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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Zitate

Wolfen

Nach Softerotik und Kinderbuch brauch ich jetzt an den Feiertagen auch ein bisschen was Deftiges, zuviel Süßes ist nicht gut für die Figur ;-)
Et voilá:

Zehn Sekunden später wurden ihre Kehlen aufgerissen. Zwanzig Sekunden später strömte der letzte Rest Leben aus ihren Körpern heraus. Dreißig Sekunden später wurden sie systematisch verzehrt.

aus: Whitley Strieber: Wolfen; Festa 2011, S. 11

SaraSalamander 26.12.2011, 19.10 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Kühlfach betreten verboten

Ein paar Beispiele von Paschas Schnoddrigkeit gefällig? Hier ein paar Szenen, die mir besonders auffielen:

Pascha beschreibt die Kids, die er vor sich sieht:
Na super. Eine besserwisserische Zahnspange, ein frauenverstehender Knirps, ein knödeldicker Türke und ein feuermelderroter Waschlappen. War die 3c die Ausschussklasse der Sonderschule? (S. 10)

Etwas Schreckliches spielt sich vor den Augen der Kinder ab:
Man kann sogar sagen, er war starr vor Entsetzen. Wie das Kaninchen vor der Schlange oder der Bräutigam vor dem Traualtar. (S. 15)

Pascha macht sich über Martins Ernährung lustig:
Er mahlte in der Küche glückliche Kaffeebohnen aus nachhaltig bewirtschafteten, urwaldfreundlichen Bioplantagen für Birgits Espresso, während sein grüner Tee aus einem sozioökologisch vorbildlichen, biodiversifizierten basisdemokratisch-kooperativen Teegarten an den nebelreichen Hängen irgendeines kulturhistorisch bedeutsamen Himalajastaates im Dauerfilter zog. Bei soviel Political Correctness muss ich normalerweise ganz unökologisch kotzen [...] (S. 22 f)

Die Kids streiten sich, Pascha findet das kindisch:
"Wenn ihr eure kindischen Ich-hab-die-meiste-Scheiße-in-der-Windel-Spiele jetzt mal für einen Augenblick vergessen könntet, könnt ihr mir bei meinen Ermittlungen helfen", sagte ich streng.
"Scheiße sagt man nicht", rügte Edi.
"Lass ihn", flüsterte Jo ihr zu. "Der braucht das, um sich wichtig zu fühlen".
"Also selber kindisch", flüsterte Edi zurück. (S. 68)

Kinder und Frauen, Pascha findet beides lästig:
Zum Teufel, die Bonsais waren noch zickiger als eine Tussi, die zwei Tage nicht shoppen war. (S. 100)

Die Aussage des Mädchens entkräftet Paschas Argumente:
Mist, zu viel Verstand ist für Weiber nicht gut. (S. 101)

Martin reagiert nicht so, wie Pascha das möchte:
Ich hätte kotzen können, wenn ich noch hätte kotzen können.

Auch Geister erinnern sich an fleischliche Gelüste:
Vorzugsweise eine gut gebaute Schnecke wie Angelina Jolie, aber mit einem kleineren Mund. Die Jolie könnte ich nicht küssen, da hätte ich immer Schiss, dass sie mich quer frisst. (S. 112)

>Hier< geht es zur Rezension des Buches :-)

aus: Jutta Profijt: Kühlfach betreten verboten; dtv 2011

SaraSalamander 24.12.2011, 09.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Troposphere

Das wirkliche Leben ist, regelmässig kein Geld und dann kein Essen mehr zu haben. Das wirkliche Leben ist, keine vernünftige Heizung zu haben. Das wirkliche Leben ist konkret. Gebt mir Bücher stattdessen, gebt mir die unsichtbaren Inhalte von Büchern, die Gedanken, die Ideen, die Bilder. Lasst mich ein Teil des Buches werden; ich würde alles dafür geben. Von "The End of Mr. Y" verflucht zu sein, das muss bedeuten, Teil des Buchs zu werden; ein intertextuelles Wesen: ein Buch-Cyborg oder, wenn man in Betracht zieht, dass Bücher nichts Kybernetisches sind, dann vielleicht ein Bibliorg. Dinge in Büchern können nicht schmutzig werden, aber das wirkliche Leben ist es, nun ja, am Ende ist es Staub. Selbst Bücher werden zu Staub, wie die zerbröselten Reste, die H.G. Wells´ Zeitreisender in dem Museum findet. Aber Gedanken sind sauber.

(Aus: Scarlett Thomas, Troposhpere. rororo 2008, S. 179)

(Anmerkung: "The End of Mr. Y" ist das Buch, welches eine entscheidende Rolle im Buch TROPOSPHERE spielt. Das Buch gilt als verflucht: es heißt, wer es liest müsse sterben)

SaraSalamander 24.11.2011, 18.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Fausto

dierssen_fausto_1.JPGEine Stelle aus Fausto, die inhaltlich nicht zu lang ist und veranschaulicht, wie der Humor des Buches gestrickt ist, möchte ich jedoch gerne kurz zitieren. Ich fand es so bildlich und konnte mich so gut in Joschel hineinversetzen, dass ich richtig mit ihm litt. Es ist schon tragisch, wenn die Mutter ihn plötzlich für hochbegabt hält! Bisher hatte sie sich ja wenig um ihn gekümmert, sie erzieht ihn eher antiautoritäter und ist der Ansicht, er solle sich um sich selbst kümmern. Als sie jedoch von seiner vermeintlichen Begabung erfährt, wird sie richtig fürsorglich und beginnt sogar für ihn zu kochen! Was dabei herauskommt, wenn eine Frau wie Hanne kocht? Voilá:

**************************************

In den nächsten zwei Wochen folgten:
Curryhirse mit angebranntem Wirsin, fleisch- und gewürzlose Linsenbolognese, ein bröseliger veganer Hirsepuffer, Fingerhirse, Kolbenhirse, Perlhirse und normale Hirse in den Farbvarianten rot und gelb, schwarz, weiß und bräunlich-unappetitlich, Kutki- nd Foniohirise gekocht, gedämpft, gesotten, als Ragout, als heißer Salat, mit lauwarmem Büffelkäse, mit kaltem Kichererbsenpüesto oder mit Couscouspürree verrührt und vermatscht. [...]

Im Internet stieß ich nach eingehender Recherche auf einer Vogelzüchterseite auf den Artikel "Tod durch Hirsekolben". [...]

Es hatte nichts geholfen, dass ich Hanne eine gebrauchte Ausgabe von Schmeckt nicht - gibt´s nicht von Tim Mälzer geschenkt hatte. Jemand musste es durch Schmeckt nicht - täglich ersetzt haben. [...]

"Aber Hülsenfrüchte sind gut für die Synpasen, weißt Du?"
Synpasen? Waren das nicht die Häuser, wo die Juden zum Beten hingingen? Echt unlogisch. Typisch Hanne.
"Für Dein Gehirn", erklärte Hanne. "Hülsenfrüchte sind gut für das Gehirn".
Das war es also!
Die bittere, eiweißreiche Wahrheit. [...]
Jetzt reichte es. Das Essen war keine Gabe der Liebe, sondern Treibstoff für einen Hochbegabten. "Das Essen ist nicht für mich, sondern für mein Gehirn?"
"Für die Synpasen." [...]
Ich schob den Teller weg und stand auf.
"Habe ich was Falsches gesagt? Wo gehst Du hin, Joschel?"
"Zu McDonald´s", sagte ich. "Synpapsen töten".
Unten im Hausflur schlug ich meine Stirn langsam gegen die verbeulten Briefkästen, wartete auf den Schmerz und stellte mir vor, wie eine Handvoll zitternde Synpasen den Geist aufgaben.

(aus: Oliver Dierssen: Fausto; Heyne 2011; S. 61 - 63)

SaraSalamander 03.06.2011, 16.21 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Der Märchenerzähler Zitate

S. 18: Die blauen Stickgarn-Augen waren abgewetzt, als hätten sie schon zuviel gesehen. Sie blickten müde und ein wenig ängstlich.

S. 33: Zwei Tage, in denen sie ihn beobachtete, wie er schwieg.

S. 40: Seine Worte klangen anders. Jemand hatte Licht zwischen den Sätzen angezündet.

S. 54: Ihre Stimme war so kalt wie Eis, schmeckte aber nicht nach Vanille. Sie schmeckte nach Scheuerpulver und einer kittelgestreiften Lebensenttäuschung.

S. 55: Es begann aus den entsetzten blauen Augen zu regnen.

S. 72: Der Raureif im Garten war ein Mantel aus Zugvogelflaum.

S. 133: Die Luft im Garten war gar nicht mehr so blau wie sonst. Etwas Rötliches hatte sich hineingemischt. Bertil versuchte größer auszusehen - und er wird dabei kleiner, ohne es zu merken.

S. 210: Das weiße Rauschen au sdem Walkman hüllte sie beide ein wie eine dicke Decke aus Neuschnee, es faltete seine Flügel über ihnen zusammen und schloss die neugierigen Blicke aus.

S. 246: Die anderen redeten über Geschichte. Jahreszahlten surrten über ihren Köpfen durch die Luft wie merkwüdig gestaltlose Winterbienen.

S. 258: "Du hast Recht", sagte Abel im Flur. "Die Luft ist blau. Ich hätte nicht gedacht, dass das stimmt". Er lächelte. "Ja", sagte Anna, "gestern wäre ich beinahe darin ertrunken".

S. 284: Die Wellen glichen jetzt dunkelgrünem Honig. Es musste am Misstrauen liegen.

S. 328: Abel stand nicht mehr bei den Fahrradständern. Es war, als wäre auch er weggetaut, mit dem Schnee verschwunden.

S. 346: Sie fiel in die Umarmung wie in warmes Wasser, wie auf ein Sofa, wie in einen Sommertag, wie in die Tür eines Ortes, der Zuhause war.

S. 367: "Am Ende springe ich über so viele Schatten, dass ich keinen mehr habe, und was ist ein Mensch ohne Schatten?"

SaraSalamander 09.04.2011, 11.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der alte Gernhardt

Dich will ich loben: Hässliches,
du hast so was Verlässliches.
Das Schöne schwindet, scheidet, flieht
– fast tut es weh, wenn man es sieht.
Wer Schönes anschaut, spürt die Zeit,
und Zeit meint stets: Bald ist's soweit.
Das Schöne gibt uns Grund zur Trauer.
Das Hässliche erfreut durch Dauer.

(Robert Gernhardt)

SaraSalamander 18.11.2009, 17.37 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Vom Glück und vom Pech

Es gibt Tage, da will dir rein gar nichts glücken. Dein Fuß findet den Weg vom Bett zum Pantoffel nicht, sondern landet auf dem Rücken deines geliebten Hundes, der dir vor Schreck nach dem Knöchel schnappt. Den Kaffee gießt du an der Tasse vorbei - und natürlich direkt auf das frisch gewaschene Hemd. Auf dem Weg zur Metro stellst du fest, dass du Papiere und Geld zu Hause vergessen hast, und als du kehrtmachst, wird dir klar, dass du die Sachen nicht vergessen, sondern verloren hast. Zusammen mit den Schlüsseln.

Aber auch das Gegenteil kommt vor. Du wachst munter und mit angenehmen Erinnerungen an einen Traum auf, der gestrige Schnupfen hat sich über Nacht spurlos verflüchtigt, es gelingt dir, weich gekochte Eier zu fabrizieren, deine Freundin, mit der du dich am Vortag überworfen hast, ruft von sich aus an und bittet dich um Verziehung, Oberleitungs- und Autobus kommen, kaum dass du die Haltestelle erreicht hast, dein Chef ruft dich zu sich und teilt dir mit, er habe beschlossen, dir eine Gehaltserhöhung zu gewähren und eine Prämie auszuzahlen.

Solche Tage jagen mir mehr Angst ein. Denn das wusste man bereits in der Antike: Man darf das Schicksal nicht durch übermäßigen Erfolg ergrimmen. Der Herrscher Polykrates hat sich schon etwas dabei gedacht, als er den Ring ins Meer war. Als die See dieses Opfer verschmähte, hätte der König sich freilich den Finger abschneiden müssen, womöglich wäre er ihm ja nicht nachgewachsen. Solltest du kein geborener Glückspilz sein, der mit dem leichten Schritt eines Flaneurs durchs Leben geht, dann hüte dich vor den glücklichen Tagen! Nicht umsonst gleicht das Leben der gestreiften Gefängnistracht. Hast du heute Pech, winkt dir morgen schon das Glück.

aus: S. Lukanjenko: Weltengänger; Heyne, 2007, erster Absatz

SaraSalamander 25.05.2009, 18.50 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Wunder

Erstens: Wunder gibt es nicht.
Zweitens: Ausnahmen schon, aber nur bei bösartigen Wundern.
Doch wenn die Zeit der bösartigen Wunder gekommen ist, dann hat es keinen Zweck, ein guter Mensch zu sein.

aus: S. Lukanjenko, Weltengänger, Heyne 2007, S. 86

Mmh, ich liebe diesen Stil. Grau, trostlos, Livre Noir  ... kann man das so sagen, Livre Noir, statt Film Noir? *grübel* ... ich sehe beim Lesen regelrecht die Schatten vor mir, die tief ins Gesicht gezogenen Hüte, die Dreitagebärte der angetrunkenen Antihelden, die tiefen Ausschnitte der Ladies, rieche den Wodka und das Erbrochene in der Gosse,  der Protagonist murmelt düstere Aphorismen ... der Autor "hat´s wirklich drauf"!

SaraSalamander 21.05.2009, 16.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Hohlkörper

Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl,
ist das allemal im Buch?
(C.G. Lichtenberg)

SaraSalamander 05.07.2008, 21.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die ganze Welt ist eine Bühne

All the world´s a stage
(As you like it 2/7)
W. Shakespeare

All the world's a stage,
And all the men and women merely players:
They have their exits and their entrances;
And one man in his time plays many parts,
His acts being seven ages. At first the infant,
Mewling and puking in the nurse's arms.
And then the whining school-boy, with his satchel
And shining morning face, creeping like snail
Unwillingly to school. And then the lover,
Sighing like furnace, with a woeful ballad
Made to his mistress' eyebrow. Then a soldier,
Full of strange oaths and bearded like the pard,
Jealous in honour, sudden and quick in quarrel,
Seeking the bubble reputation
Even in the cannon's mouth. And then the justice,
In fair round belly with good capon lined,
With eyes severe and beard of formal cut,
Full of wise saws and modern instances;
And so he plays his part. The sixth age shifts
Into the lean and slipper'd pantaloon,
With spectacles on nose and pouch on side,
His youthful hose, well saved, a world too wide
For his shrunk shank; and his big manly voice,
Turning again toward childish treble, pipes
And whistles in his sound. Last scene of all,
That ends this strange eventful history,
Is second childishness and mere oblivion,
Sans teeth, sans eyes, sans taste, sans everything.

SaraSalamander 20.05.2008, 10.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL



 






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