SaschaSalamander

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Der geheime Zoo

VORAB

Kürzlich wurde ich auf DER GEHEIME ZOO aufmerksam, und nun habe ich über die Weihnachtsfeiertage die CD dazu gehört. Ein Kinderbuch, das ich Euch auf jeden Fall vorstellen  möchte! Schon als Kind trug der Autor die Idee zu dieser Geschichte in sich, und nun, rund 20 Jahre später, hat er sie mit uns geteilt. Sozusagen eine Geschichte von einem Kind für Kinder, aufgeschrieben und überarbeitet vom später erwachsenen Kind selbst. Schön, wenn sich Kinderträume auf diese Weise eines Tages verwirklichen :)


INHALT

Noahs Schwester Megan ist vor drei Wochen verschwunden. Nun erhält ihr Bruder eine Botschaft von einem kleinen Vogel. Er ruft seine Freunde Richie und Ella zur Hilfe, und gemeinsam beginnen sie die Suche nach Megan. Die Nachricht des Vögelchens führt sie in den nahegelegenen Zoo, und dort finden sie den nächsten Hinweis, überbracht vom Eisbären Blizzard: Seiten aus Megans Tagebuch. Sie hatte seltsame Dinge im Zoo beobachtet und wollte der Sachen auf den Grund gehen. Doch was ist dann geschehen? Die Kinder ahnen nicht, in was für ein aufregendes Abenteuer sie nun hineingezogen werden!


CHARAKTERE

Die Kinder werden gut beschrieben, sie sind dem Leser sofort sympathisch. Und obwohl die Tiere nicht sprechen können, bekommen auch sie tragende Rollen zugewiesen, verfügen über eigenständige Persönlichkeiten und sind mir sofort ans Herz gewachsen. Besonders die kleinen Präriehunde mag ich, konnte sie mir sehr gut vorstellen, sie sind meine heimlichen Helden. Und so wird jeder Leser schnell seinen Lieblingscharakter, seine Lieblingstiere finden und mit diesen mitfiebern.


FANTASYANTEIL

Eine Prise Fantasy darf nicht fehlen, so finden sich im geheimen Zoo zum Beispiel bereits ausgestorbene Tiere oder auch Wesen, die man für reine Phantasie hält. Es hat eben seine Gründe, warum der "geheime Zoo" nicht öffentlich ist und warum man ihn im Verborgenen hält ...


HÖRBUCH

Stephan Schad ist ein bekannter Sprecher, der auch hier wieder gute Arbeit leistet. Er spricht ruhig, wird an den richtigen Stellen jedoch lebhafter, lauter, verleiht der Geschichte ihre eigene Dynamik.


TRILOGIE

Die Geschichte ist als Trilogie ausgelegt, allerdings finde ich den ersten Band - bis auf die für die Fortsetzung offengelassenen Aspekte - in sich geschlossen. Es hätte ein einzelner Teil genügt, die Geschichte bedarf in meinen Augen keiner Fortführung, und man kann sich den ersten Band bedenkenlos kaufen, ohne sofort die Kosten oder das Warten auf den zweiten Teil im Blick haben zu müssen.


FAZIT

DER GEHEIME ZOO ist ein wundervolles Buch, mit allem, was zu einem gelungenen Kinderbuch dazugehört: ein geheimer Club, in dem die vier Freunde sich regelmässig treffen. Ein gefährliches Abenteuer, geheimnisvolle Ereignisse, dunkle Gegner und eine schreckliche Gefahr. Und dieser Gefahr kann man sich nur stellen, indem man sich untereinander die Freundschaft beweist, an das Gute glaubt, die inneren Stärken erkennt und bereit ist, ein Risiko einzugehen. Ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit viel Spannung ist DER GEHEIME ZOO ein pädagogisches Buch, in dem Kinder grundlegende Werte vermittelt werden, und das einfach nur Freude bereitet beim Hören. Absoluter Tip für alle Eltern, die zwischen Mainstream und überladener Action wieder einmal ein Kinderbuch suchen, das einfach nur schön ist und Kinder zeigt, worauf es wirklich ankommt: auf Freundschaft, Selbstvertrauen und Miteinander.


SaschaSalamander 29.12.2011, 10.08 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Engelslust

minden_engelslust_1_1.jpgVORAB

An Weihnachten ist viel Zeit, und die nutze ich natürlich zum Lesen. Aber nicht irgendwas, denn ich möchte die stille Zeit auch genießen. Und dieses Jahr entschied ich mich für ENGELSLUST von Inka Loreen Minden. Erotik mit einer Prise Fantasy, das ist eine nette Mischung für die Feiertage, und bei Inka weiß ich, dass ich nichts falsch machen kann mit der Lektüre.


INHALT

Der Engel Cain ist auf der Jagd nach Merlins sagenumwobenem Kelch. Gibt man sieben magische Zutaten hinein, so ist es unter anderem möglich, die Welt zu beherrschen, und das gilt es unbedingt zu verhindern! Bei seiner Suche kommt ihm plötzlich die Halbdämonin Leraja in die Quere, und die macht sich sofort an den Engel heran: gegen ihn zu kämpfen würde die Mission nur aufhalten, also verbündet sie sich mit ihm und lässt all ihre zur Verfügung stehenden Reize spielen.


THEMEN

Engel, Dämonen, Halbblut, Jagd nach einem mystischen Artefakt, Gut gegen Böse. Inka hat klassische Zutaten geschnappt und eine fasziniernde Story daraus gewebt. Dabei bezieht sie sich nicht auf die bekannten Legenden sondern erschafft ein eigenes Universum, in dem ihre eigenen Regeln gelten. Alles, was man über Engel und Dämonen weiß, sollte man vor dem Lesen über Bord werfen und sich ganz auf die Ideen der Autorin einlassen. Interessant finde ich die Auswahl der Zutaten, welche zur Aktivierung des Kelches gesammelt werden müssen: sie bieten Raum für unterhaltsame Intermezzi an sieben verschiedenen Orten und mit unterschiedlichen magischen Wesen.


HANDLUNGSAUFBAU

Die Handlung ist recht geradlinig, es fällt nicht schwer zu folgen. Trotzdem gibt es mehrere Handlungsstränge, die erst parallel laufen und dann nach und nach eine gemeinsame Geschichte ergeben: Die Beziehung zwischen Cain und Leraja. Lerajas Suche nach ihrer wahren Identität, ihr Ringen um Beachtung vor ihrer Mutter, der Dämonenherrscherin. Die Jagd des Magiers Thorne nach dem Kelch, seine Beweggründe und seine Beziehung zum Engelchen Amabilia. All diese Elemente sorgen dafür, dass neben der Erotik die Handlung niemals zu kurz kommt. Und natürlich gibt es wie immer ein Happy End ;-)


EROTIK, SPRACHE

Und wieder funkt es gewaltig zwischen den Protagonisten. Wobe ich sagen muss, dass mir persönlich die Geschichte zwischen Thorne und Amabilia sogar noch einen Tick besser gefiel. Das liegt daran, dass Inka wieder einmal viele Spielarten einfließen lässt und sowohl die Freunde der soften als auch der härteren Erotik anspricht. Sehr viel Körperkontakt und sinnliche Freuden zwischen Engel und Halbdämonin, Lustschmerz und Unterwerfung bei der Dämonenherrscherin und ihrem Sklaven, bei dem Magier und seinem Engelchen.

Sprachlich schreibt Inka hier für mein Empfinden etwas blumiger als in den Werken, die ich bisher gelesen habe. "Supersexy", "Creme", "Sahneschnittchen", "schlecksauber", um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dies liegt unter anderem an Leraja, die als kesse Jungdämonin auch eine Figur ist, wie ich ihr in den Gayromanen oder den hetero-erotischen Werken bei dieser Autorin noch nicht begegnet bin. Voller Lebensfreude, keck, quirklich, frech, impulsiv und doch selbstbewusst, verletzlich. Für den melancholischen Thorne, das scheinbar zerbrechliche Engelchen Amabilia, die wollüstige Dämonenherrscherin findet sie andere, teils auch derbere Worte, doch den Hauptteil des Buches und somit der Sprache bilden eben Cain und Leraja sowie deren Kappeleien, mal erotisch, mal witzig.


FAZIT

Inka Loreen Minden hat wieder einmal bewiesen, dass sie mehr kann als "nur Erotik". Ein spannendes Fantasyabenteuer, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, gepaart mit sinnlichen und erregenden Momenten. Eine klare Empfehlung für alle Freunde der Paranormal Romance!

SaschaSalamander 28.12.2011, 10.55 | (0/0) Kommentare | PL

Dornröschen - Trilogie

VORAB

Die Trilogie DORNRÖSCHEN stand viele Jahre auf dem Index. Das weckt natürlich die Neugier. Erst recht, wenn das Buch von "Anne Roquelaure" stammt, bekanntes Pseudonym von Anne Rice, aus deren Feder auch die Reihe CHRONIK DER VAMPIRE floss. Die Autorin schrieb neben ihren Büchern um Hexen, Vampire und die Unterwelt nämlich auch erotische Titel. Ich habe schon viel von DORNRÖSCHEN gehört, hier und da mal einen Blick hineinwerfen können, und umso erfreuter war ich, als der Marterpfahl-Verlag dann 2011 das Buch nun endlich veröffentlichte! Es folgt im Anhang eine ausführliche Anmerkung von Arne Hoffmann (Autor und Medienwissenschaftler, der unter Pseudonym Cagliostro sowie unter seinem realen Namen ebenfalls erotische Werke sowie Fachbücher veröffentlicht), die sich mit den Hintergründen der Indizierung befasst.


INHALT

Puh, Inhalt? Kurz gesagt: der Prinz rettet das schlafende Dornröschen, bringt sie auf sein Schloss und lässt ihr dort eine recht ausführliche Erziehung angedeihen. Sie wird nach allen Regeln der Kunst gepeinigt sowie vom Prinzen auch an andere "Erzieher" verliehen. Dornröschens Stolz ist dabei ungebrochen, und als sie Tristan kennenlernt, nimmt sie die schlimmste Strafe in Kauf, um bei ihm sein zu können. Was wird sie im Dorf erwarten? Und wird die junge Frau am Ende zurück auf ihr Schloss gehen dürfen?


HANDLUNGSAUFBAU

Anne Rice schreibt Erotik, und sie lässt alles weg, was unnötig stören könnte. Mit anderen Worten: die Handlung. Das Buch ist quasi eine Aneinanderreihung unterschiedlister Praktiken und Spiele. Wer unter Sex versteht, wie Mann und Frau sich in Liebe körperlich vereinen, sollte hier aufhören zu lesen. Alle anderen: holla, nicht schlecht, was die Autorin dem Leser hier bietet! Fantasievoll und variantenreicht zelebriert sie alles, was möglich ist. Alleine, zu zweit, zu mehreren, hetero- und homoerotisch, mal schmerzhaft, mal sanft. Es wird gefesselt, geknebelt, geschlagen, erniedrigt und gequält, nicht immer lustvoll und willentlich, aber stets bedacht auf das Wohlergehen der Sklaven und durch den Hintergrund der Geschichte auch stets im einvernehmlichen Metakonsens.


SPRACHE

Dabei ist die Handlung jedoch nur der Rahmen, welcher die einzelnen Momente zusammenhält. Führt dies bei den meisten Büchern dazu, dass es zur Pornographie verkommt und ins Vulgäre abdriftet, beweist sich Anne Rice hier wieder einmal als Meister ihres Faches. Ihr Schreibstil ist bildreich und doch elegant. DORNRÖSCHEN ist kein Titel, den man zwischendurch zur Anregung überfliegt, sondern man muss sich schon Zeit dafür nehmen, wenn man die drei Bände auskosten möchte.


CHARAKTERE

Obwohl die Handlung deutlich hinter der ausführlichen Beschreibung der einzelnen "Erziehungsmaßnahmen" zurücksteht, werden die Charaktere sehr greifbar beschrieben. Es ist dem Leser möglich, sich in Dornröschen, den Prinzen oder andere Sklaven hineinzuversetzen, die Autorin beschreibt das Geschehen jeweils aus wechselnder Sicht und bietet dadurch ein zusätzliches Spektrum des Erlebens.


FAZIT

Neben DER GESCHICHTE DER O, der VENUS IM PELZ, Gor der GEGENERDE, den Werken von de Sade ist DORNRÖSCHEN ein Buch, das unbedingt in jedes Erotik-Regal gehört. Einmal angefangen, kann man sich der bildhaften Sprache und den ausgefallenen Spielen nicht mehr entziehen. Ein Buch, das man auf jeden Fall mehrfach lesen kann und gerne immer wieder zur Hand nimmt.

SaschaSalamander 27.12.2011, 09.38 | (0/0) Kommentare | PL

Kühlfach betreten verboten

profijt_kuehlfachbetreten_1.jpgEigentlich ist das Buch für nächstes Jahr angekündigt, und umso erfreuter war ich, es jetzt schon vor Weihnachten in meiner Buchhandlung liegen zu sehen. Gekauft, gelesen, und jetzt möchte ich meine Gedanken dazu mit Euch teilen.


INHALT

Pascha ist wieder da! Hat er im ersten Band seinen eigenen Mord aufgeklärt, sich anschließend mit einer Nonne herumgeärgert und daraufhin die seltsamen Vorkommnisse im Rechtsmedizinischen Institut beobachtet, hat er nun mit einem besonders kniffligen Fall zu kämpfen: ein Autounfall. Vier Kinder liegen im Koma, ihre Seelchen vertrauen nun in Paschas Hilfe. Die Lehrerin der Kinder saß am Steuer, sie wurde entführt. Was anfangs aussieht wie ein tragischer Unfall, entwickelt sich immer mehr zu einem Verwirrspiel aus Drogen, Kriminalität, verschmähter Liebe und Ausländerpolitik.


KÜHLFACH-REIHE

Als vierter Band der Kühlfach-Reihe ist KÜHLFACH BETRETEN ein Buch, das man nötigenfalls auch ohne das Vorwissen um die ersten drei Teile lesen und verstehen kann. Als Fan dieser Reihe rate ich aber natürlich dazu, mit KÜHLFACH 4 zu beginnen, danach folgen IM KÜHLFACH NEBENAN und KÜHLFACH ZU VERMIETEN.

Damit das Thema "Geist löst Verbrechen" nicht langweilig wird, muss Jutta Profijt sich jedes Mal etwas Neues einfallen lassen. Autoknacker und Nonne war ein netter Kontrast (Teil zwei), und der schwerverliebte Pascha (Teil drei) war auch witzig. Diesmal darf unser "Held" sich mit den Seelen von vier Kindern herumärgern. Die Kleinen sind ziemlich schwer zu bändigen und sorgen für so manchen Lacher. Der Geist eines Autoknackers als unfreiwilliger Babysitter von vier Kids, das ist wirklich mal was Innovatives, so etwas habe ich noch nicht gelesen! Die zusätzliche Würze bieten die unterschiedlichen Charaktere: ein türkischer Junge, eine Streberin, ein ausländerfeindlicher Machobubi und ein frauenverstehender Junge mit Hilfskomplex, Zoff ist vorprogrammiert.


SPRACHE, POLITICAL CORRECTNESS

Was an der Reihe besonders fasziniert, ist wohl für die meisten Leser das rotzige Verhalten von Pascha. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, ist politisch unkorrekt und drückt sich ziemlich deutlich aus. Klar, er war ein Kleinkrimineller, und jetzt im Tode muss er erst recht keine Manieren mehr beweisen, wem auch? Und so bekommt der Leser eine breite Palette an Tiraden geboten. Pascha wettert gegen Frauen, Türken, Kinder, Polizei, Vegetarier, Ärzte, Lehrer und was ihn sonst so alles nervt. Trotzdem kann man ihm nicht wirklich böse sein, da immer erkennbar ist, dass der so gewollt coole Typ doch eigentlich im Grunde seines Kerns einer von den "Guten" ist.

In seiner Wortwahl ist er nicht gerade zimperlich. "Hupen" und "Kümmel" für Frauen und Türken, Ölkanne für das gegelte Exemplar eines coolen Ghettogangsters. Schüler sind Lernwichtel, ein Ungeborenes ist ein Bonsaikeimling, Piercings sind Blechpickel, den Mund bezeichnet er als Quatschklappe, eine gestylte Tussi ist ein Perlhuhn. Wie gesagt, politisch absolut unkorrekt. Trotzdem ist das Buch in nicht einem einzigen Satz bösartig oder verletzend, auch wenn ich an manchen Stellen Frauenrechtlerinnen empört dreinblicken sehe, wenn es mal wieder heißt "Weiber machen nur Probleme".

Was dabei bemerkenswert ist: trotz der rotzigen Sprache schreibt die Autorin auf gehobenem Niveau, geht niemals unter die Gürtellinie, wird nicht ausfallend. Bei solcher Wortwohl und solchen Themen ein schmaler Grat, auf dem sie gekonnt balanciert. Dadurch ist dieses Buch auch für Sprachliebhaber und "empfindsame" Gemüter geeignet, die sich in anderen Büchern oft an derber Sprache stören.


AUFBAU, ERZÄHLWEISE

Das Buch hat eine sehr gut aufgebaute Handlung, von der so mancher "normale" Krimi sich eine Scheibe abschneiden kann. Aber vor allem lebt das Buch von Paschas Beobachtungen. Seinen Kommentaren über alles, was er gerade erlebt. Ohne sein schnoddriges Mundwerk wäre das Buch "nur" spannend, würde aber seinen unvergleichlichen Charme einbüßen. Die Erzählweise ist eher unüblich, aber das liegt natürlich daran, dass Pascha kein "normaler" Ich-Erzähler ist, sondern eben ein Geist. Und als solcher sieht er zwar alles, kann aber selbst nicht eingreifen. Auch kann er nur seine Beobachtungen schildern, kann jedoch keine Gedanken lesen und führt den Leser somit häufig ungewollt auf eine falsche Fährte. Denn die Autorin hält sich nicht an gängige Klischees von Gut und Böse. Wer zu Beginn unsympathisch scheint, könnte sich als Mensch mit edlen Motiven entpuppen. Und nicht jeder, der kriminell oder lästig ist, muss zwangsläufig zu den "Bösen" gehören.


FAZIT

Genial wie immer, Pascha ist einfach mein liebster untoter Antiheld. Und obwohl es schon das vierte Buch in Folge ist, wird es nicht langweilig. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, die Fälle werden immer spannender. Ich wünsche der Autorin, dass ihr die kreativen Ideen nicht ausgehen und wir noch viele weitere Abenteuer mit Pascha erleben dürfen. Für KÜHLHAUS-Fans ist der vierte Band ein Muss. Und wer Pascha noch nicht kennt: auf, auf, lest es endlich! ;-)

>Hier< gibt es ein paar Zitate, um Euch Paschas Schnodderschnauze zu zeigen und um Euch Lust auf das Buch zu machen ...

SaschaSalamander 23.12.2011, 10.42 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Die Lazarus-Formel

pala_lazarus_1.jpgDafür, dass ich mal "kurz reinschnuppern" und "dann gemütlich in Ruhe nach Weihnachten lesen" wollte, bin ich jetzt ziemlich schnell fertig geworden. Denn ich konnte es nach dem ersten Blättern nicht mehr aus der Hand legen und war am Ende erstaunt, dass das Buch nun etwa schon so schnell zu Ende war? Aber bevor ich begeistert erzähle, lieber erst einmal der Reihe nach ;-)


INHALT

Eve Sinclair forscht nach einem Mittel gegen Krebs und stößt dabei auf die Möglichkeit, den Menschen ewiges Leben zu bringen. Was für sie so faszinierend klingt, ist anderen ein Dorn im Auge, und schon bald trachtet man ihr von mehreren Seiten nach dem Leben. Der geheimnisvolle Ben rettet sie und will mit ihr gemeinsam forschen, doch seine Ziele sind unklar. Auf einer wilden Schnitzeljagd rund um den Globus versuchen sie das Geheimnis um die Unsterblichkeit zu lösen, und je näher sie dem Rätsel kommen, desto gefährlicher wird es für Eve ...


GENRE

Das Buch beginnt wie ein Wissenschaftsthriller, doch im Laufe der Handlung erhält der Roman auch vereinzelt phantastische Elemente. Bei einem Thema wie der Unsterblichkeit ist dies, denke ich, absolut in Ordnung, und komplett rational wäre dieses Thema kaum möglich. Das Buch ist weitgehend wissenschaftlich, doch dem Genre Fantasy sollte man dennoch ein wenig aufgeschlossen gegenüberstehen, da man am Ende sonst enttäuscht werden könnte.


CHARAKTERE

Die Protagonistin ist eine sympathische Figur, in die man sich sofort hineinversetzen kann. Wenngleich sie mir manchmal ein wenig naiv erscheint. Sie geht alles absolut rational und wissenschaftlich an, dabei übersieht sie häufig die Konsequenzen und glaubt blauäugig, dass Unsterblichkeit wohl die Patentlösung für alles Leiden auf dieser Erde sei, und manchmal möchte ich sie schütteln und ihr klarmachen, dass das ewige Leben kein Spielzeug ist, keine Kinderparty und ein Fun-Event. Aber es stimmt mich versöhnlich, dass sie in einigen Momenten selbst erkennt, wie trotzig und verbohrt sie manchmal agiert.

Ein schönes Gegengewicht zur überrationalen Eve ist eine Frau, die etwa zur Hälfte des Buches die Gruppe begleiten wird und deren Leichtigkeit und kindliche Lebensfreude mich begeisterte. War das Buch bis dahin nett zu lesen, wurde es nach dieser Begegnung für mich zum Pageturner. Ab diesem Moment gab es auch einige witzigen Szenen, lustige eingeschobene Sätze, die mich auflachen ließen und das ansonsten eher ernste Buch ein wenig auflockerten.

Ben, der männliche Held, ist ... na, eben ein männlicher Held. Cool, kann alles, weiß alles, sieht toll aus und ist einfach umwerfend. Wobei aber dem Leser sehr schnell klar ist, woran das liegt. Seine Identität ist bis zum Ende des Buches ein Geheimnis, auch wenn man es recht schnell erahnt (die exakte Lösung allerdings, darauf wird kaum ein Leser kommen, das ist dann doch sehr ungewöhnlich aber durchaus interessant).

Auch die Nebencharaktere sind sehr gut dargestellt, bekommen einen kleineren aber nicht minder wichtigen Part im Buch eingeräumt, in welchem ihre Hintergrundgeschichten knapp aber ausreichend dargestellt werden.


SPRACHE

Das Buch liest sich sehr angenehm: einfache Worte, klarer Satzbau, ideal zum Lesen und Entspannen. Perfekte Unterhaltung für zwischendurch, die aber aufgrund des Themas trotzdem eine gewisse Tiefe vermittelt und den Leser manchmal zu recht genauem Lesen auffordert, wenn man die Rätsel erfassen möchte.


AUFBAU

Ein klassischer Aufbau: die Heldin entdeckt ein Geheimnis, sie gerät in eine bedrohliche Situation, wird gerettet, gemeinsam flieht man und sucht nach dem "Schatz", ein neuer Mitstreiter kommt hinzu, und zwischendurch weiß man nicht mehr, wer zu wem gehört, wer Gut und wer Böse ist und wem man vertrauen kann. Atemlose Spannung wechselt sich ab mit ruhigeren Momenten, knifflige Rätsel gibt es ebenso wie actionreiche Kampfszenen. Eine sehr gute Mischung, die Ivo Pala uns in seinem neuen Roman vorsetzt. Am Ende ein ausgedehnter Showdown, der den Leser noch einmal richtig mitreißt, bevor sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst.


DAN BROWN

Ich denke, einen Vergleich mit Dan Brown muss der Autor sich gefallen lassen. Denn er bringt hier Elemente, die inhaltlich hier und da an IllUMINATI, SAKRILEG, DAS VERLORENE SYMBOL und andere Bestseller erinnern: ein Mann und eine Frau bei einer Schnitzeljagd. Religion, Mystik, Geheimbünde. Ein Geheimnis, in welches die Mächtigsten der Erde verwickelt sind. Und eine Erkenntnis von bahnbrechender Bedeutung, für welche die Menschheit möglicherweise noch nicht reif ist. Inhaltlich auf jeden Fall gibt es Parallelen (wobei Ivo Pala ein komplett neues Thema wählte und einen eigenständigen Roman schrieb, sodass der Vergleich lediglich auf Genre und Aufbau bezogen ist).

Was mich persönlich bei Dan Brown immer stört: es ist zu gewaltig, als dass ich es für real halten könnte, auch wenn er es realistisch darstellen mag, mir ist das einfach "too much". Ivo Pala dagegen lässt eine Prise Phantastik einklingen, sodass er dem Thema ein wenig an Schärfe nimmt und die Unterhaltung in den Vordergrund stellt, ohne dadurch die Spannung und Brisanz zu nehmen. Ich denke, wer Dan Brown mag, wird dieses Buch hier bestimmt auch mögen. Und wer den Hype um Dan Brown nicht mag, der könnte hier das finden, was er bei Brown vermisst hat ...


FAZIT

Sehr gute Unterhaltung, die ich in nur zwei Nachmittagen verschlungen habe. Sympathische Charaktere, eine spannende Handlung. Ich habe von der ersten bis zur letzten Seite mitgefiebert. Ich kann das Buch allen empfehlen, die Religions- und Wissenschaftsthriller lieben und aufgeschlossen sind für ein wenig Mystik. 

SaschaSalamander 22.12.2011, 09.35 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Das Geheimnis des weißen Bandes

horowitz_houseofsilk_1.jpgINHALTSANGABE

Nach dem letzten Fall (siehe Arthur Conan Doyle) ist einige Zeit vergangen, und erneut greift Dr. Watson zur Feder, um von den Abenteuern seines Gefährten Sherlock Holmes zu erzählen. Das Buch soll versiegelt bleiben für lange Zeit, denn was die beiden erfahren haben, ist zu skandalös! Wie schön, dass Anthony Horowitz für uns nun diese Geschichte erzählt:

Ein Mann beauftragt den Meisterdetektiv, denn er fühlt sich verfolgt. Er kennt den Stalker und bangt um sein Leben. Im Rahmen der Ermittlungen stoßen sie auf weitere Geheimnisse, die sosehr in die obersten Schichten der Gesellschaft hineinreichen, dass Holmes selbst schließlich zum Ziel der Täter wird. Und was der Meister am Ende offenbart, ist in der Tat so verrucht, dass es Watson damals nicht möglich war, diese Erzählung früher zu veröffentlichen ...


SHERLOCK HOLMES - ORIGINAL vs NEU

Es dürfte wohl niemanden geben, der Sherlock Holmes nicht kennt. Aber wie fast alle kenne ich ihn aus Filmen, Büchern, Zeichentrickserien, Hörspielen, TV-Serien, Mangas sowie als Referenz allenorten. >Conan Doyle Estate< hat ein waches Auge über Veröffentlichungen. Und laut Angaben des Verlages ist DAS GEHEIMNIS DES WEIßEN BANDES das Buch, welches als erstes dieser Art bestätigt und zugelassen wurde. Horowitz hat den "neuen Sherlock Holmes" erschaffen, und dabei wahrt er die alte Form. Inzwischen habe ich bereits das erste Buch (Study in Scarlet) gelesen, sodass ich einen kleinen Vergleich wagen kann in Schreibstil und Inhalt. Einzelne Fälle sind mir vor allem aus Hörspielen (Maritim) und Sekundärliteratur bekannt.


SPRACHE, STIL

Nun habe ich sowohl von Doyle als auch von Horowitz nur eine Übersetzung gelesen, sodass ich sprachlich nicht vergleichen kann, jedoch die Stimmung und der Stil sind sehr markant. Und dies hat Horowitz hervorragend gewahrt und fortgeführt oder zumindest der Übersetzer sehr gut angeglichen. Dr. Watson schreibt als Beobachter seine Erlebnisse über den Mann, welchen er bewundert, seine Worte sind klar, direkt und wohlgewählt. Es ist keine moderne Version, sondern Horowitz bedient sich der altertümlichen Sprache, wie man sich von Doyle kennt, eben die des viktorianischen England um 1890.

Es gibt sehr viele Verweise auf alte Fälle, es tauchten alte Bekannte von früheren Erlebnissen auf, und auch bekannte Zitate werden erwähnt. Dies geschieht unaufdringlich und passend zur Handlung, sodass Kenner einzelne Momente wiedererkennen, Neulinge aber nicht das Gefühl haben, dass ihnen etwas für das Verständnis fehlt.


INHALT, AUFBAU

Die Handlung beginnt absolut klassisch, und ich liebe diesen Aufbau und die Umsetzung. Was mich bei vielen modernen Veröffentlichungen stört ist die Darstellung des Dr. Watson, den ich im Original eigentlich sehr mag, der aber leider viel zu oft zur Witz- oder gar Nebenfigur verkommt. Horowitz knüpft jedoch nahtlos an, und Watsons Rolle gleicht exakt der bei Doyle, zumindest fiel mir keine Veränderung auf.

Und sonst: Keine Action wie in den modernen Filmen, auch keine plötzlich aus dem Hut gezauberten Lösungen, die zeigen, dass der Autor einfach nur das Buch beenden wollte und schnell etwas erdichtete. Sondern klassische Ermittlungsarbeit. Holmes ist dem Leser und Watson immer einen großen Schritt voraus, und sobald die Beweise auf der Hand liegen, enthüllt er seine Ergebnisse. Zeigt das, was andere leichtfertig übersahen. Er ist eben ein Genie.

Ein Genie mit Schwächen, und in diesem Fall zieht Horowitz so einige Register. Seine Schwächen werden Holmes zum Verhängnis. Und nicht nur das: auch seine Stärken (die Irregulären, also die Straßenjungs) werden nun zu seiner Achillesferse, plagen ihn als das schlechte Gewissen. Dieser Fall kostet Holmes und Watson mehr Nerven, Kraft, Gesundheit und Energie als alle bisherigen. Ich hielt dies in der Ankündigung für reine Werbung, aber ich muss sagen, dass das Ende mich absolut überzeugte. Ja, dieser Fall ist in der Tat etwas ganz Besonderes. Horowitz hat die alten Themen von Doyle aufgegriffen und in einen neuen Kontext gesetzt, er hat ein Verbrechen geschaffen, das wirklich skandalös ist.


DER NEUE HOLMES

Der Holmes von Horowitz wird bezeichnet als "neuer Sherlock Holmes". Was ist nun so neu an ihm? Ich denke, das soll jeder für sich entscheiden. Was es in meinen Augen ausmacht: Holmes wird vom Ermittler, der mit reiner Deduktion arbeitete, nun zum Profiler, er erlebt durch die Ereignisse, denen er sich dieses Mal stellen muss, eine bedeutsame Entwicklung. Sinngemäß meint er gegen Ende "ich habe die Wahrheit nicht erkannt, obwohl sie vor mir lag. Doch es gibt Dinge, die ein zivilisierter Mensch nicht zu denken wagt. Um einen Verbrechen aufzuklären ist es notwendig, mich in den Verbrecher hineinzudenken, so schrecklich dies auch sein mag." Ja, das ist wirklich neu, das kannte ich noch nicht von ihm. Das hat nichts mehr mit Logik und Deduktion zu tun, aber warum soll Holmes sich nicht weiterentwickeln? Hatte Holmes früher den Tropfen, so erkannte er nun den Ozean, in welchem er zukünftig schwimmen muss, um die ganz großen Fische zu erlegen ... Herr Horowitz, ich erwarte bitteschön eine Fortsetzung, ich will sehen, wie er sich weiterentwickelt! ;-)


HÖRBUCH/ BUCH

Das Hörbuch ist sehr hübsch gestaltet. Die CDs sind abwechselnd mit schwarzem und weißem Aufdruck versehen, passend zum schlichten aber eindrucksvollen Cover. Das Booklet beinhaltet ein Dramatis Personae, eine Auflistung der Beteiligten. Bei so vielen Handlungssträngen und auftretenden Personen eine große Hilfe, die ich zwischendurch immer wieder gerne zu Rate ziehe während des Lesens / Hörens.

Der Sprecher Johannes Steck bedarf keiner Erklärung, er ist einfach einer der ganz Großen. Mit seiner Stimme nimmt er sich zurück und lässt die Figuren wirken. Er verleiht ihnen Charakter, wenn er auch etwas dezenter darin ist als zum Beispiel Rufus Beck oder Stefan Kaminski. Aber seine Zurückhaltung passt ideal zum Inhalt des Buches, ist eine gelungene Verkörperung des "Autoren" Dr. Watson. Routiniert trägt er die Geschichte vor, sodass man sich ganz auf die Handlung konzentrieren kann ohne durch irgend eine Unebenheit im Vortrag abgelenkt zu werden.

Das Buch selbst habe ich nicht, aber ich habe schon mehrfach gehört, dass das Lesebändchen wohl ein seidenes Band sein soll. Eine sehr hübsche Idee vom Verlag, da dies sehr gut zur Handlung passt. Ich freue mich immer, wenn ein Verlag ein Buch nicht einfach nur auf den Markt wirft sondern den Exemplaren mit kleinen Besonderheiten eine persönliche Note verleiht.


FAZIT

Eine gelungene Neuversion und für Freunde des Meisterdetektives ein absolutes Muss. Für Kenner des Originales ebenso geeignet wie für Neulinge. Und eines ist sicher: dieses Buch macht absolut Lust, sich endlich den Originalen zu widmen. Denn nach DAS GEHEIMNIS DES WEIßEN BANDES will man unbedingt mehr! Und wenn es (noch?) keine Fortsetzung gibt, dann greift man eben zu dem, was bereits da ist ;-)

SaschaSalamander 12.12.2011, 09.23 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

Imagery

marzi_imagery_1.jpgEine Rezension zu IMAGERY fällt mir sehr schwer, denn die Handlung ist einerseits sehr interessant, andererseits hat mich das Buch nicht wirklich vom Hocker gerissen. Ich habe auch nicht geplant, mich länger mit diesem Werk zu befassen, deswegen nur flink meine allgemeine Meinung:

Eigentlich kenne ich Marzi als reinen Fantasyautor, umso erstaunter war ich über den Genrewechsel. Aber statt skeptisch bin ich in solchen Fällen immer sehr neugierig.

Äußerlich ähnelt das Buch gerade auf dem Buchrücken einem Tablet, eine nette Umsetzung des Inhaltes, gefällt mir. Auch fällt auf, dass IMAGERY sehr klein ist, dazu recht dünn. Also weniger ein langer, weitschweifiger Roman, vielmehr eine nette, etwas ausführlichere Erzählung.

Richard Elliot arbeitet in einer Werbeagentur. Sein Kollege kommt unter mysteriösen Umständen zu Tode, und Elliot beginnt auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Dabei gerät er selbst ins Visier sowohl der Polizei als auch des noch unbekannten Feindes.

Die Idee finde ich nett, es handelt zum einen von den Möglichkeiten der modernen Technik, der Leser sollte sich schon ein wenig für Kindle, Iphone, Ipad und ähnliches Spielzeug begeistern. Uns ist natürlich allen bewusst, dass das, was so leichtfertig daherkommt, in Wirklichkeit weit komplexer ist, als wir das ahnen. Und Marzi zeigt recht nett, was auf einen zukommen könnte und wie wir bereits beeinflusst werden, ohne es zu merken.

Mein Gesamteindruck: nett gelesen, aber irgendwie auch schnell vergessen. Das Thema ist brisant, doch. Aber nicht wirklich neu für mich, und manchmal hatte ich das Gefühl, dass er den mahnenden Zeigefinger etwas zu oft erhebt, um die Leser vor den Gefahren der modernen Technik zu warnen.

Ein bisschen zwiespältig, weil es sich einerseits ganz nett las, andererseits ich mir aber mehr von dem Thema und dem Autor versprochen hatte. Es war eben nett. Aber wie gesagt, es reißt mich nicht vom Hocker ...

SaschaSalamander 06.12.2011, 18.49 | (0/0) Kommentare | PL

Nerds - Wo eine Brille ist, ist auch ein Weg

zittlau_nerds_1.jpgDER AUTOR

Jörg Zittlau ist Wissenschaftsjournalist und Autor von inzwischen rund 60 Sachbüchern zu verschiedenen Themen. Weniger ein Spezialist als vielmehr ein Generalist, so bietet er an Themen alles Mögliche von Gesundheit über Ernährung, Management, Lebenshilfe, "Pleiten und Pannen" im Bauplan der Natur ebenso wie die erlittene Erziehung berühmter Persönlichkeiten, die "philosophische Rolltreppe" und viele weitere. Mit seinem Buch NERDS - WO EINE BRILLE IST, IST AUCH EIN WEG hat er sich auf ein neues Gebiet gewagt, das er dem Leser unterhaltsam und lehrreich präsentiert.

INHALT

In seinem aktuellen Buch beschreibt Zittlau auf rund 40 Seiten, was man heutzutage unter einem Nerd versteht, wie sich der Begriff entwickelte, nach welchen Kriterien man ihn möglicherweise einordnen kann, welchen Prinzipien er folgt, woran man sie erkennt. Dann folgen mehrere Kapitel, in denen er von der Antike bis zur Gegenwart prominente Beispiele anführt. Die ersten Nerds der Weltgeschichte, allen voran Aristoteles, Heraklit, Diogenes und andere. Es folgen die Philosophen mit z.B. Nietzsche, Kant und Wittgenstein. Dann auf zur Naturwissenschaft mit Einstein, Marie Curie, Newton und Co. Weiter geht es mit Musik, Kunst und Literatur, angeführt von Zappa, Orwell und Warhol. Zum Schluss natürlich die Gegenwart mit den Gründern von Apple, Microsoft, Facebook und Wiki-Leaks. Am Ende findet der Leser einen kleinen Ausblick auf die Zukunft.


UMSETZUNG

Auch, wenn Zittlau sonst Sachliteratur schreibt, sehe ich in diesem Buch vielmehr Infotainment. Das zeigt sich bereits am neongrünen Cover mit dem obligatorischen Nerd-Symbol, der geflickten Brille, auch sein Schreibstil und die Darstellung der einzelnen Personenbeschreibungen lesen sich sehr unterhaltsam und sprechen weniger den Wissenschaftler als eher den Freizeitleser an. Das hat den Vorteil, dass auf diese Weise eine Hommage an den Nerd entstanden ist, wie es Betroffene sich lange Zeit nicht erträumt hätten - vom Außenseiter zum Kultstatus erhoben. Der lockere Stil führt dazu, dass Zittlau leider manchmal ein wenig pauschalisiert, was ich ihm jedoch nicht übelnehme, da es einfach nicht möglich ist, DEN Nerd zu beschreiben. Es ist schlicht nicht möglich, es zu hundert Prozent zu charakterisieren, da sich Nerds ja vor allem durch ihre Andersartigkeit abzeichne, und Individualität lässt sich eben nicht immer in ein Schema pressen. Trotzdem gibt es natürlich Gemeinsamkeiten, auf die Zittlau detailiert eingeht.

Manches mag wenig schmeichelhaft sein (gerade, wenn es um Sexualität, Körperhygiene oder soziale Kompetenzen geht), doch immer wieder bricht der Autor eine Lanze für den Nerd, der es ihm, wie man beim Lesen deutlich merkt, sehr angetan hat. Seine Begeisterung springt schon nach wenigen Absätzen direkt auf den Leser über. Ganz kurz nur angeschnitten wird der Asperger-Autismus, doch darauf wird nicht genauer eingegangen, da dies den Rahmen sprengen und das Kernthema verlassen würde. Stets klingt Bewunderung für die kreativen Sonderlinge heraus, die unverstanden vom Rest ihrer Umwelt Großes leisteten und doch die Gesellschaft beeinflussten wie kaum ein anderer. Und immer wieder betont er, dass die Angaben nicht auf jeden zutreffen, benennt Beispiele von Nerds, die sich sehr wohl in ihrer Kleidung anpassen, ihren Körper pflegen und sozial agieren, räumt also auf diese Weise zugleich mit vielen Vorteilen auf.

Neben den beschriebenen Persönlichkeiten benennt er in der Einleitung und auch später in den einzelnen Kapiteln immer wieder verschiedene reale und fiktive Figuren, die eindeutig dem Charakter des Nerd entsprechen. Es ist für den Leser interessant, auf diese Weise einen neuen Blick auf die Personen zu erhalten, hinter dem verschrobenen Sonderling und genialen Kopf plötzlich weitere Merkmale zu erkennen und das Verhalten neu zu beleuchten. So fallen in kurzen Erwähnungen zum Beispiel Da Vinci, Michelangelo, Hegel, Beethoven, Mozart, Lisbeth Salander aus der MILLENNIUM-TRILOGIE, Sandra Bullock in DAS NETZ, Keanu Reeves in JOHNNY MNEMOTIC, Woody Allen und natürlich immer wieder BIG BANG THEORY. Gewürzt mit unzähligen Anekdoten aus dem Privatleben bekannter Nerds.

Was mir besonders gefällt ist unter anderem die Aktualität. Zittlau zieht nicht nur alte Literatur und alte Charaktere an Land, sondern er beleuchtet ganz aktuell auch Themen wie die Website Guttenplag, auf der eine Menge engagierter Nerds die Doktorarbeit so genau analysierten, wie einzelne Wissenschaftler dies in dieser Akribie kaum hätten schaffen können.


KLEINES MANKO

Ein kleines Manko, das ich aufgrund des Genres Infotainment jedoch sehr gut verschmerzen kann (bei einem reinen Fachbuch hätte mich das dann doch sehr gestört) ist das sprunghafte Schreiben. Mir ist bewusst, dass die aktuellen Personen wie Jobs, Zuckerberg, Gates und Co mehr Stoff bieten, einfach da sie noch leben und man sich nicht auf alte Erzählungen oder Aufzeichnungen aus x-ter Hand verlassen muss. Trotzdem haben diese Namen in den Erläuterungen über Antike oder die Zeit der großen Philosophen und ersten Wissenschaftler nichts verloren.

Das Kapitel mag zwar mit dem Namen eines frühen Nerds bezeichnet sein, dennoch verirren sich immer wieder Andeutungen auf später lebende Personen dort. Auch ist der Aufbau der Kapitel manchmal ein wenig übersichtlich. So beginnt das Kapitel um Aristoteles z.B. mit der Entstehungsgeschichte der Insel Athos, gefolgt von der Erklärung über Daphnes Flucht und Ablehnung der Sexualität, weshalb auf der Insel nun keine Frauen Zutritt hatten, was im Jahre 2003 aufgehoben wurde. Schwupps Szenenwechsel zu Aristoteles, der 384 v. Chr. geboren wurde. In anderen Kapiteln beginnt er mit einer Anekdote aus dem späteren Leben, um dann zurück zur Geburt zu springen, ein wenig weiterzuerzählen, dann vorwegzugreifen und wieder zurückzurudern auf dem Zeitstrahl. Wie gesagt: für ein reines Fachbuch in meinen Augen ein Unding, für ein unterhaltsames Sachbuch okay.


ANHANG

Erwähnen möchte ich als positiv besonders auch das Personenregister, das in dem kleinen Jahreszahlenchaos des Buches trotzdem für den Leser einen Überblick schafft. Auch die Literaturliste am Ende kann sich eindeutig sehen lassen, ist durchweg aktuell und biete dem interessierten Leser sehr viele Anregungen für weitere Bücher rund um das Thema "schräge Vögel" und "Sonderlinge".


FAZIT

Ein interessantes Buch, das sich sehr flink lesen lässt und mit vielen Klischees rund um den Nerd aufräumt. Der Leser ist eingeladen, sich auf eine spannende Zeitreise zu begeben und dabei zu erfahren, warum Nerds unsere Gesellschaft aufrechterhalten und wie sie unser Leben beeinflussen. Das ideale Buch für alle, die sich diesem Thema endlich einmal vorurteilsfrei nähern wollen.

SaschaSalamander 01.12.2011, 16.23 | (0/0) Kommentare | PL

Lilith Parker - Insel der Schatten

Zufällig stieß ich auf LILITH PARKER - INSEL DER SCHATTEN" von Janine Wilk. Der Titel klang nach einem netten Gruselfantasy für Kinder, und das Cover sieht sehr vielversprechend aus mit seinen Schatten, Ranken, Gittern, der Geisterhand und einem Mädchen, das ein Portal durchschreitet. Und während andere Bücher in Titel oder Cover oft nichtssagend oder irreführend sind, hat der Verlag in diesem Fall wirklich eine kleine Meisterleistung erbracht, bei der alles in sich stimmig ist und ein hübsches gemeinsames Bild ergibt.


INHALT

Als ihr Vater geschäftlich nach Burma muss, soll Lilith zu ihrer Tante auf die Insel Bonesdale. Sie kennt ihre Tante nicht und weiß nur, dass sie und ihr Vater sich nicht miteinander verstehen. Auf der Insel angekommen fühlt sie sich eher unwillkommen, und erst nach und nach lernt sie die Bewohner von Bonesdale kennen und findet in Mat und Emma neue Freunde. Die Insel ist etwas Besonderes, denn man feiert auf ihr das ganze Jahr Halloween. Für die Touristen. Aber Lilith spürt, dass noch mehr dahintersteckt. Es passieren immer mehr seltsame Dinge, bis sie endlich begreift, dass mehr hinter der Insel und ihrer Familie steckt, als man ihr bisher erzählte. Und auch sie selbst spielt eine wichtige Rolle ...

Ach, das hat richtig gutgetan, ich liebe spannende Kinderbücher! Und mit Lilith Parker wurde eine neue Serie geschaffen, die mir gefällt und auf deren Fortsetzung ich mich bereits freue. Das erste Buch ist in sich geschlossen, verspricht aber bereits viele Abenteuer, die nun auf Lilith und ihre Freunde warten.


CHARAKTERE

Die Charaktere sind allesamt liebenswert und einem Kinderbuch entsprechend nicht zu tiefgründig aber doch ausführlich genug, um sich in sie hineinzuversetzen, mitzufiebern und sie sich als eigene Freunde zu wünschen. Ich mochte Lilith vom ersten Moment, sie ist keine Superheldin, kein Außenseitermädchen, sondern eine ganz normale 12jährige. Sie ist befreundet mit einem Jungen, muss sich Gedanken machen ob sie ihn liebt, fühlt sich von den Erwachsenen herumgeschubst und missverstanden, hat eine beste Freundin, vermisst ihre bei der Geburt verstorbene Mutter, ist wütend auf den ständig reisenden Vater. Und sie hat ganz schön Mumm, als sie das erste Mal auf der Insel mit all den Halloween-Späßen begrüßt wird.


AUFBAU

Der Aufbau ist gelungen: die jungen Leser werden bereits zu Beginn auf kleine Besonderheiten aufmerksam gemacht, die Spannung ist vom ersten Moment an gegeben. Doch erst wird Lilith ein wenig vorgestellt, lernt man die Bewohner der Insel kennen. Und bald geschehen die ersten seltsamen Dinge, bis das Mädchen endlich erfährt, was vor sich geht. Und dann folgt eine spannende Szene der nächsten, Lilith macht sich auf die Suche nach ihrer Identität und dem Geheimnis der Insel, die eng miteinander verwoben scheinen. Sie begegnet fantastischen Wesen und muss lernen, wer ihr wohlgesonnen ist und wem sie nicht über den Weg trauen darf. Und im Kampf gegen den schlimmsten aller Erzdämonen scheint sie ganz alleine ...


GENRE

Eindeutig ein Kinderbuch, an dem aufgeschlossene Erwachsene aber trotzdem ihre Freude haben werden. Die Leserschaft ist eine jüngere als HARRY POTTER und ähnliche All Age Fantasy. Als Vergleich möchte ich gerne Jenny Nimmos CHARLIE BONE nennen, der mich ähnlich fesselte und die gleiche Altersgruppe anspricht. Und passend zu Halloween bietet das Buch kindgerechten Grusel und eine ordentliche Portion Gänsehaut. Gerne würde ich mehr erzählen über die Besonderheiten der Insel, doch es wäre unfair, dem Leser die Freude zu nehmen, gemeinsam mit den drei Kindern das Geheimnis zu lüften ;-)


UMSETZUNG ALS HÖRBUCH

Besonders hervorheben möchte ich die Leistung von Friederike Kempter. Eine für mich neue Stimme, die ich mir aber unbedingt merken muss. Als Schauspielerin war sie bereits in KOKOWÄÄH, PANDORUM, und Tommy Jauds VOLLIDIOT zu sehen und spielte in mehreren Tatortfolgen die Rolle der Kommissaranwärterin Nadeshda Krusenstern. Normalerweise sind Frauen ja den Männern in Stimmgewalt und Wandlungsfähigkeit leider etwas unterlegen. Aber Friederike beweist, dass das nicht immer der Fall ist. Meisterlich stellt sie ihre eigene Person in den Hintergrund, um die Erzählung voranzutreiben und einzelnen Figuren Leben einzuhauchen. Jeder Charakter bekommt seine eigene Sprache, Betonung, Melodie. Heiser, humorvoll, tückisch, schüchtern, bedrohlich, berechnend, traurig, fröhlich, voller Tatendrang. Mädchen, Jungen, Frauen, Männer, Senioren und natürlich auch die auftretenden Fantasywesen. Sie lässt ihre Stimme tanzen und verleiht dem Buch auf diese Weise eine ganz persönliche Note. Was das Buch an Verzierhungen aufzuweisen hat, bietet Friederike dem Leser an Leichtigkeit und Hörgenuss. Die Freude, die sie beim Lesen ausstrahlt, ist ansteckend. Ich hoffe noch viele weitere Hörbücher von ihr hören zu dürfen.


FAZIT

Ein wunderschönes Kinderbuch. Spannend, ein bisschen gruslig und genau richtig für Fantasy-Kids ab 10 Jahren. Janine Wilk hat eine neue Serienheldin geschaffen, die jeder sofort ins Herz schließen muss. Schade nur, dass es bis zum nächsten Band noch ein wenig dauern wird ...


SaschaSalamander 30.11.2011, 09.13 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Troposphere

Aktuell lese ich TROPOSPHERE und weiß noch nicht, ob ich am Ende eine Rezension schreiben werde. Es ist eines der Bücher, die mich wieder einmal vor die Frage stellen, was ich weiß, wer ich bin und wo meine Grenzen sind. Dieses Buch führt den Leser, so er bereit ist zu folgen, auf Gedankengänge der ungewöhnlichen und doch faszinierenden Art. Ein bisschen von Allem: Religion, Homöopathie, Quantentheorie, MATRIX, Einstein, BEING JOHN MALKOVICH, Schrödingers Katze, Thomas Hardy, Daguerreotypie, die vierte Dimension, Edgar Allans Poe Mesmerismus, etc. Und ein Traum in einem Traum, oder besser, eine Geschichte in einer Geschichte. Genre Mindfuck. Und auch vom Fuck auch ohne Mind gibt es in diesem Buch ziemlich viel, denn die Protagonistin ist wahrlich keine Heilige.

Ich kann verstehen, wenn einige das Buch als großartiges Meisterwerk hervorheben und begeistert sind. Kann aber auch verstehen, wenn andere sagen, es sei zu langgezogen und hätte mancher Auswüchse nicht bedurft und sich besser auf das Wesentliche konzentrieren sollen. Wobei ich denke, dass das Wesentliche an sich genau das ist, was einigen zu langgezogen erscheint, denn wie der Protagonist des Buches im Buch die Protagonistin des Buches TROPOSPHERE in seinen Bann zieht, so will der Autor den Leser an sich binden. Gelungen oder nicht, der Ansatz ist genial, für den einen wirkt das Buch wie ein Sog, dem anderen ist es zu theoretisch und abgedreht. Man kann es drehen, wenden, wirbeln, am Ende entscheidet doch ganz allein der Leser, ob er etwas damit anfangen kann oder nicht.

Meine bisherige Meinung? Ich bin kurz vor der Hälfte. Und jetzt erst kommt das Buch langsam zum Kern der Handlung. Bisher war es interessant zu lesen, aber das megagroße WOW blieb bisher aus. Ich selbst finde es in mancher Hinsicht ein wenig überladen, wie immer, wenn Autoren ihr geballtes recherchiertes oder gelerntes Fachwissen in ein Buch pressen und es dann Belletristik nennen ohne Rücksicht auf den Leser zu nehmen. Andererseits sind gerade diese Bücher es, die mir zeigen, dass es weit mehr gibt und man immer wieder über den Tellerrand hinausblicken muss, wenn man nicht im Sumpf des Alltags und des vermeintlichen Wissens um die Mechanismen des uns umgebenden Alltags untergehen will. Es fällt mir schwer, das Buch beiseite zu legen.

Ach ja: falls ich keine Rezension schreibe, hier zumindest eine knappe Inhaltsangabe (die weniger vorgreift als die meisten Rezensionen, denn ich finde in diesem Fall, dass der Leser es selbst erfahren soll).

Ariel ist Studentin, hat ein verkorkstes Leben, ist arm. Ihre Doktorarbeit schreibt sie über das Thema Gedankenexperimente, der Autor Thomas Luman ist ihr hierbei Grundlage und Inspiration. Um eines seiner Bücher rankt sich die Mär eines Fluches, der alle Leser nach der Lektüre tötet. Dieses überaus seltene Buch fällt Ariel zufällig in die Hände, und natürlich muss sie es lesen. Das Buch heißt "The End of Mr Y" und erzählt von einem Mann, der sich des Wissens wegen auf ein seltsames Experiment eines Zirkusdoktors einlässt und daraufhin besessen ist von dem, was er dabei erfuhr. Er forscht, er jagt, sein einziger Lebensinhalt ist das Erlebnis auf diesem Jahrmarkt, bereit für die völlige Selbstaufgabe seiner materiellen Existenz. Nur ein Buch, nur eine Geschichte, doch auch Ariel verfällt der Idee hinter dem Buch und will es ausprobieren und ihren Horizont erweitern, erleben was der Protagonist erlebte. Und erlebt eine abefahrene Reise in die Welt des Geistes ...

SaschaSalamander 24.11.2011, 20.27 | (0/0) Kommentare | PL

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