SaschaSalamander

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Thema: Manga

Crimson Spell 01

yamane_crimsonspell01_1.jpgFINDER ist inzwischen kein Geheimtip mehr für Freunde von deftigen YAOI-Mangas. Von der gleichen Mangaka erschien vor einiger Zeit auch CRIMSON SPELL, ebenfalls ein YAOI. Selbst hatte ich noch nichts von ihr gelesen, aber schon viel von Freunden darüber gehört. Inzwischen bin ich Shonen Ai und Yaoi fast über, der Markt wird überschwemmt, es gibt zuviel Mainstream, jungen Mädchen wird mit leckeren Jungs das Geld aus der Tasche gezogen. Deswegen gebe ich zu, dass ich an CRIMSON SPELL eher geringe Erwartungen hatte. Umso erstaunter und begeisterter war ich dann nach dem Lesen des ersten Bandes!

Prinz Valdrigue (kurz Vald) macht sich auf eine Reise, um den Fluch eines magischen Schwertes zu brechen. Er trifft auf den Magier Halvir, der von ihm als Gegenleistung Schutz bei der Suche nach einem besonderen Artefakt verlangt. Halvir entdeckt, dass der Fluch des Schwertes darin besteht, dass Vald sich nachts in ein wildes Monster verwandelt, und dieses Monster ist ziemlich lüstern. Halvir will dieses Monster zähmen ...

Vorab ist erst einmal zu erwähnen, dass Yaoi über Shonen Ai / Boys Love hinausgeht. Yaoi hat wenig mit Romantik zu tun, hier wird nicht verschämt geküsst und ein bisschen gestreichelt. Bei Yaoi geht es um pures Ausleben sexueller Triebe, man sieht Geschlechtsteile und alles, was damit angestellt wird, nicht hübsch versteckt unter einem Kimono oder schemenhaft skizziert, sondern in aller Deutlichkeit. YAOI steht für Yamanashi Ochinashi iminasi, was soviel heißt wie "ohne (inhaltlichen) Höhepunkt, ohne Pointe, ohne Sinn" (es gibt eine weitere Bedeutung, die befasst sich mit den körperlichen Nachwehen des Aktes und wird hier von mir zensiert *vg*). Dementsprechend ist natürlich die Handlung schmückendes Beiwerk, bei schlechten Titel ein Alibi, bei guten Titeln eine eigene spannende Geschichte, Hauptaugenmerk liegt auf dem Aussehen der Charaktere und dem, was sie miteinander anstellen.

Die Handlung in diesem Fall finde ich für einen YAOI recht nett. Eine spannende Fantasystory, die zwar eher dünn gesät ist aber doch nette Momente bietet und sich geschickt um die Handlung webt. Die Reise der beiden Protagonisten ist in ruhigen Tönen erzählt, der Ausgleich aus ruhigen Momenten und Action ist perfekt gehalten und in sich schlüssig, und auch ohne die Sexszenen finde ich die Story interessant erzählt und würde die Folgebände weiterkaufen.

Dazu tragen auch die wundervollen Zeichnungen bei. Die Proportionen passen perfekt (gerade Hals, Arme, Hände, Finger sind oft zu dürr oder unproportional, wenn die Zeichnerinnen es besonders hübsch aussehen lassen wollen, aber Yamane gelingt es perfekt, das Maß zu halten). Ebenfalls gelungen: sobald es intim wird, bleibt die Szene dennoch übersichtlich, man weiß noch immer genau, welches Körperteil zu wem gehört und wer was gerade tut (auch hier: leider ein häufiger Makel bei vielen Yaoi, der mich ziemlich stört. Ich möchte schon gerne wissen, wer gerade was mit wem anstellt, und zwar bitte detailliert, sonst könnte ich auch Shonen Ai lesen).

Auch die nichtsexuellen Szenen sind hervorragend gezeichnet, Yamane hält sich an das Wesentliche, sie füllt die Bilder nicht mit unnötigen Hintergründen, der Blick konzentriert sich auf das Wesentliche: die Gesichter und Körper der Charaktere, und natürlich sind nicht nur die Protagonisten hübsch, sondern der Manga strotzt nur so von Bishonen, einer leckerer als der andere.

Der Humor kommt nicht zu kurz, viele Chibi und SD Elemente sind enthalten, der kleine Dämon Lizregbel in Gestalt eines ultraplüschigen Hasen sorgt für witzige Momente und wird die beiden hoffentlich auch in den nächsten Bänden begleiten.

Insgesamt ein Manga, der sich deutlich aus der Masse hervorhebt und den ich zukünftig auf die Liste meiner Empfehlungen setzen werde, wenn mich jemand nach wirklich guten Yaoi fragt :-)


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Im Nachtrag noch ein Link: im >Spiegel Online< wird berichtet, wie es zur Indizierung des ersten Bandes der Serie FINDER kam. Ich finde es immer interessant, wie Szenen entsprechend gewertet werden. Nicht direkt bezogen auf CRIMSON SPELL, aber aus gleicher Feder, daher hier trotzdem passend :-)

SaschaSalamander 01.09.2011, 08.49 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Gothic Love

momono_gothic_1.jpgGOTHIC LOVE gefiel mir aufgrund des ansprechenden Covers. Auch die Grundstory klingt nett. Ich wurde umso neugieriger, als der Manga mehrfach im Laden vergriffen war und ich mehrere Anläufe brauchte, bis sie ihn endlich vorrätig hatten. Leider konnte der Manga mich dann nicht überzeugen:

Marika ist reich und hübsch, geht auf ein Internat, ist gut in der Schule. Aber sie fühlt sich eingeengt durch den Druck der Eltern und die fehlende Freiheit in der Schule. Als sie in der Kirche den Schulchaoten Kanzaki aus dem Jungentrakt trifft, ist es um sie geschehen. Sie verliebt sich und beginnt eine unerlaubte Affaire mit ihm. Doch natürlich kann dies nicht lange geheim bleiben, und die beiden stehen vor einem Problem ...

eine altbekannte Geschichte, aus der man sehr viel machen kann. Für meinen Geschmack wurde sie jedoch sehr leblos umgesetzt. Auf den ersten drei Seiten kommt Marika in die Schule, plaudert mit Freundinnen, sieht Kanzaki im Vorbeigehen. Auf der vierten Seite spielt sie in der Kirche Geige und wird von Kanzaki belauscht, auf der fünften Seite wird geflirtet, und auf seite Sieben zwirbelt er ihr bereits die Brustwarzen. Mir persönlich fehlt da die Story, ich kann die Liebe nicht nachvollziehen und somit das Prickeln nicht wirklich empfinden. Es braucht keine großen Worte und auch nicht endlos viele Seiten. Aber auf zwei Seiten von 0 auf 100, und das in einem Manga, der als romantische Mystery verkauft wird, das ist mir doch etwas zu spärlich.

Die Geschichte entwickelt sich auch nicht sonderlich weiter. Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin hübsche Bilder zeichnen wollte und dafür eine Story suchte. Die Dialoge führen die Handlung nicht voran, es geschieht nicht wirklich viel, das den Plot vorantreibt. Der Konflikt ist eher halbherzig, und die Charaktere agieren sehr naiv. Leider muss ich sagen, dass mir Marika mit ihrer unreifen Art und Kanzaki mit seinem coolen Machogehabe ziemlich auf die Nerven gingen. Zwei Charaktere, die noch einiges an Entwicklung vor sich haben. Für Jugendliche vielleicht nette Identifikationsfiguren, für Erwachsene allerdings anstrengend, man möchte sie packen und schütteln.

Diese Naivität sowie das kindliche Aussehen der Protagonistin sind für mich ein weiteres Problem: ich weiß, dass Mangas kindliche Figuren zeichnen, es ist ein Stilmittel. Sobald jedoch Sex im Spiel ist - und in GOTHIC LOVE wird nicht nur Händchen gehalten, hier werden Körper aneinandergepresst und vereinigt, wenn auch nur angedeutet - halte ich es für wichtig, dass die Figuren nicht wie 12jährige Kinder aussehen. Und gerade bei Marika gibt es sehr viele Momente, in denen sie sehr unschuldig, niedlich aber vor allem wie ein Kind wirkt. Mangastilmittel hin oder her, für mich persönlich ein NoGo.

Dazu kommt die Vermarktung, die sehr irreführend ist. Der Manga heißt GOTHIC LOVE, und das Cover sieht auch sehr gothic angehaucht aus. Wallende Locken, Rosenranken, schwarze Strapse, Engelsflügel. Hat was. Der Inhalt jedoch ist in keinster Weise "gothic", auch wenn die Grundstimmung melancholisch sein mag und die Protagonistin hübsche Kleidung trägt. Schwarze Kleidung macht noch kein Goth-Genre (es sei denn, man schwimmt als Teenie auf einer Welle mit, die gerade in ist, das kann ich nicht beurteilen).

Empfehlen kann ich ihn nicht, da gibt es andere Werke, die ich deutlich vorziehe, ob nun Romantik, Gothic oder Erotik. Junge Mädchen allerdings, kann ich mir vorstellen, werden ihren Gefallen an diesem Manga finden. Die Zeichnungen sind hübsch gemacht, und manch einer kann sich vermutlich in einer der beiden Hauptfiguren wiederfinden. Unerfüllte Liebe, ein gemeinsames Geheimnis, Liebeskummer und das Schicksal eines jungen Mädchens, das von vielen Seiten unter Druck gesetzt wird. Doch, für die Zielgruppe bestimmt eine nette Geschichte. Aber alle anderen sollten die Finger davon lassen.

SaschaSalamander 05.08.2011, 17.01 | (0/0) Kommentare | PL

Adekan 01

nao_adekan_1.jpgAuf der Brautbrücke soll angeblich nachts eine Geisterbraut mit blutigem Hochzeitskleid entlanglaufen. Bei Ermittlungen zu diesem Fall lernt der zuständige Polizist Kojiro einen Schirmmacher kennen, der sein Leben alleine nicht auf die Reihe bekommt. Kojiro und Shiro versuchen gemeinsam den Fall zu lösen, und auch in Zukunft warten spannende Abenteuer auf sie ...

Ich bin zwiegespalten. Erst einmal die positive Seite: der Manga besteht aus vier in sich geschlossenen Kurzgeschichten, die Abwechslung, Spannung, auch etwas Grusel bieten. Leichtes Gänsehautfeeling und auch eine Menge Humor. Subtiler Humor, der sich meist aus der Situation ergibt und nicht über die Stränge schlägt.

Obwohl die Geschichten in sich geschlossen sind, haben sie einen roten Faden. Es ist bereits ersichtlich, dass sich ein größeres Thema aufbaut, das deutlich in den Fantasybereich übergehen wird und Lust auf den zweiten Teil macht. Ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie es weitergeht.

Andererseits empfinde ich persönlich den Manga in vielerlei Hinsicht als überladen. Die Charaktere sind stellenweise sehr überspitzt. Die Zeichnungen sind außergewöhnlich hübsch, manchmal jedoch etwas zuviel des Guten. Tsukiji Nao überschreitet manchmal die Grenze - ein paar Speedlings zuviel, die Action ein klein wenig zu actionlastig, die Chibi etwas zu niedlich, das Drama etwas zu dramatisch, der Humor stellenweise ein bisschen zu albern. Ein kleiner Tick weniger hätte an vielen Stellen besser gewirkt. So wurde viel Potential in eine tolle Story gesteckt, und es scheint, als hätte man versucht, soviel als möglich herauszuholen. Weniger ist manchmal mehr.

Eine Zielgruppe zu benennen finde ich eher schwer, da es zwar von allem etwas bietet, aber keines bisher so richtig ausbaut. Drama, Fantasy, Thriller, Action, Historisch, Bishonen. Ich denke, es wird sich im Laufe der folgenden Bände zeigen, wo der Autor seinen Schwerpunkt legen wird. Bisher leider noch nicht so ganz ausgereift ...

Trotzdem ist ADEKAN eine nette Empfehlung für zwischendurch, die durch eine witzige und zugleich spannende Story gefällt und auch viel für das Auge zu bieten hat.

SaschaSalamander 04.08.2011, 08.10 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Grimms Manga

grimms_manga_1.jpgMit GRIMMS MANGA schaffte Mangaka Kei Ishiyama ein Werk von Bedeutung. Sie bewies, dass die Grimms Märchen noch immer modern sind und dass die Kluft zwischen den so unterschiedlichen Kulturen Ost und West, Japan und Deutschland, gar nicht so groß sein müssen. In hervorragend umgesetzten Nacherzählungen (mit teils sehr eigenem ungewöhnlichen Stil und einigen gelungenen Abweichungen) interpretierte sie bekannte deutsche Märchen neu und schuf sich eine große Fangemeinde.

Nun machen deutsche Mangaka es ihr nach: der Tokyopo - Verlag hat mit dem Sonderband "Grimms Manga" ein Nachfolgewerk geschaffen, dass es ohne Probleme mit dem Original aus Japan aufnehmen kann. Namhafte Zeichner wie Anike Hage (Gothic Sports, die Wolke), Nina Werner (Jibun-Jishin), Anna Hollmann (Stupid Story) und weitere präsentieren jeweils eine Kurzgeschichte.

Die Märchen sind keine langweiligen Nacherzählungen der Originale sondern entpuppen sich vielmehr als sympathische Neudichtungen. So werden die Tauben aus Aschenputtel zu Ratten, Frau Holle ist in Urlaub und wird durch den attraktiven Cornelius vertreten, und Dornröschen war als Kind gar nicht so hübsch, wie alle behaupteten. Ich kann nicht einmal sagen, welche Geschichte mir am besten gefiel, sie überzeugten mich ausnahmslos alle, was bei einer Anthologie wirklich eine seltene Ausnahme darstellt.

Die Zeichnungen sind allesamt gelungen. Zwar unterscheiden sich die Stile teils sehr deutlich voneinander, aber alle waren saubere Arbeit. Man merkt, dass die Zeichner - obwohl teils noch immer Jungtalente - bereits viel Erfahrung gesammelt haben und sich teils inzwischen mit den japanischen Mangaka messen können. Hierbei möchte ich vor allem Anike Hage und Nina Werner erwähnen, die mich bereits in ihren vorherigen Werken von ihrem Können überzeugten und auch hier wieder hervorragende Arbeit abgeliefert haben.

Empfehlung - ganz sicher! Für wen? Für Leser von Fantasymangas. Für Fans von Kei Ishiyama. Für Fans von Anike, Anna, Misaho, Mikiko, Inga, Luisa, Nina und Reyhan. Für alle die Märchen mögen. Für jeden, der gerne Mangas liest :-)

SaschaSalamander 29.07.2011, 08.27 | (0/0) Kommentare | PL

Young Bride´s Story

Amira ist 20 Jahre alt, als sie mit dem 12jährigen Karluk verheiratet wird. Sie stammt aus einem Volk von Kriegern und Kämpfern, wohingegen die Familie des Bräutigams vor allem von Tierzucht und Ackerbau lebt. Amira ist eigentlich schon recht alt, normalerweise heiraten junge Frauen etwa im Alter von 16. Doch die Ehe ist glücklich, und die neue Familie nimmt Amira sofort in ihre Reihen auf. Sie sind freundlich zu ihr, lehren sie neue Rezepte, Traditionen, Künste. Auch Amira kann die Menschen ihres neuen Umfeldes viel lehren: sie jagd mit dem Bogen Hasen und bereitet ein köstliches Mahl, aus den Pelzen näht sie wundervolle Kleidung für ihren Ehemann. Doch Amiras Herkunftsfamilie schmiedet andere Pläne und will die Tochter zurückholen, um sie an einen anderen Mann zu verheiraten.

Ein Manga, wie man ihn nur selten in die Finger bekommt. Ich habe mich sofort in die Zeichnungen verliebt und würde am liebsten sofort alle weiteren Bände in der Hand halten! Ein Ausnahmemanga, den ich ohne Zögern sofort als Meisterwerk bezeichne.

Über die Handlung kann man nicht wirklich viel erzählen. Es gibt fünf Kapitel, die jedoch blitzschnell beschrieben sind: erstes Kennenlernen, ein Junge beobachtet einen Schnitzer bei der Arbeit, das Brautpaar reitet aus und trifft den anderen Teil der Nomadenfamilie, die Brautfamilie verlangt die Tochter zurück und wird abgewiesen, der Bräutigam erkrankt und wird rasch wieder gesund. Nein, wirklich von "Handlung" im klassischen Sinne kann man nicht sprechen. Aber das ist auch nicht notwendig. Es geht weniger um einen typischen Konflikt oder eine fortwährende Erzählung, vielmehr werden einzelne kleine Episoden aus dem Zusammenleben der beiden unterschiedlichen Charaktere erzählt.

Mir ging das Herz auf beim Lesen dieses Mangas. Die Herzlichkeit der neuen Familie ist wunderbar, und ich hatte oft ein Strahlen in den Augen, ebenso wie die Protagonistin, wenn sie von der neuen Familie so liebevoll aufgenommen wird. Auch der Umgang der Eheleute miteinander ist einfach herzerwärmend. Mir fallen keine anderen Worte ein als immer wieder im Kontext mit "Herz". Ja, dieser Manga strotzt nur so vor Herz. Ohne Action, Konflikt, Gewalt oder Handlung. Es ist ein Manga voller liebevoller Gesten. Eine Mutter, die ihr Kind bestrafen muss (Konsequenz in der Erziehung muss sein) und am liebsten sofort die Strafe wieder rückgängig machen würde. Eine Ehefrau, die sich über den schlafenden Gatten beugt und ihn besorgt ansieht, ob es ihm auch gutgeht. Ein Schnitzer, der sich den neugierigen Fragen eines kleinen Jungen stellt und ihm einen extra für ihn gefertigten Talisman schenkt. Die Offenheit der Personen untereinander. Ach, einfach nur schön, am liebsten würde ich sofort Teil dieser Familie!

Die Charaktere sind mir schon nach wenigen Seiten sofort ans Herz gewachsen. Ihr Handeln ist menschlich, herzlich, manchmal auch humorvoll. Man lacht, weint, leidet, feiert mit der Familie. Es fällt von Beginn an leicht, die Personen auseinanderzuhalten, da sie sehr individuell gezeichnet sind und ihre typischen Eigenheiten aufweisen.

Zum Abschluss erzählt die Autorin Kaoru Mori, was sie zu diesem Manga bewegte: sie war schon immer begeistert von der Kultur in Zentralasien und der Kaukasusregion. Pferde (Turkmenische Achal-Tekkiner), Schafe, Zelte, Teppiche, das karge Leben des Volkes. Und diese Leidenschaft sieht man in jedem Bild. YOUNG BRIDE´s STORY ist ein bildgewaltiges Werk, opulent und detailverliebt. Manchmal sieht man auf zwei Bildern nur Landschaften, doch das ist nicht langweilig, sondern einfach nur umwerfend. Eine Landschaft, dann rückt das Bild etwas näher, man sieht einen Hasen, der Hase flitzt aus dem Bild, man sieht nur noch seine Hinterläufe. Unberührte Natur, die Fernweh in mir weckt, und ich fühlte mich direkt in die Erzählung hineinversetzt, meinte den Wind auf meiner Haut zu spüren, das frische Gras und die klare Luft zu riechen.

Die Details machen den Manga zu einem Kunstwerk. Verzierte Kleidung, Nahrungsmittel, Geschirr, Schnitzereien, Schmuck und Accessoires der Tiere und Menschen, gewebte Teppiche, es gibt keinen Zentimeter, der nicht gefüllt ist mit winzigen Details. Die Charaktere werden ebenfalls sehr genau gezeichnet: Augen, Gestik und Mimik wirken so lebendig, als hätte sie diese von lebenden Menschen abgezeichnet. Die Gesichter strahlen eine Wärme aus, dass ich in dem Manga versinken möchte.

Wo andere Zeichner oft im Klischee versinken und immer wieder die gleichen Bilder abliefern, die gleichen Rasterfolien verwenden, die immer gleichen Stilmittel einsetzen, sticht YOUNG BRIDE´s STORY durch seinen individuellen Stil positiv hervor.

Ein großartiger Manga, den ich jedem Leser ans Herz lege, der Wert auf Zeichnung und emotionale Tiefe legt. Jüngere Leser werden sich mit einzelnen Figuren identifizieren und ihre Freude an den Abenteuern der kleinen Geschwister haben. Ältere Leser haben ihre Freude an den wundervollen Zeichnungen und der intensiven Darstellung des Familienlebens in diesem historischen Rahmen. Einer der besten Mangas, die ich seit vielen Monaten gelesen habe!

Eine sehr gute Review mit gut gewählten Bildern kann man bei >Animey< lesen. Seht Euch die Bilder an, und Ihr versteht meine Begeisterung ;-)

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SaschaSalamander 22.07.2011, 14.35 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Großstadtaugen

gro__stadtaugen_1.jpgBei meinem Stammdealer um die Ecke lag ein "Manga", der mir sofort ins Auge sprang: etwas größer als das übliche Format, ein sehr atmosphärisches Cover und ein für Mangas ungewöhnlicher Verlag. Knaur. Aha? Manga? Oder wollen die mir einen Comic unterschmuggeln, damit er sich für die Mangafans besser verkauft? Also habe ich mir das näher angesehen, zugeschnappt (Präsentation geglückt, wieder ein Kunde mehr), und hier ist also meine Meinung über GROßSTADTAUGEN:

GROßSTADTAUGEN ist eine Sammlung von 6 Kurzgeschichten aus jeweils unterschiedlicher Feder. Auf die Inhalte und Zeichenstile jeder einzelnen Story möchte ich nicht eingehen, sondern das Gesamtwerk betrachten. Der Genrebegriff "Urban Fantasy" wird hier wortwörtlich genommen, und auch das Cover und der Titel des Buches sind hervorragend gewählt und passen perfekt zu den Geschichten.

Es sind Shortstories von jungen Menschen / Wesen, die in ein fantastisches Abenteuer schliddern. Eine etwas außer Kontrolle geratene Seance, ein Nachtmahr auf Beutejagd, eine Frau mit regelmässig wiederkehrenden Träumen von Verlust und Trauer, ein in der Kindheit unbedacht gegebenes Versprechen, eine dramatische Apokalypse. Das ist der Stoff, aus dem die Spannung hier gewebt ist. Und obwohl die Geschichten sich sowohl inhaltlich wie auch grafisch extremst unterscheiden, passen sie sehr gut zusammen. Sie spielen alle in einer Großstadt, und der Gestank der Stadt, die Sehnsucht nach Geborgenheit, die Kälte der Häuser, die Hektik auf den Straßen, all das fangen die Zeichner geschickt in den Bildern ein und vermitteln dem Leser ein Gefühl von Zauber inmitten der kalten modernen Welt, mal gruslig, mal romantisch.

Ein klassischer Comic, wie ein Außenstehender ihn sich im ersten Moment vorstellt, ist es nicht, dazu fehlt schon einmal die Farbe. Auch der Panelaufbau ist ungewöhnlich für Freunde von Asterix, Spiderman und Co. Für einen Manga sind die meisten Zeichnungen allerdings zu amerikanisch, fehlt der typische Flair von fremder Kultur, und mit Ausnahme einer Geschichte gibt es auch im Charakterdesign nichts Mangatypisches. Für eine Graphic Novel sind mir die Geschichten zu kurz und der Inhalt zu oberflächlich. Ich kann mir vorstellen, dass es für die Läden schwer zu vermarkten ist: wo soll es hin, welche Zielgruppe soll angesprochen werden? Ein gewagtes Unterfangen, mit dem der Verlag meiner Ansicht nach sehr viel Mut bewiesen hat.

Eine Geschichte hat mich begeistert, drei haben mir sehr gut gefallen, eine ließ mich eher kalt, und eine davon gefiel mir überhaupt nicht. Allerdings sind die Geschichten sehr unterschiedlich, sodsas es wirklich großartig ist, in all dieser Vielfalt dennoch so viel Übereinstimmung zu finden für den Leser. Punktabzug erhält GROßSTADTAUGEN deswegen nicht, denn bei einer Anthologie können niemals alle Geschichten gleich gut gefallen, und mein persönlicher Geschmack soll dieses kleine Meisterwerk nicht abwerten, zumal ich doch etwas älter als die Zielgruppe (die ich zwischne 15 und 20 vermute) bin.

Von mir auf jeden Fall ein großes Lob an den Verlag für diesen ungewöhnlichen Titel. Und für alle Comic und Mangafreunde eine Empfehlung. Sechs Künstler, die man sich merken sollte. Und ein Gesamtwerk, das Beachtung verdient und rundum stimmig ist und nicht besser sein könnte.

SaschaSalamander 18.07.2011, 09.20 | (0/0) Kommentare | PL

Neji Screw

yuki_neji_1.jpgDiese Rezension ist etwas ganz Besonderes für mich. Hier auf SaraSalamander ist sie niemals erschienen. Was es damit auf sich hat, werde ich heute Nachmittag erzählen

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Soso, nun habe ich mich also entschieden, ebenfalls eine Rezension für die Mangatainment zu schreiben: ich habe mir eine Neuerscheinung meiner Lieblings-Mangaka herausgesucht, habe ihn gelesen, mir ein paar Notizen gemacht, den groben Inhalt des Textes überlegt und …und stelle nun ernüchtert fest, dass es nicht gerade leicht ist, einen passenden Einstieg zu finden ;-)

Die Entscheidung, welchen Manga man kaufen möchte, fällt nicht immer leicht. Wenn eine Serie startet, kann es sich unter Umständen über Monate oder gar Jahre hinziehen, bis man nach 38 oder immer mehr werdenden Bänden die komplette Serie im Regal stehen hat. Deswegen freue ich mich auch sehr, wenn zwischendurch ein einzelner abgeschlossener Band erscheint. Noch dazu, wenn er von Kaori Yuki stammt, der berühmten Zeichnerin von Angel Sanctuary, Boys next door und God´s Child (früher veröffentlicht als Count Cain).

Ich war erstaunt, den Manga eingeschweißt im Ständer zu sehen! Er ist weder „adult“ noch ist eine kleine Beilage (Postkarte o.Ä.) zu finden. Dabei ist gerade das doch oft die Vorfreude auf den Kauf: An der Drehsäule oder am Regal stehen und einige Mangas durchblättern, Zeichnungen betrachten, Klappentexte lesen und eine Zeitlang stöbern, bevor man sich für eine neue Serie entschieden hat. War wohl nix – nicht einmal ein Klappentext, der dem Leser Hinweise auf den Inhalt des Buches gibt. Aber gut, ein einzelner Band und dazu noch der Name der berühmten Zeichnerin, da kann man vermutlich nicht viel falsch machen für 6 Euro. Mitgenommen, zu Hause ausgepackt und losgeschmökert.

Beim ersten Überfliegen stellt man dann auch gleich fest, dass leider keine Plaudereien und Infos am linken Seitenrand zu finden sind, auch keine persönlichen Kommentare, Vermerke oder ein Schlussworte der Autorin. Ein kurzer Überblick über die Geschichte wird gleich zu Beginn gegeben:

„Ich bin Screw. Meinen wirklichen Namen kenne ich nicht. Im Jahr 1992 wurden meine Freundin Snow White und ich umgebracht und anschließend eingefroren. Im Jahr 2033 holte mich die Regierung G.E.R.A ins Leben zurück. Ich bin ein Wiederkehrer ohne Gedächtnis. Und nicht nur das: Ich soll meine übernatürlichen Fähigkeiten in den Dienst der Regierung stellen!“ (Seite 1)

Und so beginnt auch der erste Teil der Erzählung: Der Hauptcharakter durchlebt einen Traum, in welchem er einem Jungen begegnet, der sich ihm als „Screw“ vorstellt, als eine Schraube unter vielen (Jap. Neji = engl. Screw = Schraube).

Er erwacht und findet sich an einem fremden Ort wieder, ohne Gedächtnis an seine Vergangenheit und seinen Namen. Er nennt sich daraufhin selbst Screw. Bald erfährt er vom Regierungsarbeiter Luther, dass er 41 Jahre lang als Testobjekt für G.E.R.A benutzt wurde und nun als „Rebirther“ (Wiedergeborener) mit besonderen übersinnlichen Wahrnehmungen und Fähigkeiten erweckt wurde. Auch seine frühere Freundin, Snow White, wird von der Regierung als Testobjekt missbraucht. Um ihr zu helfen, soll er für G.E.R.A als Attentäter arbeiten. Doch alles entwickelt sich anders als geplant, und er entschließt sich zur Flucht …

Der zweite Teil startet unerwartet mit einem neuen Hauptcharakter: Cross, der seine übersinnlichen Kräfte ebenfalls für die Regierung einsetzt. Die beiden finden mehr über ihre gemeinsame Vergangenheit heraus, und auch der wahre Hintergrund von G.E.R.A wird genauer beleuchtet, …

Und damit es spannend bleibt, … werde ich nicht verraten, was es mit dem hübschen Mädchen Norma Jean auf sich hat, das im dritten Teil plötzlich vom Himmel fällt ;-)

Der Manga ist relativ spannend zu lesen, es fällt schwer, ihn aus der Hand zu legen. Es wird in dunklen Farben und beklemmender Atmosphäre eine nahe Zukunft vorgestellt, in welcher die Charaktere sich nach ihrem Erwachen befinden. Gelegentliche Gags oder Situationskomik, wie man sie aus den ersten Bänden von Angel Sanctuary gewohnt ist, sind äußerst selten. Es gibt immer wieder neu beginnende Handlungsstränge, die zum Weiterlesen animieren.

Was eine angenehme Auflockerung darstellt, ist die Interaktion zwischen dem etwas ruhigeren Screw und dem impulsiven Cross. In ihren Dialogen erinnern sie sehr stark an Setsuna und Kato im Höllenkapitel aus Angel Sanctuary. Und sie sind so gegensätzlich wie Raphael und Michael (Cross, der vom Verhalten her ein wenig an den Feuerengel Michael erinnert, steht ihm auch in Sachen Charakter und Verhalten in nichts nach, und in manchen Szenen bleibt mal wieder kein Stein auf dem anderen). Ein wirklich starkes Team …

Sowohl in Zeichnung – dazu nachher noch etwas mehr – als auch von der Handlung her wirkt der Band eher wie ein Rohentwurf der Zeichnerin, in dem sie für sich selbst Entwürfe und Gedanken für eine breit gefächerte Handlung skizziert.

Es ist schade, dass viele der begonnenen Handlungsstränge unbeantwortet und unvollständig bleiben. Der Manga ist sehr komplex, und er ist nicht gerade zum schnellen Überblättern geeignet. Um ihm zu verstehen, sollte man sich Zeit nehmen und ihn wirklich bewusst lesen. Es fällt dann nicht ganz so schwer, sich in die einzelnen Charaktere und Handlungsabläufe hineinzuversetzen und mitzufiebern.

Besonders der dritte Teil dürfte für die meisten Leser im ersten Moment sehr verwirrend sein. Es gibt auf den ersten Blick keinen Zusammenhang zwischen dem bisher Geschehenen und der neuen Handlung (auch auf den zweiten, dritten und vierten Blick muss man da schon wirklich suchen). Es wirkt wie eine neue Geschichte mit alten Hauptfiguren in einer neuen Umgebung.

Dafür, dass all diese Handlungen in einem einzigen Band stattfinden, hat die Zeichnerin wirklich Großes geleistet. Trotzdem wäre die gesamte Handlung in mindestens drei oder auch mehreren Bänden vermutlich schöner zu lesen. Abrupte Szenenwechsel, abgebrochene Handlungsabläufe, völlig neue und eigentlich gar nicht zu den bisherigen Geschehnissen passende Ereignisse – das macht Geschmack auf mehr und Enttäuschung über das plötzliche Ende der Erzählung. Dort, wo die Erzählung endet, könnte ein mehrbändiger Manga gerade seinen Anfang nehmen.

Was geschah in Screws Vergangenheit, wie wird es mit Luther weitergehen, wer und was genau steckt hinter G.E.R.A, wo und wie werden Screw und Cross ihre Kräfte zukünftig anwenden, stehen die Großfirmen G.E.R.A und Clockworks in Verbindung, werden Norma und ihre Freundinnen tatsächlich schaffen und (nene, schön selber lesen, ich verrate es nicht *g*) …? Das Ende lässt sehr viele Fragen offen und gibt fast schon zuviel Raum für eigene Vorstellungen und Vermutungen.

Die Zeichnungen selbst sind eigentlich nicht schlecht, aber wer exakt den gleichen Stil wie in Angel Sanctuary erwartet und erhofft, wird leider enttäuscht werden. Übung macht den Mangaka – und man sieht deutlich, dass Kaori Yuki sich im Laufe der Zeit wirklich sehr verbessert hat.

Was einem allerdings bekannt vorkommen dürfte, das sind hübsche Männer mit zierlichem Gesicht und unschuldig blickende Mädchen mit langem, wallendem Haar. Ebenso wie ihre anderen Mangas ist Neji auch ziemlich düster gehalten. Der gesamte Band ist mit Rasterfolie, Speedlines, Schattierungen und vielen Details ziemlich gefüllt, was in manchen Szenen – jeweils sehr gut zur entsprechenden Handlung passend – stark bedrückend und sehr atmosphärisch wirkt. Nur einige wenige Bilder sind sehr hell gehalten, sodass die Aufmerksamkeit in Schlüssel- und bewegenden Szenen besonders auf Ausdruck und Emotion des Charakters gelenkt wird.

In den ersten beiden Teilen fällt vor allem auf, wie dünn gestrichelt die Zeichnungen wirken, als wäre die Autorin sich unsicher, oder als wäre es eben ein erster grober Entwurf. Auch die Schrift ist sehr dünn. Wenn der Text dann ohne entsprechenden eigenen Untergrund einfach in die Zeichnung hineingeschrieben ist, fällt es stellenweise sehr schwer, wird der eigentlich sonst recht leichte Lesefluss unterbrochen, bis man dann alles mühsam entziffert hat.

Was dagegen besonders positiv auffällt, sind die vielen Details, die Kaori Yuki in die Zeichnungen eingebracht hat. Die Testobjekte in ihren flüssigkeitsgefüllten Behältern, Maschinen und Uhrwerk im Hintergrund, das Kettenkarussell oder der gemusterte Sofabezug alleine sind schon einen extra langen und bewundernden Blick wert … Auch die Coverbilder zu den einzelnen Kapiteln sind sehr detailliert und wunderschön gezeichnet.

Alles in allem kann man sagen, dass Neji Screw eine sehr komplexe Geschichte ist, die spannend zu lesen ist auch von den Zeichnungen her zum größten Teil gefällt. Wenn man die Erwartungen nicht allzu hoch schraubt und einige Lücken in der Erzählung in Kauf nimmt, wird er gefallen.

Für Einsteiger und Erstleser ist er wohl eher gewöhnungsbedürftig, aber als Mangafan und treuer Anhänger von Kaori Yuki ist er natürlich ein Muss ;-)

SaschaSalamander 30.05.2011, 09.00 | (0/0) Kommentare | PL

Highschool of the Dead

highschooldead_1.jpgEine Highschool. Ein Fremder an der Tür, der den nahenden Lehrer beißt, und schon beginnt das Chaos, immer mehr werden gebissen, die anderen versuchen zu fliehen, und schwupps sind wir mitten im schönsten Zombie-Horror.

Soviel zur Handlung, mehr gibt es nicht wirklich zu erzählen meiner Ansicht nach. Ich könnte jetzt die Charaktere vorstellen, aber wer weiß, ob die im nächsten Band noch leben. Wie es dazu kam, weiß man noch nicht. Helikopter fliegen über die Schule hinweg, woanders scheint das Chaos größer zu sein. Vermutlich überall im Land. Was ist geschehen?

Klassischer geht dieser Manga eigentlich nicht, ganz traditionell im Stil der alten Romero-Filme, in denen die Zombies langsam und mit wankendem Gang in einer dichten Masse auf die Opfer zuströmen, immer auf der Suche nach Fleisch und Braaaaainzzz. Dazu jede Menge sexy enge Blusen und Pantyshots (so nennt man es im Manga oder Anime, wenn unter den knappen Röckchen immer wieder das Höschen zu sehen ist).

Souverän gezeichnet, tolle Ideen, spannende Kämpfe. Wie gesagt, großartig viel dazu erzählen kann ich nicht wirklich, dazu ist mir dieses Genre dann doch zu stetig wiederkehrend. Aber ich finde es auf jeden Fall klasse, dass es nun in diesem Band auch einmal als Manga umgesetzt wurde. Viele nette Gags - vor allem für Insider des Genres -  sind zu finden, Anspielungen auf andere bekannte Zombietitel oder kleine Eastereggs einfach so. Auch die Waffen sind witzig gelöst: ein Besenstil, eine Bohrmaschine, eine Nagelpistole, und natürlich die typischen Werkzeuge wie Baseballschläger. Und ganz zum Abschluss auch noch eine kleine Waffenkunde und zwei spannende Seiten mit Zombie-"Facts".

Ich selbst mag Zombies, gebe dafür aber nicht zwangsläufig Geld aus, schnuppere meist nur mal rein. Habe nur den ersten Teil von RESIDENT EVIL gesehen, kenne die wichtigen Klassiker (NACHT DER LEBENDEN TOTEN, ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL), mag die Komödien dazu (ZOMBIELAND, SHAUN OF THE DEAD), aber ich muss nun nicht alles kennen. Hier habe ich also reingelesen, fand es absolut klasse. Ich lege es allen Zombiefans ans Herz, dieser Manga gehört einfach dazu, er ist großartig gemacht und beinhaltet alles, was das Fanherz höher schlagen lässt. Aber wer kein Zombie-Fan ist, naja, der verpasst nichts, was es in anderen Zombietiteln nicht auch gäbe :-)

SaschaSalamander 13.05.2011, 09.34 | (0/0) Kommentare | PL

Franken Fran

kigitsu_frankenfran_1.jpgDiesmal möchte ich Euch einen Manga vorstellen, der es gewaltig in sich hat. Ich weiß gar nicht so recht, wo man ihn einordnen sollte. Eigentlich gibt es da nur den Begriff "Guro", und damit wäre dann auch schon alles gesagt. Ich wüsste jetzt nicht, wie ich diesen Begriff, den es im Deutschen nicht gibt, erklären sollte. Wer mag, kann ja mal nach dem Begriff googeln und sich ein paar Bilder ansehen, dann dürfte klar sein, was gemeint ist. Aber: nur suchen, wer schon über 18 ist, das ist nämlich nicht gerade was für Kinder ;-)

Hier würde man es wohl in "Gothic Horror" oder "Medical Horror" einordnen (auch wieder englische Begriffe, aber dafür weitgehend bekannt), verkauft wurde es als "medical horror". Darunter fallen also medizinische Abartigkeiten wie Frankenstein, oder von Lovecraft und Poe einige Geschichten von postmortal entfernten Gehirnen, die dann draußen weiterleben und ähnliches. Oder Sachen wie Sweeney Todd, Repo Man, Jack the Ripper, Jeykill und Hyde und ähnliche nette Zeitgenossen. Wobei das Randbereiche sind, denn Guro an sich gibt es bei uns nicht, und die Japaner haben da etwas geschaffen, an das sich unsere westliche Welt noch nicht herangetraut hat, einziger Film von ähnlichem Ekelfaktor fiele mir lediglich >BRAINDEAD< von Peter Jackson ein, aber der ist im Grunde auch kein Vergleich komplett anders  (aber ähnlich extrem) ...

Aber gut, ich bin in meinem Element, ich schweife ab. Jetzt sollte ich wohl trotzdem besser von FRANKEN FRAN erzählen ...

Professor Madaraki ist Wissenschaftler, und momentan ist er nicht zu Hause. Fran hütet in der Zwischenzeit das Haus. Fran ist seine neueste Schöpfung, und nicht sofort erkennt man, wer oder was sie eigentlich ist, die Gäste halten sie für einen Menschen. Fran hat sehr viel vom Doktor gelernt, und als nun die Gäste mit ihren Anliegen an den Doktor und in Vertretung nun an sie herantreten, hilft Fran gerne. Netter Slogan: "Keine Angst, sie wird Dich nicht töten. Sie repariert Dich nur". Und das ist oft schlimmer. Oder besser?

Der erste Band besteht aus verschiedenen Kurzgeschichten. So will ein Vater den verstorbenen Sohn lebendig machen lassen wegen des Familienerbes. Fran meint es gut und hilft, wenn auch anders als der Vater sich das vorgestellt hatte. Ein junger Mann bittet seine große Liebe um ein Date, sie lehnt ab, geht und wird prompt von einem Auto zerfetzt. Noch ist es nicht zu spät, Fran ist rechtzeitig am Ort des Geschehens und kann das Mädchen wiederbeleben. Nun wird sich zeigen, ob der junge Mann das Mädchen wirklich liebt, denn das Ergebnis ist typisch für Fran!

Ich würde zu gerne mehr erzählen, aber ich möchte nicht vorweggreifen. Der Manga ist einfach grandios gehalten. Wer dieses Genre mag, muss FRANKEN FRAN einfach lieben! Und wer noch nie zu einem Manga gegriffen hat aber blutigen Splatter - Goth - Abgefuckt - Horror mag, der sollte ausnahmsweise mal auf dieses Medium zurückgreifen. Storyline, Zeichnungen, Inhalt, es ist einfach ein kleines Meisterwerk.

Zugegeben, auf den ersten Blick könnte man sagen, es strotzt nur so vor Geschmacklosigkeiten. Blut spritzt, Gedärme liegen am Boden. Der Zeichner spart nicht an Details, wenn das zerfetzte Mädchen von der Straße gekratzt wird. Und als zu medizinischen Zwecken Fran ein Gehirn entfernen muss, zieht sich dieses Bild über eine ganze Zeite und zeigt in allen Einzelheiten den Glibber und Schmodder. Da braucht man schon einen kräftigen Magen oder aber einen recht schwarzen Humor.

Aber hinter diesen Bildern versteckt sich eine sehr gut erzählte Geschichte. Denn trotz der Abstrusitäten werden ethische Dilemmata angesprochen. Und so abartig und brutal Fran wirken mag, so hintergründig sind ihre Motive. Nein, sie ist nicht böse. Sie ist niedlich und lieb, und ihre Taten wirken vielleicht aufgrund der Art und Weise, wie sie Lebewesen miteinander verknüpft und tote Menschen wiederbelebt kalt und brutal. Aber sie hat sich jedes Mal etwas dabei gedacht, und am Ende hat der Leser ein Schmunzeln im Gesicht. Ja, Fran hat es richtig gemacht, sie hat damit Gutes gewirkt und den Menschen geholfen, auch wenn diese es im ersten Moment nicht erkennen konnten. Ich glaube, mit einer Fran wäre diese Welt ein kleines Stück besser. Absurder, aber ehrlicher ...

Die Figuren sind sehr schön gestaltet. Fran ist hübsch gezeichnet, und es gibt tolle Momente, wie ganz nebenbei, wenn sie im wahrsten Sinne kopflos durch das Labor huscht oder sich ihre Arme abschraubt, repariert, beiseitelegt. Sie hat gerne mal einen Ersatzkörper dabei, und wenn nicht, dann muss ihr Haustier herhalten, die Menschenkatze Oka, ein Katzenkörper mit Menschenkopf. Die Wortgefechte zwischen den beiden sind einfach niedlich und verleihen dem Manga eine ordentliche Portion Humor. Fran, die Katze, ihre Butler (lauter Horrorwesen, die nachts bei Vollmond auf Streifzug gehen, sich jedoch vor einem Horrorfilm gruseln), der Wissenschaftler, sie bekommen alle in nur wenigen Panels eine eigene Persönlichkeit, besser als es manchem Autor auf hunderten Romanseiten gelänge.

Die Storyline ist perfekt. Eine der Geschichten dauerte rund 20 Seiten, und auf diesen 20 Seiten hat der Autor es geschafft, drei Twists einzubauen! Und als man dachte, jetzt ist die Story aus, es kommt nichts mehr, schwupps hat sich noch einmal alles gedreht, und es gab noch eine Schlusspointe. Mensch, das finde ich wirklich außergewöhnlich, und das zeugt von der Erzählkunst des Schreibers / Zeichners! Dazu kommt, dass die Geschichten perfekt in die Panels eingearbeitet sind. Kigitsu wählt perfekt seine Einteilung, wofür er nur ein winziges Bildchen braucht, was er groß darstellen muss, und wofür er eine ganze Doppelseite benötigt, besser hätte man den Manga kaum zeichnen und erzählen können. Und das Beste: die überraschenden Wendungen haben perfekte Kunstpausen. Man muss nämlich immer erst umblättern, und dann wird man von einer neuen Monstrosität regelrecht erschlagen, man schluckt, ist schockiert, und dann beginnt man zu lachen, weil es einfach viel zu schräg ist.

Es gibt ein paar Dinge, die ich ungewöhnlich finde: erstaunlich, wie viele Dinge durch die Zensur rutschen. Gut, der Manga ist eingeschweißt und ab 16, aber wäre es ein Film, wäre er vermutlich indiziert. Und ich wette, falls man ein Höschen von Fran gesehen hätte, wäre es auch ab 18 gewesen. Naja, ich denke, ich muss die Zensur  oder Nicht-Zensur nicht verstehen, sollte mich einfach freuen, dass ich ihn ganz normal im Handel kaufen durfte. Klar, es ist fiktiv, das erkennt sogar ein Kind. Aber mal ehrlich, sind das einige anderen indizierten Filme nicht auch?

Eigentlich war der Manga ja als One-Shot gedacht, aber dann folgten weitere Bände. Ich bin froh darüber, denn schon jetzt hat FRANKEN FRAN einen Ehrenplatz in meinem Regal. Einer der Bände, die ich keinesfalls irgendwann verkaufe oder vertausche, der bleibt bei mir, den muss ich ab und zu mal wieder durchblättern, wenn ich gerade in Splatterlaune bin!

Ja, absolutes Special Genre. Normalen Lesern würde ich das nicht empfehlen. Ich glaube, man muss schon ein bisschen krank im Kopf sein, wenn man auf diesen Humor steht. Ich liebe diesen Manga, und Freunde des ungewöhnlichen Splatters werden ihn auch lieben.

SaschaSalamander 04.05.2011, 08.43 | (0/0) Kommentare | PL

Sakura-Gari

watase_sakura02_1.jpegÜber diesen Manga zu schreiben, fällt mir nun sehr schwer. Zum einen, weil man ihn nirgendwo so recht einsortieren kann. Und zum anderen, weil ich befürchte, dass ich die Tragweite und Bedeutung dieses Ausnahmewerkes nicht wirklich vermitteln kann. Ich werde es jedoch versuchen. Und ich möchte diesmal auch die Nicht-Manga-Leser meines Blogs bitten, diese Rezension zu lesen, denn SAKURA-GARI ist wieder einmal ein Beweis dafür, dass es nichts mit Kinderbüchern oder Comics zu tun hat, sondern dass es sich bei Mangas um eigenständige literarische Werke auch für Erwachsene handelt.

Tokio im Jahr 1920. Der junge Schüler Masataka Tagami möchte gerne auf eine große Universität. Dafür muss er eine Vorbereitungsschule absolvieren und benötigt Unterkunft und Auskommen. Er bewirbt sich bei dem Adligen Souma Saiki, der ihn anfangs ablehnt, dann jedoch als Famulus einstellt. Er ist bezaubert von dem attraktiven Mann und gerät "in seinen Bann", was ihm sehr bald zum Verhängnis werden soll. Immer mehr offenbaren sich die Abgründe, welche sich in dem Hause Saiki abspielen, doch für Masataka ist es zu spät, er ist bereits ein Teil des großen Gesamten geworden, umwoben, verstrickt. Er will fliehen, und doch kann er nicht von Souma lassen.

Ich möchte nicht zu viel von der Geschichte vorwegnehmen, denn sie entwickelt sich schleichend wie ein in winzigen Dosen verabreichtes Gift, und von Band zu Band (abgeschlossen in drei Bänden), von Seite zu Seite wird dem Leser immer klarer, was eigentlich geschieht. Es gibt unzählige Überraschungen, und was sich nach und nach offenbart, lässt den Leser zurück mit einem gewaltigen Kloß im Hals.

Auch, wenn der Vergleich beiden Werken nicht gerecht wird (da es sich um zwei komplett unterschiedliche Medien und Inhalte handelt), so musste ich während der Lektüre sehr oft an THE FALL OF THE HOUSE OF USHER von Poe denken. Auf den ersten Blick mag es wenig Ähnlichkeit geben, aber die tiefergehenden Inhalte, die tragische Bedeutung einzelner Elemente, ... nein, ich will nicht sagen, dass die Autorin von diesem Werk inspiriert war, keinesfalls. Aber beide haben mich auf gleiche Weise aus den gleichen Gründen bewegt und schockiert, und ich halte SAKURA-GARI für literarisch ebenso wertvoll.

Die Autorin Yuu Watase ist Manga-Fans vor allem durch die Serie FUSHIGI YUUGI und AYASHI NO CERES bekannt. Ersteres ein romantischer Fantasy-Mädchenmanga. Zweiteres zwar mit romantischen Anteilen und Fantasyelementen, aber doch schon eher ein Drama. Wer diese beiden Titel kennt und von daher auf SAKURA-GARI schließt, womöglich noch sagt "oh, toll, Shonen Ai", der wird kräftig auf die Nase fallen. Denn auch, wenn man ihren unverkennbaren Zeichenstil sofort erkennt - der Inhalt ist ein komplett anderer und nichts, absolut nichts mit den niedlichen Stories zuvor zu tun.

Auch der Begriff Shonen Ai / Boys Love ist so extrem irreführend, dass ich wütend werden könnte über diese Vermarktung. Schade nur, dass "Drama" alleine dem Thema auch nicht gerecht wird. Und, ja, hier und da erotische (oder, besser: sexuelle) Szenen kommen in fast allen Bestsellern gleichwelcher Nationalität vor, aber hier sind sie eben sehr explizit, heftig, und noch dazu homoerotisch. Jedoch nicht als Darstellung von Erotik, wie sie sonst in Boys Love gezeigt wird, sondern als psychologisches Element, als Mittel der Macht. Wunderschön gezeichnet, und doch regt sich nicht die geringste Lust beim Leser, da die Umstände der jeweiligen Situation nur schwer verdaulich sind. Trotzdem ist es wichtig, das Werk auch unter dem Label Boys Love zu vermarkten, da "normale" Leser ziemlich schockiert sein könnten.

Wie nun soll ich die Geschichte beschreiben? Was gibt es noch zu erwähnen? Zuerst einmal möchte ich noch ein wenig näher auf die Charaktere eingehen. Außer Masataka und Souma gibt es noch andere Figuren, und alle sind sie sehr lebendig dargestellt. Man kann sich sehr gut in jeden einzelnen hineinversetzen, und die beiden Hauptdarsteller werden äußerst geschickt in Szene gesetzt. Nach und nach enthüllen sie beide ihre Vergangenheit. Man erfährt von ihren Ängsten, ihren Vorlieben, ihren Sehnsüchten, sie werden plastisch greifbar, als wären sie reale Menschen, die Watase sich zum Vorbild genommen hätte, als würden sie jeden Moment dem Heft entspringen und würden lebendig. In ihren Augen spiegeln sich Trauer, Angst, Melancholie, Hass, Leidenschaft, Liebe, Ekel, wie man es nur selten in dieser Intensität bei Mangas erlebt. Die Geschichte handelt von Mord, Misshandlung, Missbrauch, Depression, Selbstmord, Obsession und Wahnsinn, hübsch verpackt hinter einer Fassade von Adel und Wohlstand, und die Zeichnerin lässt den Leser all diese Dinge am eigenen Leib spüren, statt nur davon zu berichten. SAKURA-GARI ist wie ein Strudel, der alles in sich verschlingt.

Die Wandlung der Figuren und auch der Handlung ist gekonnt dargestellt. Wie zuvor gesagt, es ist ein schleichendes Gift. So beschließt Masataka zu Beginn, die Mauer des Schweigens zu durchdringen. Als er endlich fliehen kann, hat er die Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen Doch statt dessen muss er erkennen, dass auch er zu einem Teil dieser Mauer wurde, dass auch er aus freien Stücken schweigt und die Familie vor dem Zugriff von außen schützt, wenngleich sich alles in ihm dagegen sträubt. Oh, die Entwicklung ist so genial dargestellt, und ich bin immer wieder aufs Neue begeistert, wie man es in Japan schafft, mit Andeutungen und knappen Erzählungen solche wunderbar komplexen Werke auf die Beine zu stellen, wo man bei uns im Westen einen Thomas Mann von 1000 Seiten bräuchte!

Nicht unerwähnt bleiben darf auch die historische Komponente. Der Manga spielt in der >Taisho-Zeit<. Nun kenne ich mich natürlich nicht in japanischer Geschichte aus, und die Autorin gibt auch zu, hier und da trotz intensiver Recherche möglicherweise Fehler eingebaut zu haben. Trotzdem ist es eine sehr schöne Darstellung, und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es wirklich so war (ein wenig Hintergrund habe ich ja nun doch, komplett unbedarft gehe ich an das Thema ja nun doch nicht heran). Es ist gewissermaßen ein "historischer" Manga, was ihn ebenfalls zu etwas Besonderem macht. Genauso wie BARFUSS DURCH HIROSHIMA oder ADOLF wird hier sehr gut geschildert, wie es damals war.

Der Manga ist ungewöhnlich dick, der Preis ist mit 7.50 Euro sehr fair. Ich habe an einem Titel fast doppelt so lange gelesen wie an einem normalen Titel. Gut, andere Mangas haben um die 190 Seiten, daran alleine lag es nicht. Sondern auch daran, dass ich langsam lesen musste. Der Inhalt will verdaut sein, man kann ihn nicht nebenbei überfliegen. Gelegentlich musste ich zurückblättern, ob ich mich recht erinnerte (wie gesagt: in japanischen Filmen und Büchern wird sehr gerne nur angedeutet statt zu zeigen). Und die Bilder sind wunderschön, oft betrachtete ich nur lange Zeit die zarten Gesichter und Details.

Die Bilder sollten übrigens nicht über den Inhalt hinwegtäuschen. Hier wird so einiges auf den Kopf gestellt. Die >Kirschblüte (Sakura)<, sonst in der Regel ein Symbol für Schönheit, Reinheit, Frühling, sie wird hier zu einem Zeichen für das Böse, der Kirschbaum Zeuge schicksalshafter Momente, die Blüten zu einem Sinnbild der Verachtung. Der Leser darf sich nicht täuschen lassen von romantisch wehenden Blütenblättern, von einem hübschen Cover, denn dahinter wartet ein historisches Drama um Macht, Gewalt, Politik und Verbrechen.

SAKURA-GARI ist ein Titel, der in meiner Favoritenliste ganz oben steht. Es ist eines der Werke, die ich auch denen empfehle, die an sich keine Leser von Comics oder Mangas sind. Es ist eine Erzählung, die ich jedem nur empfehlen kann. Wenn es nur wenige Mangas gibt, die man gelesen haben sollte, dann ist dies auf jeden Fall einer davon!

SaschaSalamander 04.03.2011, 09.31 | (0/0) Kommentare | PL

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