SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Ausgefressen

matthies_ausgefressen_1.jpgRay ist ein Erdmännchen. Phil ist ein Privatdetektiv und Alkoholiker. Mit genügend Alkohol kann er verstehen, was die Erdmännchen reden. Und so wird Ray, der schon immer Ermittler werden wollte, zum Privatschnüffler.

Soviel kurz und knapp zur Geschichte. Und es fällt mir schwer, eine lange, ausführliche Rezension zu schreiben. Inzwischen allerdings haben sich schon sehr viele Beiträge im Netz angefunden, sodass es wohl genügt, wenn ich nur ein paar Worte darüber verliere, was mir beim Lesen durch den Kopf ging. Mein erster Eindruck, als ich die Leseprobe ansah: dialoglastig, anstrengend zu lesen, viel zu albern.

Neugierig auf die Story war ich trotzdem, und jetzt habe ich das Hörbuch genießen dürfen. Die erste halbe CD habe ich immer wieder mit mir gehadert: "das ist bescheuert, sowas hör ich nicht. Ich würde niemals zugeben, solch ein albernes Zeug gehört zu haben. Aber irgendwie ist es witzig. Ne, bescheuert. Ich will aber wissen, wie es weitergeht. Erdmännchen, die sich an den Eiern kratzen und ein Smartphone haben wollen, gehts noch dämlicher? Christoph Maria Herbst ist aber so klasse, dass ich trotzdem hören will! Ich will nicht! Ich will!" Und so habe ich vor mich hingequengelt, weil ich nicht weiterhören wollte, und weil ich trotzdem nicht aufhören wollte.

Zum Glück habe ich mich entschlossen, weiterzuhören. Es ist wirklich ein sehr ungewöhnliches Buch. Und ich denke, gelesen hätte ich es vermutlich nicht. Dazu wären mir die hektischen Dialoge wohl wirklich zu anstrengend gewesen. Gelesen von Christoph Maria Herbst (Stromberg) allerdings war es absolut hörenswert. Ich hätte nie gedacht, WIE wandlungsfähig er mit seiner Stimme ist. Ob nun eine Jazz singende Chinchilla-Lady, eine kichernde Erdmännchen-Sexbombe, ein majestätischer Seeadler, ein besoffener Detektiv, eine Berliner Kioskverkäuferin, ein technikbegeisterter Erdmann-Nerd, ein vermutlich italienischer Chinchilla Loverboy, eine verliebte Hyäne, eine fette Nilpferd-Dame, ein undersexter Elefantenbulle, eine Horde hirnloser Pinguine, es klingt alles überzeugend und hat eine ganz eigene Stimme, ich stand stellenweise mit heruntergeklapptem Kiefer da und konnte nicht fassen, was ich hörte. Herbst liest nicht nur, er spielt seine Rollen wie ein Schauspieler, ich meinte regelrecht einen Film vor mir zu sehen.

Um AUSGEFRESSEN zu mögen, muss man zugegeben schon auf reichlich abgefahrene Sachen stehen. Die Rollenbeschreibung im Absatz drüber zeigt ja bereits auf, was den Leser erwartet. Dazu kommen Erdmännchenkämpfe unter Tage mit Taser und Handgranate. Erdmännchen, die zu den Black Eyed Peas abrocken und singen, Skunks als DJ und Ratten als Kellner, Mafiosi-Gorillas und derlei schräge Elemente mehr. Nein, realistisch ist das absolut nicht. Aber das ist egal. Es ist einfach lustig, und mehr soll es auch nicht sein.

Ich habe mich hervorragend amüsiert, einige Male laut aufgelacht. Was mir besonders gefiel waren die schönen Metaphern. Grade bei Stimmen ist der Autor sehr erfinderisch: "Seine Stimme packte mich im Kragen und schleifte mich über den kalten Fußboden" oder "mit seiner Stimme hätte man eine Buttercremetorte bestreichen können". Sehr bildlich und witzig. Zugegeben auf Dauer sehr anstrengend, ich könnte keinesfalls mehrere Bücher hintereinander lesen, und ich habe auch die CDs mehrfach unterbrochen und dazwischen andere Genres gelesen. Vier CDs am Stück in diesem Stil wäre ein Overkill. Aber da die Handlung sowieso eher Nebensache ist und man nichts verpasst, wenn man mal eine kleine Pause macht, ist das nicht schlimm.

Insgesamt: Empfehlung, um ohne groß zu denken einfach mal ein wenig albern zu lachen. Das braucht man manchmal. Denn das Leben ist ernst genug. Und genau in solchen ernsten, grauen Momenten braucht man einfach ein durchgeknalltes Erdmännchen. Und bitte - vergesst das Buch, holt Euch das Hörbuch ;-)

SaschaSalamander 07.05.2012, 08.14

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