SaschaSalamander
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3




Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Erotik

Gefangen im Sexverlies

AUTOR

Von Tomàs de Torres habe ich bereits >SKLAVENJAGD< und >DAS GEHEIMNIS DER SKLAVIN< gelesen. Ich mag es, dass seine Titel zwar hart zur Sache kommen, es aber dennoch eine spannende Handlung gibt und man eher von einem Thriller denn einem reinen Erotiktitel reden kann. Besonders gespannt war ich, da der neueste Titel nicht wie die anderen im Marterpfahlverlag erschienen ist, sondern diesmal bei UBooks.


COVER UND TITEL


Schade an der Veröffentlichung finde ich, dass der Titel so reißerisch daherkommt. Gerade von einem Publikumsverlag (CHECK BEGRIFF) hätte ich doch etwas mehr Feingefühl gegenüber der weiblichen Leserschaft erwartet - gerade diese wäre (nicht nur, aber besonders) eigentlich Zielgruppe des Buches, wird sicher aber von Titel und Cover abgeschreckt. Wäre mir der Autor nicht bekannt, ich hätte das Buch mit spitzen Fingern beiseitegelegt, ohne es auch nur eines Blickes zu würdigen. Aber da Ihr jetzt meine Rezension lest, hoffe ich Euch davon zu überzeugen, dass es nicht nur einen abschätzigen Blick wert ist sondern sogar die komplette Lektüre.

Mehr dazu hatte ich vor einiger Zeit ja bereits >hier< geschrieben.


INHALT

Der Klappentext gibt sehr viel vom Inhalt wider. Gerne würde ich es anders versuchen, doch es ist nicht möglich, sonst klänge der Roman zusehr nach "sie trifft ihn, er ist dominant, und sie verfällt ihm mit Haut und Haar. Doch er hat auch eine dunkle Seite". Das wäre das Klassische, aber so einfach ist es eben nicht.

Paloma beginnt ihren neuen Job in einem kleinen Verlag. Ihr vorgesetzt ist der attraktive Lorenza Aquila. Anfangs ablehnend, zeigt er sich ihr gegenüber bald zugänglich, und sie verbringen eine gemeinsame Nacht. Paloma träumt im Anschluss einen düsteren Traum von Kerker und Folter. Wannimmer sie mit Lorenzo schläft, werden diese Träume von Mal zu Mal eindringlicher. Als sie ihm davon erzählt, reagiert er sehr unerwartet und versucht die Beziehung zu beenden. Paloma spürt, dass es mehr damit auf sich hat und versucht, ihn mit ihrer Liebe an sich zu binden und ihn und sich von den Träumen zu lösen ...


GENRE

Eigentlich ein normaler SM-Roman. Allerdings wage ich es, diesen Titel auch in die Reihe der Romane einzureihen, die bevorzugt von experimentierfreudigen Frauen gelesen werden, für die Shades of Grey nur ein Kinderspiel war, die aber dennoch nicht sofort zu den Hardcoretiteln mit grenzwertigen NonCon-Praktiken greifen wollen. Es werden eben beide Seiten bedient:

Zwischen Paloma und Lorenzo besteht eine innige Liebe voller Romantik, Zärtlichkeit und Leidenschaft. Man spürt das Knistern zwischen den beiden, die Liebesszenen sind anregend beschrieben und wissen zu gefallen. Streicheln, Küssen, Kerzenlicht, edles Essen, Ausgehen im Restaurant, Liebesschwüre und die Gewissheit "ich würde alles für meine Liebe tun".

Auf der anderen Seite gibt es hier recht ordentlichen SM. Dabei wird der Autor jedoch nicht vulgär und eklig, sondern er hört immer genau da auf, wo das Kopfkino anfängt und es unnötig ist, weitere Worte zu verlieren. Ein Folterkeller, das bietet deutlich mehr als das Zimmerchen des Christan Grey, oh ja. Ein glühendes Kohlebecken, eine Streckbank, eine Leiter, ein Pranger, ein Tauchbecken, jede Menge schmiedeeiserne Ketten und Fesseln. Doch, wie gesagt, es wird weder blutig noch brutal, hier ist es vor allem das Kopfkino, das angeregt wird und sehr viel Freiraum für anregende Phantasien lässt, teils auch recht heftig aber niemals zuviel. Dadurch, dass es vor allem auch Traumsequenzen sind, in denen diese Dinge geschehen, wird die Situation zusätzlich etwas entschärft. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Retter, der Paloma im Traum zur Seite steht.


AUFBAU

Wie auch in seinen anderen Romanen beginnt Tomàs de Torres seine Geschichte sehr langsam, es dauert viele Seiten, bevor der erste Hinweis auf SM kommt. Und selbst da geht es noch lange nicht zur Sache, sondern wird nur einmal erwähnt. Paloma ist unerfahren, und erst nach und nach wird sie durch ihre Kollegin an die Thematik herangeführt. Viele Leser werden sich wohl mit der Protagonistin identifzieren können, das wachsende Verlangen und die Faszination ebenso verstehen können wie auch die anfängliche Angst und Vorsicht. Das Buch ist aufgebaut wie eine schöne Session: gemütlich, ruhig, mit viel Körperkontakt, Kennenlernen, sehr viel Vorspiel, jede Menge Reizen und Anheizen. Dann wird es direkter, fordernder, schneller, das Tempo des Buches zieht an, die Worte werden klarer und der Inhalt intimer. Das Verlangen wird heftiger, die Erotik im Buch wird sehr direkt und heftig, immer schneller, die Handlung rast voran, bis es sich in einem Showdown entlädt ... nur, einschlafen sollte Paloma danach nicht mehr, ...


STIL

Der Stil des Autors hat mich in diesem Buch überrascht. Zwar waren in den beiden anderen Büchern die Protagonisten auch weiblich, dennoch erkannte man klar den männlichen Autor, einfach aufgrund der teils auch sehr männlichen erotischen Phantasien dahinter, und als Leser hätte ich eher Männern dazu geraten oder in diesem Genre bewanderten Frauen. Dieses Buch hier ist wesentlich weiblicher, ohne deswegen an Intensität zu verlieren. In DAS GEHEIMNIS DER SKLAVIN ist alles sehr nüchtern und sachlich, in SKLAVENJAGD wird der vermeintliche Held sehr schnell zum Feind. Hier dagegen besteht von Beginn an eine Zuneigung, wie sie eher für Romance typisch ist. Umso mehr verstehe ich nicht, warum man das Buch nicht für diese weibliche Zielgruppe vermarktete sondern so gestaltete, dass es nur in der Perversenecke am Bahnhof Leser findet, nicht jedoch auf dem Präsentierstapel in großen Buchhandlungen? Verdient hätte der Titel es durchweg!

Wortwahl, Darstellung der erotischen Szenen, Inhalt, Aufbau - zugegeben, würde ich den Autor nicht kennen, ich hätte auf das Pseudonym einer Frau getippt. Und das meine ich als großes Kompliment, denn gerade in diesem Genre sind es vor allem Frauen, die in letzter Zeit immer erfolgreicher werden und die Leser an sich binden.


SONSTIGES

Interessant finde ich, wie Torres hier auch die psychologische Seite des SM einbindet. Die Deutung der Traumsequenzen mag jeder Leser für sich entscheiden, man kann das Buch als reines Fantasy lesen, man kann darin aber auch eine metaphorische Darstellung des Unterbewusstseins und mehr darin sehen. Die Beziehung zwischen Paloma und Lorenzo bekommt dadurch eine neue Bedeutung, und Palmonas Versuch, ihn für sich zu gewinnen, kann gesehen werden als ... nein, das verrate ich nicht, macht Euch Eure eigenen Gedanken ;-)

Da das Buch in einem Verlag spielt, plaudert der Autor auch ein wenig aus dem Nähkästchen. Wieviel eine seiner Figuren von ihm selbst beinhaltet, weiß nur er allein und können wir nur mutmaßen. Interessant finde ich jedenfalls, was Torres über sich bzw seine Kollegen und das typische Verhalten gegenüber Verlagen und Lektoren schreibt. Aber lest selbst ...


FAZIT

Ein spannender Roman, der schnell und flüssig gelesen werden kann. Dennoch von einer inhaltlichen Tiefe, die zum Nachdenken anregt und das Buch zu mehr macht als nur einer kurzweiligen Lektüre. Top Empfehlung für alle, die zusätzlich zu den romantischen Worten gerne noch ein paar handfeste Taten haben wollen ;-)

SaschaSalamander 03.06.2013, 08.15 | (0/0) Kommentare | PL

Fucking Munich

hanke_munich_1.jpgLucy Palmer, Loreen Ravenscroft, Monica Davis, und seit ihrer Veröffentlichung bei Rowohlt nun auch Mona Hanke. Die Liste der Pseudonyme wächst, und hinter allem steckt Inka Loreen Minden (ein weiteres Pseudonym, aber wohl das bekannteste, mit dem sie von Beginn an die Herzen ihrer Leser eroberte).

FUCKING MUNICH ist der neue Titel. Ein Titel, den wohl der Verlag vorgab und der auf den Zug der Erotikbücher im Stil von FUCKING BERLIN (Titel) und SHADES OF GREY (softer Vanilla-SM) aufspringen soll. Ein Titel, der viele Leser wohl abschreicken dürfte, wenn sie nicht wüssten, dass sich dahinter ihre Lieblingsautorin verbirgt. Was mir weit besser gefiel als Titel - KINKY MUNICH. Unter diesem Titel veröffentlichte die Autorin eine Sammlung weiterer SM-Titel unter Eigenregie. Eine Rezension hierzu wird folgen.

Seit dieser Veröffentlichung jedenfalls ist die Autorin nun ganz offiziell auf den Stapeln der Großhändler bei den Neuerscheinungen zu finden, sogar in >DER WELT< wird über sie berichtet. Und was eindeutig ist: der Autor dieses Artikels scheint weder in erotischer Unterhaltungsliteratur bewandert zu sein, noch scheint er die Autorin zu kennen. Was dort an Falschinformationen zu lesen ist, ist mehr als lächerlich und lässt alle, die die Autorin kennen, mit dem Kopf schütteln.

Nun aber zu FUCKING MUNICH:

Klappentext
Heiß, phantasievoll, verwegen - München steckt voller Überraschungen. Da wird die junge Sonja im Englischen Garten von einem Ordnungshüter beim Nacktbaden erwischt und erwartet nun eine köstliche Strafe. In den Isaraugen finen verbotene Treffen statt, am Flughafen gibt es strenge Leibesvisitationen, und auf dem Oktoberfest kommen manche unter süßen Qualen in der Geisterbahn so richtig in Fahrt. In diesen Geschichten zeigt sich München von seiner erotischsten Seite!

Sehr gelungen finde ich, dass die Geschichtn wieder sehr vielfältig sind. Softer, härter, gay und straight, für alle ist etwas dabei. Einige sehr kurze Geschichten und zwei Mehrteiler. Besonders der Titel BANNKREIS DER LUST, der auch als Auskopplung gesondert erschien, weiß durch eine clevere Story und erotische Momente zu überzeugen.

Die Geschichten unterscheiden sich in Stil, Aufbau und Inhalt sehr stark voneinander. So kann man sicher sein, dass für jeden etwas dabei ist. Jeder Leser wird wohl schnell seine eigene Lieblingsgeschichte gefunden haben. Meine ist eindeutig AUßER KONTROLLE, eine kurze Gay-Story ganz im Stil von I L Minden.

Der Lokalkolorit ist ebenfalls gelungen. Man merkt, dass die Autorin vor Ort war, sich in München auskennt. Man könnte quasi mit dem Buch in der Hand durch München laufen und sich ansehen, wo die einzelnen Szenen stattfanden. Das macht es unglaublich lebendig. Ich liebe München, und es wird mal wieder Zeit für einen kleinen Tagestrip ;-)

Was auffällt und ich schon häufiger erlebt habe, wenn Autoren zu großen Verlagen wechseln: bisher schreiben sie so, wie sie selbst es möchten und können. Sobald ein Verlagslektor dazukommt, muss geschrieben werden, was der Verlag wünscht. Das kann dazu führen, dass Geschichten verändert werden, dass typische Formulierungen gestrichen oder eingefügt werden, dass Passagen umgeschrieben werden. Es ist kein Buch mehr alleine von Autor X, sondern ein Gesamtwerk von Autor, Lektorat und Verleger. Und oft kommt dabei etwas komplett anderes heraus als wenn der Autor alleine am Werk gewesen wäre. Man merkt diesem Buch in Stil, Story und Aufbau deutlich an, dass hier mehr als nur sie selbst am Werk war.

Für meinen Teil: ich liebe Inka Loreen Minden, Loreen Ravenscroft, Lucy Palmer und Monica Davis, und ich mag ihre Bücher so, wie sie sind und werde weiterhin alles lesen, was ich von ihr in die Finger bekomme :)

SaschaSalamander 29.05.2013, 08.17 | (0/0) Kommentare | PL

Pyromantische Affaire

lay_pyromantisch_1.jpgLila rennt zum Bus, sie ist zu spät. Bald soll sie Joe treffen! Und als sie aufeinandertreffen, wird dem Leser schnell klar, dass mehr hinter der Begegnung steckt. Berit arbeitet als Malerin und ist verliebt in Yui, diese scheint nur Augen für ihre Feuerwerksarbeiten zu haben. Doch dann soll Berit ihr eines abends bei den Filmaufnahmen helfen. Und zum Abschluss die Bonusgeschichte "Mr Wonderful", bei der ein unattraktiver Mann seiner Therapeutin davon erzählt, wie belastend es für ihn ist, von Frauen nur als Sexobjekt betrachtet zu werden und keinen Moment Ruhe zu finden vor ihren gierigen Blicken und Aktionen.

Und wieder ein prickelnder Text von Laura Lay, die auch schon >DIE FLAMINGOFRAU< schrieb. Und ebenso wie bei dieser Geschichte bekommt der Leser auch hier jede Menge Sinnliches geboten. Geschlechtsverkehr, Sex und all das, was viele im ersten Moment unter "Erotik" verstehen ist nicht das, worauf Laura sich spezialisiert hat. Sie schreibt wesentlich subtiler, ihre Texte berühren nicht nur den Körper, sondern sie gehen unter die Haut.

Kurz gesagt und passend zum Genre beschrieben: PYROMANTISCHE AFFAIRE liest sich nicht einfach wie ein simpler Akt, sondern wesentlich besser: weiche Lippen neben dem Ohr, wie ein Fingernagel den Nacken entlang, wie eine Federspitze zwischen den Brüsten, ein gehauchter Kuss zwischen den Schenkeln, ein Vibrieren und Zittern, gespannte Erwartung. Und dann, als es intim wird, überlässt sie es dem Leser, die Fantasie fortzuführen. Wer Sex lesen will, ist hier falsch ;-)

Die Geschichte um Lila/Joe und Berit/Yui ist in wechselnden Perspektiven der dritten Person gehalten, Mr Wonderful erzählt aus der Ich-Perspektive. Durch die Sprünge von einem Protagonisten zum anderen gibt es trotz der an sich kurzen Geschichte viele kleine Cliffhanger, einen steten Spannungsbogen.

Geboten wird etwas für Freunde von Frau/Frau wie auch Mann/Frau sowie eine sehr softe Variante von BDSM aus dem Bereich Erziehungsspiele.

Einzig schade, dass die beiden Geschichten, die zusammengehören, zwar verbunden werden, dies aber ein wenig nach Alibi wirkt. Es hätten gut zwei getrennte Stories sein können, dies hätte der Handlung keinen Abbruch getan. Mir wäre es lieber gewesen, Lila/Joe und Berit/Yui hätten ein jeweils eigenes Ende bekommen. Aber das ist es nicht, worauf es hier ankommt, beide Geschichten sind nur kurze Episoden ohne konkreten Anfang und Ende, einfach nur Beobachtungen der vier Personen.

Laura Lay ist eine meiner beiden liebsten erotischen Autorinnen, und ich hoffe, dass wir außer diesen kurzen Geschichten bald mehr von ihr lesen dürfen. Vielleicht sogar ein Buch, ganz im Stil dieser Geschichten? Oder eine Sammlung von Shorties?

Wertung: 4,6 von 5 Mikroröcke

SaschaSalamander 05.04.2013, 09.09 | (0/0) Kommentare | PL

Fesseln

wright_fesseln_150_1.jpgDiese Rezension ist schon etwas älter. Ich habe mir gar nicht notiert, wann ich das gelesen habe, seltsam. Aber wie ich weiter unten im Text vermutet habe: ich habe es tatsächlich bereits wieder vergessen. Hätte ich diese Rezension nicht gelesen, hätten weder Titel noch Autor mir etwas gesagt, und auch an den Inhalt konnte ich mich nicht mehr erinnern. Dafür, dass ich ein SEHR gutes Gedächtnis bezüglich Autoren und Buchinhalten habe, ist das sehr bezeichnend ;-)

**********************

Jesse wird von ihrem Freund Gary mitten während der Hochzeitsfeier einer Freundin verlassen. Völlig darnieder, zweifelt sie an sich und dem Rest der Welt. Auf Arbeit erfährt sie zufällig (Fotos fallen aus einem Umschlag) von der SM-Leidenschaft ihres Kollegen Dominic / Dom und begleitet ihn auf die Ausstellung, für welche die Bilder gedacht sind. Etwas unsicher, aber so leicht lässt sie sich nicht kleinkriegen, und die Einladung zu einer Spielparty kann sie natürlich nicht ablehnen, so peinlich ihr dies auch sein mag. Bald wird sie Doms Sklavin, und er führt sie ein in die Welt der Dominanz und Unterwerfung. Er ist schwul, und er macht klar, dass es nie eine Beziehung zu Jesse geben wird, trotzdem beginnt sie Gefühle für ihn zu entwickeln und reagiert verletzt, als seine Bindung zu dem rassigen Rico fester wird. Sie verlässt ihn und gerät in die Hände des brutalen Haydn, der schon lange ein Auge auf sie geworfen hatte ...

Hm, genaugenommen ist dies die Handlung des Buches bis fast zum Ende. Allerdings empfinde ich es nicht als Spoiler, weil der Klappentext sogar noch einige Schritte weiter geht. Zudem dümpelt die Handlung recht lange vor sich hin, bis es dann zum entscheidenden Punkt kommt. Eine Art "Kernfrage" gibt es in "Fesseln" eigentlich nicht, sodass auch kaum zuviel verraten kann. Es geschieht nichts Überraschendes, eigentlich ist alles von vorneherein klar.

Trotzdem liest es sich recht nett und flüssig. Allerdings frage ich mich doch etwas, welche Intention die Autorin verfolgt. Für Kenner der Szene und / oder häufige Leser von Erotikliteratur einfach zu albern und klischeebeladen. Für absolute Anfänger ist es dann allerdings ähnlich albern, denn falls ihm etwas nähergebracht werden soll - hat er es beim ersten Mal bereits verstanden und benötigt keine zehnte Wiederholung.

Dazu kommt, dass mir zu oft der imaginäre Zeigefinger vor der Nase schwebt. Jesse hat zwei Nachbarn, Ronny und Tracy, und Ronny ist gewalttätig gegenüber seiner Frau. Und natürlich muss Jesse dies erst verarbeiten und fragt Dom, ob das, was sie denn tun, soviel anders ist, ... woraufhin Dom ihr erklärt, dass "NonCon" (fehlendes Einverständnis aller Beteiligten) schonmal gar nicht ist und Gewalt in der Ehe oder gar eine Vergewaltigung nichts mit SM zu tun hätten. Gut, dass die Autorin es noch einmal erwähnte, ich hätte es fast vergessen *hüstel*

Die Charaktere sind nicht sonderlich tiefgründig, sondern alle recht platt und einsehbar. Gut und Böse sind deutlich zu erkennen. Die Handlung zieht sich schnurgerade ohne Wendungen dahin.

Ach, egal, ich fand es trotzdem amüsant zu lesen. Es hat mich nicht bereichert, ich werde es bald wieder vergessen haben, aber immerhin hat es mich sehr gut unterhalten. Falls es jemand haben will, für ein Ticket hab ich es grad bei Tauschticket eingestellt ;-)

SaschaSalamander 13.11.2012, 09.13 | (0/0) Kommentare | PL

Under Grand Hotel

sadahiro_undergrandhotel_1_1.jpgKLAPPENTEXT

In einem amerikanischen Gefängnis, das die Insassen "Under Grand Hotel" nennen, sitzt auch der Japaner Sen wegen Mordes ein. Dort herrschen raue Sitten und Sen ist auf den Schutz von Sword, dem Anführer der Gefangenen, angewiese, um zu überleben. Aber diesen Schutz muss Sen mit seinem Körper bezahlen.


GENRE

Romantik oder sinnliche Erotik sucht man hier vergeblich. UNDER GRAND HOTEL ist ein klarer Yaoi, dessen Intention vor allem die Darstellung von Sexualität ist. Die Charaktere brauchen keine großen Gefühle, und sowohl die grausamen Momente (zartbesaitet sollten die Leser dieses Mangas definitiv nicht sein, denn die Häftlinge sind stellenweise sehr brutal zueinander) wie auch die etwas softeren Parts brauchen keine große Rahmenhandlung. Mit obigem Klappentext ist die Handlung nahezu komplett beschrieben, die einzelnen Episoden ließen sich auch beliebig vertauschen. Mal lieben sie sich und schwören sich ewige Treue, mal ist einer eifersüchtig und ändert schwupps seine Meinung, hier wird intrigiert und gelogen, dort werden Spielchen getrieben. Verrat und Enttäuschung. Immerhin, das Setting ist nett, und statt klassischer Semi und Uke bekommt man hier eine ordentliche Portion geballte Männlichkeit. Denn Schausplatz ist ein unterirdischer Hochsicherheitstrakt voller Mörder und anderer Lebenslänglicher, dort hat der klassische Uke schnell verloren.


CHARAKTERE

Wie bereits gesagt, Romantik oder Gefühle haben in diesem Manga nichts verloren, auch wenn aus den beiden recht bald ein Paar wird. Die Charaktere sind in ihren Rollen sehr klar aufgeteilt und lassen charakterlich nur wenig Spielraum. Dabei wechseln sie allerdings regelmässig ihre Meinung, handeln manchmal auch recht unlogisch. Aber wen interessieren schon Logik und realistische Charaktere, wenn man sich einen Yaoi kauft ...

Auch muss man sich als Leser darauf gefasst machen, dass die Charaktere nicht gerade zimperlich behandelt werden. Gewalt unter den Häftlingen ist keine Seltenheit, und aufgrund des Genres natürlich entsprechend auch Vergewaltigungen. Wurde damals noch ein großes Theater um FINDER gemacht, wurde dieser Manga hier entweder übersehen oder die Ansichten der BPJM haben sich den Zeiten entsprechend geändert. Allzusehr mit den Protagonisten mitleiden sollte man also nicht. Aufgrund der eher distanzierten Darstellung der einzelnen Figuren ist dies aber sowieso kaum möglich, Problem gelöst ;-)


ZEICHNUNGEN

Großes Plus, ich finde die Zeichnungen klasse. Fast keine Hintergründe, gelegentlich etwas kleingepunktete Rasterfolie für Schattierungen. Die Figuren davor stets im Vordergrund und sehr hübsch gezeichnet, zwischendurch auch fast ein paar Chibi-Ansätze und niedliche Momente, die aber eher selten sind. Wer Yaoi wegen der attraktiven Männerkörper liest / ansieht, der ist hier genau richtig. Realistische Proportionen, knackige Hinterteile, muskulöse Oberkörper, kantige Gesichter. Sehr schön finde ich, dass hier keine klassischen Bishonen gezeigt werden, die alle gleich aussehen. Sondern es gelingt Mangaka Mika Sadahiro, ihnen allen ein eigenes Aussehen, eine eigene Frisur und individuelle Gesichtszüge und Mimik zu verleihen, sodass man sie gut voneinander unterscheiden kann.


BAND 1

Meine Beurteilung gilt natürlich nur für den ersten Band. In der Regel gefällt mir, wenn der erste Band gut ist, auch die Fortsetzung. >BLACK SUN< allerdings hatte mich letztens leider sehr stark enttäuscht. Sosehr der erste Band gefiel, so langweilig und uninspiriert war der zweite. Auch von Freunden hörte ich diese harsche Kritik an der Fortsetzung. Schade. Und so hoffe ich nun, dass UNDER GRAND HOTEL das Niveau halten kann und auch im zweiten Band mit knallhartem Sex und ansehnlichen Körpern punkten kann.


FAZIT

Hirn aus, Lustzentrum an. Ein Manga perfekt für alle, die es bevorzugen, wenn die Jungs direkt zur Sache kommen. Anregende Zeichnungen, sehenswerte Körper, dazu etwas Gewalt. Wer braucht schon eine Geschichte oder so etwas wie Romantik ;-)

Wertung: 7 von 10 quietschende Metallbetten

SaschaSalamander 12.11.2012, 09.26 | (0/0) Kommentare | PL

Ins Herz gestohlen

minden_gestohlen_1.jpgINS HERZ GESTOHLEN ist eine neue Kurzgeschichte von Inka Loreen Minden. Weil sie so kurz ist, bekommt der Leser im Anschluss noch die Geschichte "Nymphenspiele" dazu. Auch, wenn es kein komplettes Buch ist (eigentlich müsste ich extra für Inka die Rubrik "Rezension Kurzgeschichten" einführen, weil ich ihre Titel einfach liebe und nicht anders kann als trotzdem immer wieder ein paar Zeilen dazu zu schreiben), möchte ich Euch die beiden Geschichten kurz vorstellen:

INS HERZ GESTOHLEN hat sich Tyler bei seiner Jugendliebe. Er ist Student und jobbt in dem Supermarkt, wo die sechs Jahre ältere Samantha als Security arbeitet. Als sie sieht, dass er etwas gestohlen hat, muss sie natürlich eingreifen.

NYMPHENSPIELE erzählt von dem Dämon Kosh, der die zierliche Nymphe Lynabella liebt. Sie soll in einer Zeremonie zur Hüterin der Quelle werden, doch dann wäre sie für ihn unerreichbar. Er muss sich etwas einfallen lassen ...

Die Geschichten sind wirklich sehr kurz, aber das stört nicht. Wer regelmässig bei mir liest, weiß ja, wiesehr ich Shortstories liebe :-)

Mmh, INS HERZ GESTOHLEN hat mir sehr gefallen. Schlicht, einfach, und von vorneherein durchschaubar. Ich musste einige Male schmunzeln, weil ich bereits ahnte / wusste, während Samantha sich dagegen ständig grundlos sorgte. Sehr erotisch, ein köstliches kleines Intermezzo. Ein junger, intelligenter Mann und eine etwas ältere, bodenständige Frau, dazu ein bisschen verspielte Bestrafung - tolle Mischung, die es in erotischen Werken viel zu selten gibt.

NYMPHENSPIELE fand ich sehr schön zu lesen, wurde wohl mit einem Augenzwinkern geschrieben. Ich habe einige Male gelacht, und ich liebe diese humorvollen Geschichten der Autorin ganz besonders. Sie beherrscht es vor allem in ihren Märchen und Fantasygeschichten meisterlich, mit den gängigen Klischees zu spielen, sie zu überspitzen, die Geschichten durch ihren Witz und Charme aufzulockern, die Erotik dennoch stilvoll zu präsentieren.

Beide Geschichten sind sprachlich recht soft in ihrer Wortwahl, passend zu den Inhalten. Der Aufbau ist knapp, zielstrebig und direkt, genau richtig für eine kurze Episode. Ich hatte meinen Spaß mit Tyler, Sam, Kosh und Lynabella. Und besonders Tyler würde ich nur zu gerne wiedersehen ...

Kurz gesagt: zwei Kurzgeschichten mit jeder Menge Erotik und einem verschmitzten Grinsen :-)

SaschaSalamander 01.11.2012, 09.26 | (0/0) Kommentare | PL

"Das Fenster" und "Heiße Beute"

Gestern habe ich mir DAS FENSTER und HEIßE BEUTE von Natalie Rabengut gegönnt. Erotik genieße ich gerne in Kurzgeschichten, ideal für zwischendurch, und da kamen diese beiden Titel gerade recht.

DAS FENSTER erzählt von zwei Freundinnen. Sie beobachten gerne den Nachbarn gegenüber, denn er gewährt ihnen durch sein offenes Fenster regelmässig Einblicke in sein recht aktives Sexualleben. Als Mona nun gelangweilt und mit gebrochenem Bein frustriert am Fenster sitzt, sieht sie plötzlich Mandy, die mitten in die Kartenrunde des Nachbarn und seiner Kumpel platzt. Bald fallen Hüllen und Hemmungen, und es scheint, Mandy inszeniert das alles nur für ihre Freundin ...

In HEIßE BEUTE ist Sarah recht enttäuscht von ihrem Freund. Der gemeinsame Urlaub wurde kein Liebeswochenende, sondern einfach nur eine Sauftour mit seinen Kumpels. Sie ist kurz davor, sich von ihm zu trennen. Bei einer gemeinsamen Bootstour plötzlich werden sie von Piraten überfallen, und sie wird entführt. Aber natürlich ahnt Sarah schnell, dass mehr dahinter steckt, die Situation wirkt doch sehr aufgesetzt. Es wird ein "Urlaub", den sie wohl nicht so schnell vergessen wird ...

Beide geschickten lassen sich angenehm lesen, kurz und ziemlich direkt zur Sache in angenehmen Formulierungen. Kein Drumrumgerede, sobald es zur Sache kommt, aber auch kein Obszönitäten. Einfach zielstrebig und lustvoll. Das Setting beider Geschichten ist gelungen. Einmal das voyeuristische Element, der Leser fühlt sich selbst fast schuldig, all das so schamlos zu beobachten. Und in der anderen Story die Idee mit den modernen Piraten, das hat was, eine Entführung ist ein spannendes Szenario. Aber keine Sorge, hier ist dennoch alles einvernehmlich ;-)

Schade finde ich insbesondere bei der Piratenstory, dass man die Geschichte noch ein wenig hätte ausbauen können, sie bot einiges Potential an Charakteren und Setting, die Rahmenhandlung war ziemlich anregend, leider wurde das Augenmerk nur auf die erotischen Momente gelegt. Aber gut, das ist klar Geschmackssache, der eine mag Erotik pur, der andere braucht die Story dazu ...

Sprachlich merkt man, dass die Autorin noch am Anfang steht. Es lässt sich flüssig und angenehm lesen, und wer gerne komplett in der Handlung versinkt, wird auch nicht viel zu bemängeln haben. Wer allerdings wie ich gerne genauer hinsieht, der entdeckt doch hier und da Grammatik- und Tippfehler oder mal ein Wort zuviel. Der Stil zeigt, dass sie um gute Sprache bemüht ist, meist gelingt es auch, doch hier und da rutschen Umgangssprache oder künstliche Elemente dazwischen. Auch an der Perspektive muss zukünftig noch etwas gefeilt werden, im Eifer des Gefechts gibt es da in beiden Geschichten einige Verwechslungen.

rabengut_fenster_1.jpg 

SaschaSalamander 05.10.2012, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL

Three Wolves Mountain

naono_3wolves_1.jpgINHALT

Jirou und sein älterer Bruder Tarou sind Werwölfe. Sie wurden von ihren Eltern aus dem Haus geworfen und müssen nun auf eigenen Beinen stehen. Da treffen sie den Café-Inhaber (und außerdem Friedhofswächter) Kaya. Nachdem sie seinen Kühlschrank leergefuttert haben, arbeiten sie ihre Schuld ab, indem sie ihm im Café zur Hand gehen. Schnell verliebt sich Jirou in Kaya, doch dieser hat anderes im Sinn: er muss das Grab seines verstorbenen Bruders bewachen. Außerdem stehen plötzlich die Eltern vor der Tür und wollen, dass die beiden Brüder nach Hause kommen. Und dann wäre da noch Tarous Verlobte, die ebenfalls für einigen Wirbel sorgt.


AUFBAU, GENRE

Hier vergibt die Zeichnerin leider einiges Potential. Wie schon aus der Inhaltsangabe ersichtlich, werden mehrere Handlungsstränge angerissen und aufgebaut, keiner davon wird allerdings so richtig vertieft. Eine klare Handlung im eigentlichen Sinne ist nicht geboten. Vielmehr bekommt der Leser einzelne kleine Episoden präsentiert, die sich einem neuen Thema widmen und zudem gelegentlich Elemente der vorherigen Episoden enthalten.

Das finde ich sehr schade, denn das Thema Werwolf ist zwar nicht gerade die Erfindung des Rades, aber Bohra Naono zeigt, dass sie es auf witzige und ansprechende Weise umzusetzen vermag. Mit viel Witz und hübschen Zeichnungen ist der Leser vom ersten Moment an gefesselt, ich konnte den Manga nicht mehr aus der Hand legen. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass man mindestens eine dreiteilige Serie, vielleicht sogar noch mehr Bände daraus macht. Und dafür dann intensiv auf die einzelnen Aspekte eingeht. So wird der Hintergrund des Werwolf-Clans sogut wie überhaupt nicht beleuchtet, auch der tote Bruder bekommt nur eine Nebenrolle. Allein die Idee rund um den Friedhof und die Grabräuber würde ebenfalls Stoff für einen eigenen Manga bieten. Von den Yaoi-Elementen zwischen Jirou und Kaya ganz zu schweigen.

Durch die verschiedenen Handlungsebenen ist es auch schwer, das Genre einzusortieren. Klar, es ist ein Yaoi. Aber es ist zugleich auch eine Komödie, enthält außerdem Mystery und Horror-Elemente. Eine faszinierende Mischung, und einige Male musste ich an meinen Lieblingsmanga YAMI NO MATSUEI denken, der auf ähnliche Weise bei mir punktet. Doch leider bleibt es hier beim Yaoi, und leider ist die "Handlung" mehr als dünn.


ZEICHNUNGEN, YAOI

Die Zeichnungen gefallen mir ausgesprochen gut. Gelungen finde ich die Szenen, in denen Jirou teilweise als Wolf zu sehen ist. Er kann sich im Gegensatz zu seinem Bruder nicht komplett verwandeln, mal sind es nur Ohren und Schweif, ein andermal geht er auf zwei Beinen und hat den Oberkörper eines Wolfes. Gerade in den erotischen Momenten gibt das einiges an Spielart her, etwa wenn der buschige Schweif geschickt eingesetzt wurde, um dadurch nicht allzu explizit werden zu müssen. Die Körperproportionen wurden hier sehr gut dargestellt, ich finde die Körper realistisch und teilweise auch ziemlich lecker.

Meistens begnügt sich die Zeichnerin mit Rasterfolie und einfachen Mustern zur Gestaltung des Backgrounds. Wenn jedoch einmal die Wohnungseinrichtung oder eine Landschaft zu sehen ist, dann ist diese sehr schön gezeichnet. Nicht so detailliert, dass ich lange darin versinken würde, aber dennoch ausreichend, um für eine dichte Atmosphäre zu sorgen und die jeweilige Szene zu intensivieren.

Was mich sehr stark stört sind ein, zwei Artworks, auf denen Jirou als Kind dargestellt wird (nicht im expliziten Kontext, sondern neutral). Das geht in den Bereich Sh*ta-Con, was mir zutiefst zuwider ist, und ich frage mich immer noch, weshalb solche Zeichnungen in Deutschland in Yaoi-Mangas veröffentlicht werden.


FAZIT

Der Manga hat mich sehr gut unterhalten, die Zeichnungen waren sehr schön, und ich hätte zu gerne mehr davon gelesen, liebend gerne würde ich sechs oder gar sieben Punkte vergeben. Da die Handlung allerdings trotz der schönen Vorlagen sehr vernachlässigt wurde und wegen des angedeuteten Sh*ta-Aspektes muss ich auf jeden Fall einen Punkt abziehen. Schade, denn eigentlich ein wirklich toller Manga, der bei mir nun auch im Regal steht und den ich sehr gerne ein weiteres Mal lesen werde.

Wertung: 3,6 von 5 Grabräuber

SaschaSalamander 02.10.2012, 09.15 | (0/0) Kommentare | PL

Fast nur ein Spiel

gruen_spiel_150_1.jpg2008 las ich FAST NUR EIN SPIEL von Nele Grün. Hatte damals noch nicht den Überblick über erotische Literatur und war quasi auf der Suche nach Autoren und Verlagen, die meinem Geschmack entsprechen. Dabei bin ich über viele Bücher gestolpert, mit denen ich wirklich so gar nichts anfangen konnte. Dies hier ist eines davon gewesen ;-)

(Die Rezension ist also von damals. Wie immer bitte beachten: Zeiten ändern sich, bitte diesen vermeintlich aktuellen Beitrag also bitte dennoch als das sehen, was es ist, nämlich ein fast fünf Jahre alter Text)

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Klappentext:

Eines Nachts wird Andrea auf der Straße von einem Mann angesprochen, der ihr ein eindeutiges Angebot macht. Zu ihrer eigenen Überraschung nimmt sie den Unbekannten gegen Bezahlung mit in ihre Wohnung. Es beginnt eine heftige erotische Liaison, deren unwiderstehlichem Sog sich keiner von ihnen entziehen kann. Bald stellt sich jedoch heraus, dass die beiden weit mehr verbindet als ihr aufregendes Spiel. Denn beide hüten ein düsteres Geheimnis aus ihrer Vergangenheit ...


"Fast nur ein Spiel" ist das faszinierende Psychogramm einer jungen Frau, die den Mut hat, die Fesseln der Konvention zu sprengen und ihren ganz eigenen Weg zu gehen - und eine mitreißende erotische Geschichte über die Verstrickungen von Liebe, Sex und Lust an der macht, prickelnd und abgründig.


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Wie üblich bei Goldmann: jede Menge Rechtschreib- und Grammatikfehler, die mir vor die Flinte kamen. Ansonsten dachte ich mir ein paarmal "oh Gott, ist das Buch scheiße übersetzt". Bis ich später dann mal nachschlug und feststellte, dass die Autorin Nele Grün in Tübingen lebt und das Buch in Deutsch verfasst wurde. Wie peinlich (für Autorin, Lektorat, Verlag) ...

Handlung, well, da könnte man was draus machen, der Klappentext klingt wirklich vielversprechend, oder? Und die beiden Protagonisten sind nicht ohne, aus ihnen könnte man prima Antihelden machen, mit denen man so richtig mitfiebert. Die eiskalte Femme Fatal, der knallharte Geschäftsmann. Klischee, aber wir lassen uns ja gerne unterhalten, muss ja nicht immer hochwertige Literatur sein.

Die Charaktere gewinnen für mich einfach keine Tiefe, zwar ist einiges aus dem Gedankenspiel von Andrea dargestellt, aber es ist seit langem das erste Mal, dass ich eine Hauptperson vor mir habe, mit der mich ab-so-lut nichts verbindet. Es gibt zuviel Gerede Drumherum, welches weder zur Handlung beiträgt noch die Charaktere vertiefen noch die Spannung erhöhen würde. Frauen, die zusammensitzen und über ihre Lover klönen, ohne dass die Leserin sich davon angesprochen fühlt.

Sodom und Gomorrha, Andrea betrügt Frau Schmidt mit deren Mann Cord, Frau Schmidt betrügt ihren Mann mit Andreas Freund Steffen, Deborah hat was mit Chris, und der alte Geliebte von Andrea wurde über den Jordan gegangen, Cord hat einmal etwas sehr Schlimmes getan, Andrea natürlich auch, und während Cord weiß, dass er Andrea eigentlich hassen müsste, will er sie am liebsten von hinten vor dem Schlafzimmer vögeln. Sorry für die Wortwahl, aber diese entspricht dem Niveau des Buches ...

ich hatte wirklich gehofft, dass das Buch wenigstens offenbaren würde, was die beiden Schlimmes getan haben. Aber Cords Tat wird am Anfang schon nebenbei und banal abgehandelt, und ihr Vergehen erst auf den letzten zwei oder drei Seiten mal kurz angerissen, auch wenn der Leser es eh schon von Beginn an wusste. Was für ein Glück, dass ich das Buch nur überflogen habe, sonst hätte ich noch mehr Rechtschreib- und Logikfehler gefunden und mich womöglich richtig gelangweilt ...

Was den "erotischen" Teil des Buches betrifft: naja, es wird halt beschrieben, wie er sie mal hart rannimmt und ihr dann 1000 Euronen auf den Tisch blättert ... oder ihr die Augen verbindet und durchknallt (wie gesagt: wer die Rezi nicht verkraftet, sollte das Buch dringend meiden, und ich habe wenig Lust, extra für diesen Roman irgend etwas zu umschreiben) und sie darüber gar nicht amused ist und ihm ihre hochhackigen Stiefel an die Schläfe donnert, was ihn widerum nicht sonderlich amused. Einmal treiben sie es sogar so, dass beide zufrieden sind, nämlich nachdem sie seine Frau aus dem Rennen haben und ... ach, neeeee, hör auch, von Erotik ist nicht wirklich die Rede. Ich finde, Erotik ist in der Literatur SEHR von der Sprache abhängig, und in diesem Fall musste ich während der Sexszenen einige Male lachen. Und die Vergleiche, einfach zum Brüllen. "Ich fühlte mich wie eine Wüstenblume, eine Rose aus Jericho, und meine vertrockneten Stängel rollten sich ihm entgegen" und ähnlich schwachsinniger Wulst ... jede Menge "will und kann nicht" ...

nein, mir fällt niemand ein, dem ich das Buch empfehlen könnte. Wirklich, Sinn und Zweck meines Blogs soll ja eigentlich sein, Euch zum Lesen zu animieren, und ich kann wirklich fast jedem Werk etwas Gutes abgewinnen, zumindest sagen "diese oder jene Zielgruppe wird es bestimmt ansprechen", aber in diesem Fall: Finger weg, nutzt Eure Zeit besser ...

SaschaSalamander 01.10.2012, 09.03 | (0/0) Kommentare | PL

Kavaliersdelikt

rolls_kavaliersdelikt_1.jpgLeandro trifft in der Schule auf Henny, sie fasziniert ihn, es ist Liebe auf den ersten Blick. Henny schwärmt schon lange für Leandro und kann kaum fassen, dass ausgerechnet er nun auf sie zukommt. Auf sie? Nicht ganz, denn eigentlich heißt Henny Hendrik, und seine langen Haare sowie sein eher androgyner Körperbau führen dazu, dass er manchmal für ein Mädchen gehalten wird. Zuviele schlechte Erfahrungen hat Henny bereits gesammelt, er hat Angst davor, dass Leandro seine netten Worte, seine Einladungen, seine Geschenke zurücknimmt. Immer wieder zögert er es hinaus, seinem Freund endlich die Wahrheit zu sagen. Denn Leandro ist heterosexuell und interessiert sich nicht für Männer. Eine Liebe, die aussichtslos scheint ...

Als ich die Beschreibung las, dachte ich anfangs, es ginge um eine Transgendergeschichte. Hätte mir gefallen, ist ein spannendes Thema. Aber schon auf den ersten Seiten erfährt der Leser, dass es einfach eine Verwechslung war und Henny sich in seiner Rolle als vermeintliche Frau gar nicht so recht wohlfühlt. Und es gefällt mir, wie die Autorin das umgesetzt hat: von Leandros Seite ist die stete Frage, wie man sich einem Mädchen gegenüber verhält und warum er Henny so besonders findet, obwohl sie doch so ganz anders ist als die anderen Mädels auf der Schule. Er steht bald vor der Frage, ob er den Mensch liebt, seine Eigenheiten, die Person, oder doch sein im Kopf festgesetzte Bild eines nicht existenten Mädchens. Wie kann ein Kavalier und Gentleman wie er plötzlich so sexistisch reagieren, wie passt das zu seinem Selbstbild? Und Henny muss sich immer wieder damit auseinandersetzen, wie sich ein Mädchen nun am besten verhalten würde. Anfangs versucht er noch eine Rolle zu spielen und dem erwarteten Klischee zu entsprechen, bis er immer mehr er selbst wird, aber zugleich auch die Angst vor dem Outing wächst. Hier wird sehr viel mit den Klischees gearbeitet, sie werden hinterfragt, die Charaktere reflektieren ihr Verhalten und bringen auch den Leser zum Nachdenken über so manche eigenen Sichtweisen.

Durch diese Konstellation ergibt sich vom ersten Moment an eine Spannung, die sich bis zum letzten Drittel des Buches aufrechterhalt. Wann und wie wird Leandro es erfahren? Wie wird er damit umgehen? Die Handlung baut sich fast schon vorbildlich auf (was ideal für entspanntes Lesen ist, andererseits aber wenig Überraschung oder Abwechslung bietet): Einleitung, Vorstellung der Charaktere und der Situation, dann die steigende Spannung und eine Ankündigung des Konflikts, dann natürlich der große Knall, der Streit, viele Tränen und zum Schluss das ersehnte Happy End.

Erotik findet sich im ersten Drittel kaum, es knistert gewaltig und ist stellenweise sehr sinnlich, doch Henny hat verständlicherweise Angst vor engerem Körperkontakt und zögert diesen so lange als möglich hinaus. Auch diese sexuell aufgeladene Atmosphäre ohne tatsächliche Berührungspunkte trägt sehr zum Lesevergnügen bei. Diese Stellen haben mir am besten gefallen. Danach - nun ja, zugegeben, das Ende hätte man in meinen Augen kürzen können. Ich bevorzuge Handlung gegenüber der Darstellung der Erotik. Andererseits - es ist ein erotischer und romantischer Roman, da darf ich nicht meckern, wenn es dann auch mal zu dem kommt, was der Leser sich noch vor dem Lesen der ersten Seite erhofft und worauf es am Ende hinausläuft ;-)

Die Sprache passt sehr gut zum Stil des Buches: die Dialoge sind stellenweise etwas flapsig und sehr umgangssprachlich, aber locker zu lesen und recht eingängig, es wirkt sehr realistisch. Ein sprachlich literarisches Meisterwerk liegt nicht vor, aber das ist auch nicht das Ziel der Autorin, hier geht es um Romantik, Liebe, eine packende Geschichte und ein herzwärmendes Happy End, um gelungene Unterhaltung. Mir persönlich war es vor allem gegen Ende etwas zuviel von "total irre", "irre geil", "scheiße Mann, Du bist echt geil darin", "obergeil", "wie geil", "voll irre". Anfangs alle paar Seiten passte es gut in den Kontext, doch gerade weiter hinten hätte, als es dann richtig "zur Sache geht" hätte man das statt zu intensivieren gerne etwas reduzieren können. Es zeigt zwar einen realistischen Stil, ist damit nicht so überzogen wie mancher romantische Schinken, der vor schnulzigen Begriffen nur so trieft, trotzdem wurd hier das andere Extrem gewählt, die überzogene Lässigkeit. Allerdings denke ich, dass die meisten Leser sich nicht daran stören werden. Und auch ich habe es dann einfach überlesen und mich weiterhin an der Story erfreut.

Gelegentlich wurden ein paar Kleinigkeiten an Grammatik oder Rechtschreibung übersehen, etwas häufiger als in professionellen Veröffentlichungen üblich aber nicht wirklich markant und für eine private Publikation wirklich sauber überarbeitet, nichts was den Lesefluss markant stören würde.

Alles in allem hat mir KAVALIERSDELIKT sehr gut gefallen und mich neugierig auf weitere Titel der Autorin gemacht. Dieser Titel war einfach perfekt, um gemütlich abzuschalten und sich mit viel Knistern und Gefühl unterhalten zu lassen. Und was mir besonders gefiel war der Aspekt des Genderbender, der für angenehme Abwechslung in einem derzeit recht aktuellen Genre sorgt.

Wertung: 7 von 10 Rosen zum ersten Date

SaschaSalamander 12.09.2012, 08.21 | (0/0) Kommentare | PL



 






Einträge ges.: 3341
ø pro Tag: 0,7
Kommentare: 2745
ø pro Eintrag: 0,8
Online seit dem: 21.04.2005
in Tagen: 4656