SaschaSalamander

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Rezensionen Buch

Der Dämon und Fräulein Prym

CoverIn einem kleinen, idyllischen Dorf erscheint eines Tages ein Fremder. Fräulein Prym, die schönste und jüngste Frau dort, ist es gewohnt, dass die Männer sie verführen wollen, und bald wechselt sie die ersten Worte mit dem Fremden. Aber er scheint sich für etwas anderes zu interessieren, und er führt sie in den Wald zu einem Versteck: dort hat er mehrere Goldbarren vergraben. Wenn sich die Dorfbewohner bereit erklären, einen Menschen aus ihrer Mitte - und sei er noch so alt und gebrechlich - zu töten, gehört all dieses Gold ihnen, das Dorf könnte erneuert werden und in altem Glanz erblühen. Fräulen Prym soll die Überbringerin dieser Nachricht sein. Eine Woche haben die Dorfbewohner Zeit.

Coelhos Buch "Der Dämon und Fräulein Prym" ist eine Variation von Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" (Ich war anfangs erstaunt, dass Coelho so billig abkupfert, aber er führt dieses Werk dann im Laufe des Textes selbst als Inspiration an). Der ewige Kampf der beiden Mächte. Die Grundsatzfrage, ob der Mensch von Natur aus Gut oder Böse ist. Und dazu Coelhos spirituellen, tiefsinnigen Gedanken. Fräulein Prym hat einen Engel zu ihrer Seite, und auch ein Dämon versucht sich ihrer zu bemächtigen. Der Fremde hat bewusst dieses friedliche, abgeschiedene Dörflein aufgesucht, um dort Antworten zu finden. Hat die Menschheit die Wahl? Ist das Schicksal gerecht oder grausam? Kann seine Seele endlich den langersehnten Frieden finden?

Ich fand dieses Buch anfangs etwas verwirrend, da es recht einfach und "zu ausgeleiert" für Coelho wirkte. Doch im Laufe der Geschichte erfährt der Leser immer mehr über die Hintergründe des Dorfes, der Hauptcharaktere und einzelnen Bewohner, sodass die Handlung immer tiefer greift und sich von den alltäglichen Fragen über Gut und Böse, Gott und Schicksal abhebt. Wie auch seine anderen Werke sollte man dieses Buch nicht in einem Zug verschlingen, sondern in kleinen Portionen verdauen. Die zugrundeliegenden Weisheiten sind so einfach, so verständlich. Und gerade das macht es aus, dass man es nicht überfliegen, sondern sich bewusst auf die Inhalte konzentrieren sollte. Zu schnell ist das Gelesene wieder Vergangenheit, zu schnell kehrt nach dem Lesen eines Buches wieder der Alltag ein. Coelho lädt den Leser ein, für einen Moment zu verweilen, sich selbst zu hinterfragen und zu erkennen.

Bisher kam mir noch kein Buch dieses Autors in die Finger, das ich nicht hätte empfehlen können. Auch dieses hat mich sehr bewegt und hing mir noch einige Tage nach. Und ich denke, auch andere Leser können seine Bücher nicht so schnell vergessen ...

SaschaSalamander 21.11.2005, 10.47 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Die Erfinder des Todes

Cover"Die Erfinder des Todes" ist ein klassischer Thriller, wie ich sie gerne lese und wie sie auch bei der breiten Masse ankommen. Er bietet pure Unterhaltung, ein angenehmes Kribbeln, aber nicht unbedingt schlaflose Nächte.

Seit ihre Schwester durch einen Serientäter zu Tode kam, der nie gefasst wurde, arbeitet Fiona Cameron als Profilerin. Sie erfährt, dass der berühmte Krimiautor Drew Shand bestialisch ermordet wurde, die Szenerie wie aus einem von Drews verfilmten Büchern. Bald wird auch eine erfolgreiche Schriftstellerin aufgefunden, der Mord ebenfalls wie in einem ihrer Bücher durchgeführt. Die Polizei geht aus verschiedenen Gründen davon aus, dass die Taten nichts miteinander zu tun haben. Fiona, deren Mann Kit Martin ebenfalls ein erfolgreicher Krimiautor ist, sieht das anders. Niemand glaubt ihr.

In diesem Buch laufen mehrere Fälle parallel. Zu Beginn wurde Fiona die Arbeit an einem Fall entzogen, da es Differenzen zwischen ihrer Ergebnisse und den Ermittlungen der Polizei gab. Doch ihr Freund, Mitarbeiter in diesem Fall, lässt nicht locker und versucht zwischen ihr und der Polizei zu vermitteln, um den Täter zu fassen. Kurz darauf wird sie in eine spanische Kleinstadt gebeten, in der eine ungewöhnliche Mordserie an Touristen die ortsansässige Polizei überfordert. Dann erst kommt die Nachricht vom Mord an Drew Shand. Während sie die Touristenmorde weiterhin per Telefon bearbeitet, werden die anderen beiden Fälle vor Ort geklärt. Ob tatsächlich drei Mordserien parallel notwendig sind, mag wohl jeder Leser als unterschiedlich empfinden. Mir gefiel es sehr, da die unterschiedlichen Taten verschiedene Methoden ihrer Ermittlungen aufzeigen. Jeder Fall erfordert individuelles Vorgehen, sodass man als Leser viel über die Techniken ihres Computerprogrammes als auch relevante Fakten ihrer Arbeit erfahren kann. Dieser Teil des Buches interessierte mich besonders. Mir ist bewusst, dass es natürlich reine Fiktion ist und die Realität oft anders aussieht, aber so ganz an den Haaren herbeigezogen ist es nicht, schließlich müssen Autoren für ihre Werke auch recherchieren. Und einen echten Einblick in die Arbeit der Profiler wird man als Durchschnittsbürger ansonsten leider kaum erhalten. Seien wir doch mal ehrlich: ein bisschen Sensationsgier sitzt doch in jedem von uns ;-)

Val McDermid hat, wie ich auch schon in "Echo einer Winternacht" feststellte, einen meiner Ansicht nach sehr angenehmen Schreibstil. Ruhig, gelassen, flüssig und trotzdem spannend. Es beginnt nicht wie viele anderen Bücher dieser Art mit einem Kanonenschlag, sondern startet gemächlich, es werden viele Informationen gestreut, der Leser kann sich umsehen und die Welt um Fiona herum erkunden. Während Autoren wie Stephen King meiner Ansicht nach mit diesem Mittel übertreiben (und man oft erst 100 oder mehr Seiten lesen muss, bevor überhaupt irgend etwas geschieht), findet McDermid ein gutes Mittelmaß, genau richtig.

Kurz vor Ende kommt es dann zum Showdown, Fiona Auge in Auge mit dem Killer, ihr Mann Kit in höchster Lebensgefahr (dass es soweit kommen würde, war vom ersten Moment des Buches an klar, ich verrate mit dieser Aussage also keinesfalls zuviel). Diese Szene kennt man aus verschiedensten Filmen und Büchern bereits: ein ermittelnder Polizist oder Profiler steht unter extremem Zeitdruck, der Fall betrifft ihn am Ende persönlich. Im buchstäblich letzten Moment wird ein letzter Hinweis entschlüsselt, und dann kommt es zum endgültigen Höhepunkt des Spannungsbogens. Abbruch, Vogelzwitschern, die abschließenden Worte des Hauptcharakters in Form eines Briefes, eines Gespräches oder letzter Gedanken über Tat und die daraus resultierenden Folgen für das Leben des Protagonisten. Ende.

Hach, schön! So einfach gestrickt, und doch immer wieder spannend. Val McDermid beherrscht ihr Genre perfekt, und in diesem Roman nimmt sie sogar verschiedene Klischees aufs Korn und schreibt über ihresgleiches. Amüsiert sich über die verschrobenen Phantasien der Krimiautoren und lässt ihre Figuren in Fallen tappen, über die sie sich kurz zuvor noch mit ihren Kollegen unterhielten.

Wer Thriller und spannende Krimis liebt, wird sich mit "die Erfinder des Todes" ganz sicher bestens unterhalten fühlen. Ich freue mich schon darauf, mir bald noch mehr Bücher dieser Autorin zuzuführen :-)

SaschaSalamander 08.11.2005, 10.42 | (0/0) Kommentare | PL

Glennkill

CoverNachdem ich "Glennkill" zum letzten Mal zuklappte, war ich irgendwie enttäuscht: ich hätte gerne weitergelesen. Dieses Buch ist so fesselnd, dass mich nicht einmal das abgeschlossene Ende befriedigt. Ich hoffe, dass Leonie Swann bald weitere Bücher veröffentlichen wird. Vielleicht eine Fortsetzung, in der die Schafe endlich Europa sehen. Oder einen anderen Tierkrimi. Oder etwas ganz anderes. Ich mag ihren Stil, und die Leser in weiteren 11 Ländern sehen das genauso. 11 Länder, das ist für das Erstlingswerk einer 30jährigen Autorin nicht übel, finde ich.

Nachdem ihr Schäfer tot auf der Wiese gefunden wird, sind die Schafe erst einmal ratlos. Und dann entschließen sie sich, etwas zu tun. Der Mörder muss entlarvt werden! George, der tote Schäfer, hat ihnen regelmässig vorgelesen, unter anderem auch Krimis, deswegen wissen sie ungefähr, wie man so etwas angeht. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Hinweisen. Miss Maple, das klügste Schafe der Herde. Maude, ein Schaf mit besonders gutem Geruchssinn. Mopple, ein Widder mit phänomenalem Gedächtnis. Othello, der mutige Widder, der so stark ist, dass er sogar einen Hund besiegen konnte, und dessen Vergangenheit den anderen Schafen ein Rätsel ist. Außerdem all die anderen Schafe, die gesamte Herde, alle tragen sie ihren Teil dazu bei. Und als sie endlich den Fall geklärt haben, müssen sie den Menschen irgendwie verständlich machen, was sie herausgefunden haben. Aber wie sollen sie das anstellen?

Ach, der Roman war herrlich! Es müssen ja nicht immer Francis (A. Pirincci) oder Mrs Murphy (R. M. Brown) sein, auch Schafe sind intelligent. Nur wissen das die Menschen nicht, weil sie viel zu wenig auf die Schafe achten. Die Autorin vermenschlicht die Tiere nicht, lässt ihnen ihre Schafsnatur. Ich sehe die kleinen Wollkugeln regelrecht vor mir, das Buch ist sehr bildhaft. Die Sprache ist, da aus Sicht der Schafe, natürlich auch sehr einfach gehalten (schön finde ich, dass sie Worte verwendet, die auch tatsächlich im Sprachschatz von Schafen vorkommen könnten, so sie denn sprächen. Dinge der Menschen können sie nicht benennen, finden eigene Worte oder ziehen sich die Begriffe aus den belauschten Gesprächen der Menschen untereinander).

Häufig werden recht seltsame Begriffe verwendet, ungewöhnliche Vergleiche angestellt, falsch wirkende Worte zur Umschreibung der Szenen verwendet. In manchen Rezensionen beschwerten sich einige Leser darüber, weil sie es als schlechte Sprachfähigkeit der Autorin werten. Allerdings denke ich, dass diese Vergleiche und Unebenheiten aus Sicht der Schafe stimmig sind, weil sie andere Begriffe nicht kennen und die angewandten Worte das Erlebte treffend umschreiben. Wenn man das Buch laut liest, wirken die Worte, der Klang der Sätze sogar sehr lyrisch, sehr melodisch. Doch, ich bin sicher, die Autorin weiß sehr wohl mit der Sprache zu spielen, und jeder Stolperstein ist gewollt.

Schwarzer Humor kommt auch nicht zu kurz. Die Schafe betrachten das Geschehen aus ihrer eigenen Sicht, und das Verhalten der Menschen ist eben einfach unlogisch. Die Tiere gehen da wesentlich nüchterner vor, sie sorgen sich um die wirklich wesentlichen Dinge. Und oft missverstehen sie das, was sie beobachten. Der Leser begreift schnell, worum es geht, wenn von "Gras" die Rede ist, dass Georg versteckt haben muss. Aber die Schafe ziehen ihre eigenen Schlüsse. Auch das Wort "Fleisch" führt in mehrfacher Bedeutung zu köstlichen Ermittlungen in die falsche Richtung. Und auch Gott und sein Acker spielen eine wichtige Rolle bei der Aufklärung des Falles, schließlich wurde George mit einem Spaten ermordet, und das ist ein Hinweis auf den Acker, den er regelmässig pflügte. Und Gott hat die Schafe auch schon auf der Weide besucht. Die Korruption der Menschen, ihr geldgieriges und verschlagenes Verhalten, wirkt umso niederträchtiger, je naiver die Schafe es betrachten.

Schafe haben ihre eigene Philosophie und Mythologie. So wissen sie zum Beispiel, dass Menschen nur eine winzige Seele haben, denn die Seele sitzt im Geruchssinn, und Menschen haben nur einen sehr schlechten. Die Seele löst sich vom Körper, das haben sie von Beth (eine überzeugte Christin) erfahren. Verständlich, denn ein toter Körper beginnt zu stinken, das muss grauenvoll für die Seele sein. Später dann sind die Toten als Wolkenschafe im Himmel. Und dann gibt es da noch den Wolfsgeist, den eines der Lämmer nachts über der Leiche des Schäfers gesehen hatte. Welche Rolle spielt er in diesem Mordfall?

Ich könnte ewig so weiterschreiben, sosehr hat mich dieses Buch gefangengenommen! Empfehlen kann ich es fast jedem. "Glennkill" ist ein ungewöhnlicher Roman, der eine ziemlich breite Lesermasse (wenngleich eher weiblich, vermute ich) ansprechen wird. Krimi, schwarzer Humor, abstruse Gedanken, wollige liebenswerte Schafe, haarsträubende Schlussfolgerungen und am Ende Gerechtigkeit. Diesen Roman muss man einfach lieben!

SaschaSalamander 04.11.2005, 20.47 | (0/0) Kommentare | PL

Tintenblut

CoverNun habe ich auch "Tintenblut" zu Ende gelesen, die langerwartete Fortsetzung von >Tintenherz<. Nachdem ich es rechtzeitig in der Bücherei vorbestellt habe, war ich die erste Leserin, die es in der Hand halten durfte. Das ist immer wieder ein erhebendes Gefühl. Neue Bücher haben so einen Geruch, so einen Duft an den Blättern, das ist einfach etwas ganz Besonderes *smile* :-)

Was Spoiler betrifft: Die zu Anfang beschriebene Handlung lässt, wenn man den ersten Band nicht gelesen hat, keine Rückschlüsse auf das Ende von "Tintenherz" zu. Schriftsteller finden immer einen Weg, eine Handlung auf die eine oder andere Weise in die Wege zu leiten.

In diesem Band macht sich Meggie auf, die Tintenwelt selbständig zu erkunden. Wenn es möglich ist, Charaktere aus dem Buch herauszulesen, dann ist es bestimmt auch möglich, sich in das Buch hineinzulesen! Sie wollte schon immer sehen, wovon ihre Mutter ihr so oft erzählt hat. Gemeinsam mit Farid macht sie sich dort auf die Suche nach Staubfinger, um ihn vor Basta zu warnen. Und wie es scheint, sind nicht alle Bösewichte des ersten Bandes vernichtet, und diese zwingen nach Meggies Verschwinden Mo in die Tintenwelt, wo ihm seine Strafe zuteil werden soll. Resa (Meggies Mutter) klammert sich an Mo und wird ebenfalls in die Welt der Feen und Zauberwesen gezogen.

Bald trifft Meggie auf Fenoglio, den Autor des Buches, der dort weilt. Der alte Mann versteht sich bestens mit dem fahrenden Volk und erfindet Räuberballaden vom Eichelhäher, einer Art Robin Hood, welche ihm die Gaukler gerne abnehmen. Doch die Geschichte des Buches "Tintenherz" entgleitet Fenoglio, sie nimmt ihre eigene böse Wendung. Gute sterben, Böse reißen die Macht an sich, und dem Volk geht es schlecht. Und dann taucht plötzlich der Eichelhäher auf, den es dort eigentlich gar nicht geben sollte.

Mir hat "Tintenblut" weit besser gefallen als "Tintenherz". Während der erste Band stellenweise etwas langgezogen auf mich wirkte, war dieser Teil von der ersten bis zur letzten Seite fesselnd. Gerne hätte ich ihn nur quergelesen, weil ich keine Zeit dafür hatte und die Abgabe in der Bücherei bevorstand, aber es war mir nicht möglich. Zu schön, wie Cornelia Funke hier mit Worten spielt und die Charaktere durch die Handlung führt, ich konnte mich kaum eine Minute losreißen.

Die Handlung ist wesentlich logischer und besser aufgebaut. Das mag allerdings auch daran liegen, dass Cornelia Funke im ersten Band etwas gewagt hat, das nicht allzu viele Autoren wagen: sie hat Figuren einer anderen Welt in unsere gebracht. Das ergibt natürlich manchmal einige Ungereimtheiten. So erscheint es etwa unlogisch, wie sich die Polizei so in die Enge treiben lässt, anstatt große Geschütze aufzufahren. Die gesamte Situation mit Capricorn und dem Dorf inmitten einer abgelegenen Landschaft erscheint nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Lesern, mit denen ich mich austauschte, als ziemlich ungewöhnlich und unlogisch. Aber das muss man bei diesem Buch eben in Kauf nehmen, anders wäre es kaum möglich gewesen. Bundeswehr und Kriminalpolizei haben in "Tintenherz" einfach nichts verloren, auch wenn es (wie auch andere Szenen des Buches) unlogisch ist.

In "Tintenblut" dagegen kommen Charaktere aus unserer Welt in eine fremde. Es ist für einen Autor ebenso anstrengend, wenn auch auf andere Weise: es gilt nicht zu überlegen, wie fremde Menschen wohl in unserer Welt leben könnten. Dafür muss genau dargestellt werden, wie diese andere Welt aussieht, es muss quasi ein neues Universum erschaffen werden. Und das ist ihr im zweiten Band wirklich gelungen. Die Figuren wirken sehr realistisch und gut durchdacht, zum Greifen nah. Besonders gut finde ich, dass Fenoglio und einige andere von den klaren gut - böse - Rollen abweichen und eigene Wege gehen, ihr schlechtes Verhalten durch gutes Wollen rechtfertigen. Sie sind schwer einzuschätzen und bleiben für den Leser immer spannend.

Ich fand die Handlungen der einzelnen Hauptpersonen dieses Mal weitaus besser nachvollziehbar und habe richtig mitgelitten. Jetzt, nachdem der zweite Teil erschienen ist, halte ich den Hype um dieses Buch für gerechtfertigt. Allerdings sollte man den ersten Teil auf jeden Fall vorher gelesen habe, er gehört für das Verständnis des folgenden Bandes dazu und ist (fast) genauso unterhaltend wie die Fortsetzung.

SaschaSalamander 31.10.2005, 10.07 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Das Buch

CoverLeonie ist nicht gerade ein Büchernarr. Ihre Familie ist seit Generationen im Besitz einer Buchhandlung, und sie hat keinerlei Interesse, diese weiterzuführen. Beim Vorstellungsgespräch in einer Büchereit hat Leonie ein seltsames Erlebnis. Und kurz darauf verstirbt ihre Großmutter bei einem schlimmen Flugzeugunglück. Eigentlich sollte Leonie gemäß der Tradition die nächste Erbin der Buchhandlung sein, doch es ist zu spät. Die Tradition wurde gebrochen, die Buchhandlung fällt in die Hände ihrer Mutter, und das Schicksal nimmt seinen Lauf: die Ereignisse eines Menschenlebens sind jeweils in einem eigenen Lebensbuch aufgeschrieben, und nur die kleinste Änderung würde schlimmste Ausmaße annehmen. Nur der rechtmäßige Besitzer ist berechtigt, die Wache über jene Bücher zu halten. Doch Leonies Mutter hat im Gegensatz zu ihrer Tochter nicht "die Gabe", sie ist keine Hüterin. Und es geschieht, was geschehen muss: die Wirklichkeit wird verändert. Leonie muss das Buch zurückholen und sich gegen ihren Vater stellen, wenn sie die Welt retten will!

Naja, das Buch ist nicht gerade sein bestes. Es klingt vielversprechend und bietet eine Menge Potential, wie eigentlich alles von Hohlbein. Und wie alle neueren Bücher ist auch dieses eher mittelmäßig. Ich verweise einfach auf meinen Baukasten >"Ich bastel mir einen W und H Hohlbein - Roman"< und die daraus resultierende >Zusammenfassung<.

Was ich dem Buch hoch anrechnen möchte: es ist ausnahmsweise einmal ein wenig anders gestrickt (obwohl die Grundthemen und die Grundsturktur nach wie vor dieselben sind). Die gängigen Klischees bleiben alle erhalten. Aber dafür sind die Wiederholungen dieses Mal Teil des Inhaltes anstatt nur schlechte Technik des Autors. Immer, wenn es nicht so läuft, wie Leonies Vater es für richtig hält, wird die Wirklichkeit geändert. Und während sie anfangs Gedächtnislücken hat, erinnert sich Leonie von Mal zu Mal besser an das, was tatsächlich vorgefallen ist.

Aber das große Manko: dieser Roman hätte um mindestens ein Drittel oder mehr gekürzt werden können. Die Szenen sind, wie in letzter Zeit ständig bei Hohlbein, breitgetreten und zäh wie Kaugummi. Aus Spannung wird gähnende Langeweile, ich habe sehr viele Momente einfach überblättert. Sobald es eigentlich Exitus wäre, zückt Leonies Vater den Stift, und - schwupps! - setzt die Geschichte an einer früheren Stelle des Geschehens ein. Bis letzendlich die Schleife wieder ganz am Anfang mündet und sich alles wieder zusammenfügt. Die Welt ist gerettet. Und ein Spoiler war diese Aussage gerade wirklich nicht ;-)

Ich frage mich oft, ob Hohlbein wirklich soviel schlechter wurde, oder ob es einfach nur die Gewohnheit ist. Irgendwann kennt man seine Werke, und er schreibt immer dasselbe, als Fan erlebt man nichts wirklich Neues. Bald werde ich wieder einmal mein Lieblingsbuch von ihm lesen, den Greif, und dann bin ich gespannt: werde ich es als ebenso hirnrissig und platt empfinden wie seine neuen Werke, oder hatten die alten tatsächlich "mehr Pep", bessere Sprüche und eine spannendere Handlung?

SaschaSalamander 22.10.2005, 16.38 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Elf Minuten

Cover

Paulo Coelho schreibt Bücher, die bewegen und im Gedächnis bleiben. Es fällt schwer, seine Bücher zu beschreiben, man muss sie einfach erleben und fühlen. Man kann sie nicht einfach schnell zwischendurch überfliegen, sie fordern die ihnen zustehende Aufmerksamkeit bereits nach wenigen Seiten von selbst ein. Anschließend werden sie nicht einfach beiseite gelegt, bevor man zum nächsten Roman greift. Es braucht Zeit, sie zu verarbeiten. Es ist schon einige Wochen her, dass ich "11 Minuten" gelesen habe, und noch immer trage ich Tonfall, Inhalt und Aussage in mir.


In dem Buch "Veronika beschließt zu sterben" sprach er über das Tabuthema Selbstmord und psychische Erkrankung, und es gelang ihm, die Geschichte sensibel und mitreißend zu erzählen. Das Buch "11 Minuten" greift ein weiteres Thema auf, an das sich nicht viele Autoren heranwagen, zumindest nicht in dieser Form: Sexualität. Genauer gesagt, die Heiligkeit des Sexuellen.

Die junge Brasilianerin Maria träumt von der großen Liebe. Sie erfährt sehr schnell, dass man sich die passende Gelegenheit nicht entgehen lassen darf. Also sagt sie spontan zu, als ein Mann anbietet, ihr in der Schweiz Arbeit zu verschaffen. Sie arbeitet nun als Animierdame in einem Club, fühlt sich einsam und ist beschämt. Aber sie will nicht aufgeben. Anstatt einfach nach Hause zu fahren, lernt sie die fremde Sprache, bildet sich in der Bibliothek fort und träumt davon, eine Farm in ihrer Heimat zu eröffnen. Sie beginnt als Prostituierte zu arbeiten. Es gelingt ihr, Herz und Seele bei der Arbeit zu bedecken, und schnell gewinnt sie viele Stammkunden. Denn sie interessiert sich vor allem für die psychologische Seite der Prostitution und holt sich viele Anregungen in der Bibliothek und aus ihrer Erfahrung. Sie ist den Männern Femme Fatale, Geliebte, Hure, Mutter, Zuhörerin, Therapeutin. Ihre Kolleginnen sehen das gar nicht gerne.

Eines Tages begegnet ihr in einem Café ein Maler, der sie portraitieren möchte. Er habe ihr inneres Leuchten gesehen und ist nun fasziniert. Maria ist anfangs wenig von ihm angetan, doch die beiden kommen sich immer näher. Sie nahm sich vor, sich nicht zu verlieben, aber Liebe fragt nicht um Erlaubnis. Und bald hat sie genügend Geld angespart, wieder nach Hause zu fahren ...

In diesem Buch ist Sex etwas völlig Selbstverständliches. Maria erkundet Themen wie die Selbstbefriedigung, Lust am Schmerz, die Bedeutung der 11 Minuten eines Aktes, die Trennung von Liebe und Körper sowie viele weitere. Viele Männer lehrten sie, ihre Seele abzuschotten, ein Mann lehrt sie die Liebe und das körperliche Begehren des Herzens. Der Blick des Lesers wird auf das Thema Sexualität gelenkt, wie er es vermutlich noch niemals zuvor betrachtet hat. Das Buch ist sinnlich, erotisch, erschreckend, auch für den Leser eine Erkenntnis. Man ertappt sich, ebenso wie Maria in verschiedene "Fallen" zu gehen, bis die eigentliche Bedeutung und Wahrhaftigkeit der Liebe erkannt wird.

Der Erzählstil gefällt mir sehr gut: die Passagen aus Marias Tagebuch sind sehr gut geeignet, die Entwicklung der jungen Frau zu beschreiben. Anfangs noch sehr naiv und unreif, mit kindlichen Einstellungen und Zielen. Sie wächst heran zu einer selbstbewussten, reifen, intelligenten Frau, die stolz und aufrecht auf das zurückblicken kann, was sie erreicht hat. Auf der Suche nach der romantischen Liebe vom Ritter auf dem weißen Pferd findet sie über Prostitution und Selbstaufgabe den Weg zu ihrer eigenen Unschuld, Reinheit und Jungfräulichkeit.

SaschaSalamander 17.10.2005, 15.57 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Das Erbe des Zauberers

Bei den Büchern von Terry Pratchet entscheidet es sich bereits auf den ersten zwanzig Seiten, ob ich von einem Buch begeistert bin oder es gähnend beiseite lege. Oma Wetterwachs ist eine meiner Lieblingsfiguren, Bücher mit ihr haben mir bisher immer gefallen. So auch "das Erbe des Zauberers".

Der alte Zauberer Drum Billet fühlt sein Ende nahen. Entsprechend der Tradition sucht er einen achten Sohn auf, dessen achter Sohn nun seinen Zauberstab übernehmen und das Handwerk der Magie erlernen soll. Aber ... hoppla! Der achte Sohn des achten Sohnes entpuppt sich nach der Geburt als Mädchen! Es ist bereits zu spät, Drum Billet hat seinen letzten Atem ausgehaucht, der Zauberstab wurde bereits übergeben. Natürlich ist man in dem kleinen Dorf sehr auf die Tradition bedacht, und Frauen können höchstens Hexe werden. Warum nicht, auch Hexen genießen einen beachtlichen Ruf. Also geben die Eltern das Mädchen Eskarina mitsamt ihrem Stab bei Oma Wetterwachs in die Lehre, wo sie viel über "Pschikologi" (Psychologie, auf der die Magie der Hexen beruht) und Kräuterkunde lernt. Die thaumaturgische Energie in Eskarina ist jedoch zu stark, und so machen sich Oma Wetterwachs und ihre Schülerin auf, die Unsichtbare Universität der Zauberer aufzusuchen. Noch niemals zuvor wurde eine Frau zugelassen. Aber die beiden Frauen wissen, was sie wollen und bringen die verstaubte Altherrenriege ganz schön auf Trab ;-)

Köstlich, einfach köstlich! Und besonders spannend vor allem die Exkurse über die Magie der Scheibenwelt. Jeder Autor entwickelt ja eigene Vorstellungen rund um das Wirken und die Auswertung der Magie. Pratchett hat sich für seine vielen Romane der Scheibenwelt wirklich ausgiebige Gedanken gemacht, das ist sicher!

Auch die Charaktere sind mir dieses Mal absolut sympathisch. Ich kann mir Eskarina mit ihrer trotzigen, selbstbewussten Art sehr gut vorstellen, genauso den stotternden, aber hochintelligenten Simon und all die anderen Figuren dieses dritten Romanes des verrücktesten Fantasy-Zyklus, den ich kenne.

Es gibt zwar ersten, zweiten, dritten und und und in diesem Zyklus. Allerdings lassen sich die Romane unabhängig voneinander lesen und auch ohne Kenntnis der anderen verstehen. Jedes Buch hat eine eigene Handlung und keinen chronologischen Verlauf (das Gefüge von Zeit und Raum wird in so vielen Romanen der Scheibenwelt durcheinandergewürfelt, dass es eh keine Rolle spielt *lol*). Dieses Buch halte ich für Einsteiger ziemlich geeignet, weil es nicht gleich "in die Vollen" geht mit zu abgedrehten Ideen und Theorien erschlägt, aber trotzdem genügend Spaß und Abwechslung bietet.

Wegen des detaillierten Covers wieder ein großes Bild :-)


SaschaSalamander 07.10.2005, 15.47 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

Tintenherz

Cover
Cornelia Funke wurde für eine gewisse Zeit als Schriftstellerin angepriesen, mit der man sich das Warten auf den nächsten Harry Potter verkürzen könne. Abgesehen davon, dass ich solche Vergleiche nicht mag und einzelne Werke ungerne mit anderen Bestsellern als Maßstab beurteile, war ich doch neugierig. Der Herr der Diebe hatte mir damals sehr gefallen. Also griff ich gerne zu, als ich vor Kurzem den hochgelobten Bestseller "Tintenherz" von ihr im Regal entdeckte.



Vielleicht waren meine Erwartungen nach all den vielen Lobreden zu hoch, aber ich war am Ende etwas enttäuscht. Die Handlung an sich ist großartig und bietet sehr viel Potenzial:

Ein geheimnisvoller Fremder taucht eines nachts am Fenster der jungen Meggie auf. Sie holt ihren Vater, der Staubfinger - wie er den Eindringling nennt - zu kennen scheint. Am nächsten Morgen brechen die drei ohne besondere Vorbereitungen sofort ab, Tante Elinor besuchen. Meggies Vater Ausschnitt Coverscheint ein wertvolles Buch bei ihr zu verstecken. Und noch bevor Meggie herausfinden kann, warum ihr Vater ihr niemals vorliest, was es mit seinem Spitznamen Zauberzunge auf sich hat und warum dieses unscheinbare Buch so wertvoll ist, wird ihr Vater mitsamt dem Buch von Capricorns Männern entführt.


Meggie, Elinor und Staubfinger folgen Capricorns Handlangern in ein abgelegenes Bergdorf, und hier beginnt das eigentliche Abenteuer. Ein Geheimnis nach dem anderen wird gelüftet, und immer neue Schwierigkeiten tun sich vor dem jungen Ausschnitt CoverMädchen auf. Wem kann sie noch trauen? Wird es ihr gelingen, das Schicksal, welches Capricorn für sie alle vorgesehen hat, abzuwenden? Ihr Gegner ist ein Bösewicht, wie nur ein fantasievoller Autor ihn in liebevoller Feinarbeit erschaffen kann, sein Herz so böse und schwarz wie die schwärzeste Tinte ...


Die Grundidee der Geschichte ist wirklich großartig, und ich habe sie in noch nicht allzu vielen Büchern gefunden (zugegeben, ich kann mich derzeit an keine erinnern, obwohl die Idee wirklich naheliegend ist). Außerdem ist die Geschichte in kindgerechtem Ton erzählt, Kinder bis hin zur Schwelle Jugendliche können sich bestimmt gut mit den Hauptfiguren identifizieren und mitfiebern, die grausamen Szenen sind kindgerecht verarbeitet und nachvollziehbar, moralische Werte werden liebevoll eingebunden.

Ausschnitt Cover Was ich weniger angenehm finde, ist die langatmige Erzählweise. Es stört mich nicht, dass der Erzählton ein ruhiger ist, im Gegenteil. Ich freue mich, wenn spannende Bücher ohne Verfolgungsjagden, wilde Kämpfe und atemberaubende Rettungen in letzter Sekunde auskommen. Doch die Geschichte ließe sich in etwa der Hälfte der Buchdicke ebenso gut erzählen. Manche Kapitel wirken wie unnutze Füllsel, auf die man gut verzichten könnte. Als die eigentliche Handlung nach einem knappen Drittel begann, habe ich viele Seiten nur noch quergelesen und das Tempo erst an handlungsrelevanten Punkten verlangsamt. Eigentlich sehr schade, denn ich mag den ruhigen, erzählerischen Stil der Autorin.

Ausschnitt Cover Cornelia Funke schreibt Kinderbücher, die ich als Kind gerne gelesen hätte. Ebenso wie Astrid Lindgren, Erich Kästner, Ottfried Preußler, Michael Ende und viele andere Lieblingsautoren meiner Kindheit nimmt sie die Sorgen und Ängste der Kinder ernst. Sie möchte sie nicht verhätscheln und vor allem Leid bewahren, sondern sieht in ihnen selbständige, selbstbewusste kleine Menschen in einer Welt von Erwachsenen, fähig zu eigenen Entscheidungen, mit festem Willen und voller Stolz. Sie versteht es, Kindern Mut zu machen, sie zu neuem Denken und vor allem zum Träumen anzuregen. Ich bin sicher, viele Kinder sitzen nach Lektüre dieses Buches in ihren Kinderzimmern und versuchen sich an dem geheimnisvollen Zauber, der Zauberzunge und Meggie innewohnt ;-)

SaschaSalamander 27.09.2005, 08.34 | (4/4) Kommentare (RSS) | PL

Gevatter Tod

Pratchett. Meister des Funny Fantasy. Es gibt einige Ausnahmen in seinen Büchern, aber meist kann ich nicht genug von ihm bekommen. Das Buch, das mich damals so richtig von ihm überzeugt hatte, war "Mort". "Mort" ist die Comicvariante des Buches "Gevatter Tod". Gespannt, wie das Buch dazu sei, las ich es und war begeistert. Manche Dialoge kann ich fast auswendig, so genial sind sie. Deswegen war ich auch gespannt auf das Hörspiel. Es interessierte mich vor allem, wie stark gekürzt wurde (ob meine Lieblingspassagen enthalten sein würden?), wie man es als Hörspiel umgesetzt hatte, wie der Tod klingen würde.

Mort findet keine Arbeit, niemand will den ungeschickten Träumer einstellen. Doch dann erscheint TOD und sucht einen Lehrling. Mort lernt viel von seinem Meister. Und bald ist er soweit, auch ohne dessen Begleitung seine Aufgaben zu erfüllen. Während Mort seine Aufgabe vermasselt, genießt TOD seine freie Zeit und vergisst seine Pflichten. Die Scheibenwelt gerät in große Gefahr, und nur ein wirklich mächtiger Magier kann helfen ... aber der hat andere Pläne.

Doch. Das Hörspiel hat mir sehr gefallen. Dass natürlich auch manche meiner Lieblingsdialoge geschnitten wurden (klar, ein ganzes Buch auf zwei CDs geht kaum) hatte ich erwartet, und es war okay. Der Schnitt wurde gut angesetzt. Die Sprecher wechseln sich als Erzähler ab, oft nach nur ein oder zwei Sätzen, was äußerst ungewohnt ist aber super zu dem Buch passt. Es wurden sogar eigene Songs komponiert! Das Eingangslied des Todes gefällt mir recht gut, auch die anderen sind nicht übel in Rhythmus und Melodie. Allerdings stört mich der Text stellenweise etwas dabei, es erinnerte mich vom platten Niveau her irgendwie an den Disney "Hercules".

Anfangs empfand ich Peer Augustinskis (Synchro Robin Williams und Dschinn aus Aladdin) Stimme als unpassend für den Tod, denn sie hat einen hellen Ton, der wenig eindrucksvoll oder gar WIE GROSSBUCHSTABEN (so spricht der Tod in Pratchetts Büchern) klingt. Aber die Dramaturgen haben da tolle Arbeit geleistet und die Stimme mit einer zweiten, nämlich seiner eigenen und tiefer gemixten Stimme, unterlegt. Und das wirkt dann doch sehr gewichtig und geheimnisvoll.

Zwei CDs, während der Hausarbeit gehört. Das dritte Mal, dass ich mir "Gevatter Tod" zu Gemüte geführt habe. Es ist und bleibt mein bisheriges Lieblingsbuch von Terry :-)
Und weil ich die Zeichnungen immer so toll finde, hier das geniale Buchcover dazu, wegen der vielen Einzelheiten etwas größer als meist in diesem Blog üblich.




SaschaSalamander 16.09.2005, 13.23 | (0/0) Kommentare | PL

Die unsichtbare Pyramide

Die unsichtbare Pyramide. Ein Buch, das mir dicker scheint als die anderen Werke von Isau, die ich bisher gelesen habe. Als ich mir dann die Inhaltsangabe durchlas und im Buch blätterte, sah ich auch den Grund dafür: Eigentlich sind es drei Geschichten, die sich erst gegen Ende der Handlung zu einer einzigen zusammenfügen. Und weil das Buch nicht nur dick, sondern auch wirklich beeindruckend ist, wird diese Rezension wieder etwas länger ;-)

Das Universum wurde gespalten in drei Teile. Nun besteht das Triversum aus der (uns bekannte) Erde, Trimundus (welches an alte keltische Dörfer erinnert) und Anx (vergleichbar einem hochmodernen Ägypten). Als die Wellen der drei Welten sich gegenseitig berühren, kommt ein Kind auf die Welt, das über besondere Fähigkeiten verfügt. Und weil die Geburt an einem heiligen Ort stattfand, wird dieses Kind auch in den anderen beiden Welten geboren. Das Triversum droht zu zerbrechen, dunkle Mächte wollen die Macht an sich reißen. Nur diese drei Kinder haben die Möglichkeit, mit ihren gemeinsamen Kräften die Welt(en) zu retten.

Francesco wird von einem Franziskaner-Pater im Klostergarten gefunden und im Orden der Brüder aufgezogen. Er lebt im Glauben an Gott und die heilige Kirche, doch bald kommen erste Zweifel. Als ein Stigma auf seiner Wange auftaucht, beginnt er die seltsamen Kräfte in sich zu spüren. Doch noch kann er sie nicht kontrollieren, er ist zerrissen zwischen der Kirche und seinen neuen Erkenntnissen. Er verliebt sich in ein Mädchen, das sich als seine Nichte herausstellt. Gemeinsam mit seinem leiblichen Bruder macht er sich auf, das Geheimnis der drei Welten zu lüften.

Trevir wird von einem Bauern bei der heiligen Quelle im Feenwald gefunden. Schwarze Reiter dringen in das Dorf und suchen nach dem Feenkind, können es jedoch nicht finden. Die Brüder eines geheimen Ordens finden das gesuchte Kind der Prophezeiung und ziehen ihn bei sich im Orden auf. Trevir glaubt an Feen, Götter und Magie, er lernt seine Kräfte bald zu kontrollieren und einzusetzen. Er verliebt sich in ein Mädchen, das den Mannen seines erbitterten Feindes dienst. Er kann sie befreien, und gemeinsam machen sie sich auf, gegen den dunklen Herrscher zu kämpfen, der Trimundus zerstören will.

Topra ist das uneheliche Kind des Pharaos und seiner Konkubine. Er wird ausgesetzt und von einem Seemann auf dessen Schiff gefunden. Er wächst auf dem Meer auf und entdeckt bald seine wundersamen Kräfte. Unterwegs in vielen Ländern, muss er seine Kräfte unterdrücken, um als Fremder kein Aufsehen zu erregen. Doch bald lernt er die Kräfte zu kontrollieren. Er verliebt sich in die Braut des Prinzen. Er kann sie befreien, und gemeinsam machen sie sich auf, den Pharao zu töten, der das Volk unterdrückt.

Drei Geschichten, die sich ähneln. Ich finde es eine faszinierende Idee, eine Grundidee zu nehmen und auf dieser drei Lebensläufe zu weben, die sich in fast allen Punkten ähneln, aber dennoch verschieden genug sind, eine eigene, für sich spannende Geschichte zu bilden. Der Leser wird nicht durch drei gleichartige Erzählungen gelangweilt, sondern kann geschickt die unterschiedlichen Erkenntnisse der drei Jungen vergleichen und seine eigenen Schlüsse ziehen. Alle drei verfügen über die gleichen Gaben, wenden sie jedoch auf unterschiedlichste Weise an. Auch die Weltbilder und die Theorie über die in Trimundus wirkende Energie, genannt "Wellen" ist spannend: Es klingt wie drei verschiedene Ansätze, bei genauem Betrachten allerdings erkennt man, dass es lediglich drei verschiedene Erklärungsmodelle ein und desselben Sachverhaltes sind. Wirklich geschickt, wie Isau auf diese Weise drei scheinbar unabhängige Geschichten webt, ...

Und was mich besonders freute: Der Hauptcharakter meines Lieblingsbuches von Isau, "Der Kreis der Dämmerung", taucht ebenfalls auf. Eine nur kleine Szene, die jedoch bei Fans einen großen "Aha"-Effekt zurücklassen wird. Ich mag es, wenn Autoren kleine "Bonbons" in ihren Geschichten verstecken ;-)

Anfangs fand ich das Buch wirklich ... gewöhnungsbedürftig. Andreas hat es im Kommentar vor einiger Zeit wirklich treffend formuliert. Gewöhnungsbedürftig. Die anfangs kurzen, später immer seltener werdenden Sprünge zwischen den drei Welten sind etwas ungewöhnlich. Kaum hat man sich anfangs in einen Erzählstrang eingelesen, wird bereits der nächste Faden weitergesponnen. Ich muss zugeben, dass ich anfangs sogar einige Geschehnisse und Welten vermischte, nicht mehr so recht wusste, welchem der drei jungen Männer was geschehen war und wo ich anzuknüpfen hatte beim Beginn des neuen Kapitels. Aber das legt sich nach einigen Kapiteln und wird zu einem Buch, das wirklich einmal einen nicht allzu häufigen Aufbau präsentiert.

Durch den ungewöhnlichen Aufbau und weil das Buch doch recht dick ist, habe ich recht lange gebraucht, bis ich es zu Ende gelesen hatte. Aber es war spannend, und es hätte gerne noch weitergehen können. Denn ich wüsste zu gerne, wie es mit Francesco, Trevir und Topra und ihren Freunden weitergeht. Das offene Ende lässt eigentlich nur auf eine Fortsetzung warten ...

Das Motiv auf dem Cover nimmt eine wichtige Rolle im Buch ein und wird mehrfach erwähnt. Da es mir recht gut gefällt, hier ausnahmsweise wieder einmal ein größeres Bild :-)


SaschaSalamander 12.09.2005, 21.54 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

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