SaschaSalamander
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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Dystopie

Gattaca

gattaca_1.jpgZukunft. Vincent ist "in-valid", ein Kind geboren aus der Liebe seiner Eltern. Behaftet mit Makeln wie Kurzsichtigkeit, Neigung zu Depressionen und Gewalt, vor allem aber mit einem 99 prozentigen Herzfehler. Sein großer Traum ist es, eines Tages ins All zu fliegen, dafür trainiert er und gibt alles. Doch in der Zukunft gibt es neben den "In-Valids" auch die "Valids", und sie sind die Elite, nur ihnen sind große Taten vorbestimmt, sie wurden gezüchtet aus den besten genetischen Vorgaben ihrer Eltern. Vincent besorgt sich auf illegalem Wege die Identität des durch Unfall an den Rollstuhl gefesselten Valids Jerome Morrows. Sein Plan geht auf, er ist in der Gruppe einer der besten Teilnehmer. Doch dann geschieht ein Mord, und auf der Suche nach Verdächtigen findet man die genetischen Spuren des In-Validen Vincent ...

Kurz nach Erscheinen sah ich den Film, und nun etwa 15 Jahre später erneut, er begeisterte mich heute ebenso wie damals. Der Film ist bekannt und schon recht alt. Trotzdem möchte ich kurz erzählen, warum ich diesen Film so schätze:

Er ist hochspannend auch ohne "Krachbumm". Die Frage nach dem wahren Täter ist dabei gar nicht einmal so wichtig, es ist kein Krimi. Viel entscheidender ist es, ob Vincent alias Jerome sich seinen Traum erfüllen wird und eines Tages zu den Sternen fliegt. Es gibt unzählige Hindernisse, doch er gibt nicht auf und arbeitet hart. Die Disziplin, die er dafür aufbringt, ist beeindruckend, und die Methoden zur Verschleierung seiner wahren Identität sind faszinierend. Er ist eine Identifikationsfigur, er verkörpert eisernen Willen und eine Zielstrebigkeit, die Mut macht. Von Geburt an zum Scheitern verurteilt, niemand glaubt an ihn, doch er will es schaffen. Immer wieder gibt es Momente, in denen ich angespannt den Atem anhielt. Jede sportliche Leistung könnte für ihn das Aus bedeuten, der intime Moment mit seiner Freundin eine Bedrohung, für alle möglichen und unmöglichen Situationen des alltäglichen Lebens muss er gewappnet sein und Körperzellen, Hautschuppen, Blutproben, Urinproben etc parat haben.

Nichts fliegt in die Luft, es gibt keine Verfolgungsjagden, es wird nicht geschossen, die Musik ist immer ruhig, mal jazzig, mal klassisch, der Soundtrack alleine ist hörenswert und geeigneter Hintergrund für einen entspannten Abend bei Kerzenlicht und Tee. Die Farben sind je nach Szene mal in warmen Sepiaton gehalten, weich wie Vincents Innere, seine Träume und Hoffnungen. Ein andermal blenden sie hell, blank und kühl, so steril und aseptisch wie seine neue Identität. Man spielt viel mit Licht und Schatten, sorgt auf diese Weise für zusätzliche Atmosphäre.

Womit ich wirklich nicht gerechnet hätte ist ein zusätzlicher Twist am Ende, der nicht einmal nötig gewesen wäre aber eigentlich auf der Hand lag. Ich ärgerte mich ziemlich, dass ich nicht darauf kam, denn die Hinweise am Anfang waren deutlich, und zudem war dieses Thema viel zu lange offen geblieben. Hervorragend, so liebe ich meine Bücher und Filme: intelligent geplottet, gut durchdacht und in sich stimmig.

Der Film befasst sich mit dem Thema der Eugenik. Schon 1997 war es wichtig, doch nun, 15 Jahre später, ist die damalige Dystopie bzw Science-Fiction schon einen Schritt weiter. Das menschliche Erbgut wurde immer besser erforscht, kurz vor Erscheinen des Filmes wurde Dolly erschaffen. Aktuell, im Juli 2012, soll ein neuer Bluttest auf den Markt kommen, der das Down-Syndrom bereits in einer frühen Phase der Schwangerschaft erkennen soll, die Legalität des Tests ist umstritten, immer komplizierter werden heute die Fragen der Ethik und die Forderungen der Wissenschaft. Wie weit ist Gattaca tatsächlich entfernt? Ohne ein einziges Mal den Zeigefinger zu heben, wird das Thema sehr gut dargestellt, und auch die Symbolik des Filmes weist darauf hin. Eine Wendeltreppe gleich dem menschlichen Erbgut im Haus des Validen, der zweite Vorname des Validen Eugene sowie viele weitere kleine Merkmale fallen dem aufmerksamen Zuschauer auf.
 
GATTACA ist vordergründig ein Science-Fiction bzw eine Dystopie, doch vielmehr ist es ein Drama, eine Gesellschaftskritik. Und vor allem ein Film der leisen Töne, dessen eindringliche Bilder lange im Gedächtnis bleiben ...

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(Anmerkung: ich bilde mir ein, früher gab es einmal ein schöneres Cover, in warmen Brauntönen. Das aktuelle Cover wird dem Film nicht gerecht, finde ich, weil es ein Gefühl vermittelt, das nicht zur Atmosphäre passt. Aber egal, man hat sich wohl etwas dabei gedacht)

SaschaSalamander 13.07.2012, 08.15 | (0/0) Kommentare | PL

Delirium

oliver_delirium_1.jpegIm Web finden sich bereits unzählige Rezensionen zu dem Buch DELIRIUM, allzu neu ist es auch nicht mehr, also werde ich das Buch jetzt nicht zerlegen und detailliert auf einzelne Punkte eingehen, schreibe statt dessen nur einen allgemeinen Eindruck darüber, nachdem ich es in den letzten Tagen gehört habe.

Kurz zur Handlung: Magdalena lebt in einer Zeit nach der unseren, Liebe wurde verboten, nach dem 18ten Geburtstag wird man "geheilt". Alles ist rational und praktisch in der Gesellschaft, Ehen werden nach einem festen System geschlossen, bei dem die Menschen aus einer Liste einen potentiellen Partner wählen dürfen, Kinder werden ohne Liebe, dafür jedoch höchst praktisch und pädagogisch erzogen. Bald ist es so weit, dass Lena "geheilt" werden soll, noch genießt sie die letzten Wochen ihres Schulabschlusses und die Zeit mit ihrer besten Freundin. Doch dann lernt sie Alex kennen, sie verliebt sich, und plötzlich sieht sie die Welt mit anderen Augen, die langersehnte Heilung wird zu einer unausweichlichen Bedrohung!

Die Idee selbst ist nicht neu, unter den aktuellen Veröffentlichungen allerdings ist der Gedanke noch recht unverbraucht. Das Thema klingt interessant, und ich war recht angetan von dem Buch. Der Anfang liest sich sehr flüssig, ich fand die Darstellung von Lenas Welt recht interessant.

Für mich selbst möchte ich das Buch in zwei Teile teilen: der erste Teil ist bezogen auf die Emotionen neutral, denn Lena freut sich auf den Eingriff, hat ihre Gefühle wie es von der Umwelt erwartet wird unter Kontrolle. Alles wird rational geschildert, man erfährt wenig über die Welt an sich, dafür jedoch über Lena und ihr Umfeld, lernt bald darauf auch Alex kennen. Lena besucht verbotene Treffen, erhält einen ersten Einblick, dass es mehr gibt als das, was man nach außen propagiert. Dieser Teil gefiel mir sehr gut, da er sich sehr stark von den üblichen Dystopien unterscheidet.

Ganz ehrlich? Zielgruppe sind meist junge Mädchen, und entsprechend sind viele Bücher sehr kitschig gehalten, die Emotionen kochen hoch, überall Blümchen, Schmetterlinge, unendliche Liebe und alles rosarot. Handlung oft nett, aber der Schmalz ein unnötiges Übel. Umso mehr habe ich es genossen, dass die erste Hälfte des Buches so anders war und sich dadurch deutlich vom Mainstream abhob, ich war begeistert und ging davon aus, ein ganz besonderes Buch in den Händen zu halten, was Inhalt, Aufbau und Machart betrifft.

In der zweiten Hälfte erfährt man wesentlich mehr über die zukünftige Welt ohne Liebe, der Leser bekommt gemeinsam mit Lena einen Blick "hinter die Kulissen", erfährt von dem, was die Medien verschweigen und was niemand öffentlich zugeben würde. Das gefiel mir, die Idee einer Welt ohne Liebe wurde immer greifbarer und durchdachter. Aber da Lena sich nun auch immer mehr zu Alex hingezogen fühlt, "infiziert" ist vom Virus der Amor Deliria Nervosa, wird das Buch an diesem Punkt dann doch wieder eines von vielen. Unrationales Verhalten aufgrund übermäßiger Verliebtheit, rosarote Brille, Herzklopfen, Schmetterlinge im Bauch, unreifes Verhalten und der übliche Kampf gegen das System. Nett umgesetzt, schön geschrieben, ein Buch von vielen, fast wie aus der Jugendroman-Fabrik. Superlative ohne Ende, sobald es um ihre sooooo innigen Gefühle geht, das mag ich niemandem abstreiten, aber ich habe auch keine Lust, zum hundertsten Mal das gleiche Buch in nur minimaler Variation zu lesen.

Das Ende dann krachwumm mit einem großen Knall, man kann DELIRIUM getrost als Einzelband lesen, das Ende ist nicht gerade "happy", aber das ist das in diesem Buch vielzitierte ROMEO UND JULIA auch nicht. Aus gefühlter "wahrer Liebe" wird irgendwann Alltag, und das kann ein Autor dem Leser nicht zumuten, doch durch einzelne Kniffe des Autors kann die Liebe der Protagonisten immer im Herzen getragen werden. "Wenns am schönsten ist, soll man aufhören". Prima gelöst, fand ich sehr gelungen von der Autorin. Weniger gelungen finde ich, dass es der erste Teil einer Trilogie ist, es wird also weitergehen. Hätte meiner Ansicht nach nicht sein müssen, damit zerstören viele Autoren ihr Werk selbst: indem sie kein Ende finden. Wäre Romeo und Julia ein Roman der heutigen Zeit - die Autoren hätten sicher einen zweiten Teil geschrieben, in dem sie doch nicht tot sind, wo sie weiterleben und das nächste Abenteuer bestehen. Nein, Romeo und Julia wurden unsterblich in der Literaturwelt, weil der große Meister wusste, wann Schluss ist.

Insgesamt fand ich DELIRIUM klasse, anfangs konnte ich kaum aufhören, wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, und ich hoffte, eine Perle unter den vielen Neuerscheinungen gefunden zu haben. Doch etwas nach der Hälfte wurde es zu einem der üblichen Bücher, die nett zu lesen sind, die Teenager erfreuen und die man bedenkenlos jedem empfehlen kann, der dieses Genre liebt. Es unterhält, ist spannend geschrieben, es gefällt. Es ist "nett". 

SaschaSalamander 11.06.2012, 15.57 | (0/0) Kommentare | PL

Everlasting

rahlens_everlasting_1.jpgVORAB

Das Buch trägt einen schnulzigen Titel. Hat ein rosafarbenes Cover mit Prägung, darauf sieht man einen Parfumflacon. Und es handelt von Romantik. Stell Dir vor, Du verliebst Dich. Stell Dir vor, sie erwidert Deine Liebe. Aber in Deiner Welt gibt es keine Liebe. Und auch kein Ich. Wie sagst Du "Ich liebe Dich". Nein, ohne Außeneinwirkung würde ich ein Buch mit diesem Klappentext nicht anfassen. Aber zum Glück greife ich manchmal trotzdem zu Titeln, die mich eigentlich nicht interessieren. Zum Beispiel, weil es mir persönlich empfohlen wird oder ich positive Rezensionen lesen. In diesem Fall eine Spontanentscheidung, die ich mir nicht erklären konnte, manchmal greife ich einfach zu Büchern, die nicht mein Genre sind, um eben mal über den Tellerrand zu blicken. Als es dann im Regal stand und ich es griff, dachte ich mir "na toll, warum habe ich mir das überhaupt geholt. Aber jetzt muss ich durch. Wenigstens mal reinlesen, weglegen kann ich es immer noch". Tja, so kann man sich täuschen. Und deswegen bin ich froh, dass ich mir manchmal auch Bücher außerhalb meines Beuteschemas greife. Denn Cover, Titel und Werbung passen hervorragend zum Buch, sind aber dennoch eine starke Reduktion eines in sich sehr vielschichtigen und clever durchdachten Werkes.

Gerne würde ich sehr, sehr viel mehr über das Buch schreiben, es ist in diesem Fall wieder einmal mehr eine Analyse denn eine Rezension. Trotzdem keine Angst, ich spoilere nicht, auch wenn es mir schwerfällt ;-)


INHALT

Finn lebt im Jahre 2264, er arbeitet als Historiker und soll nun das Tagebuch eines jungen Mädchens aus Berlin um 2003 lesen. Er ist recht enttäuscht, hatte er doch auf ein bedeutendes Werk gehofft statt auf die pubertären Gedanken eines Kindes. Doch er verliert sich immer mehr in dem Werk, fühlt sich dem Mädchen nahe, beginnt sich zu verlieben. Und dann, im Rahmen einer geheimen Zeitreise, steht er ihr eines Tages gegenüber ...


CHARAKTERE

Die Charaktere bleiben anfangs recht blass, und ich wunderte mich sehr darüber, wie wenig man über einzelne Figuren erfuhr. Dies war etwas, das auf den ersten 100 Seiten dazu führte, dass mir das Lesen recht schwer fiel und ich sehr viele Verhaltensweisen nicht nachvollziehen konnte. Da die Geschichte mich dennoch interessierte, las ich weiter. Leider kann ich nicht erklären, was es damit auf sich hat, es wäre ein zu heftiger Spoiler. Aber soviel kann ich sagen: es hat seine Gründe, warum die Autorin einige Kniffe anwendet, wenn sie das Äußere das Protagonisten beschreibt oder warum man nichts über die Motive anderer wichtiger Figuren erfährt. Es würde mich reizen, das Buch direkt im Anschluss ein zweites Mal zu lesen, um es mit dem Wissen um den Twist am Ende mit anderen Augen zu betrachten.

Finn war mir vom ersten Moment an sympathisch. Er lebt in einer Welt, die das Individuum zurückstellt und Emotionen als hinderlich sieht. Entsprechend ist die Distanziertheit des Buches angemessen. Und immer wieder blitzt in kleinen Momenten hervor, dass Finn ein Träumer von kindlicher Neugier und Naivität ist. Der Spagat zwischen "emotional distanziert" und "verträumt, verspielt, verliebt" ist sehr überzeugend gelungen.


SPRACHE, ERZÄHLSTIL

Die Sprache ist stellenweise ein wenig ungewöhnlich, erklärt sich jedoch auch nach dem Twist. Im ersten Viertel stolperte ich über einige Formulierungen, es lief noch nicht wirklich flüssig. Dennoch hatte ich aufgrund des Aufbaus (mehr dazu gleich) das Gefühl, dass es eines der Bücher ist, bei denen ich erst einmal abwarten muss.

Der Erzählstil ist sehr ungewöhnlich, man erfährt viel über den Protagonisten Finn, dennoch bleibt er erstaunlich distanziert. Man erfährt viel über die zukünftige Welt, allerdings erschließt es sich eher aus dem Zusammenhang als erklärt zu werden, manches bleibt offen. Die Protagonisten sprechen von sich in der dritten Person, das Wort "ich" wird vermieden, diese Idee gefiel mir sehr gut. Nachdem ich mich jedenfalls an einige Formulierungen und Redensweisen gewohnt hatte, las es sich sehr flüssig und angenehm.

Da das Buch in der Zukunft spielt, gibt es sehr viele fiktive Begriffe. Zugegeben hätte ich mir eine Art kleines Glossar gewünscht, da einige Abkürzungen zwar zu Beginn erklärt wurden, aber es waren doch sehr viele, sodass ich nach einiger Zeit den Überblick verlor. Andererseits ist es angenehm, wie flüssig die Begriffe in den Text eingebunden sind, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Anfangs empfand ich das als Overload, da nahezu jeder Satz gespickt ist mit Formulierungen und Begriffen. Doch auch hier: es gehört zum Buch, es ist der Alltag des Protagonisten und ist in sich absolut stimmig, wenn auch ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Die Erzählperspektive und die Sprache ist der Punkt, über den ich gerne am meisten schreiben würde. Doch ohne Spoiler ist dies leider nicht möglich, deswegen nur soviel: die Autorin hatte eine Idee, die sie kreativ und gekonnt umgesetzt hat. Ich musste schmunzeln, weil ich selbst nicht darauf gekommen bin, was es mit manchen Elementen des Erzählstils auf sich hatte, und weil ich mich im Anschluss freute, dass Ihr dieser Kunstgriff so gut gelungen war. Die Szene, in der alles erklärt wird, hat mich sehr bewegt und ist eine der entscheidenen Momente des Buches.



AUFBAU, ERZÄHLTEMPO

Was mir von Beginn an außerordentlich gefiel: man merkt sofort, dass die Autorin sorgfältig geplottet hat. Bei manchen Büchern fragt man sich, ob der Autor überhaupt einen Plan hat, wie sich das Buch weiterentwickelt, da es viele langgezogenen Szenen oder ungeklärten Sprünge gibt. Hier jedoch erkennt man klar, dass Holly-Jane Rahlens eine klare Vorstellung hatte, wie die Charaktere sich entwickeln, welche Ereignisse sie erleben und wie die Geschichte aufgebaut ist. Immer wieder gibt es kleine Häppchen und Andeutungen, mehrfach kleine Aha-Effekte und einmal sogar einen sehr markanten Twist. Ich mag es einfach, wenn ich das Gefühl habe, dass der Autor sich Mühe gemacht hat und den Leser gekonnt in die Irre führt, um ihm kurz darauf den richtigen Weg zu zeigen.

Auch das Tempo ist dadurch perfekt getimed: keine Längen, keine unnötige Hektik, das Erzähltempo ist stets in einem gleichmäßigen Fluss. Der Anfang zugegeben zieht sich ein klein wenig. Allerdings habe ich im Web eine Leserunde bei Brigitte.de gefunden, wo ich den Grund dafür las: die Autorin wollte zu Beginn nicht verraten, dass es um eine Zeitreise geht, der Leser sollte ebenso wie der Protagonist an ein Computerspiel denken. Der Verlag jedoch pries das Buch unter der Thematik Zeitreise an. Durch die Erwartung an Zeitreise und Liebe fragt man sich also ständig, wann nun das Buch endlich "auf den Punkt kommt", auch ich habe mich gefragt, warum so ein langes Vorspiel notwendig sein muss. Im Nachhinein, nach dem Lesen: ja, dieses Vorspiel ist notwendig, es gehört zur Geschichte und hätte nicht anders sein dürfen für mein Empfinden. Doch ich hätte es schön gefunden, wenn man den Aspekt Zeitreise nicht vorweggenommen hätte, sodass man dem Lesefluss unvoreingenommen folgen kann.


ZEITREISE, SCI-FI

Als Zeitreise-Fan muss ich sagen, dass ich die Umsetzung gelungen fand. Klar können Kritiker dies oder jenes mokieren, aber ich denke mir, da wir das noch nicht getestet haben, können wir viel theoretisieren und sagen "unrealistisch", wer will das schon prüfen? Ich fand die Idee jedenfalls sehr schön geschildert, zumal es hier nicht um den wissenschaftlichen Aspekt der Zeitreise ging sondern diese eher eine faktische Gegebenheit darstellt, durch die jene Bindung zwischen Finn und Eliana möglich wird.

Unsere Welt im Jahre 2011 sowie auch die Jahrezehnte davor sind für uns etwas Selbstverständliches. Die Autorin wirft jedoch einen zukünftigen Blick auf unsere Welt, bringt viel Humor und auch verdeckte Kritik dabei ein. So wundert sich Finn über einen zerlumpt aussehnden Mann, der Geld haben möchte aber nichts verkauft. Ebenso wundert er sich darüber, warum er für den Kauf eines Mobiltelefons an einen Kaffeehersteller verwiesen wird. Und es kommt auch manchmal ein wenig Nostalgie auf. Besonders die Szene, in der Eliana und ihre Schwester Finn zeigen, wie man Hubba Bubba erst einmal weichkauen muss, bevor man ihn zu großen Kugeln blasen kann, hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Elianas Gedanken im Tagebuch ließen mich an meine eigene Jugend denken, die Autorin hat das Lebensgefühl der 13jährigen gekonnt eingefangen.

Spannend zu lesen ist auch, welche Elemente unserer heutigen Welt in diesem Buch überlebt haben, was augestorben ist und wie die zukünftigen Menschen damit umgehen. Gebäude und Städte, die die Katastrophe überlebt haben, Redewendungen die übernommen oder abgewandelt wurden. Trommelnde Mönche scheinen die Zeit zu überleben, das sind kleine Randnotizen, die dem Buch Lebensnähe und Unmittelbarkeit verleihen.

Durch das Aufeinanderprallen der zwei Kulturen kommt es oft auch zu witzigen Momenten. Woher soll ein Mensch der Zukunft auch wissen, dass man Kaugummis nicht herunterschluckt oder dass man von Greifswald nach Berlin keine Austauschstudenten schicken würde. Einige Male musste ich herzlich lachen, mir gefielen die Ideen der Autorin, sie hat einen liebenswerten und kindlich-unschuldigen Blick auf unsere Zeit geworfen.


LOKALKOLORIT

Das Buch spielt in Berlin. Als Nicht-Berliner, der jedoch schon sehr oft zu Besuch dort war, habe ich vieles wiedererkannt und hatte ein klares Bild vor Augen. Als später geklärt wird, was es mit dem Gebäude des OZ-Institutes auf sich hat, war das einer der großen Aha-Momente, und ich ärgerte mich fast, dass ich nicht selbst darauf gekommen war. Überhaupt schafft Rahlens ein deutliches Bild der Gegenwart, das sie teils mit Änderungen und teils 1:1 in die Zukunft übernimmt. Ich war beeindruckt von der Präzision, mit der sie manche Orte umriss, ohne sich dabei in endlosen Beschreibungen zu verlieren. Genau richtig, um Lokalkolorit zu versprühen aber Ortsfremde nicht zu langweilen.


FORTSETZUNG

Das Buch ist in sich abgeschlossen, ich war zufrieden am Ende. Nur eine Sache blieb offen. Doch es muss nicht alles geklärt werden für mich, zumal das Buch es eigentlich gar nicht zulässt, einige Dinge zu klären. Dafür wäre eine andere Erzählweise erforderlich gewesen, und das hätte dem Buch seinen Charme genommen. Dennoch gibt es sehr viele Elemente im Buch, die eine Fortsetzung ermöglichen, die Autorin hat sich da einige Hintertürchen gelassen. Obwohl alles erklärt wird, wäre es sehr schön, mehr über die Hintergründe zu erfahren. Ich bin ein Freund in sich geschlossener Bücher. Doch in diesem Fall würde ich mich sehr freuen, wenn Rahlens die Ideen, die zusätzlich in ihr schlummern, nun ebenfalls zu Papier bringt. Denn es ist offensichtlich, dass beim Plotten sehr viel mehr Gedanken in ihrem Kopf waren, als sie tatsächlich im Buch unterbringen konnte. Und die will ich bitte lesen! :-)


COVER

Manchmal wundere ich mich auch ein wenig über Vermarktung. Gut, das Cover spricht die Hauptzielgruppe an. Dennoch stößt es auch manche Leser ab. Ich kenne viele, die das Buch großartig fänden, es aber aufgrund der Gestaltung nicht beachten würden. Es ist schon arg kitschig geworden, finde ich. Mir persönlich hätte ein anderes Motiv gefallen, das für das Buch ebenso bedeutsam ist wie das Everlasting-Parfum: ein schwarzes Kästchen, leicht geöffnet, dazu ein Füllfederhalter und ein Bernsteinring. Ich denke, das wäre neutraler gewesen und ebenso ein Eye-Catcher. Es wirkt ernsthafter, geheimnisvoller und hätte meiner Ansicht nach den Inhalt besser getroffen, da es hier vor allem um Tagebücher, das Schreiben von Hand und die Wirkung von Sprache und Text geht. Zumal ein von Hand geschriebener Text etwas sehr Sinnliches sein kann und dies die Romantik auch ohne Rosa transportiert hätte.


FAZIT

EVERLASTING ist ein Buch, das weit mehr zu bieten hat, als Titel und Cover vermuten lassen. Zeitreise, Romantik, Entwicklungsroman, Science-Fiction, Dystopie, Dramatik, Parallelwelten, Gesellschaftskritik, Nostalgie, Tagträume und vieles mehr erwarten den Leser, der sich von Holly-Jane Rahlens entführen lässt. Komplexe Themen in einfachen Worten, geeignet sowohl zum Diskutieren wie auch zum Träumen. Nicht nur eine Empfehlung, sondern ein MUST HAVE!

SaschaSalamander 08.05.2012, 08.56 | (0/0) Kommentare | PL

Die Bestimmung

roth_bestimmung_1.jpgSo, gestern Abend habe ich das Buch beendet, und meine Meinung hat sich nicht allzu sehr gewandelt: an sich ein hervorragendes Buch. Handlungsfäden schön verwoben, das Ende wird am Anfang bereits angekündigt, nichts wird einfach so aus dem Hut gezaubert, sondern alles hat Hand und Fuß. Ich kann eine Fortsetzung kaum erwarten, weil es sich sehr spannend las und ich unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Und auch, wenn das Buch stellenweise sehr brutal sein mag, ist die Kernaussage eine Gute, denn die Brutalität wird immer wieder in Frage gestellt, und Selbstlosigkeit wird als wahre Stärke noch vor Wagemut präsentiert. Die Figur, für welche Mädchen am meisten Sympathie empfinden dürften, hegt eine recht gute Einstellung und erkennt, dass Schubladen und Fraktionen immer nur ein Bruchteil sind, und dass die Gesamtheit ein anderes Bild ergibt als das einseitige Denken.

Trotzdem fehlt mir persönlich etwas. Wie ich >hier< schon sagte, komme ich mit der Protagonistin überhaupt nicht klar. Sie befindet sich in einem Lernprozess, den im Rahmen von Pubertät, Schule, Durchsetzungsvermögen jeder Jugendliche machen muss: Lasse ich mich von anderen dirigieren, oder zeige ich meinen eigenen Willen? Und bleibe ich dabei ruhig, oder soll man mich auch laut hören und vielleicht sogar fürchten? Selbstfindung. Ich halte sie durchaus für realistisch, und die Autorin hat das gut dargestellt. Trotzdem blieb das Mädel (und auch die anderen Charaktere um sie herum) mir fern, und ihre Verbissenheit, ihre Sturheit, ihre Härte, das war mir zuviel. Sie wurde für meinen Geschmack zu kalt, ließ sich zusehr von den falschen Idealen ihrer Gruppe beeinflussen.

Was nicht schlimm war, ich beim Lesen aber als schade empfand: sie entwirft eine eigene Welt mit eigenen Regeln und Mustern. Dabei deutet sie zwei oder dreimal Gott an, etwa eine Taufe oder den Ausspruch "Gott sei mit Dir". Ja, wie ist das jetzt - glauben die Fraktionen? Welche glaubt an was, und glauben sie an den monotheistischen, oder haben sie ihre eigene Religion entwickelt? Es wäre nicht schlimm, es auszulassen. Aber wenn man es andeutet, fände ich es gut, etwas besser auszubauen.

Und, was mich von Kapitel zu Kapitel mehr verärgerte: "ich trug ein Shirt, das die Schulter freiließ, als Altruan wäre das nie möglich", "Du bist sehr direkt, Du könntest auch eine Candor sein", "ich aß nur ein wenig Huhn und einen Löffel Bohnen, im Herzen war ich noch immer eine Altruan", "ich ließ mich tätowiren, als Ferox war das normal" ... ARGH! Sehr viel "tell", das "show" blieb dahinter völlig auf der Strecke meiner Ansicht nach. Ich will nicht fünfmal auf jeder Seite erzählt bekommen, welche Fraktion sich wie zu verhalten hat. Ich will es an ihren Taten selbst erkennen. Ich bin ein mündiger Leser und mag es nicht, wenn der Autor mich an die Hand nimmt und mir alles erklärt. Er soll es mir zeigen!

Insgesamt also fand ich es hochspannend und prima konstruiert. Ich kann es gerne weiterempfehlen. Gerne werde ich auch die Fortsetzung lesen. Aber wirklich zufrieden bin ich nicht, diese zwei Mängel (Herumreiten auf den Fraktionen, eine zu erbarmungslose Protagonistin) zogen sich durch das komplette Buch und hielten mich sehr auf Distanz.

SaschaSalamander 14.04.2012, 08.00 | (0/0) Kommentare | PL

Die Bestimmung

roth_bestimmung_1.jpgOb ich eine Rezension zu diesem Buch schreiben werde, weiß ich noch nicht. Wie bei allen anderen Titeln, die derzeit den Markt überschwemmen: es wird einfach zuviel, sie sind auf ihre eigene Weise alle gut, aber nur wenige sind wirklich herausragend.

Ich finde DIE BESTIMMUNG von Veronica Roth bisher um einiges besser als die meisten aktuellen Dystopien (wobei die HUNGER GAMES natürlich weiterhin außer Konkurrenz stehen, da sie den Boom ja erst ausgelöst haben, sie sind nicht vergleichbar mit den Folgebüchern), da die Charaktere und die Welt wirklich gut ausgebaut sind. Ich unterhalte mich nicht nur, sondern es regt mich auch zum Nachdenken an und beschäftigt mich außerhalb des Lesens, drängt sich in meine Gedanken, das ist ein gutes Zeichen.

Trotzdem, es fehlt mir selbst der "gewisse Kick". Ich fiebere nicht so wirklich mit den Protagonisten mit. Was aber daran liegen kann, dass von allen fünf Fraktionen, die zur Wahl standen (das Volk ist in fünf Fraktionen gegliedert, die alle einem Idel folgen, so etwa der Selbstlosigkeit, Freimütigkeit, Furchtlosigkeit, Freundschaft, dem Wissen). Und von all diesen entschied sich die Autorin dafür, die furchtlosen, übermütigen, rauflustigen Ferox für ihre Protagonistin zu wählen. Macht das Buch spannend, ist stimmig. Aber es sind wohl diejenigen, mit denen ich mich am allerwenigsten identifizieren kann. Mutproben, Prügeleien, Tapferkeit vor Vernunft. Und das, was mich reizen würde, wird allgemein sehr negativ dargestellt, sodass ich mich selbst immer als Außenseiter in diesem Buch sehe, der eigentlich nichts dort verloren hat, ich empfinde mich in dem Buch als Eindringling.

Ich kann momentan nicht wirklich trennen, ob ich aus persönlichen Gründen einfach keinerlei Zugang finde, oder ob das am Buch selbst liegt. Wie gesagt, es unterhält mich prima, und ich ärgere mich über jede Minute, die ich nicht lesen kann sondern anderen Tätigkeiten nachgehen muss. Aber ich finde keinen Zugang zu den Charakteren, und ich schüttle mindestens alle drei Seiten mit dem Kopf über das törichte Verhalten der Ferox.

Dazu kommt, dass ich alles etwas sehr schubladenhaft finde. Es ist der Autorin bisher (ich bin bei etwa der Hälfte angekommen) zwar sehr gut gelungen, die Charakteristika der einzelnen Fraktionen sehr schön zu beleuchten, aber ich finde es stellenweise sehr klischeebeladen. Wie in einem Pen and Paper Rollenspiel, in dem jeder zwanghaft versucht, auch nur ja stur seinen Charakter zu erfüllen, ohne Charakter aber immer im Hinblick auf die ihm zugetragenen Eigenschaften. Der Elf bitte immer arrogant und mysteriös, der Zweger stets rauflustig und mutig, und so weiter. Kein Raum für Möglichkeiten. Die sind zwar dadurch gegeben, dass die Protagonistin keiner Fraktion eindeutig angehört und sich der Form halber entscheiden musste, aber trotzdem versucht auch sie immer wieder, sich platt an ihre Fraktion zu halten, und egal was sie tut, niemals heißt es "weil ich gerne möchte", sondern immer nur "weil ich als Selbstlose das gelernt habe" oder "dieses Verhalten wäre eines Wissenden würdig" oder "so diskutieren nur die Freimütigen" und "aber weil ich eine Furchtlose bin, schon immer war". Wie gesagt: ich verachte Schubladen, und deswegen geht mir diese Form des Denkens und Handels, wie es hier im Buch praktiziert wird, gewaltig gegen den Strich. So gut das Buch auch sein mag, das will ich ihm nicht abstreiten.

Für sich betrachtet finde ich es im Rahmen der aktuellen Dystopieschwelle zur Gruppe der besseren Bücher zugehörig, für meinen persönlichen Geschmack sogar eines der besten. Zumindest allgemein betrachtet. Für mich persönlich eher weniger ...

Das Cover ähnelt sehr stark den HUNGER GAMES. So stark, dass es sogar mir auffällt. Mich wundert, dass das keinen Ärger unter den Verlagen gab. Aber egal, es ist hübsch gemacht, und es verkauft sich. Das ist es, was heute zählt. Auch, wenn mich das ein wenig traurig stimmt ...

An diejenigen, die es bereits gelesen haben: falls Ihr selbst nicht die Ferox gewählt hättet - wie geht es Euch mit der Darstellung des Buches? Fühlt Ihr Euch der Protagonistin nahe? Oder wünscht Ihr Euch, dass mehr über "Eure" Fraktion erzählt worden wäre? Fühlt Ihr Euch als Eindringling oder als Teilhaber des Buches?

SaschaSalamander 13.04.2012, 16.06 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Starters

price_starters_1.jpgINHALT

Bei einer schlimmen Krankheit gab es nur Gegenmittel für die Jungen und die Alten. Die Starters und die Enders. Die Alten haben die Macht, und sie bestimmen über die Jungen. Viele der Starters müssen ohne Angehörige auf der Straße leben, werden im Heim für Zwangsarbeiten missbraucht. Callie lebt mit ihrem kranken Bruder und einem Freund auf der Straße. Um an Geld für die Behandlung des Bruders zu kommen, verkauft sie ihren Körper an die Body Bank: sie wird zurechtgemacht, und dann wird ihr Bewusstsein "ausgeknipst", ein Ender bemächtigt sich ihres Körpers, kann endlich wieder tun, was ihm als gebrechlichen alten Menschen inzwischen verwehrt ist. Drei Aufträge, die ersten beiden kurz, der dritte soll einen Monat dauern. Doch es geht etwas schief, und Callies Bewusstsein findet den Weg zurück in den Körper, während er eigentlich noch vermietet ist. Und dabei erfährt das Mädchen, dass ihr Körper für eine schreckliche Tat missbraucht werden soll. Sie muss dies unter allen Umständen verhindern!


THEMA

Die Geschichte, die Lissa Price hier gebastelt hat, ist nicht neu. Zwei Seelen in einem Körper. Oder aber ein Geist in einem echten oder künstlichen Mietkörper. Ob nun THE HOST / SEELEN von Stephenie Meyer (mein Favorit des Genres) oder SURROGATES mit Bruce Willis oder DIE INSEL oder Komödien wie SOLO FÜR ZWEI von Steve Martin und einige weitere Titel. Trotzdem, den Körper wie hier direkt zu vermieten, sowie die Geschichte um Starters und Enders in einer dystopischen Gesellschaft, das ist eine nette Umsetzung des Themas, und von daher war ich sehr, sehr gespannt auf das Buch.


CHARAKTERE

zu den Charakteren konnte ich wenig Verbindung aufbauen, sie haben mich nicht sonderlich gerührt. Callie selbst ist ein nettes Mädchen, aber sie hatte mir zu wenige Ecken und Kanten, sie war mir zu flach, als dass ich mehr für sie hätte empfinden können. Sie ist das klassische Mädchen, wie es in diesem Genre üblich ist: durch die äußeren Umstände ist sie nicht fein herausgeputzt, empfindet sich selbst als nichts Besonderes, aber hübsch zurechtgemacht ist sie ein Blickfang, alle drehen sich nach ihr um, und natürlich ist sie auch clever und intelligent, hat einige besondere Talente. Sie muss sich ein bisschen weiterentwickeln. Ebenfalls gern gesehen: ein Junge, den sie liebt und der auf sie wartet, während sie in ihrer Abwesenheit aber einen anderen kennenlernt. Und dann ist da plötzlich ein Dreiergespann. Sie hat niemandem etwas versprochen, aber moralisch ist das natürlich für sie eine Zwickmühle, und auch der Leser muss sich entscheiden zwischen den beiden. Ach, das hat man schon so oft gelesen, es fängt an mich zu langweilen. Es ist nicht schlecht, aber es ist einfach der hundertste Aufguss, das schmeckt irgendwann nicht mehr. Zumindest mir nicht.

Die Nebencharaktere sind sehr oberflächlich gehalten, sogar der kleine Bruder oder der zurückgelassene Freund sind recht farblos. Ich hätte mir besonders gewünscht, dass die Enderin, die sich ihren Körper gemietet hatte und die gedanklich Kontakt zu ihr aufnahm, stärker ausgebaut wird. Schließlich ist sie eine wichtige Schlüsselfigur. Trotzdem bleibt sie immer im Hintergrund, verschwindet in den wichtigsten Momenten und ist dann auch viel zu schnell wieder weg. Etwas für mich sehr Wichtiges (aufgrund der Spoilergefahr kann ich es nicht nennen, sorry) wurde überhaupt nicht näher beleuchtet, sondern einfach nur kurz erwähnt. Ich hätte in die Tischkante beißen können, wie kann man das so unter den Tisch fallen lassen? Vielleicht werden die näheren Umstände im zweiten Band besser beleuchtet, es ist zu hoffen!

Traurig fand ich, dass mich die Schicksale einzelner Figuren wenig bewegt haben. So gibt es ein junges Mädchen, das mir sofort sympathisch war. Aber mehr auch nicht. Denn der Abschied von ihr war so emotionslos gehalten, dass es mich nicht berührte. Ich erinnere mich, wiesehr ich bei TRIBUTE VON PANEM (was leider ein Maßstab ist, da es der Auslöser für diese Dystopie-Welle war. Wenngleich zu Recht, denn diese Reihe ist wirklich etwas Besonderes in ihrer Ausarbeitung und Umsetzung) weinte, als Rue sterben musste, und wiesehr es mich jetzt noch bewegt, wenn ich daran denke. Hier eine ähnliche Szene - gar nichts. Ich dachte "okay, gut, tot, Kollateralschaden, passiert, weiter im Text".

In meinen Augen ist die Charakterausarbeitung eine der großen Schwächen des Buches. Die Frage, die ich mir stelle: wie hätte die Autorin es besser machen können. Aber ich denke, das wäre zuviel für eine Rezension. Deswegen nur so viel: ich hätte mir mehr Substanz gewünscht. Weniger Charaktere, weniger Nebenschauplätze, dafür mehr Charakterdesign. "Show dont tell". Ich hatte sehr oft das Gefühl, dass die Autorin enorm viel erzählt, aber nur sehr, sehr wenig zeigt. Über den Charakter zu erzählen, berührt nicht das Herz des Lesers. Ich will nicht hören "er ist krank". Sondern er muss husten, Blut spucken, vom Treppensteigen erschöpft sein.


AUFBAU, UMSETZUNG

Der Aufbau ist sehr, sehr klassisch, und deswegen ist das Buch auch so erfolgreich, es gefällt, denn es beinhaltet alles, was dazugehört. Die Dreiecksgeschichte, die aufzudeckende Verschwörung, das hässliche Entlein wird zum stolzen Schwan und zur Anführerin einer großen Mission. Außerdem ist die Geschichte äußerst geradlinig. Es gibt kaum Nebenplots und zusätzliche Elemente, nur den Hauptstrang. Dadurch ist das Buch sehr einfach zu lesen, es eignet sich ideal zum Entspannen und für nebenbei. Ist kein Manko, weil ich sowas zwischendurch auch gerne lese, trotzdem wäre ein bisschen Komplexität stellenweise nett gewesen.

Was ich schade finde: es gab sehr viele Logikprobleme. Einige Male musste ich irritiert innehalten und fragte mich, warum das jetzt gerade so geschehen konnte. Warum ein Charakter so und nicht anders reagierte, warum dieser oder jener Umstand besteht und weshalb man ein Problem nicht einfach anders hätte lösen können. Dies hätte nur verhindert werden können, indem die Autorin das dystopische Thema genauer ausbaut. Denn sie deutet die Vorgeschichte der Krankheit sowie das Sterben der Menschen mittleren Alters eher an, auch die bestehende Gesellschaft wird nicht komplett beleuchtet, sondern der Fokus wird auf die armen Starters und reichen Enders gelegt. Dass es auch reiche Jugendliche und vernünftige, nicht korrupte Senioren gibt, das wird hier und da aufgezeigt aber ansonsten eher unter den Teppich gekehrt. Aber das wäre wichtig gewesen. So jedoch wirkt vieles auf mich platt und leblos, sehr klischeebeladen.

Das Ende ist leider komplett offen und wird erst im zweiten Buch geklärt. Das fand ich ärgerlich, denn auch wenn man Mehrteiler schreibt, kann man ja trotzdem die Bücher in sich abschließen. Hier meiner Ansicht nach nicht der Fall.


GESAMTEINDRUCK

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es hat mich hervorragend unterhalten, und ich hatte es flink beendet, weil ich es nur schwer aus der Hand legen konnte. Es liest sich sehr flüssig, die Grundidee ist prima, und ich habe mitgefiebert. Für sich alleine betrachtet ist das Buch ganz nett und gelungen. In der breiten Masse der Dystopien allerdings empfinde ich es als eines von vielen. Es reitet auf einer großen Welle. Es gehört zu den besseren Titeln, aber an die Spitze schafft STARTERS es nicht. Ich finde es gut und kann eine klare Leseempfehlung aussprechen, trotz der Schwächen. Es kann nicht immer Kaviar sein, manchmal genügt auch einfach eine gute Unterhaltung. Aber ich empfehle allen, die es lesen möchten: wartet, bis auch der zweite Teil auf dem Markt ist!

SaschaSalamander 07.04.2012, 09.22 | (3/3) Kommentare (RSS) | PL

Blutflucht

Loreen Ravenscroft ist Inka Loreen Minden ist Lucy Palmer. Als Lucy kennen wir von ihr heiße Erotik, als Inka schreibt sie vor allem homoerotische Romane. Und als Loreen nun veröffentlicht sie eine spannende Dystopie, natürlich wieder gewürzt mit Romantik und Liebe. Auch, wenn das Buch erst jetzt erscheint, ist es dennoch ihr Erstlingswerk, das mehrere Jahre unbeachtet in der Schublade lag, bis es jetzt sehr veröffentlicht wurde.

Kate lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrem Onkel Sam. Sie ist eine Mutantin erster Klasse, kann Gedanken lesen und manipulieren. Doch Mutanten sind nicht gerne gesehen im Volk, und so hat Kate ihre Fähigkeiten viele Jahre unterdrückt, um unerkannt zwischen den normalen Menschen zu leben. Eines Tages begegnet ihr der geheimnisvolle Jack, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Auch er hat ein Auge auf Kate geworfen, und er vertraut ihr seine Vergangenheit an: er ist ein unregistrierter Mutant dritter Klasse, das heißt er verfügt über psychische und physische Kräfte. Von Loyal Pharmaceutics wurde er für militärische Zwecke gefoltert, konnte jedoch entkommen und ist seitdem auf der Flucht. Gemeinsam machen sich Jack und Kate auf eine gefährliche Mission: Jack will sich rächen, und Kate möchte als Rebellin für die Rechte der Mutanten kämpfen.

Sonst in der Gegenwart oder meist Vergangenheit, wagte sich die Autorin bei ihrem Erstling in die Zukunft. Geschickt erwähnt sie hier und da Einzelheiten, um die Welt von Jack und Kate lebendig werden zu lassen: Müll wird atomisiert, Tiger leben nicht mehr aber streifen als 3D-Holos durch den Zoo, Autos erledigen Kurierfahrten im Autopilot, ein ID-Chip unter der Haut ersetzt den Ausweis und viele Dinge mehr. Wann genau die Geschichte allerdings spielt, das bleibt dem Leser unklar, es ist jedoch alles realistisch und gar nicht einmal so fern unserer Gegenwart beschrieben, wenn man von den Mutanten absieht.

Handlung, Verhaltensweisen, Konflikte sind alle sehr geradlinig und übersichtlich. Die Handlung verläuft klassisch und vorhersehbar vom Beginn hin zum Ziel, es gibt keine Überraschungen für den Leser. Auch ist klar definiert, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört, das Geschehen ist einfach gestrickt. Die Charaktere sind sympathisch, jedoch wenig detailiert. Dadurch ist das Buch angenehm leicht und flink zu lesen. Denn die Sprache ist flüssig, die Handlung trotz der Vorhersehbarkeit spannend. Und wenn die Autorin eines kann, damals in Blutflucht mindestens so gut wie heute in den aktuellen Büchern, dann ist das die Beschreibung von Erotik. Immer wieder fallen ihr neue Möglichkeiten ein, wie man abseits von normal üblichen Praktiken Abwechslung für den Leser schaffen kann. In diesem Fall nutzen Jack und Kate ihre psychischen Kräfte, um unbemerkt öffentlich ihre (und unsere) Gedanken anzuheizen und sich Lust zu verschaffen.

Ein wenig mehr Tiefe wäre insgesamt wünschenswert gewesen, sowohl in der Komplexität der Handlung und des gesellschaftlichen Hintergrundes wie auch bei den Charakteren. Ansonsten ist das Buch top, noch kein typischer Minden oder Palmer, aber dafür ein würdiger Ravenscroft. Gäbe es noch keine anderen Bücher von ihr, so würde ich sagen: "die Autorin hat wirklich Potential, man sollte sie im Auge behalten". Aber das hat sich ja inzwischen bereits bestätigt.

Für alle, die noch nichts von Inka, Lucy oder Loreen gelesen haben, ist es ein unterhaltsamer Einstieg mit dem Versprechen für weitere, noch bessere Titel. Und für alle Fans ist der bisher unveröffentlichte Erstling natürlich ein Muss, der unbedingt in die Sammlung gehört ;-)

Und weil Jack so lecker ist, gibt es das Cover heute in größerer Variante:


SaschaSalamander 13.03.2012, 08.43 | (0/0) Kommentare | PL

Rebellen der Ewigkeit

ruebenstrunk_rebellen_1.jpgVORAB

Ich werde keine handlungsrelevanten Spoiler benennen, die Rezension wird also den Lesespass nicht vorwegnehmen. Um allerdings meinen Eindruck der Geschichte zu verdeutlichen, benenne ich einzelne Elemente der Handlung. Ohne den entsprechenden Zusammenhang sind diese irrelevant und verraten nichts Wichtiges. Wer dies aber trotzdem nicht wünscht, für den füge ich ausnahmsweise VORSICHT SPOILER und SPOILER ENDE vor den jeweiligen Absatz.


INHALT

Die Firma Tempus Fugit kauft Lebensjahre, um sie an Dritte zu verkaufen. Arme Menschen können sich auf diese Weise medizinische Versorgung, Ausbildung und andere notwendige Dinge leisten, reiche Menschen verlängern dadurch ihr Leben. Valerie hat gerade 10 Jahre verkauft, als sie bei einem Verkehrsunfall mit der Privatdetektivin Karelia und dem Fahrradkurier Willis im wörtlichen Sinne aufeinanderprallt. Karelia arbeitet für Tempus Fugit und soll ermitteln, wer die Zeitvorräte gestohlen hat. Da sie noch zwei kompetente Mitarbeiter braucht, engagiert sie Valerie und Willis. Die drei recherchieren und stoßen dabei auf die Gruppe REBELLEN DER EWIGKEIT. Angeblich sei die Technik, mit der Tempus Fugit arbeitet, gefährlich und bedrohe die Welt. Doch wem können die drei glauben? Und können sie eine mögliche Zerstörung der Welt aufhalten?


THEMA, GENRE

Romane und Filme rund um das Thema Zeitreisen, Lebenszeit, Paralleluniversum sind keine Seltenheit, und ich mag dieses Thema sehr. Von "Realismus" zu reden, spare ich mir hier, denn selbst Zeitparadoxien und logische Brüche sind in diesem Kontext reine Spekulation und künstlerische Freiheit. Dennoch muss ein solchese Thema natürlich eine gewisse Glaubwürdigkeit transportieren. Ruebenstrunk verwendet für seinen Roman die Quanthenphysik, und er beschreibt den Vorgang sehr einfach und nachvollziehbar. Dadurch ist das Buch inhaltlich auch für sehr junge Leser geeignet, während ältere Leser hier und da einige Male ungläubig das Gesicht verziehen werden und sagen "aber das geht so doch gar nicht".

Ein klares Genre ist nicht abzugrenzen. Ein Jugendroman, das ganz klar. Thematisch bietet es Stoff für einen Wissenschaftsthriller, dafür ist das Thema der Paralleluniversen und der Quantenphysik allerdings nicht ausreichend aufgebaut. Es böte sehr gute Ansätze, doch der Autor legt Wert auf andere Dinge. Thrillerelemente sind enthalten, eingebettet in eine dystopische Zukunft. Durch die Technik liegt auch die Science-Fiction nah. Es ist ein bisschen von allem aber nichts davon komplett. Einerseits ist das eine spannende Mischung: ich mag es sehr, wenn Autoren sich nicht in ein Raster pressen lassen. Auf der anderen Seite wirkt der Roman dadurch stellenweise etwas halbherzig: Für einen Thriller stellenweise zu soft. Für Wissenschaft zu wenig Erklärung derselben. Für eine Dystopie zuwenig Ausarbeitung der zukünftigen Gesellschaft. Für Science-Fiction zuwenig futuristische Technik (von dem Extrapolator natürlich abgesehen).

Auch die genaue Zeit und der Ort, wo die Handlung spielt, lässt der Autor offen. Das stört mich wenig, denn das lässt der Phantasie freien Lauf. Zudem gibt es hier und da kleine Hinweise, die Vermutungen bekräftigen. Aber es ist nicht notwendig für den Verlauf der Geschichte. Dadurch allerdings nimmt sich Ruebenstrunk selbst die Möglichkeit, dem Roman eine gewisse Tiefe zu verleihen, die vor allem ältere Leser sich erhoffen.


CHARAKTERE, ZIELGRUPPE

Wie das Genre ist auch die Zielgruppe nur schwer zu definieren. Ich halte den Roman stellenweise aufgrund der Charaktere und der geradlinigen Handlung sowie der einfachen Erklärung der Technik bereits für Jugendliche ab etwa 13 Jahren geeignet. Dagegen allerdings spricht eine recht grausame Szene gegen Ende (wobei, es ist schlimm, aber ich habe mit gleicher Altersfreigabe schon heftigere Sachen erlebt, man sollte die Jugend nicht unterschätzen) sowie das Alter der Protagonisten, die mit 17 Jahren doch darüberliegen. Das Verhalten der Charaktere allerdings  - in meinen Augen verhalten sich Karelia, Valerie und Willis wenig erwachsen. Der Leser muss das Verhalten eines Charakters nicht gut finden, aber er sollte es anhand der Romanhandlung nachvollziehen können. Hier allerdings gibt es viele Momente, in denen wohl gerade ältere Jugendliche und besonders Erwachsene mit dem Kopf schütteln:

VORSICHT SPOILER ~~~~~ Keine Zitate, da ich nicht das Buch in der Hand hatte sondern das Hörbuch. Daher sinngemäße Erwähungen: "dieser Verräter! Ich werde ihn umbringen" - "das musst Du nicht, er hat bereits die Stadt verlassen und wird nicht mehr zurückkommen, hat er gesagt" - "na gut, das genügt mir". Auch das Verhalten der Detektivin, zwei wildfremde Jugendliche einfach mal so in ihre Arbeit einzuweihen und sie sofort anzuheuern, finde ich seltsam und unreatlistisch. Überhaupt sind alle sehr vertrauensselig. So vertraut ein Rebell sich aufgrund einer kurzen Aussage von Willis sofort diesem an und verrät ein geheimes Treffen. Und Willis vertraut kurz darauf dem Rebell absolut naiv einfach seinen Auftraggeber und den Auftrag an. Überhaupt sind alle Protagonisten in meinen Augen sehr naiv, sie vertrauen sofort fast jedem, der sagt "vertrau mir". Sie erfahren hier etwas und glauben es, dann kommt eine andere Person und sagt ihnen das Gegenteil und schwupps drehen sie das Fähnchen und überlegen nur kurz was nun eigentlich stimmt. Charakterstärke und Willenskraft ist nicht gerade die herausragende Eigenschaft irgendeines Beteiligten. Auch begrüße ich, wenn ein Mensch tierlieb ist, aber wenn man in Lebensgefahr schwebt, ist der Gedanke "ich muss meinen Hamster aus der Wohnung retten" dennoch sehr ungewöhnlich. Dann wäre da noch eine Rebellin, die sich zwar maskiert und anonym im Video auftritt, die aber offensichtliche Merkmale wie ein verkürztes Fingerglied einfach so in die Kamera hält statt einen Handschuh anzuziehen. Und solcherlei Momente gibt es in REBELLEN DER EWIGKEIT leider sehr viele. ~~~~~ SPOILER ENDE

Von daher: viele Entscheidungen mögen jüngere Jugendliche zwischen 12 und 15 nachvollziehen können und gut finden, Menschen mit etwas mehr Lebenserfahrung dagegen weniger. Bei reinen Kinder- oder Jugendbüchern ist das in Ordnung, ich lese sehr gerne Kinderbücher. Aufgrund der Thematik allerdings hat sich der Autor in einen Bereich begeben, wo diese simple Kinderlogik einfach unangemessen scheint. Logikschwächen zum wissenschaftlichen Teil des Buches wie gesagt will ich als künstlerische Freiheit stehenlassen, trotzdem werden diese Dinge älteren Lesern aufstoßen.

Dass der Roman sich deutlich an jüngere Leser richtet, zeigt sich auch an der klaren Trennung von Gut und Böse. Diese sind vom ersten Moment an klar definiert, es gibt auch keine wirklichen Überraschungen. Auch bleiben innere Konflikte und ethische Fragen dabei völlig außen vor, die eventuelle Grauzonen beinhalten könnten. Dadurch fehlt es den Charakteren an einer Tiefe, die ältere Leser einfordern. Auch die Vorhersehbarkeit der Handlung und der Aufbau der Geschichte sind sehr geradlinig und sind unterhaltsam für jüngere Leser, unterfordern aber erfahrene Bücherwürmer:


AUFBAU, UMSETZUNG

REBELLEN DER EWIGKEIT beginnt im Prolog mit einem Verrat, der angedeuteten Vernichtung einer Person, der Aussicht auf die zerstörung der Welt. Wow, was für eine Einleitung, was für ein Versprechen an den Leser! Doch was vielversprechend beginnt, das geht absolut geradlinig, vorhersehbar und erst einmal recht langsam weiter. Karelia, Willis und Valerie werden kurz vorgestellt, treffen aufeinander, sind sich sofort sympathisch, jeder nimmt die Schuld für den Unfall auf sich und bietet sich an natürlich die Folgen dafür zu tragen, und schon arbeiten sie zusammen und werden auch haben auch nach kurzer Zeit schon erste Ermittlungserfolge. Die Ermittlungserfolge sind so offensichtlich, dass der Leser sich fragt, warum Tempus Fugit hierfür eine Privatdetektivin einstellte.

Nach den Ermittlungserfolgen macht man eine der Rebellenführerinnen ausfindig, was zu ersten Komplikationen führt. Trotzdem geht die Handlung geradlinig weiter, auch wenn jetzt immerhin zwei Parteien involviert sind. Bald werden die Protagonisten in die jeweiligen Interessenkonflikte einbezogen, doch noch immer ist es offensichtlich, wer auf welcher Seite steht und was zu tun ist. Im showdown wird es unerwartet brutal, doch danach ist wieder alles so glatt wie zuvor, auf zum Happy End.


HÖRBUCH

Jacob Weigert war mir als Sprecher bisher unbekannt. Er hat hier und da vereinzelt schon Hörbücher eingesprochen, doch keines das ich gehört hatte. Seine Stimme finde ich sehr angenehm. Er variiert nicht in den Tonlagen und Stimmen, doch er verändert ein wenig die Sprachmelodie. Auffällig sind die Unterschiede zwischen den einzelnen gesprochenen Charakteren nicht, aber man kann meistens doch erkennen, wer gerade spricht. Dafür muss man jedoch sehr genau hinhören. Das Buch ist zwar geradlinig aufgebaut, hat aber dennoch einen Spannungsbogen, wo ich es sinnvoll fände, gelegentlich die Stimme zu erheben, das Tempo zu erhöhen, Emotion in die Stimme zu legen. Dies tut der Sprecher nicht, wodurch an sich spannende Momente gelegentlich untergehen und sich nicht vom Rest des Buches abheben.

Wie gesagt, er hat eine angenehme Stimme, ich hörte ihn sehr gerne. Doch für dieses Hörbuch war er in meinen Augen eine eher ungeeignete Wahl. Weigert kann ich mir sehr gut vorstellen für die ruhige Geschichte eines männlichen Ich-Erzählers. An aktuellen Titeln wären dies zum Beispiel Dashners DIE AUSERWÄHLTEN, Poznanskis SAECULUM oder Francescs RETRUM. Für eine auktoriale Erzählweise mit wechselnden Sprechern und vielen actionreichen Momenten allerdings finde ich ihn unpassend, da sowohl Teile der Handlung als auch die Persönlichkeiten der Sprecher eher untergehen. Gerade bei dem sowieso schon eher "glatten" REBELLEN DER EWIGKEIT hätte man durch einen variableren Sprecher sehr viel herausholen können.


GESAMTEINDRUCK

REBELLEN DER EWIGKEIT hinterlässt mich sehr gespalten. Die Handlung ist mustergültig aufgebaut, die Charaktere sind sympathisch. Aber mir fehlt es doch ein wenig an Substanz und Griffigkeit, es ist mir stellenweise alles etwas zu glatt, zu vorhersehbar, die Guten zu gut, die Bösen zu böse, die Handlungsweisen der Protagonisten zu unausgereift. Doch die Geschichte selbst ist sehr gut erdacht, die Idee dahinter auf spannende Weise umgesetzt. Trotz kleiner Schwächen finde ich die Darstellung der Paralleluniversen, der Quantenphysik und des Extrapolators sehr originell und kreativ umgesetzt. Der Schreibstil selbst ist angenehm und flüssig, Ruebenstrunk versteht sein Handwerk. Die ARTHUR-Bücher reizen mich schon lange und werden demnächst sicher von mir verschlungen, ich wurde neugierig auf weitere Titel des Autors.


FAZIT

Erwachsenen und Twens würde ich das Buch nicht empfehlen, da die Vorhersehbarkeit der Geschichte und einige Unstimmigkeiten in Verhalten und Handlung den Lesegenuss deutlich schmälern. Junge Leser allerdings bekommen eine packende Geschichte, in der ein bekanntes Thema auf originelle Weise umgesetzt wurde. Es hört / liest sich sehr spannend, die Charaktere sind sympathisch, und man ist vom ersten Moment gefesselt. Genau richtig, um junge Leseratten für komplexe Themen zu begeistern.

SaschaSalamander 09.03.2012, 09.07 | (0/0) Kommentare | PL

Die Auserwählten 01 - Im Labyrinth

Seit zwei Tagen höre ich DIE AUSERWÄHLTEN, den ersten Band IM LABYRINTH. Die Story klingt klasse. Und David Nathan als Sprecher ist sowieso erste Sahne (so oft, wie ich ihn inzwischen erwähnte, sollte ich glatt mal Werbungskosten beantragen *ggg*. Aber ich finde ihn einfach toll als Sprecher).

Ich werde es zu Ende hören, weil die Geschichte als solche wirklich klasse ist. Aber die Umsetzung ist nicht mein Ding. Ich werde mit keinem einzigen der Charaktere warm, finde das Verhalten so ziemlich jeder Figur seltsam, habe kein Bild im Kopf von Landschaft oder Personen. Ich weiß, dass es auch wieder nur der Auftakt einer Reihe ist, und wenn nicht einmal der Anfang mit mitreißt, wird es wohl auch mit der Fortsetzung eher mau werden ...

Nein, ich glaube nicht, dass das Ende es rausreißen wird und ich begeistert bin. Ich bin gerade bei CD 4 von 6, das sollte genügen für einen ersten Eindruck.

Wer von Euch hat DIE AUSERWÄHLTEN gehört oder gelesen?
Wie fandet Ihr es?

SaschaSalamander 22.02.2012, 15.48 | (0/0) Kommentare | PL

Dustland 01 - Die Entführung

young_dustland_1.jpgINHALT

Saba lebt mit ihrer Familie abgelegen in der Wüste, als eines Tages Reiter kommen, ihren Vater töten und den Bruder entführen. Ihren Bruder Lugh, ihr Ein und Alles. Also gibt es für Saba nur eine Möglichkeit: sie muss sich auf den Weg machen und Lugh finden. Im Schlepptau hat sie ihre kleine Schwester, mit der sie kaum etwas anfangen kann, und immer wieder stellen sich ihr lästige bis sogar tödliche Hindernisse in den Weg. Sie findet auch Verbündete, die ihr bei der Befreiung des Bruders helfen wollen. Doch wem kann Saba überhaupt trauen?


RÜCKBLICKEND

Ein Buch, das mir sehr gut gefallen hat und das ich dank meiner Lieblingssprecherin Laura Maire so flüssig gehört habe wie schon lange kein Hörbuch mehr. Es ist rund zwei Wochen her, dass ich das Buch beendet habe. Manche Titel bleiben sehr lange im Gedächtnis, und noch nach vielen Monaten könnte ich die Rezension schreiben, als wäre es gestern gewesen. Bei anderen Büchern habe ich schon nach wenigen Tagen Probleme, meine Gedanken zusammenzufassen. In diesem Fall ist zwar ein sehr gutes Gefühl geblieben, doch ohne die direkt nach dem Lesen geschriebenen Notizen wäre es mir wohl nun eher schwergefallen. Dies liegt wohl an den Schwächen des Buches, auf die ich nachher noch eingehen werde. Schade, denn im Grunde hat DUSTLAND mich sehr begeistert, und ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Aber es fehlt ein klein wenig "das gewisse Etwas", um es zu etwas Besonderem zu machen. Ein Buch, das volle Punktzahl bekommt, muss in mir "nachklingen", und das ist das einzige, was ich an DUSTLAND zu bemängeln habe: es klingt nicht nach in mir.


CHARAKTERE UND CHARAKTERENTWICKLUNG

Die Heldin Saba ist stark, mutig und charismatisch. Dies zu ihren guten Eigenschaften. Aber sie ist auch sehr egoistisch, unsozial und stur. Die Meinung anderer kümmert sie sehr wenig, und sogar zu ihrer eigenen kleinen Schwester ist sie anfangs rau und kalt. Einzig Lugh ist ihre Bezugsperson. In allem erwartet sie Angriff und Bosheit, kann sich nicht auf andere Menschen einlassen. Einerseits ist das verständlich, andererseits finde ich diesen Charakterzug auf Dauer sehr anstrengend.

Doch zum Glück zieht sich dies nicht bis zum Ende: die Charakterentwicklung in diesem Buch ist eine der großen Stärken. Saba und die anderen Beteiligten erfahren viele Dinge, die ihr Leben verändern. Diese Veränderungen geschehen nicht von heute auf morgen, sondern sie sind schrittweise langsam zu erahnen und werden erst nach und nach sichtbar. Besonders in der Beziehung zwischen Saba und ihrem Freund (nein, kein Spoiler, schon bei der ersten Begegnung spürt der Leser sofort, worauf es hinauslaufen wird) ist dies deutlich erkennbar. Während in anderen Büchern erst Abneigung herrscht und dann wie durch ein Wunder ein einzelnes Ereignis oder scheinbar über Nacht plötzlich Liebe entsteht (wie glaubwürdig *haha*), ist es hier wirklich ein langfristiger Prozess, in dem die beiden Protagonisten sich vorsichtig näherkommen, immer wieder kleine Rückschritte erleben und sich erst vorsichtig annähern müssen. Das Kribbeln zwischen den beiden ist spürbar und sehr angenehm, ist erfreulicherweise frei von Kitsch und Schmalz und vermag doch zu berühren.

Auch die Nebenfiguren sind sehr schön dargestellt. Je nach der Bedeutung für ihre Geschichte erhalten sie mehr oder weniger Gewicht.


SPRACHE, HÖRBUCH

Da ich das Hörbuch gehört habe, kann ich zur Sprache im Buch nichts sagen. Jedoch habe ich anderen Berichten entnommen, dass wohl auf Anführungszeichen verzichtet wird und sehr viel Umgangssprache geschrieben wird. Im Hörbuch fällt dies natürlich nicht auf. Was im Hörbuch jedoch auffällt, sind grammatikalische Patzer, die in einem normalen Buch ein NoGo wären, hier jedoch beabsichtigt sind. Trotzdem zuckte ich jedes Mal zusammen, wenn der Genitiv wieder einmal mit "vom" gebildet wurde oder dem Wörtchen "wegen" ein Akkusativ folgte. Diese beiden schmerzhaften Formulierungen gibt es sehr oft, hier und da fallen noch weitere Dinge auf, die jedoch dank Laura Maires angenehmer Erzählstimme und des flüssigen Vortrages kaum ins Gewicht fallen. Wer also Probleme mit der Schriftsprache in DUSTLAND hat, dem kann ich ganz klar das Hörbuch empfehlen

Laura Maire spricht wie gewohnt hervorragend. Für mich persönlich ist sie unter den Frauen das Gegenstück zu Rufus Beck. Natürlich kann sie ihre Stimme nicht ganz so extrem verstellen, aber sie legt ebensoviel Emotion und Subtext. Sie spricht nicht nur mit Worten, sondern auch mit Stimmungen, Betonungen, man hört den Sätzen an, dass hinter den Worten sehr viel mehr liegt als nur der ausgesprochene Sinn. Sie weint, lacht, tobt, schreit, fleht, beschimpft, bedroht und lässt die breite Palette ihres Könnens erleben. Die Figuren werden für den Hörer lebendig, ob nun das kleine Mädchen, die junge Frau, die erwachsene Kämpferin, der unter dem Pantoffel stehende Narr, das hinterhältige Weib, der arrogante Herrscher, der stolze Einzelkämpfer oder viele andere Personen, denen Laura eine eigene Persönlichkeit verleiht.


SCHWÄCHE DES BUCHES

Was ich sehr schade finde: es werden kaum Hintergründe erklärt. Das Buch ist klar eine Dystopie, schwimmt also auf der Welle von Titeln wie TRIBUTE VON PANEM und Co. Ich liebe dieses Genre, besonders weil Autoren sich kreativ mit möglichen Zukunftsvisionen auseinandersetzen und dabei realistische Bilder entwerfen von einem "was könnte sein". Hier allerdings bleibt dieser Aspekt sehr flach. Zwar gibt es immer wieder Andeutungen auf die Abwracker (das sind wohl wir, mit unserem "Technokram" und unseren Müllbergen), aber dabei bleibt es dann. Wie es dazu kam, warum die Welt des Buches so trostlos und leer ist, und welche gesellschaftlichen Strukturen sich daraus gebildet haben, das bleibt leider sehr blass. Es wirkt, als hätte die Autorin einfach eine nette Kulisse gesucht, ohne den Hintergrund hierfür auszumalen. Wäre es ein Manga, würde ich sagen, dass die Charaktere und Story toll sind, die Zeichnungen aber Details vermissen lassen, sodass alles etwas leer wirkt.


FAZIT

Das Buch ist eine Reihe, der erste Teil ist in sich sehr gut geschlossen, und man fiebert nun nicht mit einem fiesen Cliffhanger auf den nächsten Band. Trotzdem freue ich mich auf die Fortsetzung. Denn ich hoffe vor allem auf erklärende Hintergründe, die mir die Welt Sabas näherbringen und der Geschichte dadurch den Tiefgang verleihen, den sie eigentlich verdient hätte. Doch ohne diese Hintergründe ist es leider nur eine spannende Geschichte, die mich zwar grandios unterhalten, nicht jedoch komplett überzeugt hat. 

SaschaSalamander 03.02.2012, 15.30 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL



 






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