SaschaSalamander

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Man spricht deutsh

mansprichtdeutsch_1.jpgIch denke, zu diesem Film muss ich keine Rezension mehr schreiben, es wurde seit seinem Erscheinen 1988 mehr als genug darüber erzählt und geschrieben. Auch der Inhalt ist allseits bekannt: Familie Löffler verbringt ihren letzten Urlaubstag am Strand und muss sich mit allerlei Unbill herumschlagen, allen voran diesen seltsamen Italienern (ohne die der Italienurlaub wirklich eine tolle Sache sein könnte). Sie bewachen ihr Auto, verlieren sich in Tagträumen, haben Schwierigkeiten bei der Auswahl ihres Mittagstisches, und und und. Dabei wird kein Klische ausgelassen, sei es nun über die deutschen Touristen oder natürlich auch die Italiener (aus Sicht dieser deutschen Touristen).

Trotzdem - so bekannt der Film sein mag, meine eigenen Gedanken möchte ich gerne kurz zusammenfassen:

Schon als Kind hatte ich den Film gesehen, später ein zweites Mal, und jetzt viele Jahre später ein drittes Mal. Und es war ein äußerst faszinierendes Zeitdokument. Ich habe viel gelacht, aber auch oft peinlich berührt die Hände vor das Gesicht geschlagen. Oh ja, es ist bitterböse Satire, eben das, was Polt in Vollendung beherrscht. Dabei ist die Darstellung der Löfflers zwar leicht überzogen aber dennoch so überaus realistisch, dass einige der karikierten Personen den Humor dahinter vermutlich gar nicht als solchen erkennen.

Es war Nostalgie pur, diesen Film zu sehen! Und es gab viele Dinge, die mich unabhängig vom eigentlichen Humor schmunzeln ließen. Ach, die Mode damals, die Löwenmähne, die riesigen Kreolen, die pinkfarbenen Leggins, die buntgeblümten Badeanzüge, die riesigen dicken Hornbrillen, uaaah, der Film ist eine Beleidigung für das Auge heutzutage! Aber damals war es eben so üblich (ich möchte übrigens erwähnen, dass ich es damals als Jugendliche schon nicht hübsch fand, Mode hin oder her. Die 80er waren wirklich eine grauenvolle Zeit).

Und ich musste mehrfach hinsehen, bis ich erkannte: nein, da klebt kein Sand an den Beinen, sondern sie ist nicht rasiert! Okay, eigentlich egal, darf jeder handhaben wie er will. Aber es zeigt doch, wiesehr die Zeiten sich ändern, heute könnte ich mir keinen Film vorstellen, in dem eine Frau mit unrasierten Beinen am Strand zu sehen ist. Weiß man heute überhaupt noch, wie unrasierte Frauenbeine aussehen? Und nicht nur die Beine, auch auf der Oberlippe sah man sehr deutlich einen recht kräftigen Damenbart, der heute so nicht mehr gezeigt werden würde.

Es gibt eine Szene, in der Heinz-Rüdiger ein Loch buddelt und einen gefangenen Krebs hineinsetzt, immer wieder aufhebt, fallenlässt, mit Wasser bespritzt, ja sogar eine Schaufel Sand über ihn wirft. Das wäre heute wohl computeranimiert und am Ende des Abspanns stünde "keinem Tier wurde Schaden zugefügt usw".

Ach ja, und abgesehen davon gab es seeeehr viele Erinnerungen. Bayern 3 und Günther Jauch im Verkehrsfunk. Paulchen Panther Eis am Stil. Münztelefone. Autotelefon. Das alte Design der Bild-Zeitung. Die alten Postleitzahlen. Sofortbild - Kameras, die alten Cola-Flaschen. Und viele andere kleine Details mehr, der Film ist wie eine kleine Zeitreise, und das auf nur wenigen qm Strand"idylle" ;-)

SaschaSalamander 26.07.2012, 09.35

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