SaschaSalamander

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Wieder ein Kirchenthriller

Nun lese ich also "Messias" von Isau und bin bisher sehr begeistert. Ich habe nicht zuviel erwartet, und nur vom Ende ist meine Meinung nun abhängig, aber momentan ist es einfach klasse!

Ein greller Lichtschein, und die Jesusfigur ist vom Kreuz in der kleinen irischen Kirche verschwunden. Dafür liegt ein Mann mit Stigmata und einer Dornenkrone auf dem Boden, der hebräisch spricht und sich Jeschua nennt. Ein Ermittler aus dem Vatikan wird angewiesen, diesen Vorfall zu prüfen. Handelt es sich um ein Wunder, oder sind geschickte Betrüger am Werk? Was hat es mit den Morden auf sich, die wie Gottesurteile aussehen? Wie ist es möglich, dass sich Hostien plötzlich in Fleischklumpen verwandeln?

Und mittendrin eine spannende Familiengeschichte mit schrulligen Charakteren. Wirklich prima, und es fällt mir schwer, das Buch zwischendurch beiseite zu legen. Wie gesagt, ich bin mehr als nur gespannt auf das Ende!

SaschaSalamander 08.07.2010, 20.02 | (0/0) Kommentare | PL

Flavia DeLuce

"Flavia Deluce - Mord im Gurkenbeet" von Alan Bradley. Dieses Buch sprang mir beim Stöbern in meiner Lieblingsbuchhandlung sofort ins Auge. Einerseits wegen des wirklich hübsch gestalteten Covers, zum anderen aufgrund des schrägen Titels. Schräge Titel mit ungewöhnlich schrägem Cover lassen in der Regel auf schräge Inhalte hoffen, und ich wurde nicht enttäuscht.

Flavia ist ein Mädchen von gerade einmal 11 Jahren. Sehr intelligent, muss sie sich ständig gegen ihre beiden älteren Schwestern durchsetzen. Ihr Hobby ist die Chemie, die sie aus einem alten Buch praktiziert und damit so einigen Unsinn anstellt, etwa den Lippenstift ihrer Schwester ein wenig zu manipulieren. Und eines Tages nun liegt ein Sterbender im Garten und haucht Flavia seinen letzten Lebensatem ins Gesicht. Natürlich geht es gleich darauf rund: die Polizei taucht auf, und bald wird ihr Vater als Hauptverdächtiger festgenommen. Flavia beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, denn sie hat Informationen, welche sie der Polizei geheimhielt. Dabei erfährt sie eine Menge über die alten Schulfreunde ihres Vaters, über zwei wertvolle Fehldrucke der Briefmarke Penny Black und einige chemischen Zusammenhänge. Messerscharf zieht sie ihre Schlüsse und findet den Mörder. Doch sie gerät in Gefahr, als sie dem wahren Mörder gegenübersteht. Es scheint alles zu spät ...

Das Buch hat mir sehr gefallen. Was das Buch kennzeichnet, ist ein großer Vorteil, jedoch zugleich leider auch der Nachteil des Buches: es ist im Voraus kaum zu beschreiben, und auch sonst passt es in keinerlei Schublade. Es ist kein Kinderbuch, obwohl die Protagonistin erst 11 Jahre alt ist. Ein richtiger Erwachsenenkrimi ist es jedoch auch nicht. Es enthält bissigen, schwarzen Humor, ließe sich jedoch nicht direkt in das Genre "schwarzer Humor" einordnen, dazu würde ich hiervon dann etwas mehr erwarten. Es ist sehr spannend, wie das Briefmarkensammeln und die Chemie ein eigenes Thema bekommen, das ist mal sehr innovativ, allerdings könnte vor allem der Bereich der Chemie etwas besser ausgebaut sein. Es ist ein Feuerwerk an hervorragenden Charakteren, etwa dem alten Kriegsveteran Dogger, der schrulligen Haushaltshilfe Mullet, den zickigen Schwestern, der seltsamen Bibliothekarin, dem vor Erinnerung gramen Vater, dem Gedenken an Flavias verstorbene Mutter Harriet und vielen anderen Personen. Zugleich jedoch sind einige dieser Figuren so lebendig und spannend, dass man ihnen ein eigenes Buch wünscht und etwas enttäuscht ist über das Schattendasein neben Flavia.

Klar könnten Kritiker jetzt auch ankommen und sagen, dass ein 11jähriges Mädel nicht so intelligent sein kann, dass sie sich nicht so gut mit Chemie auskennt, dass ein Kind dieses Alters keinen solch komplexen Mord auflösen kann, und so weiter. Aber, mal ehrlich, sind die Krimis für Erwachsene realistischer? Natürlich muss der Held eines Buches etwas Besonderes sein, und Flavia ist einfach genial. Sie ist pfiffig, sympathisch, eigenbrötlerisch. Sie hat manchmal recht seltsame Gedankengänge, wie sie eben ganz typisch sind für Kinder ihres Alters, und dann im nächsten Moment ist sie wieder die spitzfindige Detektivin. Ein Problem, wie es hochintelligente Kinder wohl kennen dürften, der Zwiespalt aus Kind- und Erwachsenensein ist hier sehr schön dargestellt.

Sehr schön finde ich den Kleinkrieg zwischen Flavia und ihren Schwestern. Das Buch beginnt gleich damit, wie die Kleine gefesselt in einem dunklen Zimmer sitzt und sich befreien muss, nachdem ihre Schwestern sie dort "verpackt" hatten. Wo die beiden Älteren jedoch mit verbalen Attacken ("Du bist nicht unsere Schwester, Mutter hat Dich nur adoptiert") und körperlichen Angriffen auf sie losgehen, weiß Flavia sich heimlich mit Chemie in den Kosmetika der Schwestern zu wehren. Was jedoch nicht heißt, dass diese das nicht registrieren und wiederum auf ihre eigene Weise kontern.

Zudem bin ich ja großer Fan des britischen Königreiches, ob nun britische Autoren oder Handlunsorte, und sehr gerne hierbei die Industrialisierung, das Viktorianische Zeitalter oder das frühe 20te Jahrhundert. Ich mag den britischen Humor, das Lebensgefühl, die schrulligen Charaktere. Und all dies kommt in Flavia sehr deutlich beim Leser an, eine ganz große Portion britischer Stiffness, Arroganz und beißendem Witz, natürlich immer im treuen Dienste ihrer Majestät. Ein tolles Setting für dieses Buch.

Für mich hat sich Flavia nun einen Platz zwischen den Baudelair-Waisen, Artemis Fowl, Eddie Dickens, Alice Liddl und Twig ergattert. Ich liebe freche Kids mit Wortwitz und schrägem Humor ...

Ein wenig enttäuscht wird hier und da ein Leser wohl sein aufgrund fehlgeleiteter Erwartungen. Aber für sich betrachtet ist es ein wundervolles, äußerst unterhaltsames Werk mit einer ungewöhnlichen Protagonistin, die ich nicht mehr vergessen werde. Gerne hätte ich damals eine Freundin wie Flavia gehabt. Ich kann es nicht erwarten, bis im September der zweite Teil "Mord ist kein Kinderspiel" erscheinen wird, ich werde sicher einer der ersten Leser hiervon sein!

Vielleicht ist das Problem das gleiche wie bei allen Büchern, die so stark vermarktet werden: man erwartet entweder etwas ganz anderes oder aber sehr viel mehr. Dadurch verblasst das eigentliche Buch dann manchmal ein wenig. Deswegen ist es sinnvoll, völlig ohne Erwartungen an "Mord im Gurkenbeet" heranzugehen, und dann wird das freche Gör gewiss begeistern :-)

Und ein kleiner Tipp zum Abschluss: das Hörbuch wird gelesen von Andrea Sawatzki, bekannte Tatort-Schauspielerin und grandiose Hörbuchsprecherin, die besonders in "Jane Eyre" und "Gut gegen Nordwind" eine hervorragende Leistung zeigte. Sie ist meine liebste weibliche Sprecherin, und ich kann daher auch das Hörbuch jedem nur ans Herz legen.


SaschaSalamander 07.07.2010, 10.04 | (0/0) Kommentare | PL

Der Herr der Finsternis

lukianenko_herrfinsternis_150_1.jpgSergej Lukianenko ist einer der Autoren, deren Name für mich ein Garant für Top Unterhaltung ist. Es gibt eben Schreiberlinge, bei denen es mir egal ist, ob ich nun einen Thriller, einen Sci-Fi, ein Kinderbuch oder etwas ganz anderes in die Finger bekomme. Eschbach, Isau, Hohlbein, auch Lukianenko, sie schreiben egal über was, es wird zu Gold. Und auch beim "Herr der Finsternis" war dies der Fall.

Typische Verlagspolitik: irgendein Buch des Autors wird zum internationalen Megaerfolg. Und dann beginnt man, nach und nach einen Titel nach dem anderen zu veröffentlichen, der davor geschrieben wurde. Und wie üblich sind manche  Leser enttäuscht und andere begeistert. Auch der Bestsellerautor Lukiausw darf sich dieses Schicksales erfreuen, worüber ich sehr froh bin :-)

Danka sitzt in seinem Zimmer, als er einen Lichtstrahl zum Bleiben auffordert und dieser sich in einen Sonnenkater verwandelt. Er führt ihn in eine andere Welt, deren Sonne verkauft wurde. Dort kämpfen Freiflieger gegen Flügelträger im ewigen Kampf um Licht und Dunkelheit, und Danka ist dazu ausersehen, diesen Krieg zu führen.

Ich bin begeistert. Und ein wenig ernüchtert. Wieder einmal hat mich ein Buch dieser Art begeistert. Hohlbeins Fantasywerke mit seiner Frau gemeinsam. Isaus Neschan. Endes unendliche Geschichte. Irgendwie sind sie alle gleich, und immer wieder lese ich sie gern. Es war einfach nichts Neues, die Handlung verlief sehr geradlinig und vorhersehbar, der "Endgegner" hat mich in keinster Weise überrascht. Der Schreibstil ist eher einfach, auch ein paar unangenehme Übersetzungsmängel haben sich eingeschlichen. Ich weiß gar nicht, was ich näher zu diesem Buch schreiben soll, denn es ist ein Buch, wie ich schon unzählige gelesen habe. Und auch die Elemente aus dem Weltengänger (ebenfalls Lukianenko) sind sehr deutlich.

Aber ich bin auf der anderen Seite auch begeistert. Denn ich muss fairerweise auch bedenken, dass es ein Jugendbuch ist, und kein Buch für 30jährige Bücherratten, die schon so viel gelesen haben, dass sie kaum noch etwas überraschen kann. Und auch mit der Wächter-Trilogie darf ich es stilistisch nicht vergleichen, da die Wächter einige Jahre später entstanden und der Autor inzwischen mehr Erfahrung und Stil hatte, wie man sehr deutlich spürt. Und der Vergleich mit dem Inhalt der Weltengänger ist ebenfalls ungerecht, da der Herr der Finsternis 11 Jahre später entstand und nicht der Herr der Finsternis an den Weltengänger erinnert, sondern umgekehrt.

Und ich stelle fest, dass ich nicht einmal über diesen Roman selbst schreibe momentan, sondern über andere Werke. Aber, wie gesagt: es fällt mir schwer, über dieses Buch zu schreiben, so gut es mir auch gefallen hat, so begeistert ich auch während des Lesens war. Doch ich kann eigentlich nur wiederholen, was ich zu zig anderen Büchern schon geschrieben habe:

sehr schöne Charaktere, die sich nachvollziehbar weiterentwickeln. Vor allem der Protagonist Danka und sein Schützling Len bieten eine hervorragende Identifikationsfigur für jugendliche Leser, die sich in dem mutigen Anführer oder dem ängstlichen Schüler wiederfinden können. Der Sonnenkater ist wunderbar beschrieben in seiner arroganten und doch liebenswerten Art. Auch die anderen Personen des Werkes gefallen mir sehr, auch wenn sie doch dezent im Hintergrund bleiben.

Die Handlung ist spannend, und ich habe das Buch in zwei Tagen durchgelesen. Ein absoluter Pageturner, obwohl ich doch "wusste" (recht gut vorhersehen konnte), was geschehen würde. Aber nichtsdestotrotz vermag Lukianenko sogar Erwachsene zu fesseln in der geheimnisvollen Welt ohne Licht.

Und wie für dieses Genre üblich, wird sehr viel in Bildern gesprochen und ein wenig moralisiert. Licht und Schatten stehen im immerwährenden Widerstreit, und doch gehören sie zusammen, kann eines nicht ohne das andere existieren, und die Grenzen zwischen Gut und Böse sind nicht klar definiert. Am Ende muss der Held über sich hinauswachsen und erkennen, dass auch er nicht zwangsläufig zu den Guten gehört, und diese Erkenntnis wird ihn je nach der darauffolgenden Entscheidung zum Untergang oder zum Sieg führen. Verrat, Freundschaft, Vertrauen, Angst, Überwindung, Mut und Stärke begleiten die Helden auf dem Weg bis zum erfolgreichen Ende, das natürlich dennoch einige Verluste verzeichnen muss. Manchmal war mir der moralische Zeigefinger fast ein wenig zu deutlich, aber ich denke, als Erwachsener achtet man eher darauf und liest viele Bücher auch mit pädagogischem Hintergedanken.

Also, kurz gesagt, ich habe das Buch fast nonstop verschlungen. Ich habe keine große Erkenntnis daraus gezogen, es hat mir nichts Neues gezeigt. Ein zweites Mal werde ich es wohl nicht lesen. Aber es hat mich grandios unterhalten und wird mir in sehr positiver Erinnerung bleiben, wenn ich herausragende Jugendfantasy empfehle.

SaschaSalamander 30.06.2010, 19.57 | (0/0) Kommentare | PL

2 men kissing

skylark_2men_150_1.jpgDiesmal keine Romantik und kein SM, sondern ein homoerotischer Roman. Was da nicht alles zufällig in meinem Regal liegt ;-)

"2 men kissing" ist eine Anthologie von Skylark und Beck, die in 24 Kurzgeschichten verschiedene Phantasien schildern. Die Geschichten sind unterschiedlichster Spielart und dürften verschiedene Geschmäcker bedienen. Da gibt es zum Beispiel Sci-Fi mit zwei außerirdischen Brüdern, auch Fantasy mit einem knackigen Fischmann oder zarte Romantik, sogar ein kleines Drama und ein wenig softe Horrorelemente sind zu lesen.

Sehr schön finde ich, dass die Geschichten nicht des Sex wegen geschrieben wurden, sondern vor allem Inhalt haben und Gefühl vermitteln. Kommt nicht oft vor, und hier waren die beiden Autoren meiner Ansicht nach sehr kreativ. Ein paar Beispiele gefällig? ;-)

Eine Archäologin findet bei Ausgrabungen etwas, womit sie niemals gerechnet hätte. Zwei Jugendfreunde treffen sich nach vielen Jahren wieder und bekennen sich ihre Gefühle. Ein junger Mann bekommt täglich Blumen von einem geheimen Verehrer geschenkt, macht sich auf die Suche nach ihm und findet etwas Erstaunliches. In der Disco treffen sich zwei Männer, von denen sich einer als blind entpuppt, und bald wird die aufkeimende Freundschaft von einem schlimmen Ereignis überschattet. Ein Krankenhausbesuch entwickelt sich dank der Latexhanschuhe des Arztes anders als geplant. Und ein ganz besonderer nächtlicher Besucher verändert das Sexleben eines von der Ehe frustrierten Mannes.

Doch, die Ideen finde ich interessant. Auch gefällt es mir, dass es nicht pornographisch zur Sache geht und wild durch die Gegend gerammelt wird, sondern dass es dezent bleibt. Das, was angedeutet wird, ist häufig erotischer als zu intime Details, das gilt nicht nur für Filme und Bilder, sondern auch für Literatur.

Schade allerdings finde ich, dass es dann auf Dauer nach mehreren Geschichten langsam eintönig wird. So schön die Romantik und die Gefühle sind, irgendwann ab der Mitte des Buches fehlt mir dann doch ein wenig die Action. Am Stück ließe sich dieses Buch für mich keinesfalls lesen.

Wer Hardcore bevorzugt und Bücher liebt, in denen es so richtig "zur Sache geht", sollte definitiv die Finger von diesem Buch lassen. Wer Romantik, nette Rahmengeschichten, knackige Jungs und Zärtlichkeiten mag, wird dieses Buch lieben. Wer zwischendurch Abwechslung in seinem literarischen Liebesleben möchte, sollte alle paar Tage in kleinen Dosen eine Geschichte zu sich nehmen und nicht zu viele Stories am Stück lesen :-)

SaschaSalamander 23.06.2010, 21.53 | (0/0) Kommentare | PL

Tante Inge haut ab

heldt_inge_150_1.jpgEin erfrischend leichter Roman um eine rüstige ältere Frau, welche so gar nicht nach den Vorstellungen ihrer jungen Verwandten handelt. Ich fand den Titel klasse, deswegen wurde ich auf das Buch aufmerksam, und das hübsche schlichte Cover trug seinen Teil bei.

Es beginnt damit, dass Christine mit ihren 46 Jahren nun im Vorgängerroman ("Urlaub mit Papa", ist jedoch nicht erforderlich zum Verständnis von "Tante Inge") endlich die Liebe ihres Lebens gefunden hat und mit ihm den Urlaub bei den Eltern auf der Insel verbringen will. Am Bahnsteig begegnet ihnen doch glatt eine Frau, die aussieht wie Tante Inge. Aber Tante Inge würde keinen so seltsamen Hut tragen. Und sie würde auch nicht ohne ihren Mann verreisen. Geschweige denn sich einfach so auf den Weg machen! Doch es IST Tante Inge. Und sie wirft so ziemlich alle Vorstellungen über den Haufen, die man sich bisher von ihr gemacht hatte. Sie will ihr Leben selbst in die Hand nehmen, sie ist ohne ihren Mann gefahren. Und was für Christine eigentlich ein ruhiger Familienurlaub werden sollte, wird zu einem Chaos mit teils recht überraschenden Wendungen.

Die Charaktere sind mir allesamt sympathisch. Trotz oder auch wegen ihrer Macken. Die überfürsorgliche Mutter, der pingelige und steife Vater, der alles ertragen müssende Lebensgefährte Johann, die rüstige Tante Inge, Inges aufgetakelte Freundin, Tante Inges geiziger Ehemann, die alleinerziehende Kellnerin mit ihrem kleinen Sohn. Sie sind keine klassischen Protagonisten, sondern einfach Menschen, die direkt aus dem Leben stammen könnten. Fast meint man, sie wohnen nebenan.

Die Handlung ist kein großer Knaller, das Rad wurde nicht neu erfunden. Dennoch ist die Geschichte witzig erzählt, es ist ihr angenehm zu folgen, es kommen keine Längen auf, und nach einiger Zeit wird dem Leser sogar klar, dass eine kleine Überraschung folgen wird, nämlich der wahre Grund für Tante Inges Wandel. Als dieses kleine Geheimnis gelüftet wird, kommt noch einmal richtig Fahrt in den Plot: ein Überfall, ein hinterhältiger Betrug, nun wird auch Inges Mann endlich aktiv, und ständig drückt der Leser die Daumen, dass noch alles gutgehen möge und es so kommt, wie Tante Inge sich das gewünscht hat.

Ein Buch, das ich absolut für leichten Lesegenuss zwischendurch empfehlen kann. Es ist eine Anekdote, wie sie sich so tatsächlich ereignen könnte und man sie bei der nächsten Familienfeier erzählt. Ideal für gemütliche Stunden am Strand, in der Badewanne oder zwischendurch. Erfrischend, witzig, spannend, und trotzdem nicht zu anstrengend. Genau richtig, wenn man abschalten möchte ;-)

SaschaSalamander 07.06.2010, 17.17 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Lilienblut

herrmann_lilien_150_1.jpgDer Titel "Lilienblut" macht neugierig, das Cover sieht wunderhübsch. Und es liegt bei den aktuellen Titeln der Jugendliteratur. Klar, dass ich neugierig wurde. Ich habe mich gar nicht weiter um Inhalt oder Genre gekümmert, sondern mich völlig unbefangen auf das Buch eingelassen. Darüber bin ich sehr froh, und ich habe die Zeit genossen, habe nebenbei gemalt, gearbeitet, einfach nur daglegen und gelauscht.  Die Autorin war mir bis dahin unbekannt, aber ich werde mich nun näher mit ihr beschäftigen (bei Amazon gibt es ein Interview mit ihr sowie den Ausschnitt der Lesung), auch ihre anderen Werke lesen. Hoffentlich schreibt sie bald ein neues Jugendbuch! Es ist eines der wenigen Bücher, die in mir nach dem Lesen ein Gefühl der "Leere" weckten. Das Buch ist gelesen, und ein anderes direkt im Anschluss möchte ich nicht, ich muss jetzt eine Pause machen, dieses Buch sacken lassen. Es hat mich berührt, und ich möchte nicht irgendetwas anderes hinterdrinschieben, solange der süße Geschmack des Rheinweins noch in mir ist ...

Sabrina ist 16 Jahre alt, und an ihrem 16ten Geburtstag schenkt ihre Mutter ihr einen eigenen Weinberg. Doch Sabrina ist wenig begeistert, sie sieht darin nur Arbeit, hat doch sogar ihr Vater die Mutter verlassen, "weil er nicht ahnte, was es heißt, mit einer Winzerin verheiratet zu sein". Sabrina verbringt den Rest des Tages mit ihrer Freundin Amelie in der Eisdiele und am Flussufer, wo ihnen ein geheimnisvoller Fremder auf einem Lastkahn begegnet. Amelie folgt ihm, sie wittert das Abenteuer auf dem Wasser, sie will fort. Und sie kommt niemals wieder. Denn Amelie wird ermordert, und für Sabrina beginnt eine schreckliche Zeit. Niemand will Sabrinas Schilderung der Ereignisse glauben, Tatverdächtig ist der Fremde, und Sabrina kann nichts dagegen tun. Die Polizei kommt in den Ermittlungen nicht voran, und Sabrina versucht auf eigene Weise, Licht in das Dunkel zu bringen. Was hat es mit dem Mord vor sich, der vor acht Jahren an der gleichen Stelle geschah? Warum weigern sich alle, den Lastkahn gesehen zu haben?

"Lilienblut" ist ein wundervoller Roman. Die Autorin trägt das Hörbuch selbst vor, und sie hat eine sehr gut dafür geeignete Stimme, ich könnte mir für dieses Buch keine bessere vorstellen. Normalerweise bin ich definitiv kein Freund von Autorenlesungen, die meisten sind eher eine misslunge Selbstdarstellung, doch dieses hier ist ein absoluter Tipp, und ich hoffe, dass die Autorin auch andere, nicht von ihr geschriebene Bücher vortragen wird. Ich mag ihre Stimme und ihren Stil sehr: ein ruhiger Klang, der die Handlung still und flüssig voranträgt. Wie ein gemütlicher Tag am Fluss, das Wasser plätschwert vorüber, hier und da eine Schnelle, die Vögel fliegen vorüber, die Sonne scheint, ein kühler Wind weht. So fühlt sich das Buch für mich an. Während der Schilderungen sah ich vor mir die Biegungen des Rheins, die Burgen am Ufer, ich sah die Schiffe ziehen, war mit Sabrine und ihrer Freundin auf dem Weinberg zwischen den Rebstöcken, und ich vermisste diese Gegend, die ich früher oft besuchte. Ich kenne die Region, und ich fühlte mich ein bisschen wehmütig beim Hören ...

es ist kein actiongeladener Krimi für Jugendliche, wie er heute oft vermarktet wird. auch kein Fantasyschinken. Sondern ein sanfter, stiller Roman ums Erwachsenwerden, um die erste Liebe, um ein tragisches Schicksal und ein mutiges Mädchen. Sie ist hier und da unvernünftig, wenn sie Informationen möchte, doch sie ist keine Superheldin wie die modernen Superteenager Alex Rider oder andere Spionagekids. Sondern sie ist ein ganz normales Mädchen, das sich von der Mutter unverstanden fühlt, ohne Superkräfte auskommen muss, Freundinnen hat und sich mit den Mädchencliquen der Schule herumägern muss. Keine wirkliche Antiheldin, auch keine Heldin. Einfach ein  normales Mädchen. So normal, dass sich jeder mit ihr auf gewisse Weise identifizieren kann. Auch ihre Freundinnen sind sehr sympathisch und menschlich. Amelie, das Glamour-Girl mit ihren Wünschen von Zukunft und Fernweh. Lukas, der schüchterne Junge, der so gerne ihr Freund sein möchte. Beate, die kaum Freundinnen hat und sich immer öfter mit Sabrina treffen möchte. Der geheimnisvolle Kilian, der ein schweres Geheimnis mit sich trägt.

Ich mag es, wie Sabrina "ermittelt", oder genauer gesagt nachfragt, mit Menschen redet. Spannende Momente gibt es, in denen der Leser / Hörer gebannt innehält und kaum zu atmen wagt, aber keinesfalls Verfolgungsjagden oder grausame Gewaltschilderungen. Als Sabrina die Wohnung des ehemaligen Hafenarbeiters aufsucht, erwartete ich das Schlimmste, ebenso als sie das Schiff betrat und den verschlossenen Raum öffnete. Doch ich bin überglücklich, dass die Autorin auch hier den Leser mit dem üblichen Spektakel verschont. Es gelingt ihr hervorragend, Spannung auch ohne Gewalt und Blut zu erzeugen.

Jugendliche werden sich perfekt in Sabrina einfühlen können, ihre Wege nachvollziehen können. Erwachsene würden vielleicht manchmal gerne eingreifen. Doch wie im wahren Leben, Jugendliche sind keine Erwachsenen, und Jugendliche müssen ihren eigenen Weg gehen. Der erwachsene Leser begleitet Sabrina und fühlt sich erinnert, wie es damals war, als man selbst einmal die altersbedingten Entwicklungen erleben musste.

In allem schwingt ein Hauch von Melancholie mit. Auch, wenn die Jahreszeiten im Buch wechseln, habe ich das Gefühl, als spielte alles im Herbst. Ein Hauch Vergänglichkeit, als Sabrina bereits in ihren jungen Jahren mit etwas so Tragischem wie dem Mord an ihrer besten Freundin konfrontiert wird. Wehmut, als sie nicht so recht weiß, wie sie Lukas begegnen soll und ob sie möchte, was er von ihr will. Unsicherheit, als Beate sie anspricht und ihre Nähe sucht. Zweifel, ob die Zukunft im Weinberg das ist, was sie sich wünscht. Probleme mit den hohen Ansprüchen ihrer Mutter. Und doch eine wunderbare Geschichte ums Erwachsenwerden. Mit einem Ausgang, der mich nicht sonderlich überraschte, der aber für manchen Leser eine interessante Wende sein dürfte.

Die Sprache ist sehr einfach, und passend zum Wasser wieder der Vergleich "sie fließt dahin". Keine Schnörkel, aber auch nicht zu knapp. Einfach perfekt, um darin einzutauchen und sich treiben zu lassen. Ich mag den Stil der Autorin, die präzise und ohne Umstände das Wesentliche beschreibt, ohne Eile, aber doch geradlinig und zielstrebig.

Ein Krimi, perfekt für Jugendliche in der Pubertät. Und ein Roman, wie Erwachsene ihn verschlingen, wenn sie genug haben von Gewalt, Brutalität, Verfolgung, Verschwörung, Tragik, Blut und Misshandlung. Ein Roman für Erwachsene, die sich Zeit nehmen für das Wesentliche, statt sofort zum nächsten Thrill zu hetzen.

Ein Buch, wie es mehrere geben müsste ...

SaschaSalamander 31.05.2010, 21.47 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

OPUS ANIMA

Ich weiß gar nicht so recht, in welche Kategorie ich diesen Beitrag packen soll. Es ist keine Rezension. Aber auch nichts, das ich aktuell lese, eher nebenbei (ein Regelwerk bzw ein Fach liest man eben nicht, sondern holt sich Infos bei Bedarf). Es könnte auch passen in "rund um Bücher". Aber ich packe es mal in die Spieleecke, denn im Grunde ist es, Regelbuch hin oder her, kein Buch, sondern ein Spiel ;-)

Ich möchte hier gar nicht groß erzählen, was ein Rollenspiel ist, wie es funktioniert, denn für Außenseiter müsste ich hier sehr weit ausholen, und Insider würde ich damit langweilen. Aber vielleicht hat ja jemand schon von "DSA" (das schwarze Auge), "D&D" (Dungeons and Dragons), Vampire the Masquerade, Shadowrun gehört, das sind mit die bekanntesten Rollenspiele, aber es gibt noch unzählige Systeme mehr in allen Welten, Varianten, Spiele jeder Coleur.

Opus Anima ist nun sehr düster: die Menschheit hat in der Zukunft das Weltall erobert, doch bei einem schlimmen Krieg wurde die Welt Kurip-Aleph zerstört, die Schollen treiben nun umher, zusammengehalten von Stahlträgern, jeder Scholle eine eigene kleine Welt für sich. Aus dem Inneren des Planeten quillt Äther, welche ihn wie eine Hülle umgibt und für interessante Effekte und Physik im Spiel sorgt. Es wurde eine Menge Technik zerstört, Elektrizität funktioniert nicht mehr, und so gibt es hier viel Mechanik und Dampfkraft. Klassisches >Steampunk< - Rollenspiel. Das Besondere: hier gibt es keine Zwergen, Elfen, Trolle, Orks etc. Sondern hier gibt es Menschen (und ein paar wenige außerirdische bzw gentechnisch veränderte Rassen), die ihrer Seele beraubt wurden. Sie können nur überleben, weil sie von großen Entitäten / Gottheiten / Wesen Lebensenergie bekommen haben. Aber mit dieser zusammen leider auch den entsprechenden Makel der zuständigen Gottheit. Und hier ginge es nun zusehr ins Detail, das zu erklären. Um es kurz zu fassen:

die Charaktere, welche man spielt, haben den Großteil ihrer Seele verloren und wurden verschiedener Fähigkeiten beraubt, dies hin bis zu sehr drastischen, makabaren Dingen: es gibt etwa den "Gescheiterten", den "Ausgeweideten", den "Blinden", den "Vergessenen", den "Versehrten", den "Toten" und ähnlich bemitleidenswerte Kreaturen, die unter sehr starken Mängeln zu leiden haben, jedoch natürlich auch besondere Stärken haben. Keine übermenschlichen Fähigkeiten, eher besondere Wesenszüge und Stärken wie Zielstrebigkeit, Enthaltsamkeit oder derlei "normale" Dinge. Die Welt um sie herum kann verzerrt werden, was widerum zu faszinierenden Effekten und Spielmöglichkeiten führen kann und Spieler wie Spielwelt beeinflusst.

Es ist sehr düster, sehr makaber, und es ist auch gänzlich anders aufgebaut als viele der üblichen bekannten Rollenspiele, es lässt in seiner Physik, den Spielregeln, den Charakterbögen sehr viel mehr Freiräume. Manche Rollenspieler sehen dies als Manko, weil der Meister zuviele Freiheiten hat. Ich finde dies grandios, denn der Meister hat sehr viele Mglichkeiten, das Spiel zu gestalten, die Mitspieler zu überraschen. Ich mag keine endlosen Diskussionen um Regelwerk. Auch im realen Leben läuft nicht immer alles nach Plan, lässt sich nicht würfeln, und ich liebe diese Willkür, sie macht das straighte Spiel spannend und aufregend, man weiß nicht, was als nächstes kommt, erst recht in dieser schrägen Welt mit ihren ungewöhnlichen Charakteren und ihrer seltsamen Physik und den Verzerrungen der Realität!

Das Buch dazu, wow, einfach genial! Abgesehen davon, dass man nicht ständig neue Regelwerke der Version XY kaufen muss wie bei anderen Spielen (und Rollenspiel kann verdammt ins Geld gehen, das ist nicht mehr feierlich, wie da abgezockt wird), ist das Buch einfach traumhaft gestaltet. Im Internet gibt es kostenlos Charakterbögen zum Herunterladen (bei anderen Spielen sind solche Bögen sehr teuer, wenn man sie neu kauft), auch die komplette Anleitung gibt es gratis zum Download. Das Buch ist dennoch einen Kauf wert, denn es ist ein absoluter Hingucker im Regal. Die Bilder sind grandios, schwarz-weiß-Skizzen, die einen sehr guten Eindruck der Spielwelt vermitteln. Die Schrift verzerrt, um auch die Verzerrungen im Spiel ein wenig deutlicher aufzuzeigen. Wunderschönes Glanzpapier, das ich mich stellenweise kaum zu berühren getraue, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, mehr ein Bildband denn ein Buch.

Abgesehen davon, dass die meisten Leute (zumindest die ich kenne) lieber ein Buch lesen als Zeilen auf dem Monitor, ist diese Ausgabe des Regelwerkes wunderschön. Ich könnte schwärmen, mit jeder Seite, die ich aufschlage mehr. Und es ist so schön beschreiben alles, dass man es nicht nur als Regelwerk sieht, sondern als Ausflug in eine fremde, unheimliche Welt voller Gefahren. Es ist kein Roman, aber es ist eine Auflistung spannender Besonderheiten in und um Kurip-Aleph, und alleine das Buch macht schon unglaublich Lust darauf, das Spiel selbst auszutesten und sofort loszulegen!

Besonders schön finde ich, wie sich kein gesamtes Bild zeigt, sondern sich die Welt erst nach und nach erschließt. Die meisten Rollenspiele sind "normales" Fantasy oder spannende aber bekannte Welten (Cyberpunk oder basierend auf klassischer Phantastik, typischen Vampirgeschichten). Dieses hier ist eine völlig neuartige Variante. Und aus einzelnen kleinen Bruchstücken, die erzählt werden, entwickelt sich nach und nach ein immer dichteres Bild von der kaputten Welt Kurip-Aleph. Keine Texte zum Drüberlesen, sondern hochwertige Schnipsel, die in Ruhe und Muse genossen werden müssen, um immer tiefer abzutauchen. Sosehr ich mir einen Film oder einen Roman wünsche, vermute ich doch, dass dies die Faszination von OPUS ANIMA zerstören würde.

Für Zartbesaitete ist OPUS ANIMA allerdings nicht geeignet. Man sollte schon einen kräftigen Magen, stramme Nerven und jede Menge Aufgeschlossenheit mit sich bringen, um mit diesem Spielsystem und vor allem in jener Welt zurechtzukommen. Nur für erfahrene Rollenspieler. Oder aber besonders geeignet (aufgrund des nur sehr geringen Regelwerkes) für Einsteiger, diese sollten aber extrem aufgeschlossen und experimentierfreudig sein. Dann kann man sie ohne jegliches Wissen um Welt, Regeln und Situation sofort auf den Planeten schmeißen.

Und auch ohne Rollenspiel ist das Buch auf jeden Fall einen Blick und für Fans des Genres auch einen Kauf wert!

Da ich hier ungern zig Bilder veröffentlichen möchte, die auf meiner Seite gar nicht zur Geltung kämen, hier der Link zu Opus Anima:

>Opus Anima< Regelwerk, Charakterbögen, Abenteuer, Galerie, Forum etc

SaschaSalamander 21.05.2010, 18.52 | (0/0) Kommentare | PL

Der Sternenwanderer

Eher zufällig bin ich auf den Film "der Sternenwanderer" gestoßen. Er lief schon vor zwei oder drei Jahren im Kino, ich hatte immer mal wieder das Plakat gesehen, aber irgendwie habe ich ihn dennoch nicht so richtig wahrgenommen. Dies liegt vielleicht daran, dass ein einfaches Cover nicht vermitteln kann, was dieser Film zu bieten hat, und Trailer sehe ich mir eher nicht an. In diesem Fall sehr bedauerlich, aber ich habe ihn ja nun endlich gesehen ;-)

Ein kleines englisches Dorf, dessen Außenmauer streng bewacht wird. Niemand darf hinaus. Doch ein junger Bursche wagt es, und er entdeckt eine magische, wunderbare Welt. Er findet seine Liebe, doch er muss zurückkehren, und neun Monate später liegt das Ergebnis seines kleinen Ausfluges vor der Tür: sein Sohn Tristan.

Tristan ist nun ein junger Mann, abenteuerlustig und lebensfroh. Seine Liebe, Victoria, liebt einen anderen, doch für sie würde Tristan sogar die Sterne vom Himmel holen. Also macht er sich auf den Weg, um einen eben vom Himmel gefallenen Stern zu holen und ihr zu bringen. Doch dieser Stern kam in Gestalt einer jungen Frau auf die Erde, und sie wird nun von Prinzen gejagt, die mit ihrer Macht den Thron beanspruchen wollen. Und dann wären da noch die Hexen, welche das Herz des Sterns für ein Jugendelixier brauchen. Tristan will doch nur seine Liebe für sich gewinnen, und statt dessen muss er nun den Stern beschützen, sich auf einem Wolkenschiff behaupten, gefährliche Gegner überwinden und erkennen, was seine wahre Bestimmung ist ...

Ach ja, wann habe ich das letzte Mal so einen schönen klassischen Fantasy gesehen? Er ist opulent inszeniert, die Schauspieler sind hervorragend gewählt (Robert de Niro, Michelle Pfeiffer, Claire Danes, Peter ´O Toole, Rupert Everett usw),  die deutschen Synchronsprecher sind ebenso namhaft, die Geschichte stammt von Neil Gaiman, da kann kaum etwas schiefgehen.

Entgegen meiner Art möchte ich ihn gar nicht näher auseinandernehmen, sondern einfach nur sagen: "wooow, war das schön". Man könnte bemängeln, dass der Film sehr straight aufgebaut ist, sehr vorhersehbar, aber das macht nichts. Es sind eben die klassischen Erfolgsrezepte, die immer wieder gut ankommen. Und hier passt einfach alles: Bilder, Schauspieler, Musik, Story, Kamera, Effekte.

Märchenhaftes Kino für die ganze Familie :-)

SaschaSalamander 17.05.2010, 20.08 | (0/0) Kommentare | PL

Minik - an den Quellen der Nacht

isau_minik_150_1.jpgIch habe "Minik - an den Quellen der Nacht" von Ralf Isau begonnen vor einiger Zeit. Eine Rezension werde ich nicht schreiben, denn leider hat mich dieses Buch nicht sosehr angesprochen. Isau hat sich mal auf ein ganz anderes Gebiet gewagt, das finde ich super. Und ich finde, er hat seine Sache prima gemacht. Es gibt nichts an dem Buch auszusetzen. Es war einfach nur so, dass es mich nicht gepackt hat. Eigentlich eine sehr interessante Story, sie basiert auf dem wahren Leben des Inuitjungen, der im Namen der Wissenschaft aus seiner Heimat nach New York gebracht wurde und dort aufwuchs, später wieder zurück in seine kalte Heimat ging. Geschildert wird sein Zwiespalt zwischen den Kulturen, ein Fremder hier wie dort.

Etwa ein Drittel habe ich gelesen. Abgebrochen habe ich nicht aus Desinteresse, sondern weil ich das Buch zu lange mit mir herumzog. Normalerweise lese ich Bücher entweder in wenigen Tagen oder gar nicht. Wenn es sich über mehrere Wochen hinzieht, ich durch andere Bücher unterbreche, dann lege ich das Buch weg. Vielleicht werde ich es ein andermal versuchen. Aber momentan war mir wohl einfach nicht danach. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Geschichte zwar sehr interessant, aber doch teils real teils fiktiv schon zu oft erzählt wurde: die Geschichte eines Kindes, das in eine fremde Kultur kommt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, alles bereits zu kennen. Was ich aber dem Autor keinesfalls vorwerfen möchte, denn es ist einfach ein gutes Thema, und während andere fiktiv sind, basiert seines eben auf Tatsachen (wenn auch natürlich dramaturgisch ergänzt bzw leicht verändert).

Empfehlen? Ja, absolut. Es ist packend geschrieben, und der Hintergrund des Romanes ist spannend. Wer keine Fantasy mag, sollte sich von dem Namen Isau nicht schrecken lassen, denn dieses Buch ist ganz anders als seine anderen. Jedoch mindestens genauso gut!

SaschaSalamander 14.05.2010, 15.43 | (0/0) Kommentare | PL

Die Dunklen

isau_dunklen_150_1.jpgNachdem ich so begeistert von "Die Dunklen" geschwärmt habe, noch bevor ich fertig war, und nachdem ich groß tönte, dass das Buch gar kein Reinfall werden könne, einfach weil es von Isau sei, komme ich nun um eine Rezension leider nicht umhin. Wäre es ein normales Buch gewesen, hätte ich es abgehakt als "ganz nett". Da es ein Isau ist, war ich dann am Ende doch etwas enttäuscht ...

Die Pianistin Sarah D´Albis verfügt über die Gabe des Synästhesie, sie empfindet Töne und Klänge als Farben und Bilder. Bei der Uraufführung eines Werkes von Franz Liszt sieht sie eine Botschaft "hinter" der Musik, welche sie erschüttert. Und hier beginnt die Jagd, denn auch andere können Teile der Botschaft wahrnehmen bzw wissen um deren Vorhandensein, und Sarah scheint die einzige, welche den Hinweise in diesem Stück bis hin zu der geheimnisvollen, mächtigen Purpurpartitur folgen kann. Ein Wettlauf beginnt, der die D´Albis quer durch Europa führt.

Und im Grunde ist dieses Buch grandios. Die Idee ist sehr gut, und die Recherche dahinter prima. Ich bin leider kein Liszt - Kenner, sodass ich vieles nicht beurteilen kann, doch zumindest ist es ersichtlich, dass der Autor sehr viel Zeit, Mühe und Aufwand in dieses Buch gesteckt hat. Dem Nachwort zufolge sogar sein aufwändigstes, rechercheintensivstes Buch (was mich erstaunt, denn der Kreis der Dämmerung und der silberne Sinn sind wirklich nicht ohne). Und das muss man ihm hoch anrechnen. Auch, wenn ich wie gesagt kein Liszt-Kenner bin, liebe ich doch die klassische Musik und fand dieses Buch also auch schon aufgrund des Themas an sich schon hervorragend. Eine Schnitzeljagd, basierend auf klassischer Musik, dazu eine weltumfassende Verschwörung, was will ich mehr?

So kam es, dass ich absolut begeistert war, schon von der ersten Seite an. Diese Begeisterung hielt sich auch über sehr viele Kapitel hinweg. Das erste Drittel war grandios. Bis zur Hälfte war es noch spannend, aber das letzte Drittel begann sich zu ziehen wie Kaugummi. Irgendwie war es ab da nur noch eine ständige Wiederholung. Wie auch schon bei anderen Verschwörungsbüchern störte es mich, dass die Ideen nicht wirklich nachvollziehbar waren, sondern immer der Zufall oder ein plötzlicher Geistesblitz oder einfach nur eine spontane Idee weiterhalfen. Wer real ein Puzzle für andere baut, kann sich nicht auf zwanzig Geistesblitze verlassen, finde ich, und auch für den Leser wird es sehr frustrierend, weil es dann irgendwann zusammengeschustert wirkt.

Isau hat sehr viel Liebe und Aufwand in die Recherche gesteckt, und dieser Aspekt hielt mich beim Lesen begeistert. Ich fand es spannend, über Liszt zu lesen, dies später auch selbst zu recherchieren, wollte wissen, wie es weiterging mit den Verstrickungen, und was es nun am Ende mit der Purpurpartitur auf sich hat. Kopenhagen, Paris, Nürnberg, sogar bis in den Vatikan führt sie die Spur der Windrose, welcher sie folgen muss. Die Illuminaten, der Kreis der Dämmerung, die Dunklen, aller möglichen realen und fiktiven Geheimbünde bedient sich Isau, als wolle er Dan Brown gleichtun und ein gigantisches Epos über Verrat und Helden erschaffen, aber leider waren es am Ende zu viele Fakten, zu unrealistische Lösungen (nein, nicht im Sinne von "Fantasy"-unrealistisch, sondern im Sinne von "da kommt doch nie irgendjemand drauf außer durch Zufall" - unrealistisch).

Die Charaktere habe ich zu Beginn weniger beachtet, denn die entwickeln sich in der Regel über eine längere Zeit hinweg, da brauche ich meistens eine gewisse Zeit, bis ich mit ihnen fühle. Doch das stellte sich dieses Mal nicht ein. Bei keinem der Charaktere. Sie waren mir durch die Bank weg fast alle unsympathisch, sogar die Protagonistin. Gut, es gehört alles zu ihrem Charakter, zu ihrem Wesen, so sollte sie wohl sein. Aber meist ist die Hauptfigur doch eine, mit welcher man mitfühlt, welche einem ans Herz wächst und mit der man mitfiebert. Die D´Albis allerdings blieb mir meist so fremd wie irgendeine Nebenfigur. Ihr Verhalten ließ mich oft aufseuzen, und ich konnte mich weder in sie hineinversetzen, noch hätte ich sie mir als Freundin gewünscht, noch hätte sie zur Anti-Figur genügt. Ich kann sie noch immer nicht wirklich einschätzen, sie scheint mir recht oberflächlich, auch wenn ich dem Autor nun hiermit womöglich Unrecht tue.

Wie gesagt: grandioses Thema, hervorragende Recherche, angenehmer Schreibstil, spannende Story. Und vor allem eine gekonnte Verknüpfung von realen (Synästhesie, Liszt Biographie) und fitkiven Faktoren (Farbenhören in dieser extremen Ausprägung, Liszt als Geheimbündler mit der Macht, die Welt zu retten oder vernichten). Nur leider zu langatmig, zusehr nach dem immer gleichen Schema (Hinweis, keine Ahnung, Geistesblitz, neue Spur, Hinfahrt, neue Personen, bisschen rätseln, fast aufgeben, dann wieder Geistesblitz, Hinweis, keine Ahnung, Geistesblitz, neue Spur, Hinfahrt, neue Person, usw. Und irgendwann nach dem vierten oder fünften Hinweis wird es zuviel, wünscht sich der Leser etwas mehr Abwechslung). Und dann das Ende, dessentwegen ich bis zum Schluss gelesen habe, es war ... nun ja, es war ein Showdown, aber doch irgendwie sehr ernüchternd. Ich hatte ja gehofft, dass es nicht auf diese Lösung hinausläuft, aber ich hoffte vergebens. Offen gesagt hatte ich mir doch etwas mehr versprochen ...

Dafür, dass es ein modernes Real-Fantasy-Verschwörungswerk ist, bekommt es von 1 bis 100 wohl eine 80 von mir, eine Wertung, die nur sehr wenige Bücher erreichen. Auf meiner persönlichen Isau-Skala allerdings ... na, lassen wir das. Man sollte die Werke eines Autors nicht miteinander vergleichen, jeder hat Höhen und Tiefen. Und wie auch an Eschbach oder anderen Autoren schätze ich an Isau besonders, dass er verschiedene Genres angeht, von Kinderliteratur über Thriller, Fantasy, Erwachsenenbücher und Jugendromane. Und da kann es eben passieren, dass in all den Werken, die man von ihm verehrt, auch mal eines dabei ist, welches persönlich nicht so gefällt.

Als spannenden Roman kann ich es absolut empfehlen, um den Autor einem Neuling zu präsentieren, würde ich es allerdings nicht raten. Fans sollten es gelesen haben, andere greifen besser erst einmal zu anderen Werken ...

**********

PS: bei der Suche, wo genau man nun dieses Werk einordnen solle, stieß ich auf den Begriff "Phantagon", welchen Isau selbst geprägt zu haben scheint. Ein Werk, welches keinem Genre konkret zugeordnet werden kann, und welches jeder Leser anders für sich betrachtet. Finde ich eine sehr gute Bezeichnung, denn diese Bücher mag ich sehr, dazu zähle ich z.B. auch Eschbach, Lukianenko und ein paar andere meiner liebsten Autoren.

SaschaSalamander 02.04.2010, 13.32 | (0/0) Kommentare | PL

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