SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Mindnapping 23 - Dibbuk

Klappentext:  Gibt es Dämonen? Böse Geister, die einen in den Wahnsinn treiben? Der Börsenbroker Cain Douglas zweifelt an seinem Verstand, denn er wird von einem unheimlichen Jungen verfolgt. Ist Cain verflucht worden? Um jeden Preis will Cain die Wahrheit herausfinden, aber diese ist verstörender und bizarrer, als er jemals für möglich gehalten hätte.




Folge 23 der Reihe Mindnapping von Derek Meister handelt von einem DIBBUK. Wikipedia sagt: "Ein Dibbuk [...] ist nach jüdischem Volksglauben ein oft böser Totengeist, der in den Körper eines Lebenden eintritt und bei diesem irrationales Verhalten bewirkt". 

Ich werde nicht müde zu betonen, dass Mindnapping zwar eine gewisse Linie verfolgt, dabei aber immer wieder verschiedene Experimente wagt. Sei es bei den teils innovativen Themen, sei es bei der Art der Erzählweise, bei ungewöhnlichen Crossovern oder durch die gesamte Machart. Immer wieder ein Risiko, immer wieder überraschend. Daher war mir unklar: würde sich der Dämon nun tatsächlich als übernatürliches Wesen entpuppen (wäre ungewöhnlich für die Reihe, aber vielleicht wäre genau das der überraschende Knackpunkt) oder als etwas Menschliches (Twist inclusive)? 

Wie es sich nun auflöst, wird man in dieser Rezension natürlich nicht erfahren, es soll ja spannend bleiben. Was ich aber sagen kann: innovativ ist dieses Mal unter anderem die Art der Erzählweise. Zwar ist es wieder ein Hörspiel, doch es wird vor allem getragen vom Ich-Erzähler Cain Douglas (gesprochen von Torsten Michaelis). Tonfall und Rolle passen zusammen, als wäre es extra für ihn geschrieben worden: der lässige Typ, der plötzliche Zusammenbruch, die aufkommende Angst, der gewaltige Showdown, in jeder Szene absolut stimmgewaltig und realistisch. 

Sehr schön auch die Schnitte, wenn zwischen Erzähler und Hörspiel gewechselt wird. So passiert es, dass Douglas seinen Monolog hält, und ohne Übergang wechselt sein Monolog zum Dialog, sodass eine andere Person antwortet und interagiert. Inhaltlich ist das Hörspiel kein Noir, doch die Art der Erzählung aus dem Off durch den Protagonisten erinnert gelegentlich daran und passt gut zur düsteren Stimmung. 

Ich gebe zu, dass es ungewöhnlich ist und für mich etwas anstrengender als ein "normales" Hörspiel, weil man beim Hören immer wieder switchen muss. Beim ersten Mal ließ es mich etwas ratlos zurück, sodass ich etwas Pause einlegte, um mir ein paar Gedanken dazu zu machen. Beim zweiten Mal gab es dann viele Aha-Momente, und ich konnte das Setting so richtig genießen. Dieses Hörspiel gewinnt also bei mehrmaligem Hören und wird sicher wieder einmal den Weg in meinen Player finden.

Der Twist / die Auflösung (ob nun Dämon oder realistisch) erinnerte mich an eines meiner Lieblingsbücher. Die Idee ist also nicht neu, wurde in dieser Form aber bisher nur sehr selten umgesetzt (kenne nur zwei Titel), auch hier also eine clevere Umsetzung des Themas. 

Die Geräusche sind sehr schön an den Monolog des Protagonisten bzw das Hörspiel-Setting angepasst. Es besteht bei dieser Art der Umsetzung die Gefahr, dass es zu einer inszenierten Lesung wird, dies ist jedoch nicht der Fall, das Hörspiel-Feeling bleibt durchgehend erhalten). Die Musik rundet alles wieder perfekt ab, eben wie man es in dieser Qualität bei MindNapping gewohnt ist. 

Neben Torsten Michaelis sind dieses Mal Julia Casper, Constantin von Westphalen, Detlef Bierstedt, Dagmar Dreke, Detlef Tams und Robert Missler dabei. Wen ich sowieso sehr mag, und wer dieses Mal wohl jedem Hörer besonders auffällt, das ist Luise Lunow in ihrem kurzen Auftritt als Hebamme. Typische Szene im Stil von "wir besuchen mal die alte Dame, die als einzige weiß, was damals wirklich vorgefallen ist" - und dann sitzt dort eine tatterige Person, die nicht so ganz unterscheiden kann zwischen Wahn und Wirklichkeit, die natürlich keine Aussagen aber jede Menge Andeutungen macht, bevor sie dann wieder ganz in ihre Gedankenwelt abdriftet und mehr Fragen als Antworten hinterlässt. Immer wieder gut ;-)

DIBBUK ist also ein Hörspiel, das den Experimenten der Reihe treu bleibt und dieses Mal mit einer ungewöhnlichen Erzählweise und einem eher ungewöhnlichen Thema aufwartet. Durch und durch gelungen, mit Mehrwert beim zweiten Hören. 

SaschaSalamander 18.11.2016, 08.42

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