SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Der Altmann ist tot

Frau Freitag und Fräulein Krise sind inzwischen vielen Lesern bekannt. Das Autorinnen-Duo arbeitet in Berlin als Lehrerinnen, beide haben eigene Bücher veröffentlicht, das bekannteste darunter CHILL MAL, FRAU FREITAG. 

Mit CHILL MAL FRAU FREITAG und dem Nachfolger VOLL STRENG, FRAU FREITAG konnte ich nicht ganz so viel anfangen, denn die Stories sind zwar witzig, aber für mich irgendwie Alltag, ich möchte lieber etwas zum Abschalten. Habe selbst solche Kids unterrichtet. Auch die Erzählweise der einzelnen unzusammenhängenden Episoden ist für mich in diesem Kontext wenig interessant. GHETTO-OMA von Frl Krise kenne ich nicht.

DER ALTMANN IST TOT dagegen reizte mich umso mehr. Ein Krimi, diesmal beide Lehrerinnen vereint. Keine gesonderten Episoden, sondern eine fortlaufende Handlung: der wenig beliebte Lehrer Altmann wird ermordet. Während die Polizei ermittelt, machen sich die beiden Kolleginnen eigene Gedanken. Kommissar Zufall kommt ihnen dabei sehr oft zur Hilfe, und so lösen die beiden nicht nur den Fall des toten Mathelehrers sondern kommen auch noch einer kriminellen Bande auf die Spur und müssen sich im Alltag zwischen Kopierer, Sportfest, türkischer Hochzeit, Verfolgungsjagden und Vertretungsstunde beweisen. 

Doch, dieser Band war eine nette Abwechslung, die mich schön ablenkte und für witzige Stunden sorgte. Ich hörte das Hörbuch, gelesen von Kebekus (Fr Freitag) und Joseline Gassen (Frl Krise). Die beiden passen sehr schön zu den vorgegebenen Charakteren. Die eine jung, quirlig, oft unvernünftig und mit rotzfrecher Schnodderschnauze. Die andere älter, gesetzter aber doch lebenslustig und mit Pfeffer. Sie können auch die unterschiedlichen Charaktere gut darstellen. Den passenden Berliner Deutschtürken-Dialekt kriegen sie zwar nicht zu 100 Prozent hin in Melodie und Tonfall, aber es klingt trotzdem recht authentisch und witzig. 

Mit einem normalen Krimi würde ich das Buch allerdings kaum vergleichen. Es hat eben den tpischen Fr. Freitag - Stempel, und Frau Freitag ist eben keine Ermittlerin. Vielmehr mischt sie sich neugierig in fremde Angelegenheiten, verpatzt die Observierungen, hat völlig unvernünftige Ideen für Verkleidungen oder Recherche und tut auch sonst eine Menge unpassender Dinge. Und Frl Krise hat eigentlich viel mehr mit der Suche nach einem neuen Kinderwagen für die kleine Victoria-Estelle zu tun, die eine ehemalige Schülerin immer wieder bei ihr zum Babysitten vorbeibringt. Ich empfand den Krimi als roten Faden, nicht als Hauptthema, aber doch angenehm, um die einzelnen Episoden miteinander zu verbinden und die Charaktere des Kollegiums, der Schüler und Ehemaligen besser kennenzulernen. Was den Realismus betrifft - ja, es beinhaltet kein Fantasy. Und ja, solche Schülerkommentare gibt es wirklich. Aber das Verhalten einzelner Personen ist schon sehr stark karikiert und überspitzt, doch gerade diese oft absurden Situationen machen den Reiz dieses ungewöhnlichen Buches aus. Auch, wenn  manche der Aktionen in der Realität so niemals umsetzbar wären.

Wer sich in Berlin und vor allem Neukölln ein wenig auskennt, wird vieles wiedererkennen. Die Autorinnen haben den Schulalltag aber auch das Berliner Alltagsleben gekonnt eingefangen und liebevoll karikiert. Auch die türkische, arabische, kurdische Kultur der Schüler wird sehr schön beschrieben. Etwa die Schnitzeljagd der Schüler mit all den schrägen Antworten, die Hochzeitsfeier mit den Bräuchen und Traditionen, das Treiben an belebten Plätzen, eine ganz "normale" Schulstunde. Das hat Charme und Witz, das tut gut zu hören und hat richtig Spaß gemacht. Danke, Frl Krise und Fr Freitag. Ich hoffe auf weitere Bücher, die nicht nur blogartig Episoden erzählen sondern eine Handlung verfolgen. Der Grundstein für den nächsten Kriminalfall ist ja bereits gelegt ;-)

SaschaSalamander 23.06.2014, 09.10

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