SaschaSalamander

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Lady Bedfort 67 - Die verschlossene Kammer

Ein junges Pärchen interessiert sich für das Haus - und am nächsten Tag verstirbt die Eigentümerin, die das Grundstück niemals verkauft hätte. Reichlich mysteriös. Und wie es der Zufall wieder einmal will - die Verstorbene ist Max´ Vermieterin. Klar, dass Lady Bedfort im nächsten Moment an Ort und Stelle ist, noch vor der Polizei ;-)

Altes Haus, jemand soll ausziehen, es spukt, andere wollen unbedingt das Grundstück haben. Woher das plötzliche Interesse? Nein, wirklich neu ist die Idee nicht, und daher dürfte die Auflösung auch kaum jemanden überraschen. Und trotzdem weiß die aktuelle Folge wieder zu gefallen:

abgesehen von der recht bald versterbenden Vermieterin gibt es nur vier zusätzliche Akteure: das junge Pärchen, ein Bankangestellter und der Makler. Dass nur einer von ihnen (oder mehrere) der Täter sein kann, ist wohl kein großer Spoiler. Und doch verfolgt man gespannt, wie sich die Handlung entwickelt, welche Entdeckungen die Lady macht, wie sie ermittelt und wer nun schuldig ist. Denn auch, wenn die Grundidee dahinter oft eine ähnliche ist, das Karussell dreht sich jedes Mal neu, das genaue Motiv variiert, die Beteiligten sind auf unterschiedliche Weise verstrickt. 

Dazu kommt, als Schmankerl für Max-Fans, dass er das erste Mal seit seinem Auftauchen wieder richtig dabei ist. Nicht in kleinen Szenen und Dialogen, sondern als Protagonist, der nicht nur den Mord beobachtete, sondern auch endlich wieder neben der Lady ermittelt.  

Es ist schön, dass verschiedene Autoren an der Serie arbeiten, durch die verschiedenen Ideen kommt Abwechslung und frischer Wind. Doch seit dem verrückten Hutmacher in Folge 37 ist es Marc Freund, der der Serie Stabilität verleiht und auf den man sich immer verlassen kann. Er vermittelt genau das richtige Flair, um sich in der Serie so richtig wohlzufühlen, und ich freue mich, dass gerade er diese für die Rahmenhandlung wichtige Folge geschrieben hat. 

Das neue digitale Orchester, das seit der letzten Folge zur Geltung kam, ist wirklich eine Bereichung für das Hörspiel. Und auch hinsichtlich der Sprecher wurde wieder geschickt ausgewählt: Sven Hasper, der aus AMADEUS gut bekannt ist sowie Jaron Löwenberg und Frau Pappert, die ebenfalls schon mehrfach bei Lady Bedfort auftauchten. Thomas Kästner und Evelyn Gressmann dagegen sind neu, und auch hier kann ich nichts einwenden. Der Hörplanet hat fast immer ein geschicktes Händchen für die richtigen Stimmen. 

LADY BEDFORT UND DIE VERSCHLOSSENE KAMMER ist somit eine Folge, die diesmal wenig Überraschungen bietet, über die ich nicht allzu viel erzählen kann, die dafür aber in gewohnter Qualität überzeugt und gefällt. 

SaschaSalamander 13.09.2013, 08.57 | (0/0) Kommentare | PL

Alice vs Wunderland

Über die Handlung von ALICE IM WUNDERLAND muss ich wohl nichts mehr erzählen. Was ALICE VS WUNDERLAND betrifft, erwarten den Leser viele bekannten Dinge (die Raupe, das Kaninchen, die Herzogin und ihr Mann, die Spielkarten, die Grinsekatze, der Hutmacher und all die anderen Figuren und Elemente), dennoch sollte man sich hier auf einiges gefasst machen: denn Alice steckt mitten in der Pubertät und verarbeitet die Krise nach der Trennung ihres Freundes Ronny auf ganz eigene Weise. Und während das Mädchen Erfahrungen sammelt und über sich selbst hinauswächst, kümmert sich ihre Mutter zwischen Sherry und Plastikblumengestecken eifrig um den Psychologen und Arzt, die sie ihrer Tochter wegen aufsuchen. 


AUTOR
 
Auch, wenn ich in (fast) allen literarischen Genres und Nationalitäten unterwegs bin, bevorzuge ich doch unsere heimischen Autoren. Und besonders diejenigen, die mich mit ihrem Erfindungsreichtum überraschen und bei denen kein Buch dem anderen gleicht. Eine meiner Entdeckungen ist Christian von Aster, der mich seit eineinhalb Jahren immer wieder begeistert. >Gedicht<, >Kurzgeschichte<, >Roman<, >Videoclip<, aktuell sogar die Arbeit an zwei Filmen. Mal Fantasy, dann wieder Krimi, dann Satire, rabenschwarz, märchenhaft verträumt, auch ein Kinderbuch findet man unter seinen Werken. Mal Texte zum raschen Überfliegen, ein andermal Satzkkonstrukte zum Auseinanderfitzeln und Wort-Für-Wort-Erarbeiten, ein andermal lautmalerisch melodisch. Wer ein Buch von ihm aufschlägt, der muss für alles bereit sein und mit allem rechnen. Auf jeden Fall aber mit Hintersinn und Esprit.


GENRE

Oh, wie ich Bücher liebe, die sich keinem Genre zuordnen lassen! Der Buchhandel sieht das leider anders, denn für genreübergreifende oder gar genrelose Bücher wurden noch keine Regale erfunden. Schubladen langweilen mich, und daher ist ALICE VS WUNDERLAND einfach genial für mein neu-gieriges Hirn: 

Schon bei der simplen Trennung in Unterhaltung und ernsthafte Literatur wird es schwierig. Unterhaltsam zu lesen, nette Zeichnungen, jede Menge Spaß und Seitenhiebe, trotzdem voller Tiefgang, sprachlich und inhaltlich ein literarisches Experiment. 

Nonsensliteratur, auf jeden Fall. Neologismen, völlig unserer Realität widersprechende Gesetzmäßigkeiten und Regeln, ungewöhnliche Metaphern, verspielte Sprache mit scheinbar zusammenhanglosen Aussagen, jede Menge Wortwitz und wiederkehrende Stilmittel.

Der Autor selbst bezeichnet das Buch als Pubertäts-Dramödie. Klingt, finde ich, besser als die neumodischen Begriffe des Slice-of-life eines Jugendlichen oder Coming-of-Age. Und "Entwicklungsroman" wäre dann doch zu hoch gegriffen für die 104 Seiten in Buchkleinformat mit Großdruck und vielen ergänzenden Bildern. Ja, doch, Pubertäts-Dramödie trifft es einfach am besten.

Soweit also zu den Gedanken, was das Buch alles sein könnte und wo es inhaltich und stilistisch anzusiedeln ist. Wo man es auf keinen Fall ins Regal stellen sollte: bei den Kinderbüchern. Selbst, wenn Alice an sich und auch die niedlichen Zeichnungen dies vermuten lassen ;-)


BEZUG ZUM ORIGINAL UND ANDEREN WERKEN

Man kann gar nicht mehr zählen, wie oft Alice inzwischen als Zeichentrick, Real, Film, Serie, Roman, Comic, Manga, Computerspiel verarbeitet wurde, ob nun für Kinder, Jugendliche oder mit rotem FSK-Zeichen. Manche halten sich dabei nur sehr vage an das Original, während andere es recht genau nehmen. 

Christian von Aster hat die Charaktere als Vorlage genommen und gewissermaßen eine eigene Interpretation verfasst (ja, er lässt zwischen den Zeilen sogar den Autor selbst eine psychologische Analyse der jungen Alice vornehmen). Einzelne Elemente des Originals entfallen, es wurden vor allem die bekanntesten Elemente herausgenommen und neu in Szene gesetzt. So erfährt der Leser endlich eine Antwort auf die Frage nach dem Raben und dem Schreibtisch. Die Grinsekatze offenbart das Geheimnis ihres breiten Grinsens, und der Psychologe erklärt uns, warum es gerade ein weißes Kaninchen ist, welches Alice in das Wunderland führt. 

Was mir sehr gefällt ist, dass der Autor das Werk zwar selbst in Szene setzt und umarbeitet, dabei aber sehr eng am Stil des Originales bleibt. Andeutungen an mathematische Rätsel, eine Übernahme nicht der Sprache aber der Stilmittel, Anspielungen auf das Werk, den Autor und die Hintergründe. Es ist nicht möglich, all die Andeutungen zu erkennen, die auf jeder Seite versteckt sind, doch immer wieder gibt es kleine Aha-Effekte, an denen Fans von Lewis Carroll sich laben dürfen. 

Und damit es nicht so angestaubt ist (falls jemand auf die Idee käme, das von diesem zeitlosen Klassiker zu behaupten?!?), gibt es sehr viele Bezüge auch zu anderen Werken der Moderne, von Filmkomödien über Bücher, Filme, Autoren.


CHARAKTERE

Alice wird zerlegt und analysiert, das Buch beginnt mit ihrem Konflikt, dessen Erarbeitung und Lösung. Für die wenigen Seiten eine erstaunlich gut umgesetzte und vielschichtige Entwicklung, die der Autor präsentiert. Und während im originalen Werk lediglich Alice und die Bewohner des Wunderlandes zur Sprache kommen, spielt die Handlung hier parallel in der "realen" (nicht minder fantastisch als das Wunderland) Welt weiter. Während Alice aber nicht nur körperlich über sich hinauswächst, bleibt die Mutter in ihrer Entwicklung stehen, ein trauriges Abbild des Erziehungsversagens, gefangen in ihrer Welt aus Sherry, Plastikblumen und Alltagsgrau.

Die Charaktere des Wunderlandes wurden neu inszeniert, ihre Botschaften für Alice tragen zur Entwicklung während ihres Trennungsschmerzes bei und helfen ihr, den Wahnsinn der Realität besser zu verstehen. 


SPRACHE

Die >Kapitelüberschriften< sprechen für sich, auch einige >Zitate< habe ich Euch im Blog vorgestellt. Vor allem die Wortakrobatik ist es, die mich immer wieder zu Werken des Autors greifen lässt. Man spürt, wie er genüsslich mit Worten jongliert und Sprache neu zu erfinden versucht: ALICE VS WUNDERLAND ist ein kuioser Mix aus Alltagsdeutsch, Umgangssprache, Behördenstil, Alliterationen und kreativen Wortschöpfungen. 

Durch die ungewohnten grammatikalischen Konstrukte und neu zu erfassenden Worte liest sich das Buch eher langsam. Es verlangt die uneingeschränkte ihm gebührende Aufmerksamkeit, will erkundet werden. Verstärkt wird das auch durch den verspielten Font, bei dem man manchmal genau hinsehen muss, um ein Wort zu lesen.


ZEICHNUNGEN, AUFMACHUNG DES BUCHES

Die Textseiten sind nicht weiß sondern graubraun, wirken ein wenig dreckig, passen hervorragend zum erdigen Grundton der Zeichnungen. BenSwerk, die auch schon >DER WASSERSPEIER FLEDERMEIER< gestaltete, verleiht dem eigenwilligen Stil von Asters Gestalt. Die ganzseitigen Bilder sind verschnörkelt, perspektivisch verzerrt, die Farben und Muster erinnern an die Siebziger mit ihren psychedelischen orange-braunen Kringeln. Es macht Spaß, in den Bildern zu verweilen, immer wieder kleine Details zu entdecken, manchmal auch zweimal, dreimal hinzusehen, bis einem eine kleine Besonderheit auffällt. Noch nie habe ich ein so hübsches Paragraphenzeichen gesehen ;-)


FAZIT

ALICE VS WUNDERLAND ist eine ganz eigene, gelungene Neuinterpretation des Klassikers, die mit eigenen Ideen und stimmigen Zeichnungen überzeugt. Eines der Büchlein, die man zur Deko ins Regal stellt und dann immer wieder einen Blick hineinwirft, Neues entdeckt, sich festliest und die Zeit vergisst. Und eigentlich viel zu klein für das, was alles drinsteckt. 

Wertung: superb (das ist die frz Kurzform für "grandiös und kreativitätig)


SaschaSalamander 11.09.2013, 08.28 | (0/0) Kommentare | PL

Enders

Mein Gesamturteil über >STARTERS< fiel damals nicht allzu gut aus. Die Grundidee war gut, und mit einem starken zweiten Teil hätte man die Mängel des ersten Bandes ausgleichen können. Trotz meiner Kritik hatte das Buch es geschafft, dass ich mir den Folgeband holen musste. 

Die Zeit für eine volle Rezension möchte ich mir für den zweiten Band nicht nehmen. Denn ich könnte das, was ich am ersten Band bereits bemängelt habe, für die Fortsetzung 1:1 übernehmen - zuviel erklärt und zu wenig gezeigt. Die Hintergründe der Katastrophe bleiben unklar. Die Charaktere sind zu schwach ausgebaut. Der Leser fiebert nicht mit der Protagonistin mit. Die Story ist geradlinig und zwar nicht im Detail vorhersehbar aber doch recht klassisch gestrickt. Einzig die Dreiecksgeschichte fiel weg. Warum dann aber das Thema Romantik komplett wegfiel, ist mir ein Rätsel - warum ist sie im ersten Band so verliebt und ohne Grund im zweiten scheinbar nicht mehr als eine gute Freundin?

Und für meinen Teil ist damit eigentlich alles schon gesagt. Was ich sehr schade finde. Denn selbst, wenn die Charaktere hier nicht die treibende Kraft im Buch sind - hätte die Autorin offene Fragen geklärt und die Handlung besser ausgebaut, die Lücken des ersten Bandes gestopft und noch ein wenig Zuckerguss obendrauf, dann hätte es eine wirklich gute Dilogie sein können. So aber, wenn ich bei Amazon Sterne verteilen müsste, käme das Buch nicht über 2 von 5 hinaus. Immerhin hat die Autorin es geschafft, dass ich es nicht abgebrochen habe, sondern die Story soweit überflog, dass ich die (nicht vorhandenen) Inhalte erfasst habe. Und ich gebe zu, gegen Ende habe ich dann doch recht genau gelesen, um nichts zu verpassen, weil ich gefesselt war. Aber sie hat einfach alle Möglichkeiten verschenkt. Tut mir gerade bei diesem Buch weh, es ist schade drum :(

2,3 von 5 Bettelarmbänder

SaschaSalamander 10.09.2013, 09.06 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Lady Bedfort 66 - Die Providence-Verschwörung

Die Lady und Professor Portman machen Urlaub: sie besuchen das Providence-Inn, das von seiner Cousine Kate geführt wird. Doch statt Urlaub wittert Clara Bedfort sofort einen Fall, als einige Scheiben des Hotels eingeworfen werden. Gegen Kates und Portmans Willen beginnt die alte Dame zu ermitteln. Und dabei gerät sie selbst ins Visier - sowohl der Täter wie auch der Opfer. 

Vor dem Hören ging ich mit etwas Skepsis an die Sache heran, ein beschauliches Hotel ist keine besonders neuartige Kulisse. Und Ermittlung statt Urlaub ist auch nicht neu. Dann fehlen auch noch Miller, Gomery, Tim, Max oder andere vertraute Personen. Wenigstens Portman war dabei, der mir von der ersten Folge an direkt ans Herz gewachsen war. Doch die Folge überraschte mich vom ersten Moment an, begonnen bei der Musik und dann hinsichtlich der Handlung bis hin zum Finale. Aber der Reihe nach:

Die Musik ist sehr ruhig und passt zu der beschaulichen Idylle des Hotels in bester Lage. Ein ruhiges Viertel, ohne Kriminalität, alles friedlich. Doch die Idylle wird schnell getrübt. Erste Flecken erscheinen auf der weißen Weste, die Musik wird etwas weniger harmonisch, und je mehr sich offenbart, desto mehr verändern sich auch die Melodien, das Tempo. Abgesehen von den klassischen Motiven wurden einige Themen eingespielt, die die Serie insgesamt einmal auflockern und mir sehr gefielen. Die Musik ist in der Regel immer stimmig, ich mag Rohlings Kompositionen, doch dieses Mal war die Musik für mich wirklich eines der Highlights der aktuellen Folge. 

Auf Nachfrage erfuhr ich dann, dass das Label nun mit einer neuen Orchester-Library arbeitet. Das erklärt dann auch den ungewohnten Sound. Die Instrumente können nun realistischer als bisher in ihren Spielarten eingesetzt werden. Aber bevor ich die technischen Hintergründe näher erkläre - hört es Euch einfach selbst an, die aktuelle Folge ist musikalisch wirklich ein Leckerbissen! Und mit dem Wissen um die neuen Möglichkeiten kann ich es kaum erwarten, wie sich das auf AMADEUS auswirken wird! 

Ein wenig schade fand ich storytechnisch, dass Portmann der Lady so wenig entgegenzusetzen hatte. Eigentlich empfinde ich Tim als denjenigen, der sich eher von ihr führen lässt und ihr nachgibt, während Portman seinen eigenen Kopf hat und ihr intellektuell wie auch in Charakterstärke gegenübersteht, deswegen mag ich die Folgen mit ihm besonders. Doch hier lässt er zu, dass sie sich in seine Familie einmischt, einfach ohne den Willen der Cousine ermittelt. Zugegeben war mir Clara in diesem Moment sehr unsympathisch. Aber okay, dieser Charakterzug ist es ja, der einen Teil der Reihe ausmacht, auch wenn wir ihn nicht immer mögen: "Dass Sie meine Hilfe ablehnen heißt nicht, dass Sie keine bekommen", wie sie gegenüber Kate ausdrücklich betont. Tja, so ist sie ;-)

Während ich mich in den ersten Tracks noch darüber ärgerte, dass sie wieder einmal viel zu weit ging - folgte kurz darauf die Rechnung, und die Wendung gefiel mir außerordentlich gut. Denn was hier passiert, war schon lange fällig: wer ständig in fremder Leute Angelegenheiten schnüffelt, wer überall Fragen stellt, der macht sich verdächtig. Und so kommt es, dass hier plötzlich alle gängigen Rollen von Täter, Opfer, Ermittler und Verdächtige komplett über den Haufen geworfen werden. 

Durch geschickte Szenenwechsel, in denen einzelne Beteiligte über die Anschläge und möglichen Verdächtige diskutieren, wird es ziemlich unübersichtlich. Jeder könnte der Täter sein, sogar die Polizei steckt möglicherweise hinter den Drohungen. Jeder verdächtigt jeden, ein herrliches Verwirrspiel, bei dem ich dieses Mal sehr viel lachen musste und so richtig Spaß beim Hören hatte. 

Autor ist wieder Yann Krehl, der bereits für >LB 59 - DIE RACHE DER DRUIDEN< das Skript schrieb. Und auch  hier kann ich wieder sagen: eine im Grunde eher simple Story, die aber durch bissige Dialoge, sehr geschickten Aufbau und interessante Szenenwechsel genau das bietet, was ich von Lady Bedfort erwarte: der richtige Mix aus ein wenig Spannung (dem Genre entsprechend eher soft), gepaart mit interessant ausgebauten Charakteren und pfiffigen Dialogen. Bitte mehr davon, Yann! :-)

Für die aktuelle Folge konnten einige neue Sprecher gewonnen werden. So haben - falls ich nichts übersehen habe - zum Beispiel Ulf-Jürgen Wagner, Gerald Paradies, Markus Pfeiffer ihren ersten Auftritt in der Reihe. Und ich fand sie passend gewählt, sie haben die undurchsichtigen Charaktere und ihre Verschwörungen sehr gelungen verkörpert.  Peters-Arnolds, Debora Weigert und Martin Kautz sind bereits aus früheren Folgen bekannt, auch hier fand ich die Sprecherwahl stimmig und gut für die Folge geeignet. 

Insgesamt eine Folge, die zwar etwas gemütlicher startet, die sich dann aber zügig entwickelt und richtig gute Dialoge, Szenen und komische Momente bietet. Und das neue Orchester kann sich wirklich hören lassen :-)

Wertung: 9,5 von 10 Drohanrufe

SaschaSalamander 09.09.2013, 08.52 | (0/0) Kommentare | PL

Mindnapping 14 - Blutstern

Die aktuelle Folge MINDNAPPING 14 - BLUTSTERN ist nach >DER TRAUMTÄNZER< und >BEYOND THE CHINESE THEATRE< wieder ein Crossover. Diesmal mit Leon Kramer. Und ich muss zu meiner Schande gestehen - ich habe, glaube ich, schon mal irgendwo den Namen gehört, aber mir sagt diese Reihe überhaupt nichts. Keine Idee, wo ich das einordnen muss. Daher bewerte ich das Hörspiel rein als Fan der Reihe Mindnapping, ohne die Zusammenhänge beurteilen zu können. Aber ein gutes Crossover muss es schaffen, die Freunde beider Seiten zufriedenzustellen, auch bei Kenntnis nur einer Reihe. Zum Autor Markus Topf kann ich wenig aus eigener Erfahrung sagen. Er schrieb bereits für mehrere Serien, etwa Pollution Police, Team Undervocer, Mord in Serie oder Christoph Schwarz sowie Drehbücher für RTL2. Das meiste davon ist mir unbekannt, in zwei der Hörspiele habe ich schon einmal hineingeschnuppert, Topf als Autor allerdings fiel mir noch nie zuvor direkt auf. Na, wenigstens das hat sich ab heute geändert :-)

Zum Inhalt: Leon Kramer, deutscher Ermittler im Ruhestand, wird hinzugezogen, als ein Serienmörder in New York umgeht. Es scheint sich um Ritualmorde zu handeln, und Kramer soll die entscheidenden Hinweise entschlüsseln. Obwohl es anfangs sehr gut vorangeht, ist ihm sofort klar, dass mehr dahinter stecken muss, und bald wird es richtig gefährlich für ihn und sein Team. 

Die Story entwickelt sich ziemlich geradlinig. Auch, wenn es eine Wendung gibt, ist diese vorhersehbar und bietet keine Überraschungen. Die Handlung beginnt im Vorspann mit lauter Musik, einem Mord, und dann taucht auch schon Leon auf. Die Ermittlungen laufen absolut klassisch ab, bieten für meinen Geschmack keine nennenswerten Höhen oder Tiefen. Als ich im Hörspiel das Spezialgebiet von Leon Kramer erfuhr, freute ich mich bereits auf Mysterium, Düsteres und auch Knallhartes. Aber knallhart und düster wirkte auch mich nur der Einstieg, wobei sich das nach einem sehr derben Schimpfwort dann auch erschöpfte und danach eigentlich sogar recht zahm ablief. Bin ich schon sosehr abgestumpft? Oder ist Leon Kramer eher eines der softeren Hörspiele? 

Statt einer mitreißenden Handlung wird verstärkt Augenmerk auf ereignisreiche Szenen gelegt. Es kam dennoch keine wirkliche Spannung bei mir auf, mir fehlte der Biss, ich fühlte mich offen gesagt unterfordert, und das bin ich bei MindNapping nicht gewohnt. 

MindNapping bedeutet für mich vor allem unerwartete Twists, düstere Geheimnisse, eine packende Story und von Beginn an die Frage, wie diese anfangs stets krude und verwirrende Story sich am Ende auflösen wird. BLUTSTERN habe ich gehört, die Zeit verging recht rasch wegen meiner Werkelei nebenbei, und dann dachte ich plötzlich "wie, das wars schon? Kommt da nicht noch mehr? War es das wirklich schon alles?" Mir fehlte einfach der Aha-Effekt am Ende, das Besondere, das MindNapping normalerweise auszeichnet, der Höhepunkt am Ende. Und trotz der vielen Charaktere wurde wenig Tiefe eingebracht, man hätte definitiv mehr aus der Story machen können, sehr viel mehr. Vielleicht hätten ein paar mehr Minuten dem Hörspiel gut getan.

Ich muss ehrlich sein, neugierig auf Leon Kramer hat mich diese Episode nicht gemacht. Falls alle seine Fälle so geradlinig ablaufen, falls er auch sonst so brav und nett wirkt wie hier, dann fehlt ihm für meinen Geschmack einfach der Biss. Der Beschreibung entsprechend hatte ich eher mit ein paar rotzigen Sprüchen gerechnet, mit einem markanten Kerl, einem der dem Okkulten und Dunklen die Stirn bietet. Statt dessen wirkte Leon auf mich eher wie ein Ermittler aus dem Sonntag-Abend-Tatort. Vielleicht ist die Reihe um den deutschen Leon tatsächlich etwas zahmer als Mindnapping. Dann könnte sie mir, falls sie diesen Stil insgesamt durchzieht, vielleicht sogar gefallen. Aber in Verbindung mit MindNapping ist es meiner Ansicht nach denkbar ungeeignet. 

Aber das soweit zu meinem persönlichen Geschmack. Was die anderen Punkte betrifft, überzeugt AudioNarchie wie gewohnt mit herausragender Qualität. Die Sprecherliste ist dieses Mal enorm lang, 19 Namen werden genannt, unter anderem Patrick Bach, Helmut Krauss, Fabian Harloff, Oliver Böttcher. Es fiel niemand negativ heraus, aber es hat sich auch keiner besonders hervorgetan, es war ein sehr gutes Miteinander. Wenig Biss, aber das lag nicht an den Sprechern sondern an der Story, die Cast selbst hat gute Arbeit geleistet und herausgeholt, was möglich war. Trotzdem - 40 Minuten und 19 Sprecher, das ist eigentlich schon Verschwendung :(

Soundtechnisch die erste Minute im Club sei verziehen, dort ist die Musik ja tatsächlich stets lauter als der Text (auch, wenn das für ein Hörspiel ungünstig ist). Ansonsten empfand ich die Musik als sehr stimmig, sie unterstrich die Atmosphäre und fügte sich gut zum Rest des Hörspiels. Aber wie bei allen anderen Dingen: handwerklich absolut top, aber nicht herausragend erwähnenswert. Auch die Effekte waren gut eingespielt und zeigen, dass AudioNarchie ein Label ist, das sich vor den großen schon lange nicht mehr verstecken muss.

Naja. Jetzt fällt es mir schwer, eine Gesamtmeinung zu bilden. Für ein Hörspiel zwischendurch schon ganz nett mit der Musik, den Sprechern, der Unterhaltung. Für Mindnapping allerdings war ich dann doch etwas enttäuscht, weil ich - nicht handwerklich, aber inhaltlich - Besseres gewohnt bin. BLUTSTERN ist nicht schlecht, aber es passt nicht zu MindNapping und hat mich zwar nicht generell enttäuscht aber doch sehr unterfordert. Darf bei dieser Reihe eigentlich nicht passieren ... 

Wertung: 6 von 10 Pentagramme


SaschaSalamander 06.09.2013, 08.45 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Schräge Bettgesellen

Vincent hat nach der Scheidung Probleme mit der Steuerbehörde. Als er liest, dass gleichgeschlechtliche Paare eine Steuerbefreiung erhalten sollen, hat er eine vermeintlich geniale Idee: er will seinen Kumpel und langjährigen Freund Ralph heiraten. Dieser ist verständlicherweise wenig davon angetan. Aber was tut man nicht alles für seinen besten Freund ... der Versuch, es in dem verschlafenen, konservativen Örtchen Yakandandah geheimzuhalten, misslingt. Und dann kommt auch noch ein Prüfer, der kontrollieren soll, ob es eine echte Beziehung ist oder sich um Betrug handelt. Da ist guter Rat teuer - wie soll man so schnell plötzlich schwul werden? 

Mit Paul Hogan und Michael Caton hat man zwei wirklich hervorragende Schauspieler gewählt, die das Dilemma sehr gut verkörpern. Zwei ordentliche, maskuline Kerle, bärbeißig und raubeinig, sympathisch in ihrer brummigen Art. Hier wird viel mit Äußerlichkeiten und Klischees gespielt, doch sie werden nicht plakativ aufgezeigt sondern oft subtil unterwandert und ins Gegenteil verkehrt. Je schwuler die beiden sein wollen, desto aufgesetzter wirkt alles, und desto deutlicher wird dem Zuschauer, dass genau das es eigentlich gar nicht sein kann. Männerfreundschaften erscheinen in einem neuen Licht, und am Ende wird plötzlich klar, worauf es eigentlich ankommt. 

Ein Schenkelklopfer ist SCHRÄGE BETTGESELLEN nicht, es veranlasst eher zum Schmunzeln, manchmal hintergründig manchmal direkt. Sätze wie "schwul wie ein Sack voller Schmetterlinge" oder "schlimm ist nicht, dass ich für schwul gehalten werde, sondern dass die Leute glauben, ich wäre mit DIR zusammen" sorgen für Lachen nicht über sondern mit den Beteiligten. 

Inhaltlich ist die Story sogar recht vorhersehbar, die Komödie ist klassisch aufgebaut. Aber das stört nicht, es ist eben eine angenehm leichte Unterhaltung. Ein Film über Liebe, den Zusammenhalt eines Dorfes und vor allem den Kern echter Freundschaft. 

Wertung: 6 von 10 Plüschteddies

(Anmerkung: und wieder zeigt dieser Film, dass die Bewertung nicht unbedingt aussagekräftig ist. Es ist kein Highlight, man hätte mehr daraus machen können, er bleibt deutlich unter seinen Möglichkeiten, mehr war nicht drin. Trotzdem hat die DVD es sofort in mein Regal geschafft. Obwohl er simpel und vorhersehbar ist, obwohl er nicht wirklich Tiefgang hat, der Film hat einfach Charme. Es ist nett, ihn mehrfach zu sehen, nicht wegen der Story sondern wegen der sympathischen Charaktere und des angenehm stillen Humors)

SaschaSalamander 03.09.2013, 08.48 | (0/0) Kommentare | PL

Sag beim Abschied leise Blödmann

Endlich begreift Charlotte, dass es Zeit ist, ihren Mann zu verlassen. Und während sie ihre Wohnung entrümpelt, sehnt sie sich nach ihrer jüngeren Schwester. Seit über elf Jahren hatte sie keinen Kontakt mehr mit ihr. Es gibt keine Möglichkeit, sie ausfindig zu machen, so vieles hatte sie schon versucht! Doch dann kommt ihr eine Idee: warum nicht beim damaligen Ex der Schwester nachfragen, ob der etwas über ihren Verbleib weiß? Und so hangelt sich Charlotte von einem Exlover zum nächsten. Ihr eigenes, eher graues Leben gewinnt plötzlich an Farbe und Abenteuer, und wer weiß, was sie bei dieser Suche alles finden wird?

Der tägliche Trott, das graue Wetter, die eigene Trägheit, da möchte ich mich gerade zu nichts aufraffen, solche Tage gibt es einfach. Ich wollte einfach mal wieder ein Buch, das mich zum Lachen bringt, das mich aktiviert, das mich motiviert. Und dafür schien SAG ZUM ABSCHIED LEISE BLÖDMANN einfach ideal. Und richtig: Ich habe so viel geschmunzelt, gelacht, mitgelitten, fühlte mich nach der Mittagspause (in der ich das Buch die letzten Tage gelesen hatte) jedes Mal aufs Neue beschwingt und fröhlich. Perfekte Gute-Laune-Lektüre, die mir diese Arbeitswoche so richtig versüßt hat. 

Die Charaktere sind kaum zu beschreiben, am besten übernimmt das die Autorin selbst: Auf Seite 93 heißt es: "Es gab wirklich immer mehr Verrückte auf der Welt, und aus ihr noch unbekannten Gründen drängten sie gerade alle in Charlottes Leben hinein". Herrlich schräg sind sie, Doro hatte wirklich einen sehr ungewöhnlichen Geschmack und liebte die Extreme und das Ungewöhnliche. Da kann es schon mal passieren, dass Charlotte auf ihrer Suche mit einem lebendigen Geparden konfrontiert wird, Affenskelette suchen soll, bei einem Kochvideo behilflich sein muss oder mitten in eine Hot-Yoga-Session platzt. 

Zugegeben, realistisch ist diese Anhäufung von Kuriositäten nicht unbedingt, aber das ist völlig egal, es ist einfach lustig. Und auch, wenn die Charaktere überzeichnet sind, die Figuren könnten einzeln betrachtet tatsächlich existieren, und einige haben mich tatsächlich an mir bekannte Personen erinnert, sodass ich häufig schmunzeln musste. Besonders der Esoteriker oder der erfolglose Musiker, das sind klassische Archetypen, von denen wohl jeder mindestens einen kennt ;-)

Charlotte jongliert zwischen Alltag, Berufsleben, der Suche nach ihrer Schwester und der Trennung mit ihrem Mann. Versucht eine gute Lehrerin, vernünftige Mutter, konsequente Exfrau zu sein und tritt dabei natürlich von einem Fettnäpfchen ins nächste. Der Spagat zwischen all diesen verschiedenen Rollen wurde von der Autorin sehr schön herausgearbeitet. Besonders gefielen mir Szenen, in denen das typisch weibliche Multitasking dargestellt wurde, etwa wenn sie gleichzeitig im Internet surft, mit ihrem Ex telefoniert und ihre Tochter beschäftigt. Gewürzt mit soviel Ironie und Situationskomik, dass man einfach herzlich lachen muss. Auch ihr Alltag als Lehrerin ist pointiert beschrieben, der Ton der Berliner Schule witzig eingefangen, die Schülerinnen sind wunderbar nervig und doch liebenswert dargestellt. Ach ja, und dann wäre da noch das ungewöhnliche Projekt, das den lustlosen Schülern Goethes Werther vermitteln soll ;-)

Ich habe Charlotte, ihre Tochter, ihre beste Freundin, all die Exlover und vor allem all die exotischen Tiere sofort in mein Herz geschlossen. Von mir aus hätte die Suche gerne noch einige Zeit weitergehen können, ich hätte nichts gegen weitere kuriose Begegnungen einzuwenden gehabt. 

Der Schreibstil ist angenehm leicht, die Handlung selbst ist (wenn auch nicht im Detail) relativ vorhersehbar, verläuft ohne nennenswerte Höhepunkte recht gleichmäßig, turbulent aber gut zu folgen. Trotzdem war das Buch für mich ein Pageturner, weil jedes Kapitel eine neue Geschichte aus Doros Leben enthüllte und ich es kaum erwarten konnte, welcher Hinweis diesmal die Suche fortsetzen würdet. Auch die Frage, welchem komischen Kauz man als nächstes gegenüberstehen würde, stellt sich. Und weil die Zufälle hier so wunderbar zusammenspielen, kommt natürlich einiges zusammen, trifft man manche Personen wieder, wo man niemals mit ihnen gerechnet hätte.

Ulrike Herwig kann es einfach: unterhaltsame, witzige Bücher schreiben, die so richtig gut tun. SAG BEIM ABSCHIED LEISE BLÖDMANN ist genau richtig für alle, die einfach  unbeschwert lesen und lachen möchten. 

Wertung: 9 von 10 mal Tundra-Sex

SaschaSalamander 02.09.2013, 08.53 | (0/0) Kommentare | PL

Porterville 11 - Der Hudson-Code

Nur kurz, nachdem der zehnte Band erschien, wurde nun auch Teil 11 veröffentlicht, DER HUDSON CODE. Protagonist ist diesmal Howard K Brenner, und man erfährt hier, dass er nicht nur doppeltes sondern mehrfaches Spiel spielt. Es wird diesmal ziemlich verwirrend, die Intrigen und Lügen PORTERVILLEs werden wunderbar aufgedeckt. 

Autor ist Raimon "Gabriel Burns" Weber, über den ich nach mehreren Beschreibungen hier im Blog nichts mehr weiter ausführen möchte. Ich mag seine Romane, seine Hörspiele und auch seine Anteile bei der Psychothriller GmbH. Man kann sie allen ans Herz legen, die gerne Thriller lesen, die nicht auf Gewalt und Action fußen sondern geschickt inszenierte Settings und jede Menge Mindfuck bevorzugen.

Die Geschichte ist im Vergleich zum Rest der Serie dieses Mal ziemlich "abgefuckt", heruntergekommen, stellenweise sehr eklig. Aber auf eine Weise, die richtig Spaß macht zu lesen, da all die entsprechenden Momente voller Blut, Drogen und Sex gekonnt in Szene gesetzt werden. Man verzieht angewidert das Gesicht, möchte gar nicht weiterlesen und rast dann doch ungebremst über die Seiten, weil man mehr davon will. Sehr gelungen, denn normalerweise verleiten entsprechende Beschreibungen mich eher, ein Buch beiseite zu legen, weil ich auf derartige Effekthascherei gut verzichten kann. Hier jedoch dient es nicht dem Effekt, sondern der Darstellung der aktuellen Situation in der inzwischen von Korruption und Verrat regierten Stadt. 

Alles wirkt dieses Mal sehr unwirklich, sehr surreal, der Drogenrausch ist greifbar beschrieben, und die gesamt Folge wirkt wie durch einen Schleier, nach dessen Lüften all die hinterhältigen Machenschaften und Brutalitäten umso massiver auf den Leser einschlagen. 

Es gibt zwar eine Handlung, doch diese ist in Folge 11 recht knapp bemessen. Ein Großteil des Textes besteht in den Ansichten und Gedanken Brenners, seiner zum Teil verzerrten, zum Teil auch sehr klaren Wahrnehmung. Durch ihn erfährt man aus der Sicht eines Mitwissers mehr über die Führungsriege der Stadt und ihre Pläne. Wenn es nach mir ginge, hätte er ruhig noch 50 bis 100 Seiten weiter philosophieren können über die Herstellung von Milch, die Bekämpfung von Greybugs, die Pläne Eleanores, die Vorzüge der Insider gegenüber den normalen Bürgern, die Geheimnisse um Hudson und die frühere Verschwörung.

Einziger Wermutstropfen, den ich aber nicht Autor oder Verlag anlaste: langsam wird es mir mit all den Namen etwas zuviel. Der DARKSIDE PARK, PORTERVILLE - alte und neue Charaktere, manche tauchen in beiden auf, einige haben die Seiten gewechselt, andere spielen doppeltes und dreifaches Spiel. Langsam ist es kaum noch möglich, durchzublicken. Ich wünschte, ich hätte mir von der ersten Folge an ein Personenverzeichnis angelegt, aber damit konnte man als Einsteiger in die Serie natürlich nicht rechnen. Ich denke, dass es durch das fehlende Wissen, wer nun eigentlich wer ist, inzwischen recht schwer fällt, Zusammenhänge zu erkennen, die AHA-Effekte werden weniger, obwohl sie vermutlich noch immer vorhanden sind. 

Nach der letzten, eher etwas enttäuschenden Folge hat die Reihe mit dem HUDSON CODE wieder ordentlich angezogen, sodass das Warten auf Teil 12 umso schwerer fällt ;-)

SaschaSalamander 29.08.2013, 08.36 | (0/0) Kommentare | PL

Die Verratenen

Ria ist Teil eines Systems in den Sphären, und sie ist gut, gehört zu den Besten, ihre Zukunft sieht positiv aus. Doch dann belauscht sie ein Gespräch, in welchem jemand sie und ihren besten Freund sowie einige weiteren Studenten der Verschwörung bezichtigt und sie zu töten plant. Und dann wird plötzlich all ihnen das Privileg zuteil, den Anführer persönlich zu treffen. Doch Ria ist klar, dass das ein Trick ist, um sie alle zu töten. Sie fliehen und verlassen das System, treffen auf einen primitiven Clan und müssen erfahren, dass alles, was sie bisher für wahr und richtig hielten, eine große Lüge war. Und dann erfährt sie, dass einer unter ihnen ein Verräter sein soll. Wem soll sie nun trauen, wie soll es weitergehen?

Dystopien gibt es derzeit wie Sand am Meer. Von Trilogien ganz zu schweigen. Als es neu war, habe ich mich daraufgestürzt, inzwischen verdrehe ich genervt die Augen und sehe mir meistens nicht einmal mehr an, worum es überhaupt geht. Dies hier war eine Ausnahme, denn von der Autorin Poznanski habe ich bisher nur beste Unterhaltung gelesen: >EREBOS<, >SAECULUM<, >FÜNF<. Mit der Dystopie DIE VERRATENEN wagt sie sich in ein für sie neues Genre, und ich war neugierig auf die Umsetzung. 

Offen gesagt hatte ich wenig Hoffnung, einfach weil die Titel sich alle zusehr ähneln, und weil meistens noch irgendeine Romanze dazugepackt wird, am besten noch das Dilemma dass die Prota sich zwischen zweien entscheiden muss, alles rappelvoll mit wilder Action, die Welt eher Mittel zum Zweck der Story als wirklich gut ausgefeilt. Aber es gibt gelegentlich Ausnahmen, und Poznanski zählt definitiv dazu. Der Roman gehört zu den wenigen, die tatsächlich mit eigenen Ideen aufwarten können und mir gezeigt hat, warum ich dieses Genre damals so gerne gelesen habe. (Wie gesagt: "eigene" Ideen. Neu sind sie nicht unbedingt, dazu ist die Jugenddystopie inzwischen zu breitgetreten. Aber etwas Neues habe ich auch nicht erwartet).

Die Handlung wird erzählt aus der Sicht Rias. Der Leser / Hörer weiß nur, was auch sie weiß, sodass viele Fragen ungeklärt bleiben. Mag sein, dass manche vielleicht den Verräter ahnten, ich jedoch kam nicht darauf. Denn Ria ist recht intelligent, und dies spiegelt sich in dem Buch wieder, ihre Gedankengänge sind vernünftig und in sich schlüssig, sie beobachtet ihre Welt sehr aufmerksam, trotzdem bleibt Ihr manches verborgen. Mir war sie sehr sympathisch, ich konnte mich hervorragend in sie hineinversetzen. Dem Erzählstil entsprechend werden die anderen Charaktere aus ihrer Sicht beschrieben, sodass sie weniger intensiv dargestellt werden können. Dennoch bekommen auch sie jeweils Eigenheiten, Persönlichkeitsmerkmale, man kann sie sehr gut unterscheiden und weiß immer sofort, wen man vor sich hat, trotz der vielen Charaktere kam es für mich niemals zu Verwechslungen (was ungewöhnlich ist, bin echt gut darin, Namen ständig durcheinanderzubringen). 

Es gelingt Poznanski, die zukünftige Welt ausführlich zu beschreiben. Erklärungen erspart sie dem Leser, dafür beschreibt sie die Dinge wie nebenbei so geschickt, dass sich aus der Handlung und dem Verhalten bereits der Sinn ergibt und die Dinge sich von selbst erklären. Sie hat sich vor dem Schreiben wohl ein sehr gutes Konzept erdacht, sah die Sphäre und die Clans sehr genau vor sich und gibt dies nun durch Ria an uns weiter. Manche Fragen bleiben ungeklärt, allerdings scheint mir dies keine Lücke zu sein sondern wird vermutlich in den späteren Bänden erklärt. 

Ebenfalls gelungen finde ich, dass die Handlung nicht mit effekthascherischer Action vollgepackt ist. Wer DIE VERRATENEN liest, sollte auf jeden Fall ein wenig Geduld mitbringen. Es geschieht sehr viel, die Handlung ist dicht, dennoch verläuft es insgesamt eher ruhig, die Handlung entwickelt sich Schritt für Schritt, explizite Höhepunkte gibt es nicht wirklich, selbst tragische oder inhaltlich actionreiche Momente werden ruhig und behutsam erzählt. Langweilig wird es dabei dennoch nicht, denn die Beschreibung des Lebens im Clan, die Kontakte der Jugendlichen untereinander, Rias ausführliche Gedankengänge, all das vermittelt ein spannendes Bild und lässt den Leser inniger und vor allem nachhaltiger mitempfinden.

Julia Nachtmann als Sprecherin ist zwar bekannt, ich selbst kann mich jedoch nicht erinnern, schon etwas von ihr gehört zu haben. Es war meine erste bewusste Begegnung mit ihr. Anfangs fiel es mir recht schwer, denn sie spricht sehr still, zwar nicht monoton aber mit wenig Auf- und Ab, wenig Emotion. Ich weiß nicht, ob es dem zu lesenden Text geschuldet war oder ob dies ihr natürlicher Stil ist. Es passt sehr gut zusammen, allerdings führt das gelegentlich doch dazu, dass man sich als Hörer gelegentlich in Gedanken verliert, vom Buch abdriftet. Es gelingt ihr nur schwer, den Hörer "zurückzuholen" mit ihrer Stimme. Doch, wie gesagt, sie passt sehr gut zur Person der Ria, und ihr Vortrag ist abgesehen von ein paar fehlenden Melodien angenehm. In den wenigen Szenen, die doch von Aufregung, Gefahr oder starker Emotion geprägt waren, hätte ich mir dennoch etwas mehr Beteiligung gewünscht.

Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Band und bin gespannt, wie es für Ria und ihre Freunde weitergehen wird. Die Ausgangssituation hat sich nun grundlegend geändert, wodurch es ermöglicht wird, mit den bisherigen Charakteren ein in seiner Art völlig neues Buch zu schreiben, das den Leser mit anderen Konflikten konfrontiert als der erste Band. Also keine billige Fortsetzung der Verkaufszahlen wegen, sondern tatsächlich eine in mehreren Etappen zu erzählende Geschichte. Ich hoffe, dass der zweite Band mich ebenso fesseln wird wie der erste. Aber bei Poznanski habe ich da wenig Bedenken ;-)

SaschaSalamander 28.08.2013, 08.39 | (0/0) Kommentare | PL

Nashville oder das Wolfsspiel

Svenja studiert Medizin in Tübingen. Beim Einzug in ihre neue Wohnung findet sie einen Jungen im Küchenschrank. Er macht einen Kopfstand, ist stumm und verhält sich sehr ungewöhnlich, bekommt gelegentlich Panikattacken und verschwindet nachts heimlich. Aber er bleibt erst einmal bei Svenja wohnen, sie gibt ihm nach dem Aufdruck auf seinem Shirt den Namen Nashville. Bald findet man in der Stadt eine Tote, sie war obdachlos, und Nashville scheint sie zu kennen. Er kennt auch weitere Obdachlose in der Stadt, und weitere Tote werden folgen ... 

Ich möchte nicht zuviel über den Inhalt verraten. Da das Gewicht sehr stark auf Atmosphäre und Erzählweise liegt und die Handlung nur ein Teil des Ganzen ist, würde alles Weitere zu weit vorgreifen. Allerdings denke ich, dass die Handlung dennoch relativ vorhersehbar ist, für erfahrene Leser bieten sich wenige Überraschungen. Doch die sind es auch nicht, auf die es hier ankommt. 

Worauf es bei Antonia Michaelis ankommt, das ist die Melancholie, die in ihren Worten schwingt. Das ist die dichte Atmosphäre, die man beim Lesen empfindet, nur selten kann ich so tief in die Welt eines Buches abtauchen wie bei ihr. Die Sätze sind kurz und prägnant, kein Wort für den Inhalt zuviel. Dafür umso verschwenderischer in der Beschreibung von Gefühlen, Farben, Stimmungen, Gedanken und Eindrücken. Man verliert sich in einem kunterbunten Gewirr aus Gedankenfetzen, bis man selbst ein Teil der Gedankenwelt Svenjas und ihrer Freunde ist. 

Was bei Michaelis sonst ungesagt ist, spricht sie hier ganz deutlich aus: "auf dem Kopf", "verkehrt herum" und "zwischen den Zeilen". Das sind Begriffe, die sie immer wieder in verschiedenen Situationen verwendet, und diese Begriffe beschreiben einen Großteil ihrer Werke besser, als jeder Kritiker dies jemals tun könnte. Daher möchte ich mir weitere Erklärungen hierzu auch sparen ;-)

Ich mag es, wie die Autorin Spannung erzeugt, obwohl nur wenig passiert. Langsam, gemütlich und ruhig erzählend liest man von Mord, Obdachlosigkeit, Panikattacken. Aber auch von unerfüllbaren Idealen, zerplatzten Träumen, fremdgesteuerte Lebensplanung und Hilflosigkeit. Alle Themen werden sensibel geschildert, und es wird nachvollziehbar, wie auch völlig normale Menschen plötzlich obdachlos unter der Brücke schlafen, es könnte vielleicht jedem von uns passieren. Trotz der Dramatik ist das Buch auf seine Weise bunt, lebensfroh und sympathisch, ebenso wie die Charaktere, die sich immer wieder aufraffen und trotz der Widrigkeiten ihren Weg gehen. 

Charakterbeschreibungen sind eine große Stärke der Autorin. Oft lese ich, dass ihre Figuren unrealistisch seien, aber dem möchte ich widersprechen. Ja, sie verhalten sich ungewöhnlich, und ja sie handeln anders als viele Menschen es tun würden. Aber ich denke, sie handeln so, dass vor allem introvertierte Menschen sich sehr stark darin wiederfinden werden. Das unsinnige Handeln spiegelt die Unsinnigkeit des Lebens. Was man gerne tun würde widerspricht dem, was man eigentlich tun sollte, und um beidem gerecht zu werden, tun die Charaktere dann etwas ganz anderes, das am Ende als unbrauchbarer Anpassungsversuch scheitert. Genau das macht die Protagonisten für mich so sympathisch. Den Zugfütterer, den Idealisten, den Chaoten, den Jungen "zwischen den Zeilen", die perfekte Tochter, die Frau mit der Gitarre, den italienische Kater und all die anderen Originale. Sie sind mir ans Herz gewachsen wir es Romanfiguren sonst nur selten gelingt ... 

Da die Charaktere oft falsch (aber auch nachvollziehbar) handeln, stellen sich sehr viele moralischen und ethischen Fragen, die den Leser zum Nachdenken animieren. Oft habe ich mich gefragt, wie ich handeln würde, und ich fand keine Antwort. Es gibt Dinge, auf die gibt es keine Antwort. Und eine der wichtigsten Fragen des Buches lautet: "Was ist wichtiger - individuelle Freiheit oder eine Chance, am Leben zu bleiben?". Hand aufs Herz - was würdest Du antworten?

NASHVILLE ODER DAS WOLFSSPIEL wird angepriesen als Thriller. Gut, es geht auch um Morde und deren Aufklärung, und es gibt vereinzelt düstere Momente. Trotzdem möchte ich das Buch nur ungern als Thriller bezeichnen. Michaelis bewegt sich gerne außerhalb jeglicher Schubladen und Grenzen, sie schreibt Bücher fernab des definierbaren Mainstreams, daher ist es auch nicht möglich, es irgendwo konkret einzusortieren. Für den Handel leider ein Ding der Unmöglichkeit. Für die Leser aber hoffentlich ein Anreiz, so richtig neugierig zu werden ;-)

Zum Abschluss kann ich nur sagen, NASHVILLE hat mich begeistert. Obwohl es ein sehr ernstes Buch ist, fühlte ich mich nach dem Lesen froh, hoffnungsvoll. Ein Buch für alle, die gerne verkehrt herum denken, die Realität auf den Kopf stellen und zwischen den Zeilen lesen ...


SaschaSalamander 26.08.2013, 08.39 | (0/0) Kommentare | PL

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