinzelte angedeutete SM-Elemente, sie bietet Gay-Erotik, Hetero-Liebe, Zweier, Dreier, ein bisschen Voyeurismus und sie vermischt Erotik mit Science-Fiction wie auch Historie. Erstaunlich, wie die Autorin auf so wenigen Seiten so viele Themen einbringen konnte, ohne dass die Geschichte überladen wirkt. Sogar auf einen kleinen Twist am Ende darf sich der Leser freuen, denn Zeitreisen haben manchmal (un?)gewollte Nebenwirkungen ;-)

Abschließend nur soviel: Was andere Autoren versprechen - Lucy hält es!

SaraSalamander 29.08.2011, 09.14 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die Lustsklavin

palmer_lustsklavin_1.jpgDieser Tage stieß ich auf DIE LUSTSKLAVIN von Lucy Palmer. Ich gebe zu, langsam wird es kompliziert, denn da gibt es die Bücher "mach mich scharf", "mach mich wild" usw mit wechselnden Adjektiven, und dann gibt es daraus Kurzgeschichten, die einzeln vermarktet werden, etwa WELLSEX, DIE LUSTSKLAVIN oder andere. Trotzdem eine klasse Idee! Denn in einer Sammlung von Kurzgeschichten gefallen oft nicht alle gleich gut, und da ist es praktisch, wenn man sich die Favoriten heraussuchen kann und nicht das gesamte Buch kaufen muss. Und so picke ich mir von Lucy Palmer gerne genau DAS heraus, worauf ich gerade Lust habe ;-)

Trish leitet einen SM-Club und muss eines Abends ausnahmsweise selbst als Sklavin für einen der Gäste dienen. Sie ist aufgeregt, denn sie kennt den Kunden: er war ihr früherer Herr. Wird er sie erkennen? Wie wird er reagieren?

Eine Kurzgeschichte, vorgetragen von Magdalena Berlusconi, rund 45 Minuten. Ich habe schon einige erotischen Hörbücher oder Hörspiele gehört, aber bisher war es für mich keines wert, es hier vorzustellen, da meistens zu pornographisch oder zu platt und billig. DIE LUSTSKLAVIN allerdings ist anders, sehr ansprechend und sinnlich.

Es geht rein um die Session, eine Rahmenhandlung im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Und doch erhalten die Personen eine Persönlichkeit, wird eine Geschichte in der Geschichte erzählt. Und es gibt sogar ein Happy End, was ich dann für diese Art der erotischen Erzählung dann doch sehr ungewohnt und angenehm finde (normalerweise gibt es gar kein "End", sondern nur ein "die Session ist vorbei, und tschüss", die meisten Autoren lassen ihre Erotik nach dem Höhepunkt enden, wen interessiert schon, was nach dem Sex passiert).

Lucy Palmer und Magdalena Berlusconi lassen Bilder im Kopf des Hörers entstehen, die hungrig auf mehr machen. Ich kann diese CD wirklich empfehlen. Sowohl für Freunde des klassischen SM, als auch für experimentierfreudige Blümchenfreunde. Es gibt nur wenig erotische Literatur, die guten Geschmack beweist und gleichzeitig die Lust zu wecken versteht. Lucy Palmer gehört definitiv dazu!

SaraSalamander 01.08.2011, 08.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

LESSONS IN LACK

Viel zu schnell hatte ich dieses Buch beendet. Oder vielleicht war es trotz seiner 366 Seiten viel zu kurz. Ich hätte ewig weiterlesen können! LESSONS IN LACK verkörpert das, was andere Titel bisher versprochen aber nicht geboten hatten.

>Die Autorin< schildert ihre Erfahrungen als "Jungdomina Lady Elvira" im Studio Medea, Baden Würtemberg. Sie hat gerade ihr Studium begonnen und möchte gerne etwas dazuverdienen. Ihrer Neigung entsprechend entschließt sie sich für die Arbeit in einem SM-Studio. Dort entwickelt sie sich von einer Studentin hin zur selbstbewussten jungen Frau, die ihren Weg kennt.

Sie erzählt über die verschiedenen Aspekte ihrer Arbeit, der Vereinbarkeit von Studium und Studio. Der Leser erhält Einblicke in den Alltag einer Domina, lernt die unterschiedlichen Charaktere und Vorstellungen der Mitarbeiter kennen. So verschieden die Wünsche der Kunden sind, so unterscheiden sich auch die Vorgehensweisen der einzelnen Kolleginnen. Und vor allem geht es sehr, sehr menschlich zu, denn auch eine Herrin ist noch immer eine Frau. Dieses Buch kratzt gewaltig am Lack dessen, was der Alltagsmann sich unter einer stets dominanten, unberührbaren Herrin vorstellt, und doch poliert es das Image dieses Gewerbes liebevoll auf.

Ich weiß nun nicht so recht, wo ich anfangen soll, und vielleicht wirkt meine Rezension diesmal ein wenig chaotisch. Aber das ist in Ordnung, denn auch das Buch ist kein geradliniger Verlauf, sondern es schildert verschiedene Abschnitte, die nicht unbedingt immer zusammenhängen müssen sondern einfach nur punktuell ein Thema behandeln. Das gefällt mir, denn so kann man auch ohne Zusammenhang das Buch an jeder Stelle aufschlagen, daraus lesen, vorlesen, sich amüsieren, man wird es danach nicht mehr weglegen. Immer wieder einmal, wenn ich laut lachte oder aufjaulte, (sosehr litt ich mit den Beteiligten mit, nicht vor Schmerz sondern ob der obskuren Situationen), wollte mein Freund wissen, was los sei, ich las ein paar Seiten vor, und wir lachten gemeinsam.

Bei Nora Schwarz sitzt jedes Wort, jede Metapher. Originelle Beschreibungen machen die Situationen so plastisch, als wäre man live dabei. Oft verzog ich qualvoll das Gesicht oder guckte ebenso überrumpelt wie Jungdomina Elvira in diesem Moment. Ungläubigkeit, Staunen, Fassungslosigkeit, Wut, Hilflosigkeit, der Leser wird durch die gesamte Palette an Emotionen geführt und erleidet diese am eigenen Leib, während die Autorin von ihren Erfahrungen erzählt.

Da wäre etwa die erste Probesession mit einer älteren Herrin, die in tiefstem Schwäbisch ihre Anweisungen gibt und von Dominanz eine ganz andere Vorstellung hat als Elvira. Das erste Arbeiten alleine mit der unglücklichen Trans-Nummer von "Rudi" in seinen RosenkohlStiefeln. Das Outing vor den Eltern und ihrer Freundin. Ein ungewöhnliches Arbeiten mit einem Senioren berührte mich sehr, denn eine Domina ist oft auch Psychologin und Krankenschwester. Besonders witzig gelungen ist ein Rollenspiel, in das Lady Elvira ungefragt einfach ohne Ankündigung hineingeworfen wurde. Auch die Vorführung der Chefin, wie eine perfekte Domina sich benehmen müsse, war sehr eindrucksvoll, zeigte sie doch wieder sehr deutlich, wie weit die Wünsche und Vorstellungen manchmal auseinander liegen.

Was mich ein wenig störte ist, dass die Autorin sehr oft abschätzig von Gästen, Kollegen und Chefin redet. Andererseits mit einem solch umwerfenden Charme und so überspitzt, dass man doch den Respekt vor der Verletzlichkeit  und den Sehnsüchten ihrer Gäste erkennen kann. Zudem stellt sie sich auch selbst dem Feuer ihrer Kritik. Mitten in einer Session wölbt sich der Busen über das Korsett, springt Ihr ein Knopf von der Bluse, wird sie überrumpelt von dem dreisten Verhalten eines Gastes, muss sie sich das Lachen verkneifen oder begeht Fehler, die eben passieren, wenn Menschen am Werk sind. Das gefällt mir, zeigt es doch, dass eine Herrin nicht immer perfekt sein muss und auch eine Domina ihr Handwerk schrittweise lernt und selbst nach vielen Jahren danebenliegen kann. Der Leser kann sich einige Male angesprochen fühlen und wird sich hier und da in seiner Einstellung oder seinem Verhalten wiederentdecken.

Inwieweit nun alles realistisch ist, ob und wie Namen verändert wurden und welche der Szenen "dramaturgisch verändert" wurden, das weiß nur die Autorin allein (ich hatte jetzt auch nicht das Bedürfnis zu googeln, wozu?). Aber es ist mir egal, denn ob nun 100 % real oder nicht, ich habe mich hervorragend unterhalten,  das Buch wandert in mein Regal, und ich bin sicher, es ist sehr viel Wahres zwischen diesen Buchdeckeln zu finden.

Ein paar Beispiele ihres Schreibstils gefällig? ;-)

Ich war nicht ernsthaft entsetzt über das, was sie mir gerade erzählt hatte. Dennoch fühlten meine Ohren durch diese wertvollen Ratschläge irgendwie gewaltsam entjungfert an. (S. 74)

Die schenkellangen Stiefel waren nämlich so grün, als wollten sie mich an meinen Kindheitsekel vor Rosenkohl erinnern. Das geradzu quietschende Grün, das da seine Beine einhüllte, führte auch nur bei kurzem Hingucken einen derart heftigen Pigmentkrieg mit den pinken Wänden von Studio zwei, dass meine Netzhaut aufjaulte. (S. 75)

Ihre Stimme ätzte kleine Löcher in die schwarze Lacktapete der Wände. (S. 191)

Von ihr würde ich so wenig über weibliche Dominanz lernen wie von SpongeBob. (S. 198)

Die Schmetterlinge, die gerade noch meine Mageninnenwände mit ihrem Geflatter gestreichelt hatten, sanken nun ohnmächtig nach unten an den tiefsten Punkt meines Magens. (S. 336)

Ein erotisches Buch (prickelnd, spritzig, heiß etc) darf man nicht erwarten. Ebensowenig eine Lebensbeichte im Stil der Belle de Jour oder Fucking Berlin. Auch nicht das Erfolgsrezept einer bekannten Domina wie Princess Spider. Dafür aber einen unterhaltsamer Ausflug hinter die Kulissen eines SM-Studios. Ich empfehle das Buch allen, die das Thema Sexualität nicht ganz so ernst nehmen und auch über sich selbst lachen können :-)

SaraSalamander 08.06.2011, 09.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Tödliches Begehren

Nicht nur draußen wird es langsam heiß, auch hier im Blog könnt Ihr in letzter Zeit immer mehr Rezensionen über Erotik, BDSM oder Gay lesen. Klar lese ich gerne Fantasy, Thriller, Jugendromane, aber mir ist einfach mal nach Abwechslung, und ich habe vor einiger Zeit eben diese für mich neue Sparte entdeckt und lese mich begeistert von Buch zu Buch, von Autor zu Autor.

Diesmal möchte ich TÖDLICHES BEGEHREN mit Euch teilen. Ein Buch, das meine Freundin mir schon mehrfach ans Herz gelegt hatte, ihr Lieblingsbuch sowohl im Genre wie auch von Inka Loreen Minden. Nun habe ich es also endlich gelesen und muss sagen, dass ich ihre Begeisterung verstehen kann und sogar teile. Wirklich ein Leckerbissen, der sich wie von selbst liest!

Der Reporter Ethan Hunter ist auf der Jagd nach einer guten Story. Er beschattet schon seit einiger Zeit den Inhaber eines Casinos, Gabriel Norton. Wie es aussieht, scheint dieser zwar ständig ein Auge auf Männer zu werfen, umgibt sich jedoch mit Frauen und weiß entweder nicht um seine Neigung oder will sie nicht zugeben. Eines Tages kommt Gabriel auf Ethan zu und stellt ihn zur Rede, ihm ist klar, dass der junge Mann nicht zum Zocken ins Casino kommt. Gabriel erpresst ihn, demütigt ihn und verlangt, dass Ethan nun fortan sein Sklave sein müsse.

Ethan, bekennend schwul, fühlt sich zu dem starken Mann hingezogen, außerdem kann er nun näher an Gabriel heran, um seine Story zu schreiben. Also zieht er bei ihm ein, erledigt kleine Aufgaben für ihn, ist sein Angestellter und sein Lustsklave und spioniert ihn hinter seinem Rücken aus. Die beiden Männer kommen sich immer näher, doch die Situation ist gefährlich, Ethan vollführt einen Tanz auf dem Drahtseil und ahnt nicht, in welche Gefahr er sich begeben hat.

Ach, das war schön, tat das gut, war das spannend. Mit 160 Seiten perfekt, um nicht unnötig in die Länge zu ziehen, aber auch länger als die Kurzgeschichten, in denen es meistens dann aufhört, wenn es gerade so richtig heiß wird und man eigentlich noch mehr davon möchte. Auch das Cover gefällt. "Nackter Männertorso" scheint gerade in, und hier hat wirklich mal ein besonders ansehnliches Exemplar Modell gestanden. Deswegen das Cover heute auch etwas größer als sonst üblich ;-)

Die Charaktere sind so beschrieben, dass man sich gut hineinversetzen kann (Gabriel bleibt absichtlich sehr undurchsichtig, doch seine Gefühle werden sehr gut geschildert, auch wenn der Leser den Grund für seine Ambivalenz anfangs nicht nachvollziehen kann). Gabriel hat eine spannende Hintergrundgeschichte, Ethan bleibt etwas flacher in der Gestaltung. Den knappen 160 Seiten entsprechend ist die Entwicklung gerafft aber doch in sich stimmig.

Die Geschichte ist recht klassisch aufgebaut, dadurch liest sie sich sehr flüssig und ohne dass man sich groß konzentrieren muss, also ideal für die leichte Unterhaltung zwischendurch. Allerdings sollte man sich Zeit dafür nehmen, denn es ist schwer, das Buch wieder beiseite zu legen.

Was mir wieder gefiel, war der Schreibstil: nicht zu schnulzig, nicht zu vulgär, keine störenden Begriffe. Minden versteht es, die lustvollen Momente geschickt in Worte zu kleiden.

Ebenfalls sehr gelungen finde ich die Darstellung der beiden Charaktere. Ich bevorzuge gerne zwei gleich starke Männer, das typische "Seme und Uke" ist meist nicht so mein Ding. Aber hier wurde es sehr schön dargestellt, da es sich als eine Entwicklung aus der Situation heraus ergab. Es ist nun schwer, dies zu erklären ohne zuviel zu verraten. Jedenfalls sind die Dinge am Anfang nicht, wie sie scheinen, und der toughe Reporter zeigt bald seine weiche Seite, und der harte Geschäftsmann scheint nicht so abgebrüht, wie er vorgibt.

Anfangs fand ich es verwirrend und fast schon störend, dass Gabriel vermeintlich unklar beschrieben wurde, sein Verhalten wollte mir nicht wirklich einleuchten, normalerweise ist der starke Part klar definiert, und der ständige Wechsel aus Zärtlichkeit und verbitterter Härte erschien mir sehr seltsam. Was anfangs wie eine unsaubere Charakterisierung aussah, stellte sich jedoch bald als geschickter Schachzug heraus, der den Leser ebenso in die Irre führte wie auch Ethan.

Denn wie auch bereits in >TEMPTATIONS< hat Minden etwas geschafft, mit dem ich absolut nicht gerechnet hätte: ich zähle dieses Genre für mich persönlich unter "leicht verdauliche Kost, keine große Konzentration erforderlich, die Story recht geradlinig ohne Überraschungen". Und als die Handlung dann plötzlich drehte, war ich recht überrumpelt und ärgerte mich ein wenig, dass ich mich einfach so völlig naiv aufs Glatteis hatte führen lassen! Nette Idee von der Autorin, und ich fand es schön, wie sich am Ende dann alles entwirrt und geradebiegt.

Auch das Setting, in dem sich die beiden Protagonisten befinden, ist ein nettes Mindgame: Ethan ist einerseits Gabriels "Gefangener", andererseits hat er alle Freiheiten, er darf nach draußen und Botengänge erledigen, wird gut bezahlt, darf mit seiner Schwester telefonieren, er darf neben Gabriel im Bett liegen, sie verbringen eine wundervolle Zeit. Andererseits ist die ständige Bedrohung, dass Gabriel kriminell ist und zu sehr viel mehr in der Lage zu sein scheint, wenn man ihn reizt. Auch hat Gabriel gedroht, Ethans Schwester etwas anzutun, falls der Reporter falsches Spiel mit ihm spielen sollte. Wenn Gabriel gefährlich wäre, würde er Ethan niemals so viel Freiraum lassen! Aber warum bedroht er ihn, warum ist er manchmal so brutal zu ihm und im nächsten Moment wieder so sanft?

TÖDLICHES BEGEHREN ist ein Soft-SM-Thriller, den Freunde der homoerotischen Literatur sich auf keinen Fall entgehen lassen sollten. Nicht nur prickelnde Erotik, sondern auch eine gut erzählte Story, die zu überzeugen weiß. So muss gute Unterhaltung sein!

minden_begehren_1.jpg

SaraSalamander 01.06.2011, 09.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL



 






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