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Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag:
Don´t worry, be German
Habe grad mal Lust, ein paar Bücher über Länder zu lesen. England, Amerika, Deutschland, demnächst dieses Finnen-Buch. Vergleiche ziehen, Positives herausarbeiten, Macken erkennen. Spannende Sache.NICHTS GEGEN ENGLÄNDER, UNTER DEUTSCHEN BETTEN und NOTHING FOR UNGOOD haben mich aus jeweils ähnlichen Gründen ziemlich genervt: weil voreingenommen eine Kultur schlecht gemacht wurde unter dem Deckmäntelchen des Beobachtens. Aber ich habe keine Lust, ständig zu lesen, wie gemein die Deutschen sind, wie dämlich die Engländer doch sind und wie unhöflich unsere Kultur ist und überhaupt Schließlich gibt es nicht "den" Deutschen oder "den Ami", sondern eine Kultur ist einfach ein Mischmasch aus allen, die darin leben, und da ist es unfair, alles über einen Kamm zu scheren und schlechtzumachen. Diese Bücher waren alle drei vielmehr Jammern als Beschreiben, und alle drei habe ich am Ende nur noch überflogen und dann weggelegt.
Da finde ich dagegen DON´T WORRY, BE GERMAN von John Doyle gerade sehr angenehm und auch witzig, das hat mir gefallen. Stellenweise zwar ein wenig klischeehaft, aber ich wollte ja auch kein Sachbuch, sondern einen persönlichen Erfahrungsbericht. Und klar, da schreibt der Autor natürlich davon, was er erwartet hatte und was er dann erhielt.
Ich finde es schön, dass er weder Amerika noch Deutschland als das bessere Land darstellt. Er arbeitet einfach die Unterschiede heraus und beschreibt, was ihm schwerfiel, als er damals hier nach Deutschland kam. Aber auch, wie er sich sosehr dran gewöhnte, dass er dann in Amerika Dinge vermisste oder anders machte als dort üblich. Er beschreibt, was ihm hier und dort besser gefällt, ohne dabei die andere Variante schlechter zu machen, arbeitet mit spitzer Feder Vor- und Nachteile eines Verhaltens heraus, sodass man am Ende nur sagen kann, dass beide Länder toll sind.
Eines von vielen Beispielen: er beschreibt, wie er anfangs erstaunt war, dass in deutschen Restaurants die Bedienung so viel langsamer ist als in Amerika. Dass man auf sich aufmerksam machen muss, wenn man zahlen will. Dass man manchmal ewig zu hocken scheint. Grade, wenn man es gewohnt ist, in Amerika zügig bedient zu werden und alles schnellschnell zu machen beim Essen. Das hat ihn sehr gestört, aber irgendwann hat er gemerkt, dass es auch mal toll ist, stundenlang mit nur einem Getränk im Café zu hocken und zu genießen, ohne wie in Amerika für den nächsten Kunden rausgeworfen zu werden. Und dass es schön ist, wenn man einfach gemütlich essen und plaudern kann, in Ruhe und ohne Hektik. Klar ist es lästig, wenn man zahlen will und keiner kommt. Aber es ist auch schön, wenn man nicht quasi schon rausdirigiert wird, wenn man bereits den letzten Happen auf die Gabel nimmt.
Nur ein Moment von vielen, aber das gefällt mir eben an diesem Buch. Dieser Kompromiss. "Hey, alles hat Vorteile und Nachteile". Und auch die unausgesprochene Essenz "sieh es doch positiv, statt Dich darüber zu ärgern". Er schafft es auch sehr gut, kleine Mängel anzusprechen und genau mit dem Finger in der Wunde zu wühlen, aber ohne dabei zu verletzen oder anzuprangern. Etwa die Sache mit dem "Du" oder allgemein einer laxen Begegnung ist schon ganz schön kompliziert mit ihren unausgesprochenen Regeln in Deutschland. Aber er beklagt sich nicht und wettert nicht. Sondern er schildert einfach seine viele Fettnäpfen, als er sich bei der Schwiegermutter zu locker vorstellte, als er den Nachbarn nach langer Zeit glaubte endlich mit "Tagchen" statt "guten Tag" begrüßen zu dürfen. Und dann erzählt er, wie Menschen, die sich seit 10 Jahren kennen und im selben Büro arbeiten nun auf einmal sich die Hand schütteln und zunicken, beschließen sich zu duzen und sich gegenseitig mir ihren Vornamen vorstellen, als hätten sie 10 Jahre zuvor nicht gewusst, wie der andere überhaupt mit Vorname heißt. Ja, da musste ich laut lachen, das ist schon schräg, wenn man das mal von außen betrachtet, er hat absolut recht! Aber es ist nicht schlimm. Sondern es ist lustig. Erst recht mit seinem Schreibstil, der mich unzählige Male zum Lachen brachte. Allein die Vergleiche zwischen der First Lady aus Amerika und dem "First Man" in Deutschland, oder die Beschreibung des First Dog! Ich habe herzlich gelacht! Ein Gute-Laune-Bauch mit vielen Aha-Effekten, bei dem man sich oft genug selbst ertappt.
Nachdem ich mit den ganzen anderen Titeln fast schon befürchtet hatte, kein passendes Buch mehr zu finden, hat dieses mir dann die Hoffnung gegeben, weiterhin in diesem Genre zu lesen. Es gefiel mir so gut, dass mein Freund wieder ständig dran glauben musste, weil ich ihm irgendeine Passage vorlesen musste. Wenn er nicht sowieso von sich aus fragte, warum ich schon wieder so lache. Es gab dann auch sehr viele interessanten Diskussionen, nachdem wir gemeinsam gelacht hatten, denn es steckt recht viel Wahrheit in diesem Buch, und bei einigen heiklen Themen hatten wir recht interessante Gesprächsthemen.
Wer also gerne einen cleveren und doch witzigen, sympathischen Blick auf die Schrullen und Eigenheiten der Deutschen haben möchte, der sollte die anderen Titel liegenlassen und auf jeden Fall zu John Doyle greifen.
SaschaSalamander 25.04.2011, 09.42 | (0/0) Kommentare | PL
Perloo
Als kleines Osterspecial gibt es hier mal eine meiner alten, bisher unveröffentlichten Rezensionen von Januar 2006. Was wäre geeigneter als ein warmherziges Kinderhörspiel über einen Hasen, geschrieben von einem meiner Lieblingsautoren in Sachen Tierbücher für Kinder, Avi ;-)*************************
Perloo, König der Montmer. Allein der Titel und das Cover des Hörspieles gefielen mir, als ich es in der Bücherei liegen sah. Vielleicht dachte ich im ersten Moment unbewusst auch an einen meiner Lieblingsromane, "Watership Down", auf dem ebenfalls ein großes Kaninchen prangt? Egal, ich war gespannt auf die Geschichte!
Der Held der Geschichte ist Perloo, ein Außenseiter und eigentlich alles andere als ein Held. Er ist ein eigenbrötlerischer Einzelgänger, liest am liebsten die alten Geschichten der Montmerkönige (Montmer sind Kaninchen) und träumt von großen Heldentaten. Eines Tages klopft Luka, ein Bote der Granter Jolaine (die Königin) bei ihm, er solle sofort zu ihr eilen. Perloo macht sich auf den Weg und hört, was Jolaine ihm verkündet: sie will ihr Amt nicht an ihren machtgierigen Sohn abgeben, sondern möchte ihm, Perloo, die Würde des Granter verleihen. Sie überreicht ihm eine Urkunde und stirbt. In diesem Moment betritt ihr Sohn das Zimmer, reißt die Urkunde an sich und erzählt dem Volke, Perloo habe seine Mutter getötet, nun sei er ihr rechtmäßiger Nachfolger. Seine erste Tat soll ein Krieg gegen die bösen Felbarts sein. Perloo und Luka fliehen. Können sie verhindern, dass der letzte Wille der Granter Jolaine gebrochen wird? Und eigentlich fühlt sich Perloo gar nicht danach, König zu werden ...
Herrlich, diese Hörspielfassung. Die Sprecher passen wunderbar zu den Charakteren, es sind sogar recht bekannte und beliebte Stimmen darunter. Die Geschichte wird zu Beginn, am Ende und am Höhepunkt der Handlung untermalt durch eine Art modernen "Heldengesang", in dem die Geschichte Perloos vorgetragen wird.
Freundschaft statt Feindschaft, Friede statt Krieg, gemeinsam statt alleine, Moral ohne Holzhammer. Perloo ist eine Geschichte mit liebenswerten Charakteren für Kinder und junggebliebene Erwachsene.
SaschaSalamander 23.04.2011, 09.36 | (0/0) Kommentare | PL
Tiere essen
Ich war viele Jahre Vegetarier (aus verschiedenen Gründen, würde jetzt zu weit führen), und ich interessiere mich sehr für das Thema Tierhaltung, Fleischproduktion, Herstellung von Lebensmitteln. Ich will auch gerne wissen, was ich auf dem Teller habe und kaufe auch recht bewusst ein. Völlig unvoreingenommen bin ich jetzt mal an dieses Buch herangegangen. Dabei habe ich wohl vergessen, dass der Autor weniger Wissenschaftler ist (Fachbuch) als vielmehr ein Erzähler. Bisher ist also noch nicht wirklich viel gesagt worden, das mir weitergeholfen hätte oder woraus ich für mich relevante Info hätte ziehen können. Nun, mal abwarten. Zumindest das Erzählen kann er (ist mein erstes Buch von ihm, daher habe ich keinen Vergleich), ich werde weiterhören. Auch, wenn seine Betrachtungen bisher Gedanken sind, die ich mir schon vor etwa 15 bis 20 Jahren gemacht habe, als ich mit diesem Thema anfing. Das Buch scheint eher für Neulinge zu sein). Irgendwie trotzdem seltsam, ein Buch über Tiere, Fleischproduktion und Ernährung, und doch kein Sachbuch, sondern eine Erzählung. Ich werde noch ein paar Kapitel brauchen, bis ich mich daran gewöhnt habe!
Diesen Titel nehme ich als Hörbuch zu mir. Wenn ich nicht gerade auf dem Weg zur Arbeit bin, höre ich meist bei Haushaltsarbeiten. Heute beim Kochen. Und irgendwie war es schon jeweils ein ganz blöder Zufall. Schlecht fühlte ich mich nicht, denn ich weiß was ich tue und warum. Trotzdem war es irgendwie unpassend ... passend ... whatever ...
als ich die Dose mit Thunfisch aus dem Schrank holte, begann er auf einmal von Seepferdchen zu erzählen und vom Thunfischfang, bei dem diese Tiere sowie Delfine usw als Kollateralschaden zu Tode kommen. Und zwar solange, wie ich brauchte, meine Thunfischsauce zuzubereiten *grml*. Und dann, als ich gerade dabei war, im Gefrierfach die Küken zu suchen (wir barfen unsere Katze, da gibt es auch mal sowas), erzählt er von seinem Einbruch auf die Truthahnfarm und von einem Tier, das dort qualvoll litt und den Gnadentod von ihnen bekam. Mannmann, irgendwie ein blödes Gefühl grade in diesem Moment ;-)
SaschaSalamander 22.04.2011, 19.59 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL
Verwesung
VERWESUNG ist nach >CHEMIE DES TODES<, >KALTE ASCHE< und LEICHENBLÄSSE nun das vierte Buch um den Arzt und forensischen Anthropologen David Hunter. Eigentlich muss ich über die Bücher nichts mehr erzählen, man kann davon ausgehen, dass jeder Krimifan sie entweder bereits gelesen oder zumindest schon von ihnen gehört hat. Die Meinungen gehen natürlich wie üblich auseinander, manche Fans loben alle Bände, manche meinen, das Niveau der Bücher würde absinken. Zu all den unzähligen Meinungen im Web soll sich hier nun also auch meine gesellen ;-)
Jerome Monk, brutaler Serientäter, festgenommen wegen Mordes an drei jungen Frauen. Das Buch beginnt in der Vergangenheit, als der Täter bereits inhaftiert ist und nun von Vollzugsbeamten ins Dartmoor geführt wird. Dort soll er zeigen, wo er die Leichen vergraben hat. Doch es läuft anders als geplant.
Gegenwart, Monk ist aus dem Gefägnis geflohen. Ein Kollege, welcher an den alten Ermittlungen beteiligt war, weist Hunter darauf hin, dass Monk nun beginnen würde, sich an den damals Beteiligten zu rächen, auch Hunter sei in Gefahr. Im Kreis der Ermittler geschieht ein Überfall, ein Mord, und es zeigt sich nach und nach ein unerwartetes Bild, das den damaligen Fall in einem neuen Licht erscheinen lässt.
Wieder habe ich mich auf Johannes Steck verlassen, der wie auch schon in den vorherigen Vertonungen mit seiner angenehmen Stimme überzeugte. Er nimmt sich zurück, trägt spannend vor ohne zu übertreiben und verleiht einzelnen Figuren eine eigene Dynamik. Die CD wie üblich sehr gelungen.
Das Buch an sich? Hier gehen die Meinungen nun wieder einmal stark auseinander, fast ebenso viele enttäuschte Leser wie auch begeisterte Fans. Meine Meinung dagegen liegt irgendwo dazwischen, ich möchte das Buch nicht in den Himmel loben, aber so wirklich schlecht ist es auch nicht. Nette, durchwachsene Krimikost, die gut unterhält.
Was dieses Buch auf jeden Fall deutlich unterscheidet von den ersten drei Titeln, und was mir sehr gefällt: es geht weniger um Ekelfaktor und grauslige Tatorte, sondern vielmehr um den alten Fall, um die damaligen Ermittler und um den Täter. Nicht wirklich ein psychologischer Krimi, aber zumindest nicht so effekthaschend wie die anderen. Ich vertrage harte Kost, aber mich stört die exponentiell immer ekliger werdende Darstellung in den Romanen, als müssten die Autoren sich gegenseitig überbieten, um sich ja von den anderen als noch lesenswerter, ekliger, brutaler abzuheben. Hierauf hat Beckett diesmal verzichtet, dafür danke ich ihm. Was jedoch nicht heißt, dass Freunde dieses Literaturzweiges hier enttäuscht würden. Dochdoch, es gibt schon eklige Beschreibungen und brutale Morde. Aber sie stehen dieses Mal weniger im Vordergrund.
Die ersten zwei CDs habe ich etwas mit mir gerungen, ob ich nun weiterhören möchte oder nicht. Für meinen Geschmack braucht das Buch diesmal etwas Zeit, um in die Gänge zu kommen. Vor allem, weil ich mir einige Male schon an den Kopf langen musste wegen der Logikbrüche bzw irrationalen Verhaltensweisen. Ich bin weder Mediziner noch Polizist, ich kann nicht mitreden. Aber manchmal wäre ein wenig gesunder Menschenverstand auch nicht zu verachten. Und auf diesen wurde hier vielmals verzichtet. Sowohl Hunter als auch die anwesenden Ermittler, die Psychologin, sie alle verhalten sich schon sehr unvernünftig, übersehen sehr viel, was sogar dem Leser sofort auffällt. Einige Dinge ergeben im Nachhinein einen Sinn (etwa das Verhalten der Psychologin. Manchmal hätte ich sie gerne geschüttelt und gefragt, ob sie von allen guten Geistern verlassen ist, später erklärt sich also der Grund. Was es in meinen Augen jedoch nicht wirklich sinnvoller gemacht hatte).
Später dann, als ich irgendwann resigniert aufgehört hatte, die unlogischen Verhaltensweisen der Ermittler, der Polizei, der Psychologin, des Arztes zu bemängeln, fand ich mich sehr gut in die Geschichte ein, die dann im zweiten Teil des Buches auch recht spannend wurde. Wo Beckett bisher auf eklige Beschreibungen der Leichen setzte, ist es dieses Mal vor allem das schaurige Dartmoor, das für eine Gänsehaut - Atmosphäre sorgt. Zu gerne wäre ich dort, würde es einmal live sehen. Sehr schön beschrieben, diese Szenen gefielen mir sehr. Und auch die Darstellung des Jerome Monk fand ich später dann wesentlich packender.
Das Ende ist typisch für die David Hunter - Reihe: recht konstruiert, sehr dramatisch und gefährlich, ein wenig an den Haaren herbeigezogen, aber immerhin abrundend und zufriedenstellend, sodass der Leser dennoch mit einem guten Gefühl auf den nächsten Band warten kann.
Fazit: für absolute Fans natürlich ein Muss. Ansonsten ist der Roman ein netter Krimi: einfache und spannende Unterhaltung mit gewissen Schwächen, die man dem Autor aber aufgrund seines Erzählstils und der Lebendigkeit der Personen gerne verzeiht. Und ich empfehle auf jeden Fall das Hörbuch, denn die Kürzungen stören nicht wirklich, und der Vortrag ist wie immer hervorragend.
SaschaSalamander 20.04.2011, 08.57 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL
Abgründe
ABGRÜNDE - WARUM MENSCHEN ZU MÖRDERN WERDEN. Wer könnte über dieses Thema besser schreiben als ein Mensch, der regelmässig mit Mördern zu tun hat? Jens Wilfling, Mordermittler in München, inzwischen pensioniert. Er hat den Sedlmayr- und den Moshammer- Fall aufgedeckt, er hat etwa 100 Fälle gelöst. Und nun schreibt er also über seine Erfahrungen.Eine Inhaltsangabe im klassischen Sinne kann man hier nicht geben, es ist ja kein Roman. Aber eine Umschreibung ist möglich: er schreibt im Vorwort, wie die Sieben Todsünden der Bibel sehr mit den Mordmerkmalen (Heimtücke, Habgier, Wollust u.a.) der heutigen Gesetze ähneln. Er schreibt nun in verschiedenen Kapiteln über einzelne Mordmerkmale. Jedem Kapitel widmet er entweder einen Fall (wenn es um einen konkreten Mordfall geht) oder mehrere Beispiele (wenn er einzelne Aspekte darlegen möchte).
Er sagt schon zu Beginn, dass er die psychologische Seite weglassen will, er ist schließlich kein Psychologe. Über diese Seite der Hintergründe muss man also andere Bücher lesen, wenn einen das interessiert. Und auch die juristischen Aspekte klammert er aus. Hier und da schreibt er zwar seine Meinung (wenn er über einige Möglichkeiten und Grenzen der Gesetzgebung frustriert ist), aber auch dies ist nicht Teil des Buches.
Ihm geht es um den Fall an sich. Er schildert meist, wie ein Fall ablief. Dann wird erzählt, wie er zu den Ermittlungen hinzugezogen wurde und wie er schrittweise dem Täter näherkam. Mal ein akribisches Detektivspiel aus endlosen Zeugenbefragungen, mal war der Täter bekannt aber nicht geständig, mal Kommissar Zufall. Es ist spannend, auch aus dieser Sicht zu erfahren, wie ein solches Verbrechen behandelt wird und welche Maßnahmen erforderlich sind zur Verurteilung.
Dieses Buch hat seine Stärken und Schwächen. Eine Schwäche liegt darin, dass man klar merkt, dass er eben kein professioneller Autor ist. Manchmal hat er einen Schreibstil, der doch sehr umgangssprachlich ist. Aber es passt in diesem Fall, denn es ist ja ein Erfahrungsbericht. Würde er gestelzt schreiben oder sich verbiegen, wäre es nicht mehr sein Buch, wären es nicht mehr seine Erfahrungen. Eine weitere Schwäche finde ich die eher unklare Struktur. Die Kapitel sind klar überschrieben, dennoch gibt es auch hier eine Inkonsistenz, etwa "morden Frauen anders als Männer" ist zwar sehr interessant, aber eben kein Mordmerkmal. Ich hätte dann entweder allgemeine Überschriften genommen oder aber wäre klar in der Linie geblieben (der Lektor sah das anders, ist also nur meine persönliche Meinung). Und bei den Fällen hätte ich es schön gefunden, ebenfalls eine Art klare Linie zu haben. Aber mal schreibt er erst vom Fall, ein andermal erst von dem Täter, das nächste Mal gibt es gar keinen Fall. Macht das Buch abwechslungsreich, aber auch etwas unstet und chaotisch.
Was mir etwas aufstieß war das Kapitel über das Thema "Perversion". Das, was er schreibt, war wirklich sehr heftig, ohne Zweifel. Aber es ging nicht um Morde. Sondern zuerst beschrieb er nur einen Fall, wo man einen Verdacht auf Kannibalismus aus sexuellen Motiven hatte, der sich dann aber einfach nur als Kontaktanzeige herausstellte von zwei Leuten, die zwar sehr heftig aber dennoch konsensuell miteinander agieren, ohne dass es illegal wäre. Danach beschreibt er ein paar Perversionen und Unfälle. Aber eben keine Morde. Dieses Kapitel kommt mir eher vor, als hätte er sich Luft machen wollen, was für seiner Ansicht nach abartige Dinge er schon alles gesehen hat (ob nun nicht strafbare Sodomie oder heftigste Praktiken im SM-Bereich). Passt überhaupt nicht ins Buch, und er wird hier auch sehr unprofessionell. In den anderen Kapiteln schreibt er fachlich aus der Sicht des Ermittlers, hier schreibt er rein als Mensch, welchen Ekel und Abscheu er für dieses Tun empfindet (was er beim brutalen Mord teilweise nicht tat, sondern immer wieder seine Professionalität ins Licht rückte. Sind ungewöhnliche konsensuelle Praktiken abartiger als brutaler Mord?!?).
Ansonsten jedoch gefiel mir dieses Buch sehr, sehr gut. Grade, WEIL es sehr menschlich war in Bezug auf die Mordfälle. Ermittler sind Menschen, keine Maschinen, und sie machen Fehler (dazu steht er und schreibt einige Male auch, dass er hier hätte anders reagieren müssen oder dass er sich hatte überrumpeln lassen oder zu weit ging und fast ein Diszizplinarverfahren bekommen hätte). Sie haben Gefühle, wenn sie einem Mörder gegenüberstehen. Und der vermeintlich süße Triumph weicht dann am Ende einer bitteren Schwere. Auch, wenn er sieht, wie seine harte Arbeit an der Justiz abprallt, welche einen Gewalttäter laufen lassen muss, weil die Beweise fehlen. Oder wenn jemand entlassen werden muss (Sicherheitsverwahrung war bei Jugendlichen damals nicht möglich), von dem man ahnt, dass es zu früh ist, und der kurz darauf tatsächlich erneut eine Straftat begeht.
Dieses Buch liest sich sehr flüssig, die Fälle machen betroffen. Ein wenig Sensationsgier mag bei manchem Leser mitschwingen, aber ganz klar ist dies nicht das Ziel des Buches. Sondern es zeigt dem Leser, welche Gründe einen Menschen zu Mördern machen können, welche verschiedenen Arten von Tätern es gibt und wie ein Ermittler dann mit diesen Erfahrungen bei seiner Arbeit umgeht. Sehr zu empfehlen für alle, die sich gerne mit diesen Themen befassen :-)
SaschaSalamander 18.04.2011, 09.26 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL
Schwarz auf Weiß
SCHWARZ AUF WEIß - SEXTIPPS EINES AFRIKANERS. Mal ein anderes Buch aus dem Marterpfahl-Verlag, von dem ich sonst fast nur deftige Romane und Kurzgschichten lese. Ein Ratgeber, da war ich mal sehr gespannt! In diesem Buch schreibt der Autor K T N Len´ssi aus seiner Sicht als Afrikaner, der in Europa lebt, von den Problemen, die wir Weißen mit der Sexualität haben. Er nennt zwölf Dinge, die in Afrika anders laufen und hier zu Frust statt Lust führen. Danach bietet er entsprechend zwölf Lösungsvorschläge. Grob zusammengefasst kann man sagen, dass er das Konzept der traditionellen Monogamie ablehnt, mangelnden Selbstwert als sehr stark hemmend erlebt, die Geschlechterrollen hier aufweichen sieht und fehlende Offenheit bemängelt. Auch ein paar andere Dinge werden genannt, etwa ungesunde Ernährung, Selbsttäuschung, Stress und andere.
Was mir gefällt ist seine offene, direkte Art. Er sagt es klar heraus, ohne dabei aggressiv zu sein oder anzuprangern. Der sympathische Schreibstil eines Menschen, den ich gerne mal persönlich kennenlernen würde und der durch seine aufgeschlossene Art zu überzeugen weiß. Er schildert klar seine Sicht der Dinge und was er dagegen tun würde. Gewürzt mit passenden Fallbeispielen aus seiner Arbeitspraxis als Berater wie auch aus dem Privatleben. Ich habe sehr oft anerkennend genickt und mir gedacht, wie recht er doch hat. Ja, so manches läuft wirklich schief in unserer Gesellschaft. In manchen Dingen habe ich mich ertappt gefühlt, bei anderen Momenten musste ich lächeln, weil ich dies für mich inzwischen auch erkannt habe aber nicht so offen wie er darüber reden könnte (einfach, weil es eben ein sehr intimes Thema ist, das man nicht einfach mal mit Freunden am Stammtisch bequatscht oder seiner Oma am Telefon erzählt).
Er bringt es klar auf den Punkt: habt Selbstvertrauen, seid kreativ, überdenkt mal die Gründe für Eure Eifersucht, und habt endlich wieder Spaß! Es ist kein Leistungssport, es ist kein Wettbewerb, es geht nicht um Körbchengröße oder Penislänge, liebt Euch selbst und lasst die dummen Ausreden, fangt endlich an! Es klingt so einfach, und doch ist es so schwer.
Das ist auch ein Kritikpunkt an diesem Buch: er scheint es sich in manchen Dingen sehr einfach zu machen. Er kritisiert zwar an den richtigen Stellen, die Lösungen aber sind mir etwas zu simpel. Allein aus dem ersten Kapitel, das er in wenigen Seiten behandelt, könnte man ein komplettes Buch machen. Wenn es so einfach wäre, wenn man nur mal kurz mit dem Partner redet, und schwupps ist alles gelöst. Er hat klare Ansichten, das heiße ich gut. Aber er scheint zu denken, dass man sein Lebensmodell auf viele Menschen überstülpen kann. Es ist einfach nicht möglich, mit einem Fingerschnipp Jahrzehnte an Erfahrungen, Werten und Normen einfach zu ändern. Afrika ist eben doch eine ander Kultur, und wenn dort nacheinander Mutter, Schwiegermutter, Schwestern etc den Haushalt nach der Niederkunft übernehmen, ist sowas hier einfach nicht so leicht möglich. Wenn dort Polygamie erlaubt und anerkannt ist, kann man es hier trotzdem nicht so leicht umsetzen und darf, falls man es lebt, auch nicht unbedingt jedem auf die Nase binden, wenn man sein Ansehen in der Gesellschaft wahren will.
Anfangs musste ich oft zustimmen, doch je weiter das Buch vorangeht, desto mehr habe ich das Gefühl, dass er ein wenig abhebt. Ich musste ziemlich oft schmunzeln. Klar, er hat in vielen Dingen recht, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Und was ich sehr amüsant fand, waren die vielen Anmerkungen des Verlegers. Gerade, wenn der Autor immer wieder die Vorzüge der Polygamie preist, ist ein Verweis auf Verhütung (ob nun mit Kondom oder gar der vom Autor aufgrund der lusthemmenden Chemie verteufelten Pille) einfach notwendig. Ebenso manche recht drastische Pauschalisierung wird dann mit einem kleinen Scherz vom Verleger "entschärft".
Trotzdem, auch wenn er ein wenig übereifrig ist. Und auch, wenn sein Lebensstil und seine Lebenseinstellung sich nicht auf jeden anwenden lässt - es steht verdammt viel Wahrheit in diesem Buch, und es liest sich sehr locker und angenehm. Verglichen mit anderen Sexratgebern, die ich bisher gelesen und wieder genervt in die Ecke gelegt habe ist dies das erste Buch, in dem ich für mich wirklich hilfreiche und passende Tipps finden konnte. Auch, wenn manches nicht so direkt umsetzbar ist, ist es eine sehr gute Anregung, mal das eigene Verhalten zu überdenken und endlich zu handeln statt zu diskutieren.
Wer dieses Buch liest, sollte auf jeden Fall aufgeschlossen sein. "Klassische"Sextipps wie bei Lou Paget gibt es nicht, die Art und Weise des Sex lässt der Autor dem Leser frei (wobei ich schmunzeln muss: trotz seiner Offenheit ist er schon sehr am traditionellen männlichen und weiblichen Rollenbild orientiert). Was er beschreibt ist vielmehr die gesunde Lebenseinstellung, welche zu einer aktiven, lustvollen Körperbetontheit führt. Ihm geht es darum, die Lust zu wecken und zu zeigen, wie man Lustkiller erkennt und ihnen entgegentritt. Und das ist ihm definitiv gelungen.
Jeden seiner Tipps wird man wohl nicht befolgen (können/wollen). Aber ist ja auch keine 1:1 Anleitung, sondern ein Handbuch mit Anregungen. Sex-Ratgeber lese ich wie Kochbücher: ich habe noch nicht ein einziges Gericht nach Rezept gekocht! Dafür aber habe ich mich inspirieren lassen, mir Appettit geholt und mir die Rezepte nach Gusto ein wenig variiert. Und wer diese Art offenen Ratgeber sucht, der wird hier auf jeden Fall fündig. Es gibt Hinweise auf weitere Titel des Autors, und die werde ich mir bestimmt holen, denn ich bin schon gespannt, was er noch aus seinem Schatzkästchen mit uns teilen wird.
SaschaSalamander 13.04.2011, 16.34 | (0/0) Kommentare | PL
Das Tal 1.4. - die Prophezeiung
In >diesem< Beitrag habe ich bereits einiges über das Tal von Krystyna Kuhn geschrieben. Nun habe ich auch den vierten Band gelesen, "die Prophezeiung". Leider ist passiert, was ich befürchtet habe. Aber erst einmal der Reihe nach:im vierten Band verschwindet einer der Studenten für ein paar Tage und kehrt völlig verändert, fast wie unter Drogen, voller Wahnvorstellungen, zurück ins Tal. Er kommt ins Krankenhaus, eine Rettung nicht in Sicht. Katie, Robert und David machen sich auf Spurensuche. Mit Hilfe bon Benjamins Kamera versuchen sie herauszufinden, wo er in der Zeit seiner Abwesenheit war und was geschehen sein könnte und begeben sich dann selbst auf den Weg an den von ihm besuchten Ort.
Nun ja, wie gesagt: wie ich befürchtet hatte. Die Story an sich wäre spannend. Aber es ist wieder das gleiche Schema: Rätsel, Spurensuche, Geheimnis, noch mehr Fragen als zuvor. Man hat auch Antworten, aber die fühlen sich für mich mehr an wie ein Anfüttern auf mehr. Ich denke an die Serie LOST, die ich irgendwann bei der zweiten Staffel abbrach, weil immer mehr rätselhafte Dinge geschahen und ich mir als Zuschauer ausgenutzt vorkam für Quote und Zahlen, und weil ich mich fragte, ob die Macher überhaupt wissen, worauf es hinausläuft, oder ob sie einfach nur eine spannende Story erzählen wollen, um Kohle zu machen.
Dies ist nun der letzte Teil der Bände 1.1. bis 1.4., im Herbst wird 2.1. erscheinen. Ich hätte gewünscht, dass dieses eine Thema, welches sich durch die ersten Bände zieht, abgeschlossen wird, sodass mit dem fünften Band etwas Neues beginnt. Aber wie es aussieht, wird es wohl 12 Bände geben, und der Leser wird ausgenommen, um auch ja jedes Buch zu kaufen.
Die Handlung kam mir im vierten Band recht zusammengestopselt vor, mir fehlte ein wenig die Spannung der vorherigen Bände. Außerdem - habe ich etwas verpasst, oder fehlt mir die Begründung für den Titel "die Prophezeiung"? Vielleicht lag es daran, dass ich allgemein schon ein wenig genervt war von dem "viele Fragen, fast keine Antworten". Vielleicht liegt es daran, dass es diesmal keine neuen Protagonisten gab (bisher hat man immer einen neuen Studenten intensiver kennengelernt. Diesmal ging es wieder um Katie. Ich hätte mir gewünscht, dass mal ein anderer im Mittelpunkt steht, z.B. Robert).
Für begeisterte Fans auf jeden Fall ein super Buch. Wer sich nicht an fortlaufenden Serien stört, wird ebenfalls begeistert sein. Krystyna Kuhn versteht es, den Leser zu fesseln. Ihr Erzählstil ist große Klasse und super Unterhaltung, die nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene begeistert. Auch ich werde mir den fünften Band wieder holen.
Aber wer sich genervt fühlt von der um sich greifenden Serienvermarktung, der wird halt das Buch lesen, nett finden und sagen "ich hab es ja gleich gewusst - schon wieder keine Antworten, und für das nächste Buch soll ich auch wieder löhnen, ich fühle mich wie eine Melkkuh" ...
nun gut, jedem seinen eigenen Geschmack. Wäre es nicht als Serie angelegt und würde den Leser von Mal zu Mal mehr im Unklaren lassen, dann wäre ich uneingeschränkt begeistert!
SaschaSalamander 12.04.2011, 09.57 | (0/0) Kommentare | PL
Der Märchenerzähler
Anna Leemann lebt in ihrer heilen Welt mit "blauer Luft", Musikunterricht, blühenden Rosen und ihren Freunden. Abel Tannatek lebt in einer heruntergekommenen Siedlung, umgeben vom "weißen Rauschen", finanziert seine Schule mit allerlei dubiosen Geschäften und kümmert sich um seine kleine Schwester, seit die Mutter verreist ist. Sie leben in verschiedenen Welten, und doch begegnen sie sich. Nur sehr zögerlich finden sie den Kontakt zueinander, eher zufällig. Anna lauscht den Geschichten, die der Junge seiner Schwester erzählt und wird somit in das Leben der beiden hineingezogen. Denn der Märchenerzähler erfindet nicht nur, sondern er erzählt von der Wirklichkeit, lässt reale Menschen zu Figuren seiner Erzählung werden. Das Märchen wird immer gefahrvoller, und für Abel und Micha wird zugleich die Welt immer bedrohlicher, bis sogar ein Mord geschieht. Kann Anna der kleinen Königin helfen, dem Diamantensammler zu entfliehen und das sichere Festland zu erreichen?Dieses Buch ist meine aktuelle Top-Empfehlung, denn es hebt sich deutlich aus all den anderen Titeln hervor. Es ist ein gekonnter Mix aus Märchen, Thriller, Romantik und Drama, den man in keine bekannte Schublade stecken könnte. Daher fällt es auch schwer, das Buch zu vergleichen oder zu beschreiben, sodass man einen völlig neuen Ansatz finden muss, davon zu erzählen.
Vorab sei erwähnt, dass DER MÄRCHENERZÄHLER als Jugendbuch vermarktet wird. Jedoch sind die Inhalte sehr intensiv, teilweise auch grausam und dabei erschreckend realistisch, sodass ich es doch eher für junge Erwachsene empfehlen möchte. Es wird ein Wertebild vermittelt, das auf den ersten Bild romantisch klingt, bei genauerer Betrachtung jedoch - meiner Ansicht nach - ungeeignet ist als Vorbild für junge Menschen.
Die Charaktere des Buches werden vor dem Leser lebendig, als kenne er sie persönlich. Mit nur wenigen Worten erschafft die Autorin Eigenheiten, Vorlieben, Angewohnheiten und lässt den Leser einen Teil der Welten werden, in denen Anna, Abel und Micha leben. Vom ersten Moment an bangt, fürchtet, hofft man mit ihnen. Das Buch aus der Hand zu legen - gleichbedeutend sich von einem guten Freund verabschieden zu müssen.
Auch der Aufbau fesselt, und einmal begonnen, befindet sich der Leser im Sog des Märchenerzählers. Das erste Kapitel sofort ein blutiger Einstieg, in dem zugleich sehr viel Traurigkeit mitschwingt, was ist geschehen, wann wird man endlich mehr darüber erfahren? Immer wieder glaubt der Leser nun verstanden zu haben, was das Märchen bedeutet, nur um sich dann auf einer anderen Fährte wiederzufinden, alte Vermutungen über Bord zu werfen, umzudenken und erneut in einer Sackgasse zu landen. Dabei sind die Märchen so eindeutig, so verständlich, wenn man sie im Nachhinein erkannt hat. Und so, wie wohl Anna nicht die Bedeutung hinter den Worten sehen will und ihre Augen verschließt, so wird auch der Leser am Ende die gesamte Wahrheit erkennen und feststellen, dass sie all die Zeit vor ihm lag.
Besonders erwähnen möchte ich den Schreibstil, der in seiner ungewöhnlichen Sprache ein wenig an "die Bücherdiebin" von Markus Zusak erinnert. Sinne werden miteinander verknüpft ("ihre Stimme schmeckte nach Eis", "sie ertrank in dem Blau", "sie beobachtete sein Schweigen"), tote Gegenstände werden lebendig ("Die blauen Stickgarn-Augen [... ] blickten müde und ein wenig ängstlich"), Farben spielen eine sehr wichtige Rolle, Menschen werden zum Teil ihrer Umwelt ("Es war, als wäre auch [Abel] weggetaut, mit dem Schnee verschwunden"). Ungewöhnliche Metaphern schmücken die Seiten ("Jahreszahlten surrten über ihren Köpfen durch die Luft wie merkwüdig gestaltlose Winterbienen", "es begann aus den entsetzten blauen Augen zu regnen"). Die Autorin setzt sich hinweg über die normalen Konventionen des Schreibens und stellt ihre eigenen Regeln auf. Anna nennt Abel gerne "Abel de Saint-Exupery", und auch das Buch selbst strahlt insgesamt sehr viel vom kleinen Prinzen aus. Eine kindliche Logik, und dabei doch tiefsinnig und hintergründig, gemalt in unschuldigen Worten.
Doch hier beginnt der Genre-Mix: hinter den unschuldigen Worten verbergen sich grausame Taten, neben Märchen, Diamanten, Einhörnern und Regenbögen gibt es in eine Anzahl an Verbrechen, deren Nennung dem Leser jedoch zuviel von der späteren Handlung vorwegnehmen würde. Und diese Verbrechen wirken umso tragischer, je unschuldiger der Handlungsrahmen ist. Niemand wird das Buch lesen können, ohne nicht spätenstens am Ende Tränen in den Augen zu haben.
"Der Märchenerzähler" ist ein Buch, das man nicht so schnell vergisst, für begeisterte Bücherwürmer ebenso wie für Leute, die nur wenig, dafür jedoch ausgewählt lesen. DIE Empfehlung im Frühjahr 2011 :-)
SaschaSalamander 11.04.2011, 09.40 | (0/0) Kommentare | PL
Das Wesen
Zuerst schrieb Arno Strobel den >TRAKT<, später DAS WESEN. Aufmerksam wurde ich jedoch erst bei dem Wesen, da das Thema mich sehr interessierte. Kaufen muss bei diesem Genre nicht sein, und bis ich es endlich geliehen bekam, dauerte es ein Stück. Also las ich zuerst den Trakt. Und ich bin froh, denn sonst hätte ich es vielleicht bei diesem einen Titel belassen. Aber erst mal der Reihe nach ...Vergangenheit und Gegenwart. Vergangenheit: Lichner wandert in den Knast, weil er angeblich ein Kind getötet haben soll. Die Beweise sprachen gegen ihn. Aber waren die Beweise echt? Oder hat der ermittelnde Polizist über die Stränge geschlagen?
Gegenwart: der Täter wird entlassen, in der Zwischenzeit ist viel geschehen. Wieder verschwindet ein Mädchen, diesmal Lichners Tochter. Er behauptet, keine Tochter zu haben. Aber wieder sprechen Beweise gegen ihn. Was ist wirklich geschehen? Gab es bei der damaligen Ermittlung Fehler? Spielt irgend jemand ein grausames Spiel?
Klingt faszinierend. Gab es schon mehrfach, aber ich mag diese Thematik. Justiz, Kriminalität, das ist einfach mein Gebiet, und ich finde es spannend, die unterschiedlichsten Ansätze und Gedanken zu verfolgen, selbst wenn sie nur fiktiv sind. Wenn dann der Täter noch ein angesehener Psychologe ist, wird es umso interessanter.
Vorab zum Hörbuch: es wird zu Beginn des Kapitels jeweils gesagt, in welchem Jahr das folgende Kapitel spielt. Heißt, vor dem Lesen nennt Sascha Rotermund eine Jahreszahl. Mal ehrlich - achtet Ihr auf sowas? Ich habe das glatt überhört. Und ich hatte einige Zeit ziemlich Probleme, der Handlung zu folgen. Bis ich dann nach ein paar Kapiteln einige Rezensionen las, weil ich das Buch fast weggelegt hätte. Ich hatte einfach nicht aufgepasst, aber danach verstand ich dann.
Wirklich besser gefiel mir das Buch danach nicht. Irgendwie wurde ich mit nichts warm. Kein einziger der Charaktere war mir sympathisch. Der Psychologe zu schmierig. Die Exfreundin undurchsichtig und komisch. Der leitende Ermittler ein von sich eingenommener Kerl ohne Gewissen. Sein Schatten daneben ein cleveres Bürschlein ohne Rückgrat, das zwar ahnt, dass etwas nicht stimmt, das aber trotzdem brav alles tut, was der Chef sagt, selbst falls dafür ein Unschuldiger für 15 Jahre hinter Gitter müsste. Nein, ich konnte und wollte mich mit keinem identifzieren. Ist kein Muss für ein Buch, aber es erleichtert das Lesen ungemein. Denn sobald man mitfiebert, will man wissen, wie es weitergeht. Wenn das fehlt, zieht sich ein Buch in die Länge wie Kaugummi. Zumindest mir geht es so.
Ab etwa zwei Dritteln spielt das Buch nur noch in der Gegenwart, danach wurde es spannender. Dies haben mir auch einige anderen Rezensenten bestätigt, sodass ich bis dahin fleißig durchhielt. Es hat sich gelohnt, das Ende war interessant und auch für mich überraschend. Sehr clever: hervorragend vorbereitet, intelligent gestaltet. Kurios aber realistisch (mehr oder weniger. Aber ein paar Freiheiten lasse ich dem Autor, schließlich bin ich kein Fachmann auf dem Gebiet dessen, worauf es am Ende ankommt. Vielleicht geht es. Vielleicht ist es überzogen. Egal, es war stimmig und passte zu den Figuren).
Trotzdem, auch wenn das Ende gefiel. Ein Buch sollte im Ganzen überzeugen. Ich war einige Male kurz davor, das Hören abzubrechen. Und ich frage mich auch jetzt noch, ob ich etwas verpasst hätte, wenn ich aufgehört hätte. Es war nett, okay. Aber es hat mich jetzt nicht vom Hocker gerissen.
Davon abraten kann ich nicht, dazu war es zu gut. Aber empfehlen würde ich es nicht, da rate ich dann doch eher zu anderen Titeln, wenn man gerne twisted plots, entlassene Straftäter, Kindsentführung, deutsche Krimis oder ähnliche Genres mag. Da DER TRAKT mir jedoch recht gut gefiel (dort war es umgekehrt: grandioses Buch, das Ende dafür nicht sosehr mein Ding), werde ich das nächste Buch - ich hoffe doch, dass er noch eines schreiben wird! - wieder lesen. Ich bin schon sehr gespannt darauf! :-)
SaschaSalamander 08.04.2011, 09.43 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL
Der Märchenerzähler
Gestern habe ich den MÄRCHENERZÄHLER beendet, und mir liegt soviel auf der Zunge, ich möchte so unendlich viel erzählen! Nun, ich habe immerhin eine sehr hübsche Zitatensammlung, die ich diese oder nächste Woche noch vorstellen möchte aus diesem Buch. In vielen anderen Rezensionen, die ich heute nach Beenden gelesen habe, fand ich kurze Zitate, und ich wusste in allen Fällen, wo sie standen, denn auch mir hatten sie so gefallen. Sehr eindringlich, einprägsam, keine flüchtigen Worte, sondern gemeinsame erlebte Momente vielmehr.Eine Sache gibt es trotzdem, die mir sehr aufstößt. Oder die mich unangenehm berührt, wie man es nimmt. Ich habe das Buch als Erwachsene gelesen. Bei manchen Jugendbüchern vergesse ich, dass es eigentlich für Jugendliche ist und gehe völlig darin auf, vergesse alles um mich herum. Das war hier der Fall. Deswegen las ich es mit meinen persönlichen Augen, mit meinen mir eigenen Erfahrungen. Und alles, was im Buch geschrieben wurde, hätte exakt so passiert sein können. Es ist realistisch und möglich. Und ich kenne sehr viele Menschen, die so handeln würden und kann auch alles, was geschrieben wurde, sehr gut nachvollziehen.
Doch das Buch ließ mich nicht mehr los, und auch danach habe ich noch sehr viel nachgedacht. Und wenn ich bedenke, dass das Buch für Jugendliche ist, muss ich über die Vermarktung mal wieder den Kopf schütteln. Denn der Inhalt ist definitiv nicht geeignet für Jugendliche. Es ist eher für junge Erwachsene, ich würde sagen so um die 19 oder 20 plus. Klar kann man es auch als jüngerer Mensch lesen, aber mir wäre nicht wohl dabei, einem 16jährigen Mädel möchte ich dieses Buch nicht gerne in die Hand drücken. Denn es wird etwas vermittelt, das so nicht sein sollte.
Hm, wie in Worte fassen, ohne zu spoilern und denen, die es kennen dennoch zu sagen, was ich meine? Nun, es geht ab Seite 300 etwa auch um das Thema Vergebung (Hinweis: Bootshaus). Ich finde es gut, wenn ein Mensch verzeihen kann, und ich ziehe meinen Hut vor der Person im Buch, diese Größe hat nicht jeder. Und dennoch muss ein Verhalten zu Konsequenzen führen, gerade in diesem Fall. Nicht vielleicht einem Bruch oder einer Trennung oder einer juristischen Sanktion. Aber man muss darüber reden, Dinge abklären, man kann einige Sachen nicht einfach ignorieren. Dies jedoch geschieht im Buch nicht. Es wird verziehen, doch es folgen keine Konsequenzen, kein klärendes Gespräch. Und das Bild, welches für Jugendliche entstehen könnte, gefällt mir nicht. "Die wahre Liebe" wird hier gleichgestellt mit selbstzerstörerischen Elementen.
Für erwachsene Leser ist das okay. Die brauchen in dieser Form kein Vorbild mehr. Außerdem haben sie hoffentlich inzwischen ihren Weg gefunden. Jugendliche dagegen könnten mit verklärten Augen Dinge sehen, die so einfach nicht richtig sind, sein sollten. Jeder darf handeln, wie er will, ich erlebe das immer wieder, und ich könnte heulen, wenn ich dann solche Menschen vor mir sitzen sehe, wenn ihr Leben den Bach hinuntergeht und sie aus edelsten Motiven handelten. Aber ich möchte dies nicht als Vorbild für pubertierende Teenager, die noch auf der Suche nach sich selbst sind empfehlen müssen.
Und dann gibt es noch etwas, das mich wundert. Sehr viele sagen, man könne nichts über das Buch erzählen ohne zu spoilern. Gut, die Sprache zu beschreiben fällt mir nicht leicht. Aber der Inhalt, den kann ich eigentlich recht gut erklären, und ich empfinde es nicht als "zuviel" (obwohl ich da selbst doch sehr pingelig bin). Außerdem sagen sehr viele, dass die Geschichten "wahr würden". Dies impliziert, dass die fiktiven Geschichten auf einmal real geschehen, so wie etwa bei TINTENHERZ. Es lässt an Fantasy-Elemente denken, wo keine sind. Dabei kann man doch einfach sagen, dass der Märchenerzähler die Realität in Märchen packt und das momentane Geschehen in feine Worte spinnt, hinter denen sich die Wahrheit versteckt. Das klingt dann schon nachvollziehbarer. Ich denke, dann hätte ich das Buch auch eher gelesen, weil ich nicht mit einem "schon wieder Mainstream Fantasy" gerechnet hätte.
Jedenfalls hat mich das Buch sehr, sehr begeistert, es ist eines der Highlights der letzten Wochen und wird sich vermutlich auch in der Jahresstatistik zu einem DER Bücher des Jahres 2011 entwickeln.
Aber gut, all dies sind Gedanken, keine Rezension. Ich werde mich bemühen, noch eine sachliche, neutrale Rezension zu schreiben ;-)
SaschaSalamander 07.04.2011, 17.52 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

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