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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Drama

Hansel und Gretel

hanselgretel_150_1.jpgDie Märchen der Gebrüder Grimm sind weit über den deutschen Kulturschatz hinaus bekannt und beliebt. Immer wieder sind sie Grundlage für Varianten an Märchen, Fantasy, Horror. Mal leicht abgewandelt, mal dicht an der Vorlage. Mal kindgerecht, ein andermal bluig oder sexuell für Erwachsene. Neben Rotkäpchen zählt Hänsel und Gretel zu den Märchen, die am häufigsten hierfür verwendet werden. Ich kann gar nicht zählen, wie viele ausländische Filme und vor allem Mangas ich bereits über Variationen der Gebrüder Grimm gelesen habe!

Eine besonders gelunge Version, die ich heute vorstellen möchte, ist "Hänsel und Gretel". Das Grundmotiv bleibt erhalten: Kinder im Wald, ein böser Mensch, die Kinder begehen Rache.

Eun-Soo fährt gerade zu seiner kranken Mutter, als er im Wald einen Unfall hat. Hilflos irrt er durch das Gehölz, als ihm ein hübsches Mädchen begegnet und ihn zu ihrem nahegelegenen Elternhaus führen will, wo sie mit Vater, Muter und zwei Geschwistern lebt. Alles dort erscheint ihm seltsam, aber er hat keine Wahl, als die Nacht dort zu verbringen. Am nächsten Tag bricht er mit einer Wegbeschreibung auf und will zurück zu seinem Auto, doch er landet am Abend wieder in dem seltsamen Haus. Noch hält er das für einen Zufall. Doch als ihm dieses mehrere Male immer wieder passiert, ahnt er, dass etwas nicht stimmt. Und plötzlich verschwinden die Eltern der drei Kinder und bitten ihn auf einem Notizzettel, für diese Sorge zu tragen. Immer seltsamer wird das Verhalten der Geschwister, immer bedrohlicher die gesamte Situation. Ein weiteres Ehepaar baut einen Unfall und wird von dem Bruder nun ebenfalls in das Haus geführt, kann nicht mehr entkommen. Die beiden Erwachsenen scheinen Böses zu planen, und Eun-Soo schwankt in seinem Verantwortungsgefühl für die Kinder und seiner Sorge um die eigene Familie zu Hause, für welche er seit Tagen verschollen gilt. Die Lage spitzt sich zu, und wenn er den Wald verlassen will, muss er zuvor das schreckliche Geheimnis der Kinder lüften ...

Erst recht spät gegen Ende des Filmes werden die Bezüge zum ursprünglichen Märchen "Hänsel und Gretel" sichtbar, und je deutlicher sie werden, desto faszinierter war ich von der Geschichte, welche die Koreaner hier gewoben haben! Der Film behandelt quasi die Frage was mit Hänsel und Gretel geschehen wäre, wenn sie nicht am Ende ihre bösen Eltern aufgesucht, sondern sich an allen grausamen Erwachsenen gerächt hätten.

Es ist kein "reinrassiger" Horrorfilm, aber dennoch ist er sehr unheimlich. Ohne Schockeffekte, ohne literweise Blut, ohne gruslige Effekte kommt der Film aus, und doch brennen sich die Bilder in ihrer Intensität ins Gedächtnis. Surreale Schauplätze bilden die Kulisse, schaurige Orte werden verzerrt und spielen mit den Urängsten der Menschen. Der Dachboden ist ein Labyrinth ohne Ausgang, der Wald steckt voller düsterer Geheimnisse, und die aufgesetzte Niedlichkeit des Hauses wirkt umso bedrohlicher, je bunter und zuckriger die Bilder werden. Kleine Holzpüppchen beginnen wie im Märchen zu fliegen und mit den Kindern zu spielen, ein Weihnachtsmann lässt Wünsche wahr werden.

Ein zauberhaftes Märchen, ein ernster Hintergrund. Die Handlung ist am Ende nicht leicht zu verkraften, und wie bei Asiafilmen üblich erfährt der Zuschauer, dass Gut und Böse nicht zwangsläufig Gegensätze sein müssen ...

Ich kann diesem Film nur jedem empfehlen, der offen ist für neue Eindrücke. Nichts für nebenbei, sondern tiefgründige Unterhaltung, bei der man sich in Ruhe auf das Geschehen am Bildschirm konzentrieren sollte. Ein Film, auf den man sich einlassen muss ...

SaschaSalamander 28.09.2009, 09.43 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Oben

oben_150_1.jpgDisney ist bekannt, da muss ich nichts mehr erzählen. Und Pixar ist auch jedem ein Begriff: Toy Story, Monster AG, Findet Nemo, die Unglaublichen, Ratatouille, Cars, Wall-E. Mit anderen Worten beide Firmen ein Garant für großartige Kinderfilme, die auch Erwachsene begeistern. Trotzdem war ich wenig angetan von der Werbung über das neue Werk "Oben". Ein Rentner, der sein Haus an Luftballons befestigt und damit fliegt. Aha, toll *gähn*. Aber meinem Freund zuliebe begleitete ich ihn dann doch ins Kino. Und ich habe es nicht bereut ...

Carl, ein eher schüchternes Kind, trifft auf die quicklebendige, quirlige Ellie. Sie sind verbunden durch ihr Hobby Luftfahrt und die Begeisterung für fremde Länder und große Abenteuer. Aus Freundschaft wird Liebe, sie heiraten. In Form eines Fotoalbums sieht der Zuschauer das Leben an ihnen vorübergleiten: die Hochzeit, die Freude über das erwartete Baby, die Trauer über dessen Verlust, das für die Südamerikareise gesparte Geld wurde dann für die Reparatur am Haus verwendet, der nächste Groschen landete im Krankenhaus, die nächste Pfennigflasche wurde für das Auto ausgegeben, und sie werden immer älter, sie führen ein glückliches Leben, doch ihren Traum können sie nicht erfüllen. Bevor Ellie stirbt, will Carl ihr den letzten Wunsch erfüllen und kauft Flugtickets nach Südamerika. Doch sein Geschenk kommt zu spät, Ellie stirbt ...

und hier beginnt der Film. Und eigentlich möchte ich jetzt gar nichts weiter erzählen, denn alles, was ich nun beschreibe, würde die Spannung vorwegnehmen. Deswegen nur noch knapp: Carl wird einsam und verbittert, und am Ende wird er per gerichtlichem Beschluss in ein Altenheim beordert. Doch bevor sie ihn holen, beschließt er, endlich seinen Traum zu leben. Er bläst alle Luftballons auf, die er im Haus hatte, und fliegt mit seinem Haus nach oben, Richtung Südamerika. Endlich will er die Paradiesfälle besichtigen und sich dort zur letzten Ruhe niederlassen. Zu dumm nur, dass der lästige kleine Pfadfinder beim Abheben gerade auf seiner Veranda war und ihm jetzt an der Backe klebt ...

Ich war restlos begeistert. Aber auch sehr erstaunt. Schon häufiger hatte Pixar ernste Untertöne in seinen Filmen. Doch dieser Film hier hat mich sehr, sehr oft zu Tränen gerührt, der Kloß in meinem Hals wurde immer dicke. So viele geplatzte Träume, so viel Trauer, Ungerechtigkeit! Für Kinder mag es in dem Film sehr viele Elemente geben, etwa die witzigen sprechenden Hunde, den süßen Vogel, den kleinen Jungen als Identifikationsfigur. Aber eigentlich ist es ein Film für Erwachsene. Lustig mag es aussehen, wenn zwei alte Männer sich mit Schwert und Krückstock bekämpfen und der eine ein Knacken im Knie verspürt, es dem anderen im Rücken zwackt. Aber eigentlich ist es eher traurig, mit anzusehen, wie der große Held aus Carls Kindheit plötzlich zu einem Gegenspieler wird, wie auch der letzte große Traum zerplatzt und der bitteren Realität weichen muss.

In diesem Film gibt es keinen einzigen Helden, nur Antihelden. Zwar musste ich immer wieder lachen an witzigen Stellen, aber das Erstaunen über das, was Pixar seinen jungen Zuschauern zumutet, überwog. Nun gut, ich kann schwer beurteilen, wie Kinder diese Aspekte des Filmes aufnehmen, und ob der wirklich sehr ernste Unterton ihnen überhaupt bewusst ist (kann ein Kind bereits nachempfinden, wie ein alter Mensch sich fühlt, der sein gesamtes Leben im Rückblick betrachtet und von einer Enttäuschung zur nächsten blicken muss und am Ende nichts mehr zu verlieren hat?)

Die Animationen sind sehr kindgerecht und bunt, mit Liebe zum Detail bearbeitet. Man sieht, wie Pixar von Mal zu Mal besser wird und die Filme auch optisch immer mehr an Qualität gewinnen. Die Menschen sehen zwar wie üblich extrem unrealistisch aus, aber daran habe ich mich gewöhnt. Dafür sind die Tiere und die Landschaft umso besser!

Die Geschichte ist witzig erzählt. Nicht ganz so temporeich wie viele andere Streifen der Firma, aber dafür stetig spannend und mit einem kleinen Lacher für die Kids. Kein Brüller, der im Gedächtnis bliebe, aber das würde auch nicht zu dem Film passen.

Ein Film, der offen Konflikte und elementare Themen anspricht (Umgang mit Senioren, vernachlässigte Kinder, Umweltschutz, Jagd ausgestorbener Tierarten, Respekt, Freundschaft, Familie, Lebensträume, usw), der aber trotzdem niemals mit dem moralisierenden Zeigefinger langweilt. Ob Spaß, Moral, Unterhaltung, gute Bilder, nette Musik, tiefgründiger Inhalt, es ist wirklich für jeden Zuschauer etwas geboten. Kleine Kinder allerdings sollten ihn trotzdem besser in Begleitung Erwachsener sehen, weil einige Szenen aus Carls Leben bestimmt Fragen hervorrufen werden ...

Ich überlege und überlege, aber ich kann nichts finden, was an diesem Film negativ anzumerken wäre ... im Gegenteil, je länger ich nachdenke, umso mehr positive Aspekte fallen mir auf! Deswegen höre ich an dieser Stelle auf, die Rezension hat bereits Überlänge ;-)

Auch, wenn der Film "dank" seiner bisherigen Vermarktung eher langweilig auf viele Kinogänger wirkt: man muss ihn unbedingt ansehen, dieses Werk ist wirklich etwas Besonderes ... --

SaschaSalamander 25.09.2009, 10.01 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Brügge sehen ... und sterben

bruegge_150_1.jpg"Brügge sehen ... und sterben?" ist ein Titel, den ich mir wohl nie angesehen hätte, wenn er mir nicht empfohlen worden wäre. Titel, Cover, nichts davon zieht seine Aufmerksamkeit auf mich. Gut, dass ich ihn mir trotzdem angesehen habe.

Ken und Ray sind Auftragskiller. Nachdem Ray seinen letzten Job vermasselt hat, wurden die beiden nach Belgien beordert. Da sitzen sie nun in Brügge, einer aus Kens Sicht wundervollen mittelalterlichen Stadt voller Faszination und Flair, einem aus Rays Sicht sterbenslangweiligen Kaff. Doch bald trifft Ray auf die hübsche Chloe und verliebt sich in sie, und so langsam beginnt auch ihm dieser Trip im Land "der Kinderschänder und der Schokolade" (Zitat Film) zu gefallen. Und als es gerade so richtig schön wird, beginnen die Probleme. Und ab hier möchte ich auf eine weitere Beschreibung verzichten, ...

es ist schwer, das Interesse für diesen Film zu wecken, wenn man nicht zuviel darüber verraten möchte. Aber so oder so - man sieht die ersten zehn Minuten, und man mag diesen Film oder nicht. Langweilige Bilder, platte Sprüche, null Handlung - das meinen die einen. Traumhafte Kulisse, subtiler schwarzer Humor und einen klasse Storyaufbau - das sagen die anderen. Es ist ein eher stiller Film, den man nicht einfach nebenbei konsumieren sollte, ein Film der Gegensäze, auf den man sich einlassen muss. Die Charaktere sind sehr eigenwillig. Immerhin sind die Protagonisten sympathische Berufskiller, eine niedliche Drogendealerin, ein zwergwüchsiger übellauniger Schauspieler und ein cholerischer Boss.

Was mich persönlich besonders begeisterte waren die Doppelmoral und die witzige Auffassung von Ethik in diesem Film. Aber so ist die Realität eben, es gibt kein Gut und Böse, kein Schwarz auf Weiß. Und das kann dieser Film wirklich gut vermitteln.

Und diesmal ist die Rezension verdammt kurz. Ich sitze hier und überlege, was ich schreiben könnte, um Euch "Brügge sehen ... und sterben" ans Herz zu legen, aber es ist einer der Filme, die zu beschreiben wirklich schwer sind. Ich kann einfach nur empfehlen, ihn anzusehen und selbst zu entscheiden. Ihr werdet ihn langweilig finden und sofort wieder beenden ... oder ihr werdet von der ersten Minute an begeistert sein und mitlachen, mitweinen, mitfiebern ...

SaschaSalamander 25.05.2009, 10.07 | (0/0) Kommentare | PL

Obsession

Kaum begonnen, schon habe ich das Hörbuch bereits beendet. Ein freier Tag, jede Menge im Haushalt zu erledigen, und schon musste ich mir etwas Neues zum Hören suchen ;-)

Als seine Frau stirbt, entdeckt Ben eine verschlossene Schatulle. Darin befindet sich die Geburtsurkunde ihres Sohnes sowie alte Zeitungsausschnitte über das Verschwinden eines Kindes aus dem Krankenhaus. Das Datum des Verschwindens deckt sich mit Jakobs Geburtstag. Ben, der seine Frau erst nach diesem Tag kennenlernte, beginnt sich nun zu fragen, ob Jakob vielleicht das gestohlene Baby von damals sein könnte. Er engagiert einen Detektiv und findet sehr schnell heraus, dass Jakob in Wirklichkeit "Baby Stephen" ist. Er liebt das Kind über alles, doch ihm ist bewusst, dass er den wahren Eltern das Kind nicht vorenthalten kann. Im Hinblick darauf, was das Beste für das Kind ist, macht er sich nun Gedanken, wie es weitergehen soll. Doch leider hat der Detektiv, den er beauftragte, den Fall in seine eigenen Hände genommen, und nun läuft alles ganz anders, als Ben es eigentlich für das Kind wollte ...

Ich möchte nicht zuviel verraten, deswegen stoppe ich an dieser Stelle, obwohl es noch einiges mehr zu erzählen gäbe. Und eines möchte ich vorab gleich anmerken: wer die forensischen Thriller von Simon Beckett begeistert verschlungen hat, der darf auf keinen Fall eine Fortsetzung oder ein Buch von ähnlichem Stil erwarten. "Obsession" ist wirklich klasse, aber es hat in keinster Weise irgend etwas gemein mit den drei aktuellen Romanen. Das Buch entstand VOR dieser Reihe, es wird derzeit von der Verlagen neu herausgebracht, um mit dem Namen des Autors weiteres Geld einzuheimsen. Was ich allerdings nicht schlecht finde, denn mir gefiel dieser Roman sehr gut. Allerdings würde ich ihn in der Kategorie Drama einordnen, nicht unter Krimi oder Thriller wie zu erwarten.

Ben war mir nach kurzer Zeit bereits sehr sympathisch, er ist menschlich in seinem Verhalten, und ich fühlte mich ihm stellenweise sehr nah. Und nun ist er in einen Konflikt geraten, den auszubügeln er sich alle Mühe gibt. Ich leide mit ihm, als alles aus dem Ruder läuft, und mehrfach hätte ich am liebsten die Gegenspieler gepackt, geschüttelt und ihnen klargemacht, dass sie so nicht agieren können, so geht man nicht mit Kindern um, so behandelt man keinen Unschuldigen (Ben, der nichts von der Entführung damals wusste). Bis zum Schluss fragte ich mich, ob all das Chaos doch noch zu einem guten Ende führen kann? Und ich konnte nicht begreifen, wie die Behörden ihm immer wieder so viele Steine in den Weg legen. Aber dies ist wohl auch das, was das Buch ausmacht: es ist frustrierend. Und zugleich leider so unendlich realistisch. Ich bin sicher, wäre dieses Buch real, exakt so könnte es sich zutragen.

Gegen Ende zieht sich der Roman ein wenig, aber da es ein Hörbuch ist, störte mich das nicht weiter, auf einer dreiviertel CD ist das flink gehört. Für einen Leser könnte es wohl etwas langwieriger werden, da bin ich gespannt, wie andere dies empfunden haben. Und ansonsten liest es sich sehr flüssig. Was zum Bestseller fehlt, kann ich nicht mal direkt sagen, es fehlt mir ein wenig der "Pfiff", das "gewisse Etwas", es ist spannend, aber nichts, weswegen ich die Nacht durchmachen würde. Dazu ist wohl einfach das Thema der Handlung ungeeignet, denn der Schreibstil an sich hat mich gefesselt, ich mag Becketts Texte.

Es ist kein Meisterwerk, ich reihe es auch nicht unter meinen Tipps ein, aber es ist ein Buch, das auf jeden Fall spannend ist, und das ich gerne weiterempfehle. Wer es liest, soll sich bewusst sein, dass er keinen Krimi in der Hand hat, sondern ein packendes Drama, in welchem ein Mann um das Sorgerecht eines behinderten Jungen kämpft. Ohne Schmalz, ohne Kitsch, dafür aber packend geschrieben. Mal was anderes ...

SaschaSalamander 22.05.2009, 17.22 | (0/0) Kommentare | PL

Abwarten ob bewegend oder schrecklich

rosnay_schluessel_150_1.jpgHeute habe ich angefangen, "Sarahs Schlüssel" zu hören. Im ersten Moment ist es mit den zwei Erzählebenen ein wenig verwirrend, mal springt er von diesem einen Mädchen damals zum anderen Mädchen heute. Aber gut, ich höre auf dem Weg zur Arbeit, in der Ubahn, während des Duschens, da ist es klar, dass man hier und dort mal kurz abgelenkt ist, an sich ist es sehr klar und verständlich. Die Rezension, durch die vor einigen Monaten meine Aufmerksamkeit auf dieses Buch gerichtet wurde, habe ich inhaltlich nicht mehr in Erinnerung, und mehr habe ich bisher nicht von diesem Buch erfahren, sodass ich keine Ahnung habe, worauf es abzielen wird. Aber ich vermute, dass es recht traurig werden wird, der Anfang ist bereits recht ... wie soll ich sagen ... nun, er lässt einiges erahnen, und ich bin gespannt, wie die Autorin mit diesem Thema umgehen wird ... ich habe schon viele Romane über das dritte Reich gelese, und manche hingen mir zum Hals raus, andere waren schrecklich, andere bewegend, ...

SaschaSalamander 06.10.2008, 13.32 | (3/2) Kommentare (RSS) | PL

Spur ins Schattenland

stroud_schattenland_150_1.jpgJonathan Stroud ist den Lesern des Fantasy und der aktuellen Jugendliteratur vor allem durch seine Bartimäus-Trilogie bekannt, die das Mächtespiel zwischen einem arroganten Jungzauberer und dessen beschworenem Dschinn hervorragend zeichnet. An dieses Werk denken die meisten Leser bei seinem Namen, und daran wird er gemessen. Ebenso großartige Bücher wie "Eisfestung" verschwinden ein wenig im Lichte des Dschinn, weil sich Realität und schwere, ernsthafte Themen leider nicht mit dem bissigen Sarkasmus einer fiktiven Gestalt messen können. "Drachenglut" ein netter Fantasy, leider im Schatten von Bartimäus komplett übersehen. Ähnlich leider auch "Die Spur ins Schattenland" ...

Charlies Freund Max stirbt bei einem Unfall am See. Charlie ist überzeugt, dass er von den Wassernixen nach unten gezogen wurde, sie will ihn retten, wird beinahe selbst von einer Nixe nach unten gezogen und kann im letzten Moment entkommen. Doch als sie der Krankenschwester und danach ihrer Mutter diese Geschichte im Krankenhaus erzählt, glaubt man ihr nicht so recht. Und weil Charlie nicht für dumm gehalten werden will, schweigt sie und frisst ihren Kummer in sich hinein. Bald kann sie wieder nach Hause, muss noch nicht in die Schule, aber regelmässig zu einem Therapeuten. Geschickt schafft sie es, allen Erwachsenen etwas vorzuspielen. Nur ihr Bruder spürt und sieht, wiesehr der Verlust an Charlie zehrt. Sie setzt alles daran, ihren Freund aus der Schattenwelt zu befreien, macht sich auf den Weg in die geheimnisvolle Welt, in der er nun unterwegs ist. Immer tiefer dringt sie vor in das sogenannte Schattenland, immer näher kommt sie ihrem Freund, immer weiter entfernt sie sich von der realen Welt, und immer dichter verweben sich die Realität und Charlies Träume ... kann ihr Bruder sie noch retten, bevor sie Max erreicht und für immer verloren sein wird?

Das Buch ist ein sehr ernster Roman über den Verlust, welches ein junges Mädchen erleiden muss. Die Erwachsenen nehmen ihr die Möglichkeit, auf ihre eigene Weise zu trauern: Maxens Eltern verjagen sie vom Grundstück, als sie ihn dort noch einmal erleben möchte. Die Mutter verbietet ihr, den See noch einmal zu besuchen. Niemand glaubt ihre Geschichte von den Nixen, und alle wollen ihr einreden, dass es ein Unfall war, und dass sie ihn nicht retten konnte, sosehr sie es auch versuchte.

Dem Leser bleibt es selbst überlassen, ob er das Buch als Fantasy lesen möchte, ob er an Charlies Version glaubt, oder ob er ein Realist ist und in dem Werk den traurigen Versuch der Trauer- und Verlustarbeit eines einsamen Mädchens sieht. Mal wird er entführt in Charlies Träume, die sich nur allzu real durch Kratzspuren, Schlamm und andere sichtbare Beweise manifestieren. Oder ist sie nur eine Schlafwandlerin? Aber woher kommen dann die tiefen Kratzer an ihrem Körper, wenn nicht von den Wölfen? Berichte des Psychologen untermauern dagegen die ernsthafte Seite des Buches. Und wie es leider nur allzu echt ist, gelingt es dem Mädchen, die Mutter von ihren "Fortschritten" zu überzeugen. Der Leser wünscht sich, die Mutter am Kragen zu packen, ihr klarzumachen, dass ihr jugendlicher Bruder mit der Aufsicht über die kleine Schwester überfordert ist! Ihr endlich einmal zu zeigen, wiesehr das Mädchen leidet und doch nur einen Zuhörer braucht, der ihr glaubt! Ihr entgegenzurufen, dass ihre beiden Kinder sie brauchen, alleine niemals mit dieser traumatischen Situation fertigwerden können! Aber die Rufe des Lesers verhallen, verklingen ebenso hilflos in der Dunkelheit wie Charlies Rufe nach Max im finsteren Schattenwald ...

Es ist kein leichtes Buch, das man zwischendurch mal schnell liest oder während des Arbeitens hört. Sondern ziemlich harte Kost, die recht viel Konzentration erfordert. Es geschieht so viel gar nicht einmal, und doch muss der Leser sorgsam auf die Handlung achten, um nicht den Faden zu verlieren zwischen Traum und Wachen und den Ereignissen, die langsam aber konsequent voranschreiten.

Ich weiß leider nicht, wie die wechselnde Erzählperspektive im Buch dargestellt ist (vielleicht unterschiedliche Schriftart? Eine Kapitelüberschrift mit den Namen der Erzähler?). Im Hörbuch jedenfalls ist es zu Beginn äußerst verwirrend, und es hat nicht wenige Kapitel gedauert, bis ich endlich in der Handlung "drin" war und wusste, wer gerade spricht. Man hätte dies durch zwei verschiedene Sprecher lösen können. Zudem halte ich Gerd Köster zwar für einen guten Erzähler, bei "Spur ins Schattenland" jedoch für etwas zu monoton und einsilbig. Es fällt mit der Zeit schwer, ihm zu folgen und nicht einfach gedanklich abzudriften. Man muss sich sehr bemühen, die Konzentration auf seine Worte nicht zu verlieren ...

Das Ende kam für mich extremst abrupt. Entweder, ich habe im Hörbuch aus der Bücherei die letzten Kapitel nicht hören können, weil es defekt war und ich sie einfach nicht angezeigt bekam, oder das Buch war an der Stelle nach dem Berg auf dem Volksfest tatsächlich vorbei?!? (wer es gelesen hat: bitte mir kurze Rückmeldung geben!). Ich habe nichts gegen ein offenes Ende, aber in diesem Fall war es wirklich EXTREM abrupt und derart offen, dass ich nicht das Gefühl hatte, ein abgeschlossenes Buch mit offenem Ende zu hören. Das hat mich dann doch sehr erstaunt ...

Als Fazit fällt es mir diesmal schwer, etwas zu sagen. Zuerst, denke ich, sollte ich darauf hinweisen, dass das Buch vermutlich die bessere Variante darstellt, da das Hörbuch sehr anstrengend und verwirrend ist. Ich kann das Buch nicht als leichte Urlaubslektüre oder als spannende Kost empfehlen. Wer das Buch liest, sollte auf jeden Fall bereit sein, sich überaus intensiv mit dem Thema Trauerarbeit auseinanderzusetzen. Es ist kein Roman über eine Reise in ein fiktives Land, sondern ein Buch, in welchem sehr, sehr viel verarbeitet und aufgearbeitet wird und der Leser am Ende keine Lösung und keinen Abschluss erhält, sondern die Trauerarbeit alleine beenden muss. Ich habe pädagogisch noch nicht mit Kindern an diesem Thema gearbeitet, und ich weiß nicht, ob ich es hierfür geeignet halten soll. Dem Gefühl nach würde ich sagen, dass ein Buch über Trauerarbeit auch Hoffnung bieten sollte. Es muss nicht bunt und lustig sein, auf keinen Fall, es soll die Gefühle ernst nehmen und Trauer zulassen, aber es darf den Betroffenen nicht mit seinen Ängsten alleine lassen. Bei diesem Buch habe ich den Eindruck, dass dies jedoch geschieht. Wer diese Phase überwunden hat und im Nachhinein etwas zu diesem Thema lesen möchte, wird sich und seine alten Ängste vermutlich gut darin wiederfinden. Aber wer aktuell diese Arbeit bewältigen muss, für den könnte es (meiner unfachmännischen Meinung nach) wohl eher zusehr belasten. Selbst für mich als jemanden, der nicht mit diesem Problem kämpft, war es sehr schwer ...

Doch, es war ein sehr gutes Buch. Aber auch sehr schwer. Kein Fantasy, kein direkter Jugendroman, kein Fachbuch. Zu jung die Charaktere für erwachsene Leser, zu heftig das Thema für Kinder oder Jugendliche. Ich glaube, ich bin der falsche Leser, es zu rezensieren ... ich weiß nicht, wer die Zielgruppe ist ... und ich möchte ungern ein so gelungenes Buch abwerten. Aber ich weiß einfach nicht, wem ich "Spur ins Schattenland" empfehlen sollte ...

SaschaSalamander 22.08.2008, 11.45 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Ethische Fragen für Jugendliche

klaas_laufen_150_1.jpgHeute fing ich an mit "Wenn er kommt, dann laufen wir". Ein Jugendbuch, allerdings aufgrund des Storyaufbaus und der Erzählweise erst für ältere Kids, die jüngeren dürften sich vermutlich langweilen, ist mehr Gedankengang als Handlung. Ich finde es soweit jedenfalls sehr spannend bisher. Ein Jugendlicher, verurteilt nach Erwachsenenstrafrecht auf lebenslänglich. Kommt nach fünf Jahren wegen diverser Verfahrens- und sonstiger Fehler wieder in Freiheit. Zurück in seine Familie. Und erzählt wird die Geschichte aus Sicht seines jüngeren Bruders, der nun die Freundin verliert, Ärger mit seinem besten Freund bekommt und von allen Seiten stigmatisiert wird. Die Story reißt mich richtig mit, und die Fragen nach Schuld, Sühne, Vorurteil, dem prinzipiell Guten und Bösen lassen mich nicht los. Da ich zuvor bisher nichts weiter über das Buch gelesen habe, bin ich mal gespannt, wie es weitergeht. Keine Ahnung, wohin es mich führen wird. Das habe ich am liebsten ...

SaschaSalamander 18.08.2008, 22.29 | (0/0) Kommentare | PL

Boot Camp

rhue_bootcamp_150_1.jpgNachdem meine Schülerin so begeistert war von der Welle, von "ich knall Euch alle ab" und momentan dem Asphalt Tribe, kaufte sie sich auch "Boot Camp". Und wenn sie schon mal liest, dann möchte ich das gerne tatkräftig unterstützen und lese bzw höre mit, um mich später mit ihr darüber austauschen zu können. So hörte ich nun also "Boot Camp", und war wie immer von den Büchern dieses Autors begeistert ...

Connor ist ein Einserschüler, intelligent und lebhaft. Aber er liebte seine Lehrerin, und weil er es sich von seinen Eltern nicht verbieten ließ, schickten diese ihn in ein Erziehungsheim. Ein BootCamp. Für 4000 Dollar im Monat. Und nun hat Connor keinerlei Rechte mehr, muss schweigen, andere verpfeifen, zusehen, wie andere verprügelt werden, wird selbst verprügelt. Ein Erziehungscamp für Minderjährige, das vor allem Kriminelle vor dem Knast bewahren soll und die Jugendlichen umerziehen soll für die Gesellschaft. Wie lange sie dort bleiben müssen, hängt ab von ihrem Erfolg. Davon, wann ihr Willen gebrochen ist und sie sich komplett den Anweisungen ihrer Anführer unterwerfen. Aber nicht alle Jugendlichen sind straffällig. Manche, wie Connor, Pauli oder Sabrina sind dort, weil sie ihren Eltern zu schwächlich waren, zu frühreif, weil sie sich nicht deren Religion anschließen wollen. Und so schmiedet Pauli einen Fluchtplan, der sogar funktioniert. Doch dann geschieht etwas, das heftig an Connors Gewissen rüttelt und ihn vor eine dramatische Entscheidung stellt ...

Wie alles von Rhue Morton fesselnd, sodass man es nicht mehr beiseite legen kann und wenn möglich in einem Zug beenden muss. Und wie alles von ihm ist auch dieses Buch basierend auf realen Fakten, aber dennoch agieren fiktive Charaktere. Schockierend und grausam, man möchte wünschen, dass es solche Camps nicht gäbe, man möchte gerne die Augen schließen und sagen "das ist nur erfunden". Aber so, wie auch Amokläufe von Jugendlichen oder drogensüchtige Straßenkids auf dem Strich leider grausame Realität sind, ist es auch dieses Buch. Ich habe anschließend einiges im Internet recherchiert, um herauszufinden, was es mit diesen Camps auf sich hat. Eigentlich für Einheiten der Marines gedacht, aber dann auch für Straffällige als Ersatz für eine Freihheitsstrafe angewendet, 120 Tage Boot Camp anstelle der Haftstrafe, die Insassen empfinden das Camp schlimmer als die weitaus längere Haft. Denn dort sind sie körperlichen Strapazen bis ans Limit ausgesetzt, ihr Wille wird gebrochen, sie verlieren jegliche Würde, jeglichen Selbstwert, jegliche Persönlichkeit. Jugendliche, die in solche eigenen "Erziehungsheime" gelangen, sind nicht auf 120 Tage begrenzt, sondern auf Gutwill ihrer Eltern so lange dort, bis sie deren Wünschen und Anforderungen genügen und wieder ein "braves Kind" sind. Das kann wenige Monate dauern, aber auch viele Jahre bis hin zur Volljährigkeit ...

Ein erschütterndes Buch, das sich Jugendliche und Erwachsene nicht entgehen lassen sollten! Es liest sich rasant und liefert viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren ...

SaschaSalamander 18.08.2008, 09.49 | (0/0) Kommentare | PL

Lang vor mir hergeschobener Autor

nightlistener_150_1.jpgEndlich konnte ich via Tauschticket den Film "The Night Listener" ergattern. Keine Ahnung, worum es geht, aber ist egal, ist mit Robin Williams. Und ist gerade recht spannend. Sehr im Stil seiner neueren, dramatischen Filme, die mir eh besser gefallen als die alte Comedy. Und da lese ich im Vorspann doch in der Tat den Namen des Autoren der Romanvorlage: Amistead Maupin. Na sowas ... wie oft schon habe ich von ihm gehört, wie oft wollte ich ihn schon lesen und habe es dann immer wieder aufgeschoben ... mal sehen, was der Film mir bringt und ob ich mich dann in seine Romane stürze ...

SaschaSalamander 08.07.2008, 22.11 | (0/0) Kommentare | PL

Alleine das Vorwort

rhue_asphalt_150_1.jpgBald gehen die Ferien los, meine Schülerin hat Nachhilfe auch während dieser Zeit, und jetzt die letzten Wochen ist in der Schule kein neuer Stoff. Da möchte ich es also etwas lockerer angehen mit einer für sie spannenden Lektüre. In der Bib griff ich ein paar Bücher, die ihr gefallen könnten. Fantasy, Abenteuer, das ist nicht so ihr Ding. Dafür mag sie sehr die authentischen Geschichten von was auch immer. Authentische Erzählungen oder zumindest Geschichten, die wahr sein könnten, um Jugendliche und deren Probleme im Alltag oder in besonderen Lebenslagen.

Ich habe knapp acht oder neun Bücher geschnappt, die ich heute mit ihr mal durchging. Klappentexte studiert, Schreibstile verglichen, Inhalt überflogen. Und von allen Büchern gab es eines, das ganz klar aus der Masse hervorstach. Da ich weiß, wie "wählerisch" die Schülerin ist, achtete ich nur auf den Inhalt, auf nichts weiter. Aber was auch zählt, sind natürlich die Verständlichkeit der Sprache, und vor allem auch, ob das Buch bewegt und zum Weiterlesen anregt. Erst, als wir uns eindeutig entschieden hatten, fiel mein Blick auf den Autor. Morton Rhue. Hätte ich das vorher gesehen, hätte ich alle anderen Bücher zu Hause lassen können! Morton Ruhe, Autor von "die Welle", "Boot Camp" und "Ich knall Euch alle ab". Seine Bücher bewegen Jugendliche überall auf der Welt. Und gibt es eigentlich einen Erwachsenen, der "die Welle" noch nicht gelesen hat und davon begeistert, aber auch erschüttert war?

Um in die Sprache reinzukommen, lasen wir die ersten Seiten, und wir waren bereits eifrigst am Diskutieren. Auch ich war begeistert und gefesselt. Und das alleine vom Vorwort! Außerdem bin ich mächtig stolz auf "meine Kleine". Letztes Jahr lasen wir ein Buch Deutsch-Englisch mit einfacher Sprache extra für Schüler zum Lernen, später hörten wir einen Deutsch-Englischen Jugendroman (Hören ist schwerer als Lesen), und jetzt lesen wir gemeinsam ein komplett englisches Buch eines amerikanischen Autoren, geschrieben für Muttersprachler.

"Asphalt Tribe" beschreibt das Leben einiger Kinder auf der Straße. Ich weiß selbst noch nichts Genaueres, aber das wird sich bald ändern. Wie gesagt, bisher nur das Vorwort. Es handelte in flüssigem Stil davon, weshalb Jugendliche von zu Hause ausreißen oder wieso sie von ihren Eltern hinausgeworfen werden. Wie sie sich auf der Straße durchkämpfen mit Prostitution und Drogen, dem allgegenwärtigen Risiko von HIV und ohne Hoffnung auf eine Zukunft. Vier Seiten, nur ein einfaches Vorwort, aber mein Mädel war erschüttert, und auch mir wurde dieses Thema, das ich in der Schule wie auch während meines Studiums immer wieder gehört hatte, wieder sehr deutlich nahegebracht. Wie gut mag dann erst das Buch sein ...

Bald werde ich Euch mehr darüber erzählen ... oder vielleicht habt Ihr es schon gelesen und möchtet mir darüber berichten? ;-)

SaschaSalamander 03.07.2008, 18.16 | (0/0) Kommentare | PL



 






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