SaschaSalamander

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag:

Das Geheimnis von Ashton Place 01

wood_ahston01.jpgPenelope Lumley ist 15, als sie ihre Ausbildung zur Gouvernante in einer Einrichtung für begabte Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen abschließt. Und sie hat Glück, denn sie findet sofort eine Anstellung bei Lord Ashton, soll seine drei Kinder betreuen. Doch schnell stellt sich heraus, dass es drei Kinder sind, die er auf seinem Grundstück bei der Jagd gefunden hatte, scheinbar großgezogen von Wölfen. Sie jaulen, bellen, jagen Eichhörnchen und verhalten sich auch sonst wie junge Hunde. Doch Penelope, kurz Penny, freundet sich sofort mit den Kleinen an und lässt ihnen die bestmögliche Erziehung angedeihen. Beim nächsten Weihnachtsball sollen sie der Dame des Hauses beweisen, wie gut sie sich entwickelt haben. Aber es scheint, jemand will dieses Vorhaben sabotieren ...

Ein wundervolles Buch! Das Cover mit seinen warmen Farben und den quirligen Kindern sprach mich sofort an, und es trifft den Grundton des Buches auch sehr gut: wuselige Kinder, eine freundlich lächelnde Gouvernante als ruhender Pol zwischen ihnen, die Farben bzw die Atmosphäre weich und warm. Ein Buch, das sofort mein Herz berührte, weil ich die Hauptcharaktere vom ersten Moment an mochte und mich sehr gut in die Geschichte hineinversetzen konnte.

Natürlich gibt es auch Unsympathen, doch manche sind nicht böse, und bei anderen ist es unklar, was sie im Schilde führen. Das ist das, was ich schade finde: es ist der Beginn einer Reihe, und das Buch ist nicht abgeschlossen, es häufen sich mehr Fragen auf als beantwortet zu werden. Doch während ich dies bei anderen Büchern ärgerlich finde, konnte ich mich hier wider Willen Pennys Charme nicht entziehen und werde mir wohl flink Band 2 und 3 auf Englisch kaufen (auf Deutsch sind sie noch nicht erhältlich), hoffend auf weitere Geheimnisse und Begegnungen mit den Kindern.

Manches Mal hat es mir regelrecht einen Stich versetzt, wenn die adligen Herrschaften so böse über Penny (niederes Dienstpersonal) oder die Kinder (bezeichnet als "die Unerziehbaren") sprachen, bevorzugt in der dritten Person, während sie neben ihnen standen. Das grausame Verhalten der Reichen wird sehr überzeichnet, sodass auch dem kindlichen Leser schnell klar ist, dass die "Wilden" und "Unzivilisierten" in Wirklichkeit nicht die Kinder sind. Denn die Kinder sind wissbegierig, bemühen sich Penny zu gefallen, sie sind aufmerksam und höflich, wenn auch manchmal etwas ... eigen. Aber dagegen gibt es Tricks, z.b. das "Eichhörnchen - Desensibilisierungs - Programm". Und Penny aus ihren ärmlichen Verhältnissen ist ein Goldstück, sie bleibt ruhig, hat immer einen weisen Spruch ihrer Lehrerin auf den Lippen. Passend für die damalige Zeit: sie ist 15, hat ihre Ausbildung abgeschlossen, ist bereits recht erwachsen und mitten im Leben. Trotzdem ist sie in vielen Dingen noch ein kleines Mädchen, liebt ihre Ponybücher und denkt manchmal noch etwas kindlich und naiv.

Die Reihe wird gelegentlich mit Lemony Snicket verglichen. Zugegeben, als ich das Hörbuch hörte, wunderte ich mich über diese Aussage, ich fand wenig Parallelen (abgesehen von dem jüngsten Kind, das mich mit seiner pfiffigen Art und ihrer Sprechweise ein wenig an die kleine Sunny erinnerte). Als ich allerdings über den "Blick ins Buch" bei Amazon ein paar Seiten des Buches las, musste ich schmunzeln. Ja, mit 3 CDs hat man das Buch wirklich sehr gekürzt, schon auf den ersten Seiten entdeckte ich viele kleinen Einschübe, die man weggelassen hat. Sie tragen nicht zur Handlung bei, sind von daher nicht relevant. Doch wie bei Lemony Snicket sorgen sie für einen gewissen spitzen Humor, die Erzählerin schweift ab, verleiht ihrer Geschichte kleine Akzente. Weniger bissig allerdings, ASHTON PLACE ist in seinem Grundton wärmer und weicher, weiblicher, wo Snicket dagegen bewusst das Düstere und Tragische seiner Erzählung betont. Man kann es nur bedingt vergleichen, finde ich.

Doch der Humor ist, wenn auch etwas stiller, ein ähnlicher. Er ergibt sich vor allem aus der Gegenüberstellung der beiden Parteien und den daraus resultierenden Konflikten. Das Aufeinandertreffen dieser zwei Welten sorgt häufig für ein Schmunzeln, manchmal auch für Traurigkeit, etwa wenn die Kinder plötzlich im Arbeitszimmer des Lords die Trophäensammlung an der Wand betrachten und darunter einen Wolf entdecken. Besonders witzig ist es, auf welche Weise die Kinder ihre Kreativität zum Ausdruck bringen und wie dies von ihrer Umwelt wahrgenommen wird.

Allerdings gibt es wenig Action, der Erzählstil ist ein eher gleichmäßig fließender. Ich würde das Buch eher jungen Bücherwürmern empfehlen, die etwas geübter sind und gerne lesen. Für Lesemuffel oder Gelegenheitsleser dürfte gerade zu Beginn etwas der Anreiz fehlen, die konkrete Handlung und die daraus resultierenden Konflikte finden sich erst im letzten Drittel.

Sprecherin des ersten Bandes ist Katja Danowski. Sie ist deutsche Theaterschauspielerin und hat bereits in einigen Filmen mitgewirkt. Ihre Stimme und Sprachmelodie passt sehr gut zu Penny und klingt angenehm weich im Ohr.

Alles in allem hat mir DAS GEHEIMNIS VON ASHTON PLACE sehr gut gefallen. Die Charaktere, die Atmosphäre, die Herzlichkeit, aber auch der leise Humor gefielen mir sehr. Die Folgebände hole ich mir auf jeden Fall, aufgrund der Kürzungen aber unbedingt in Printform. Ein Kinderbuch, das ich begeisterten Leseratten gerne empfehle.

Wertung: 8,5 von 10 Tableaus

SaschaSalamander 28.08.2012, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL

Mitternachtsraben

>Hier< habe ich von meinem ersten Hörerlebnis geschrieben. Die CD hatte mir eine Freundin in die Hand gedrückt "da, könnte Dir gefallen", ich habe sie auf dem Weg zur Arbeit gehört und abends nochmal mit meinem Mann gemeinsam auf dem Sofa, und tags darauf stand ich sofort im Laden und bestellte sie mir, seitdem kann ich gar nicht mehr zählen, wie oft ich sie bereits gehört habe. Sie begleitet mich im Alltag in den unterschiedlichsten Situationen, und leider kann ich die Texte noch immer nicht auswendig, aber bald dürfte es so weit sein. Mal höre ich nur einen bestimmten Track, ein andermal das gesamte Album.

Anlässe, bei denen ich die CD höre, gibt es viele. Z.B. wenn ich mit Kerzen in der Badewanne liege und komplett entspannen möchte. Oder wenn ich von der Arbeit komme, aufgeputscht und noch voller Hektik, etwas Ruhiges brauche zum Abkühlen. Wenn es mir gerade schlecht geht und ich etwas brauche, das mich wieder hochzieht. Wenn ich den Umweltlärm vor dem Fenster überdecken möchte, um nachmittags ein Schläfchen zu halten, sind die sanfte Stimme und die geheimnisvolle, ruhige Begleitmusik ideal. Wenn ich einfach mal ein paar Minuten Kultur brauche, die mich vom Alltag ablenkt und dabei dennoch anspruchsvoll ist. Wenn ich es mir mit einem Gläschen auf dem Sofa gemütlich mache und die CD gerade dazu passen würde. Oder weil ich beim Scrollen durch meine Playlist auf dem Ipod über das Album gestolpert bin. Oder weil ich dachte "jetzt hätte ich mal wieder Lust auf Numensang und Schattenbastard". Es gibt unzählige Gründe, und eigentlich brauche ich gar keinen Grund. Ich liebe diese CD und habe sie weit öfter gehört als alles andere, was ich auf dem Player an Texten habe.

Fast ein halbes Jahr ist das nun her, mindestens einmal die Woche habe ich mindestens eines der Gedichte gehört, und jedes Mal habe ich mir vorgenommen "JETZT schreibe ich ENDLICH eine Rezension". Trotzdem habe ich bis jetzt gewartet. Der Grund ist, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Und dass ich auch nicht so recht weiß, wie ich meine Gefühle und Gedanken in Worte fassen soll. Eine beobachtende Beschreibung, wie ich sie normalerweise verfasse, ist mir hier nicht möglich, zu tief berühren mich die Gedichte und die Musik. Und eine allzu persönliche Beschreibung, was sage ich damit über mich aus, will ich das, und wer will das überhaupt lesen?

Bevor ich mich weitere zahllose Monate mit einem schlechten Gewissen plage, weil diese CD auf jeden Fall eine Rezension verdient hat und ich mich weiterhin davor drücke, möchte ich sie also wenigstens vorstellen, meine Gedanken mit Euch teilen. Eine sachliche Rezension ist es nicht. Aber muss es ja auch nicht sein, oder? Also, hier ein paar meiner Gedanken, unsortiert, kunterbunt und äußerst unobjektiv, aber sosehr von Herzen, wie es ein Beitrag hier nur sein kann

Frank Zappa sagte einmal "Über Musik zu schreiben ist wie über Architektur zu tanzen". Gut, nun sind es Worte, über die es hier zu schreiben gilt, aber diese Worte empfinde ich als sehr viel mehr. Für mich sind diese Worte Melodie, ein Lebensgefühl, sie vermitteln Emotionen, sie gehen über reine Unterhaltung hinaus. Dazu die Musik, die so perfekt passt, so viel transportiert, auch sie zu beschreiben wäre ... naja, wie eben über Architektur zu tanzen. Es geht nicht, ich schaffe es nicht.

Die Gedichte in ihrer düster-romantischen Art erinnern in ihrer Schwermut, ihrer Aussage, ihren Themen und vor allem ihrem Stil an Poe. Eine Aussage, die ich keinesfalls leichtfertig treffe, da Poe für mich einer der absolten Größen und mein Favorit ist. Schon oft las und hörte ich Gedichte oder Geschichten, denen man dies nachsagte, und immer wurde ich enttäuscht. Nur, weil etwas düster ist oder melancholisch, gothic oder was auch immer, ist es noch lange nicht "wie Poe". (Aber auch hier: das zu analysieren wäre hier zu aufwändig)

Der Hörer (und Leser, denn die kompletten Gedichte sind auf einem Büchlein im Booklet enthalten) begegnet fantastischen Wesen, etwa dem personifizierten Tod, einer Nymphe, einem steinernen Engel, einem Schattenwesen, einer Fee, mehreren Raben, dem ewigen Juden Ahasver. Manche dieser Wesen sind real, andere Metaphern, und wieder andere Trugwesen, wer vermag zu sagen, was echt und was Traum?

Themen sind Eros und Thanatos, die Sehnsucht nach Liebe und Tod. Und dazwischen die Gier nach Leben, nach Fülle, nach Erfüllung, Leidenschaft und Lust. Das Geheimnis der Metarmorphose, häufig verbunden mit dem Übergang vom Leben in den Tod oder eine andere Wesensform, Tod als Wandlung und Transformation. Man könnte es als kitschig-romantisch bezeichnen, doch in meinen Augen hebt sich der Autor mit dieser CD deutlich von ebendiesem Klischee ab. Die Gedichte sind so verfasst, dass sie sich von typischen Todessehnsuchtsgedichten a la "ich-bin-Goth/Emo-und-deswegen-ach-so-literarisch" abheben (unnötig zu erwähnen, ich möchte jedoch nicht, dass bei dem, was ich hier schreibe dieser Eindruck entsteht. Denn diese Art Gedichte mag ich nicht). Im Grunde hätte jedes dieser Gedichte eine eigene Analyse verdient, den Aufbau und die Sprache hier explizit auszuführen würde eine einfache Rezension um Weiten sprengen, ein objektiver Rezensent könnte das in einer kurzen Zusammenfassung und jeder Menge hochliterarischem Geschwurbel vielleicht schaffen, aber mir ist es nicht möglich.

Außerdem: Ich will die Gedichte gar nicht analysieren, möchte sie nur wirken lassen, ihren Zauber spüren, möchte ausgelassen mit "Nymph und Sylph und Salamander" im trunkenen Bachhanal tanzen. Allein der Wohlklang dieser drei Worte, der Sylph eine lautmalerische Brücke zwischen Nymph und Salamander, mit m und ph des ersten und den Buchstaben S und l an erster bzw dritter Stelle). Ich habe es mir bereits ungezählte Male auf der Zunge zergehen lassen, die Worte geschmeckt, mich daran gelabt. Wie soll ich eine komplette CD rezensieren, wenn ich doch schon bei jedem einzelnen Satz ins Schwärmen gerate?

So viele einzelne Sätze, die ich herauspicken könnte. Nur einen: "Schatten sind seltsame Delikatessen, und seltsam ist auch die Moral der Geschicht: will einer dich zwingen, Schatten zu fressen, so schlage ihn tot und trete ins Licht". Aus dem Zusammenhang gerissen klingt dies seltsam, im Kontext der gesamten Geschichte ist es einleuchtend, und die Verbindung zwischen Leben, Tod und Wandlung, der Übergang vom Schatten ins Licht, ist hier in diesem abschließenden Satz gelungen zusammengefasst. Und dieser Satz ist ein gutes Beispiel für die ungewöhnliche Erzählweise des Autor. Doch bevor ich ausschweife: lest diesen Satz laut, lauscht seinem Klang, spürt ihn auf der Zunge, spürt ihn in Euch, versucht nicht ihn zu ergreifen, sondern laucht nur nach innen ...

Christian von Aster liest seine Texte selbst ein. Er nimmt sich sehr zurück, überlässt die Wirkung komplett dem Text. Still und ruhig umschmeichelt er mit sanfter Stimme das Ohr des Hörers, es ist entspannend und beruhigend ihm zu lauschen. Dazu die Musik, die den klangvollen Worten das rechte Gewicht verleiht, ohne sie mit Schwere zu belasten, immer etwas leiser als die Sprache aber stets präsent, eine perfekte Einheit aus Wort und Melodie. Beides zusammen, die Stimme und die Musik, empfinde ich als perfekt zum Träumen: es entschleunigt, beruhigt, regt zum Träumen an und sorgt mit einer gewissen Wehmut dennoch für die erforderliche Erdung, um nicht vollständig abzudriften. Was mir sehr gut gefällt und wofür ich diese CD besonders liebe: gerne würde ich Musik oder Text hören zum Einschlafen oder Entspannen, doch auf allen CDs ändert sich Tempo, Lautstärke, die mich dann aus meiner Stille herausreißen. Hier dagegen ist alles so abgemischt, dass man durchgehend hören kann, dass man auch gerne einmal abdriften, einnicken, vollständig abschalten kann. Und trotzdem ist es niemals monoton, dennoch folgt alles einer gleichmäßigen, wohltönenden Melodie, auch die Stimme wirkt wie ein Teil der Musik.

So, das war es, was mir auf dem Herzen lag. Im Groben. Denn eigentlich wäre es noch zehnmal soviel. Und jedes Mal, wenn ich einen Track oder die CD höre, finde ich weitere Gründe, warum ich so begeistert bin, erschließen sich mir weitere Interpretationen, höre ich wieder eine Besonderheit, die mir bisher entgangen war. Aber ich denke, das hier sollte vorerst genügen ;-)

Wertung: Außer Konkurrenz!


SaschaSalamander 27.08.2012, 08.17 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Fessle mich - Ratgeber für Fans von Shades of Grey

hoffmann_fesslemich_1.jpg>SHADES OF GREY< ist ein Phänomen, dem man sich als Leser kaum entziehen kann. Zumindest nicht, wenn man sich mit Freunden über Bücher austauscht, Zeitschriften liest und in Buchhandlungen stöbert. Meine Meinung zu diesem Buch will ich in dieser Rezension gar nicht näher ausführen, habe >hier< ja schon einiges angedeutet. Ich denke, bei den schriftstellerischen Fähigkeiten der Autorin darf man vermutlich mit einem One-Hit-Wonder rechnen, ich kann mich also getrost dem nächsten Buch widmen. Zum Beispiel FESSLE MICH von Arne Hoffmann. Von Arne habe ich kürzlich erst >HÖRIG UND AUSGELIEFERT< gelesen, vor etwa drei Jahren las ich den Ratgeber LUSTVOLLE UNTERWERFUNG, das sich dem Thema ebenfalls sehr aufgeschlossen und anfängergerecht widmet sowie einige weitere kürzeren Beiträge.

Im Vorwort bezieht sich Hoffmann auf die Aussagen verschiedener Autoren, Psychologen und geht kurz auf die Geschichte der Wahrnehmung des Sadomasochismus in Deutschland ein. Danach folgen 18 Kapitel, beginnend bei der Ergründung eigener Vorlieben und Phantasien hin zu verschiedenen Spieltechniken, Spielzeugen und wichtigen Vorbereitungen. Dann zum Ende hin verschiedene Dinge, die ihm noch wichtig sind zu erwähnen und die vor allem in SHADES OF GREY sträflich missachtet werden.

Wer SHADES OF GREY mag, der darf sich freuen, dass dieses Buch nicht abgewertet oder zerrissen wird. Hoffmann legt den Finger genau auf die wunden Punkte, geht dann aber konstruktiv und mit weiterführenden Tipps darauf ein. Wer die SHADES nicht mag, der darf gerne Gefallen daran finden, wie hier viele Szenen zerlegt werden und der Autor darauf hinweist, wie gefährlich die Umsetzung solcher Praktiken und Verhaltensweisen in der Realität wäre. Wer sich gar nicht für die SHADES interessiert, hm, der hat immerhin einen Ratgeber, zu dessen Verständnis das Buch von E.L. James nicht erforderlich ist, die kleinen Passagen können lediglich als Fallbeispiele gewertet werden.

Ein paar Beispiele, was Hoffmann an dem Buch bemängelt: Anastasia darf mit niemandem über ihre Beziehung reden, doch gerade auf diesem Spielfeld ist es unglaublich wichtig, dass Anfänger sich über ihre Erfahrungen austauschen. Außerdem überfällt Grey sie mit einem riesigen Katalog an Forderungen, bei denen sie nur begrenzt Mitspracherecht hat und bei Widerspruch mit der Definition des Begriffes "submissiv" mundtot gemacht werden soll. Auch lässt sich die junge Frau auf ein Treffen ein, bei dem ihre Freunde zwar um ihren Aufenthalt und ihre Sorgen wissen, doch Absprachen für den Notfall wurden nicht getroffen. Grey ist ein Stalker, handelt häufig widerrechtlich und geht nicht auf den Widerstand seiner Freundin ein. Dies nur ein paar Beispiele, der Autor geht wesentlich intensiver ins Detail und beschreibt auch Dinge, die dem Leser im ersten Moment wohl gar nicht auffallen aber doch von großer Bedeutung für eine funktionierende Beziehung oder gar eine SM-Beziehung sind.

Arne Hoffmann beherrscht die Kunst, seinen Schreibstil der Botschaft des Buches anzupassen. So habe ich von ihm schon komplexe Texte gelesen, die man nur mit voller Aufmerksamkeit lesen kann, auch humorvolle Passagen, ebenso wie locker-flockige Unterhaltung oder eben wie hier Ratgeber, bei denen der Leser nicht vom Schreibstil abgelenkt werden soll, sondern sich einzig um den Inhalt kümmert. Für FESSLE MICH schreibt er betont leger, das Buch ist fast schon wie nebenbei zu lesen, es ist sehr leichtgängig und durch den eingestreuten Humor auch sehr unterhaltsam. Infotainment, wie man es auf Neudeutsch nennt, und das ist ihm durchweg gelungen. An einigen wenigen Stellen war er mir etwas zu flapsig, aber das kann man getrost ignorieren, da es sich (abgesehen vom Vorwort und dem ersten Kapitel) nicht häuft sondern gut verteilt ist. Dadurch nimmt er dem Thema jedoch auch eine gewisse Schärfe und macht dem neugierigen Leser klar, dass SM keine bierernste Angelegenheit ist sondern vor allem eines soll: Spaß machen und Lust bereiten. So wie dieses Buch.

Außerdem zeigt er klar, dass die Grenzen fließend sind. Was ist noch "normal", und wo beginnt "SM"? Und ist nicht vieles, was man als aufgeschlossener Mensch schon viele Jahre zu Hause gemacht hat, nicht sogar ein Teil davon, ohne dass man es ahnte?

Gelegentlich wünscht man sich wohl, dass er genauer auf verschiedene Themen einginge, hat das Gefühl "hier fehlt etwas" oder "da hätte er sich kürzer fassen können". Nun, ich denke, das liegt ganz klar daran, dass jeder eben eigene Interessen hat, und was für den einen zuviel Input ist, ist für den anderen noch viel zu wenig. Im Grunde könnte man über jedes der angeschnittenen Themen ein ganzes Buch füllen, bzw gibt es zu den einzelnen Themen ja bereits umfassende Ratgeber. Doch um zu wissen, welche Fachbücher man lesen muss, sollte man erst einmal die eigenen Vorlieben und Neigungen erkunden, und dabei hilft FESSLE MICH. In einer ausführlichen Literaturliste auf Deutsch und Englisch findet der Leser sehr viele weiteren Nachschlagewerke, wo er sich dann gerne detaillierter über die bevorzugten Phantasien und deren Umsetzung informieren kann. Auch Romane rund um dieses lustvolle Thema werden vorgeschlagen, sowohl Klassiker wie auch moderne Unterhaltung, softe Titel und härtere Kost.

Alles in allem ein Buch, das man Anfängern wirklich empfehlen kann, weil es einen guten Überblick über die vielen Facetten des BDSM bietet (es sind weit mehr als nur 50) und dabei so richtig Lust macht, es selbst einmal auszuprobieren. Also, keine falsche Scham, einfach lesen und dann ... wer weiß ;-)

Wertung: 9 von 10 männliche Sklaven

(von denen gibt es in der modernen Literatur nämlich zu wenig, deswegen packe ich mir einen in die Wertung)

SaschaSalamander 24.08.2012, 09.02 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Mein Gott, Wanda

herwig_wanda_1.jpgINHALT

Wanda hat ihren Teeladen verkauft und will nun von ihrem Ersparten den wohlverdienten Ruhestand genießen. Doch so ganz will das nicht gelingen. Immer wieder besucht sie ihren alten Laden, schließlich könnte der neue Inhaber ja ihre Hilfe brauchen. Ihr wird bald langweilig, und statt die Freizeit zu genießen fühlt sie sich leer und orientierungslos. Als ein Bekannter sie zu einer Australienreise einlädt, ist sie begeistert. Doch kurz vor der Abreise hat ihr Sohn einen Unfall und liegt mit Trümmerbruch im Krankenhaus. Mit Trümmerbruch kann man natürlich kein Fitness-Studio leiten, also soll Wanda einspringen. Schweren Herzens bringt sie das große Opfer, sagt die Reise ab und geht ins Studio. Dort sieht es schlimmer aus als erwartet: die Kunden zahlen nicht, die Geräte sind völlig veraltet, die Räumlichkeiten hässlich und ungepflegt. Kein Wunder, dass ihr Sohn kurz vor der Pleite steht. So wirklich Lust hat Wanda ja nicht, aber ziemlich schnell wird das Projekt zum Selbstläufer, bis sie und ihre Freundinnen dann voller Elan alles geben, aus der abgeranzten Muckibude ein attraktives Studio für Jung und Alt zu machen. Und dann ist da noch der Wettbewerb um das attraktivste Fitness-Studio, bei dem der Gewinner 20 000 Euro erhalten soll. Wie sollen Wanda und ihre Freunde das in dieser kurzen Zeit schaffen?


CHARAKTERE

Die Charaktere sind, wie auch alles andere im Buch, sehr klar und geradlinig definiert. Es ist einfach und nachvollziehbar geschrieben, wie Wanda anfangs widerwillig arbeitet, sich vom "klebrigen Band der Mutterliebe" gefangen fühlt und dann immer begeisterter in ihrer Aufgabe aufgeht. Auch ihre Freundinnen haben klare Rollen, die eine Lebefrau auf Männerjagd, die andere ein Putzteufel mit Backwahn und Ehemann. Hier und da erlebt man, wie einzelne Nebenfiguren ihre anfängliche Maske fallenlassen und aus einem freundlichen Menschen ein arroganter Kerl wird oder ein Macho, Rambo und Kinderschreck seine freundliche Seite zeigt. Es steckt eben mehr in den Menschen, als man auf den ersten Moment ahnt. Wirklich überraschend sind diese Wandel nicht, der Schreibstil und der Inhalt des Buches machen klar, dass hier alles ein Happy End finden wird und Konflikte sich wie von selbst in Luft auflösen. Die Charaktere könnten meine Nachbarn und Verwandten sein. Mir sind sie alle schnell ans Herz gewachsen. Auch die vielen Randfiguren konnte ich mir sehr gut einprägen, weil sie in wenigen Worten klar beschrieben wurden in ihren Eigenheiten.


SPRACHE

Die Sprache in diesem Roman ist sehr schlicht gehalten, lässt sich perfekt lesen, während man gerade entspannt am Strand liegt, seinen Urlaub auf dem Sofa genießt oder - in solchen Momenten liebe ich diese Art Bücher besonders - am Wellnesstag zwischen Sauna, Sprudelbad und Gesichtsmaske ein bisschen Unterhaltung möchte. Manchmal, wenn der Alltag besonders stressig ist, braucht man einfach eine kleine Verschnaufpause und ein Buch, in dem alles glattläuft.


AUFBAU

Der Aufbau ist wie alles an diesem Buch geradlinig und schlicht, wartet mit keinen großen Überraschungen auf. Zuviel Action und Aufregung würde nur stören. Eine Art "Showdown" gibt es natürlich, als die Juroren des Wettbewerbes unangekündigt vor der Tür stehen und genau zuvor das größtmögliche Chaos eintrat. Natürlich steht auch immer die bange Frage im Raum, was der Sohn dazu sagen wird, wenn aus der Muckibude für harte Jungs plötzlich ein freundlicher Treffpunkt mit Tee, Kuchen und ein bisschen Fitness wurde? Hier und da gibt es kleine Konflikte, z.B. wenn ein Kunde penetrant unhöflich ist, wenn der Dackel des Nachbarn immer wieder im Garten sein Geschäft verrichtet. Aber alle Probleme lassen sich lösen, irgendeiner der jungen Kunden besitzt ein besonderes Talent, oder einer der Senioren hatte da früher den passenden Beruf. Vorhersehbar, und das im positiven Sinne: ich hatte sehr oft ein ganz breites Grinsen oder Strahlen im Gesicht, wenn sich wieder einmal alles zur Zufriedenheit aufklärte.


HUMOR

Ein stiller Humor, kein brüllendes Lachen, keine Schadenfreude, aber jede Menge Herz, Menschlichkeit und Charme. Es gelingt der Autorin geschickt, die Situationen so einzufangen, dass die absurden Momente herausgepickt werden und ein normaler Alltag plötzlich voller Witz steckt. Kleine Dialoge, treffende aber ungewöhnliche Metaphern, Menschen. Voller Herz und Wärme.

Sehr viel Humor findet sich im Fitness-Wahn, der aufs Korn genommen wird. Wie sollen Wanda und ihre Freundinnen im Laden bitte den Unterschied erkennen zwischen einer Sweathose, Funktionshose, Hose mit Climalite-Technologie, City-Sweatpants und einer stinknormalen Trainingshose? Und was könnte Wanda den Leuten in ihrem Studio bieten, wo das konkurrierende Planet Fitness mit Power, Action, Group-Groove, Water Warrios, Fusion-Yoga, Pilato-Burn, Power-Sculpt, Cardio-Lift und Triple Powerdingens aufwartet?


ROMANTIK

Romantik im klassischen Sinne kommt hier nicht vor. Aber es fließen natürlich Beziehungen, Liebschaften, Verliebtsein, Trennungen mit ein. Wanda, ihre Freundin, ihre Tochter, alle drei werden mehrfach vor die Frage gestellt, was sie wollen und was in ihrem Leben wichtig ist. Und was als so erstrebens- und liebenswert erschien, muss nicht immer das sein, was das Herz tatsächlich verlangt. Natürlich sind am Ende alle glücklich, doch bis dahin gibt es einiges zu erleben. Kein Herzschmerz, kein Schnulz, keine Schmetterlinge, aber ein Lächeln auf dem Gesicht.


GENERATIONSÜBERGREIFEND

Es ist köstlich zu lesen, wie Wanda und ihre Freundinnen den Club aufmöbeln und sich Jung und Alt dabei immer näher kommen. "Sixty is the new sexy", und getreu diesem Motto legen sich die Herrschaften so richtig ins Zeug. Die jungen Clubbesucher sind erstaunt, was Hajo, Marianne, Biggi und die anderen so alles zu bieten haben an Fachwissen und Ideen. Und niemand kann so überzeugend Leute "überreden" wie der junge, tätowierte Biker Axel und seine Kumpel. Nachdem die "Jungspunde" langsam auftauen und aus sich herausgehen, packen auch sie ordentlich zu, sie können malern und schleppen und Trainingskurse geben, dass es eine wahre Freude für den Leser ist. Es macht Spaß, wenn die Rentner zu ACDC und Bon Jovi ihre Streching-Übungen machen und dafür der junge "Rambo" dafür Rechtsbeistand vom "alten Hasen" bekommt. Matti kann super streichen, und dafür kann Marianne Hosen flicken.

Natürlich müssen sie alle erst einmal ihre ersten Berührungsängste überwinden, und es kommt immer wieder zu kleinen Problemen. Wie hätte Wanda auch ahnen sollen, dass sie nicht gleichzeitig den Punchbag und den Sandsack vermieten kann und nun zwei Männer darum streiten, wer das Ding benutzen darf? Facebook, Twitter und Co sind schrecklich, aber zum Glück gibt es den hilfreichen Nachbarn, und vielleicht könnte man ja doch ... Und es ist wirklich eine Schande, dass Wandas alter Kräuterteeladen plötzlich zu einer orientalischen neumodischen Teestube werden soll, in der sogar solche seltsamen Sachen wie "Matscha" verkauft werden. Obwohl - vielleicht, mal ein Tässchen probieren, ...

So sollte es sein, so gehört es sich. Schade, dass es in der Realität oft schwerer ist und es nicht so gut endet. Aber man darf doch davon träumen, dass es so sein könnte. Schließlich wäre es alles ganz einfach, Wanda zeigt es uns.


FAZIT

Das Buch liest sich schnell und unterhaltsam, zaubert ein Lächeln ins Gesicht und tut einfach gut, wenn man den Alltag einfach einmal hinter sich lassen möchte. Wanda und ihre Freunde schließt man sofort ins Herz. Ich wünschte mir, dieses ungewöhnliche Sportstudio wäre bei mir um die Ecke, damit könnte man wohl sogar mich Sportmuffel überzeugen ;-)

4,75 von 5 riesige Gartenzwerge

***************

Anmerkung: was das Cover mit dem Buch zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. Dafür kann jedoch die Autorin nichts, Cover werden i.d.R. vom Verlag festgelegt. Und manchmal frage ich mich, was in den Köpfen von Covergestaltern vorgeht ...

SaschaSalamander 23.08.2012, 09.35 | (0/0) Kommentare | PL

Vollendet

shusterman_vollendet_1.jpegACHTUNG:

Diese Rezension ist Teil einer >Doppelrezension<. VOLLENDET hat sehr viele positive Bewertungen, und ich bin einer der wenigen harschen Kritiker. Aber dieses Buch verdient es, dass man darüber redet, es bietet sehr viel Stoff für Diskussionen. Deswegen also zwei Rezensionen, zwei Meinungen. Ich danke Anette vom Blog >KATZE MIT BUCH< für ihre Rezension.



>Hier< geht es zur Doppelrezension :-)
>Hier< geht es zu Anettes Rezension :-)


AUTOR, BUCH


>Neal Shusterman< ist Autor von Jugendromanen, schreibt auch Drehbücher für Filme und Serien. VOLLENDET erschien als erster Teil einer mehrteiligen Reihe bereits 2007 in Amerika unter dem Titel UNWIND. Im deutschen Buch findet sich keinerlei Hinweis auf die Folgeromane. Ausnahmsweise bin ich darüber allerdings nicht verärgert, denn das Buch kann sehr gut für sich stehen und benötigt keine Fortsetzung.


INHALT

Connor, Risa und Lev sind drei grundverschiedene Jugendliche. Connor hat ständig Ärger am Hals. Risa lebt in einem Waisenhaus und ist talentierte Klaviersolistin. Lev lebt wohlbehütet in einer strenggläubigen Familie. Doch allen drei ist etwas gemeinsam: sie sollen umgewandelt werden. Das heißt: gemäß der Charta des Lebens, die nach dem Heartland-Krieg erlassen wurde, können ihre Eltern bzw Heimleiter bestimmen, dass sie als Organspender komplett verwertet werden. Denn schließlich sterben sie ja nicht - sie leben lediglich in vielen anderen Körpern weiter, so sagt man. Während Lev sein Leben lang als Zehntopfer auf diese Aufgabe vorbereitet wurde und nun mit Stolz seinen letzten Weg antritt, sind Connor und Risa natürlich gar nicht begeistert über die Art ihres geplanten Ablebens. Bei Connors Flucht kreuzen sich die Wege, die drei treffen aufeinander, ein wildes Szenario mit jeder Menge Action nimmt seinen Lauf.


CHARAKTERE

Die Charaktere werden nicht großartig vorgestellt, der Leser wird sofort in die Handlung geschmissen. Man kann es gutheißen, dass der Autor sich nicht mit Nebensächlichkeiten aufhält und gleich zum Wesentlichen kommt. Für mich selbst allerdings fehlt hier etwas, denn ich hätte schon gerne gewusst, welchen Ärger Connor seinen Eltern immer wieder machte, auf mich wirkt er im Buch nicht wesentlich schwieriger oder aufmüpfiger als jeder andere typische Jugendliche. Auch später wird nur wenig auf die Charaktere eingegangen. Besonders Lev, der im zweiten Band (noch nicht auf Deutsch erschienen) eine wichtige Rolle einnimmt, erlebt eine drastische Wandlung in seinem Denken und Handeln. Es ist zwar ersichtlich aus den Ereignissen, wird allerdings niemals erwähnt oder geschildert, es ist eben einfach so, plötzlich ist er anders. Charakterentwicklung ist etwas, worauf ich großen Wert lege, und das wurde hier bei allen Figuren leider unterschlagen. In einem Film wäre es okay, als Drehbuch wäre VOLLENDET hervorragend geeignet, in einem Buch wünsche ich mir allerdings intensiveren Einblick in die Köpfe der Hauptrollen.

Die Nebencharaktere (von denen es sehr viele gibt) werden lediglich am Rande gestreift, nehmen vom ersten Moment an sofort ihre Rolle als Good oder Bad Guy ein und sorgen nicht für Überraschungen. Sie sind sehr klar strukturiert.

Auch, wenn ich nicht mehr dem Alter der Zielgruppe entspreche - in vielen Jugendbüchern kann ich mich gut in die Figuren hineinversetzen, fiebere mit ihnen, kann mich mit ihnen identifizieren. Das war hier nicht der Fall. Durch den Schreibstil (mehr dazu im Absatz zur Sprache) und die wenigen Einblicke in die Köpfe der Charaktere fehlte mir der Bezug. Ich litt nicht mit ihnen, ihr Schicksal war mir relativ egal. Es ließ mich leider ziemlich kalt, wenn ihnen schreckliche Dinge widerfuhren, einzelne von ihnen sogar starben, umgewandelt wurden oder verschwanden.


AUFBAU

Das Buch ist in unzählige sehr kurze Kapitel unterteilt, gelegentlich sogar nur zwei oder drei Seiten, selten 10 oder mehr. Überschrift ist jeweils der Name der agierenden Person (die Handlung wird erzählt aus verschiedenen Perspektiven) oder aber der beschriebenen Einrichtung, des vorgestellten Ortes. Durch die vielen Sprünge hatte ich das Gefühl, immer wieder herausgerissen zu werden aus dem Lesefluss, zwar gab es Cliffhanger, aber was nützt der schönste Cliffhanger, wenn ich auf den zwei Seiten zuvor nicht die Chance hatte, mich ausreichend in die Figur hineinzuversetzen, um den spannenden Moment wirklich mitzuempfinden.

Die Geschichte an sich ist sehr geradlinig und direkt, sie führt von A nach B. Gelegentlich verlieren sich die drei Jugendlichen und gehen willentlich oder gezwungen getrennte Wege, doch natürlich wird am Ende alles wieder zusammengeführt. Fast ein Roadmovie, bei dem die Kids imemr wieder auf der Flucht vor dem Staat auf Helfer treffen, die sie verstecken, aber auch auf Menschen, die sie verraten.

Es gibt keine Nebenhandlung, auch mit Überraschungen, Konflikten und Twists ist der Autor sehr sparsam. Konflikte werden sehr schnell erklärt, ungewöhnliche Ereignisse werden sofort aufgelöst.


SPRACHE

Die Handlung wird in der Gegenwart erzählt, eine klare und nüchterne, sachliche Sprache führt dazu, dass der Leser sich von den Figuren und der Geschichte distanziert. Es wird weniger dazu animiert, mitzufiebern, als einfach und klar eine Story erzählt, der Leser ist weniger in den Köpfen der Protagonisten als vielmehr lediglich der Zuschauer eines actionreichen Filmes. An sich nicht schlecht, denn es lässt sich schnell und flüssig lesen, man hat es zügig in einem Rutsch abgeschlossen. Doch das, was Bücher für mich von Filmen abhebt, das was die Faszination Lesen im Vergleich zum Filmsehen ausmacht, das fehlt hier. Für Lesemuffel, die einen Film nach dem anderen sehen und mal zum Lesen animiert werden sollen, ist das also wirklich perfekt, aber für geübte Leseratten, die sich etwas mehr versprechen, ist die Sprache zu einfach gehalten und kratzt zusehr an der Oberfläche.

Es gibt sehr viele Begriffe in der Zukunft, die dem Leser vom ersten Moment an inflationär entgegengeworfen werden: Klatscher, Storchen, Umwandeln, Zehntopfer, Wandler, JuPos und viele mehr. Das ist eine nette Idee, durch die man sich im ersten Moment auch wirklich in eine andere Welt / Zeit versetzt fühlt, doch da sich der fiktionale Charakter inhaltlich und sprachlich auf diese Elemente beschränkt, wirkt es eher aufgepropft und gewollt als Teil eines großen komplexen Ganzen.

Ein Beispiel für das Innenleben der Charaktere, auf das wenig eingegangen wird: "er schämte sich, doch er verspürte keinerlei Gewissensbisse". Das ist eine klare Beschreibung des Gefühls, doch dem Leser wird es zu knapp serviert. Gewissensbisse, Scham, das sind feste Begriffe, das ist erzählen statt zeigen, doch ich bin Fan von "Show, don´t tell", ich will es selbst erleben statt nur erzählt zu bekommen. Ich will lesen, wie ihm das Blut heiß in die Wangen schießt und er den Blick senkt. Aber wie er darauf wartet, dass sich der Magen zusammenkrampft und das Gewissen an ihm nagt, dies jedoch nicht passiert. So aber bleibt es für meinen Geschmack eine trockene Aneinanderreihung von Beschreibungen, wie er sich gerade fühlt.


THEMEN, UMSETZUNG

Die Themen des Buches sind wirklich gelungen, und immer wieder werden verschiedene Aspekte angeschnitten, die weitläufige Denkansätze bieten. Eine Szene gibt es, in der die Jugendlichen über Seele und Leben diskutieren, die ich sehr gelungen finde. Ansonsten allerdings werden die Themen eher nebenbei angeschnitten. Man kann nicht erwarten, dass der Autor Antworten hierauf gibt, das ist klar, doch all diese Dinge eher nur nebenbei zu streifen, das erweckt bei mir den Eindruck, als wolle da jemand möglichst intellektuell und philosophisch wirken, ohne jedoch einen tieferen Hintergrund zu bieten. Bauen wir Dinge ein wie Abtreibung, Kriminalität, Scheidung, Religiösen Wahn, Adoptionsrecht, Ehe zwischen Homosexuellen, Existenz von Seele, Organspende, die Schere Arm-Reich, ein bisschen Kritik am aktuellen Gesundheitssystem - und schwupps habe ich einen Bestseller, über den die Leute reden. Dazu vielleicht noch die Frage, ob Kriminalität angeboren ist oder in den Genen liegt, inwieweit das motorische Gedächtnis einen Teil der Seele beinhalten könnte und ob ein Mensch für die Verbrechen eines anderen bestraft werden kann, wenn dessen Seele bzw Körper ein Teil von ihm wurde.

Schade, schade, das verschenkte Potential dieses Buches ist enorm! Die Themen sind wichtig, und der Autor hat das Talent, fesselnd zu schreiben und Kids zu unterhalten. Er hätte sehr, sehr viel aus dieser Story machen können. Aber einfach nur alle Zutaten in einen Topf zu werfen macht leider keinen guten Eintopf, es braucht auch gute Gewürze und das "gewisse Etwas", sonst bleibt es einfach nur eine Mischung verschiedener Zutaten.

Was hier auch ein bisschen fehlt bei der Umsetzung, das ist die nähere Beschreibung der Zukunft. Wie beim Absatz Sprache schon angedeutet, ist die Welt eigentlich exakt die gleiche wie bei uns, wenn man von ein paar Gesetzen und Fachbegriffen absieht. Es scheint also eine Zukunft zu sein, die allzu weit nicht von unserer Gegenwart entfernt ist. Wie kommt es also, dass die Menschen ihr ethisches Verständnis so grundlegend verändert haben, dass Eltern bereit sind, ihre eigenen Kinder ab dem Alter von 13 quasi rückwirkend abtreiben zu lassen? Dass menschliches Leben so wenig wert ist, dass man lieber ein fremdes Körperteil transplantiert anstatt zu operieren und zu heilen? Es wird erklärt, aber die Gründe sind nicht schlüssig. Es erinnert mich an Salomos Urteil: "wenn beide das Baby wollen - dann werden wir es eben teilen" - das mag als alte Bibelgeschichte funktionieren, aber in VOLLENDET wurde das Baby quasi wirklich geteilt, um beiden Müttern etwas abzugeben, und es ist mir unbegreiflich, wie in wenigen Jahren von heute an auch nur ein einziger vernünftiger Mensch dieser Entscheidung zustimmen konnte. Ich hätte mit dieser Aussage leben können, wenn mehr Hintergründe geschildert worden wären, so jedoch ist es ein Buch, das viele Ideen verpulvert, ohne eine komplexe Geschichte dahinter zu bieten.


PERSÖNLICHE MEINUNG

Es tut mir leid, durchgehend so negativ über das Buch zu schreiben. Denn ich habe es sehr schnell und an sich auch angeregt gelesen. Die Gedanken dahinter, das hat mich sehr gereizt, ich habe mich auch nach der Lektüre intensiv mit dem Buch befasst, wie man dieser Rezension deutlich anmerkt. Und ich habe mich durchweg sehr gut unterhalten. Besonders für Lesemuffel halte ich es geeignet, ich kann mir vorstellen, dass es für Jugendliche eine gute Diskussionsgrundlage bietet, ohne ständig mit dem Zeigefinger zu wedeln. Die vielen positiven Rezensionen bei Amazon zeigen mir, dass das Buch bei der Zielgruppe wohl auch tatsächlich sehr gut ankommt. Nun, es ist wohl wirklich ein reiner Jugendroman, kein All-Ager, und allzu viel Tiefgang, Komplexität oder Hintergrund sollte man nicht erwarten. Ich finde allerdings, dass Jugendliche es verdient haben, mehr als nur oberflächliches Kratzen und rein straight handlungsorientierte Stories geboten zu bekommen.

Ich verstehe, warum so viele Leser positiv überrascht sind und das Buch lobend beschreiben. Und ich möchte auch niemandem den Lesespaß daran vergällen. Aber für mich selbst muss ich sagen, dass ich mir weit mehr von den Themen versprochen hatte. Das Buch ist für mich eine Ansammlung von verschenkten Möglichkeiten.


FAZIT

VOLLENDET ist ein dystopischer Jugendroman, der sich schnell und ohne Schwierigkeiten in einem Rutsch lesen lässt. Kurze Kapitel, eine einfache Sprache, in seiner einfach gestalteten Handlung auch sehr gut geeignet für Lesemuffel, die sich mit spannenden Themen auseinandersetzen möchten. Doch wer sich Tiefgang erhofft, wer mehr über die dargestellte Zukunft erfahren möchte, wer komplexe Charaktere liebt - wer findet, dass Bücher mehr sein sollten als actionreiche Drehbücher - der wird zwar gut unterhalten, ansonsten aber enttäuscht.

Wertung: 3 von 5 Haifisch-Tattoos

SaschaSalamander 21.08.2012, 09.20 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Doppelrezension - Vollendet

INHALT

Der 16-jährige Connor hat ständig Ärger. Risa lebt in einem überfüllten Waisenhaus.Lev ist das wohlbehütete Kind strenggläubiger Eltern. So unterschiedlich die drei auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind auf der Flucht. Vor einem Staat, in dem Eltern ihre Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren „umwandeln“ lassen können.

Die Umwandlung ist schmerzfrei. Jeder Teil des Körpers lebt als Organspende in einem anderen Organismus weiter. Aber … wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem ... lebst du dann, oder bist du tot?


Neal Shusterman: VOLLENDET, Sauerländer 2012;
Original: Unwind, Simon and Schuster 2007



KATZE MIT BUCH SAGT:



Die Geschichte hat mich in ihrer Umsetzung zwar an einigen Stellen angeekelt und vor den Kopf gestoßen, aber für mich hat der Autor hier ein Thema überspitzt und grotesk dargestellt, um Kritik an Gesellschaft und Religion eindringlich und nachhaltig zu vermitteln. Seine verwendeten Stilmittel haben die Aussagen noch unterstützt und sein distanzierter Schreibstil visualisiert, wie wenig der Mensch als Person wert ist. In "Vollendet" zählt nur die Hardware, nicht das Innere des Menschen, deshalb fand ich die Kälte und stellenweise Abgebrühtheit, mit der er einige Szenen schildert, nicht nur angemessen, sondern absolut notwendig.

Wertung: 5 von 5 Fischgräten
>Hier< geht es zur kompletten Rezension



SARA SALAMANDER SAGT:



Die Geschichte ist spannend zu lesen, die Grundidee ist hervorragend. Thematisch ist das Buch großartig. Doch in seiner Machart wirkt es lediglich wie eine Aneinanderreihung von verschiedenen Szenen, Themen und Momenten. Vordergründig spannend, dahinter fehlt jedoch das Konzept, das der Geschichte eine solide Basis verleiht und das Grundgerüst mit Fleisch und Leben füllt. Sprache und Umsetzung der Themen bleiben oberflächlich und distanziert, eine Beziehung zu den Charakteren kann der Leser dadurch nicht aufbauen. Es wurden sehr viele Möglichkeiten verschenkt. Unterhaltsam zu lesen, mehr leider nicht.

Wertung: 3 von 5 Haifisch-Tattoos
>Hier< geht es zur kompletten Rezension



SaschaSalamander 21.08.2012, 09.18 | (0/0) Kommentare | PL

Der Junge, der Gedanken lesen konnte

boie_gedanken_1.jpgINHALT

Valentins Vater und seine restliche Familie blieben damals nach dem Tod seines Bruders Artjom in Kasachstan, nur er und seine Mutter kamen nach Deutschland. Und nun heißt es wieder umziehen, denn seine Mutter hat eine Stelle als Marktleiterin bekommen. In seinem neuen Zuhause muss er sich erst zurechtfinden, hat noch keine Freunde. Auf dem Weg in die Bücherei begegnet er Mesut, der in seiner Straße wohnt und der ihm nicht geheuer ist. Und auf dem Friedhof lernt er Herrn und Frau Schelinsky kennen, Herrn Schmidt, "Dicke Frau" und den Friedhofsgärtner Herr Bronnislav, eine gesellige Runde. Mit ihnen versteht er sich gut, er kommt nun immer öfter auf den Friedhof. Bald freundet er sich auch mit Mesut an, der ihn begleitet. Eines Tages erfährt Valentin von einem Verbrechen, und Herr Bronnislav könnte darin verwickelt sein, aber das will Valentin nicht glauben und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei ist ihm seine neuentdeckte Gabe, Gedanken lesen zu können, sehr hilfreich.


FANTASY (GEDANKENLESEN)

Obwohl Valentin Gedanken lesen kann, ist dies nicht der Kern des Buches, den Leser erwartet kein Fantasy. Der weise Herr Schmidt kommentiert es treffend, wenn er meint, er habe schon so viel gesehen und erlebt, warum also nicht auch einen Jungen, der Gedanken lesen kann? Außerdem ist Valentin gar nicht so begeistert, ihm wird übel dabei, und er fühlt sich wie ein Eindringling, wenn er die persönlichen Gefühle der anderen teilt, er vermeidet es nach Möglichkeit. Eigentlich hätte man diesen Aspekt komplett aus dem Buch weglassen können, es hätte nicht gefehlt. Trotzdem bietet es natürlich zusätzlichen Diskussionsstoff und ist eine nette Ergänzung zur eigentlichen Handlung.


KRIMI (VERBRECHEN)

Die Aufklärung des Verbrechens ist wichtig, aber nicht der Kern. Valentin vergleicht sein Vorgehen immer mit der Kinderbande, von der er schon viele Bücher gelesen hat. Das fand ich nett umgesetzt von der Autorin, nimmt es doch freundlich das Genre der Kinderdetektive ein bisschen aufs Korn, obwohl es ja selbst ein Jugendkrimi ist.


MULTIKULTI

Ganz nebenbei wird auch das Thema der Multikulti-Gesellschaft angesprochen. Valentin kommt aus dem Kasachstan, Mesut ist Türke, Bronnislav ist Pole (wie er niemals müde wird zu betonen, wenn Herr Schmidt wieder "Alter Schwede" von sich gibt). Es ist allen egal, woher sie kommen, und doch bringen sie alle ihre eigenen Geschichte mit. So besteht in Mesuts Familie z.B. die Frage, ob sie den Urlaub in der Türkei verbringen wollen oder doch auf Gran Canaria. Auch Mesut erinnert sich viel an seine alte Heimat und überlegt, wo er nun hingehört. Doch wie gesagt ist dies etwas, das nebenbei geschieht und auf diese Weise den jungen Hörern ganz entspannt aufzeigt, wie Menschen verschiedenster kultureller Hintergründe miteinander auskommen und ihren Alltag erleben.


TOD UND STERBEN

Was den Großteil des Buches ausmacht, ohne sich dabei unangenehm in den Vordergrund zu drängen, das ist das Thema Tod und Sterben. Hier gehen alle verantwortungsvoll und bewusst damit um, aber ohne Tammtamm, ohne Angst. Sterben wird als ein Teil des Lebens betrachtet. Natürlich stellt sich auch die Frage, warum junge Menschen sterben müssen und ob das gerecht ist. Durch die entspannte Grundhaltung der erwachsenen Protagonisten ist das Buch sehr informativ und interessant für Kinder zu lesen. Die Freunde treffen sich auf dem Friedhof, weil sie kein Geld für einen Schrebergarten hatten, also beschlossen sie ihr Grab schon zu Lebzeiten zu kaufen und dieses kleine Fleckchen vorab zu nutzen. Sie möchten ihre "Nachbarn" kennenlernen, sie genießen das Leben und akzeptieren den Tod, freuen sich an der Natur, den wiederkehrenden Besuchern, bringen sogar Würstchen und Salat mit, sitzen auf Klappstühlen. Ob dies eine lebensbejahende Einstellung ist oder verwerfliche Störung der Totenruhe, das ist ein ständiger Streitpunkt zwischen dem Antagonisten (Verwalter des Friedhofs) und Familie Schelinsky. Kindern und Jugendlichen wird dadurch gelehrt, dass der Tod nichts Beängstigendes ist. Man soll das Leben genießen und Feiern, darf sich vor dem Tod aber nicht verschließen.

Da jedoch sein Bruder noch als Jugendlicher starb, hat unser Junge nun mit vielen Fragen zu kämpfen. Er trägt das Gefühl in sich, dass Artjom der bessere von ihnen war und er nun schlechter ist, seinen Bruder niemals ersetzen kann. Er fühlt sich schuldig, weil er kurz vor dem Unfall einen Streit mit ihm hatte, ohne den es vielleicht nie passiert wäre. Und sein Handeln richtet er stets danach, was sein großer Bruder getan hätte, denn der war klug und mutig. Während die Familie nicht mit ihm über diese Probleme reden kann und will, findet er in den Freunden auf dem Friedhof und in Mesut nun endlich Menschen, die ihm weiterhelfen. Besonders der alte Herr Schmidt gibt ihm Kraft und hilft ihm, sich von der Vergangenheit zu lösen und nun endlich vorwärts zu leben.

Und all das - ohne Zeigefinger, ohne umständliche Erklärung, sondern zwischen den Zeilen, verpackt in einen gemütlichen Krimi mit sympathischen Charakteren und zwei gewitzten jugendlichen Identifikationsfiguren.


CHARAKTERE

Zu den Charakteren habe ich im Abschnitt Genre ja eben bereits einiges erzählt. Sie wachsen dem Leser sofort ans Herz. Jugendlichen, weil sie sich in den beiden Jungs wiederfinden und von den Erwachsenen verstanden fühlen. Und den erwachsenen Lesern, weil die Kids wirklich sehr realitisch und kindlich - gewitzt dargestellt sind und die Erwachsenen mit ihrer aufgeschlossenen, lebensbejahenden Art gefallen. Jeder von ihnen trägt sein Päckchen mit sich, viele kleine Geschichten verbergen sich hinter den einzelnen Lebensläufen.

Schön zu beobachten ist auch, wie Valentin sich im Laufe der Handlung verändert: seine Einstellung zum verstorbenen Bruder überdenkt, sich mit dem anfangs von ihm gefürchteten Mesut anfreundet und wie er lernt mit seiner Gabe des Gedankenlesens umzugehen. Mit Valentin, Mesut, Schelinsky, Schmidt (samt Hund Jiffles) und Bronnislav hat Kirsten Boie Charaktere geschaffen, die mir seit dem Lesen vor einigen Tagen noch immer durch den Kopf gehen. Ich habe sie liebgewonnen, als wären es gute Freunde, und nur ungern habe ich mich am Ende von ihnen getrennt.


SPRECHER

Can Acikgöz ist ein sehr junger Sprecher, Jahrgang 2000. Er gewann 2012 den Lesewettbewerb des Deutschen Buchhandels und bekam nun die Möglichkeit, dieses Hörbuch zu sprechen. Und ich war wirklich begeistert! Mag sein, dass er erst 12 ist, dass er kein professioneller Sprecher ist, aber dafür macht er seine Sache wirklich großartig. Und ich finde es eine wirklich mutige und vor allem begrüßenswerte Idee, dass der Verlag keinen professionellen Sprecher engangiert hat sondern eben Can. Dadurch ist die CD den Kindern näher, als würde ein jugendlicher oder gar erwachsener Sprecher den Text einlesen.

Ja, hier und da macht er kleine Fehler, und natürlich hört man, dass er sich Mühe gibt (bei einem professionellen Sprecher klingt es locker und selbstverständlich). Aber gerade das macht es auch überaus sympathisch, ich habe ihm sehr gerne zugehört. Ich habe etwa eine Drittel CD gebraucht, um mich an seine Betonung zu gewöhnen (da er eben noch sehr bewusst liest, betont er genau und oft etwas zuviel, sodass die Sprachmelodie sehr ungewohnt ist im ersten Moment), und danach war ich wie gesagt ziemlich begeistert über das, was er da an Leistung abgeliefert hat. Seine Aussprache ist wirklich sehr gut und ohne weitere Beanstandungen, ein klar verständliches Hochdeutsch ohne große Ausrutscher. Sein Sprachtempo ist optimal, die Stimme klingt angenehm im Ohr und hat einen recht guten Wiedererkennungswert.

Was ich besonders anmerken möchte ist sein Talent, verschiedene Sprechweisen, Dialekte und Sprachmuster zu imitieren. Jeder Charakter hatte eine eigene Stimme, eine eigene Melodie, einen ganz eigenen Akzent. WOW! Das ist etwas, das selbst unter den geübten Sprechern nicht alle beherrschen, und Can scheint da wirklich eine natürliche Begabung dafür zu haben. Mesut mit seinem "ey Alder" ebenso wie die verwirrte "Dicke Frau" oder Bronnislav mit seinem polnischem Akzent, der bedächtige alte Herr Schmidt, sie alle bekommen ihre eigene Note verpasst, das Hören war für mich ein richtiger Genuss.


FAZIT

Ein herausragendes Kinderbuch, das wirklich allen Anforderungen von Pädagogik und Unterhaltung gerecht wird. Ich bin ja immer sehr kritisch in der Vergabe meiner Punkte, aber ich wüsste wirklich nicht, wo ich hier etwas abziehen sollte. Im Gegenteil, gerne lege ich noch ein bisschen drauf, als kleinen Bonus für Can, der hier wirklich eine bemerkenswerte Leistung erbracht hat. Can, super gemacht, ich hoffe auf weitere Kinder- und bald auch Jugendhörbücher von Dir!

Wertung: 12 von 10 Golddollar


SaschaSalamander 20.08.2012, 16.37 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Dreiviertelmond

Den Film habe ich schon vor einiger Zeit gesehen, Lovefilms. Jetzt liegt die DVD bei mir zu Hause, ich will sie einfach unbedingt im Regal haben. Eine Liebeserklärung an Nürnberg (naja, und auch Fürth, wo ein Großteil der Szenen entstand *hüstel*). Musik, Bilder, Inhalt, da geht einem das Herz auf :-)

Rezension wollte ich schreiben, hatte aber keine Zeit und fand nicht die rechten Worte (gerade, wenn ich etwas bewegend finde, fällt mir das eher schwer, das wars dann mit der sachlichen Rezension).

Heute kam die DVD bei mir an, und jetzt liegt sie bereits im Player, ich sehe mir die Extras an. Alleine schon dabei verzieht sich mein Mund zu einem breiten Grinsen. Da steckt ganz viel Herz drin, ganz viel Liebe. Ein warmer Humor, wunderschöne Bilder, perfekte Musikuntermalung und eine Menge fränkischer Charme. Ich liebe diesen Film :-)

SaschaSalamander 17.08.2012, 23.06 | (0/0) Kommentare | PL

Mottenlicht

VORAB

ANTJE WAGNER studierte Literatur- und Kulturwissenschaften und arbeitet seit rund 12 Jahren als freie Autorin, veröffentlicht Kurzgeschichten und Romane. MOTTENLICHT ist eines der ältesten Bücher der Autorin, das noch recht zu Beginn ihres Schaffens entstand. Nachdem ich zuerst >SCHATTENGESICHT< und >UNLAND< gelesen hatte, war ich natürlich neugierig auf ihre älteren Werke.


INHALT, THEMEN

MOTTENLICHT ist eine Sammlung von Kurzgeschichten. Nahezu alle Geschichten erzählen von Menschen, die traumatisiert, verstört und verletzt wurden. Leben, Liebe und Tod als treibende Kraft. Die Autorin greift verschiedene Tabus auf und verleiht ihnen, auch ohne sie beim Namen zu nennen, ein menschliches Gesicht. Abtreibung, Suizid, Selbstaufgabe, Brudermord, Depression, Inzest, Missbrauch, Fremdgehen und andere. Im Grunde hätte jede Geschichte eine ausführliche Analyse verdient, denn es ist meist keine konkrete Handlung, die erzählt wird, sondern eine Aneinannderreihung von Momenten und Gedanken, die erst zum Schluss ein stimmiges Bild ergeben. Das tatsächliche Geschehen hinter den Worten und Symbolen erschließt sich erst am Ende. Möchte man die Geschichten verstehen, so muss man sehr genau lesen, sehr genau den geflüsterten Botschaften lauschen, manchmal ist es ein kleines Wort nur, das den Ausschlag gibt.

Die große Stärke des Buches ist leider aber auch eine Schwäche: zu ähnlich sind sich die Geschichten in Aufbau, Verwicklung, Auflösung und Aussage. Nachdem ich zwei, drei Geschichten gelesen habe, ahnte ich recht schnell den Knackpunkt und das Ende, wodurch der eigentliche Reiz auch verlorengeht. Es ist daher sinnvoll, MOTTENLICHT nicht von vorne bis hinten zu lesen sondern heute mal eine Geschichte herauszupicken, nächste Woche wieder eine, dann ein paar Tage darauf die nächste. So bleibt der Zauber länger erhalten, ohne sich durch die kontinuierliche Wiederholung abzunutzen.


SPRACHE, STILMITTEL

Die Sprache ist sehr poetisch, Antje Wagner experimentiert mit der Wirkung ihrer Sätze und Worte, möchte damit verzaubern und einwickeln wie mit einer seidenen Fessel: sie berührt den Leser, webt die Geschichte um ihn herum, erregt ihn mit Worten und sanften Berührungen, sodass er kaum merkt, wie sich das anfangs weiche Band nun immer fester um ihn legt, ihn einschnürt, beengt, ihm die Luft zum Atmen nimmt. Sie erzeugt ein im Lauf der Geschichte immer stärkeres Gefühl von Bedrohung und Angst. Es gelingt ihr sehr gut, auch ohne konkret formulierte Gefahr den Leser zu verunsichern.

Häufig wiederkehrende Stilmittel hierfür sind der Einsatz von Farben, Stimmungen, es liegt über allem ein Grauschleier, verschwommen und schemenhaft. Das Cover vermittelt einen Eindruck von der Atmosphäre des Buches.

Die Autorin arbeitet viel mit Wiederholungen: wiederkehrende Sätze manchmal wortwörtlich, manchmal in leichter Variation. Immer wieder aufs Neue ausgeführte Rituale, die Routine und Gelassenheit vermitteln sollen, aber auch das Verschließen vor dem Tabu, das konsequente Nichtbeachten des eigentlichen Kernthemas. Die Charaktere wenden ihren Blick ab vor dem Unaussprechlichen, springen ablenkend von einem Moment zum nächsten, so wie auch die Autorin ihre Szenen scheinbar zusammenhanglos präsentiert, bevor sich alles im Kontext erschließt.

Was ebenfalls in jeder Geschichte zu finden ist, das ist ein Widerspruch. Innig Liebende ohne Intimität. Reiche Menschen reden am vollen Tisch über die Armut anderer Völker. Eine Frau sehnt sich nach Liebe und tut zugleich alles diese zu verhindern. Ein junges Mädchen oder doch eine Frau mit erwachsenen Bedürfnissen. Sätze wie etwa "sie konnte vor Stille nicht einschlafen" sind oft zu lesen. Weitere Beispiele ließen sich noch finden, denn auch dies wird von der Autorin regelmässig angewendet. Sehr geschickt, verleiht es den Geschichten doch zusätzlich Spannung und Konflikt. Trotzdem auch hier - weniger wäre mehr gewesen.

In MOTTENLICHT fühlt sich der Leser stellenweise erschlagen von allzu viel Symbolik und Wortkunst. Vor 10 Jahren, als das Buch entstand, experimentierte Wagner noch, übte sich im Umgang mit Wort und Wirkung, jongliert mit Inhalten, das merkt man dieser Sammlung deutlich an. Inzwischen experimentiert sie noch immer (und wird es hoffentlich niemals aufgeben, denn ich liebe es, wenn Autoren sich an etwas Neuem versuchen und sich konstant weiterentwickeln), ist jedoch deutlich gefestigter und weiß ihre Worte mit Bedacht einzusetzen, wendet ihre Stilmittel dezenter an und gibt dem Leser dadurch etwas mehr Freiraum im persönlichen Erleben der Handlung.

Der Inhalt ist manchmal so gut verpackt, dass es sich zum entspannten Lesen nur bedingt eignet, MOTTENLICHT verlangt vom Leser volle Konzentration. Dadurch wirken die Texte stellenweise trotz der zerbrechlichen, verspielten Sprache etwas schwerfällig. Gelegentlich aber blitzt etwas von der Leichtigkeit durch, die die Autorin in ihren späteren Werken vermittelt, diese Momente gefielen mir besonders.  


FAZIT

MOTTENLICHT ist eine wundervolle Sammlung von Kurzgeschichten, die damals schon vom Potential der Autorin zeugte. Perfekte Lektüre für einen nebligen Herbstabend, dazu ein schweres Glas Rotwein und instrumentale Musik. Aber wie auch den guten Wein sollte man das Buch sehr dosiert in kleinen Portionen genießen, da man sonst schnell übersättigt ist und die Geschichten nicht mehr ihre Wirkung entfalten können.

Wertung: 7 von 10 Murgor


SaschaSalamander 16.08.2012, 08.44 | (0/0) Kommentare | PL

Darkside Park

INHALT

Porterville ist ein kleines Städchen, beschaulich und gemütlich. Nette Nachbarn, eine stets aufmerksame Polizei, die Straßen sauber und frei von Kriminalität. Wer hierherkommt, der kann sich auf einen ruhigen Lebensabend freuen, und auch seine Kinder kann man hier perfekt großziehen, einfach ideal für jeden, der kleine idyllische Orte mag. Doch hinter der Fassade lauert das Grauen. Menschen verschwinden, einige bleiben auf ewig verschollen, andere tauchen wieder auf, sind danach völlig verändert und traumatisiert. Ein Serienmörder verteilt zur Warnung Tarotkarten an seine ausgewählten Opfer. Und immer wieder hört man vom "bleichen Mann". Was ist das Geheimnis von Porterville?


GESAMMELTE LINKS

Eine Gesamtrezension für eine komplette 18teilige Serie ist schwierig, und deswegen habe ich mir vorab schon einige Gedanken gemacht. Zu jedem der 18 Teile habe ich meine Gedanken notiert. Nicht als Rezension, sondern als kurze Meinung zur jeweiligen Folge.

Einleitung
>Teil 01 - Interview mit Ed<
>Teil 02 - Das böse Zimmer 01<
>Teil 03 - Der Gesang der Ratten 01<
>Teil 04 - Das böse Zimmer 02<
>Teil 05 - Porterville Times<
>Teil 06 - In den Jagdgründen<
>Teil 07 - Die verbotene Lichtung<
>Teil 08 - Porterville Steaks<
>Teil 09 - Das kalte Licht<
>Teil 10 - Lauter nette Damen<
>Teil 11 - Der Gesang der Ratten 02<
>Teil 12 - Jenseits des Rubikon<
>Teil 13 - Augen der Nacht<
>Teil 14 - Die Stille des St Helena Parks<
>Teil 15 - Die geheimen Kinder<
>Teil 16 - Die Farbe des Chamäleons<
>Teil 17 - Frischling, Frischling<
>Teil 18 - Willkommen in Porterville<


UMSETZUNG, AUFBAU

Die ersten 17 Folgen sind jeweils in sich geschlossene Geschichten aus der Ich-Perspektive. Verschiedene Beteiligte kommen zu Wort. Mal ist es ein fremder Gast von außerhalb der Stadt, mal ein Bewohner der Stadt ohne Hintergrundwissen, später auch Eingeweihte und Mitwisser. In der ersten Staffel haben die Folgen sehr wenig Bezug zueinander, und recht lange fragt man sich, was die einzelnen Figuren verbindet und welchem Zweck die Darstellung deren Situation jeweils dienen soll. Während die Serie dann langsam voranschreitet, gibt es nach und nach immer mehr Querverbindungen. Figuren aus anderen Geschichten werden erwähnt, hier und da wird eine Handlung aus nun einer anderen Perspektive geschildert, Symbole und Elemente aus anderen Episoden tauchen erneut auf. Doch der eigentlichen Lösung kommt man nicht wirklich näher. Da man weiß, dass DARKSIDE PArK mit 18 Folgen abgeschlossen ist, stört das jedoch nicht, auch wenn man gerade in der zweiten Staffel manchmal nah an der Verzweiflung ist, endlich mehr wissen will und sich noch so weit von der Antwort entfernt fühlt. Perfekt gemacht, die Spannung steigt von Stunde zu Stunde.

Auch, wenn jede Geschichte eine eigene Handlung in sich birgt und für sich selbst abgeschlossen ist, so gibt es doch eine übergeordnete Handlung. Manche Episoden dienen dabei lediglich als Füllelement und vervollständigen das Gesamtbild. Andere dagegen treiben das Geschehen um Martin Prey, der bald zum eigentlichen Protagonisten der Serie wird, voran. Die oben unter "Inhalt" geschilderte Zusammenfassung ist das Gesamtbild, die Handlung um Martin ist wesentlich konkreter: Martin trifft auf Sarah und erfährt durch sie, dass die Stadt ein Geheimnis birgt. Er beginnt zu ermitteln, wird dabei selbst zum Gejagten und irrt durch die Stadt, trifft auf verschiedene Mitstreiter und Gegner, bis er endlich am Ziel ist und alles erfahren soll.


SECHS VERSCHIEDENE AUTOREN

Die Zusammenarbeit verschiedener Autoren finde ich mehr als gelungen. Ein Gesamtkonzept, an dem sich alle orientieren, dabei aber kreative Freiheit. "Viele Köche verderben den Brei", mag man im ersten Moment denken. Hier aber hat das Projekt eine außergewöhnliche Eigendynamik gewonnen, die Anerkennung verdient. Sechs Autoren, unterschiedlich in ihrer Erzählweise und ihrem Ausdruck, haben gemeinsam ein Bild gemalt, das in sich stimmig ist. Sie alle haben dem DARKSIDE PARK ihren eigenen Stempel aufgedrückt, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen.

Bei 18 Folgen kann es schnell passieren, dass es bald langatmig wird, dass man abbrechen möchte oder mittendrin die Lust verliert, Spannung hin oder her. Mir zumindest geht es so, dass ich nicht gerne allzu lange mit einer einzigen Reihe beschäftigt bin. Durch die unterschiedliche Vorgehensweise der Autoren allerdings hätte es für mich noch ewig so weitergehen können, es gab ausreichend Abwechslung und trotzdem immer einen roten Faden.

Folgen, die mir weniger gut gefielen, wurden von anderen Hörern teilweise als Lieblingsfolgen benannt. Was mich absolut begeisterte, fanden andere wieder nicht so gut. Mit anderen Worten, das Gesamtbild ist grandios, es gibt schwächere und stärkere Folgen, doch dies liegt nicht an schlechtem Handwerk sondern persönlichen Vorlieben der Hörer. Es ist also für jeden etwas dabei, Porterville dürfte aufgrund seiner Vielfalt und des auf verschiedenen Ebenen erzeugten Spannung weit mehr Fans ansprechen, als ein einzelner Autor es geschafft hätte.

Spannung baut sich durch die sechs Autoren und deren voneinander abweichende Erzähltechnik auf vielen verschiedenen Ebenen auf, die Genres mischen sich bunt durcheinander. Hardboiled, Phantastik, Horror, Thriller, Krimi, Cosy. Mal der knallharte Typ mit rauer Schale weichem Kern, mal die netten alten Ladies, mal eine historische Geschichte um Indianer, ein andermal ganz normale junge Erwachsene wie Du und Ich. Einige Geschichten erinnern in ihrer Düsternis und Direktheit an Stephen King, andere führen den Hörer im Stil eines H P Lovecraft direkt an die Grenzen des Wahnsinns. Mal Blut und Knochenknacken, mal "Arsen und Spitzenhäubchen", mal Gänsehaut und nackte Angst.


SPRECHER

Alle Rollen sind durchweg grandios besetzt mit bekannten Stimmen aus den Bereichen Hörbücher, Hörspiele, Filme. Sie alle machen ihre Sache professionell und mit sehr viel Elan, man hat hier sehr gute Arbeit geleistet bei der Auswahl, Koordination und Regie. Nicht nur im Ausdruck, auch Tonfall, Klang der Stimme, alles passt so perfekt zu den jeweiligen Protagonisten, dass man regelrecht einen 18stündigen Film vor sich zu sehen glaubt.

Bei diesem Punkt weiß ich gar nicht so recht, was ich weiter schreiben kann als "prima gemacht". Einzig mit einem Sprecher konnte ich mich nicht so recht anfreunden, da ich die Art des Vortrags zu wenig emotional und zu monoton fand. Bei 18 Folgen kann man keinesfalls 100 Prozent erwarten, aber der DARKSIDE PARK ist verdammt nahe dran ;-)


HÖRBUCH / HÖRSPIEL

Teil 1 bis 17 sind reine Hörbücher. Hörspieltypisch allerdings ist das klassische Intro von Friedrich Schönfelder, der den Hörer begrüßt und dann die Überleitung zur aktuellen Geschichte gibt. Zu Beginn und am Ende gibt es dann noch jeweils ein kurzes Geräusch. Es ist nur ein leises, unaufdringliches Geräusch, aber es ist faszinierend, wie stark diese Wirkung ist! Besonders in einer Folge stach es drastisch heraus und verlieh der gesamten Story zusätzlich noch einmal den perfekten Abschluss.

Obwohl es ein Hörbuch ist, sortiere ich es gedanklich immer in die Kategorie Hörspiele. Teilweise wegen der typischen Hörspielsprecher, aber auch weil ich es trotz des jeweils einzelnen Sprechers immer als Hörspiel empfunden haben. Sie haben die jeweiligen Dialoge so gut verkörpert, dass man stellenweise regelrecht vergass, dass nur ein einziger Sprecher vor dem Mikrofon saß!

Folge 18 dagegen ist ein Hörspiel mit zwei Protagonisten und kleinen Nebencharakteren. Ich muss zugeben, dass ich sosehr auf die Gespräche zwischen Martin und Hudson fixiert war, dass ich wenig auf Musik und Geräusche geachtet habe, jedoch ist mir nichts negativ aufgefallen, auch hier war wieder alles in sich stimmig und eben richtig "rund". Nur selten nimmt ein Hörspiel mich derart gefangen, dass ich das "Drumherum" völlig vergesse und mich nur noch komplett auf den Inhalt konzentriere.

Ich weiß nicht, ob ein Hörspiel teurer ist als eine Lesung, vermutlich ja (da man mehr Sprecher braucht, Musik und Geräusche, es macht wohl mehr Arbeit als ein Soloauftritt). Ansonsten hätte ich es großartig gefunden, wenn die Reihe komplett als Hörspiel gemacht worden wäre, oder wenn man wenigstens die reine Lesung zu einer szenischen Lesung aufgestockt hätte, mit etwas mehr Geräuschen und hier und da Musik im Hintergrund zum Verdichten der Atmosphäre.


ABSCHLUSS IN FOLGE 18

Das Ende hat mir sehr gut gefallen. Recht schnell zeichnet sich ab, worauf es hinausläuft. Klar, exakt das Ende konnte wohl niemand vorhersehen, aber die Tendenz war klar. Und auch für konkretere Informationen gab es einige Hinweise. Absolut zufriedengestellt hat es vermutlich niemanden, dazu ließ es einfach zuviele Fragen offen. Trotzdem, gerade in diesem Genre ist es nicht wirklich möglich, alles zur Zufriedenheit zu klären, und das offene Ende sowie die unbeantworteten Fragen sind in einem für mich annehmbaren Umfang. Dafür, dass man 17 Folgen lang auf diesen einen Moment hingezittert hat, wäre etwas mehr wünschenswert gewesen, der DARKSIDE PARK ist perfekt für jede Menge Spin-Offs, Prequel, Sequel und eine Fortsetzung. Auch, wenn ich das Ausschlachten eines erfolgreichen Titels durch Fortsetzungen verachte, würde ich es hier ausnahmsweise sogar begrüßen. Nicht, weil ich unbedingt mehr will, sondern weil es einfach schade ist, dass so viel genialer Stoff nun ungenutzt in den Hirnen der Autoren brachliegt und nicht geteilt wird. Es gibt so viel, was man noch aus der Serie noch machen kann!


FAZIT

Der DARKSIDE PARK ist ein Projekt, das es in dieser Form noch nicht gab. Ivar Leon Menger und seinen Kollegen ist ein Meisterwerk gelungen, das so schnell niemand wiederholen kann, etwas ganz Eigenes und Anderes wurde hier erschaffen. Die Reihe packt den Hörer von der ersten Folge an und hält ihn bis zur letzten Episode gefangen, indem sie eine perfekte Mischung unterschiedlichster Genre und Erzähltechniken darbietet.

Und zum Abschluss: wer die Reihe bereits gehört hat, der wird nach Folge 18 wohl sehr viele Fragen haben. Viele von diesen Fragen wurden von Ivar Leon Menger und anderen Autoren ausführlich und nachvollziehbar im Forum der >Hörspiel-Freunde<

Wertung: 95 von 100 Versandhauskataloge

SaschaSalamander 15.08.2012, 09.18 | (0/0) Kommentare | PL

Einträge ges.: 3911
ø pro Tag: 0,5
Kommentare: 2821
ø pro Eintrag: 0,7
Online seit dem: 21.04.2005
in Tagen: 7654
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3