SaschaSalamander

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag:

Artemis Fowl 05 Die verlorene Kolonie

colfer_fowl5_150.jpgDer weltbeste jugendliche Meisterdieb treibt sein Unwesen inzwischen bereits in fünf Bänden, und neben Harry Potter, Bartimäus, Eragon, Septimus Heap und anderen Jugendromanen unter- schiedlicher Genres gehört er zu den heißgeliebten Favoriten vieler begeisterter Leser. Oben genannte Bücher mögen alle recht nett sein, aber für mich persönlich stehen Lemony Snicket und Artemis Fowl dann doch an allererster Stelle ... und während viele Bücher von Mal zu Mal an Biss verlieren, gefiel mir der aktuelle Band 5 von allen Bänden um den gewieften Gauner sogar am besten von allen bisherigen Büchern!

Eigentlich hat Artemis ja (schon mehrere Male) versprochen, sich nicht in die Angelegenheiten des Erdvolkes einzumischen. Aber diesmal geschieht es nur in deren eigenem Interesse, denn ein Ungleichgewicht im Zeit- und Raumgefüge ausgehend von der Dämonen - Insel Hybris bedroht die Welt und auch das Erdvolk. Also macht sich der seit dem ersten Band schon etwas reifer gewordene Artemis gemeinsam mit seinem Freund und Beschützer Butler auf, um das Erscheinen zeit- und raumreisender Dämonen zu beobachten. Wie es scheint, ist er dabei jedoch nicht ganz alleine: ein Mädchen, nur knapp etwas jünger als er, erscheint erstaunlicherweise ebenso wie er immer genau zum exakten Zeitpunkt am richtigen Ort. Nur ein Zufall? Oder woher weiß sie von diesen Dämonen? Als das Mädchen mit seinem Gehilfen dann einen Dämon einfängt, beginnt die Jagd ... wer ist dieses Mädchen? Was hat es mit dem Dämon auf sich? Kann die größer werdende Lücke im Zeit - Raum - Gefüge "geflickt" werden? Ein Reise, gefährlicher als alle bisherigen Abenteuer, wartet auf Artemis. Wird es ihm gelingen, die Erde, das Erdvolk und die Dämoneninsel zu retten?

Puh, und wo fange ich jetzt am besten an? Es ist zwar schon einige Wochen her, dass ich das Buch gehört habe, aber jetzt beim Schreiben merke ich, dass mich wieder so richtig die Begeisterung packt. Jau, Teil 5 ist der bisher beste von allen! Atemberaubend, unglaublich und kaum vergleichbar mit etwas je Dagewesenem ... die Leser sind ja nach vier Bänden Erdvolk-Technik inzwischen an Vieles gewohnt, aber was dieses Mal alles an Technik, Magie, subversiver Psychologie und Genie aufgeboten werden muss - WOW!!!!! Ich kann mir nicht vorstellen, wie Eoin Colfer dies in einem eventuellen Folgeband (den ich mir aufgrund der jetzt erst so richtig spannend werdenden Geschichte um Artemis und Minerva nur allzu sehnlich herbeiwünsche) noch jemals zu toppen gedenkt?

Artemis und Minerva? Geeeeeenau: Artemis bekommt Gesellschaft. Ihm ist völlig unerklärlich, wieso er dieses schreckliche Mädchen so faszinierend findet. Immer kommt sie ihm in die Quere, und sie strebt mit ihrer Jagd auf den Dämon sogar den Nobelpreis an! Und dann ihr arrogantes Getue, einfach grauenvoll! Aber ihre intelligenten Witze und diese geniale Anspielung auf gestohlene Quarks bringen seine pubertären Hormone kräftig ins Wallen! Wo andere Teens (ich werde den Zauberlehrling mit der Narbe auf der Stirn hier bewusst NICHT nennen *g*) ziemlich trottelig wirken, behält Artemis stets seine kühle, undurchschaubare Natur. Ja, Artemis bewahrt Form. Stylish, elegant, hochintelligent. Sonst wäre er nicht Artemis! Aber wenn dieses Mädchen nunmal nicht mehr aus seinem Kopf will ...

Ansonsten kann ich nicht viel sagen, außer - es ist ein Buch der Extreme. Soviel Unerwartetes und Überraschendes, soviel Neues ... wow, ein Hoch auf Eoin Colfer und seine genialen Ideen! Artemis unternimmt eine Reise durch Raum und Zeit, die den Leser wirklich ziemlich erblassen lässt ... es kommen neue Unterirdische ins Spiel, denn die ZUP war wohl nur ein kleines, unscheinbares Ablenkungsmanöver für eine wirklich große Organisation ... Nicht nur die den meisten Menschen bekannte Welt schwebt in Gefahr, sondern auch noch die der Unterirdischen sowie die Dämonenwelt ... Artemis erhält bei seiner gefahrvollen Reise eine besondere Fähigkeit ... Mulch bekommt einen würdigen Gegner und hilfreichen Verbündeten ... und das Unglaublichste, Unwahrscheinlichste, Unfassbarste: So langsam (und sehr glaubwürdig geschildert im Laufe der fünf Bände) scheint sich Artemis vom Superschurken zum Gutmenschen zu entwickeln ... na, wen das alles noch IMMER nicht überzeugt hat - der liest eben was anderes ... aber ich kann von diesem Bengel einfach nicht genug kriegen.

Über Schreibstil (spannend, humorvoll, packend, mitreißend, thrilling) und Phantasie des Autors (grenzenlos) sowie die schrullig - liebenswerten Charaktere möchte ich nicht mehr viel erzählen, denn dazu müsste ich doch eher beim ersten Band anfangen, ich rezensiere ungern mehrere Jahre in meine eigene Lese-Vergangenheit ... und über Rufus Beck und seine Sprachkünste (wer jemals Harry Potter als Hörbuch genießen durfte, weiß, wovon ich rede) muss ich wohl nicht mehr viel erwähnen, der Name selbst ist eigentlich schon ein Qualitäts-Garant für sich ...

Aaaaber: während die ersten drei Bände zwar aufeinander aufbauten aber auch einzeln gut lesbar waren und der vierte so eben noch für sich stehen konnte, ist der fünfte Teil nun wirklich zu heavy für Neueinsteiger. Die Handlung selbst ist so verquickt und komplex, dass die zusätzlichen Fakten über die Zup, die Unterirdischen und deren Technik eigentlich eine grundlegende Voraussetzung sind, ansonsten verliert sich der Leser im Chaos ...

Also: Wer Artemis noch nicht kennt, kann ja mal langsam einsteigen und sich den ersten Band zu Gemüte führen. Am besten als Hörbuch, denn Rufus Beck brilliert hier ebenso wie in Harry Potter mit großartigen Stimmen und Dialekten! Und wer Artemis bereits kennt - dem brauche ich ja eigentlich eh nichts mehr zu erzählen, der hat diesen Band vermutlich eh schon gelesen ;-)

SaschaSalamander 30.04.2007, 12.27 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Verwandlungsmärchen verschiedener Kulturen

johnson_fuchsfrau_150.jpgSchon seit einigen Wochen lese ich das Buch "die Fuchsfrau" von Kij Johnson. Kein Roman zum Überfliegen, wie ich es sonst mache. Sondern ein wunderschönes, elegantes Märchen, basierend auf einer der alten japanischen Legenden. Ein Buch, das ich mir als Taschenbuch vermutlich zulegen werde, wenn es erscheint. Eines der wenigen Bücher, das ich wirklich mit Genuss Wort für Wort lese. Denn es ist sehr filigran in der Wortwahl und wirklich "sinnlich" in vielerlei Hinsicht: ich meine die beschriebenen Blüten zu riechen, fühle die fast durchsichtigen Stoffe auf meiner Haut, eine Feder gleitet mit weichem Schwung über das Reispapier, leise Musik vom Wind davongetraten ... ein Genuss für alle Sinne ...

Japan in der Heian-Zeit, ein Adliger verliert seine Arbeit bei Hofe und zieht mit seiner Familie und Dienerschaft zurück auf den Landsitz. Eine Familie von Füchsen, die sich in den letzten Jahren dort niedergelassen hatte, beobachtet das rege Treiben der Menschen. Und so, wie sich Kaya no Yoshifuji immer weiter von seiner Frau Shikujo entfernt, verliebt sich die Füchsin Kitsune mehr und mehr in den Menschenmann, bis sie all ihren Zauber einsetzt, ihn für sich zu gewinnen... (und ab hier bin ich gespannt, wie es weitergeht ... aus anderen Rezensionen entnehme ich, dass es wohl kein Happy End geben wird *seufz* ... aber das hätte ich bei einem solchen Roman auch nicht erwartet)

Ach, ich mochte solche Märchen schon immer. Märchen, die von einem finsteren Fluch, einer scheinbar unmöglichen Liebe, einer hauchzarten Magie und natürlich einer subtilen Erotik handeln ... die freiwillige oder erzwungene Verwandlung von Frau / Tier - ein beliebtes Motiv vieler alter Legenden aus unterschiedlichsten Kulturen, aufgearbeitet in vielen Filmen, Romanen und auch in der Musik ... Vögel, Füchse, Fische, Schlangen, Bären, Otter, Seehunde und Katzen sind beliebteste Tierarten hierfür. Vorab einmal eine kleine Link-Sammlung, bis ich das Buch beendet haben werde ...

>Schwanensee<, >der Tag des Falken<, ">die kleine Meerjungfrau<", >das letzte Einhorn<, >Wächter der Nacht< sowie viele Märchen, Sagen und Legenden vor allem bei den Indianern und Japanern (nicht wenige Mangas habe ich bereits zu diesem Thema gelesen, denke gerade an "die Schneekönigin" oder "Ayashi no Ceres"), die dieses Motiv enthalten ... und bis ich das Buch beende, stöbere ich noch ein wenig im Internet. Erstaunlich und auch schön, wiesehr sich viele dieser Märchen doch ähneln ...

>indianische< Verwandlungsmärchen
>japanische Verwandlungsmärchen<
>Die Wildgänse< (Polen)
>Von drei Schwänen< (Schwaben)
>der Jäger und die Schwanenjungfrau< (Ostpreussen)

SaschaSalamander 24.04.2007, 10.39 | (0/0) Kommentare | PL

Das Leben der Tiere

coetzee_tiere_150.jpgElizabeth Costello, berühmte Romanautorin, wird für ein Seminar ins Appleton College geladen. Während dieser Zeit wohnt sie bei ihrem Sohn John Bernard, seiner Frau Norma und den Kindern. Das Thema ihres Vortrages wurde ihr freigestellt, und so wählt sie ein Thema, das ihr sehr am Herzen liegt: die Würde und Rechte des Tieres, die Verantwortung des Menschen gegenüber dem Tier. Dazu beruft sie sich während des ersten Vortragesn vor allem auf Philosophen unterschiedlicher Epochen, von Aristoteles über Descartes hin zu Thomas von Aquin und Singer; am folgenden Tag behandelt sie das Mensch - Tier Verhältnis aus Sicht der Literatur, indem sie Jonathan Swift, Rilke und Hughes heranzieht. Doch ihre Meinung ist sehr provokant, und die schlichte Wahrheit ihrer Worte ist den meisten der Anwesenden ein Dorn im Auge. Besonders Norma ist über den Besuch ihrer Schwiegermutter sehr verärgert, die Spannungen werden für John unerträglich, bis Elizabeth endlich wieder abreisen muss ...

Ein ungewöhnlicher "Roman" ist "Das Leben der Tiere vor allem insofern, als es eher eine philosophische und fachliche Abhandlung denn ein Roman ist. Die Rahmenhandlung um John, Norma und Elisabeth ist nur das äußere, grobe Gerüst. Eine kurze Begrüßung am Bahnhof, ein knappes Gespräch zum Abendessen, ein Disput zwischen Norma und John, die Abreise am Ende, das sind insgesamt nur knapp 10 Seiten von 79. Und, wie man sieht, 79 Seiten, also nicht wirklich ein sehr langes Werk. Aber ich habe dennoch mehrere Abende daran gelesen.

Es ist kein Buch, das man zur Unterhaltung nebenbei mal kurz liest. Sondern ein auch für Laien der Philosophie sehr gut gemachtes Plädoyer für die Rechte der Tiere, dessen Inhalt sich schrittweise setzen muss, das der Leser eher "bearbeiten" denn "lesen" muss. Sehr viele Fußnoten, Querverweise, Quellenangaben und wohlfeile Schlussfolgerungen sorgen allerdings dafür, dass man es sehr genau lesen muss, wenn man ihr folgen will. John und Norma schieben die in ihren Augen eher an den Haaren herbeigezogenen Argumente auf die Verwirrtheit ihrer Mutter, wenn sie plötzlich beginnt, das Bewusstsein eines Menschen mit dem einer Fledermaus gleichzustellen, aber der aufgeschlossene Leser wird ihren klaren und fundierten Aussagen sehr gut folgen können, sofern er sich auf dieses Werk einlässt ...

Ja, ich denke, man muss sich ein stückweit auf dieses Buch einlassen. Bereit sein, den Ausführungen zu folgen. Liebevoll, mitfühlend, zugleich aber auch äußerst provokant und deutlich, kommt Elizabeth Costello daher und setzt sich für die Tiere ein. Eine Fremde in einer Welt, in der noch immer Tiere misshandelt, missbraucht und geschlachtet werden ...

Für Fleischesser und Anhänger der Theorie "Nahrungskette" ein herber Schlag in die Magengrube, aber sogar für Vegetarier und Tierschützer ein Anstoss zu tieferem und bewussterem Denken gegenüber Tieren, ist "Das Leben der Tiere" ein sehr gut lesbares, wirklich profundes Werk, das jeder lesen sollte, der sich mit Tierschutz, Ernährung und der Definition des Menschseins befasst ...

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Rilkes >Panther<
Singers >Animal Liberation<
>deutsche Links< zu >Peter Singer<
Kafkas >Bericht für eine Akademie<
>Nagels< >What is it like to be bat<
Hughes >Jaguar< sowie eine kurze >Erklärung< hierzu
>Gullivers Reisen< zu den >Yahoos< und>Houyhnhnms<

und weil dies ein sehr heikles Thema ist und ich die Theorien der einzelnen Philosophen nicht zu 100% kenne und weiß, wie unterschiedlich gut (zu Tieren) aber auch grausam (z.B. zu behinderten Menschen) diese sein können (Singer), ist es mir hier ein Anliegen, mich von den Links inhaltlich zu distanzieren. Ich bitte Euch, sie lediglich als Information zu sehen, nicht jedoch als mein Gutheißen oder Ablehnen der entsprechenden Inhalte!

SaschaSalamander 23.04.2007, 12.14 | (0/0) Kommentare | PL

Aberwitzige Abenteuer 01

Ich kann es nur immer wieder betonen: Harry Potter ist nicht das Nonplusultra der fantastischen Kinder- und Jugendliteratur. Kids, die ansonsten nichts lesen, haben vermutlich einfach nicht die richtigen Bücher von ihren Eltern in die Hand gedrückt bekommen. Klar hat jeder einen anderen Geschmack, aber die Seiten mancher Bücher scheinen eine Art unsichtbare Droge zu enthalten, die verhindert, es wieder beiseite zu legen. Dazu gehören - je nach Alter und Geschmack - zum Beispiel >Charlie Bone<, >Lemony Snicket<, >Eddie Dickens<, Artemis Fowl, Hohlbeins Märchenmond, Isaus Neschan-Trilogie, die unendliche Geschichte oder ähnliche Werke ... ganz besonders erwähnenswert finde ich dabei auch die >Klippenland-Chroniken< von Paul Stewart (Autor) und Chris Riddell (Illustration). Und von diesem Autor stammen auch die "aberwitzigen Abenteuer", deren ersten Band ich letztens in der Bibliothek in die Finger bekam. Da die Illustrationen so genial sind, fiel mir die Entscheidung "Lesen" oder "Hören" recht schwer, aber ich war neugierig auf Heike Makatsch ...

Fergus Crane ist ein liebenswerter Junge, den der Leser sofort ins Herz schließt. Er ist abenteuerlustig, lebaft, aber auch vernünftig und recht reif für sein Alter. Vor seiner Geburt verschwand sein Vater, und die Mutter kümmert sich alleine um ihn, sie hat neben ihrer Tätigkeit als Verkäuferin auch noch etwas Heimarbeit, um sich wenigstens das Notwendigste für ihren Sohn leisten zu können, und Fergus stellt keine hohen Ansprüche, er sorgt sich um seine Mutter. Sie sind SO arm, dass er nicth einmal eine Schule besucht, sondern nur das kostenlose Schulschiff "Betty Jane". Allerdings sind die Lehrer wirklich seltsam, gar nicht wie richtige Lehrer. Und die Schulfächer "Höhlenerforschung" oder die Arbeit auf dem Schiff sind nicht wirklich das, was man in Mathe oder Deutsch lernt. Aber Fergus und seine vier Klassenkameraden sind fleißig und geben ihr Bestes.

Eines Nachts kommt ein kleines metallenes Kästchen durch Fergus´ Fenster geflogen, in dem sich eine Nachricht von seinem verschollen geglaubten Onkel T.C. befindet. Und damit beginnt für den Jungen das aberwitzige Abenteuer mit den Piraten, den Feuersmaragden, einem aktiven Vulkan, einem fliegenden Pferd und drei sprechenden Pinguinen.

Mensch, ich war hin und weg! "Fergus Crane" ist völlig anders als die Klippenland - Chroniken, aber mindestens genauso gut. Allein die Charaktere sind das Lesen oder Hören des Buches schon wert! Kein übermäßiger Schnulz, aber auch keine überzogenen Charaktereigenschaften oder Schrulligkeiten. Ganz normale, liebenswerte Menschen, die man sofort mag. Die kauzigen Nachbarn, die Klassenkameraden, die fiesen Piraten, der erfindungsreiche Onkel, und natürlich auch der Vater ... sie alle schienen mir so lebendig, als stünden sie vor mir ...

Die Welt, in der Fergus lebt, unterscheidet sich gar nicht einmal sosehr von der unseren, eigentlich könnte es sogar die unsere sein. Keine fantastischen Fabelwesen oder seltsamen Länder. Nur einzelne kleine Besonderheiten wie die sprechenden Pinguine lassen darauf schließen, dass es wohl doch nicht ganz so real sein kann ... aber, wer sagt denn, das Pinguine nicht sprechen können, vielleicht schweigen sie ja lieber? ;-)

Bevor es so richtig spannend wird und Fergus sich auf die Reise zur geheimnisvollen Feuerinsel macht, wird dem Leser erst einmal seine Umwelt vorgestellt, die Stadt mit dem Mollenhauer - Park, das Schulschiff, die Bäckerei, sein kleines Zimmer, und natürlichl die Menschen um ihn herum. Auch dieses ist schon so packend geschildert, dass man kaum mit Lesen / Hören aufhören kann. Ich mag Stewarts lebhaften Stil, der alles so unmittelbar beschreibt, dass man meint, man wäre selbst ein Teil der Geschichte ...

Und was mich begeisterte: die Klippenlandchroniken werden alle gelesen von Volker Niederfahrenhorst. Nicht so bekannt wie manch anderer Sprecher, aber meiner Ansicht nach einer der ganz Großen. Ich war sehr enttäuscht, als ich las, dass dieses Hörbuch von Heike Makatsch gesprochen wird. Bäh, kein Volker? Und dann sogar noch eine Frau? Mit Frauenstimmen kann ich wenig anfangen ... dachte ich bisher. Denn Heike ist SUPER!!! Man könnte sagen, sie ist eine Art weiblicher Rufus Beck. Sie beherrscht verschiedene Dialekte, Sprachmelodien, Tonhöhen, Sprechweisen. Die Piraten mit ihrer rauchigen, tiefen, bösen Stimme, der nuschelnde Onkel mit dem Sprachfehler, die Papageiendame Bolivia, die eleganten Pinguine, die eitle Theater-Diva, sie verkörpert das alles so genial, dass ich fast schon etwas neidisch wurde. Sie kann es, und wie! Die meisten Frauen sprechen recht tonlos, ohne Veränderungen, aber Heike Makatsch spielt mit ihrer Stimme, lässt sie quäken, quieken, tropfen, fließen, schnarren, kratzen, singen, schreien, lachen ... allein ihr Vortrag ist es wert, sich dieses Hörbuch in den Player zu legen und zu genießen ...

Wie immer bei Paul Stewart: Tolle Zeichnungen (in diesem Fall im Booklet der CD), eine packende Story, ein mitreißender Stil, und außerdem noch eine grandiose Sprecherin. Seine Bücher muss man einfach mögen ...


SaschaSalamander 20.04.2007, 12.09 | (0/0) Kommentare | PL

Bombastisch

lesiem_steinigerweg_150.jpgIch habe ja eigentlich gerade erst damit angefangen. Aber schon während der ersten beiden Tracks war ich so gefesselt, dass ich nun statt einer kurzen Vorab-Meinung am liebsten eine Rezi tippen würde. Die Sprecher sowie die Namen, die Musik, die Aufmachung, haben es mir bereits so richtig angetan, ich bin bereits völlig versunken in der Welt Lesiem ... "bombastisch" ist das erste Wort, das mir dafür einfällt ... jau, bombastisch, so liebe ich es bei Musik und Literatur ab und zu ... leise, weise Worte in gewaltiger Verpackung ...

>Lesiem< ist eigentlich eine Musik-Gruppe in Richtung Mystic-Pop, Gregorian Chant, Gothic, wie auch immer man es nennen mag. Und es gibt ein Hörspiel von / mit ihnen. Anstelle großer Worte (die werden dann in der Rezi folgen, auf die ich mich jetzt schon freue) einfach mal der Klappentext, der mir schon für sich alleine den Mund so richtig wässrig machte:

Was macht eigentlich einen Menschen aus? Wie notwendig sind für uns Liebe, Glaube und die Menschlichkeit? DER STEINIGE WEG und das außergewöhnliche Schicksal der Kreatur FRICUS COR, zeigt die Bürde auf, die der wahre Mensch zu tragen hat. Durch Abenteuer, die zu bestehen sind in einer mystischen, bizarren und traumhaften Welt, in der es keinerlei Grenzen gibt, kann sich jeder selber finden. Eine Fiktion, die wahrhaftiger, emotionaler und spannender nicht sein kann. Zusammen mit der zauberhaften Musik vom Chart notierten Album Lesiem - Times ist dieses Hörbuch eine wunderschöne HOMMAGE AN DIE MENSCHLICHKEIT.

SaschaSalamander 18.04.2007, 16.37 | (0/0) Kommentare | PL

Flippis geheimes Tagebuch

ullrich_flippi02_150.jpgFreche Kids gab es in der Literaturwelt schon immer. Während sie damals wie Pippi Langstrumpf schon etwas Besonderes sein mussten, um so sein zu dürfen, oder sie wie Michel bestraft wurden, oder gar wie die armen Kinder aus dem Struwwelpeter starben, ist das heute zum Glück etwas anderes. Da sind freche Kids eben einfach nur freche Kids. Und ein solches Kid ist Filipine Sonntag, kurz Flippi.

Flippi ist in dem Alter, in dem sie Jungs noch richtig doof findet, weil die nämlich die Pest sind! Und Mädels findet sie auch doof, das sind alberne Hühner, die nur Liebe und Schminken und Jungs im Kopf haben, so wie ihre Schwester Jojo. Was Flippi mag, das sind Schnecken. Sie züchtet nämlich Kampfschnecken!

CHAOS IM GRUSELPARK
Als ihre Mutter in den Sommerferien Kostüme im Gruselpark entwerfen soll, ist Flippi hellauf begeistert, ein GRUSELPARK! Mit Vampiren, Zombies, Leichen, Hexen, Piraten, Gespenstern, Mumien und überhaupt! Aber was immer Flippi anfasst - es endet im Chaos, dabei meint sie es gar nicht böse. Sie fühlt sich nur gestört, als sie erfährt, dass ihre Gastgeber einen Sohn etwa ihres Alters haben, dabei hat sie aus-drück-lich gesagt, dass sie Jungs nicht leiden kann und niemals mit einem unter einem Dach wohnen wird! Aber Leo stellt sich dann wider Erwarten als recht nett heraus, weil er nämlich eine Schnecke gerettet hat. Außerdem kann er prima basteln und biegt so einiges gerade, was Flippi wieder einmal versehentlich angestellt hat. Wenn nur nicht das blöde Huhn Babsi wäre, die ständig was von Leo will (das nervt ihn gewaltig!) und Flippi einfach nur zum Kotzen findet! Babsi will dafür sorgen, dass Flippi und ihre Mutter aus dem Park geworfen werden, aber Leo und Flippi biegen das schon ...

CHAOS IM TEUFELSMOOR
ullrich_flippi03_150.jpgAls Flippi allerdings das Piratenschiff unter Wasser setzt, ist es aus: sie soll während der Ferien zu Leos Onkel Jan ins Teufelsmoor. Dort ist so wenig los, dort wird wohl nicht einmal ein Kind wie sie etwas anstellen können. Anfangs ist sie sauer, denn dort scheint tatsächlich alles langweilig und öde. Aber dann gehen sie auf Marderjagd, und Leos Kumpel weiß, wie man Moorleichen fängt! Und dann sind da noch die freilaufenden Mörder im Moor ... als allerdings Babsi auftaucht, müssen Leo und Flippi sich wieder etwas Gutes einfallen lassen, um dieses Huhn loszuwerden.

CHAOS IM HEXENTURM
Nachdem sie auch das Teufelsmoor ordentlich aufgemischt hat, darf sie zurück in den Gruselpark. Dort haben ihre Mutter und deren Chef eine Flippi-Sitterin für sie engagiert. Aber kein Problem, das hat Flippi im Nu zur Zufriedenheit aller gelöst, und so kann sie nun ohne Aufsicht im Park ihr Unwesen treiben. Dort hat nämlich erst kürzlich ein Hexen-Informationscenter eröffnet. Na, und was liegt für Flippi näher, als dass sie sich zur Hexe ausbilden lassen wird? Gekleidet als Wanderhexe erlebt sie einige Abenteuer, bis Leo sie um Hilfe bittet, endlich Babsi loszuwerden. Und Flippi wäre nicht Flippi, wenn nicht alles im Chaos enden würde ...

Schon lange habe ich bei einem Kinderbuch nicht mehr SOSEHR gelacht. Es ist einfach genial, was Flippi alles anstellt! Nachdem mir zufällig Band 2 in die Hände geriet (die Bücher bauen zwar aufeinander auf, haben jedoch eine eigene Handlung), musste ich sofort auch noch die anderen zwei Teile lesen, rief in der Bib an und ließ sie mir reservieren.

Die Bücher sind zusammengefasst unter dem Titel "Flippis geheimes Tagebuch" und werden in der Ich-Form aus Flippis Sichtweise erzählt. Eine einfache, kindliche Sprache, die sich nicht künstlich mit Worten wie "cool" oder ähnlichen anbiedert, für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen herrlich zu lesen. Der Leser erkennt natürlich sofort, was Flippi wieder angestellt hat, aber Hortense Ullrich schafft es perfekt, es aus Sicht des Mädchens zu erzählen, als könne sie kein Wässerchen trüben. Schließlich meint Flippi es ja nie böse. Sie hat eben eine typische Kinderlogik. Und so kommt es, dass eine Frau im Atelier der Mutter sagt "magst du nicht etwas helfen?" und Flippi antwortet "aber nur, wenn ich mich nicht zusehr dabei amüsiere, das mag meine Mama nicht". Klar, da der Leser Flippis Gedanken kennt, weiß er, wie es dazu kam, aber man kann sich vorstellen, wie dies wohl auf die fremde Frau wirken mag und welches Bild dies auf die Mutter wirft. Ich bin sicher, die Eltern so mancher hyperaktiver Kinder werden stöhnend aufseufzen und ihr Kind in Flippi wiedererkennen: liebenswert, nur das Beste im Sinn, höchst phantasievoll, strotzend vor Tatendrang, aber leider bleibt kein Stein auf dem anderen, was auch immer es anfasst ...

Wenn Flippi versehentlich Leim auf den Stuhl von Opa Jan gießt, ist es nur recht, dass sie ihn auch wieder repariert und anmalt. Sie kann doch nichts dafür, wenn sich Leos Freund genau auf den frisch angemalten Stuhl setzt! Und wenn eine erwachsene Frau im Hexenturm sie loswerden will und sagt "los, geh, ich ernenne Dich hiermit zur Wanderhexe", dann muss Flippi doch losziehen und anfangen, die Leute im Park zu verhexen, das ist doch völlig logisch, oder? Und wenn sie den Marder fangen gehen und Mutter am Telefon "Mörder" statt "Marder" versteht und eine riesige Polizeiaktion aus Sorge um ihre Tochter startet, ist das etwa FLIPPIS Schuld? Da kann sie nun wirklich nichts dafür, ehrlich!

Wenn man einmal angefangen hat, eines dieser Bücher zu lesen, dann kann man es bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen. Flippi bietet dem Leser ein echtes Feuerwerk an Situationskomik, Kindermund und Kinderlogik. Schon lange habe ich kein so gutes Buch mehr gelesen, und ich werde mich beim nächsten Büchereibesuch sofort nach weiteren Büchern dieser Autorin umsehen. Denn ich habe erfahren, dass in anderen Werken der Familienalltag im Hause Sonntag aus Sicht der älteren Schweister Jojo geschildert wird. Ich hoffe, dass Flippi auch dort ausreichend Unsinn anstellt!

Flippi ist die moderne Version von Michel aus Lönneberga. Wer die Abenteuer des liebenswürdigen Lausbuben aus Katthuld mag, wird auch von Flippi begeistert sein! :-)

SaschaSalamander 18.04.2007, 10.47 | (0/0) Kommentare | PL

Stewart genial wie immer

stewart_abenteuer01_cover150.jpgAch ja, ich war echt riesig begeistert, als ich den ersten Teil der "Aberwitzigen Abenteuer" von Paul Stewart in die Finger bekam. Seine Jugendfantasy um Twig, Quint und Rook haben mich schon vor zwei Jahren begeistert, und genüsslich verschlinge ich seine Bücher nicht eines nach dem anderen (habe noch einige vor mir), sondern nehme sie in Abständen und mit dem entsprechenden Respekt zu mir. Jau, Stewart hat es verdient, gewürdigt zu werden ... seine Phantasie ist einfach klasse!

Heike Makatsch war mir bisher nur vom Deutschen Film ein Begriff, und damit verbinde ich wenig Gutes. Umso positiver überrascht war ich, als mir ihre Stimme dagegen sehr gefällt. Doch, kann man hören, sehr schön ...

Bisher habe ich erst die Hälfte der ersten CD gehört, aber es ist schon richtig klasse. Mir sind Fergus, seine Mutter und seine Klassenkameraden schon richtig ans Herz gewachsen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht ...

SaschaSalamander 16.04.2007, 19.57 | (0/0) Kommentare | PL

Traumklänge

hetmann_traumklaenge_150.jpgSooo, nun bin ich auch fertig mit dem Hören. Ich muss zugeben, den Rest habe ich so nebenbei laufen lassen und könnte ihn auch gar nicht so genau wiedergeben, ich wollte es einfach beenden, hatte auf ein paar nette Effekte oder Ideen für das Ende gehofft ... nun aber wenigstens eine kurze Rezension ...

Izaak ist freier Journalist und hat den Wunsch, ein Buch zu schreiben. Ein ganz besonderes Buch: es soll den Leser in ferne Welten entführen, ihn mit verzaubertem Blick abtauchen lassen hinein in seine Fantasiewelt, und es soll auch nach dem Lesen weiterhin wirken ... doch die Jahre vergehen, und kein Wort dieser Geschichte möchte ihm zu Papier kommen. Da trifft er während eines Vortrages die geheimnisvolle und attraktive Eliza, die sich sofort in eine nette Plauderei mit ihm stürzt und ihn zu sich nach Hause einlädt. Dort entdeckt er eine faszinierende Metallkugel, und er hört ihren Klang, wie von weit her. Die Kugel inspiriert ihn, und so verleiht Eliza sie ihm für ein paar Tage. Und schon beginnt Izaak zu schreiben und zu schreiben ... die Geschichte der Kugel von ihrer Erstellung bis hin in die Gegenwart. Und auch seine, Izaaks Geschichte, erhält einen ungewöhnlichen Verlauf ...

Hm, ja, doch ... ganz nett, muss man dem Autor lassen. Eine Geschichte, in der viele kleine Geschichten erzählt werden. Eine sogenannte "Rahmengeschichte". Ein altbewährtes, immer wieder mitreißendes Prinzip, bei "alten Klassikern" wie 1001 Nachrt ebenso beliebt wie bei den Romanen moderner Autoren wie Hans Bemman ("Massimo Battisti" und "Stein und Flöte"). Für den Leser eine wunderbare Möglichkeit, einzelne Geschichten vor dem Schlafengehen zu lesen, in ferne Welten abzutauchen und dabei doch immer in der Gegenwart zu bleiben und dem Problem zu unterliegen, ein Buch nicht mehr aus der Hand legen zu können ...

In diesem Fall ... hm, der Titel ist ja doch sehr vielversprechend ... "Traumklänge", was geht Euch dabei durch den Kopf? Bei mir entstehen da sofort Bilder und Töne, Sphärenklänge, die Weiten des Universums, wundervolle und magische Orte, verzauberte Wesen, eine Vielfalt an Möglichkeiten ... aber das war es auch schon. "Traumklänge" sind es wohl, die nur wenige Menschen hören, wenn sie die Kugel berühren und zum Klingen bewegen. Diese inspirieren sie, erfüllen die geheimsten Wünsche ihres Besitzers.

Doch wie es mit Wunderzauberdingen ist, hat alles auch seine Nachteile, und die schönste Liebe wird zerstört durch den Neid der Umstehenden, eine geheime Liebschaft offenbar, eine tragische Romanze endet tödlich. Immer das gleiche. Kurz in die Geschichte eingeführt, schon wieder aus ihr verschwunden. Eigentlich ja nicht weiter schlimm, ich kann mit dem Tod eines Protagonisten gut leben. In diesem Fall aber ist mir die Zeit, die Figuren ins Herz zu schließen und sich in die zauberhaften Welten des Orients hineinzuträumen, viel zu kurz.

Auch fehlt es den Worten an einem gewissen Glanz. Den späteren Geschichten, welche zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielen, mag ich dies noch nachsehen, aber gerade in der Welt Scheherazades, was gäbe es da für Möglichkeiten, die Düfte und opulenten Farben im Leser zu erwecken ... Vielleicht lag es auch daran, dass ich statt zu lesen das Hörbuch zu mir nahm. Nina Ruge liest den grausamen Tod eines Protagonisten, als säße sie popcornkauend im Zirkus. Und Joachim Fuchsberger trägt seinen Text recht nett vor, aber ihm fehlt, wie ich finde, das gewisse Etwas. Ob nun die Geschichte oder doch die Vortragenden, nach zwei CDs wurde es mir recht langweilig.

Das Buch ist, wie ich gelesen habe, mit Schrift und Zeichnungen angeblich sehr hübsch aufgemacht. Und ich kann mir vorstellen, dass einzelne Geschichten daraus hier und da vor dem Zubettgehen bestimmt nett sein mögen. Aber die Audiofassung, nun, soll sich jeder sein eigenes Bild davon machen, ich jedenfalls werde ungerührt direkt übergehen zum nächsten Hörbuch ...

SaschaSalamander 04.04.2007, 16.06 | (0/0) Kommentare | PL

Das Geheimnis des Weinbergs

lenoir_weinberg_150.jpgEin Buch, das mich in der Bücherei sofort ansprach, obwohl ich noch nie davon gehört hatte, obwohl auch der Autor mir fremd war. Während ich mich sonst gerne auf aktuellere oder bekanntere Werke beschränke, hatte ich das Bedürfnis, dieses hier sofort zu hören. Und es hat mich sehr bewegt. Schade, dass dieses Buch nicht bekannter ist, vielleicht trägt ja wenigstens meine Rezension dazu bei, dass es ein wenig mehr von der verdienten Aufmerksamkeit erhält ... aus meiner Begeisterung heraus werde ich auch ein wenig über eine knappe Inhaltsangabe hinausgehen, aber keine Angst, gespoilert wird natürlich nicht ;-)

**********************

Frankreich, ein kleines Dorf im 19. Jahrhundert. Wie Dörfer in ihrem Alltagsleben und ihrem Hunger nach Neuigkeiten eben sind. Und dort lebt der junge Mann Pierre Morin, dessen Mutter nach einer geheimen Liebschaft mit einem Fremden von ihren Eltern verstoßen und vom Pfarrer als "junge Witwe" in die Dorfgemeinschaft aufgenommen wurde. So war Pierre schon immer ein Außenseiter gewesen. Doch auch sonst war er anders als die anderen Kinder. Er liebt die Natur, beobachtet die Tiere, seine Freizeit verbringt er im Wald, auf den Feldern und am Fluss. Die Kinder ziehen ihn damit auf, quälen ihn, verspotten ihn, die Erwachsenen beäugen ihn kritisch und verdrossen. Nur der Lehrer und der Pfarrer erkennen, dass er ein ganz besonderer Mensch ist, dem die wahren Werte des Lebens wichtiger sind als alles Hab und Gut der Welt. Und auch das Mädchen, das von allen nur "die Stumme" genannt wird, genießt seine Gegenwart und folgt ihm oft hinaus in die Natur ...

Eines Tages wird Pierre für einige Tage vermisst, man findet ihn auf dem brachliegenden Acker des alten Weinberges. Seitdem hat er einen Glanz in den Augen, den nur seine Mutter, die selbst ein wunderbares Geheimnis in sich trägt, erkennen kann. Immer wieder besucht Pierre den Acker, übernachtet sogar dort, verbringt seine Zeit auf dem wertlosen Stück Land. Als er später sogar bereit ist, 10 Goldstücke zu opfern, um den Weinberg zu kaufen, wird er nur mit noch mehr unverhohlenem Spott betrachtet. Auch seine Liebe zu dem Bäckersmädchen Pauline verläuft sehr unglücklich. Doch bald darauf erbt Pierre von einer reichen Witwe, der er damals in seiner Selbstlosigkeit einen großen Gefallen getan hat, ein prächtiges Haus mitsamt Mobiliär, Gehöft, Land und Vieh. Vergessen der Spott, nun wird er von allen Mitgliedern des Dorfes umgarnt und verwöhnt, die Mädchen liegen ihm zu Füßen, und auch Pauline erhört ihn. Aber Pierre kümmert sich nicht um das falsche Geschwätz der Dörfler, und endlich bekommt er, was er sich sosehr ersehnt: er tauscht all seinen Besitz gegen das kleine, wertlose, karge Stück Land, ...

Neid, Missgunst, Verleumdung, die Dorbewohner werden immer mehr von ihren eigenen Intrigen zerfressen und verbünden sich gegen Pierre. Was will er mit dem Land? So unterstellen die Bewohner ihm in ihrer eigenen Bosheit allerlei Dinge. Trifft er sich dort mit einer Geliebten? Hat er gar einen so großen Schatz gefunden, dass er ihn nicht des nachts heimlich davontragen kann? Ein fremder Reisender schürt neue Gerüchte, und dann geschieht das Unvermeidliche, das schon lange in den Honoratioren des Dorfes gärte, sich machen sich auf, Pierre das Geheimnis notfalls mit Gewalt zu entlocken ...

**********************

Dieses Buch hat mich sehr begeistert. Ich fand nur wenige Rezensionen darüber im Netz, aber sie unterscheiden sich jeweils sehr voneinander. Manche bezeichnen es als "hochspannend, man könne kaum durchatmen", was ich nicht wirklich unterstreiche, denn gerade der ruhige, sanfte Erzählstil hat es mir angetan. "Schlecht übersetzt, farb- und kraftlos", nein, ich fand es gewaltig in seinem Stil. Sehr simpel, einfache Sätze, aber gerade dadurch so ansprechend und bewegend, spiegeln sie doch Pierres Naturell so wunderbar wieder.

Was macht den Zauber dieses Buches für mich aus? Hm, in der Fassung als Hörbuch natürlich ganz besonders die Stimme des Sprechers, Friedrich Schoenfelder. Ein bekannter Synchronsprecher, den bestimmt jeder schon in Film und Werbung gehört hat, eine weiche, angenehme Stimme, zu der man sich so richtig wohlfühlt.

Auch die einfache Sprache hat es mir sehr angetan. Kurze, einfache Sätze ohne besondere Fremdwörter, ohne Verstrickungen, ohne komplizierte Gebilde. So schlicht und natürlich Pierres Naturell, so einfach und unkompliziert ist auch der Erzählstil der Geschichte. So simpel es auch sein mag, vermag der Text sofort zu fesseln. Ich sah nur allzu lebhaft die Bilder vor mir: die neidvollen Blicke der Dorfbewohner, das ruhige Erdulden der Mutter, der Glanz in Pierres Augen, die schüchternen Blicke der Stummen, der fruchtlose Weinberg, das Misstrauen fast greifbar, als wäre ich mitten unter ihnen, beengt und erdrückt von den Menschen um mich. Es fällt nicht schwer, sich schon nach wenigen Sätzen in Pierre hineinzuversetzen, mit ihm zu fühlen, und am Ende mit ihm zu leiden ...

Was natürlich auch das gesamte Buch hinweg die Spannung trägt, ist die Frage nach Pierres wundersamem Geheimnis. Vielfach stellte ich mir die Frage, ob es überhaupt gelüftet werden würde, denn es hätte auch gut gepasst, es dem Leser freizustellen mit offenem Ende. Denn ich bin sicher, jeder Leser trägt seinen eigenen Weinberg in sich, und jeder Leser wird seine eigene Version davon haben, was Pierre nun gesehen, gefunden oder erlebt haben mag. Doch das Geheimnis wird gelöst, ich freute mich, wie nah ich mit meiner Vermutung lag, wie gerne hätte auch ich dieses Geheimnis mit ihm geteilt ...

Das Ende wird von manchen Rezensenten als schwach bezeichnet, denn in der Tat ist es kein großer Knall, keine besondere Wende, nichts, das all das Getue der Dorfbewohner gerechtfertigt hätte. Doch ich finde, es passt, und auch der Schluss, so traurig er sein mag, ist für mich wundervoll und bewegend ...

*************************

Ein kleiner Gedanke zum Abschluss: manche von Euch haben vielleicht das Buch >"Dichterfreunde und Schreiberlinge"< gelesen, in welchem auch meine Geschichte "Aaron" veröffentlicht ist. Mir bedeutet diese Geschichte, dieser kleine Junge darin sehr viel. Und wäre Aaron erwachsen geworden, so wäre er wie Pierre Morin ... es war mir, als hätte ich eine Fortsetzung gelesen, in der Aaron noch lebte ...

SaschaSalamander 02.04.2007, 10.58 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Altes Thema ganz neu umgesetzt

Eigentlich sollte man meinen, das im Bereich Fantasy langsam einmal der Markt gedeckt ist. Und wenn ich dann im Titel irgendwas mit Drachen, Elfen, Zwergen oder sonstigerlei Getier und Wesen lese, muss ich müde schmunzeln. Trotzdem les ich es gerne. Macht einfach Spaß. Wenn es dann auch noch von Rufus Beck vorgetragen wird, umso mehr. Ich lausche ihm einfach gerne. Was früher Hans Paetsch, ist mir heute die Stimme von Beck ...

Und, hey, "Drachenglut" ist sogar wirklich mal wieder erwähnenswert ... Bartimäus hat mir sehr gefallen, Drachenglut ist das Vorgängerwerk des Autors. Völlig anders im Stil, wie ich finde. Und wirklich klasse. Habe jetzt etwa die Hälfte und bin angetan. Da fällt es mir schwer, mich jetzt an ein paar Rezis, Rätsel und Gedanken zu setzen, anstatt einfach weiterzuhören!

Ein keltisches Kreuz auf dem Kirchhof wird bei Ausgrabungen gefunden ... und Michael schläft nachmittags auf dem Berg und verfügt nach dem Erwachen über eine besondere Fähigkeit, die er später mit seinem Bruder teilt. Aber die Dinge entwickeln sich völlig anders, als sie im ersten Moment der Begeisterung vermutet hatten ...

SaschaSalamander 26.03.2007, 19.06 | (0/0) Kommentare | PL

Einträge ges.: 3911
ø pro Tag: 0,5
Kommentare: 2821
ø pro Eintrag: 0,7
Online seit dem: 21.04.2005
in Tagen: 7655
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3