SaschaSalamander

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Thema: Rezensionen Buch

Frettchen in den Lüften

CoverWie schon mehrfach bemängelt, gibt es einfach viel zu wenige Romane, in denen Frettchen vorkommen. Und so bin ich dankbar für jedes Buch, das mir in die Finger gerät, so etwa auch "Frettchen in den Lüften" von Richard Bach. Bach ist der Autor des Weltbestsellers "Die Möwe Jonathan". Ebenso wie de Saint-Exupéry (der kleine Prinz) ist er passionierter Flieger und schreibt Texte über Selbstverwirklichung, Sinnfindung und Schicksal. Aber was, bitteschön, haben Frettchen mit Flugzeugen, Selbstverwirklichung und Schicksal zu tun?!?

Stormy Frett ist Pilotin und wie ihre Kollegen vor allem Einzelgänger. Sie ist bekannt für ihre großartigen Flugfähigkeiten, ihre Zuverlässigkeit, aber auch für ihren sturen Dickkopf. Ein kleiner Sturm kann sie nicht davon aufhalten, ihre Fracht - Hängematten, Frettchenfutter und Glöckchenbälle - sicher ans Ziel zu bringen. Da müssen schon die himmlischen Frettchenengel eingreifen, wenn sie Stormy zu einer vorbestimmten Notlandung bringen wollen, auf der sie ihrem zukünftigen Partner Strobe begegnet.

Das Buch ist mit 159 Seiten im Kleinformat und einigen Bildern wirklich recht dünn, und es lässt sich in einem Zug sehr schnell durchlesen. Die Charaktere sind allesamt sympathisch. Man muss jedoch bereit sein, sich auf Bachs Idee einzulassen: Frettchen, die ebenso wie Menschen mit Flugzeugen den Himmel erobern (und ihre Höhe nicht in Fuß, sondern Pfötchen messen), Frettchenengel verstorbener Piloten, die nun in kleinen Hubschraubern sitzen und das Schicksal der lebenden Frettchen in die Wege leiten.

Mit Frettchen an sich hat es sonst wenig zu tun. Hätte man das Wort Frettchen durch "Katze" oder "Eichhörnchen" ersetzt und die Ladung des Transportflugzeuges verändert, wäre es wohl genau dasselbe gewesen. Es ist eben niedlich. Für Fans der pelzigen Vierbeiner allerdings kein frettchentypisches Verhalten, keine frettchentypischen Eigenheiten, also auch nicht wirklich ein echter "Frettchenroman". Trotzdem sehr lesenswert, wie Stormy sich gegen ihr Schicksal auflehnt und dem Sturm trotzt.

Allzuviel würde ich nicht in den Roman hineininterpretieren, zuviel erwarten sollte der Leser ebenfalls nicht. Aber als nettes Märchen zwischendurch kann ich "Frettchen in den Lüften" auf alle Fälle empfehlen :-)

SaschaSalamander 24.03.2006, 09.47 | (0/0) Kommentare | PL

Magyk

Nachdem >Angelcurse< das Buch nun auch gelesen und rezensiert hat, kann ich ja ruhigen Gewissens die Rezension bloggen *g*. Und das Schöne daran finde ich: man sieht wieder einmal, wie sehr die einzelnen Geschmäcker voneinander abweichen. Eigentlich muss ich ihr ja auch zustimmen in ihrer Meinung, wenn da eben nicht ... siehe eben unten Text ;-)

CoverSeptimus Heap ist der siebte Sohn eines siebten Sohnes und somit ein sehr mächtiger Magier. Oder wäre es zumindest gewesen, wenn er nicht kurz nach der Geburt gestorben wäre. Und gleichzeitig wird die Königin getötet und ihre Tochter entführt. Der Magier Heap findet im Wald ein Baby und nimmt es mit seiner Frau an Kindes statt an, quasi anstelle des verstorbenen Sohnes. Was hat die Außergewöhnliche Magierin Marcia Overstrand mit der ganzen Sache zu tun? Als sich herausstellt, dass dieses junge Mädchen die Königstochter ist, wird es brenzlig für die Heaps, und sie müssen fliehen. Und dann zeigt sich, dass Septimus vielleicht noch am Leben sein könnte ...

Das Buch wurde viel gelobt, und es ist auch von außen sehr ansprechend. Ich selbst weiß nicht so recht, wie ich dazu stehe. Es gefiel mir, sonst hätte ich es nicht zu Ende gelesen. Aber es hat sich sehr, sehr lange gezogen, ich habe mich an sehr vielen Dingen gestoßen.

Es gibt keine konkrete Hauptfigur, sodass die Erzählperspektive von sehr nah bis sehr weit wechselt, stets steht eine andere Person im Vordergrund. Dies geht soweit, dass die Handlung aus der Sicht absolut unwichtiger Nebencharaktere geschildert wird, was ich sehr ungeschickt finde. Die Charaktere handeln stellenweise äußerst unlogisch. Davon, dass die Magier Magier sind, merkt man auch nur sehr selten. Den Figuren kleine Ticks verpassen ist okay, dass sich die Außergewöhnliche Magiern selbst in Gefahrensituationen jedoch mehr für ihre Schuhe interessiert als für andere Dinge, ist ab einem gewissen Punkt dann allerdings doch stark übertrieben.

Sprachlich ist das Buch sehr einfach gehalten und gefällt mir ganz gut. Allerdings tauchten zwischendurch drei, vier Fremdwörter auf, die ab-so-lut unpassend waren. Ich schlug nach und stellte fest, dass es Fachtermini aus zum Beispiel der Seefahrt oder anderen Gebieten waren, die ein normaler Leser kaum kennen kann. Von gewissen Schnitzern (die nicht selten waren) wie dem >hier< beschriebenen ganz zu schweigen. Die Handlung - vorhersehbar. Sobald die entsprechende Person im Buch auftaucht, weiß jeder gesunde Leser: DAS muss Septimus sein. Zumal der Titel und der Klappentext ja bereits verraten, dass er wohl noch lebt.

Hm. Trotzdem hat mir das Buch gefallen. Es hat einen ganz eigenen Charme, es ist warmherzig und angenehm zu lesen. Die Figuren sind zwar simpel gestrickt, aber allesamt liebenswert und schrullig. Die erfundenen Kreaturen (Wendronhexen, Panzerkäfer, Boggarts, etc) sind eine nette Idee. Ich wollte unbedingt weiterlesen. Wenn nicht einmal solche wie oben genannten stilistischen und sprachlichen Stolpersteine mich vom Lesen abhalten können, dann will das wirklich etwas bedeuten!

Wer sich also selten an der Sprache eines eher einfachen Buches stößt oder schmunzelnd darüber hinwegsieht und wer Kinder- und Jugendfantasy mag, dem wird dieses Buch ganz bestimmt gefallen. Und wie man sieht - Angelcurse war begeistert ;-)

SaschaSalamander 22.03.2006, 09.47 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Böse Bauernsprüche für jeden Tag


>Dieses Büchlein< kennt ihr ja inzwischen. So lieb man im Alltag auch ist, aber ein kleines bissschen Rabenschwarz steckt in jeder Seele, und deswegen freuen wir uns diebisch über alltägliche Nettigkeiten *fiesgrinz*. Und weils so schön war, habe ich mir jetzt auch zwei weitere Bücher via Buchticket geordert. Gestern bestellt, heute schon da, neuwertiger Zustand, was will man mehr?

Mal sehen, welches ich dann verwenden werde, dieses oder das andere Buch. Aber erst einmal abwarten :-)


Bauernweisheiten sind manchmal zutreffender als die Wettervorhersage, denn sie basieren auf jahrhundertealter Erfahrung. Und dann gibt es da noch die "frechen" Bauernsprüche. Wer kennt nicht "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich´s Wetter oder´s bleibt, wie´s ist" oder "Sind die Hühner platt wie Teller, war der Traktor halt mal schneller". Herrlich, oder?

Und dieses Buch ist gefüllt mit 366 solcher netten Sprüchlein. Einer wahrer als der andere ... ein paar Beispiele gefällig?

Quillt dein Holzbein auf bei Regen,
musst Du etwas kleiner sägen.

Was deinem Nachbarn lieb und teuer,
ergibt das schönste Osterfeuer.

Wer auf Neujahr einen habt,
hat das Vorjahr überlebt.

Dich stört der Garten nebendran?
Dann sä dort heimlich Unkraut an

Soll aus dem Ei ein Huhn geraten,
darfst dus nicht zu lange braten.

Ach ja, und kleiner Tipp: wer bei Amazon bestellt, darf gerne über das kleine Kästchen links bestellen. Des Copyrights der Cover wegen dieser Partnervertrag, und Amazon soll ja nicht misstrauisch werden, wenn nie Bestellungen eingehen *ggg* (wird links im Feld etwas bestellt, kriegt SaraSalamander etwas Geld *ggg*)

SaschaSalamander 15.03.2006, 15.47 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Frettchen für Dummies

CoverInzwischen habe ich schon einige der Dummie-Bücher gelesen. Als ich das Buch "Frettchen für Dummies" in der Bibliothek bei einem (sehr sympathsichen) Mitarbeiter (der jedesmal grinst, wenn ich wieder etwas reservieren komme) reservierte, lachte er und fragte sich, wofür es eigentlich KEINE Dummie-Bücher gäbe. Und er hat Recht, denn diese Bücher gibt es zu jedem wichtigen und unwichtigen Thema. Aber es sind nicht irgendwelche Bücher für DaUs (Dummies), sondern Ratgeber, die ich Laien wie Fachmenschen ebenso ans Herz legen kann.


Die Bücher der Dummie-Reihe kennzeichnen sich alle dadurch, dass sie die Informationen auf eine sehr gut lesbare Weise vermitteln. Wer die Materie in- und auswendig kennt, könnte sich scheckiglachen über den humorvollen Schreibstil und stellt fest, dass die Informationen (zumindest in allen Büchern, die ich gelesen habe) sehr gut widergegeben wurden. Wer noch nichts vom Thema weiß, der erfährt auf humorvolle Art und Weise ohne große Hirnverrenkungen mehr über das, was er lernen möchte. Computeranwendungen, Heimwerkeln, Autos, Psychologie, Philosophie, Musikinstrumente, Gymnastik, klassische Musik, Haustierhaltung, Handarbeiten und was weiß ich nicht alles. In den Anfangszeiten meiner Computerzeit waren mir die Dummiebücher eine nicht zu unterschätzende Hilfe.

Ich habe mir das "Frettchenbuch für Dummies" geholt. Und schon beim ersten Durchblättern fand ich einige wertvollen Informationen, die ich im Netz und aus verschiedenen Fachbüchern noch nicht bekommen habe. Der Autor ist selbst Herrchen einiger solcher Wusel und hat wirklich Ahnung von dem, was er schreibt. Endlich ein Buch, das ich mir über Frettchen kaufen werde. Die meisten Bücher haben zwar hübsche Bilder (damit wird in den Dummiebüchern eher gespart), aber der Text erscheint mir zu menschenfreundlich. Ich las Bücher, in denen es hieß, die Tiere könnten auch alleine gehalten werden, und die vorgegebenen Maße des Käfigs waren fast alle zu klein. Ein solches Buch soll aber nicht dem Halter um den Bart gehen, sondern vor allem die artgerechte Haltung in den Vordergrund rücken. Kim Schilling versteht es hier wirklich, diese Tierchen schmackhaft zu machen, aber zugleich auch deutlich zu machen, wieviel Arbeit mit diesen wahnsinnigen Irren verbunden ist.

Und für das Lachen ist gesorgt. Bereits beim Überfliegen des Buches in der U-Bahn und auf der Straße musste ich lauthals loslachen. Die Bücher sind mit viel Witz geschrieben, locker und lässig. Theorie muss nicht todernst sein, bei keinem Thema. Und so ein witziges Thema wie Frettchen bietet da erst recht Anlass!

"Wenn sie angefaucht werden, fauchen Sie doch auch mal zurück. So ein dummes Frettchengesicht sehen Sie nicht alle Tage"

"Ich kenne kein Frettchen, das noch keinen Freudentanz aufgeführt hat. Falls doch, dann war es bestimmt tot. [...] Achtung: Frettchen sind Profis. Probieren sie diese Bewegungen nicht selbst aus, sonst könnten irreparable Schäden an Ihrem Bewegungsapparat und Ihrem Ego die Folge sein. Dieser Tanz ist ohne Hand und Fuß. Das Frettchen bewegt sich in alle Richtungen gleichzeitig. Nach vorn hüpfen, seitwärts tänzeln, dann eine Rolle rückwärts. Der Tanz ist niemals gleich, alle Tänze sind aber sehr unterhaltsam"
Ungeeignete Lebensmittel: "Schweinefleisch, Salz, Finger (auch wenn sie daran beißen), [...] Kaffee und Tee. Bitte kein Koffein. Als wären die Tiere nicht schon aufgedreht genug."

"Mindestens die Hälfte seiner Freizeit sollte ein Frettchen zusammen mit Ihnen verbringen. Vielleicht hat Ihre Mutter Sie früher immer auf ein Kissen gesetzt, Ihnen eine Flasche in den Mund gesteckt und den Fernseher eingeschaltet. Aber das war sicherlich nicht das, was sie erhofft hatten. Auch ein Frettchen möchte spielen, und sein Besitzer sollte sich anschließen. Das ist gut für Geist, Seele und Figur. [...] Menschen tun die blödesten Dinge, wenn sie mit ihren Frettchen spielen. Und Frettchen tun auch die dümmsten Sachen. Nun ja, es sind halt Frettchen."

Und dazu gibt es bei den meisten Kapiteln vorab noch einen herrlichen Cartoon über Frettchenhaltung. Cartoons, die vermutlich nur Frettchenhalter verstehen oder Menschen, die um die Eigenheiten dieser Racker wissen ;-)

Auch, wenn ich hier mehr über die witzige Seite des Buches geschrieben habe (denn was soll ich auch über die fachliche schreiben als "sinnvoll, qualifiziert, hilfreich und fachkundig"?) - das Buch gehört zu denen, die man als Frettchenbesitzer im Schrank stehen haben sollte. Vor allem die Tipps für die Pflege der Tiere und Hinweise auf mögliche Krankheiten sind sehr wichtig. Und bei all dem Fachwissen ist das Buch wirklich gut zu lesen und macht Freude.

SaschaSalamander 01.03.2006, 09.33 | (0/0) Kommentare | PL

Charlie Bone und das Schloss der tausend Spiegel

CoverÜber die ersten drei Bände der Reihe um die Kinder es roten Königs (>Charlie Bone<) habe ich ja bereits geschrieben. Das Buch ist Anfang diesen Monats erst neu erschienen, und in der Bücherei kann ich es, da es so bekannt und eilig nicht ist, leider noch nicht erhalten. Umso mehr freute ich mich, dass >Kleine Seele< mir es auslieh und ich es schon so bald als möglich genießen konnte. Und jetzt, am Ende des dritten Bandes, würde ich am liebsten sofort "Charlie Bone and the hidden King" (Charlie Bone und der verborgene König) lesen, der leider aber erst im Juli 2006 erscheinen wird *seufz*.

In diesem Band wird der arme Billy endlich von einem Ehepaar adoptiert. Aber wie sollte es anders sein, das Ganze ist eingefädelte Sachen vom fiesen Ezekiel Bloor, und Billy soll wieder als Spitzel gegen Charly verwendet werden. Seine Freunde wollen ihm bei der Flucht helfen und haben gegen allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen. Und auch dem Rätsel um seinen Vater, den roten König, der Köchin und anderen noch offenen Handlungssträngen kommt Charly immer näher. Außerdem wäre da noch der neue Sonderbegabte an der Schule, der eines Tages plötzlich einfach vor der Tür der Schule stand und Charlies Freunde gegen ihn aufbringen will.

Ich habe die Charaktere alle um ein Vielfaches liebgewonnen, vor allem Olivia, Billy und Onkel Paton haben sich sehr stark weiterentwickelt. Auch sonst hat mir das Buch wirklich wieder sehr, sehr gut gefallen. Ich fand es zwar schade, dass weitere Rätsel aufkamen, anstatt zumindest Teile der bisherigen zu lösen, aber das muss ich wohl bis zum Erscheinen des neuen und zugleich auch letzten Bandes 05 hinnehmen.

Es gibt ansonsten nicht viel hinzuzufügen im Vergleich zu den bisherigen drei Büchern. Wie gesagt ein Buch für junge Leser oder Erwachsene, die gerne auch ein einfacheres Kinderbuch zur Hand nehmen. Nicht unbedingt immer realistisch, oft ein wenig zu einfach in der Logik, aber stets spannend, mitreißend und einfach sympathisch. Wer weiß, was uns im letzten Band erwarten wird? ;-)

SaschaSalamander 22.02.2006, 09.47 | (3/3) Kommentare (RSS) | PL

Lemony Snicket Band 7 bis 9

Cover Bd 7Über die ersten Bände der Reihe betrüblicher Ereignisse habe ich ja schon einiges geschrieben (>Band 1<, >Band 2-3<, >Band 4-6<). Am liebsten hätte ich 1 bis 12 ja in einem Rutsch aus der Bibliothek verschlungen. Da ich jedoch längere Zeit auf den neunten Band warten und mir dann den zehnten bis zwölften auf Englisch kaufen musste, hat es sich etwas gestreckt, wodurch leider auch etwas von dem Zauber verlorenging. Denn am Stück genießt sich Lemony Snickets Werk besonders gut!

Nachdem die Geschwister in den ersten sechs Bänden von einem Vormund zum nächsten kamen, erklärt sich nun niemand mehr bereit, sich um sie zu kümmern, zuviel Probleme bringen sie mit sich. Getreu dem Motto "es braucht ein ganzes Dorf, ein Kind zu erziehen", werden die Kinder also in das Dorf der Federvieh-Freunde gebracht. Aber wie zu erwarten, stoßen sie auch dort nur auf Probleme. Allerdings kommen sie dem Geheimnis um FF immer näher, und sie treffen auf den geheimnisvollen Jack Snicket, welcher eine wichtige Botschaft für sie hat. Aber leider ...

Die Kinder müssen unerkannt fliehen und landen dabei im Heimlich - Hospital, wo sie neue Hinweise über FF, ihre Familie, die seltsamen Feuersbrünste und Graf Olaf finden.Und als Violet in Lebensgefahr gerät, scheint alles verloren ...

Cover Bd 8Auf der Flucht aus dem Hospital müssen sich die Kinder sprichwörtlich in die Höhle des Löwen wagen. Sie folgen Graf Olaf auf einen schaurigen Jahrmarkt, wo sie - neue Hinweise über FF, ihre Familie, die seltsamen Feuersbrünste und Graf Olaf finden. Verkleidet als Monstrositäten einer Freakshow versuchen sie das Rätsel um all diese Dinge zu lüften.

Immer mehr wird die Geschichte der Baudelaire-Waise auch zu einer Geschichte des Erzählers. Waren es in den ersten Bänden nur belanglose Hinweise, die Lemony Snicket über sein Privatleben streute, so werden die Hinweise immer konkreter, weshalb er sich verpflichtet fühlt, über die Geschwister zu berichten. Eng ist seine Geschichte mit der der Kinder verwebt.

Als ich das Buch las, war ich erstaunt. Die ersten acht Bände hatte ich ja als Hörbuch zu mir genommen, vorgetragen von Stefan Kurt und später von Rufus Beck. Die Lesung war aufgrund der kurzen Bücher jeweils ungekürzt, sodass Wort für Wort widergegeben wurde. Und ich muss sagen: das Buch gefiel mir als Hörbuch weit besser! Denn Lemony Snicket bedient sich einer Sprache, die sehr melodisch ist und erst durch das gesprochene Wort an Gewicht gewinnt! Ich war verblüfft, wie stark sich das auf das Buch beziehungsweise das Hörbuch auswirkte. Nicht, dass mir das Buch nicht gefallen hätte, ich wäre auch ohne die CD ins Snicketfieber verfallen, aber ... doch, dieses Buch gehört sich eindeutig vorgetragen, nicht gelesen!

Man merkt deutlich, wie die Handlung immer mehr auf einen Showdown im dreizehnten Band hinausläuft. Während andere Bücher ab irgendeinem gewissen Punkt abflachen, ist hier das Gegenteil der Fall: Ich finde es bemerkenswert, wie es der Autor schafft, die Spannung immer noch ein klein wenig anzuziehen, bis man glaubt, es nicht mehr aushalten zu können und sofort den nächsten Band lesen zu müssen, und der wird noch spannender als der vorherige.

Cover Bd 09Der zehnte bis zwölfte Band werden dann auf Englisch von mir verschlungen. Den ersten davon habe ich bereits gelesen, sehr bald stehen die nächsten zwei an. Ich wünschte, ich hätte auch hiervon die Audiobooks ... gelesen von Tim Curry (Rocky Horror Show), wie ich sehe, müssen sie wirklich grandios sein!

Wie, ihr habt Lemony Snicket noch immer nicht gelesen? Los, los, es wird Zeit, dieses Buch darf man einfach nicht verpassen! Schade, dass soviele andere Bücher bei uns mehr Beachtung finden, denn kaum eines hat es verdient wie diese herrlich skurille Reihe um das Unglück der drei Waisen.

SaschaSalamander 17.02.2006, 10.17 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Der Ring der Rinaldi

CoverDas Buch "Der Ring der Rinaldi" fiel mir in die Hände, nachdem ich die Serie um >"Charlie Bone"<, ebenfalls von Jenny Nimmo, begonnen hatte. Da mir die klindlichen Abenteuer des magisch begabten Jungen gefallen hatten, wollte ich auch gerne ein weiteres Buch der Autorin lesen. "Der Ring der Rinaldi" ist inhaltlich und im Aufbau komplett anders, aber mindestens ebenso schön und kindgerecht.

Nachdem Eliots Mutter gestorben ist, ist nichts mehr wie damals. Sein Vater kümmert sich nicht ausreichend um ihn, die beiden entfremden sich. Und eines Tages bringt sein Vater ihn zu Verwandten, die sich um den Jungen kümmern sollen. So lebt er nun mit seinen Cousinen, seinem Onkel und seiner Tante zusammen. Eigentlich fühlt er sich wohl in der Familie, aber bereits beim Betreten des Hauses spürt er, dass sie nicht alleine sind. Eliot vernimmt sehr deutlich die Gegenwart einer jungen Frau, Mary-Ellen. Und als plötzlich eine Nachbarin an der Tür steht und Eliot ihren Ring an der Hand funkeln sieht, weiß er sofort, dass er diesen Ring haben muss. Immer mehr bemächtigt sich Mary-Ellen des Jungen als Werkzeug, und Eliot erfährt nach und nach, welches Schicksal die junge Frau damals erleiden musste, wie er ihr helfen kann und warum sie gerade ihn auserwählt hat.

Ein schönes Kinderbuch. Ich denke, für Erwachsene ist es nur bedingt geeignet, eigentlich nur für Freunde von Kinderbüchern. Das Cover ist somit eigentlich etwas ungünstig gestaltet, wie ich finde, es spricht eine ältere Zielgruppe an. Wirklich gruslig ist es nicht (für Kinder allerdings doch etwas unheimlich mit Mary-Ellens Geist und ihrem früheren traurigen Leben), die Handlung ist sehr leicht vorhersehbar und nicht gerade das Neueste vom Neuen. Aber es ist schön geschrieben, und ich habe es sehr gerne gelesen. Die Logik und Handlungsweise der Charaktere ist eine kindgerechte, man sollte als Erwachsener also einfach einmal den Verstand mit seinen vielen "Wenn" und "Aber" ausschalten und die Dinge so akzeptieren, wie sie eben geschrieben werden.

Ich denke, für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren ist es eine schöne Lektüre zum Vorlesen, die Kapitel sind in angenehmen Längen gehalten. Es ist für die Altergruppe spannend geschrieben, sie werden wohl mit großen Augen an den Lippen des Vorlesers hängen *smile*. Und bestimmt kann sich mancher in dem schüchternen, aber mutigen Eliot, seinem Wissensdrang und seinen Sorgen wiederfinden.

SaschaSalamander 08.02.2006, 09.57 | (0/0) Kommentare | PL

Lycidas

CoverIch hatte eigentlich vor, zwei Rezensionen über Lycidas zu schreiben, eine begeisterte und eine negative. Das Buch hat mich insofern sehr bewegt, als es nämlich zweierlei Reaktionen bei mir ausgelöst hat. Aber es hat mich zu wenig angerührt, als dass ich nun zwei Rezensionen darüber schreiben möchte, ich habe es immer wieder vor mir hergeschoben. Deswegen anstelle zweier Rezensionen einfach ein Statement meinerseits.

Meine Freundin hatte mir hochbegeistert davon erzählt, ich solle es unbedingt lesen, es würde mir ganz bestimmt gefallen, da ich doch so ein Fantasyfreak bin. Und in diesem Buch kämen alle möglichen Wesen, Mythen und Legenden vor, eine Menge Überraschungen und tolle Wendungen. Und auch im Internet stieß ich auf eine positive Rezension nach der anderen. Ich konnte es gar nicht erwarten, endlich damit anzufangen, doch dann wurde ich sehr stark enttäuscht.

Emily Laing lebt in einem Waisenhaus, als sie plötzlich von einer Ratte angesprochen wird. Kurz darauf wird ein Baby aus dem Heim gestohlen, und Emily flieht gemeinsam mit der Ratte in die Stadt. Sie macht sich auf die Suche nach ihrer eigenen Herkunft, trifft auf fantastische Wesen und wird unter die Obhut von Lord Wittgenstein, dem Erzähler der Geschichte, genommen. Sie erfährt mehr über die unterirdische Metropole von London und welche Rolle ihr seit langem vorbestimmt ist.

Doch, das Buch hat was, aber ich wurde nie so wirklich warm damit. Es hat alles seine zwei Seiten, und was in diesem Buch einerseits großartig und toll ist, das stößt mir auf der anderen Seite negativ auf. Am besten, jeder Leser bildet sich sein eigenes Urteil, dieses Buch ist wirklich etwas ganz besonders Ungewöhnliches.

Die Handlung ist spannend und interessant, aber sie unterscheidet sich nicht großartig von anderen Fantasyromanen. Ständig stößt der Leser auf Parallelen zu Pullmans Trilogie, der fließenden Königin von Kai Maier und so ziemlich allen anderen aktuellen Fantasybüchern, besonders auch zu Klassikern wie "Oliver Twist" von Charles Dickens. Ein toller Aha-Effekt für den einen, langweilig aufgewärmte Kost für den anderen.

Unterschiedlichste Kreaturen werden vermengt. Werwölfe, ägyptische Gottheiten, einzelne Engel und Cherubime und allerlei andere Wesen der Fantasy und alter Mythen. Eine Erklärung dafür wird gegeben, die manchen Leser bestimmt zufriedenstellt. Es klingt fantastisch und ist gut erdacht. Mir war es einfach zu platt, der Autor hat es sich da etwas zu einfach gemacht, wie ich finde, die unterschiedlichen Kulturen hätten schon etwas stärker hervorgehoben werden können, ein Einheitsbrei ohne tatsächlichen Hintergrund, ohne tiefere Bedeutung.

Der Humor ist wohl ebenfalls sehr stark Geschmackssache. Der Erzähler ist ein steifer Lord, der wenig mit Kindern anfangen kann, er zelebriert Ironie und Zynismus in jeder Situation. Auf Dauer ein wenig albern, zumal sich alles wiederholt. Er selbst sagt "Die Hölle, das ist die Wiederholung", und doch beantwortet er nahezu alle Fragen mit "fragen sie nicht", bis im Gegenzug dann auch Emily seine Fragend grinsend mit "fragens sie nicht" kontert. Etwa zweimal auf jeder Seite. Manch einer kann darüber lachen, ich fand es ziemlich enervierend. Auch ansonsten bringt der Autor viele Wiederholungen in seinen Sätzen, so etwas stößt mir immer sehr bitter beim Lesen auf.

Das, was mir das Lesen am meisten vergällte, war die Erzählweise. Ich habe lange gegrübelt, woran es liegt. Da auch andere Erzähler diese Technik nutzten, fiel es mir anfangs kaum auf, bis ich es in einem Kapitel dann überdeutlich vor mir sah: entweder, der Autor versucht sich in einem äußerst unkonventionellen Stil und möchte sich damit von der Masse abheben, oder er beherrscht einfach nicht den korrekten Umgang mit den grammatikalischen Zeitformen.

Da er aus der gegenwärtigen Sicht die Vergangenheit beleuchtet, muss er zwischendurch das Tempus wechseln, kennen wir ja von Lemony Snicket, Tolkiens Kinderbüchern und anderen Autoren, es hat auch seinen Reiz. Aber Christoph Marzi übertreibt damit. Er wechselt zu häufig die Zeitform, der Leser kommt nicht mehr hinterher. Er beschreibt beispielsweise (nicht übernommen, doch um es sinngemäß zu verdeutlichen) aus der Gegenwart, wie Emily in ihrer damaligen Gegenwart an früher dachte, was später passieren könnte, und was sich in der Zeit zwischen der Zeit als sie dachte und dem heutigen Erzählzeitpunkt aus jedoch anders entwickelte, was natürlich in der Zukunft den gegenwärtigen Erzählers weitreichende Folgen haben könnte. Er springt so oft von einer Zeit in die nächste, sodass der Leser stellenweise kaum noch den Überblick hat, wo er sich eigentlich gerade befindet. Nicht, dass ich unkonzentriert gewesen wäre oder nicht hätte folgen können, aber es ist einfach zu verwirrend an manchen Stellen. Vielleicht ist es ein besonders talentierter Stil, meiner Ansicht nach fehlt noch ein wenig die Übung, Zeitformen sinnvoll zu nutzen.

Aber, wie gesagt, ich bin zwiegespalten. So negativ ich alles beurteile, hat das Buch auch seinen Reiz, einfach seinen eigenen Stil. Es ist das gleiche wie alle anderen und doch etwas ganz eigenes. Ich kann es weder empfehlen noch davon abraten. Ich konnte nichts damit anfangen, aber schlecht an sich ist es eigentlich nicht, denke ich. Und ich weiß, dass ich vor allem an Stil und Form oft mäkele, wo andere hochbegeistert sind. Ich weiß, dass meine Pingeligkeit da zu weit geht und vieles aussondert, das ansonsten eigentlich als sehr gut zu bewerten wäre ...

Habt ihr es auch schon gelesen? Mich würde mal interessieren, was Ihr so davon haltet :-)

SaschaSalamander 25.01.2006, 19.57 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

MoppelIch

Cover"MoppelIch" von Susanne Fröhlich ist ein recht bekanntes Buch, über das ich erst kürzlich gestolpert bin. Gehört zur Kategorie derer, die ich halt mal lese, wenn ich es zufällig in der Bib liegen sehe oder bei Bekannten sehe und ausleihen kann. Hätte ich vorher gewusst, wie pfiffig die Autorin ihre Gedanken an den Mann die Frau bringt, hätte ich mir ihre Bücher schon längst auf den virtuellen SuB gelegt ;-)

Dieses Buch ist kein Diätbuch, es gibt auch keine Ratschläge, wie man abnehmen soll. Wer zu diesem Buch greift, hat meist schon genug solcher Bücher im Schrank stehen, hat meist schon genug Diäten hinter sich. Sie erhebt auch nicht den Anspruch, mit ihrem Buch irgendetwas Gesundes oder psychologisch Wertvolles vermitteln zu müssen. Sie schreibt einfach nur in einzelnen Kapiteln von Lust und Frust des Abnehmens.

Sie schreibt von den Fallen, in die sie selbst immer wieder tappt und die auch ihren Leserinnen bestimmt nicht fremd sind. Eine Diätcola gleicht bestimmt die Kalorien der Sahnetorte dazu wieder aus, Kalorien vom fremden Teller schlagen nicht aufs Gewicht, und das, was man unbeobachtet von anderen Menschen zu sich nimmt, hat sowieso keine Kalorien.

Ihr Buch ist gespickt mit Selbsterkenntnis und Aha-Erlebnissen. Es handelt vom mäkeligen und leider auch ansteckenden Essverhalten der nörgeligen Ehemänner (warum doppelt kochen, dann ist man die ölige Sauce und das fettige Fleisch eben mit, besser als nichts), es erzählt von den Resten der Kinder auf dem Teller und vom Naschen während des Kochens.

Susanne Fröhlich vermittelt ihren Leserinnen Selbstbewusstsein. Denn sie zeigt mit ironischem Ton auf, dass noch kein Mann seine Frau wegen wabbeliger Oberarmfalten oder eines breiten Hinterns verlassen habe und "griffigere" Formen bei Männern sowieso besser ankommen. Ganz zu schweigen davon, dass Männer die mühvollen Abnehmversuche oder das frustige Zunehmen der Frauen seltenst wahrnehmen.

Ganz alltägliche Szenen kennen alle MoppelIchen nur zu gut: die Angst, beim Aufstehen zwischen den Stuhllehnen an der Seite hängenzubleiben, die Schwierigkeiten beim Überschlagen der Beine zum Sitzen, aufgescheuerte Innenseiten der Hose, Wollmäuse am Pullover an den Problemzonen. Sie hat einfach eine locker-flockige und wunderbar ironische Art, diese Themen anzusprechen, und man kann nicht anders als einfach nur lachend zu nicken und sich ertappt zu fühlen. Schön, dass jemand mal so ganz offen darüber spricht und nicht nur hinter vorgehaltener Hand von Freundin zu Freundin darüber redet :-)

Und dann gibt es da noch die dürren Zicken, dauerfrustriert und übellaunig vor lauter Diäten und Hungern. Sie erklärt den Umgang mit diesen Wesen, hat für jede Situation eine passende Antwort für diese Zicken parat a la "hach, ich habe wieder zugenomen" (stimmt, besonders an den Oberschenkeln, fiel mir sofort auf, als Du vorhin zur Tür reinbist), "Findest Du, ich habe in der Hose einen dicken Hintern?" (mach Dir nichts draus, in dieser Hose sähe sogar MEIN Hintern aus wie der eines Nilpferdes) oder "Ich kann essen was ich will, ich nehme einfach nicht zu" (Ohrfeige. Punkt!).

Das Buch ist wie ein Gespräch mit der besten Freundin. Es wird gelästert, gefrustet, über Problemzönchen ausgetauscht. Und danach legt man sich am besten gemeinsam eine Gurkenmaske auf und sieht sich zur Pyjamaparty "Sex and the City" an, während man hemmungslos Chips dazu knabbert ;-)

SaschaSalamander 18.01.2006, 10.11 | (4/4) Kommentare (RSS) | PL

Die Stadt der träumenden Bücher

VORSICHT LANG !!!!! ;-)

Die "Stadt der Träumenden Bücher" ist schon einige Wochen her, als ich sie gelesen habe. Und ich muss zugeben, dass ich Schwierigkeiten habe, überhaupt eine Rezension dazu zu schreiben. Weil ich das Gefühl habe, dass nichts, was ich schreibe, diesem Buch irgendwie gerecht werden könnte. Wer den abgefahrenen Stil von Walter Moers mag, wird es wohl sowieso schon kennen, und wer diese verrückten Wortspiele, Lautmalereien und haarsträubenden un- und tiefsinnigen Gedankengänge nicht mag, der wird ihn auch so nicht lesen. Puuh, wirklich schwer!


In diesem Buch dreht sich alles nur um Bücher, Bücher und nochmal Bücher. Wer nicht wirklich ein absoluter Büchernarr ist, braucht dieses Werk gar nicht erst aufzuschlagen, weil er sich irgendwann vor lauter Büchern übersättig erbricht. Und wer süchtig nach diesem Medium ist, der bekommt eine Droge, wie sie besser kaum "reinziehen" könnte. Gedanken, Erfindungen, Gespräche, Gegenstände, alles in diesem Werk dreht sich um Bücher. Literatur tropft bereits aus dem Einband, man muss dosieren, sonst endet es alles in einer tödlichen Dosis Buch ;-)

Hildegund von Mythenmetz ist Schüler, von Gestalt Lindwurm, Schüler des Dichtpaten Danzelot von Silbendrechsler. Dieser vertraut ihm sterbend (eine hochtragische und literarisch äußerst lehrreiche Szene übrigens, eine meiner Lieblingsszenen) ein Geheimnis an: den Grund, weshalb er nur ein einziges Buch in seinem Leben veröffentlichte. Er erhielt von einem Freund nämlich ein Skript von 10 Seiten, und dessen Lektüre ließ ihn erzittern, vor Ehrfurcht erblassen, alle Emotionen durchleben, es war perfekt. Das perfekteste Stück Literatur, das ihm je untergekommen war. Ihm war bewusst, dass er niemals so etwas Perfektes jemals wieder lesen geschweige denn selbst veröffentlichen würde. Und so beschränkte er sich auf die Zucht seines Blumenkohlgartens und das Unterrichten seines gelehrigen Schülers.

Hildegund nun erbt und liest diese 10 Seiten und empfindet ebenso wie sein Meister. Er will unbedingt den Autor dieser perfekten Literatur auftreiben und begibt sich nach Buchhaim, der Stadt der Bücher. Auf seine Suche erhält er seltsame Antworten, Buchhändler wollen scheinbar nichts damit zu tun haben, es wird immer geheimnisvoller. Als er auf Phistomefeles Smeik trifft, scheint er dem Autoren ein großes Stück nähergekommen. Doch Phistomefeles spielt falsches Spiel, vergiftet ihn und wirft ihn in die unterirdischen Katakomben von Buchhaim. Hildegund trachtet nach dem Überleben, trifft seltsame Kreaturen, kämpft gegen tödliche Bücher, findet seinen Helden, begegnet dem legendären Schattenkönig und erfährt um das Rätsel des perfekten Werkes. Außerdem wird er vom Orm durchdrungen, lernt das Sternenalphabet und erfährt alles, was man über Literatur wissen kann.

Wooow, dieses Buch ist ... *atemhol* ... es ist berauschend, es ist der Wahnsinn, ich war hin und weg und ganz und gar von den Socken. Eines der Bücher, das ich unbedingt haben MUSS! Für durchgeknallte Buchfreaks absolut das Richtige. Unzählige Wortspiele, Andeutungen auf berühmte Werke, nahezu alle Namen sind Ambigramme wichtiger Autoren und Dichter. Das Buch ist eine Ode an jegliche Bücher. Lustige Bücher, traurige Bücher, gute Bücher, grottenschlechte Bücher. Eine Hommage selbst an die schlechteste Trivialliteratur, eine Hymne für göttergleiche Werke, deren es nur vereinzelte gibt. Das Buch ist gespickt mit Klischees und neuartigen Gedanken. Es geschieht genau das, was man erwartet hat, und dann kommt alles doch ganz anders.

Moers erfindet alle möglichen und unmöglichen Arten an neuen Literaturgattungen, er führt eine komplette Geschichte der zamonischen Literatur und deren Eigenheiten auf, ein unglaubliches Vergnügen! Das zamonische Universum, das man in Käptn Blaubär, Rumo, Ensel und Krete und anderen Werken beschrieben hat, taucht auch hier auf. Ich weiß nicht, welches Buch zuerst war und welche folgten, aber das ist wohl auch egal beim Lesen. Sicher ist, dass das zamonische Universum ein überaus durchdachte und komplexe Welt ist, wie sie nur wenige Autoren in dieser Form erschaffen.

Buchlinge (Wesen, die in diesem Werk auftauchen) ernähren sich von Büchern. Und jedes Werk ist eigene Kost. Schwülstige Liebe und trivialer FastFood wirken nicht lange vor und machen dick. Novellen sind leichte Diätkost, da sie recht schlank sind. Horrorromane liegen natürlich sehr schwer im Magen. Der Verriss eines Kritikers hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, und von Kochbüchern wollen wir mal gar nicht reden! ;-)

Die Zeichnungen im Buch sind ebenfalls großartig. Die Wesen werden herrlich skurill beschrieben und sehen auch genau so aus, wie man sie sich als Leser vorstellt. Es ist zum Brüllen komisch, wie der Zeichner die Gedanken des Autors umgesetzt hat!

Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich beim Lesen das Bedürfnis hatte, laut "JAAA" zu brüllen, tanzend durch die Straßen zu rennenn, es laut vorzulesen, mit dem Stift hervorzuheben, "SO GEHT ES MIR AUCH" zu rufen, "DAS BIN ICH" zu johlen, mit dem Fuß aufzustampfen und allen Umstehenden davon zu erzählen. Einzelne Passagen des Buches habe ich laut gelesen, habe Klang und Inhalt der Worte ausgekostet (vor allem die Gedichte zu Beginn der Kapitel!) und jeden einzelnen Buchstaben gefeiert. Das hat dieses Buch verdient. Alles andere wäre ihm unwürdig .... nur eines betrübt mich: wenn schon dieses Werk von Moers so einzigartig ist, dann hätte ich zu gerne die 10 Seiten des Skriptes von [Den Autor dieses Werkes verrate ich nicht, ätsch, selber lesen!] zu lesen, die solch extremen Emotionen hervorrufen!

Anmerkung zum Ende: ich weiß, wer das Buch nicht gelesen hat, kann unter Umständen nicht viel mit dieser Rezension anfangen. Aber um das Buch zu beschreiben könnte ich lediglich einzelne längeren Passagen zitieren, die allerdings zu lang für den Blog wären. Es ist der gesamte Inhalt, sodass die Worte alleine nicht unbedingt wirken. Es ist das perfekte Zusammenspiel von Inhalt, Klang und Aussage, die den genialen Humor und den tieferen Sinn vermitteln und dieses Buch zu etwas Besonderem machen. Und manche "Fremdwörter" aus diesem Buch sind mir einfach so rausgerutscht und mussten einfach sein ;-)

Ich hoffe, dass es auch von mir eines Tages einen eifrigen Buchling geben wird, und ich hoffe, dass er ein großes, großes Hirn für all meine vielen Werke braucht!

Da schon via Google oft danach gesucht wurde, werde ich hier zwar nicht selbst die Ambigramme der einzelnen Namen in diesem Buch lüften, aber wenigstens einen Link zu einer wirklich großartigen Seite hierzu posten! Guckstu >Mythenmetz<

SaschaSalamander 12.01.2006, 09.57 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

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