SaschaSalamander

Ausgewählter Beitrag

Im Kopf des Mörders

Inhalt: Max Bischoff ist der Protagonist dieser dreiteiligen Thriller-Reihe von Arno Strobel. Im ersten Band findet sich ein Journalist auf offener Straße, voll mit Blut einer Frau, die seit langem als verschwunden gilt. Doch er kann sich nicht erinnern, was passiert ist.  - Im zweiten Teil tötet eine mit einem Fliegenkopf maskierte Person reihenweise ihre Opfer und lässt stets einen Überlebenden. Ein Psychiatrie-Insasse kann den jeweils nächsten Mord voraussagen, aber er äußert sich nicht zum Täter. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. - Im krönenden Finale wird Bischoffs Schwester entführt, und der Täter verlangt von ihm schreckliche Dinge zu tun, um sie zu retten. Kann Bischoff seine Schwester retten, bevor er selbst zum Mörder wird?


Arno Strobel. Das ist für mich normalerweise ein "so lala". Seine Thriller lese ich gerne, aber großen Nährwert hatten sie für mich bisher nicht. Dafür waren sie mir bisher zu unrealistisch und unausgereift in vielerlei Hinsicht, zuviel Gewalt um der Brutalität wegen ohne erzähltechnische Notwendigkeit. Seit er mit Ursula Poznanski zusammen schreibt, gefallen mir seine Titel deutlich besser, die Kombi tut ihm (meiner Ansicht nach) schriftstellerisch sehr gut. Und seine dreiteilige Reihe (alleine geschrieben) um Max Bischoff fand ich letztens richtig, richtig gut. Charaktere, Handlungsaufbau, glaubwürdige Handlung (im Rahmen des Genres), Schreibstil, ich war ziemlich begeistert und habe beinahe Tag und Nacht durchgehört. 

Die Reihe ist inzwischen abgeschlossen und besteht aus drei in sich geschlossenen Kriminal-Fällen. Dabei ist die Reihenfolge aber einzuhalten, weil die Bücher aufeinander aufbauen. Außerdem empfehle ich alle drei Teile bereitliegen zu haben, denn Eins und Zwei enden mit einem fiesen Cliffhanger, sodass man gar nicht anders kann also sofort den nächsten zu schnappen.

Der erste Band TIEFE NARBE ist ein recht normaler Thriller mit allen Zutaten, wie es sich gehört. Der zweite KALTE ANGST steigert sich rasant. Und der dritte Band TOTER SCHREI beginnt mit einem riesigen Knall und drosselt keine Sekunde das Tempo, atemlose Spannung ist garantiert.

Üblicherweise sind die Ermittler in solchen Reihen geschieden, haben ein Problem mit Drogen und oder Alkohol, sie sind häufig alleinerziehend, und natürlich haben sie jede Menge Schicksalsschläge. So als wolle der Autor dem Protagonisten soviel als möglich mit auf den Weg geben, um ihn interessant zu machen. Unabhängig davon, wie es bei anderen Lesern ankommt - mich persönlich nervt das. Es darf auch mal ein ganz normaler Mensch ohne riesigen Rucksack sein. Und das ist Max Bischoff. Jung, motiviert im Job, fähig sich ohne Ballast zu verlieben. Das ist sehr erfrischend, denn dadurch kann sich der Autor voll und ganz auf den Fall konzentrieren. Ich gehöre nämlich zu den Lesern, die einen Krimi nämlich tatsächlich wegen des Falls lesen, nicht wegen des Drumherum.

Mir gefällt es, wie hier ermittelt wird. Richtig schöne Polizeiarbeit mit Sammeln von Beweisen, mit haufenweise Befragungen, Ortsbesichtigung. Klar kommt gelegentlich auch mal Kommissar Zufall ins Spiel, aber der Großteil ist tatsächlich harte Arbeit. Es macht Spaß, Bischoff und seinen Kollegen bei der Arbeit zu folgen, mit ihnen zu rätseln und dem Täter nach und nach auf die Schliche zu kommen. Natürlich werden einige falsche Fährten gelegt, doch der Aufbau ist super, und mit etwas Geschick kann man selbst den Täter erahnen. Alles richtig gemacht, Herr Strobel, danke für das ausführliche und korrekte Plotting!

Strobel kocht mit klassischen Zutaten und Gewürzen, und er hat seine Bände optimal abgeschmeckt. Vor allem im dritten Band, mein persönliches Highlight (und vermutlich das der meisten Leser), gibt es unzählige Wendungen. Der Protagonist darf niemandem mehr vertrauen, ist aber auf Hilfe angewiesen. Immer wieder tauchen Zweifel auf, stets muss Bischoff seine Informationen infrage stellen. Wie weit ist ein Mensch bereit zu gehen, wenn man ihm keine andere Wahl lässt? Der Leser fragt sich, wozu er selbst bereit wäre, und die Antwort fällt nicht leicht. Die Verzweiflung Bischoffs ist greifbar, spürbar, fesselt und lässt nicht mehr los. Und auch hier: wer aufmerksam liest, wird den Täter bald erahnen, den vielen Fährten aber immer wieder folgen und stets neu hinterfragen. Absolut packend bis zur letzten Seite!

Wer Strobel mag, wird diese Reihe sowieso lieben. Und wer ihn noch nicht kennt, der wird als Thrillerfan mit dieser Reihe sicher einen neuen Lieblingsautoren haben ;-)

SaschaSalamander 31.01.2020, 10.46

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