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Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag:
Black Sun
Klappentext: Inmitten der Kreuzzüge
bietet sich der Ordensritter Leonard de Limbourg selbst dem Feind als
Unterpfand, um seine verbleibenden Männer zu retten. Der berüchtigte
Befehlshaber der gegnerischen Truppen, ein Mann namens Jemal Jan, nimmt
Leonard als seinen persönlichen Bettgespielen mit in seine Heimat. Und
Leonard bleibt in seiner Verzweiflung nichts weiter übrig, als zum
Scheitern verurteilte Fluchtpläne zu schmieden ...Ein Manga, der verschweißt und klar als 18+ deklariert ist. Während das in manchen Fällen einfach nur Werbung sein soll und über Händchenhalten und ein paar Berührungen unter der Bettdecke nicht hinausgeht, geht BLACK SUN eindeutig über Shonen Ai hinaus und ist ein Titel, den ich in seiner Deutlichkeit und Intensität gerne neben FINDER und >CRIMSON SPELL< von Ayano Yamane stelle.
Was die Geschichte in BLACK SUN betrifft - naja, es Yaoi, da erwarte ich nicht allzu viel. Ja, es hat historischen Hintergrund, aber der ist nicht allzu ausgebaut. Die Kulisse hätte schöne Möglichkeiten geboten an Recherche, Kultur und Plot, allerdings beschränkt sich das Thema Okzident und Orient vor allem auf die hübsche Gewandung und gelegentlich etwas Architektur, im Grunde hätte man die Geschichte in jede beliebige Epoche und in jedes beliebige Land versetzen können. Sexszenen und explizite Darstellung des Aktes (dessen Freiwilligkeit eher dem Vaterland dient denn aus freien Stücken geschieht) haben also eindeutig Vorrang vor komplexen Handlungsstrukturen.
Die Zeichnungen sind dafür umso gelungener: zwar sind die Männer hübsch, aber es sind vor allem Männer, keine Bübchen und keine Jungs wie in softeren Titeln üblich. Wer Muskeln sehen möchte und es dabei auch zielstrebig und grob mag, der kann bei BLACK SUN definitiv nichts falsch machen. Die Körper werden dabei mit Händen über dem Kopf gestreckt, gefesselt, schmerzverzerrt und zusammengeschnürt, nackt in der Öffentlichkeit präsentiert oder willig dargeboten - Ogasawara lässt sich einiges einfallen, um mehr als "nur" die typische Körperhaltung zu zeichnen. Und immer sind die Proportionen stimmig, anregend und hübsch in Szene gesetzt. Auch die Tiere sind wunderschön und geschmeidig gezeichnet, etwa die Kriegspferde oder später in der Bonusgeschichte der Panther. Ansonsten ist in diesem Manga nicht wirklich viel zu sehen: Körper, hübsche Gewandung, nette Architektur und natürliche Eleganz. Mehr braucht es nicht, schließlich geht es sowieso nur um das Eine ;-)
Kurz gesagt: Immer nur Händchenhalten ist langweilig. Manchmal soll es einfach nur Sex sein. Und dafür ist BLACK SUN genau richtig ;-)
Wertung: 9 von 10 Peitschenhieben
SaschaSalamander 11.07.2012, 08.12 | (0/0) Kommentare | PL
Schrei der Angst 07 - Manaltak
LABEL, BISHERIGE TITEL
SCHREI DER ANGST ist eine Hörspielreihe des Labels >Marctopolis<, die in den Folgen 1-6 die Geschichte des Feeders erzählte: ein Psychopath mästet Frauen, bis sie platzen, findet es erotisch. Die erste Folge hatte ich gehört, fand sie zwar ganz gut umgesetzt, aber meinen Geschmack hatte die Story einfach nicht getroffen, sodass ich abbrach. Trotzdem ist sie recht beliebt, und ich kann diese Geschichte für Interessierte gerne empfehlen. Mit >MANALTAK< ist Folge 7 ein Einzeltitel, und ab Folge 8 soll im Sommer 2012 die dreiteilige Reihe SKIN-WALKER starten, ein Horror-Western, in den ich gerne wieder hineinschnuppern werde.
INHALT, GENRE
Eine Gruppe junger Erwachsener / Studenten macht eine Erkundungstour in den Brieselanger Wald, um das Geheimnis der Lichter zu erforschen. Sie kommen einer grausigen Wahrheit auf die Spur und werden Zeugen eines wahnsinnigen und tödlichen Treibens. Ein junge Frau kann entkommen, schwer trauamatisiert und mit schrecklichen Verletzungen wird sie ins Krankenhaus aufgenommen, sie spricht nicht, und der neue Arzt soll nun herausfinden, was geschehen ist. Er nimmt ihr Aufnahmegerät und versucht nun zu erfahren, was die Gruppe erlebte.
Und wieder ein herrlich blutiges Slasher-Hörspiel, diesmal eindeutig der Kategorie "Found Footage". Der Arzt bekommt die Tonaufnahmen in die Hand und muss sich daraus seine Informationen sammeln. Das Hörspiel selbst besteht abgesehen von Anfang, Ende und sehr kurzen Zwischensequenzen durchgehend aus dem Geschehen um die Gruppe. Auch das Setting - eine kleine Gruppe alleine mitten im dunklen Wald - ist nichts Neues.
Zum Genre selbst muss ich gar nicht mehr viel sagen. Der Film BLAIR WITCH natürlich das bekannteste dieser Art, bei Hörspielen war MITSCHNITT der Vorreiter. Vor einigen Monaten begeisterte mich >DAS LUFERHAUS<. Kürzlich erst hörte ich >DARK MYSTERIES<, das ansatzweise auch in dieses Genre tendiert. Das Konzept scheint bei den Hörern anzukommen, und ich hoffe zukünftig auf weitere Label, die diese spannende Möglichkeit der Inszenierung nutzen werden.
BRIESELANGER WALD
Der >Brieselanger Wald< ist ein bekannter "Spukort", um den sich viele Geschichten und Mythen ranken, viele Erklärungen gibt es für die geheimnisvollen Lichter nachts im Wald. Daher hatte ich gehofft, dass hier ein wenig recherchiert wird und man das Thema vielleicht ähnlich umsetzen würde wie im LUFERHAUS, welches recht realistisch gehalten ist und sich sehr intensiv auf Fakten und reale Personen stützt. Hier jedoch wurde lediglich die Locations "Brieselanger Wald" genommen, genausogut hätte man allerdings jede beliebige fiktive Ortschaft wählen können, es hätte keinen Unterschied gemacht.
CHARAKTERE, STORY
Zu den Charakteren in MANALTAK baut der Hörer kein Verhältnis auf (ein Charakter sticht hervor, leider aber nur durch seine übertrieben lässige Ausdrucksweise, die recht schnell für den Hörer störend wird und nicht so recht in das Setting passen will), zu schnell gleitet die Handlung vom Aufbruch hin zum Horror. Hier geht es weniger um Handlung, Charakterausbau und spannende Twists als vielmehr um eine reine Darstellung der schrecklichen Geschehnisse im Wald. Schon zu Beginn wird der Leser im Gespräch der beiden Ärzte untereinander darauf gestoßen, was geschehen wird: der Unterschenkel der Frau ist gehäutet, und die Haut eines jungen Mannes fand sich komplett zwischen zwei Bäume gespannt. Und nun wird vergnüglich zelebriert, wie es von der fröhlichen Abenteuerrunde hin zu diesem grauenerregenden Szenario kam.
EFFEKTE
An Effekten wird nicht gespart, die Geräusche klingen herrlich eklig, das Geschehen wird detailiert beschrieben. Für das Horror- und Splatterfan ist das prima, hier wird gemetzelt und geblutet, was das Zeug hält. Für den Liebhaber ausgefeilter Plots dagegen wird nicht wirklich viel geboten, dem Zweck des Storytelling dient dieses Hörspiel sicher nicht. Hier geht es rein um Splatter, Horror und Effekte.
In diversen Hörspielforen las ich von den Machern, dass ungewöhnliche Methoden für den Sound eingebracht wurden, etwa eine mit Handventilator bespielte Trommel, eine mit Hämmern gespielte Geige, ein mit Geigenbogen bespielter Wäscheständer und andere kreative Umsetzungen. Zugegeben, die Idee dahinter ist prima, bei mir als Hörer muss ich allerdings gestehen, kam das nicht an, es war sehr gut gemacht, aber ähnliche Qualität habe ich auch schon in vielen anderen Hörspielen gehört, und ob diese nun durch ein brennendes Piano oder andere, einfachere Mittel erzeugt wurde, ist für den Hörer am Ende fast egal, solange es authentisch und spannend klingt.
Was mich persönlich störte: dafür, dass es angeblich Found Footage ist, klingen mir die Sprecher, Dialoge, Aufnahmen, Geräusche zusehr nach Studio, zu sauber und zu gut aufgenommen. Es stellte sich kein Gefühl von Entfernung ein, von zufällig laufendem Mikro, das auch unwichtige Momente einfängt. Die Inszenierung erinnert eher an ein klassisches Hörspiel denn gefundenes Tonmaterial. Auch wirkte es unrealistisch, wie stellenweise die Beobachter in das Mikro sprechen. Da wird jemand gehäutet, vergewaltigt, massakriert und sonstigerweise verstümmelt, und hinter dem Busch steht jemand mit einem Mikrofon, der das alles aufzeichnet, beobachtet und für eine andere Person kommentiert. Von "unrealistisch" zu reden wäre bei diesem Hörspiel im Hinblick auf die gesamte Handlung nicht angemessen, ist auch nicht Sinn der Sache, dennoch wirkt das auf mich wenig nachvollziehbar und stört das Gefühl von "alles echt" doch sehr.
SPRECHER, UMSETZUNG DER STIMMEN
Ebenfalls sehr unpassend wirken die Stimmen einiger weiterer Charaktere (aus Spoilergründen hier keine näheren Angaben. Wer es gehört hat, weiß jedoch sofort, wovon ich rede). Die Stimmen wurden künstlich unterlegt, und es klingt leider weder gruslig noch beängistend sondern einfach nur albern. Die Idee war toll, aber in der Umsetzung hat man eine prima Chance verschenkt. Auch die ständigen lateinischen Sprüche einer weiteren Figur passten in ihrer Übersetzung nicht wirklich in den Kontext, sondern sind bunt gewürfelte Zitate, die wohl einfach für ein bisschen mystische Stimmung sorgen sollten.
Mit Helmut Krauss, Eckard Dux, Patrick Bach, Ernst Meincke, Martin Sabel, Karen-Schulz-vobach und Wolfgang Jürgen hat man bekannte Sprecher ins Studio bekommen, die ihre Sache an sich sehr gut machen und herausholen, was das Drehbuch hergibt, auch wenn sie leider stellenweise sehr verzerrt werden und das Setting die Möglichkeiten der Sprecher nicht ausschöpft. Auch die anderen, eher noch unbekannteren Sprecher, machen im Rahmen der Möglichkeiten ihre Sache prima.
KURZGESCHICHTE, RAP
Am Ende trägt Karen Schulz Vobach eine Kurzgeschichte vor, die gefällt, wenngleich sie stilistisch und inhaltlich mit ihrer filigranen Struktur nicht so recht zum Holzhammersplatter passen möchte. Abgeschlossen wird die CD von einem recht ... eigenwilligen ... Rap / HipHop (? Ich kenne mich da nicht aus), der sehr gut zur Geschichte um den Briselanger Wald passt. Ich weiß nicht, ob andere Hörer der Zielgruppe sich davon angesprochen fühlen, meinen Geschmack hat man damit jedenfalls nicht getroffen, ich war eher irritiert, diese Art Musik findet nicht freiwillig den Weg in meinen Player.
FAZIT
Rein als Splatter, ungeachtet der Handlung und Umsetzung, ein nettes Schmankerln zwischendurch mit herrlich ekligen Momenten. Für jeden, der auch nur ein bisschen mehr erwartet als nur eklige Effekte, hätte man gerne noch an den Dialogen, der Story, den Charakteren und einer weniger albernen Umsetzung einiger Figuren feilen können. Aber - erwähnte ich schon die herrlich ekligen Splattereien? Die waren wirklich gut!
6,1 nicht zu störende Kreise

SCHREI DER ANGST ist eine Hörspielreihe des Labels >Marctopolis<, die in den Folgen 1-6 die Geschichte des Feeders erzählte: ein Psychopath mästet Frauen, bis sie platzen, findet es erotisch. Die erste Folge hatte ich gehört, fand sie zwar ganz gut umgesetzt, aber meinen Geschmack hatte die Story einfach nicht getroffen, sodass ich abbrach. Trotzdem ist sie recht beliebt, und ich kann diese Geschichte für Interessierte gerne empfehlen. Mit >MANALTAK< ist Folge 7 ein Einzeltitel, und ab Folge 8 soll im Sommer 2012 die dreiteilige Reihe SKIN-WALKER starten, ein Horror-Western, in den ich gerne wieder hineinschnuppern werde.
INHALT, GENRE
Eine Gruppe junger Erwachsener / Studenten macht eine Erkundungstour in den Brieselanger Wald, um das Geheimnis der Lichter zu erforschen. Sie kommen einer grausigen Wahrheit auf die Spur und werden Zeugen eines wahnsinnigen und tödlichen Treibens. Ein junge Frau kann entkommen, schwer trauamatisiert und mit schrecklichen Verletzungen wird sie ins Krankenhaus aufgenommen, sie spricht nicht, und der neue Arzt soll nun herausfinden, was geschehen ist. Er nimmt ihr Aufnahmegerät und versucht nun zu erfahren, was die Gruppe erlebte.
Und wieder ein herrlich blutiges Slasher-Hörspiel, diesmal eindeutig der Kategorie "Found Footage". Der Arzt bekommt die Tonaufnahmen in die Hand und muss sich daraus seine Informationen sammeln. Das Hörspiel selbst besteht abgesehen von Anfang, Ende und sehr kurzen Zwischensequenzen durchgehend aus dem Geschehen um die Gruppe. Auch das Setting - eine kleine Gruppe alleine mitten im dunklen Wald - ist nichts Neues.
Zum Genre selbst muss ich gar nicht mehr viel sagen. Der Film BLAIR WITCH natürlich das bekannteste dieser Art, bei Hörspielen war MITSCHNITT der Vorreiter. Vor einigen Monaten begeisterte mich >DAS LUFERHAUS<. Kürzlich erst hörte ich >DARK MYSTERIES<, das ansatzweise auch in dieses Genre tendiert. Das Konzept scheint bei den Hörern anzukommen, und ich hoffe zukünftig auf weitere Label, die diese spannende Möglichkeit der Inszenierung nutzen werden.
BRIESELANGER WALD
Der >Brieselanger Wald< ist ein bekannter "Spukort", um den sich viele Geschichten und Mythen ranken, viele Erklärungen gibt es für die geheimnisvollen Lichter nachts im Wald. Daher hatte ich gehofft, dass hier ein wenig recherchiert wird und man das Thema vielleicht ähnlich umsetzen würde wie im LUFERHAUS, welches recht realistisch gehalten ist und sich sehr intensiv auf Fakten und reale Personen stützt. Hier jedoch wurde lediglich die Locations "Brieselanger Wald" genommen, genausogut hätte man allerdings jede beliebige fiktive Ortschaft wählen können, es hätte keinen Unterschied gemacht.
CHARAKTERE, STORY
Zu den Charakteren in MANALTAK baut der Hörer kein Verhältnis auf (ein Charakter sticht hervor, leider aber nur durch seine übertrieben lässige Ausdrucksweise, die recht schnell für den Hörer störend wird und nicht so recht in das Setting passen will), zu schnell gleitet die Handlung vom Aufbruch hin zum Horror. Hier geht es weniger um Handlung, Charakterausbau und spannende Twists als vielmehr um eine reine Darstellung der schrecklichen Geschehnisse im Wald. Schon zu Beginn wird der Leser im Gespräch der beiden Ärzte untereinander darauf gestoßen, was geschehen wird: der Unterschenkel der Frau ist gehäutet, und die Haut eines jungen Mannes fand sich komplett zwischen zwei Bäume gespannt. Und nun wird vergnüglich zelebriert, wie es von der fröhlichen Abenteuerrunde hin zu diesem grauenerregenden Szenario kam.
EFFEKTE
An Effekten wird nicht gespart, die Geräusche klingen herrlich eklig, das Geschehen wird detailiert beschrieben. Für das Horror- und Splatterfan ist das prima, hier wird gemetzelt und geblutet, was das Zeug hält. Für den Liebhaber ausgefeilter Plots dagegen wird nicht wirklich viel geboten, dem Zweck des Storytelling dient dieses Hörspiel sicher nicht. Hier geht es rein um Splatter, Horror und Effekte.
In diversen Hörspielforen las ich von den Machern, dass ungewöhnliche Methoden für den Sound eingebracht wurden, etwa eine mit Handventilator bespielte Trommel, eine mit Hämmern gespielte Geige, ein mit Geigenbogen bespielter Wäscheständer und andere kreative Umsetzungen. Zugegeben, die Idee dahinter ist prima, bei mir als Hörer muss ich allerdings gestehen, kam das nicht an, es war sehr gut gemacht, aber ähnliche Qualität habe ich auch schon in vielen anderen Hörspielen gehört, und ob diese nun durch ein brennendes Piano oder andere, einfachere Mittel erzeugt wurde, ist für den Hörer am Ende fast egal, solange es authentisch und spannend klingt.
Was mich persönlich störte: dafür, dass es angeblich Found Footage ist, klingen mir die Sprecher, Dialoge, Aufnahmen, Geräusche zusehr nach Studio, zu sauber und zu gut aufgenommen. Es stellte sich kein Gefühl von Entfernung ein, von zufällig laufendem Mikro, das auch unwichtige Momente einfängt. Die Inszenierung erinnert eher an ein klassisches Hörspiel denn gefundenes Tonmaterial. Auch wirkte es unrealistisch, wie stellenweise die Beobachter in das Mikro sprechen. Da wird jemand gehäutet, vergewaltigt, massakriert und sonstigerweise verstümmelt, und hinter dem Busch steht jemand mit einem Mikrofon, der das alles aufzeichnet, beobachtet und für eine andere Person kommentiert. Von "unrealistisch" zu reden wäre bei diesem Hörspiel im Hinblick auf die gesamte Handlung nicht angemessen, ist auch nicht Sinn der Sache, dennoch wirkt das auf mich wenig nachvollziehbar und stört das Gefühl von "alles echt" doch sehr.
SPRECHER, UMSETZUNG DER STIMMEN
Ebenfalls sehr unpassend wirken die Stimmen einiger weiterer Charaktere (aus Spoilergründen hier keine näheren Angaben. Wer es gehört hat, weiß jedoch sofort, wovon ich rede). Die Stimmen wurden künstlich unterlegt, und es klingt leider weder gruslig noch beängistend sondern einfach nur albern. Die Idee war toll, aber in der Umsetzung hat man eine prima Chance verschenkt. Auch die ständigen lateinischen Sprüche einer weiteren Figur passten in ihrer Übersetzung nicht wirklich in den Kontext, sondern sind bunt gewürfelte Zitate, die wohl einfach für ein bisschen mystische Stimmung sorgen sollten.
Mit Helmut Krauss, Eckard Dux, Patrick Bach, Ernst Meincke, Martin Sabel, Karen-Schulz-vobach und Wolfgang Jürgen hat man bekannte Sprecher ins Studio bekommen, die ihre Sache an sich sehr gut machen und herausholen, was das Drehbuch hergibt, auch wenn sie leider stellenweise sehr verzerrt werden und das Setting die Möglichkeiten der Sprecher nicht ausschöpft. Auch die anderen, eher noch unbekannteren Sprecher, machen im Rahmen der Möglichkeiten ihre Sache prima.
KURZGESCHICHTE, RAP
Am Ende trägt Karen Schulz Vobach eine Kurzgeschichte vor, die gefällt, wenngleich sie stilistisch und inhaltlich mit ihrer filigranen Struktur nicht so recht zum Holzhammersplatter passen möchte. Abgeschlossen wird die CD von einem recht ... eigenwilligen ... Rap / HipHop (? Ich kenne mich da nicht aus), der sehr gut zur Geschichte um den Briselanger Wald passt. Ich weiß nicht, ob andere Hörer der Zielgruppe sich davon angesprochen fühlen, meinen Geschmack hat man damit jedenfalls nicht getroffen, ich war eher irritiert, diese Art Musik findet nicht freiwillig den Weg in meinen Player.
FAZIT
Rein als Splatter, ungeachtet der Handlung und Umsetzung, ein nettes Schmankerln zwischendurch mit herrlich ekligen Momenten. Für jeden, der auch nur ein bisschen mehr erwartet als nur eklige Effekte, hätte man gerne noch an den Dialogen, der Story, den Charakteren und einer weniger albernen Umsetzung einiger Figuren feilen können. Aber - erwähnte ich schon die herrlich ekligen Splattereien? Die waren wirklich gut!
6,1 nicht zu störende Kreise

SaschaSalamander 10.07.2012, 08.44 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL
Lord Skeffington Scatters Katzenärger
FAHR SINDRAM
Fahr Sindram ist Mangazeichnerin und Kinderbuchautorin, ihre Werke erscheinen im Butter and Cream Verlag, 2006 erschien das erste Werk LOSING NEVERLAND, ein Manga, der sich neben einer packenden Handlung vor allem gegen Kinderpornographie ausspricht. Etwas, das ich allgemein sehr wichtig finde und das vor allem im Mangabereich ein ganz eigenes Thema ist, das hier viel zu selten angesprochen wird.
INHALT
LORD SKEFFINGTON SCATTERS - KATZENÄRGER ist ein niedliches Bilderbuch, das mit seinem Nonsens-Humor, den liebenswerten Charakteren und den herrlichen Bildern auch für Erwachsene ein unterhaltsames Lesevergnügen darstellt. Lord Skeffington Scatters ist ein junger Zombie, bleich und mit viel blauer Pomade im Haar, er lebt mit seinen fünfzehn (15!) Katzen zusammen. Und wie alle jungen Menschen Zombies wünscht er sich Freunde, doch das ist nicht leicht, wenn man bleich ist, blaue Haare hat und eigentlich tot ist. Während seiner Arbeit in der Eisdiele verliebt er sich in "das Mädchen", doch was soll er tun, um ihre Liebe zu gewinnen? Leider stellt er sich sehr ungeschickt an, und auch die fünfzehn (15!) Katzen sind ihm keine große Hilfe dabei.
SPRACHE, GENRE
Ach, ein wundervolles Bilderbuch, das ich gern gelesen habe und das mich durchweg begeisterte. Wie gesagt, sehr viele Elemente des Nonsens heitern die an sich knappe Handlung auf: viele Dinge werden wiederholt, etwa die fünfzehn (15!) Katzen, oder auch das Lieblingsfutter der Katzen, die blaue Pomade. Der Autor spielt mit der Bedeutung unterschiedlicher Worte, setzt Sprichwörter um zu realen Ereignissen, zieht unverhältnismäßige Vergleiche und jongliert mit den Sätzen, die Charaktere führen ungewöhnliche Dialoge, es gibt sehr schräge Aktionen und unlogische Schlussfolgerungen. Ein einfach zu lesender Text, an dem Leser aller Altersklassen ihre Freude haben, die Kinder eher aufgrund der witzigen Story, die Erwachsenen aufgrund des hintergründigen Humors. Ein paar Beispiele:
"Das Haus hatte er von seinem Großonkel geerbt. In seiner Familie wurde sowieso vieles weitervererbt. So hatte der gute Skeffington seine Füße von Großonel Milton und seine langen Unterarme von Urgroßvater John-Joe".
"Ich kannte einmal eine Katze, die so alberne Witze erzählte, dass sie sich eines schönen Tages einen Wolf lachte, den hatte sie dann ihr ganzes restliches Leben am Hals. Und das störte wirklich sehr, auch wenn er Vegetarier war!"
"Er war ziemlich wie Du und ich. Und wenn nicht wie Du, dann eben wie ich und Nachbars Gartentor."
"Er zitterte wie eine Klapperschlange und klapperte wie Espenlaub."
ZEICHNUNGEN
Text und Zeichnungen bilden hier eine kongeniale Einheit. Zwar kann jedes für sich stehen und überzeugen, doch in Verbindung ist es wirklich einzigartig. Immer wieder schweift beim Lesen der Blick auf die Bilder, man vergleicht das Bild mit dem Text und stellt fest, wie liebevoll einzelne Details umgesetzt wurden. Und die Bilder machen neugierig auf den Text. Auch blätterte ich immer wieder zwischen dem Text, den Bildern und dem Ende hin und her: denn am Ende des Buches werden alle fünfzehn (15!) Katzen namentlich und mit ihren Charaktereigenschaften vorgestellt. Da kommt ganz von selbst das Bedürfnis, auf jedem Bild zu zählen, ob wirklich alle Katzen zu sehen sind und wie sie sich diesmal gekleidet haben, ob man sie auch alle erkennt und zuordnen kann.
Einige kleine Bilder unterstreichen neben dem Text nur knapp dessen Aussage, andere bekommen eine eigene, komplett colorierte Seite, sogar doppelseitige Bilder sind zu finden. Die Textseiten sind zusätzlich mit einem hübschen Rahmen verziert, der in sich geschlossen ebenfalls viele kleine Motive beinhaltet und zum Entdecken einlädt.
Auf den Bildern gibt es auch unabhängig vom Text sehr viel zu entdecken, für Bücherwürmer dürften vor allem die herumliegenden Bücher oder die Bücherregale interessant sein, dort finden sich sehr viele spannende Titel, die zu entdecken einer Schatzsuche gleicht, jedesmal begleitet von einem kleinen freudigen Erfolgserlebnis. Unzählige süße Details verleiten zum Träumen, Lachen, Spaß haben und Entdecken. Alles gilt es zu betrachten von den Fotos an den Wänden hin zu Accessoires an der Kleidung oder kleine Geschichten, die auf den Bildern zusätzlich zur Handlung im Text erzählt werden. Ich werde das Buch noch sehr oft aufschlagen, um darin zu blättern.
Obwohl es um einen Zombiejungen geht, und obwohl es Gothic-Elemente enthält, zeigt Fahr Sindram mit diesen Bilder ganz wunderbar, dass Goth nicht immer Schwarz sein muss, sondern im Gegenteil auch kunterbunt, herzlich und verspielt sein kann. Sieüberschlägt sich regelrecht mit Farben, Formen und Mustern, und das Buch strotzt (zwischen den Zeilen, denn vordergründig geht es ja um einen toten Jungen und eine unglückliche Liebe) vor Lebensfreude, Glück und guter Laune, man kann gar nicht anders als nach dem Lesen glücklich zu sein.
MORAL
Die Moral des Buches gefällt mir, sie ist zwar klar und liegt für den Leser auf der Hand, dennoch kommt sie witzig daher, die Autoren nehmen sie aufs Korn und machen auch hieraus einen eigenen Scherz. Noch nie wurde eine Moral so süß verpackt! Überhaupt ist das Ende der Geschichte wirklich gelungen. Es ist ein Happy End, wenn auch anders als erwartet, man kann sich mit den Charakteren freuen. Und auch, wenn das Buch abgeschlossen ist, lädt das Ende die Kinder ein, gemeinsam mit den Eltern neue Abenteuer mit Lord Skeffington zu erfinden. Einen Freund wie den kleinen Zombie und seine fünfzehn (15!) Katzen wünscht man sich gerne
Fahr Sindram ist Mangazeichnerin und Kinderbuchautorin, ihre Werke erscheinen im Butter and Cream Verlag, 2006 erschien das erste Werk LOSING NEVERLAND, ein Manga, der sich neben einer packenden Handlung vor allem gegen Kinderpornographie ausspricht. Etwas, das ich allgemein sehr wichtig finde und das vor allem im Mangabereich ein ganz eigenes Thema ist, das hier viel zu selten angesprochen wird.
INHALT
LORD SKEFFINGTON SCATTERS - KATZENÄRGER ist ein niedliches Bilderbuch, das mit seinem Nonsens-Humor, den liebenswerten Charakteren und den herrlichen Bildern auch für Erwachsene ein unterhaltsames Lesevergnügen darstellt. Lord Skeffington Scatters ist ein junger Zombie, bleich und mit viel blauer Pomade im Haar, er lebt mit seinen fünfzehn (15!) Katzen zusammen. Und wie alle jungen Menschen Zombies wünscht er sich Freunde, doch das ist nicht leicht, wenn man bleich ist, blaue Haare hat und eigentlich tot ist. Während seiner Arbeit in der Eisdiele verliebt er sich in "das Mädchen", doch was soll er tun, um ihre Liebe zu gewinnen? Leider stellt er sich sehr ungeschickt an, und auch die fünfzehn (15!) Katzen sind ihm keine große Hilfe dabei.
SPRACHE, GENRE
Ach, ein wundervolles Bilderbuch, das ich gern gelesen habe und das mich durchweg begeisterte. Wie gesagt, sehr viele Elemente des Nonsens heitern die an sich knappe Handlung auf: viele Dinge werden wiederholt, etwa die fünfzehn (15!) Katzen, oder auch das Lieblingsfutter der Katzen, die blaue Pomade. Der Autor spielt mit der Bedeutung unterschiedlicher Worte, setzt Sprichwörter um zu realen Ereignissen, zieht unverhältnismäßige Vergleiche und jongliert mit den Sätzen, die Charaktere führen ungewöhnliche Dialoge, es gibt sehr schräge Aktionen und unlogische Schlussfolgerungen. Ein einfach zu lesender Text, an dem Leser aller Altersklassen ihre Freude haben, die Kinder eher aufgrund der witzigen Story, die Erwachsenen aufgrund des hintergründigen Humors. Ein paar Beispiele:
"Das Haus hatte er von seinem Großonkel geerbt. In seiner Familie wurde sowieso vieles weitervererbt. So hatte der gute Skeffington seine Füße von Großonel Milton und seine langen Unterarme von Urgroßvater John-Joe".
"Ich kannte einmal eine Katze, die so alberne Witze erzählte, dass sie sich eines schönen Tages einen Wolf lachte, den hatte sie dann ihr ganzes restliches Leben am Hals. Und das störte wirklich sehr, auch wenn er Vegetarier war!"
"Er war ziemlich wie Du und ich. Und wenn nicht wie Du, dann eben wie ich und Nachbars Gartentor."
"Er zitterte wie eine Klapperschlange und klapperte wie Espenlaub."
ZEICHNUNGEN
Text und Zeichnungen bilden hier eine kongeniale Einheit. Zwar kann jedes für sich stehen und überzeugen, doch in Verbindung ist es wirklich einzigartig. Immer wieder schweift beim Lesen der Blick auf die Bilder, man vergleicht das Bild mit dem Text und stellt fest, wie liebevoll einzelne Details umgesetzt wurden. Und die Bilder machen neugierig auf den Text. Auch blätterte ich immer wieder zwischen dem Text, den Bildern und dem Ende hin und her: denn am Ende des Buches werden alle fünfzehn (15!) Katzen namentlich und mit ihren Charaktereigenschaften vorgestellt. Da kommt ganz von selbst das Bedürfnis, auf jedem Bild zu zählen, ob wirklich alle Katzen zu sehen sind und wie sie sich diesmal gekleidet haben, ob man sie auch alle erkennt und zuordnen kann.
Einige kleine Bilder unterstreichen neben dem Text nur knapp dessen Aussage, andere bekommen eine eigene, komplett colorierte Seite, sogar doppelseitige Bilder sind zu finden. Die Textseiten sind zusätzlich mit einem hübschen Rahmen verziert, der in sich geschlossen ebenfalls viele kleine Motive beinhaltet und zum Entdecken einlädt.
Auf den Bildern gibt es auch unabhängig vom Text sehr viel zu entdecken, für Bücherwürmer dürften vor allem die herumliegenden Bücher oder die Bücherregale interessant sein, dort finden sich sehr viele spannende Titel, die zu entdecken einer Schatzsuche gleicht, jedesmal begleitet von einem kleinen freudigen Erfolgserlebnis. Unzählige süße Details verleiten zum Träumen, Lachen, Spaß haben und Entdecken. Alles gilt es zu betrachten von den Fotos an den Wänden hin zu Accessoires an der Kleidung oder kleine Geschichten, die auf den Bildern zusätzlich zur Handlung im Text erzählt werden. Ich werde das Buch noch sehr oft aufschlagen, um darin zu blättern.
Obwohl es um einen Zombiejungen geht, und obwohl es Gothic-Elemente enthält, zeigt Fahr Sindram mit diesen Bilder ganz wunderbar, dass Goth nicht immer Schwarz sein muss, sondern im Gegenteil auch kunterbunt, herzlich und verspielt sein kann. Sieüberschlägt sich regelrecht mit Farben, Formen und Mustern, und das Buch strotzt (zwischen den Zeilen, denn vordergründig geht es ja um einen toten Jungen und eine unglückliche Liebe) vor Lebensfreude, Glück und guter Laune, man kann gar nicht anders als nach dem Lesen glücklich zu sein.
MORAL
Die Moral des Buches gefällt mir, sie ist zwar klar und liegt für den Leser auf der Hand, dennoch kommt sie witzig daher, die Autoren nehmen sie aufs Korn und machen auch hieraus einen eigenen Scherz. Noch nie wurde eine Moral so süß verpackt! Überhaupt ist das Ende der Geschichte wirklich gelungen. Es ist ein Happy End, wenn auch anders als erwartet, man kann sich mit den Charakteren freuen. Und auch, wenn das Buch abgeschlossen ist, lädt das Ende die Kinder ein, gemeinsam mit den Eltern neue Abenteuer mit Lord Skeffington zu erfinden. Einen Freund wie den kleinen Zombie und seine fünfzehn (15!) Katzen wünscht man sich gerne
FAZIT
Unbedingt kaufen! Was auch immer ich hier alles geschrieben habe, man muss es sich selbst ansehen. Wer das, was ich hier in der Rezi angeschnitten habe, auch nur ansatzweise interessant fand, der wird von Skeffington begeistert sein! :-)
Wertung: 100 von 100 Rock und Rollende Kellermonster

SaschaSalamander 09.07.2012, 08.56 | (0/0) Kommentare | PL
In Liebe, Brooklyn
INHALT, GENRELucca ist gestorben. Seine Freundin Brooklyn ist nicht fähig, ihre Trauer zu bewältigen. Sein Bruder Nico läuft wortwörtlich davon, sucht seinen Trost im Laufsport. Ein Jahr nach dem Unfall verstirbt auch Gabe, war es eine Überdosis oder war es Absicht, weil auch er den Tod des Jungen nicht verkraftet hat? Nach Gabes Tod leidet Brooklyn unter immer schlimmeren Albträumen, gleichzeitig erhält Nico vom Geist seines Bruders den Auftrag, Brooklyn zu helfen. Werden die beiden in ihrem Kummer zueinanderfinden?
Obwohl es darum geht, wie Nico und Brooklyn zueinanderfinden und es ein Buch voller Sanftheit ist, ist es kein typischer Roman um Jugendliebe. Eher würde ich das Buch im Bereich Drama und Entwicklung einordnen. Und obwohl Luccas Geist indirekt darin vorkommt, sehe ich es nicht als Fantasy, dieser Aspekt ist vielmehr ein weiteres Symbol der Autorin, hier stellvertretend für die Verbundenheit zwischen Nico und seinem Bruder.
COVER
Lasse ich Cover und Gestaltung normalerweise außen vor, so ist es hier unbedingt erwähnenswert. IN LIEBE BROOKLYN ist im Format etwa so groß und breit wie eine kleine Geldbörse, passt also auch gut in die Hosentasche. Das Cover in zartem Rosa und Grün glitzert leicht metallisch, springt sofort angenehm ins Auge. Das Papier ist sehr dünn, wie man es von Minibüchlein (vor allem Bibel, aber auch andere) kennt. Das sagt natürlich alles noch lange nichts über den Inhalt des Buches, aber es wirkt schon vor dem Lesen sehr ansprechend, wie ein kleines Tagebuch, es lädt vor allem weibliche Leser ein, es aufzuschlagen, sich in den Worten darin zu verlieren.
SPRACHE, GESTALTUNG, AUFBAU
Das Buch ist klein und dünn, die Seiten sind auch nicht wie gewohnt komplett bedruckt. Statt dessen ist das Buch in freier Versform geschrieben. Es reimt sich nicht, sieht jedoch hübsch aus und vermittelt Poesie, Lyrik. Dennoch ist die Sprache nicht einem Gedicht entsprechend gewählt oder gehoben, es liest sich normal und flüssig wie jedes andere Buch dieser Art auch. Vielmehr erinnert es mich an die Tagebucheinträge junger Mädchen, die ihren Gedanken auf diese Weise Form verleihen. Der Zielgruppe des Buches entsprechend ist das eine wunderschöne Idee, für mich hätte es das allerdings nicht gebraucht, mir ist die Aufmachung eines Buches und die Gestaltung der Textform egal, ich bin da ganz pragmatisch. Trotzdem, eine hübsche Idee, die Blicke auf sich zieht und gefällt. Mir ist aktuell kein anderes Buch bekannt, das in dieser Form veröffentlicht wurde.
Es liest sich insgesamt sehr flüssig, wie ein normaler Roman. Was mir besonders gefällt ist der Subtext. Die Geschichte wird hier zum geringsten Teil durch Worte erzählt als durch das, was ungesagt bleibt. Das Buch enthält sehr viele Symbole, und man merkt, wie im Laufe des Buches immer häufiger schöne, angenehme Symbole auftauchen - auch ohne dass Brooklyn erwähnt, dass es ihr besser geht, erkennt der Leser ihre langsam wieder aufkeimende Lebensfreude alleine anhand kleiner Symbolbilder. So spielen Comics zu Beginn eine sehr wichtige Rolle, werden immer seltener, bis Brooklyn es eines Tages ganz vergisst. Dafür kommen die Blumen wieder in ihr Leben, beginnt sie das Laufen. Auch Hunde zu Beginn als Sinnbild für Vergänglichkeit und Tod, Zwang und Unstimmigkeit, bis sie am Ende nach und nach zu einem Sinnbild des Lebens und der Freude, der freien Entscheidung und des Miteinanders werden. Auf diese Weise erzählt die Autorin die Geschichte auf hintergründige Weise, es gibt sehr viel zu interpretieren, assoziieren, es fällt leicht, sich einfach fallenzulassen und ganz dem Fluss der Handlung zu folgen.
Mit Fortschreiten der Handlung ändert sich nicht die Sprache, jedoch die Art und Form der Texte sowie deren Zusammenhang. Anfangs liest man lediglich die Tagebucheinträge von Brooklyn und Nico sowie Brooklyns Briefe an den verstorbenen Lucca. Ein Mail von Nico an Brooklyn ist der Wendepunkt: bis dahin verfolgte man die Leben der beiden parallel, nun beginnt es sich zu verstricken, oft spielen sie sich gegenseitig den Ball zu. Nico erzählt den Beginn eines Treffens, Brooklyn beendet es, Nico reflektiert es anschließend. Die Briefe an Lucca werden seltener. Lisa Schroeder ist es in der Tat gelungen, ein durch und durch in sich stimmiges Buch zu schreiben, bei dem das Äußere, die Sprache, der Aufbau und die Charaktere eine wundervolle Einheit bilden.
CHARAKTERE
Brooklyn und Nico gehen unterschiedlich mit ihrer Trauer um. Als Leser erlebt man beide sowohl von außen (aus Sicht des jeweils anderen betrachtet) als auch von innen (durch ihre Tagebucheinträge). Zwei grundverschiedene Menschen, die in kleinen Schritten zueinanderfinden. Nico ist nach außen hin locker, er trainiert, arbeitet, erfüllt seine Pflichten, doch in ihm nagt die Trauer, er fühlt sich als Sohn vernachlässigt, gibt sich stark doch fühlt sich schwach. Brooklyn dagegen ist innen wie außen zerbrechlich, sie weint, ist hilflos und ist kurz davor, sich aufzugeben. Doch der Leser wird von Selbstmitleid und Gejammer verschont, vielmehr sind es melancholische Gedanken, denen man gut folgen kann.
FAZIT
IN LIEBE BROOKLYN überzeugt durch sein ungewöhnlich hübsches Aussehen ebenso wie durch seinen filigranen Text und die hervorragend aufgebaute Geschichte. Ein in sich absolut stimmiges Buch, hervorragend geeignet für einen Nachmittag mit Tee und Keksen.
SaschaSalamander 07.07.2012, 14.20 | (0/0) Kommentare | PL
Dark Mysteries 01 - Fuchsjagd
MARKUS WINTER / DARK MYSTERIESDARK MYSTERIES ist ein neues Hörspiel von Markus Winter, diesmal unter dem passenden Label "WinterZeit". Markus Winter schrieb das Skript und ist verantwortlich für die Regie. Er ist bekannt als Autor der Reihe GEISTERSCHOCKER, TRAUMWANDLER und SHERLOCK HOLMES UND CO sowie die Kinderkrimi - Reihe EIN FALL FÜR DIE ROSEN.
DARK MYSTERIES ist eine Reihe, bei der - ebenso wie bei MINDNAPPING (Z.B. >DOPAMIN< oder >MONTANA< oder MITSCHNITT - die Folgen in sich geschlossen sind. Das gemeinsame Thema bei Dark Mysteries scheint eine Gruppe junger Menschen, die abgesondert von ihrer Umwelt Horror erleben. Man kann also bedenkenlos zugreifen, egal ob man nun Folge 1 hört oder eines Tages vielleicht einmal Folge 10 ;-)
INHALT
FUCHSJAGD ist die erste Folge und handelt von vier jungen Erwachsenen, die an einem sonderbaren Ort aufwachen. Und noch bevor sie richtig geklärt haben, was überhaupt los ist, droht bereits die erste Gefahr. Sie meistern die Aufgabe, doch neue, noch gefährlichere Aufgaben sind zu bewältigen. Wer steckt hinter diesem Horror? Werden sie entkommen können?
GRUNDIDEE
Vom Konzept her nichts Neues, dafür aber altbewährt und immer wieder gerne gehört, gesehen, gelesen. So müssen in SAW zum Beispiel blutige Aufgaben gelöst werden, im CUBE gilt es die Gefahren verschiedener Räume zu erkennen. Bei THE HOLE sind vier Teenager gefangenen in einem dunklen Loch. In den Mangas DOUBT und JUDGE werden junge Erwachsene gefangengehalten und müssen ebenfalls verschiedene Aufgaben erfüllen. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, mal als Slasher, mal als Horror, Thriller oder Drama. Ich würde DARK MYSTERIES in den Bereich Horror und Slash einordnen, denn es geht inhaltlich ganz schön zur Sache, man sollte nicht allzu zart besaitet sein und braucht einen festen Magen, wenn Gedärm und Blut "ins Gesicht klatschen".
GELUNGEN: SPRECHER, EFFEKTE
Bevor ich zum ausführlicheren Teil, leider der Kritik, komme, erst einmal zu dem, was mir gefiel: ansatzweise wird eine recht gute Atmosphäre aufgebaut, die Beklemmung der jeweiligen Szene konnte ich gut nachempfinden. Ich hatte das Bedürfnis, unbedingt weiterzuhören, konnte nicht mehr aufhören und war gefesselt. Auch die Sprecher machten ihre Sache gut. Melanie Hinze, David Turba, Yvonne Greitzke und Björn Schalla sind Namen, die mir bisher noch nicht begegnet sind, und dafür machen sie ihre Sache wirklich prima. Die Erzählparts werden gut erzählt, in den Actionmomenten wirken sie lebendig und glaubwürdig.
Die Geräusche und Effekte sind gut gelungen, unterstreichen besonders die ekligen Momente und passen sehr gut in das Hörspiel. Sie tragen neben den Sprechern sehr zur beklemmenden Atmosphäre des Hörspiels bei.
NICHT GELUNGEN: ERZÄHLWEISE, AUFBAU, MUSIK
Nun aber schon zu einem der Probleme: ja, die Sprecher sind gut. Allerdings ist der Aufbau des Hörspieles nicht gelungen. Die Dialoge sind stellenweise etwas hölzern, ich denke nicht, dass man in Todesangst solche klar formulierten Sätze von sich geben würde geschweige denn noch mit Fachbegriffen um sich werfen oder eine Situation seelenruhig analysieren. Außerdem konnten die Macher sich nicht einig werden, ob man nun eine Erzählstruktur möchte oder das Erleben im Vordergrund stellt. So gibt es also Tondokumente, die angeblich Vernehmungsprotokolle sein sollen. Und DAS hat für mich der Folge das Genick gebrochen. Ein Vernehmungsprotokoll ist ein Dialog, und es ist vor allem kein Hörspiel, sondern ein erzählter Text. Doch statt dessen wird mitten im Protokoll quasi rückblickend die jeweilige Szene eingeblendet, und der Vernommene ist lediglich der Erzähler der entsprechenden Szene. Das passt vorne und hinten nicht, weil es dadurch kein komplettes Hörspiel ist, aber auch kein Found Footage mit "originalen" Tondokumenten.
Auch ist die Form des Erzählens ungünstig gewählt. "Die Pflöcke bohrten sich erbarmungslos in die vermoderten Körper, die den Gang säumten. Und hatten kurz darauf auch das einzige lebende Wesen erreicht – (...). Wir sahen, wie sich die Spitzen in sein Fleisch bohrten. Er wurde aufgespießt wie ein Grillhähnchen. Fassungslos klebten meine Augen am Bildschirm. So grausam das Geschehen auch war – ich konnte sie nicht abwenden. Warum, weiß ich nicht, aber ich musste zusehen, bis (...) Körper vollständig durchlöchert war, er aufhörte zu zucken, sich zu winden. Erst dann senkte ich den Blick." Dieser Text als Werbung für das Hörspiel und zudem Inhalt des Hörspiels. Man stelle sich diesen Text vor, erzählt von einem Befragten während der Vernehmung mit recht unbeteiligter Stimme. Da will sich der Horror nicht so ganz einstellen, weil es nicht zusammenpasst.
Erzähler, Hörspiel und Musik wechseln sich ab. Die Musik ist recht laut abgemischt und zudem nach kurzer Zeit sehr unangenehm, aggressiv. Erster Gedanke, als die Einleitung startete "Mist, meine Kopfhörer sind kaputt". Aber zum Glück war es nur die aufdringliche, scheppernde Musik, nicht der defekte Player. Die Musik verstärkt den Eindruck, den das Hörspiel insgesamt auf mich macht: Overload, überdramatisch, too much.
Ich denke, mit weniger brutal in die Story gedrückter Gewalt und ein wenig mehr Psycho hätte es ein prima Start für die Serie werden können. So aber wird versucht, möglichst viel Blut, Knochen, Gedärme und Horror auf einer einzigen CD unterzubringen, und vor lauter Slash vergaß man leider den Ausbau der Charaktere und der Story. Denn die Charaktere sind alle sehr stereotyp, handeln exakt nach dem vorgegebenen Klischee ihrer Rolle. Zwar sind auch Überraschungen eingebaut, aber - naja, sie sind nicht wirklich überraschend, wenn man schon viele Titel des Genres gesehen hatte. Dazu kommt, dass einige Momente sehr unrealistisch sind. Aber gut, wir wissen ja, wie es im Horror ist - nicht alles, was tot scheint, ist auch tot.
FAZIT
Ich liebe abgeschlossene Räume, kleine Gruppen und blutige Aufgaben, dazu ein wenig Gemetzel und Psycho. Es darf gerne immer wieder das Gleiche sein. Doch um sich aus der Masse hervorzuheben, muss man ein paar Besonderheiten einbauen. Genau das ist DARK MYSTERIES in der ersten Folge leider nicht gelungen. Es hätte ein super Start sein können, statt dessen ist einfach eines von vielen, perfekt für die kleine Metzelei zwischendurch, aber nicht herausragend. Trotzdem, ich bleibe am Ball und werde mir weitere Folgen anhören. Denn trotz all der Kritik, irgendwie hat es mir gefallen. Manchmal braucht man sowas einfach ;-)
Wertung: 5,4 von 10 Fake-Leichen
SaschaSalamander 06.07.2012, 08.03 | (0/0) Kommentare | PL
Jo Raketenpo
Jonathan Vogel war schon als Kind ein "Knaller", und die Einschulung wird so lange als möglich hinausgezögert. Erst ein bitterböser Brief des Schuldirektors stellt die Eltern vor die Entscheidung. Da findet Jonathans Mutter die Anzeige des geheimnisvollen Arztes Dr. Flatatul Bum. Dieser findet heraus, dass der Kleine an Cackao Prudentium leidet, einer Allergie gegen Klugsch***, und wannimmer er dieser ausgesetzt ist, wandelt er sie um in heiße Luft. Na, da ist die Schule genau der falsche Ort! Aber mit Hilfe der kleinen grünen Froschpillen bekommt er sein Problem in den Griff. Die Schule ist schrecklich, Dr. Eisenbart, Herr Würgl, Frau Gift und Galle machen ihm das Leben zur Hölle, und die Klassenkameraden sind auch gemein. Bis eines Tages Charlotte, Scha Scha Zinsel genannt, in seine Klasse kommt. Auch sie hat ein luftiges Geheimnis, und bald erleben die beiden das Abenteuer ihres Lebens.Ob das Buch pädagogisch wertvoll ist, darüber kann man streiten. Thema Außenseiter, Thema "Du bist gut so wie Du bist", aber das könnte man natürlich auch anders verpacken. Aber es ist auf jeden Fall lustig, und ich kann mir vorstellen, dass Kinder aus dem Lachen nicht mehr herauskommen, auch ich als Erwachsener musste sehr oft lachen, wenn vermutlich auch über andere Dinge. Und gemeinsames Lachen ist oft hilfreicher als alle Pädagogik der Welt ;-)
JO RAKETENPO ist klein und unscheinbar, man leidet mit ihm mit. Die Schüler gehen ihm aus dem Weg, um ihn zu schneiden. Scha Scha hat das gleiche Problem, doch sie ist stolz und selbstbewusst, sie ist ein Powermädel. Ihr gehen die Schüler aus dem Weg, um ihr ehrfurchtsvoll Platz zu machen. Die beiden bieten wundervolle Identifikationsfiguren für Kids, zwei grundverschiedene Charaktere, ausgestattet mit liebenswerten Eigenschaften und doch nicht perfekt. Bei den Erwachsenen gibt es die Guten und die Bösen, klar definiert. Bei der überzogenen Darstellung der Bösen musste ich stellenweise schon an Roald Dahl denken, Frau Gift und Galle sowie der böse Lehrer Würgl erinnerten in ihrer Grausamkeit doch irgendwie an Frau Knüppelkuh und Co, also auf eine Weise überzeichnet, dass Kinder keine Angst vor ihnen haben müssen aber trotzdem so richtig wütend werden dürfen auf diese Menschen.
Das Buch ist weder realistisch noch ernsthaft, es gibt absurde Situationen und völlig schräge Momente, die jeglicher Logik entbehren, das Buch ist ein Riesenspaß.
Nett fand ich die Formulierungen und die Sprache, Pinkus Tulim jongliert mit Worten, er hat sichtlich Spaß beim Schreiben gehabt, das spürt man. Da ich es nur gehört, nicht gelesen habe, kann ich leider nicht nachschlagen, und während des Hörens hatte ich keine Gelegenheit zu notieren. Aber selbst ohne darauf zu achten, fällt einem schnell auf, wie hier mit den Worten gespielt wird. Auch gibt es sehr viele Wortneuschöpfungen, teilweise vermutlich zeilenlang, ein herrlicher Spaß. Die Metaphern sind ebenfalls gelungen. Jonathan pupst als Kind so stark, dass den Enten die Schnäbel abfallen. Jemand ist erstaunt und öffnet den Mund so weit, dass eine Ratte mitsamt ihrem Reisekoffer hindurchgepasst hätte. Und eine gemeine Fangfragte fragte jemand "mit einem Angelhaken als Fragezeichen". Stilmittel der Nonsensliteratur, wie ich sie liebe :-)
Einzige Schwäche des Buches finde ich den Aufbau. Zwar ist der Anfang nett, aber er fesselt nicht wirklich. Es ist nicht klar, worauf es hinausgeht, wirklich spannend wird es erst ab dem Besuch bei Dr. Flatatul Bum und dem Schuleintritt, davor zieht es sich doch recht in die Länge. Wäre nicht der Sprecher gewesen, hätte ich das Hörbuch vermutlich bald abgebrochen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich es weitergehört habe. Nur der Spannungsbogen hat mir gefehlt: es gab keine konkrete Frage, auf deren Auflösung man bangte (die meisten Bücher haben doch eine Kernfrage, etwa "wird es ihm gelingen usw", "wird er seinen Traum verwirklichen und eines Tages ..."), sondern vielmehr eine Aneinanderreihung der Erlebnisse Jonathans von seiner Babyzeit bis hin in die Schulzeit. Da die Handlung jedoch voranschreitet und nicht nur erzählt, fragte ich mich immer wieder, wann denn nun der Knackpunkt käme. Aber gut, es ist ein Kinderbuch, und ich bin sicher, dass Kinder nicht nach solchen Dingen fragen ;-)
Christoph Maria Herbst (Stromberg) ist ein grandioser Sprecher. Inzwischen neige ich fast dazu, ihn neben Stefan Kaminski und Rufus Beck zu stellen mit seiner wandelbaren Stimme. Er quietscht, knarrt, keift, bellt, krakeelt, pupst, piepst, donnert, er spielt virtuos mit seiner Stimme wie ein Musiker auf seinem Instrument. Gelegentlich untermalt von einem eingespielten Geräusch und eingespielten Musikstücken, was gut zur CD passte.
Das Buch habe ich nicht gelesen, aber ein Blick in die Leseprobe zeigt mir, dass die Bilder wirklich witzig sind und gut dazu passen. Es ist also gar nicht leicht, sich für das Buch oder die CD zu entscheiden. Es ist einer der Titel, wo man vielleicht sogar überlegen sollte, sich beides zuzulegen.
JO RAKETENPO ist ein urkomisches Kinderbuch, das den Großen genauso Spaß macht wie den Kleinen. Ganz große Empfehlung :-)
7,8 von 10 Treppenstufen
SaschaSalamander 05.07.2012, 08.34 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL
Precious Lies
Maa-Chan ist in der Schule eine Außenseiterin, niemand weiß, was hinter dem hübschen aber zurückgezogenen Mädchen steckt. Ihr Freund Mii-Chan alleine kennt ihr Geheimnis. In der Stadt geht ein Mörder um, und außerdem sind zwei Kinder verschwunden, sind sie womöglich dem Mörder in die Hände gefallen? Und was haben Maa-Chan und Mii-Chan damit zu tun?PRECIOUS LIES ist ein Einzelband. Für einen Thriller ungewöhnlich aber durchaus machbar. Japanische Autoren besitzen häufig das Talent, in nur wenigen Strichen und Sätzen komplexe Zusammenhänge und psychologische Dramen auf wenigen Seiten zu skizzieren und kleine Meisterwerke zu erschaffen. Die Geschichte klang vielversprechend, also habe ich es gewagt. Leider wurde ich enttäuscht.
Die Zeichnungen sind sehr schlicht, es gibt kaum Hintergründe oder andere Details. Dies empfinde ich jedoch nicht als störend, denn es passt gut zum Grundton der Geschichte.
Der Erzählstil leider ist sehr problematisch. Erst wird der Leser einige Zeit im Unklaren gelassen, Spannung wird in dieser Zeit jedoch nicht aufgebaut. Als dann die Situation klar ist, entsteht trotz der gefährlichen Lage nicht das Gefühl "ich muss jetzt sofort weiterlesen", sondern zieht sich über viele weitere Seiten hin. Den Reiz soll wohl die Ungewissheit ausmachen: Was nun mit Maa-Chan los ist und warum sie sich so verhält, erfährt man erst nach und nach, und zwar durch Mii-Chan, der eigentlich der Protagonist der Geschichte ist. Doch währen Maa-Chan, wie schon der Titel sagt, die Gebrochene ist, ist Mii-Chan der Lügner. Daher kann sich auch der Leser nicht sicher sein, was nun Berechnung ist, was Lüge und was Wahrheit.
Pschologisch ist PRECIOUS LIES höchst komplex, aber das Thema wird nur angerissen. Mit einigen Fachbegriffen um sich zu werfen und ein Drama zu inszenieren ist leider wirkungslos, wenn der Bezug zwischen Leser und Charakteren nicht aufgebaut werden kann. Schade, denn die Geschichte hätte Potential gehabt.
Im Grunde also eine durchaus interessante Geschichte, in sich abgeschlossen und gut durchdacht, mit einem dafür passenden Zeichenstil. Doch es fehlt die Spannung, und die Möglichkeiten des Themas wurden nicht genutzt.
2,7 von 5 frühkindliche Traumata
SaschaSalamander 04.07.2012, 08.54 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL
MindNapping 09 - Montana
MINDNAPPING ist eine Hörspielreihe des Labels Audioanarchie, die ein abgeschlossenen Einzelfolgen spannende Geschichten erzählt, häufig getragen vom Wahnsinn der Protagonisten oder dem Mindfuck der Story. Es gab schwächere Folgen, aber auch starke Episoden wie >DOPAMIN<. Montana hat mich wieder einmal sehr begeistert, deswegen möchte ich kurz ein paar Gedanken mit Euch teilen. Die Handlung ist schwer zu beschreiben, da sie auf mehreren Ebenen spielt. Rahmenhandlung bildet ein Drehbuchautor, der tot in seiner Wohnung aufgefunden wird. Sein letzter Wille: sein Skript muss verfilmt werden, sonst geht sein Geld an die Blackfeet - Indianer. Beim Filmdreh wird schnell klar, dass es mit dem Skript etwas Besonderes auf sich hat, und die Realität beginnt mit der Fiktion zu verschmelzen.
Ein wiederkehrendes Thema des Hörspieles ist die Sebstreferenzialität, einerseits spielerisch erklärt und in witzigen Geschichten oder Paradoxa, andererseits in der Handlung selbst. So handelt der Film von einem Drehbuchautor, der einen Film dreht, in welchem es usw. Nicht umsonst ist auf dem Cover ein >Möbius-Band< abgebildet.
Selten höre oder lese ich etwas zweimal, und noch seltener beginne ich direkt nach dem Ende erneut von vorne. In diesem Fall habe ich es getan, ansonsten wäre es kaum möglich gewesen, die Geschichte zu erfassen. Mit dem Wissen um spätere Entwicklungen und das Ende war das erneute Hören ein komplett anderes Hörerlebnis, das sich absolut lohnte und mir sogar noch besser gefiel als beim ersten Mal. Nein, nebenbei darf man MONTANA auf keinen Fall hören, wenn man es verstehen möchte!
Die Sprecher agieren gekonnt, die Hintergrundmusik vermittelt eine sehr schöne Atmosphäre passend zum Westernsetting des gedrehten Filmes, ich konnte tief in die Welt abtauchen. Mich darin zu verlieren war erst beim zweiten Mal möglich, da anfangs doch zuviele offene Fragen waren und ich Schwierigkeiten hatte, die drei bzw vier Erzählebenen auseinanderzuzalten.
Eine rundum gelungene Folge, die man auch unabhängig vom Rest der Reihe sehr gut hören kann. Wer Hörspiele und Mindfuck liebt, der kommt an MONTANA nicht vorbei!
10 Luchse - 0,9 Kojoten = 9,1 ungleiche Brüder
SaschaSalamander 03.07.2012, 08.27 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL
Mr Gum und der fettige Ingo
INHALTDie Essenszeit-Kriege wüten vernichtend über Bad Lamonisch an der Bibber. Wie kam es dazu? MR GUM geht fürs Abendessen nicht mehr zu seinem besten Freund, dem ebenso gemeinen und fiesen Metzger Willi Wilhelm III ff, sondern statt dessen zum fettigen Ingo und dessen Affen "Philipp der Horror". Das kann Willi Wilhelm III ff nicht auf sich sitzen lassen! Und Polly kann nicht einfach tatenlos zusehen, wie die beiden Stinkstiefel die Stadt vernichten, also muss sie sich etwas einfallen lassen.
BAND 6 DER REIHE UM MR GUM
DER FETTIGE INGO ist der sechste Band einer erfolgreichen Kinderbuchreihe um den miesepetrigen MR GUM. Zwar lassen die Bücher sich unabhängig voneinander lesen, trotzdem ist es natürlich schön, wenn man sich bei den Charakteren auf frühere Bücher beziehen kann, und viele Witze sind umso lustiger, wenn man den Hintergrund versteht. Man begegnet alten Freunden wie dem elektrischen Lebkuchenmann Björn Schneyder oder der angetrunkenen Omimi, es kommen aber auch neue Bewohner der Stadt hinzu, so der titelgebende Ingo Fettig und sein bösartiger Affe.
NONSENS UND JEDE MENGE SPAß
Andy Stanton schreibt die Texte, die von David Tazzyman mit witzigen Kritzelzeichnungen illustriert werden. Und Harry Rowohlt als Übersetzer, ein perfektes Dreierteam! Das Buch ist ein gelungenes Werk unsinniger Fabulierkunst, die aberwitzigen Ideen das Autors sind einfach hinreißend. Völlig unzusammenhängende Metaphern und Vergleiche, unrealistische Aktionen und völlig unbedeutende Nebenstränge. Mitten im Buch findet der Leser plötzlich ein Kapitel über einen balzenden Flamingo, und einige Seiten später direkt in Folge der Entschuldigungsbrief des (fiktiven) Verlegers, welcher sich für den Fehler entschuldigt aber gleichzeitig einräumt, dass das statt dessen fehlende Kapitel sowieso völlig langweilig gewesen sei. Man muss, wenn man z.B. in der U-Bahn liest, wirklich aufpassen, dass man nicht überrascht die Augen aufreißt und laut loslacht, so absurd sind manche Szenen dargestellt.
ROWOHLTS ÜBERSETZUNG
Harry Rowohlt ist es wieder geglückt, das Buch im Sinne des Autors zu übersetzen, wobei natürlich einige Wortwitze nicht möglich waren und er diese umformulierte, dafür an passender Stelle andere Scherze einfügte. Ein gelungenes aber unübersetzbares Wortspiel hat er ausnahmsweise mit Fußnote erklärt (die Aufforderung "Duck", also "duckt Euch", als eine Ente angeflogen kommt). Während das erste Buch eine insgesamt trotzdem weitgehend fortlaufende Handlung hatte und vor allem die Charaktere aus Lamonisch an der Bibber einführte, ist der sechste Band vor allem geprägt von Wiederholungen und freien Versen teils in Reimform sowie sehr viel Lautmalerei.
SCHWÄCHE DES 6. BANDES
Zugegeben, dabei hat Andy Stanton ein wenig übertrieben. Wiederholung mag ein Stilmittel der Nonsensliteratur sein, trotzdem sollte sie maßvoll angewendet werden. Als der stinkende Fiesling Willi Wilhelm III ff das erste mal (nicht) auf einem magischen Einhorn einherreitet, mag man noch losprusten bei der Vorstellung, das zweite Mal schmunzelt man, aber spätestens beim sechsten oder siebten Mal ist es wirklich genug. Außerdem gibt es im Buch diesmal fast keine Handlung, sie erschöpft sich bereits in der Inhaltsangabe des Klappentextes. Doch sie wird enorm in die Länge gezogen durch die freien Verse, die sich teils über 6 oder mehr Seiten erstrecken, jedoch einen Inhalt widergeben, der in einem Satz abgeschlossen wäre und teilweise nur aus sich wiederholenden Lautmalerei besteht. Während im ersten Band die Darstellung einzelner Worte wie BUMM, WATSCH, WACK etc lustig war, wurde auch diese Möglichkeit etwas über Maß strapaziert (wenngleich es einige wirklich witzigen Momente gibt wie etwa KA-WUMM, KA-BLAMM, KA-PITELENDE!). Das "Schnatter! Schnatter! Schnatter! Schnatter! Schnatter! Schnie!" des Affen ist gefühlt auf beinahe jeder dritten Seite zu lesen, was bei der sowieso schon geringen Textmenge (teils nur 5 bis 10 Zeilen) pro Seite einfach zuviel ist, man fühlt sich als Leser doch etwas um den Inhalt betrogen.
TEXTBEISPIELE
Mit einem schrecklichen Geruch nach verbranntem Gummi und Lebkuchen drehte sich das Taxi mitten auf der Straße im Kreise und im Kreise und im Kreise. Ein Vorderrad ging ab, flog erst ins Ober-, dann ins Unterhaus und würde zufällig für die nächsten zehn Jahre Premierminister. (S. 150)
Sie waren die ganze Nacht gereist, aber jetzt erhob sich die Sonne über dem Meer, blendend in ihrer Herrlichkeit, wie die größtvorstellbare Pampelmuse, die sich aus ihrem Nest aufschwingt, um auf Zuckerjagd zu gehen. (S. 169)
Er war ein beängstigender Klumpen von einem Heini, Gesicht und Hirn über und über mit Furunkeln übersät. An seinem linken Arm hatte er eine lange Narbe aus der Zeit, als er noch Stacheldrahtvertreter gewesen war, und eine seiner Hände war aus Messing, Folge eines schrecklichen Unfalls, in den eine Kettensäge, etwas Zwei-Komponenten-Kleber und eine Messinghand verwickelt gewesen waren. (S. 40)
FAZIT
MR GUM ist eine grandiose Reihe, die absoluten Kultfaktor hat. Harry Rowohlt hat ein Händchen für herausragende Literatur und drückt ihr im Deutschen seinen ganz eigenen Stempel auf, man kann gar nicht anders als begeistert zu sein. Trotzdem ist DER FETTIGE INGO ein eher schwächerer Band der Reihe, der durch zu viele Wiederholungen und unnötige Längen auffällt. Was soll ich nun bewerten - die Sprache, die Idee, Rowohlts Genie? Oder einfach nur die Geschichte selbst? Na, ganz einfach:
Wertung:
15 von 10 Zitronenbaisers für die Übersetzung und
5 von 10 Pferde, die Rosinen in den Weltraum schnipsen für die Geschichte
ergibt summa summarum 3,7 von 5 Hunden, die keine Anrufe entgegennehmen ;-)
SaschaSalamander 02.07.2012, 08.41 | (0/0) Kommentare | PL
Beim ersten Sonnenstrahl 02
Der erste Teil dient vor allem der Einführung der Charaktere, dem zärtlichen Einstieg in die Liebesgeschichte und dem Aufzeigen der Verwicklungen. Im dritten Teil werden alle Fäden zusammenlaufen, es wird vermutlich einen Showdown geben und - das ist gewiss - ein Happy End. Worauf es hier im zweiten Teil nun ankommt ist die Überleitung von einem zum anderen. Hier besteht in der Regel die größte Gefahr, unnötige Längen einzubauen oder vor lauter Action die Charakterentwicklung zu vergessen. Dieser Fehler ist Inka nicht passiert: Sie hat es wieder einmal wunderbar geschafft, die Elemente aus Handlung, Erotik und Charakteren perfekt auszubalancieren. Keine Längen, keine überladene Story, und gleichzeitig wachsen dem Leser die beiden Protagonisten immer mehr ans Herz. Obwohl der zweite Teil etwas länger ist, empfand ich ihn als ungleich kürzer, konnte mich nur schwer von Zahar und David trennen. Der zweite Teil endet wie von der Autorin angekündigt mit einem heftigen Cliffhanger, aber ich muss zugeben, dass mich diesmal nicht sonderlich ärgert. Dafür weiß ich einfach zu gut, dass alles eine glückliche Wende nehmen wird ;-)
Was mir an der Erotik in diesem Buch besonders gefällt, das ist die Sanftheit. Worte wie "knisternd, prickelnd, heiß" und Co wären hier unangebracht. Ja, natürlich ist es leidenschaftlich. Doch was hier überwiegt sind zwei Seelen, die sich gefunden haben. Der Roman vermittelt das Gefühl des Nach-Hause-Kommens, die angenehme Wärme von Vertrauen und Geborgenheit. Statt zu erklären ein kurzes Zitat: "Sie sprachen kein Wort, endlose Minuten lang, sondern hielten sich an den Händen. Zahar kuschelte sich an Davids Schulter und deckte ihn mit einer Schwinge zu."
Der historische Aspekt ist wie schon im ersten Teil sehr gut recherchiert, und scheinbar nebenbei fließen spannende Details ein. Für die Geschichte selbst unwichtig, doch genau das verleiht dem Text Leben und Fülle, lässt das Bild der damaligen Zeit greifbar werden.
Der zweite Teil ist wunderschön. Kein Sektprickeln, kein elektrisches Knistern. David und Zahars Liebe ist eine sinnliche, süße, wärmende Tasse Kakao ...
SaschaSalamander 29.06.2012, 09.20 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

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