SaschaSalamander

Ausgewählter Beitrag

Criminale - Elisabeth Herrmann

>Hier< geht es zum ersten Teil der Lesung mit Anna Schneider und BALD WIRD ES NACHT, PRINZESSIN.



Dann folgte Elisabeth. Sie stellte den Jugendkrimi SCHATTENGRUND vor. Sie erzählte kurz, worum es geht und las dann verschiedene Szenen vorne, mittig und hinten. Zwischendurch erzählte sie in groben Zügen, was geschehen war. Das ist interessant, weil man so einen größeren Teil des Buches erfährt und neugierig wird. Allerdings werden auch manche Dinge gespoilert, die erst sehr viel später auftauchen. Von den wichtigen Wendungen und dem Ende aber wurde natürlich nichts verraten, sodass der Lesegenuss erhalten bleibt.

Elisabeth hat eine traumhafte Hörbuch-Stimme. Bei der Rezension ihres Titel >LILIENBLUT< hatte ich ja bereits davon geschwärmt. Und es war herrlich, sie heute wieder zu hören, sogar live! Als sie anfing zu lesen, merkte ich im ersten Moment gar nicht, dass sie bereits liest. Sie spricht so flüssig, als würde sie nicht ablesen sondern erzählen. Ihre Worte im Roman sind zwar gefeilt und wohlgewählt aber doch so leichtfüßig, dass sie ins Ohr gehen wie das Gespräch mit einer Freundin, nicht wie ein vorgetragener Text.

Sie bewegt sich kaum, die Körpersprache eher eingefroren, sie ist ganz auf das Buch fixiert. Maximal wackeln hier und da die Hände, wenn die Anspannung des Textes sich Bahn brechen muss und außer der Stimme auch den Körper ergreift, doch sonst bleibt alles an ihr ruhig, fließend. Sie variiert umso mehr die Stimme in Tempo, Lautstärke, Melodie, man hört ganz klar, welcher Charaktere gerade spricht, sie verleiht jedem eine eigene Note. 

Als sie abgeschlossen hatte, stellten sich beide für Fragen zur Verfügung. Dann war die Lesung beendet, die Türen wurden geöffnet. BALD WIRD ES NACHT, PRINZESSIN habe ich mir direkt am Stand gekauft und bin gespannt, wie es sich lesen lässt. SCHATTENGRUND wollte ich auch, habe aber zum Hörbuch gegriffen. Zwar liest nicht Elisabeth selbst, aber Laura Maire als meine Lieblingssprecherin ist auch ein sehr gutes Argument. 

Elisabeth hatte im Anschluss an die Lesung in der Bücherei einen weiteren Termin bei Thalia, wo sie ihr Buch VERSUNKENE GRÄBER (Vierter Teil um ihren Prota Vernau) vorstellte. Das wollte ich mir natürlich auch anhören. Also durfte ich Navi spielen und brachte sie flink zum Buchladen. Meine innere Stimme: "omgomgOMG, Du verläufst Dich doch immer, egal wohin Du läufst, Du wirst falsch laufen und sie wird ihren Termin verpassen und Du bist schuld und am Ende stehst Du irgendwo mit ihr an einer völlig unpassenden Ecke und alles ist zu spät AAAAAARGH" ... aber ich befahl meiner Panik zu schweigen, denn Thalia ist gegenüber meiner Lieblingsbuchhandlung und dem veganen Bioladen, den Weg finde ich blind, Maulwurf-Orientierung hin oder her. 

Pünktlich und zuverlässig kamen wir also bei Thalia an. Ab in den dritten Stock, dort trennten sich unsere Wege. Ich sah mich ein wenig im Laden um, setzte mich dann an eine Ecke, wo noch nicht so viel los war. Hier waren mehr Hörer als am Nachmittag versammelt, und bis zu Beginn der Lesung kamen immer mehr dazu. 



Mir gefiel, dass es "offen" war, ohne Trennwand zur Buchhandlung, dadurch hatte es wieder eine schöne freundliche Atmosphäre, die jeden willkommen hieß und bei der ich mich angenehm locker fühlte trotz der vielen Menschen. Eine Mitarbeiterin brachte zwischendurch kostenlos Mineralwasser, es war recht heiß und trotz der guten Klimaanlage etwas stickig. Einige Leute hatten kleine Becher mit Wein, der wohl passend zum Buch und den darin vorkommenden Weinbergen gereicht wurde, aber danke, ich fahre gerne mit 0 Promille :-)

Wie am Nachmittag: sie erzählte in groben Zügen die Vorgeschichte, damit die Zuhörer in die Handlung hineinfand. Dann las sie ein Stück, erzählt den Fortgang, dann wieder Lesen. 



Ich war sofort in ihrer Stimme versunken. Ja, ich gebe zu, ich bin vernarrt in ihre Stimme, könnte ihr ewig lauschen und wünschte, sie würde neben dem Schreiben auch ins Hörgeschäft einsteigen. Sie hat die Fähigkeit, den Charakteren Leben zu verleihen. Sie nimmt sich selbst völlig zurück und lässt alleine den Text wirken. Während der Jugendroman weicher war, die "Härte" zu den passenden Stellen noch immer etwas Zurückhaltung boten, wurde sie hier wesentlich härter, direkter, der Zynismus wurde sehr gut transportiert. Alte Dame, Häftling, Anwalt, sie bietet eine breite Palette an Variationen. Ihre Stimme ist natürlich eine andere, und an die Professionalität von Pigulla kommt kaum jemand heran. Trotzdem musste ich gedanklich in vielen Szenen Parallelen zwischen den beiden ziehen. Wenn sie wieder die Wörter herausspuckt, in derben Momenten ihre Abscheu kundtut, oder in ruhigeren Momenten klar und nüchtern die Situation schildert. Die beiden wären ein prima Team bei einer Lesung! 

Als sie dann fertig war, tauchten die Hörer wie aus einer anderen Welt wieder auf. Auch sie veränderte sich sofort, ihre Körperhaltung, die Art zu sprechen, sie war wieder ganz sie selbst und zurück bei den Gästen der Lesung. Unglaublich, dieser Wechsel, das finde ich bei Sprechern immer faszinierend!

Sie stand für Fragen zur Verfügung, plauderte aus dem Nähkästchen über die Recherche zu ihrem Buch, die polnischen Hintergründen. Wir lernten, was Vollidiot auf Polnisch heißt und bekamen interessante Anekdoten darüber, warum Wein nicht verkauft werden darf und wie er doch verkauft wird. Ihre Schilderungen machten richtig Lust, sofort nach Polen zu fahren, die Weinberge zu besichtigen, den Wein vor Ort zu kosten und auf den Spuren ihres Buches zu wandeln. 



Bald war auch dieser Teil vorbei, die Lesung war beendet. Ich war um einige Bücher und CDs schwerer, hatte den Kopf voller Eindrücke. Während des Tages hatte ich mir bereits sehr viele Notizen gemacht. Auch, wenn ich jetzt eine Woche später den Beitrag schreibe (und noch weitere Tage danach erst veröffentliche), ist noch immer alles frisch in mir, als wäre es erst gestern Abend geschehen, Anna und Elisabeth haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

Und wer weiß, vielleicht wird es ja wieder irgendwann eine Gelegenheit geben, die beiden zu hören ... 

SaschaSalamander 05.06.2014, 08.32

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