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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Kinder

House of Secrets 01

Nach dem beruflichen Abstieg des Vaters müssen Brendan, Eleanor und Cordelia mit ihren Eltern umziehen. Sie sind wenig begeistert von der Situation, doch das neue viktorianische Haus weckt sofort ihre Neugier. Sie ahnen nicht, was ihnen bevorsteht: nach einem dramatischen Angriff der Windfurie werden die Geschwister zusammen mit dem Haus herumgewirbelt und von einem fantastischen Schauplatz an den nächsten befördert. Aufregende Abenteuer stehen ihnen bevor, als die Wilden Horden aus einem Buch lebendig werden, als ein Militärpilot aus einem anderen Roman sich ihnen anschließt, als Skelette zum Leben erwachen, Riesen das Haus bedrohen und Piraten angreifen. Werden die Kinder wieder nach Hause kommen?

Eine Geschichte, die sofort unzählige Erinnerungen weckt: ZAUBERER VON OZ, JUMANI / ZATHURA, TINTENHERZ; NARNIA, SPIDERWICK, FABELHEIM, GEHEIMNIS DER 1000 PFORTEN. Die Reihe ließe sich sicher noch lange fortsetzen. Aber das macht nichts, denn es ist ein gutes Grundrezept, das sich bisher immer bewährt hat: Kinder geraten in eine fremde Welt, in der sie spannende Abenteuer bestehen müssen. Das bietet sehr viel Raum für Fantasie, Szenenwechsel und jede Menge Spannung, und genau deswegen liebe ich solche Titel. 

Chris Columbus weiß als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor seine Zuschauer in Filmen wie KEVIN ALLEIN ZU HAUS, NACHTS IM MUSEUM, HARRY POTTER, MRS DOUBTFIRE, DER 200 JAHRE MANN, PERCY JACKSON, GREMLINS, GOONIES zu verzaubern, und ich war neugierig, was er nun als Romanautor erschaffen würde. Immerhin haben viele seiner Filme mich schon von Kind an begleitet und stehen heute als Favoriten in meinem Regal. Und wie erwartet, er weiß was die jungen Leser wollen: Action, Spannung, mitreißende Szenen und knallbunte Effekte. 

Gut, im Buch lassen sich knallbunte Effekte nicht so gut umsetzen wie im Film, aber ihm gelingt es ganz wunderbar, die Szenen realistisch und greifbar zu schildern, sodass man sofort die passenden Bilder im Kopf hat (ich musste oft an HOOK von Spielberg denken, ebenso bildgewaltig stellte ich mir die Kulisse in HOUSE OF SECRET vor). Er wirbelt von einem Schauplatz zum nächsten und lässt dem Leser kaum Zeit zum Verschnaufen, hält die Spannung dauerhaft aufrecht, die Kamera (Erzählperspektive) immer perfekt gesetzt, schwenkt von einem Charakter zum nächsten und ermöglicht dadurch gelungene Szenenwechsel und die Identifikation des Lesers mit verschiedenen Figuren. 

Es steckt sehr viel Kreativität und Abenteuerlust in HOUSE OF SECRETS, ich war überrascht und angetan, welche scheinbar nicht zusammengehörigen Elemente sich so stimmig verbinden lassen. Ein Pilot aus dem Weltkrieg, ein Hausmädchen, Piraten, bärbeißige Reiterhorden, ein Riese, Sturmkönig und Windfurie, Abenteuer, Urban Fantasy und High Fantasy kunterbunt gemischt. Die Vielfalt, die ungewöhnlichen Ideen und mitreißenden "Actionszenen" sind die große Stärke des Buches, ich hätte es als Kind / Jugendliche geliebt und wäre absolut begeistert gewesen, hätte es vermutlich immer und immer wieder gelesen bzw gehört. 

Stefan Kaminski als Sprecher ist die perfekte Wahl, denn er ist eine lebende One-Man-Show. Ob alte Frau, knurriger Pirat, Gentleman, Womanizer, Sturmkönig, das kleine Mädchen, er hat sie alle in seinem Repertoire. Ihm gelingt es, die Atemlosigkeit des Buches 1:1 umzusetzen und alles zum Leben zu erwecken. 

Aber wer mich kennt und meine Rezensionen aufmerksam liest merkt, dass ich hier sehr distanziert beschreibe. Das liegt daran, dass das Buch mich rein sachlich absolut begeistert hat in seiner Machart, und dass ich es aus vollem Herzen jungen Lesern empfehlen möchte. Mir selbst ist es allerdings zu schnell, zu dicht. Aber das ist ein subjektiver Eindruck, denn auch Filme wie Madagaskar oder Bücher wie Percy Jackson sind mir zu vollgepackt und zu hektisch, trotzdem weiß ich deren Machart zu schätzen und verstehe die Begeisterung anderer Zuschauer / Leser. 

In HOUSE OF SECRETS erwarten den Leser also weniger die etwas ruhigere Fantasy von OZ oder der TINTENTRILOGIE als vielmehr die Nonstop Action von JUMANJI (das ich als Kind sehr geliebt und in Dauerschleife angesehen habe) und NACHTS IM MUSEUM. Genau richtig für kleine Abenteurer. Und auch, wenn ich viele kritische Stimmen gelesen habe, die der Ansicht sind, dass manche Szenen zu dramatisch für Kinder sind: ich bin der Ansicht, dass Eltern Kinder sowieso nicht einfach irgend etwas zum Konsum in die Hand drücken sondern bis zu einem gewissen Alter das Buch oder den Film vorab prüfen sollten. Und dann können die Eltern entscheiden, ob lebende Skelette oder das Herausoperieren von Pfeilspitzen aus dem Körper zu brutal sind oder das Kind damit umgehen kann. Denn jedes Kind ist anders ;-)

Zum Abschluss also: ein wunderbares, actionreiches Buch, in dem Chris Columbus alle Register der Blockbuster-Unterhaltung zieht und wirklich nichts auslässt. Wer es gerne etwas ruhiger mag, ist hier vermutlich schnell überfordert. Aber wer es bunt, abenteuerlich und wild liebt, der kommt hier voll auf seine Kosten!


SaschaSalamander 14.08.2013, 09.09 | (0/0) Kommentare | PL

Hotel Transsilvanien

Nachdem der Film HOTEL TRANSSILVANIEN schon so viele Bewertungen hat, wollte ich eigentlich gar nichts schreiben. Und eine lange, ausführliche, komplette Rezi werde ich auch nicht verfassen. Aber ein kleines Gegengewicht zu den begeisterten Stimmen möchte ich trotzdem verfassen. Auf Inhalt und Art des Films gehe ich nicht mehr näher ein, er dürfte bekannt sein, ansonsten kann man es überall ergoogeln ;-)

Vorab: nicht grundsätzlich schlecht, ich habe mich unterhalten, hier und da mal gelacht. Ich hatte meine Favoriten (Werwolfpapa und Blob), und die Zitate und Sprüche waren nicht übel. Es gibt viel zu sehen, viel zu entdecken in all dem Gewusel. Die Animationen sind gelungen, und ich kann mir vorstellen, dass er in 3D wirklich genial gewesen wäre auf der Leinwand.

Trotzdem konnte der Film mich nicht so wirklich überzeugen. Mag sein, dass ich altmodisch bin, aber ich finde, dass Hektik und Tempo kein Ersatz für eine gut durchdachte Handlung sind. Und in Sachen Handlung habe ich einiges vermisst. Klar, sie existiert, aber sie ist sehr flach und vorhersehbar, hat kaum eine Botschaft und bleibt - für mich zumindest - nicht im Gedächtnis, der Film ist nach dem Sehen bereits vergessen, weil er nicht wirklich etwas transportiert.

Es gibt viele Momente, die ... hm, sind es Anspielungen und Reminiszenzen oder abgekupferte Szenen? Ich denke, beides. Denn natürlich machen die Anspielungen gerade für Filmfans und Horrorfreunde einen Großteil des Filmes aus. Dennoch hatte ich stets das Gefühl "kenn ich" - "weiß ich" - "erzähl mir was Neues". Nein, dieser Film hat das Genre definitiv nicht neu erfunden, dafür umso mehr alles aufgewärmt, was es bereits gab (wo ist die Grenze zwischen "Aufwärmen" und "Persiflieren"?).

Ein weiteres Problem für mich war, dass ich mit den Protagonisten nicht wirklich mitfieberte. Das Mädchen blieb mir zu farblos (es wird stellenweise Tiefe vermittelt, wo im Grunde nur Klischees ausgebreitet werden, sie ist beliebig ersetzbar), der Junge war mir gar unsympathisch, Dracula überzogen. Es lag zum Teil wirklich daran, dass vieles so drastisch übersteuert war, zu aufgesetzt, too much. Vielleicht bin ich zu alt für den Film?

Was die Musik betrifft - oh ja, ich bin scheinbar wirklich zu alt. Ich bin sicher, dass viele Kids begeistert sein werden, aber meinen Geschmack traf es nicht wirklich. Bin mehr ein Anhänger der "ich will am Ende des Films ´nen Ohrwurm haben" - Fraktion, und das war in diesem Tempo nicht mehr wirklich möglich für mich.

Ja, ich verstehe, warum der Film seine Fans hat. Und er wurde liebevoll animiert. Er ist auch lustig. Aber um mich zu wiederholen: Tempo und Animation können eine eine vorhersehbare, flache Handlung leider nicht wettmachen.

Müsste ich ihn werten, gäbe es rund 3 Sterne
5 für liebevolle Animation
4 für interessante Anspielungen
3 für Unterhaltung, Humor
2 für Vorhersehbarkeit, Klischees
2 für Story
1 für überdrehte Hektik

SaschaSalamander 24.07.2013, 08.29 | (0/0) Kommentare | PL

Der Lorax

lorax02_1.jpgDER LORAX ist ein Kinderbuch von Dr. Seuss, aus dessen Feder unter anderem DER GRINCH oder HORTON HÖRT EIN HU stammen. DER LORAX wurde nun als Kinderfilm in 3D animiert und handelt von Ted, der in einer Welt ganz ohne Natur aufwächst, alles ist aus Plastik. Das Mädchen, in der er verliebt ist, würde alles tun für denjenigen, der ihr einen echten Baum besorgt. Also macht Ted sich auf den Weg, er verlässt die Stadt und trifft auf den Once-ler. Dieser erzählt ihm, weshalb es in Thneedville keine Bäume mehr gibt und was dagegen getan werden kann ...

Die Rahmenhandlung um Ted gefiel mir weniger. Sie ist simpel aufgebaut, extrem actionreich und eher von einem albernen Humor getragen. Auch die wundervollen Animationen können das für mich nicht wieder wettmachen. Wenn ich es richtig recherchiert habe, dann ist dieser Teil auch von den Machern hinzugefügt worden, während das Original nur vom Once-ler handelt und der Geschichte, die er Ted erzählt.

Der Lorax ist ein Naturgeist, beschworen in dem Moment, als der Once-ler damals den ersten Baum im Tal fällte. Die eigentliche Geschichte des Filmes handelt also davon, wie die Natur immer mehr ausgebeutet wird, die Tiere darunter leiden und die Raffgier der Menschen die Umwelt zerstört, bis nichts mehr übrig bleibt. Dieser Aspekt wurde sehr liebevoll umgesetzt. Es gelingt den Filmemachern, in diesen Szenen jede Menge Humor, Spannung und Abenteuer zu packen, auch ohne es wie in der Rahmenhandlung an Action und billigem Humor zu überfrachten.

Was mir an der Geschichte um den Lorax gefällt: es ist ein wenig altmodisch angehaucht, hat den Charme alter Kinderbücher und -filme, den ich in neuen Medien häufig vermisse. Dem entgegen steht die Handlung um Ted und die Plastikstadt, was ich wieder zu modern finde und was auch für mein Empfinden nicht wirklich zu der anderen Handlung passen will.

Ich denke, dieser Widerspruch wird gerade das sein, was viele Zuschauer mögen und wodurch sich verschiedene Zielgruppen für diesen Film begeistern können. Für meinen Geschmack allerdings hätte man sich rein auf den Once-ler und den Lorax konzentrieren sollen, denn man hätte diese Geschichte noch deutlich ausbauen können. Zugegeben, die Botschaft kommt nicht gerade auf leisen Pfoten sondern knallt dem Zuschauer plakativ ins Gesicht. Aber die Umsetzung ist einfach süß und witzig, unterhaltsam und wirklich liebevoll animiert, für Kinder eben und für die, die im Herzen Kind geblieben sind.

Markant ist im Deutschen die Stimme des Lorax. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass Danny DeVito, den ich für sein Schauspiel sehr bewundere, auch im Deutschen die Synchronstimme stellte. War ich anfangs über den seltsamen Akzent des Geistes verwundert, so war ich im Nachhinein wirklich begeistert, ich fand das eine sehr gelungene Umsetzung. Auch für die italienische, russische und spanische Übersetzung stellt er seine Stimme zur Verfügung.

Alles in allem ein Film, der mir durchwachsen gefiel. Ein Teil davon konnte mich durchweg begeistern, ich hätte ihn mir sofort ins Regal gestellt. Der andere Teil war eben ein modern animierter, überladener Kinderfilm, wie es heute schon zuviele gibt, nicht schlecht aber nichts Besonderes. Aber gut, ich bin auch nicht die Zielgruppe, und diese dürfte sich im Gegensatz zu mir sehr über Teds Abenteuer amüsieren. Von daher halte ich die Idee, die etwas altbackene Geschichte mit einem peppigen Rahmen zu versehen für durchaus gelungen ;-)

5,5 von 10 Truffala-Samen

SaschaSalamander 12.04.2013, 08.47 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Hugo Cabret

Ein ganz wunderbarer Film, dessen Bilder und Handlung mir noch immer im Gedächtnis sind, obwohl es schon einige Zeit her ist, dass ich ihn sah. Es wäre schade um die Notizen, denn der Film ist ein kleines Meisterwerk, das jeden Zuschauer verdient hat :-)

Hugo Cabret lebt im Bahnhof von Paris. Sein Vater, Uhrmacher, ist verstorben, seitdem lebt er bei seinem Onkel. Doch dieser verschwand, und nun kümmert Hugo sich alleine um die Uhren am Bahnhof. Der Stationsvorsteher ist ihm ständig auf den Fersen, möchte ihn ins Waisenhaus bringen. Der Spielzeugmacher "Papa George" erwischt Hugo beim Stehlen, nun soll er für ihn arbeiten. Und damit beginnt eine Kette von Ereignissen, die das Leben aller Beteiligten verändern wird, ...

- Ben Kingsley, einer meiner Lieblingsschauspieler, hier wie gewohnt eine gemischte Rolle, weder gut noch böse. Sascha Baron Coen wie üblich schräg und witzig. Jude Law älter aber immer noch attraktiv, und Christopher Lee ebenfalls älter und ... naja, nicht attraktiv aber äußerst charismatisch

- Story beginnt sehr langsam, hat viele Nebenplots und muss erst in die Gänge kommen. Dabei wird es aber keine Sekunde langweilig, da sehr viele kleine Geschichten werden (viele Personen finden sich regelmässig am Bahnhof, etwa Musiker, Verkäufer etc, und sie alle erleben kleine Abenteuer)

- Gegen Ende wird die Handlung immer dichter, recht komplex, aber trotzdem sehr gut verständlich und auch für Kinder nachvollziehbar

- Die Bilder sind atemberaubend, 3D ist für den Film absolut gerechtfertigt. Ganz tolle Kameraeinstellungen und tolle Perspektiven, wunderschönes Eye-Candy

 -Steampunk-Optik, sehr viel Uhrwerk, Mechanik, Zahnräder, alte Uniformen

- selten aber vorhanden: Anachronismus, der ins Auge fällt, wenn man genau hinsieht, vielleicht absichtlich, vielleicht kleine Drehfehler. Aber niemals störend

- sowohl die Bilder als auch die Musik und die Handlung laden den Zuschauer zum Träumen ein. Anfangs symbolisch, gegen Ende ganz offensichtlich und direkt, da dies eine der Kernaussagen des Filmes ist

- aus Spoilergründen kann ich nicht exakt sagen, worum es geht. Aber: Hugo ist nur ein Vorwand, um eigentlich eine sehr viel größere Geschichte zu erzählen. Ich habe nach dem Film recherchiert und einiges herausgefunden. Es ist keine Fiktion, sondern tatsächlich die spannende Biographie eines Menschen, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte, der jedoch sehr großen Einfluss auf (... Spoiler) ... genommen hat und dessen Name zu Unrecht vergessen wurde ... dieser Film setzt ihm ein würdiges Denkmal

SaschaSalamander 26.03.2013, 09.14 | (0/0) Kommentare | PL

Ponyo

Kürzlich habe ich PONYO gesehen. Als Ghibli-Fan ein Muss, und ich war sehr neugierig auf diesen Titel, zumal einer der letzten unter der Regie von Hayao Miyazaki (sein Sohn hatte mich später mit ERDSEE ja dann doch etwas enttäuscht). Ghibli, das heißt für mich TOTORO, das heißt CHIHIRO, NAUSICAA, MONONOKE, DAS WANDELNDE SCHLOS, KIKI und viele andere. Und Miyazaki, das heißt für mich HEIDI und andere Filme des WMT. Ghibli und Miyazaki, das bedeutet für mich Kindheit. Dazu die Musik von Joei Hisaishi, die mich immer wieder aufs Neue verzaubert und mir Gänsehaut beschert. Wenn ich schon nicht Lust auf eine volle Rezension habe (möchte mal wieder das Wochenende gemütlich genießen und lieber lesen statt schreiben), dann möchte ich wenigstens kurz meine Gedanken sortieren, um den Film für mich abzuschließen, und um Euch meine Meinung nicht vorzuenthalten ;-)

Handlung: das Fischwesen Brunhild flieht vor seinem Vater und landet an der Meeresoberfläche, wird vom kleinen Jungen Sosuke in einem Eimerchen gefangen. Der Junge kümmert sich liebevoll um das Tierchen, das er Ponyo nennt. Doch der Vater, ein Magier, holt es zurück in seine Welt. Ponyo will aber unbedingt ein Mensch werden und zurück auf die Erde. Hierfür aktiviert sie all ihre magischen Kräfte. Zuviel, denn dadurch gerät das Gleichgewicht der Natur in Unordnung, der Mond droht auf die Erde zu stürzen, ein gewaltiger Tsunami vernichtet das Land. Nur die Liebe des Jungen zu seiner Freundin kann die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen, ...

- Zeichnungen sehr ungewöhnlich: viel mit wasserfarben- und buntstiftartigen Bildern, einiges wirkt skizzenhaft, anderes dagegen sehr klar und typisch Zeichentrick. Interessante Mischung, die was von Kunst hat und mir sehr gefällt

- Ponyo als Protagonistin ist leider sehr "unfertig" von den Zeichnungen, mal die Haare lang, mal kurz, mal ist sie hässlich, mal hübsch, mal niedlich. Ist inhaltlich zwar begründet, trotzdem hätte ich mir mehr Kontinuität gewünscht

- Ghibli hat Titel für Kinder, für die Familie und teils eher für erwachsenere Zuschauer. Ponyo ist wirklich eher rein für Kinder. Für Erwachsene stellenweise etwas zu langgezogen, ohne die Handlung zu vertiefen

- Handlung lässt sich sehr grob zusammenfassen. Es wird enorm viel angedeutet und angeschnitten, aber es fehlt einfach die Tiefe. Auf mich wirkte der Film trotz seiner Länge inhaltlich stark gekürzt. Es muss nicht alles erklärt werden. Aber ein bisschen mehr wäre schon nett gewesen. Vielleicht liegt es daran, dass es sich an Kinder richtet und diese manche Infos gar nicht benötigen, um den Film zu mögen. Oder daran, dass Japaner manche Dinge intutitiv verstehen, falls es Anspielung auf verschiedene Legenden und Mythen sind, die man hier in Europa nicht kennt.

- Es war sehr viel gemixt. Ich bin sicher, dass ich nicht alles erkannt habe, aber manches war auch wieder im Westen bekannt. So erinnerte die Musik deutlich an die Walküren von Wagner, auch der Name des Fisches - Brunhilde - zeigte deutlich Anleihen hieran (was das inhaltlich dabei verloren hatte, kann ich nicht sagen, ich fand es seltsam). Dann war da noch die kleine Meerjungfrau (Fisch will Mensch sein, Zauberkraft, Liebe kann erlösen, Flucht aus der Meereswelt, falls nicht klappt wird sie zu Schaumkronen). Was mir nicht auffiel, was ich aber dann mit einem "stirnpatsch" wiedererkannte (ich kenne das Märchen, aber es ist mir eben im Gegensatz zu westlichen Märchen noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen), als ich ein wenig googelte, war der Bezug auf das Märchen der Otohime, der Schildkröte, welche vom japanischen Fischer Urashima gerettet wird und ihn in seine Welt entführt. Andere Ghiblifilme nehmen sich meist nur eines Themas oder einer Literaturvorlage an, hier wurde einfach zuviel durcheinandergewürfelt, das führt zu einiger Verwirrung und dazu, dass die Inhalte auf der Strecke bleiben.

- der typische Ghibli-Zauber konnte mich an manchen Szenen erfassen, da wurde mir ums Herz warm und musste ich ganz breit lächeln. Aber manchmal zog es sich eher etwas dahin, ging der Glanz verloren.

Naja, es kann nicht jeder Ghibli ein Meisterwerk sein, es muss auch normal gute Filme geben. Wäre es ein normaler Film, hätte er von mir vermutlich 4,5 Sterne bekommen, als Ghibli fällt es mir schwer, mehr als 3 zu geben. Bin einfach Besseres von Miyazaki gewohnt. Ich fand es schön, ihn gesehen zu haben, in meine Sammlung wird er aber nicht kommen, ...


SaschaSalamander 01.03.2013, 08.32 | (0/0) Kommentare | PL

Die Olchis - Witze aus der Pfütze

>DIE OLCHIS< sind mir schon oft in der Buchhandlung begegnet, hier und da habe ich einen Blick in die Bücher geworfen. Ich finde die kleinen Gesellen richtig schräg und die Idee dahinter toll, und ich hätte sie als Kind ganz sicher geliebt. Ich habe alles geliebt, was nicht regelkonform war, und die Olchis mit ihrem unanständigen Verhalten wären mir da gerade recht gewesen. Ich finde, Kinder haben das Recht, sich dreckig zu machen und auch mal unanständige Wörter zu sagen, das gehört zum Kindsein dazu :-)

Neugierig habe ich >DIE WITZE AUS DER PFÜTZE< gehört. Die "Handlung" ist eigentlich nur ein netter Rahmen: die Kinder der Schmuddelfinger Grundschule treten im Team gegen die Olchis an, es gilt die besten Witze-Erzähler zu ermitteln.

Es ist köstlich! Die Olchis erzählen natürlich eher "dreckige" Witze, rund um Schlamm, Schleim, Schmutz, Fürze und Gestank. Die Kinder dagegen eher "normale" Witze. Aber beide Parteien sind großartig, und die Witze sind prima erzählt.

Für Erwachsene Witzfreunde dürften die Einlagen alle bekannt sein, für mich waren nur ein oder zwei neue dabei, die anderen kannte ich schon. Aber das macht nichts, ich habe sie trotzdem sehr gerne wieder gehört, sie sind einfach witzig erzählt. Außerdem macht es Spaß zu lachen, ob man einen Witz schon kennt oder nicht.

Und Kinder dürften die Witzesammlung lieben, sie ist herrlich unkonventionell und frech. Ich kann mir vorstellen, dass Kids diese CD rauf und runterhören, sich die Witze gegenseitig in der Schule erzählen und immer wieder darüber lachen. So, wie ich auf dem Schulhof immer wieder darüber gelacht habe. Ach, es kamen bei mir sehr viele Erinnerungen hoch, als ich die Scherze hörte ...

Was mir gefiel waren die Sprecher. Die Olchis waren sowieso sehr witzig, aber auch den Kindern der Grundschule hörte man an, dass sie mit vollem Einsatz bei der Sache waren und richtig Spaß daran hatten, mitzuwirken. So soll es sein, und das überträgt sich auf die Hörer :-)

Der Titelsong der CD ist klasse, und ich habe ihn mir sofort auf den Player in meine Sammlung "schräger" Songs gepackt. Ich habe nämlich einen Ordner mit Titeln, die ich immer dann höre, wenn ich ein paar kuriose Texte brauche, um die Absurditäten des Alltags wieder ein wenig geradezurücken (erst diese Woche führte ich ein Gespräch mit der zukünftigen deutschen Königin). Und seitdem habe ich einen Ohrwurm rund um "Fliegenschiss und Olchifurz, das Leben ist doch viel zu kurz, wir lieben Schlick und Schlamm und Schlaaaaa-haaaim, das Leben kann nicht schöner sein" ...

Wertung: 9 von 10 überengagierte Moderatoren


SaschaSalamander 28.02.2013, 09.35 | (0/0) Kommentare | PL

Wenn das Glück fliegen lernt

Bei der Installation des Hörstern-Apps erhält der Kunde derzeit das kostenlose Hörspiel >WENN DAS GLÜCK FLIEGEN LERNT<.

Das Cover mit dem Glücksdrachen sprach mich einfach an, ich mag diese Wesen sehr. Und der Titel klang auch interessant. Die Geschichten sind für Kinder ab 3 Jahre, das mag Erwachsene im ersten Moment natürlich abschrecken. Trotzdem war ich neugierig, und ich habe es nicht bereut. René Wagner, den ich als Sprecher noch nicht kannte, liest die Geschichten von Stephanie Fiedler sehr angenehm vor, variiert gekonnt ohne zu übertreiben, bringt  genügend Abwechslung in den Vortrag. Das gefällt mir und passt sehr gut für die junge Zielgruppe.

Die Geschichten sind einfach niedlich. Manche ähneln Fabeln mit Moral, andere sind einfach nur nett, und viele von ihnen halten kleine Überraschungen bereit. Oft musste ich herzlich lachen. So wird endlich einmal erklärt, was Enten eigentlich unter Wasser treiben - wer sagt denn, dass sie einfach nur nach Futter suchen? Auch Enten wollen mal Spaß haben! Sehr schön auch die Frage, was Glück eigentlich ist - hier wird es mit einem Schmunzeln erklärt. Was passiert, wenn eine Maus im Angesicht des Todes plötzlich einer Wunschfee gegenübersteht?

Wer kindliche Geschichten mag, wird hier seinen Gefallen daran finden. Und wer Kinder hat und eine CD sucht, die in Dauerschleife dennoch nicht allzu nervig wird - diese hier ist prima geeignet. Und Kinds werden wohl begeistert sein von den liebenswerten Charakteren und witzigen Geschichten.

Wertung: 8 von 10 Hüpfburgen


SaschaSalamander 12.02.2013, 09.24 | (0/0) Kommentare | PL

Hieronymus Frosch 2 - Erfindung mit Kawumm

Nachdem ich vom ersten Teil >HIERONYMU FROSCH - DARAUF HAT DIE WELT GEWARTET< absolut begeistert war, freute ich mich riesig, als ich von einem weiteren Band hörte: HIERONYMUS FROSCH - EINE HÖCHST PRAKTISCHE ERFFINDUNG MIT VIEL KAWUMM. Das klingt vielversprechend, und Kawumm klingt nach einem großen Abenteuer, das Stefan Kaminski wieder mit viel Stimmakrobatik zum Leben erwecken kann. Ich konnte es kaum erwarten.

Ich mag es nicht, ein Buch / eine CD im Vergleich zu einem anderen Titel zu bewerten, schließlich ist jedes Werk einzeln zu betrachten. In diesem Fall aber werde ich ausnahmsweise doch einige Vergleiche ziehen müssen, weil die Unterschiede eben doch sehr gravierend sind.

Hieronymus Frosch ist Erfinder, lebt im Garten der Frau Butterweck, ist Nachbar der Spitzmaus Frau Wackernagel und ihren kleinen Kindern, den Wackernägeln. Außerdem ist er Ehrenmitglied der Königlich-Erkenntnisreichen Sozietät. Als ein Erfinderwettbewerb zum Thema Garten ausgeschrieben wird, kann er nicht an sich halten und hat sofort eine faszinierende Idee: Leuchtende Bohnen, die man auch im Dunkel ernten kann. Der böse Nick will natürlich seine Forschungen ausspionieren. Und dann taucht plötzlich ein anderer Kröterich auf, stellt sich als weiteres Ehrenmitglied vor und möchte mit Hieronymus zusammenarbeiten. Wird Hieronymus den großen Preis gewinnen?

Während im ersten Teil mehrere kleine Geschichten erzählt wurden (viele einzelne Erfindungen wurden vorgestellt, missglückte und gelungene Arbeiten, Treffen mit den Wackernägeln, eine Begegnung mit Frau Butterweck und viele andere kleine Episoden), gibt es hier nur eine einzelne Geschichte ohne weitere Exkurse. Alles konzentriert sich auf die großartige Erfindung und die Hindernisse auf dem Weg dorthin.

Im ersten Teil war ein Spannungsaufbau nicht erforderlich, weil es viele kleine Höhepunkte gab. Hier dagegen gibt es einen Spannungsaufbau, nämlich erst die Frage, was er erfinden wird, dann die Umsetzung der Forschungen, Nicks Spionage und dann die Frage, wer der fremde Kröterich ist und ob man mit ihm zusammenarbeiten kann und zum Schluss natürlich das große Kawumm. Trotzdem konnte ich das Hörbuch ohne Probleme unterbrechen, hatte nicht die drängende Frage "wie geht es nun weiter", dazu war die Handlung dann doch zu vorhersehbar.

Im ersten Band habe ich regelrecht mitgelitten, mitgefiebert, es gab immer wieder neue Situationen. Hier dagegen war es recht nett, humorvoll, aber es hebt sich als Hörbuch nicht sehr von anderen Kinderhörbüchern ab.

Einen großen Teil zu meiner Begeisterung für den ersten Band trägt Stefan Kaminski bei. Und das fehlte mir bei der ERFINDUNG MIT KAWUMM. Im ersten Teil zeigte er sein Können als Stimmakrobat, ahmte Geräusche nach (ich denke allein an die Rakete), jonglierte mit Lauten und Silben, verzerrte seine Stimme, imitierte und tanzte. Hier dagegen ist er einfach nur ein guter Sprecher mit der Fähigkeit, seine Stimme ein wenig zu variieren. Vielleicht hatte er einen schlechten Tag, vielleicht gab es einfach in der Vorlage nicht die passenden Möglichkeiten.

Auch habe ich ein paar Running Gags vermisst. Zwar kamen einige der bekannten Sprüche vor, aber es schien mir weit weniger, und auch deutlich zurückhaltender vorgetragen. Ein paar weitere Schmunzler und Lacher, die ich erwartete hatte und die mir fehlten.

Es fällt mir schwer, so zu tun, als würde ich Teil 1 nicht kennen, daher kann ich schwer sagen, wie ich das Buch für sich bewerte. Insgesamt habe ich mich sehr gut unterhalten. Ich denke, man kann den Unterschied gut zusammenfassen: Teil 1 ist für Kinder wie auch Erwachsene ein Hörgenuss, da Vortrag und Aufbau auch die Großen abwechslungsreich begeistern. Teil 2 besticht vor allem mit einer witzigen durchgehenden Handlung, die für Erwachsene aber dann doch etwas zu einseitig ist. Aber für Erwachsene ist es ja auch nicht gedacht ;-)

Auch, wenn ich also manches vermisst habe - insgesamt habe ich HIERONYMUS FROSCH wieder gerne gehört und mich sehr über das Wiedersehen gefreut, mich über viele humorvollen Einlagen gefreut.


SaschaSalamander 11.02.2013, 08.59 | (0/0) Kommentare | PL

Der Wasserspeier Fledermeier

VORAB

Es gibt Bücher, die hat man in zehn Minuten gelesen. Und genau deswegen darf man sie nicht einfach zwischen Tür und Angel vernaschen, nur weil man mal die Zeit überbrücken will. Sondern gerade diese kleinen Leckerbissen muss man genießen, bewusst und mit allen Sinnen. Und das habe ich getan: draußen dunkelte es bereits. Plätzchenduft in der Wohnung und zwei Kekse auf dem Teller neben einer Tasse mit heißem Kakao. Untermalt von hellgrünem Stimmungslicht, eingekuschelt in eine warme Decke. Perfekt für ein Bilderbuch. Also her mit dem WASSERSPEIER FLEDERMEIER :-)


INHALT

Der kleine Boris wohnt in einem Haus, auf dem Wasserspeier wachen. Sie sehen immer recht böse aus, deswegen hat er etwas Angst. Eines Tages rumpelt es auf dem Dachboden, auch die folgenden Nächte. Der Junge stellt fest, dass einer der Wasserspeier auf dem Dach fehlt! Er stellt sich seiner Angst und freundet sich bald mit "Herr Fledermeier", wie er ihn nennt an. Denn eigentlich sind die beiden gar nicht so verschieden.


AUTOR

Dieses Kinderbuch stammt aus der Feder von >Christian von Aster<, den regelmässige Leser meines Blogs inzwischen kennen sollten. Ich mag seine Fähigkeit, mit Worten zu spielen und treffsichere Pointen zu setzen, auch als Sprecher höre ich ihn gerne. >MITTERNACHTSRABEN< war meine erste Begegnung, es folgten >TIMMY KENNT DEN WEIHNACHTSMANN< und >STIRNHIRNHINTERZIMMER<. Weitere Werke warten in meinem Regal. Was mir auf- und gefällt ist die Wandelbarkeit des Autors, der mal ernst, mal satirisch, mal gereimt, mal in Prosa, mal bitterböse für Erwachsene und dann auch für Kinder schreibt. Er experimentiert, er spielt, er reizt aus, er provoziert, er unterhält, und er kann sogar pädagogisch ;-)


GENRE

DER WASSERSPEIER FLEDERMEIER ist ein reines Kinderbuch. Der Text ist sprachlich sehr einfach gehalten, von Aster hält sich mit seinen wortgewandten Spielereien zurück und vermittelt einen klaren Inhalt, geeignet für das kindliche Verständnis. Die Bilder sind recht düster, passen jedoch zur Geschichte und dürften - doch da sollen Eltern selbst entscheiden - keine Ängste bei den Kindern auslösen, passen sie schließlich gut zur Geschichte und werden gut erklärt. Es eignet sich wunderbar zum Vorlesen und gemeinsamen Betrachten, zum wohligen Schaudern und befreitem Aufatmen.

Wer als Erwachsener Kinderbücher liebt, der wird auf jeden Fall begeistert sein. Ansonsten sollte man sich bewusst sein, dass es sich eben an kindliche Ängste richtet, die Zielgruppe eine sehr junge ist, und dass man es selbst in wenigen Minuten gelesen hat. Eben ein Bilderbuch. Eines von der Sorte, wie ich es liebe und immer wieder gerne lese :-)


THEMA, PÄDAGOGIK

Das Buch setzt sich kindgerecht mit dem Thema Angst auseinander und wie man diese überwinden kann. Es handelt auch davon, dass Ängste aus Unverständnis entstehen können und es möglich ist, sie zu überwinden, wenn man aufeinander zugeht. Das Anderssein wird thematisiert, das Finden von Gemeinsamkeiten. Und es wird gezeigt, dass Dinge, die auf den ersten Blick gruslig scheinen, eigentlich völlig harmlos sein können. Außerdem kann es Kindern eine Hilfe sein, die sich alleine im Dunkeln fürchten.

Die Kinder können mit Boris gemeinsam ein Abenteuer erleben: zu Beginn fürchten sie sich, die Wasserspeier sind düster, die Bilder dunkel und vielleicht auch schaurig (das vermag ich als Erwachsener nicht zu beurteilen). Doch wenn man genau hinsieht (hier ist dann der Erwachsene gefordert, mit dem das Kind das Buch gemeinsam liest), findet man witzige Elemente in den Bildern, bunte Farben. Als die beiden sich annähern, werden die Bilder bunter, freundlicher, dennoch dominieren dunkle Hintergründe und Schatten, denen jedoch der Schrecken genommen wurde. Und das anfangs Gruslige wird dann sogar niedlich. Mal ehrlich, ein Wasserspeier mit geblümtem Kleid, Ringelschal und Bommelmütze, das ist doch richtig süß, da kann man gar keine Angst mehr haben. Das Kind kann am Ende befreit aufatmen und sich dann mit Boris auf den nächsten Winter und die anstehende Begegnung mit Herrn Fledermeier freuen.


SPRACHE

Normalerweise hat Christian von Aster einen sehr eigenen, markanten Stil. Hintergründig, schwarzhumorig, voller Alliterationen, lautmalerisch, wortgewand und meistens mit sehr viel Text zwischen den Zeilen. Für den WASSERSPEIER FLEDERMEIER wählt er dagegen einfache Worte, die auch ohne Subtext gut zu verstehen sind. Dabei gelingt es ihm dennoch, den Kindern Freiraum zu geben für eigene Interpretationen. Sie können sich selbst hineinversetzen, Boris´ Angst nachempfinden, mit ihm aufatmen und eine wunderbare Zeit mit den beiden Freunden verbringen. Nicht alles wird erzählt, der Autor lässt auch Raum für die Phantasie. Er gibt eine märchenhafte Rahmenhandlung vor, das Kind darf sie mit Leben füllen.

Sehr schön finde ich, dass auch die Beschreibung der Beteiligten hübsch dargestellt wurde, mit witzigen Worten und netten Bildchen. Es muss nicht immer die übliche Autorenbeschreibung sein und ein normales Foto. Die Macher dieses Buches beweisen, dass es auch anders geht, der Humor dabei ist sympathisch.


ZEICHNUNGEN, GESTALTUNG

Die Zeichnungen stammen von >Benswerk< und passen perfekt zu dem Buch. Düster und unheimlich, aber nicht beängstigend, teilweise auch niedlich. Die Wasserspeier mit ihren Glubschaugen und schiefen Zähnen, das ist ein recht skurriler Humor. Es wirkt nicht wie eine Imitation, ist nicht abgekupert, sondern etwas ganz Eigenes, erinnert mich aber ganz eindeutig an die Motive von Tim Burton. Ringelmuster, Spiralen und Windungen, lange Hälse, dürre Gliedmaßen, große Köpfe auf kleinen Körpern, eine düsterromantische Stimmung. Der bleiche Mond scheint durch ein Astskelett. Häuser und Fenster sind schief und unarchitektonisch. Ach, ich liebe diesen Loook :-)

Text und Bilder sind in einer Einheit gestaltet. Ein Bild erstreckt sich über eine Doppelseite, die Worte sind darin integriert, mal mit Hintergrund, mal im Bild selbst, mal leicht zu lesen, manchmal etwas schwerer zu erkennen (zugegeben, im Schummerlicht tat ich mir auf manchen Seiten etwas schwer bei dunkler Schrift auf dunklem Grund. Aber das ist okay, ich wollte es ja gerne langsam lesen. Es trug zur Atmosphäre bei und gefiel mir sehr. Und normalerweise hat man ja normales Licht, wenn man etwas vorliest).

Der Text ist auch mal perspektivisch geschrieben oder schräg auf der Seite. "Gerade" und "normal" sind zwei Dinge, die man sowohl in Wort wie auch Text bewusst vermieden hat. Es macht Spaß, sich den Tet auf jeder Seite neu zu erarbeiten und ihn quasi zu entdecken. Einmal wird auch die Leserichtung geändert, man muss das bisher regulär gelesene Buch nun plötzlich um 90 Grad drehen, weil das Bild hochkant ist und nicht auf eine Breitseite gepasst hätte. Klar, warum sollte der Künstler auch jedes Bild gleich gestalten? Das wäre schließlich langweilig. Und "langweilig" und "von Aster" in einem Satz, das geht gar nicht ...

Es sind keine Bilder, bei denen man immer wieder etwas neu entdecken kann als Erwachsener. Trotzdem sind sie einen genaueren Blick auch von den Erwachsenen wert und weisen interessante Details auf. So findet sich z.B. gegen Ende zweimal das gleiche Motiv, doch einmal blickt der Wasserspeier grimmig, das andere mal freundlich mit Blümchen auf dem Kopf. Als Boris sich einmal selbst als grimmiger Wasserspeier versucht, musste ich sehr über seinen Pulloveraufdruck schmunzeln, der so gar nicht dazu passen wollte. Ich  musste sehr oft beim Lesen lächeln, empfand die Bilder als sehr liebevoll gestaltet und bin gerne einen Moment in ihnen verweilt.


FAZIT

Ein wunderschönes Bilderbuch, das Kindern den Umgang mit der eigenen Angst erleichtert und das Zeug zum Lieblingsbuch hat. Wort, Text und Inhalt bilden eine kongeniale Einheit, an der auch Erwachsene Gefallen finden, wenn sie Kinderbüchern gegenüber offen sind. Ich kann den WASSERSPEIER FLEDERMEIER guten Gewissens empfehlen und werde ihn selbst noch oft lesen :-)


SaschaSalamander 07.12.2012, 09.01 | (0/0) Kommentare | PL

Furcht, Freundschaft, Altersunterschiede und Vanilleeis

Angefixt! Und jetzt will ich mehr, will mir nach und nach die Bücher des Herrn >Christian von Aster< alle holen. Er schreibt nicht nur >Kurzgeschichten< und >Gedichte< und Romane (DER SCHATTENSCHNITZER, derzeit auf meinem SuB) und und und, sondern von ihm erschien auch ein Kinderbuch: DER WASSERSPEIER FLEDERMEIER.

Bestellt, und heute kam es endlich an. Auf dem Heimweg schon konnte ich mich nicht halten, riss die Verpackung ab, blätterte im Buch (während des Laufens. Inzwischen habe ich mich auf Hörbücher verlegt, seit ich als Jugendliche häufiger Bekanntschaft mit Laternenpfählen oder verschlossenen Türen gemacht hatte, aber manchmal packt es mich, und das Buch in der Hand ist wichtiger als der Knopf im Ohr).

Oh, es fällt mir SO verdammt schwer, es nicht heute Abend schon zu lesen. Ein Kinderbuch. Viele tolle (nicht unbedingt bunte) Bilder. Hab ich flink durch. Willwillwill jetztjtztjetzt!!! Aber ich will es auch würdig genießen. Mit einer Tasse Kakao, in den Lesesessel gekuschelt, Bild für Bild betrachten, mir Zeit nehmen für die Wirkung der Worte, will die Geschichten fühlen und miterleben und selbst dabei sein. Sie nicht gierig verschlingen, sondern Bissen für Bissen genießen. Und das ist soooo schwer *seufz* ...

aber dafür freu ich mich so richtig darauf, das am Wochenende zu zelebrieren :-)

Worum es geht? Es geht um die Geschichte von Boris und Herrn Fledermeier. Um eine Geschichte über Furcht, Freundschaft, Altersunterschiede und Vanilleeis ...


SaschaSalamander 12.09.2012, 19.14 | (0/0) Kommentare | PL



 






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