SaschaSalamander

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Thema: Rezensionen Buch

Der Ring der Rinaldi

CoverDas Buch "Der Ring der Rinaldi" fiel mir in die Hände, nachdem ich die Serie um >"Charlie Bone"<, ebenfalls von Jenny Nimmo, begonnen hatte. Da mir die klindlichen Abenteuer des magisch begabten Jungen gefallen hatten, wollte ich auch gerne ein weiteres Buch der Autorin lesen. "Der Ring der Rinaldi" ist inhaltlich und im Aufbau komplett anders, aber mindestens ebenso schön und kindgerecht.

Nachdem Eliots Mutter gestorben ist, ist nichts mehr wie damals. Sein Vater kümmert sich nicht ausreichend um ihn, die beiden entfremden sich. Und eines Tages bringt sein Vater ihn zu Verwandten, die sich um den Jungen kümmern sollen. So lebt er nun mit seinen Cousinen, seinem Onkel und seiner Tante zusammen. Eigentlich fühlt er sich wohl in der Familie, aber bereits beim Betreten des Hauses spürt er, dass sie nicht alleine sind. Eliot vernimmt sehr deutlich die Gegenwart einer jungen Frau, Mary-Ellen. Und als plötzlich eine Nachbarin an der Tür steht und Eliot ihren Ring an der Hand funkeln sieht, weiß er sofort, dass er diesen Ring haben muss. Immer mehr bemächtigt sich Mary-Ellen des Jungen als Werkzeug, und Eliot erfährt nach und nach, welches Schicksal die junge Frau damals erleiden musste, wie er ihr helfen kann und warum sie gerade ihn auserwählt hat.

Ein schönes Kinderbuch. Ich denke, für Erwachsene ist es nur bedingt geeignet, eigentlich nur für Freunde von Kinderbüchern. Das Cover ist somit eigentlich etwas ungünstig gestaltet, wie ich finde, es spricht eine ältere Zielgruppe an. Wirklich gruslig ist es nicht (für Kinder allerdings doch etwas unheimlich mit Mary-Ellens Geist und ihrem früheren traurigen Leben), die Handlung ist sehr leicht vorhersehbar und nicht gerade das Neueste vom Neuen. Aber es ist schön geschrieben, und ich habe es sehr gerne gelesen. Die Logik und Handlungsweise der Charaktere ist eine kindgerechte, man sollte als Erwachsener also einfach einmal den Verstand mit seinen vielen "Wenn" und "Aber" ausschalten und die Dinge so akzeptieren, wie sie eben geschrieben werden.

Ich denke, für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren ist es eine schöne Lektüre zum Vorlesen, die Kapitel sind in angenehmen Längen gehalten. Es ist für die Altergruppe spannend geschrieben, sie werden wohl mit großen Augen an den Lippen des Vorlesers hängen *smile*. Und bestimmt kann sich mancher in dem schüchternen, aber mutigen Eliot, seinem Wissensdrang und seinen Sorgen wiederfinden.

SaschaSalamander 08.02.2006, 09.57 | (0/0) Kommentare | PL

Lycidas

CoverIch hatte eigentlich vor, zwei Rezensionen über Lycidas zu schreiben, eine begeisterte und eine negative. Das Buch hat mich insofern sehr bewegt, als es nämlich zweierlei Reaktionen bei mir ausgelöst hat. Aber es hat mich zu wenig angerührt, als dass ich nun zwei Rezensionen darüber schreiben möchte, ich habe es immer wieder vor mir hergeschoben. Deswegen anstelle zweier Rezensionen einfach ein Statement meinerseits.

Meine Freundin hatte mir hochbegeistert davon erzählt, ich solle es unbedingt lesen, es würde mir ganz bestimmt gefallen, da ich doch so ein Fantasyfreak bin. Und in diesem Buch kämen alle möglichen Wesen, Mythen und Legenden vor, eine Menge Überraschungen und tolle Wendungen. Und auch im Internet stieß ich auf eine positive Rezension nach der anderen. Ich konnte es gar nicht erwarten, endlich damit anzufangen, doch dann wurde ich sehr stark enttäuscht.

Emily Laing lebt in einem Waisenhaus, als sie plötzlich von einer Ratte angesprochen wird. Kurz darauf wird ein Baby aus dem Heim gestohlen, und Emily flieht gemeinsam mit der Ratte in die Stadt. Sie macht sich auf die Suche nach ihrer eigenen Herkunft, trifft auf fantastische Wesen und wird unter die Obhut von Lord Wittgenstein, dem Erzähler der Geschichte, genommen. Sie erfährt mehr über die unterirdische Metropole von London und welche Rolle ihr seit langem vorbestimmt ist.

Doch, das Buch hat was, aber ich wurde nie so wirklich warm damit. Es hat alles seine zwei Seiten, und was in diesem Buch einerseits großartig und toll ist, das stößt mir auf der anderen Seite negativ auf. Am besten, jeder Leser bildet sich sein eigenes Urteil, dieses Buch ist wirklich etwas ganz besonders Ungewöhnliches.

Die Handlung ist spannend und interessant, aber sie unterscheidet sich nicht großartig von anderen Fantasyromanen. Ständig stößt der Leser auf Parallelen zu Pullmans Trilogie, der fließenden Königin von Kai Maier und so ziemlich allen anderen aktuellen Fantasybüchern, besonders auch zu Klassikern wie "Oliver Twist" von Charles Dickens. Ein toller Aha-Effekt für den einen, langweilig aufgewärmte Kost für den anderen.

Unterschiedlichste Kreaturen werden vermengt. Werwölfe, ägyptische Gottheiten, einzelne Engel und Cherubime und allerlei andere Wesen der Fantasy und alter Mythen. Eine Erklärung dafür wird gegeben, die manchen Leser bestimmt zufriedenstellt. Es klingt fantastisch und ist gut erdacht. Mir war es einfach zu platt, der Autor hat es sich da etwas zu einfach gemacht, wie ich finde, die unterschiedlichen Kulturen hätten schon etwas stärker hervorgehoben werden können, ein Einheitsbrei ohne tatsächlichen Hintergrund, ohne tiefere Bedeutung.

Der Humor ist wohl ebenfalls sehr stark Geschmackssache. Der Erzähler ist ein steifer Lord, der wenig mit Kindern anfangen kann, er zelebriert Ironie und Zynismus in jeder Situation. Auf Dauer ein wenig albern, zumal sich alles wiederholt. Er selbst sagt "Die Hölle, das ist die Wiederholung", und doch beantwortet er nahezu alle Fragen mit "fragen sie nicht", bis im Gegenzug dann auch Emily seine Fragend grinsend mit "fragens sie nicht" kontert. Etwa zweimal auf jeder Seite. Manch einer kann darüber lachen, ich fand es ziemlich enervierend. Auch ansonsten bringt der Autor viele Wiederholungen in seinen Sätzen, so etwas stößt mir immer sehr bitter beim Lesen auf.

Das, was mir das Lesen am meisten vergällte, war die Erzählweise. Ich habe lange gegrübelt, woran es liegt. Da auch andere Erzähler diese Technik nutzten, fiel es mir anfangs kaum auf, bis ich es in einem Kapitel dann überdeutlich vor mir sah: entweder, der Autor versucht sich in einem äußerst unkonventionellen Stil und möchte sich damit von der Masse abheben, oder er beherrscht einfach nicht den korrekten Umgang mit den grammatikalischen Zeitformen.

Da er aus der gegenwärtigen Sicht die Vergangenheit beleuchtet, muss er zwischendurch das Tempus wechseln, kennen wir ja von Lemony Snicket, Tolkiens Kinderbüchern und anderen Autoren, es hat auch seinen Reiz. Aber Christoph Marzi übertreibt damit. Er wechselt zu häufig die Zeitform, der Leser kommt nicht mehr hinterher. Er beschreibt beispielsweise (nicht übernommen, doch um es sinngemäß zu verdeutlichen) aus der Gegenwart, wie Emily in ihrer damaligen Gegenwart an früher dachte, was später passieren könnte, und was sich in der Zeit zwischen der Zeit als sie dachte und dem heutigen Erzählzeitpunkt aus jedoch anders entwickelte, was natürlich in der Zukunft den gegenwärtigen Erzählers weitreichende Folgen haben könnte. Er springt so oft von einer Zeit in die nächste, sodass der Leser stellenweise kaum noch den Überblick hat, wo er sich eigentlich gerade befindet. Nicht, dass ich unkonzentriert gewesen wäre oder nicht hätte folgen können, aber es ist einfach zu verwirrend an manchen Stellen. Vielleicht ist es ein besonders talentierter Stil, meiner Ansicht nach fehlt noch ein wenig die Übung, Zeitformen sinnvoll zu nutzen.

Aber, wie gesagt, ich bin zwiegespalten. So negativ ich alles beurteile, hat das Buch auch seinen Reiz, einfach seinen eigenen Stil. Es ist das gleiche wie alle anderen und doch etwas ganz eigenes. Ich kann es weder empfehlen noch davon abraten. Ich konnte nichts damit anfangen, aber schlecht an sich ist es eigentlich nicht, denke ich. Und ich weiß, dass ich vor allem an Stil und Form oft mäkele, wo andere hochbegeistert sind. Ich weiß, dass meine Pingeligkeit da zu weit geht und vieles aussondert, das ansonsten eigentlich als sehr gut zu bewerten wäre ...

Habt ihr es auch schon gelesen? Mich würde mal interessieren, was Ihr so davon haltet :-)

SaschaSalamander 25.01.2006, 19.57 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

MoppelIch

Cover"MoppelIch" von Susanne Fröhlich ist ein recht bekanntes Buch, über das ich erst kürzlich gestolpert bin. Gehört zur Kategorie derer, die ich halt mal lese, wenn ich es zufällig in der Bib liegen sehe oder bei Bekannten sehe und ausleihen kann. Hätte ich vorher gewusst, wie pfiffig die Autorin ihre Gedanken an den Mann die Frau bringt, hätte ich mir ihre Bücher schon längst auf den virtuellen SuB gelegt ;-)

Dieses Buch ist kein Diätbuch, es gibt auch keine Ratschläge, wie man abnehmen soll. Wer zu diesem Buch greift, hat meist schon genug solcher Bücher im Schrank stehen, hat meist schon genug Diäten hinter sich. Sie erhebt auch nicht den Anspruch, mit ihrem Buch irgendetwas Gesundes oder psychologisch Wertvolles vermitteln zu müssen. Sie schreibt einfach nur in einzelnen Kapiteln von Lust und Frust des Abnehmens.

Sie schreibt von den Fallen, in die sie selbst immer wieder tappt und die auch ihren Leserinnen bestimmt nicht fremd sind. Eine Diätcola gleicht bestimmt die Kalorien der Sahnetorte dazu wieder aus, Kalorien vom fremden Teller schlagen nicht aufs Gewicht, und das, was man unbeobachtet von anderen Menschen zu sich nimmt, hat sowieso keine Kalorien.

Ihr Buch ist gespickt mit Selbsterkenntnis und Aha-Erlebnissen. Es handelt vom mäkeligen und leider auch ansteckenden Essverhalten der nörgeligen Ehemänner (warum doppelt kochen, dann ist man die ölige Sauce und das fettige Fleisch eben mit, besser als nichts), es erzählt von den Resten der Kinder auf dem Teller und vom Naschen während des Kochens.

Susanne Fröhlich vermittelt ihren Leserinnen Selbstbewusstsein. Denn sie zeigt mit ironischem Ton auf, dass noch kein Mann seine Frau wegen wabbeliger Oberarmfalten oder eines breiten Hinterns verlassen habe und "griffigere" Formen bei Männern sowieso besser ankommen. Ganz zu schweigen davon, dass Männer die mühvollen Abnehmversuche oder das frustige Zunehmen der Frauen seltenst wahrnehmen.

Ganz alltägliche Szenen kennen alle MoppelIchen nur zu gut: die Angst, beim Aufstehen zwischen den Stuhllehnen an der Seite hängenzubleiben, die Schwierigkeiten beim Überschlagen der Beine zum Sitzen, aufgescheuerte Innenseiten der Hose, Wollmäuse am Pullover an den Problemzonen. Sie hat einfach eine locker-flockige und wunderbar ironische Art, diese Themen anzusprechen, und man kann nicht anders als einfach nur lachend zu nicken und sich ertappt zu fühlen. Schön, dass jemand mal so ganz offen darüber spricht und nicht nur hinter vorgehaltener Hand von Freundin zu Freundin darüber redet :-)

Und dann gibt es da noch die dürren Zicken, dauerfrustriert und übellaunig vor lauter Diäten und Hungern. Sie erklärt den Umgang mit diesen Wesen, hat für jede Situation eine passende Antwort für diese Zicken parat a la "hach, ich habe wieder zugenomen" (stimmt, besonders an den Oberschenkeln, fiel mir sofort auf, als Du vorhin zur Tür reinbist), "Findest Du, ich habe in der Hose einen dicken Hintern?" (mach Dir nichts draus, in dieser Hose sähe sogar MEIN Hintern aus wie der eines Nilpferdes) oder "Ich kann essen was ich will, ich nehme einfach nicht zu" (Ohrfeige. Punkt!).

Das Buch ist wie ein Gespräch mit der besten Freundin. Es wird gelästert, gefrustet, über Problemzönchen ausgetauscht. Und danach legt man sich am besten gemeinsam eine Gurkenmaske auf und sieht sich zur Pyjamaparty "Sex and the City" an, während man hemmungslos Chips dazu knabbert ;-)

SaschaSalamander 18.01.2006, 10.11 | (4/4) Kommentare (RSS) | PL

Die Stadt der träumenden Bücher

VORSICHT LANG !!!!! ;-)

Die "Stadt der Träumenden Bücher" ist schon einige Wochen her, als ich sie gelesen habe. Und ich muss zugeben, dass ich Schwierigkeiten habe, überhaupt eine Rezension dazu zu schreiben. Weil ich das Gefühl habe, dass nichts, was ich schreibe, diesem Buch irgendwie gerecht werden könnte. Wer den abgefahrenen Stil von Walter Moers mag, wird es wohl sowieso schon kennen, und wer diese verrückten Wortspiele, Lautmalereien und haarsträubenden un- und tiefsinnigen Gedankengänge nicht mag, der wird ihn auch so nicht lesen. Puuh, wirklich schwer!


In diesem Buch dreht sich alles nur um Bücher, Bücher und nochmal Bücher. Wer nicht wirklich ein absoluter Büchernarr ist, braucht dieses Werk gar nicht erst aufzuschlagen, weil er sich irgendwann vor lauter Büchern übersättig erbricht. Und wer süchtig nach diesem Medium ist, der bekommt eine Droge, wie sie besser kaum "reinziehen" könnte. Gedanken, Erfindungen, Gespräche, Gegenstände, alles in diesem Werk dreht sich um Bücher. Literatur tropft bereits aus dem Einband, man muss dosieren, sonst endet es alles in einer tödlichen Dosis Buch ;-)

Hildegund von Mythenmetz ist Schüler, von Gestalt Lindwurm, Schüler des Dichtpaten Danzelot von Silbendrechsler. Dieser vertraut ihm sterbend (eine hochtragische und literarisch äußerst lehrreiche Szene übrigens, eine meiner Lieblingsszenen) ein Geheimnis an: den Grund, weshalb er nur ein einziges Buch in seinem Leben veröffentlichte. Er erhielt von einem Freund nämlich ein Skript von 10 Seiten, und dessen Lektüre ließ ihn erzittern, vor Ehrfurcht erblassen, alle Emotionen durchleben, es war perfekt. Das perfekteste Stück Literatur, das ihm je untergekommen war. Ihm war bewusst, dass er niemals so etwas Perfektes jemals wieder lesen geschweige denn selbst veröffentlichen würde. Und so beschränkte er sich auf die Zucht seines Blumenkohlgartens und das Unterrichten seines gelehrigen Schülers.

Hildegund nun erbt und liest diese 10 Seiten und empfindet ebenso wie sein Meister. Er will unbedingt den Autor dieser perfekten Literatur auftreiben und begibt sich nach Buchhaim, der Stadt der Bücher. Auf seine Suche erhält er seltsame Antworten, Buchhändler wollen scheinbar nichts damit zu tun haben, es wird immer geheimnisvoller. Als er auf Phistomefeles Smeik trifft, scheint er dem Autoren ein großes Stück nähergekommen. Doch Phistomefeles spielt falsches Spiel, vergiftet ihn und wirft ihn in die unterirdischen Katakomben von Buchhaim. Hildegund trachtet nach dem Überleben, trifft seltsame Kreaturen, kämpft gegen tödliche Bücher, findet seinen Helden, begegnet dem legendären Schattenkönig und erfährt um das Rätsel des perfekten Werkes. Außerdem wird er vom Orm durchdrungen, lernt das Sternenalphabet und erfährt alles, was man über Literatur wissen kann.

Wooow, dieses Buch ist ... *atemhol* ... es ist berauschend, es ist der Wahnsinn, ich war hin und weg und ganz und gar von den Socken. Eines der Bücher, das ich unbedingt haben MUSS! Für durchgeknallte Buchfreaks absolut das Richtige. Unzählige Wortspiele, Andeutungen auf berühmte Werke, nahezu alle Namen sind Ambigramme wichtiger Autoren und Dichter. Das Buch ist eine Ode an jegliche Bücher. Lustige Bücher, traurige Bücher, gute Bücher, grottenschlechte Bücher. Eine Hommage selbst an die schlechteste Trivialliteratur, eine Hymne für göttergleiche Werke, deren es nur vereinzelte gibt. Das Buch ist gespickt mit Klischees und neuartigen Gedanken. Es geschieht genau das, was man erwartet hat, und dann kommt alles doch ganz anders.

Moers erfindet alle möglichen und unmöglichen Arten an neuen Literaturgattungen, er führt eine komplette Geschichte der zamonischen Literatur und deren Eigenheiten auf, ein unglaubliches Vergnügen! Das zamonische Universum, das man in Käptn Blaubär, Rumo, Ensel und Krete und anderen Werken beschrieben hat, taucht auch hier auf. Ich weiß nicht, welches Buch zuerst war und welche folgten, aber das ist wohl auch egal beim Lesen. Sicher ist, dass das zamonische Universum ein überaus durchdachte und komplexe Welt ist, wie sie nur wenige Autoren in dieser Form erschaffen.

Buchlinge (Wesen, die in diesem Werk auftauchen) ernähren sich von Büchern. Und jedes Werk ist eigene Kost. Schwülstige Liebe und trivialer FastFood wirken nicht lange vor und machen dick. Novellen sind leichte Diätkost, da sie recht schlank sind. Horrorromane liegen natürlich sehr schwer im Magen. Der Verriss eines Kritikers hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, und von Kochbüchern wollen wir mal gar nicht reden! ;-)

Die Zeichnungen im Buch sind ebenfalls großartig. Die Wesen werden herrlich skurill beschrieben und sehen auch genau so aus, wie man sie sich als Leser vorstellt. Es ist zum Brüllen komisch, wie der Zeichner die Gedanken des Autors umgesetzt hat!

Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich beim Lesen das Bedürfnis hatte, laut "JAAA" zu brüllen, tanzend durch die Straßen zu rennenn, es laut vorzulesen, mit dem Stift hervorzuheben, "SO GEHT ES MIR AUCH" zu rufen, "DAS BIN ICH" zu johlen, mit dem Fuß aufzustampfen und allen Umstehenden davon zu erzählen. Einzelne Passagen des Buches habe ich laut gelesen, habe Klang und Inhalt der Worte ausgekostet (vor allem die Gedichte zu Beginn der Kapitel!) und jeden einzelnen Buchstaben gefeiert. Das hat dieses Buch verdient. Alles andere wäre ihm unwürdig .... nur eines betrübt mich: wenn schon dieses Werk von Moers so einzigartig ist, dann hätte ich zu gerne die 10 Seiten des Skriptes von [Den Autor dieses Werkes verrate ich nicht, ätsch, selber lesen!] zu lesen, die solch extremen Emotionen hervorrufen!

Anmerkung zum Ende: ich weiß, wer das Buch nicht gelesen hat, kann unter Umständen nicht viel mit dieser Rezension anfangen. Aber um das Buch zu beschreiben könnte ich lediglich einzelne längeren Passagen zitieren, die allerdings zu lang für den Blog wären. Es ist der gesamte Inhalt, sodass die Worte alleine nicht unbedingt wirken. Es ist das perfekte Zusammenspiel von Inhalt, Klang und Aussage, die den genialen Humor und den tieferen Sinn vermitteln und dieses Buch zu etwas Besonderem machen. Und manche "Fremdwörter" aus diesem Buch sind mir einfach so rausgerutscht und mussten einfach sein ;-)

Ich hoffe, dass es auch von mir eines Tages einen eifrigen Buchling geben wird, und ich hoffe, dass er ein großes, großes Hirn für all meine vielen Werke braucht!

Da schon via Google oft danach gesucht wurde, werde ich hier zwar nicht selbst die Ambigramme der einzelnen Namen in diesem Buch lüften, aber wenigstens einen Link zu einer wirklich großartigen Seite hierzu posten! Guckstu >Mythenmetz<

SaschaSalamander 12.01.2006, 09.57 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Wilde Schafsjagd

CoverNun habe ich "Wilde Schafsjagd" gelesen. Murakami ist ein Autor, den ich unbedingt gelesen haben wollte, denn als Mangafan und Bücherfreund möchte ich etwas mehr aus dem Reich der Mitte erfahren. Da komme ich selbstverständlich nicht an einem DER Autoren Japans schlechthin, der inzwischen auch im Westen auf den Bestsellerlisten stand, vorbei.

Mein erstes Werk von ihm sollte "Wilde Schafsjagd" sein, denn ich mag Schafe und lese gerne Krimis, speziell Thriller. Meine Freundin, schon seit Jahren begeisterte Leserin des Autors, empfahl mir daher diesen Roman.

Ein junger Mann, Mitinhaber einer Werbeagentur, macht sich auf die Jagd nach einem Schaf. Oder, genauer gesagt: ein von der Agentur veröffentlichtes LandschaftsBild mit Schafen fürt dazu, dass der Agentur Aufträge entzogen werden sollen. Es sei denn, er (der Ich-Erzähler) macht sich auf, ein bestimmtes Schaf, das auf diesem Foto bei genauem Hinsehen erkennbar ist, zu finden.

Klingt seltsam. Ist aber bei weitem nicht so seltsam wie das, was sich dann herausstellt. Der Erzähler wird in eine verrückte Geschichte verwickelt, in der ein machtgieriges Schaf mittels Gedankenbeeinflussung und Fremdsteuerung die Weltherrschaft an sich reißen möchte. Es klingt abstrus und an den Haaren herbeigezogen, wollte man den Inhalt dieses Buches wiedergeben. Murakami schafft es allerdings, diese seltsame Geschichte so alltäglich und banal wirken zu lassen, dass man während des Lesens gar nicht auf die Idee käme, den Sinngehalt dieser Geschichte zu hinterfragen. Es ist einfach so. War Ihr Geist etwa noch niemals von einem machtgierigen Schaf besessen? Nein? Erstaunlich ...

Es ist schwer, dieses Buch irgendeinem Genre unterzuordnen. Verschiedene Elemente vermischen sich und werden zu einer Einheit. Fantastische Krimierzählung ... kriminalistischer Erzählfantasy ... wie auch immer, ein Crossover, das man im ersten Moment gar nicht als solches wahrnimmt, wie ich finde.

Ich war erstaunt, wie westlich das Buch oft wirkte. Heineken-Bier wird da getrunken, der Protagonist hört gerne Rockmusik, ähnlich westliche Dinge findet man oft. Dies liegt daran, dass Murakami lange Zeit in Italien und Griechenland lebte, auch westliche Autoren (darunter vor allem Kafka) favorisiert und der westliche Lebensstil ihm nur allzu bekannt ist. Dies mag für uns im ersten Moment verwirrend sein, da man mit Japan, China, Korea und derlei Ländern doch eher traditionsbewusste Literatur und Kultur verbindet ...

Anfangs hatte ich meine liebe Not mit diesem Buch, wollte es unbedingt lesen, wollte es eigentlich eher überfliegen um es gelesen zu haben und dann endlich etwas anderes lesen, aber dafür ist Murakamis Werk nicht geeignet. Diesem Buch muss man seine gesamte Aufmerksamkeit widmen. Denn es gibt keine geradlinige Handlung, der man folgen kann, oder bei der man getrost auch einmal ein Kapitelchen überschlagen kann. Was dieses Buch ausmacht, das sind die verqueren, verworrenen und abschweifenden Gedanken das Erzählers. Unzählige Bilder kommen während des Lesens auf, das Buch beschreibt Philosophien und Phantastereien über Gott und die Welt. Der Erzähler ist, wie er sich selbst bezeichnet, ein völlig mittelmäßiger Mensch, nichts besonderes, seine Gedanken sind der Alltag um ihn herum. Und die Aufgabe des Lesers ist es, seinem Alltag zu folgen. Immer wieder hörte ich mich laut denken "hey, das sehe ich ganz genauso" oder "stimmt, das habe ich mir auch schon gedacht" ... und manchmal fragte ich mich "warum habe ich daran eigentlich noch nie einen Gedanken verschwendet?". Als ich dies begriff, fand ich endlich Gefallen daran.

Ich wage sogar ganz frech zu behaupten, dass keiner dieser Gedanken tatsächlich von Belang ist. Nein, kein hochtrabendes Geistesgut, keine neuen Ansätze, keine Welterneuerungstheorien. Einfach nur ganz alltägliche Gedanken. Ich musste stellenweise ein wenig grinsen, denn Murakami könnte ein guter Blogger sein. Er schreibt über den banalen Alltag des Erzählers und schweift dabei von einem Thema zum nächsten. Nach dem Aufstehen der Kaffeeduft, ein Blick aus dem Fenster. Dann der Gedanke an die Tageszeitung, aha der neue Artikel, ach und da war ja ein Bekannter letztens der diesundjenes erlebt hat und ... tja, Banales eben, Alltag. Aber er hat es geschrieben, und das war es. Auch für ihn scheint Schreiben eine Art Katharsis und Erleichterung zu sein, wie auch für viele Blogger.

Was das Buch für mich später so wertvoll machte, das waren die vielen Bilder und die Handlung "hinter" der Handlung. Wer Murakami kennt, weiß, wovon ich rede, aber es ist schwer, dies zu beschreiben *grübel* ... mich erinnerte dieses Buch auch an viele Asiafilme, die bildgewaltig eine prächtige Geschichte erzählen, die ein amerikanischer Blockbuster in einer halben Stunde zusammengefasst hätte. Worauf es ankommt, das ist nicht die Handlung, sondern die Art und Weise der Darstellung wird zelebriert, jedes Wort und jedes Bild wird genossen. Dieses Buch (und wie mir meine Freundin die anderen Bücher schildert, könnte dies auf sein gesamtes Werk zuzutreffen) scheint mir ein Gegenpol zur hektischen, actionüberladenen Gegenwart. Ein Moment der Besinnung. Nicht der geistvollen Meditation, sondern des Gedankenschweifens, des Besinnens auf das eigene Sein und das Darumherum ...

Hier ein kurzer Abschnitt über einen der unzähligen Gedankengänge:
""Du sagst doch, dass das Flugzeug über zehn Stunden spart. Diese gesparte Zeit, wo geht die hin?" - "Zeit geht nirgendwohin. Sie summiert sich bloss. Wir können mit diesen zehn Stunden machen, was wir wollen, sei es in Tokyo, sei es in Sapporo. Wenn wir zehn Stunden haben, können wir uns vier Filme ansehen oder zweimal essen gehen. Oder?" - "Und wenn ich nicht ins Kino will und keinen Hunger habe?" - "Das ist dein Problem, nicht das der Zeit" (suhrkamp 2004, S. 157)

Murakamis Bücher sind wirklich nichts für Zwischendurch. Wer sich allerdings die Zeit nimmt, sich in seine abstrakte, oft unsinnige aber faszinierende Gedankenwelt abzutauchen, der wird sich danach ebenso bereichert fühlen wie nach anderen anspruchsvollen Werken mitsamt Handlung und Aussage. Der Lohn seiner Bücher sind - zumindest meiner Ansicht nach, "wahre Kritiker" werden wohl einen weit hochtrabenderen Sinn darin erkennen - nicht Erfahrungen, Weisheiten oder Wissen, sondern aus Gedankenkreisen weiterführende eigene Gedanken und ein gutes Gefühl. Es ist schön, ein Mensch zu sein.

SaschaSalamander 09.01.2006, 10.52 | (0/0) Kommentare | PL

Bartimäus und das Auge des Golem

CoverNun habe ich auch den zweiten Teil der Bartimäus-Trilogie gelesen. Über den ersten habe ich >hier< bereits geschrieben. Leider war ich beim zweiten Band ein wenig unter Zeitdruck, da ich es wegen einer Reservierung nicht verlängern konnte, dies ist leider der Nachteil einer Bibliothek ;-)

Nathanael, der picklige Zauberlehrling aus dem ersten Teil, ist inzwischen die Karriereleiter des Ministeriums aufgestiegen. Auf seinen eigenen Vorteil bedacht und berechnend geht er zu Werk. Als der Widerstand der "Gewöhnlichen" (nichtmagischen Menschen) zunimmt, soll Nathanael die Vereinigung ausfindig machen und zerschlagen. Entgegen seinem Versprechen, ihn niemals wieder zu befehligen, beschwört er den mächtigen Dschinn erneut. Es wird immer brenzliger, und dann wird auch noch das British Musuem von einem gefährlichen Golem verwüstet, das Chaos nimmt überhand, Nathanael steht unter Zugzwang. Im Ministerium werden Ränke geschmiedet, Intrigen gesponnen und Hinterhalte gelegt. Wer steckt hinter all diesen Vorfällen?

Wie vom ersten Band, war ich auch von dem zweiten Teil der Trilogie begeistert. Es dauerte ein wenig, bis ich den Wiedereinstieg in die Geschichte geschafft hatte. Denn dieses Mal wird die Handlung nicht alleine aus Sicht des Bartimäus und Nathanael erzählt. Auch das Mädchen Kitty, das mit besonderen Gaben ausgestattet ist und der Widerstandsbewegung angehört, wird begleitet. Sie hatte bereits im ersten Band einen kurzen Auftritt, als sie dem jungen Zauberer einen Spiegel entwendete. Bereits "das Amulett von Samarkand" zeigte, dass viele nichtmagische Menschen unzufrieden mit der Situation des Landes waren und die Herrschaft der Magier stürzen wollten. Hier werden einige Hintergründe dazu aufgeführt, Kittys Vorgeschichte ist ebenso spannend wie traurig.

Solange jedoch in den ersten Kapiteln der aktuelle Stand der Dinge beleuchtet wird, ist das Buch eher zäh. Erst, als man über Kittys Vergangenheit erfährt, Bartimäus beschworen wird und Nathanael so richtig in der Klemme sitzt, wird es spannend. Aber dafür geht es dann so richtig zur Sache! Grabschänderei, ein magieresistenter (und für Bartimäus somit unbezwingbarer) Golem, eine riesige Verschwörung (die im ersten Band begann und im letzten Teil hoffentlich aufgelöst wird), einfach genial!

Bartimäus wird dem Leser immer sympathischer, Nathanael dagegen ein richtiges Ekel. Er bricht seine Versprechen, er hintergeht, er ist selbstverliebt und erinnert nicht nur den Dschinn an seinen früheren Erzfeind Lovelace. Ich bin gespannt, ob er im dritten Teil eine Art Sinneswandel erleben oder ein kompletter Fiesling wird. Letzters wäre einmal eine interessante Wendung, die nicht allzu üblich in diesem Genre ist, ich hoffe also darauf ;-)

Kitty ist ein Mädchen, das jüngeren Lesern gut als Identifikationsfigur dienen kann. Sie ist mutig, selbstbewusst und steht zu ihrem Wort. Für ihre Freunde würde sie alles tun. Während ihre Geschichte anfangs eher träge dahinplätschert, wird sie von Kapitel zu Kapitel immer sympathischer, wird zu neuen Hauptfigur neben Bartimäus und dem Zauberer.

Und Bartimäus ... über ihn gibt es nichts Neues zu sagen. Rotzfrech und überheblich wie immer. Er ist die Würze des Buches, ohne ihn wäre die Reihe ein Werk unter vielen. Ein Dschinn, wie ich ihn gerne kennenlernen würde, ein Wortgefecht mit ihm stelle ich mir so richtig prickelnd und anregend vor!

Der zweite Teil baut auf dem ersten auf, deswegen sollte man "das Auge des Golem" keinesfalls ohne Kenntnis des "Amuletts von Samarkand" lesen. Für Fans des ersten Bandes ist dieses Buch auf jeden Fall ein absolutes Muss!

Band III ist unter dem Titel "Ptolemy´s Gate" (das Tor des Ptolemäus) im September letzten Jahres erschienen, man kann also auf baldiges Erscheinen in Deutschland hoffen.

SaschaSalamander 06.01.2006, 10.17 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Der silberne Sinn

CoverÜber den silbernen Sinn eine Rezension zu schreiben, fällt mir zugegeben sehr schwer. Dieses Buch ist unglaublich komplex, und ich kam mir ziemlich klein danach vor. Spannende Thriller sind eine Sache, reine Fantasy eine andere. Aber was Ralf Isau wieder einmal geleistet hat, ist unglaublich: wie auch schon im "Kreis der Dämmerung", meinem Lieblingsbuch von ihm (und einem meiner Lieblingsbücher überhaupt), spinnt er aus Realität und Fiktion ein so dichtes Netz, dass die Grenzen verschwimmen.

1978 in Jonestown: Der Sektenführer Jim Jones und seine Anhänger zelebrieren die letzte "weiße Nacht", sie vergiften sich selbst mit einem Zyankali-Getränk, die anderen werden erschossen. Dies ist das erste Ereignis, mit dem auch das Buch beginnt. Das Mädchen Yeremi "Jerry" Bellman überlebt das Massaker und wächst zu einer jungen und erfolgreichen Frau heran. Sie arbeitet als Forscherin an einer Universität, ihr nächstes Ziel soll das "silberne Volk" im Dschungel von Guyana sein. Die "Silbernen" dort verfügen über einen weiteren Sinn, mit welchem sie die Gefühle anderer Menschen nicht nur empathisch aufnehmen, sondern sogar manipulieren können. Widerwillig überwindet Jerry sich, den Ort ihres Traumas aufzusuchen. Doch dort entgleitet ihr schnell die Führung dieser Expedition, das Volk wird vernichtet, und sie versucht mit dem letzten Überlebenden, Saraf Argyr, zu fliehen. Wieder zu Hause beginnt sie mit den Nachforschungen, weshalb Sarafs Volk sterben musste und wer hinter diesem Genozid steckt. Auch ihre eigene Vergangenheit muss sie dabei aufarbeiten, und sie stößt in ihrem Stammbaum auf den telepathisch begabten Eric Hanussen. Was haben die Terroranschläge des 11. September mit ihrem Urahn, dem Sterben in Jonestown und der Ausrottung der Silbernen miteinander zu tun?

Genial, einfach genial ... ich weiß im ersten Moment nicht, was ich noch zu diesem Buch sagen kann (und das will, wie ihr mich inzwischen kennt, wirklich etwas Besonderes heißen!). Um zu wissen, wo die Fiktion beginnt und der Autor seine eigene Phantasie spielen ließ, genügt es nicht, kurz ein wenig im Internet zu recherchieren oder sich ein wenig mit dem Thema auszukennen, dazu müsste man tief in die Materie eindringen. Terrorismus, Hanussen, Jonestown, aber auch die Architektur und Geschichte alter Kulturen wie der Inka sind Gebiete, die er in seinem Buch einbaut, und ich bin fasziniert.

Über seinen Schreibstil möchte ich gar nichts mehr sagen, er ist einer meiner Top Lieblingsautoren nicht nur aus Deutschland und nicht nur im Bereich Fantasy, sondern insgesamt. Seit ich mein erstes Buch von ihm verschlungen habe (die Neschan-Trilogie), verlangt es mich nach mehr. Spannungsbogen, Wortwahl, Charakteraufbau, all das beherrscht er meisterlich. Mit dem "Kreis der Dämmerung" ging er über das Genre der Kinder- und Jugendliteratur Fantasy hinaus, und "Der silberne Sinn" ist ein weiteres Meisterwerk der Erwachsenenliteratur, das in keine Schublade eines Genres passt. Ich kann es kaum erwarten, demnächst die "Galerie der Lügen", ein weiteres Werk dieser Art, zu lesen!

SaschaSalamander 04.01.2006, 13.13 | (0/0) Kommentare | PL

Lemony Snicket Band 04 bis 06

Cover Band 04Auch im vierten, fünften und sechsten Band der Reihe betrüblicher Ereignisse haben die Baudelaire-Waisen kein Glück. In der Sägemühle müssen sie unter unvorstellbaren Bedinungen schwerste Arbeiten verrichten, bevor die Sprechstundenhilfe Shirley alias Graf Olaf auftaucht und ihnen das Leben noch schwerer macht. Danach werden sie in ein Internet gebracht, wo ihnen der böse Graf in Gestalt eines neuen Sportlehrers nachstellt. In dieser Schule sind zwar die Lehrer unerträglich und der Direktor etwas wahnsinnig, aber zumindest finden sie zwei neue Freunde dort: die beiden Quagmire - Drillinge (ihr Bruder starb mit den Eltern bei einem Brand) Isadora und Duncan, die ihnen zur Seite stehen und im Kampf gegen ihren Widersacher helfen. Als sie die Schule verlassen müssen, werden sie zum Ehepaar Elend in der düsteren Allee gebracht. Dort lernen sie, wass alles gerade "in" und was "out" ist, und danach muss sich nun ihr ganzer Alltag richten. Waisen sind gerade schrecklich "in", aber was, wenn sie plötzlich wieder "out" sind? Die unmodernen Bäume vor dem Haus wurden einfach abgeholzt! Und wo hält Graf Olaf die Quagmire - Drillinge verborgen? Denn auch deren Vermögen will er sich nun aneignen, weshalb sie uns Lesern wohl bis zum Ende der Serie erhalten bleiben werden.

Die Bücher um die Baudelaire-Waisen sind wirklich ein regelrechter Genre - Mix, wie ich ihn in dieser Form bisher nur selten erlebt habe. Krimi, Fantasy, Kinderbuch, zugleich ein spannender Roman für Erwachsene, es überschneidet sich einfach zu oft, als dass man es genau charakterisieren könnte. Aber egal, was es auch sein mag, sie werden scheinbar von Band zu Band besser ... äh, betrüblicher ;-)

Cover Band 05Und nicht nur die Qualität der Bücher entwickelt sich weiter (auch, wenn ich das anfangs kaum für möglich hielt), sondern auch die Kinder. Violet muss alleine ohne Klaus in Büchern nachforschen, Klaus muss ohne die Hilfe seiner Schwester eine wichtige Erfindung machen, und Sunnys Sprache wird immer deutlicher. Sie streut immer mehr Fremdworte (fast unbemerkt, anfangs noch sehr unauffällig und umso witziger) zwischen ihre Silbensprache, manchmal sagt sie sogar ganze verständliche Worte (Suppe, Hänsel, Gretel, etc).

Allerdings frage ich mich, wann in Deutschland der zehnte Band erscheinen wird? Mir graust es vor dem Gedanken, nach dem neunten Band lange Zeit vor dem Nichts zu stehen, während ich doch schon auf Eragon III, Harry Potter VII, Tintenherz III und einige anderen Bücher warte und es kaum aushalte vor Spannung! Auf Englisch sind Band 10 (The slippery slope), 11 (The grim grotto) und 12 (The penultimate peril) bereits erschienen, Band 13 ist für Herbst 2006 angekündigt. Warum lässt man sich bei uns soviel Zeit?!? Vermarktung ist eine fiese Sache *grummel*

Das ist kaum auszuhalten! In den ersten Bänden kann man sich bereits einiges denken, im fünften Band kommt die erste konkrete Andeutung, im sechsten Band kommen sie dem Geheimnis schon ein klein wenig näher ... was hat es mit den Buchstaben F.F. auf sich? Welche schreckliche Vergangenheit birgt Graf Olaf? Was bedeutet dieses Auge? Der Gedanke, dass ich noch bis Herbst nächsten Jahres warten muss ... er ist ebenso unerträglich wie das Warten auf den letzten Band von Harry Potter. Hätte ich das Ende beider Serien jetzt vor mir liegen, ich würde verzweifeln, weil ich nicht wüsste, was ich zuerst lesen sollte!

Ich hoffe ja auch, dass der Autor nach Fertigstellung der Reihe weitere Bücher schreiben wird. Allerdings muss ich wohl davon ausgehen, dass diese dann nicht mit diesem zu vergleichen sein werden. Denn diese Reihe ist in Sprache, Stil und ihrer gesamten Art ein Novum. Es dürfte wohl das erste und bisher einzigste Buch sein, dessen "Autor" selbst davor warnt, es zu lesen ;-) Und was immer er auch nachfolgend schreiben würde, es wäre bestimmt großartig, aber eben etwas ganz anderes. Genauso, wie es nach Harry Potter keinen zweiten Harry von Rowling geben kann, sind auch die Baudelaires etwas ganz Besonderes und Eigenes, damit muss sich der Fan wohl abfinden ...

Wenn ich mir allein die Titel der englischen Bücher (siehe vor zwei Absätzen) auf der Zunge zergehen lasse, dann vermute ich, dass ich mir Band 10 bis 13 vermutlich auf Englisch kaufen und die Reihe irgendwann komplett im Regal stehen haben werde. Zum einen, weil ich nicht so lange warten kann. Und zum anderen, weil die Cover Band 06Sprache ein wichtiges Element dieser Bücher ist. Die Übersetzung ist sehr gut, aber das Original muss wohl um Längen besser sein ... ich werde unter der "Search inside" - Funktion bei Ebay mal ein wenig schmökern :-)

(Kleine Anmerkung am Rande: Ich leihe mir sogut wie fast alle Bücher aus oder besorge sie mir irgendwann bei Buchticket, Ebay oder Amazon Marketplace. Wenn ich mir ein Buch kaufe oder schenken lasse, ist das wirklich eine Seltenheit. Doch Lemony Snicket ist es mir wert, denn ich werde das Buch noch viele Male lesen, ebenso wie die anderen Werke in meinem Schrank)

SaschaSalamander 27.12.2005, 09.47 | (0/0) Kommentare | PL

Eragon

CoverEragon lebt in seinem kleinen Dorf, ärmlich aber zufrieden, als er im Buckel (Gebirge) plötzlich einen seltsamen Stein findet. Und dieser entpuppt sich als Drachenei. Damit beginnt das Abenteuer ... Eragon zieht heimlich den Drachen auf, informiert sich beim Geschichtenerzähler Brom über die früheren Drachenreiter (die damals große Heldentaten vollbrachten, heute jedoch nicht mehr existieren) und stellt fest, dass er zu seinem Drachen eine Art telepathischer Verbindung aufnehmen kann. Im Dorf erscheinen Soldaten, die sich nach dem Drachenei erkundigen, Eragons Hof wird niedergebrannt, und gemeinsam mit Brom und Saphira flieht er. Eragon soll ein Drachenreiter werden, und Brom ist sein Lehrmeister. Brom birgt viele Geheimnisse, und langsam wird Eragon bewusst, welche Bürde nun auf ihm lastet und was es noch alles zu lernen gilt. Sein Ziel ist es, die Herrschaft des tyrannischen König Galbatorix (der die Drachenreiter vernichtete und nun auch seine Familie töten ließ) zu beenden.

Doch, mir hat Eragon gefallen. Anfangs hatte ich etwas Probleme, mich zurechtzufinden, der Schreibstil sagte mir nicht sonderlich zu, ich brauchte mehrere Tage für die ersten Seiten. Aber zum einen gewöhnte ich mich daran, und außerdem wurde es tatsächlich im Laufe der einzelnen Kapitel immer besser, bis ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte. Und nun kann ich die Fortsetzung gar nicht abwarten!

Die Geschichte ist nicht unbedingt die Neuerfindung des Fantasy, aber das verlangt ja auch niemand. Ich finde, Eragons Welt ist solide durchdacht, der Autor hat sich wirklich einen Plan von der Landschaft, den Menschen und den Lebensbedingungen dort gemacht, es wirkt alles logisch und gut strukturiert. Sollte er tatsächlich dieses Buch alleine geschrieben haben - ich unterstelle ihm nicht, dass ihm die Eltern oder andere Erwachsene geholfen haben, die Frage wird allerdings wohl jedem Leser gekommen sein bei der Komplexität dieses Buches, so zolle ich Christopher Paolini wirklich meine Hochachtung. Es ist doch eine umfassende Aufgabe, eine komplexe Welt zu entwerfen, die ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten hat. Dazu den Aufbau der Magie, eine fremde Sprache mit eigenen Worten entwickeln, die Historie des Landes, die verworrenen Intrigen des Königs, ein Schlachtplan für den ausgedehnten Kampf am Ende, Hintergründe für die gut greifbaren Charaktere, der Handlungsentwurf, die ganze Geschichte an sich. Das Buch ist in angenehmem Ton geschrieben, die Geschichte ist mitreißend, die Charaktere sind sympathisch, der Leser ist gefesselt. Mehr kann man von einem Fantasyroman wirklich nicht erwarten!

Ich muss zugeben, dass ich das Buch beim Analysieren (altes Kriegsleiden, ohne geht es leider nicht) vor allem stets unter dem Aspekt las, dass der Autor erst 15 Jahre alt war zu Beginn. Das erklärt die anfangs eher ungeschichte Sprache, die sich aber schnell steigert. Was mir von Anfang an auffiel, das waren aber vor allem viele Feinheiten, die ein Buch erst greifbar machen. Eine Handlung erzählen können viele. Aber der Geschichte tatsächlich Leben verleihen, das macht das Können eines Autors aus. Und Paolini schafft es mit vielen Kleinigkeiten, die Ereignisse vor dem Auge des Lesers zu eigenem Leben zu erwecken. Eragon betritt nicht nur ein verwüstetes Dorf, sondern Paolini zeigt sehr bildlich die Leere um ihn. Keine Kinder, die ihm entgegenrennen, kein bellender Hund, der Geruch des Feuers und des Todes, anschaulich werden die Hausruinen und Trümmer beschrieben, als stünde man selbst an diesem schaurigen Ort.

Ich frage mich, woher Paolini diese Fähigkeit nimmt, Szenen und Menschen so deutlich zu beschreiben. Er muss für sein Alter sehr reif sein, vielleicht hat er schon sehr viel erlebt. Oder er ist begeisterter Rollenspieler, Fantasyfan und Filmeliebhaber und hat seit frühester Kindheit alles verschlungen, was in diese Richtung geht, sodass er aus einem reichen theoretischen Erfahrungsschatz schöpfen kann. So mancher geübte Autor kann von ihm eine Menge lernen ...

Also, falls jemand dieses Buch als Fantasyfreund noch nicht gelesen hat ... noch ist es nicht zu spät, Weihnachten ist erst morgen, vielleicht reicht es ja noch für einen erweiterten Wunschzettel ... und gleich den zweiten Teil vormerken, der ebenfalls bereits erhältlich ist ;-)

SaschaSalamander 23.12.2005, 19.47 | (4/3) Kommentare (RSS) | PL

Lemony Snicket Band 02 bis 03

Der zweite und dritte Band der "Reihe betrüblicher Ereignisse" von Lemony Snicket beinhalten die Bücher "Das Schlangenhaus - der Reptiliensaal" und "Der Seufzersee - das zerbrochene Fenster". Nachdem die Baudelaire-Geschwister im >ersten Band< der Bedrohung durch Graf Olaf entkamen, werden sie erst zu Onkel Monty und nach dessen grausamen Tod zu Tante Josefine gebracht. Onkel Monty ist Reptilienforscher und empfängt die Kinder freundlich mit Kokoskuchen. Er will sie sogar mit auf die Expedition nach Peru nehmen, es scheint alles in bester Ordnung. Aber Graf Olaf taucht verkleidet als Montys Gehilfe Stefano auf und bedroht die Kinder. Tante Josefine ist eine ängstliche Witwe, die sich zwar gut um die Kinder sorgt, aber alles und jeden fürchtet. Nicht einmal warmes Essen gibt es, weil sie Angst hat, der Herd könne explodieren. Dann taucht Graf Olaf auf, verkleidet als Kapitän Thalmi, und versucht die Kinder mit Gewalt an sich zu bringen.

Köstlich, ich habe diese beiden Bände wieder verschlungen!
Sprachlich habe ich das Gefühl, die Bücher werden von mal zu Mal besser. Die Sätze klingen sogar regelrecht melodisch, es gibt unzählige Alliterationen und ähnliche Spielereien. Und auch der Sprecher Stefan Kurt ist absolut großartig! Im ersten Teil hielt ich ihn versehentlich für Rufus Beck, dieser liest jedoch erst ab dem dritten Band. Stefan Kurt hat eine ebenso wandelbare Stimme und beherrscht das Spiel auf ihr mindestens genausogut.

Bei Onkel Monty haben die Kinder Gelegenheit, ihre Charaktere ein wenig auszuleben, der Leser lernt sie etwas besser kennen. Es ist schön, wie die Kinder immer wieder zusammenhelfen, zusammenhalten, wie sich jedes mit seinen ihm eigenen Fähigkeiten einbringt. Die Kinder sind die eigentlichen Helden dieses Buches, sie sind intelligent und wohlerzogen. Die Erwachsenen dagegen, sogar die gutherzigen, sehen nur, was sie sehen wollen, und weisen die Kinder zurecht, sobald sich das Gesagte als Ungemütlich erweisen könnte. So kommt es, dass niemand den Kindern glaubt und sie letzten Endes immer wieder auf sich alleine gestellt sind und dann auch noch für ihr störrisches eigenmächtiges Handeln gerügt werden. Nein, Erwachsene schneiden in diesem Buch niemals gut ab. Sie sind böse, oder sie sterben am Ende. Manchmal auch beides ...

Die verrückten Ideen des Autors werden scheinbar immer verrückter, man muss schon eine Vorliebe für diesen seltsamen Humor haben, der nicht immer ganz nachvollziehbar und gerade wegen seiner Absurdität so genial ist. So gibt es im Hause von Onkel Monty zum Beispiel unzählige Reptilien, etwa die virginianische Wolfsviper oder dei grünäugige Glubschaugenkröte. Die Kinder lernen alles Wichtige über diese Tiere, bevor sie nach Peru fahren. Und so lernen sie auch, dass diese Viper nie, nie, nie, nie, nie, nie, NIE, NIE, NIE, aber auch wirklich NIEMALS, wirklich kein einziges Mal in die Nähe einer Schreibmaschine kommen lassen darf! Auch gibt Lemony Snicket hilfreiche Tipps wie: "Wer an Allergien leidet, sollte das Allergieauslösende niemals in den Mund nehmen, erst recht nicht, wenn es eine Katze ist!". Auch Lebensweisheiten kommen nicht zu kurz: "Erdbeben, Kasperletheater und Tränen haben gemeinsam, dass sie unerwartet ganz plötzlich einfach dasind". Ja, von Lemony Snicket kann man wirklich eine Menge lernen als unerfahrener Leser, welcher sich in Sicherheit wiegt! ;-)

Die Vergleiche und Worterklärungen, die im ersten Band noch relativ "normal" waren, werden ebenfalls immer wahnwitziger. Die Kinder müssen etwas stehlen, und der Autor weist darauf hin, dass dies natürlich unmoralisch ist. Ein Bild zu stehlen sei unmoralisch. Aber es gäbe Situationen, in denen sei stehlen in Ordnung. Wenn man Hunger hat, und wenn man DANN ein Bild klaut und dieses verspeist, DAS sei in Ordnung ... auf diese Weise streut Lemony Snicket hier und da immer wieder seine verdrehte Moral und Weltanschauung ein, auch über ihn selbst erfährt man zwischendurch einzelne Kleinigkeiten ;-)

Stellenweise erinnert mich der Humor des Autors fast an Walter Moers. Ich denke, wem dessen abgedrehter schwarzer Humor gefällt, der kann sich bestimmt auch für diese Buchreihe begeistern.

Cover Band 03

SaschaSalamander 20.12.2005, 16.30 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

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