SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Das Dorf

DAS DORF ist das aktuelle Buch von Arno Strobel. Zur Handlung hier kurz der Klappentext:

Panik, Todesangst – das ist es, was Bastian Thanner in der Stimme seiner Freundin hört, als sie ihn völlig unerwartet anruft. Fast drei Monate ist es her, dass Bastian Anna zuletzt gesehen hat, als sie Hals über Kopf und ohne Erklärung einfach verschwunden ist. Jetzt braucht sie dringend seine Hilfe, sie bangt um ihr Leben. Bastian macht sich sofort auf die Suche nach Anna und gelangt in ein Dorf an der Müritz, das ihm von Anfang an unheimlich ist. Überall deuten Spuren auf Anna, doch niemand kann oder will ihm weiterhelfen. Bis zu dem Abend, als Bastian Zeuge einer schrecklichen Zusammenkunft wird. Und auf den Mann trifft, der genau weiß, was mit Anna geschehen ist. 




Das klingt spannend, klingt nach Mindfuck und einem genialen Verwirrspiel. Diesem Genre sehe ich einiges nach, weil meist nicht alles perfekt zu klären ist und immer etwas offen bleibt. Was zählt, ist die Spannung. 

Trotzdem muss ich zugeben, dass ich wenig überzeugt war. Als ich das erste Buch von Strobel las, war ich zwar nicht restlos begeistert, aber sehr neugierig auf diesen neuen Autor mit viel Potential. Nach und nach schrieb er weitere, habe ich hier und da wieder von ihm gelesen. Aber ich merke, dass ich nicht so wirklich warm mit ihm werde. Was sehr schade ist. 

Er ist ein grandioser Geschichtenerzähler. Hat tolle Ideen und weiß den Leser auch an sich zu binden. Die Bücher sind ein Pageturner, weil man unbedingt wissen muss, wie es weitergeht. 

Trotzdem, für mich reicht das nicht. Ich habe nicht mehr den direkten Vergleich, ob das erste Buch schon in diesem Stil geschrieben war, aber besonders bei DAS DORF fiel mir auf, dass seine Sprache recht ungeschliffen ist, manche Metaphern mich das Gesicht verziehen lassen und unangenehm hervorstechen. Er schreibt zwar eindringlich, aber auch sehr, sehr schlicht, legt das Augenmerk allein auf die Handlung und vergisst dabei gelegentlich das Gesamtwerk (die Charaktere, die Sprache, den "Nährwert")

Die Handlung steht und fällt dann mit dem Ende. Beim ersten Buch fand ich es in Ordnung, da hatte sich jemand Mühe gegeben, aber je mehr Titel von ihm ich las, desto kruder fand ich die zusammengewürfelten Stories. Und DAS DORF hat mich dann sehr enttäuscht. Das Ende hat sich jemand ausgedacht, der nicht von vorneherein einen Plan hatte, sondern der eine Idee für ´ne Story hatte und dann einfach schnell ein Ende aus dem Ärmel zaubern musste.

Ich möchte nicht von dem Buch oder dem Autor abraten. Dafür ist er einfach zu gut. Dafür kann er zu gut Stories erzählen, kann er zu gut unterhalten. Aber wer ihn liest, sollte sich wirklich von Beginn an klarmachen, dass er einfach nur schnelle, seichte Unterhaltung bekommt. Und mehr wirklich nicht. 

Und eine Anmerkung zum Schluss: ich weiß nicht, ob der Autor das veranlasst hat, ob das vom Verlag kam, oder ob Freunde ihm damit etwas Gutes tun wollten - der Schuss ging gewaltig nach hinten los! Viele der positiven Bewertungen auf Amazon sind Erstrezensenten, die einfach nur mit ein oder zwei Sätzen ihre Lobhudelei loswerden. Das riecht nach Fake und rückt den Autor in ein schlechtes Licht. Von wem auch immer das ausging - Strobel sollte das entweder unterlassen oder aber sich bemühen, diese Faker zurückzupfeifen, wenn er sich nicht selbst als unglaubwürdig darstellen möchte. Denn diese positiven Faker verärgern Leser, die dann einfach nur 1 Stern abgeben. Doch 1 Stern hat DAS DORF nun auch nicht verdient, dafür ist es zu spannend, zu unterhaltsam, krude Auflösung und ungelenke Sprache hin oder her. Ich vermute einfach, dass Strobel nach der ersten Erfolgswelle etwas übermütig wurde und jetzt wieder auf den Teppich kommt. Lieber nur halb soviel Bücher in längerem zeitlichen Abstand, diese aber dann besser lektoriert und etwas filigraner durchdacht.

SaschaSalamander 23.02.2015, 08.52

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