SaschaSalamander

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Horror

Hansel und Gretel

hanselgretel_150_1.jpgDie Märchen der Gebrüder Grimm sind weit über den deutschen Kulturschatz hinaus bekannt und beliebt. Immer wieder sind sie Grundlage für Varianten an Märchen, Fantasy, Horror. Mal leicht abgewandelt, mal dicht an der Vorlage. Mal kindgerecht, ein andermal bluig oder sexuell für Erwachsene. Neben Rotkäpchen zählt Hänsel und Gretel zu den Märchen, die am häufigsten hierfür verwendet werden. Ich kann gar nicht zählen, wie viele ausländische Filme und vor allem Mangas ich bereits über Variationen der Gebrüder Grimm gelesen habe!

Eine besonders gelunge Version, die ich heute vorstellen möchte, ist "Hänsel und Gretel". Das Grundmotiv bleibt erhalten: Kinder im Wald, ein böser Mensch, die Kinder begehen Rache.

Eun-Soo fährt gerade zu seiner kranken Mutter, als er im Wald einen Unfall hat. Hilflos irrt er durch das Gehölz, als ihm ein hübsches Mädchen begegnet und ihn zu ihrem nahegelegenen Elternhaus führen will, wo sie mit Vater, Muter und zwei Geschwistern lebt. Alles dort erscheint ihm seltsam, aber er hat keine Wahl, als die Nacht dort zu verbringen. Am nächsten Tag bricht er mit einer Wegbeschreibung auf und will zurück zu seinem Auto, doch er landet am Abend wieder in dem seltsamen Haus. Noch hält er das für einen Zufall. Doch als ihm dieses mehrere Male immer wieder passiert, ahnt er, dass etwas nicht stimmt. Und plötzlich verschwinden die Eltern der drei Kinder und bitten ihn auf einem Notizzettel, für diese Sorge zu tragen. Immer seltsamer wird das Verhalten der Geschwister, immer bedrohlicher die gesamte Situation. Ein weiteres Ehepaar baut einen Unfall und wird von dem Bruder nun ebenfalls in das Haus geführt, kann nicht mehr entkommen. Die beiden Erwachsenen scheinen Böses zu planen, und Eun-Soo schwankt in seinem Verantwortungsgefühl für die Kinder und seiner Sorge um die eigene Familie zu Hause, für welche er seit Tagen verschollen gilt. Die Lage spitzt sich zu, und wenn er den Wald verlassen will, muss er zuvor das schreckliche Geheimnis der Kinder lüften ...

Erst recht spät gegen Ende des Filmes werden die Bezüge zum ursprünglichen Märchen "Hänsel und Gretel" sichtbar, und je deutlicher sie werden, desto faszinierter war ich von der Geschichte, welche die Koreaner hier gewoben haben! Der Film behandelt quasi die Frage was mit Hänsel und Gretel geschehen wäre, wenn sie nicht am Ende ihre bösen Eltern aufgesucht, sondern sich an allen grausamen Erwachsenen gerächt hätten.

Es ist kein "reinrassiger" Horrorfilm, aber dennoch ist er sehr unheimlich. Ohne Schockeffekte, ohne literweise Blut, ohne gruslige Effekte kommt der Film aus, und doch brennen sich die Bilder in ihrer Intensität ins Gedächtnis. Surreale Schauplätze bilden die Kulisse, schaurige Orte werden verzerrt und spielen mit den Urängsten der Menschen. Der Dachboden ist ein Labyrinth ohne Ausgang, der Wald steckt voller düsterer Geheimnisse, und die aufgesetzte Niedlichkeit des Hauses wirkt umso bedrohlicher, je bunter und zuckriger die Bilder werden. Kleine Holzpüppchen beginnen wie im Märchen zu fliegen und mit den Kindern zu spielen, ein Weihnachtsmann lässt Wünsche wahr werden.

Ein zauberhaftes Märchen, ein ernster Hintergrund. Die Handlung ist am Ende nicht leicht zu verkraften, und wie bei Asiafilmen üblich erfährt der Zuschauer, dass Gut und Böse nicht zwangsläufig Gegensätze sein müssen ...

Ich kann diesem Film nur jedem empfehlen, der offen ist für neue Eindrücke. Nichts für nebenbei, sondern tiefgründige Unterhaltung, bei der man sich in Ruhe auf das Geschehen am Bildschirm konzentrieren sollte. Ein Film, auf den man sich einlassen muss ...

SaschaSalamander 28.09.2009, 09.43 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Der verbotene Schlüssel

schluessel_150_1.jpgSchon viel habe ich über diesen Film gehört, das Plakat hat sich mir ins Hürn gebrannt (ein anderes, mit einem Auge, das ich hier nicht poste, weil ich es eklig finde). Ich bevorzuge eine andere Art von Horror, aber die Neugier ließ mich nicht mehr los. Also habe ich mir den Film "der verbotene Schlüssel" geholt.

Caroline arbeitet in der Hospiz, sie begleitet sterbende Menschen in ihren letzten Tagen. Als ihr Patient stirbt, nimmt sie einen neuen Auftrag an, mitten im wunderschönen New Orleans, wo die rüstige Violet ihren vom Schlaganfall getroffenen Mann Ben pflegt. Violet ist skeptisch, denn vermutlich wird Caroline wie alle bisherigen anderen Pflegekräfte aufgeben. Jedes Haus hat eine Geschichte, und die des alten Hauses im Südstaatenstil ist düster und geheimnisvoll. Doch Caroline bleibt. Sie erfährt von dem schwarzen Ehepaar, welches dort Hoodoo praktizierte und grausam ermordet wurde. Was hat dies mit der verschlossenen Tür auf dem Dachboden zu tun? Was hat Ben vor seinem Schlaganfall auf dem Dachboden gesehen? Wird Caroline gegen die Kräfte des Bösen ankämpfen und den Fluch brechen können?

Nach dem, was mir Freunde erzählt hatten, erwartete ich etwas Grusliges. Aber allzu schlimm fand ich den Film nicht. Im Gegenteil ganz nett. Funkel fasste es am Ende sehr treffend zusammen, wie ich finde: "endlich mal wieder ein spannender Gruselfilm ohne irgendwelche ekligen Schockeffekte".

Der Film ist spannend. Gemeinsam mit Caroline erkundet der Zuschauer den Dachboden und findet den Beschwörungsraum hinter der verschlossenen Tür. Eklige Bilder, unnötige Schockeffekte, eine düstere Atmosphäre und nervenzerfetzende Musik sind dabei unnötig. Statt dessen ist der Film durch das helle Haus und den prächtig blühenden Garten sogar erstaunlich bunt und lebendig. Das finde ich für einen Grusel- oder Horrorfilm einmal ungewöhnlich, aber es gefällt mir sehr gut. Es gibt zwar auch dunkle Szenen in einer tragischen Regennacht oder auf dem schummrigen Dachboden, aber das hält sich in Grenzen.

Von der Wendung waren wir beide dann doch sehr überrascht (es gab Hinweise, aber die hatten wir alle übersehen, und so ist es wohl auch gedacht). Clever gemacht und den Zuschauer herrlich in die Irre geführt, so liebe ich das! Ein schauriges Ende, das einiges offenlässt, nach dem man aber trotzdem bedenklos duschen, Licht löschen und zu Bett gehen kann ohne Angst zu haben ;-)

Doch, ist mal ein netter Horrorfilm. Intelligent gemacht. Einfach und ohne hohe Ansprüche, aber unterhaltsam und spannend. Muss man nicht gesehen haben, wird es aber auch nicht bereuen.

SaschaSalamander 01.09.2008, 16.31 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Don Harris

Jason Dark. Ursprünglich ein Verlagspseudonym für mehrere Autorn, später DER Alias des deutschen Autoren Helmut Rellegard. Wenn die meisten bei deutschen Autoren eher an Goethe denken, moderner vielleicht an Grass oder Hohlbein, ist der mit der höchsten Auflagezahl dann aber doch wider Erwarten ein ganz anderer: nämlich der geistige Vater von John Sinclair, dem Geisterjäger. Unzählige Heftchen, einige Romane, zwei Hörbuchserien sowie sogar einige Filme hat der "Sohn des Lichts" bereits hinter sich, und es gibt kaum jemanden, der zumindest nicht schon einmal von Sinclair gehört hat.

Aber nun hat Rellegard diese Reihe beendet und wendet sich anderen Charakteren zu. Ein Zyklus um eine Hexe, kenne ihn nicht, kann nichts näher dazu erzählen. Und Don Harris, der "Psycho-Cop". Davon habe ich bereits das erste Hörspiel gehört und lese gerade auch das zweite Buch der Serie. Ich denke, nach diesem Einblick kann ich Euch also schon einmal ein paar Takte dazu erzählen ...

Ich gebe zu, dass ich ja schon recht gefrustet bin über das Absetzen von John Sinclair. Der Geisterjäger ist mir wirklich ans Herz gewachsen, gemeinsam mit seinem Kollegen Suko, seiner sexy Freundin, seinem Chef, der "Horror-Oma", seinen Erzfeinden dem schwarzen Tod, Myxin, Asmodina und anderen Dämonen. Aber hier soll es ja nicht um den strahlenden Helden John gehen *snief*, sondern um den neuen Strahlemann und Kundenmagneten Don Harris.

Zur Handlung des Psycho-Cops: die Mutter bei seiner Geburt verstorben, lebt Don Harris unter der Obhut seines Vaters. Da dieser ein reicher und vielbeschäftigter Mann ist, besucht Don ein Internat. Nur selten sieht er seinen Vater, doch die Verbindung zwischen ihnen ist innig. Eines Tages hat der Junge ein unheimliches Erlebnis: er hat eine Vision von einem durch das Eis des Sees gebrochenen Mädchen. Und als er den See erreicht, kann er die Kleine tatsächlich vor dem Ertrinken retten, seine Vision war ein Blick in die Zukunft! Es fällt ihm schwer, seine Gabe zu akzeptieren, aber gemeinsam mit seinem Freund Terry und einigen wenigen anderen Eingeweihten wird aus ihm bald ein intelligenter, junger Mann, der erfolgreich die Schule absolviert, ein grandioses Studium ablegt und nun beim ESP arbeitet, einem noch geheimeren Geheimdienst als dem schottischen Geheimdienst.

Und schon beginnt sein erster für den Leser relevante Fall: ein grausamer Mord geschieht an einer jungen Frau, Dons Telefonnummer mit deren Blut an die Wand über dem Bett geschrieben. Don kannte sie nur flüchtig, doch es ist unübersehbar, dass es der Täter auf IHN abgesehen hat! Und dann stirbt ganz unerwartet Dons Vater an einem Herzinfarkt, ein gesunder, sportlich aktiver Mann in den besten Jahren. Der Polizist besucht das elterliche Anwesen, um die Formalitäten zu klären und stößt in der Kapelle auf ein seltsames Geheimnis. Bei der Beerdigung trifft er auf eine mysteriöse Fremde, und bald kommt es zum Showdown mit dem Killer, den Don mit Hilfe seiner nun neu erwachenden zusätzlichen Fähigkeiten einfängt. Doch dies ist erst der Anfang seines großen Abenteuers, denn er erfährt, dass ER für etwas Großes vorhergesehen ist ...

Najaaaaaa. Hm. Ich weiß nicht. Ich versuche einfach einmal, etwas Positives zu sagen: Die Idee ist nett, und wenn der Autor eines kann, dann ist es Schreiben. Er weiß, wie man den Leser an die Seiten fesselt vom ersten bis zum letzten Satz. Und ein Psycho-Cop mit hellseherischen Fähigkeiten ist mal etwas anderes als ein Geisterjäger nach 1700 oder mehr Heftchen.

Aber irgendwie ... ach, vielleicht liegt es daran, dass wohl jeder Don Harris an John Sinclair messen will, und das ist einfach unmöglich, denn John ist Kult und unschlagbar. Oder vielleicht fehlt Don Wirklich der Pep. Während John mich schon nach wenigen Seiten damals bei meiner ersten Lektüre faszinierte, ringt Don mir eher ein schwaches Grinsen ab. John begeistert als Person. Männer wollen ihn zum Kumpel, Frauen als Held, Senioren als Schwiegersohn. Und Don. Hm, er ist eben Don, und er ist ganz nett, zumindest kann man nichts Gegenteiliges sagen. Aber er bleibt recht unpersönlich und farblos, finde ich. Er ist mir nicht greifbar genug, als dass ich mich für ihn begeistern könnte.

Das erste Buch las sich absolut flüssig, ich habe es in Nullkommanix verschlungen. Trotz des eben genannten Mankos. Jetzt im zweiten Band komme ich doch etwas ins Hängen, und wenn ich mich im Web umsehe stelle ich fest, dass es anderen Lesern ebenso ergeht. Zuviele Dialoge, zuwenig Action, und das passt einfach nicht zu dieser Art Heftchen / Buch. Zusehr zieht sich das in die Länge, was der Leser bereits weiß. Mag in anderen Büchern okay sein, aber für dieses Genre (Groschenroman, so ungern ich das sage) ist das einfach ungeeignet, das ist ein Stilmittel für einen gehobeneren Roman.

Und die erste CD des Hörspiels ... puh, ich war SEHR erstaunt. Und überrascht. Leider im Negativen. Die erste Sinclair-Reihe war prima, und die Auflage "John Sinclair 2000" ist einfach allererste Sahne. Mit grandiosen Stimmen wie Joachim Kerzel und vielen anderen bekannten Synchrosprechern aus TV und Hörbüchern. Tolle Musik, großartige Effekte, super Drehbuch. Und Don Harris dagegen, oh mann, hätte ich nicht gewusst, wer der Autor der Reihe ist, hätte ich auf ein billiges Do-it-Yourself Projekt getippt. Wäre es von ein paar Fans im Hobbykeller aufgenommen worden, mit simpelsten Effekten unterlegt, einem unbekannten, ungeübten aber halbwegs passablen Sprecher vorgetragen - dann wäre es okay, dann hätte es ein Lob von mir bekommen. Aber nachdem ich das Buch gelesen hatte und dann das Hörspiel einlegte, überkam mich das kalte Grausen. Was mag der Verlag sich DABEI bitte gedacht haben? Ich versuche wirklich, überall etwas Gutes zu finden und die Leute nicht abzuschrecken, sondern im Gegegenteil zum Lesen und Hören zu animieren, aber hier will mir partout nichts einfallen, ... das erste Hörspiel ist einfach grottenschlecht. So mies, dass ich wirklich ernsthaft überlege, ob ich mir das zweite überhaupt antun soll ...

Nein, Leute ... bleibt bei John Sinclair. Und wenn ihr was anderes wollt oder die Hefte schon zum zehnten Mal in der Hand haltet, nagut, dann schnuppert mal rein, wie Ihr den Psycho-Cop so findet. Aber lasst bloß die Finger vom Hörspiel! So eine grottige Produktion darf nicht auch noch unterstützt werden. Ich hoffe wirklich SEHR, dass eines Tages eine Neuauflage erscheinen wird mit neuen Sprechern, neuen Effekten, neuer Musik und neuem Skript ...

SaschaSalamander 18.07.2008, 14.40 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Relic

prestonchild_relic_150_1.jpgEin erfolgreicher Thriller, der sogar verfilmt wurde. Noch gut habe ich den Film in Erinnerung: sowas von grottig, dass es schon wieder gut war. Und Jahre später nun las (äh, Verzeihung: hörte) ich auch das Buch dazu. Weil das Autorenteam Preston und Child nämlich sehr bekannt ist und ich endlich einmal mitreden wollte ...

Das Museum of natural History in New York wird bald eine Ausstellung über das Thema Aberglaube eröffnen. Doch die Planungen hierzu werden überschattet von grausamen Mordfällen. Schrecklich zugerichtete Leichen mit geöffneter Schädeldecke und Kratzspuren am Körper werden gefunden. Da diese an eine andere Mordserie erinnern, schaltet sich neben der örtlichen Polizei auch das FBI ein, vertreten durch den Special Agent Pendergast. Immer näher rückt der Termin der Eröffnung, und noch immer gibt es keinerlei Hinweis auf den Täter oder wenigstens sein Motiv und sein Vorgehen. Im Gegenteil, immer seltsamer werden die Hinweise, welche der Agent und die Mitarbeiter des Museums herausfinden, und bald stellt sich die Frage, mit welcher Art Geschöpf sie es überhaupt zu tun haben ...

Doch, im Gegensatz zum Film hat das Buch mich wirklich absolut begeistert. Zugegeben, es war stellenweise sehr klischeehaft und vorhersehbar, aber darum geht es ja gar nicht. Und auch, dass ich anfangs mit den vielen Namen zu kämpfen hatte und mir nicht merken konnte, wer nun zu welcher Seite gehört, störte den Fluss kaum. Was mich begeisterte war die Lebendigkeit, mit der die Handlung und Charaktere geschildert sind. Ich sah das Museum vor mir, als wäre ich selbst schon dort gewesen, hatte klare Bilder vor meinem inneren Auge. Und auch, wenn ich durch Spoiler und den Film bereits wusste, worauf es hinausläuft, war die Spannung trotzdem ungetrübt. Die Suche nach all den kleinen Hinweisen, das Nicht-Wahrhabenwollen dessen, was sie herausfinden, die persönlichen Intrigen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, das sorgte dafür, dass ich die ungekürzte Lesung in nur zwei Tagen beendet hatte!

Ab der Ausstellung allerdings ein kleines Manko: ich ging davon aus, die Eröffnung sei der Showdown, auf den alles hinausliefe. Dann allerdings zeigte sich, dass dies nur ein etwas größeres Highlight auf dem Weg zum Finale war und die Spanne zwischen den grausigen Ereignissen auf der Eröffnung hin zum endgültigen Sieg über die Bestie sich seeeeehr lange zog. Draußen vor dem Museum die Sondereinsatzkommandos, unter dem Museum die eine Gruppe der hochrangigen Gäste in den Abwasserkanälen, im Gewölbe des Museums der Special Agent mit den Mitarbeitern der Einrichtung. Diesen Part hätten die beiden Schreiberlinge dann doch deutlich kürzer fassen können *gähn* ...

Zudem kommt ein Aspekt hinzu, den ich dann doch sehr faszinierend fand. Nämlich Ökologie bzw Biologie. Stellenweise erinnerte mich das Buch ein wenig an Jurassic ParK, Beute (beides Crichton), den Schwarm (Schätzing) und ähnliche Öko-Thriller. Zwar stand dieser Aspekt nicht im Vordergrund, hatte jedoch einige spannenden Ansätze und Ideen auf Lager, im Gegensatz zu diesen Büchern zwar rein fiktiv, aber deswegen nicht minder interessant.

Gelesen wird dieser Roman von Tommi Piper. Wer wenig Hörbücher konsumiert, kennt ihn wohl am ehesten als die deutsche Stimme von Alf und wird entsprechend erst einmal etwas irritiert sein. Wer dagegen gerne und oft Krimis hört, wird mit diesem Namen eher knisternde Spannung und klasse vorgetragene Unterhaltung denken.

Freunden spannender Thriller kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen. Preston und Child gehören zu den Autoren, die man unbedingt gelesen haben sollte ...

SaschaSalamander 07.07.2008, 10.17 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

Bisher Spannung pur

prestonchild_relic_150_1.jpgEndlich einmal habe ich mich an den ersten Teil des Autorenduos Preston und Child gemacht. Den Film habe ich vor zig Jahren schon gesehen, aber jetzt bin ich doch mal gespannt, wie mir die Bücher der beiden Herren so zusagen. Etwa ein Viertel habe ich schon gehört, es klingt nicht schlecht, und es geht wirklich absolut zügig. Jau, die Geschichte ist mitreißend. Mit den ganzen Personen im Museum komme ich zwar nicht so ganz mit, aber das wird langsam. Ich bin sicher, bis kurz vor Ende werde ich wissen, wer wer ist. Abgesehen davon: jau, ich verstehe, warum diese Bücher so beliebt sind ... ist wirklich Spannung pur, und die Rezi wird bald folgen ...

SaschaSalamander 12.05.2008, 14.34 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Wolfsspur

whitfield_wolfsspur_150_1.jpgWie schon zuvor beschrieben, getraute ich mich nicht so recht, dieses Buch zu lesen, weil ich sehr hohe Erwartungen hatte und befürchtete, enttäuscht zu werden. Natürlich wagte ich mich dann doch an "Wolfsspur" und war nicht nur nicht enttäuscht, sondern bin nun sogar regelrecht begeistert! Ein Buch, das das Genre mal völlig neu angeht und dem ich nur wenige bis gar keine gleichwertigen Werke gegenüberstellen kann ...

Eine Welt, ähnlich der unseren. Eigentlich genau wie unsere. Unsere Zeit, unsere Gesellschaft. Mit einem Unterschied: fast alle Menschen sind Werwölfe, "Lykos", und nur ein paar wenige sind "Nons", oder auch "Glatthäute", wie sie von den Lykos abwertend genannt werden. Das Leben der Nons ist vorbestimmt, sie arbeiten bei ASÜLA, dem Amt zur ständigen Überwachung lykantropher Aktivitäten. Einmal im Monat gehen sie auf "Hundefang", das heißt, sie fangen "Luneure", herumstreunende Werwölfe. Eigentlich ist es Aufgabe der Bürger, sich in ihre Wohnungen oder Schutzbunker zu begeben und dort auf das Ende der Vollmondnacht zu warten, aber es kommt eben vor, dass einmal jemand den Bus verpasst, sich aus der Wohnung befreit oder gar absichtlich draußen bleibt. Und dafür gibt es ASÜLA. Unter anderem.

In einer dieser Nächte wurde Lola Mays Kollegen Johnny eine Hand abgebissen, und somit ist sein Schicksal besiegelt, ein Non, nur noch begrenzt arbeitsfähig. Lola hat nun die Aufgabe, den Lyko als dessen Anwältin zu vertreten, welcher Johnny dies antat. Doch schon bald darauf wird Johnny getötet. Mit einer Silberkugel! Lolas Praktikant Marty und sie werden von einer Gruppe lunierender Wölfe angegriffen, Marty durch ihr Versagen schwer von einem der Wesen verletzt. Und es geht weiter, denn allem Anschein nach hat es eine Gruppe auf die an dem Mordfall beteiligten Mitarbeiter abgesehen. Lola ermittelt, und ihre Fragen ziehen sie immer tiefer und tiefer hinein, ohne dass sie eigentlich wüsste, worin sie nun verwickelt ist ... und dann endlich begreift sie ...

WOW! Düster, dunkel und bedrohlich. Deprimierend, traurig und hoffnungslos. Wenn man etwas Unterhaltung für einen sonnigen Tag am Strand sucht, ein wenig seichte Literatur, dann sollte man diesen Roman besser nicht zur Hand nehmen. Denn Kit Whitfield führt uns in Abgründe. Die der geschilderten Welt, der Protagonistin, aber auch die des Lesers. Denn dieser fragt sich unweigerlich, wie er reagieren würde, was er wohl täte und wiesehr er das Produkt seiner Umwelt ist. Und das Ergebnis ist kein angenehmes ...

Es wird nicht jedem leichtfallen, sich in die Charaktere hineinzuversetzen, denn auch wenn die Welt unserer sosehr gleicht, so ist die doch völlig anders. Sich in Lolas Welt zu begeben erfordert Mut. Denn sie ist eine starke Frau, die in einer kalten, rücksichtslosen Welt lebt. Und die lernte, ebenfalls kalt und rücksichtslos zu sein, um zu überleben. Nur schwer kann sie sich öffnen, als sie Paul kennenlernt, ihre Seele trägt noch mehr Narben als ihr von den Einsätzen im Hundefang gezeichneter Körper. Und endlich hat sich der Leser mit ihr in seine schützenden Arme begeben, schon wird er brutal in die "Realität" aus Rassismus und Diskriminierung zurückgeworfen, in die Welt, in der jeder seinen Platz hat ...

Das Buch bietet keine actionreichen Verfolgungsjagden und blutigen Metzeleien. Die Autorin hätte bei diesem Stoff die Möglichkeit, aber sie nutzt andere Mittel, den Leser zu fesseln. Horror ist mehr als nur Blut und Adrenalin. Horror ... das ist Erkenntnis, Wissen und eine unumstößliche Wahrheit ...

Langsam, träge, aber keiensfalls langweilig zieht sich die Handlung dahin. Geschrieben aus Lolas Erleben heraus, ihrem eigenen Rhythmus folgend, der immer langsamer, apathischer wird. Sie will nicht mehr, kann nicht mehr, muss durchhalten, muss überleben, aber wofür?

Der Leser wird nach und nach in diese Welt eingeführt. Es gibt keine Erklärungen, sondern anhand von Gesprächen, Gedanken und Ereignissen erfährt man schrittweise, wie das Leben zwischen Nons und Lykos abläuft, wie ASÜLA aufgebaut ist und welche Funktionen die einzelnen Menschen dort haben. Man erfährt vom Alltag der einzelnen Parteien. Erziehung, Religion, Ernährung, Arbeit, medizinische Versorgung, Bildung, es ist eine Zweiklassengesellschaft. Und natürlich spielt dieses Buch in einer fiktiven Welt, und natürlich ist es deutlich überzeichnet, aber gerade dadurch wird dem Leser bewusst, wiesehr diese Welt der unseren ähnelt ...

Ich könnte noch so viel über das Buch schreiben, Stunde um Stunde darüber diskutieren, es zerlegen, analysieren. Aber was brächte das, wem könnte ich es damit näherbringen? Nein, ich möchte es jetzt bei dem belassen, was ich bereits geschrieben habe. Und es kurz zusammenfassen:

"Wolfsspur" ist vordergründig ein Werwolfroman, im Grunde jedoch nichts anderes als eine deprimierende Dystopie, welche ihre Leser vermutlich in zwei Parteien spaltet. Wer einen knallharten Actionthriller will, der ist hier falsch. Wer dagegen bereit ist, sich in lockerem, flüssigem und packendem Erzählstil langsam tief hinab in eine düstere Welt zu begeben, ohne daran zu verzweifeln, der bekommt einen großartigen Roman, wie er ihn bisher nur selten gelesen hat. Ich wage ihn auf eine Stufe mit Huxleys "schöne neue Welt" oder Orwells "1984" zu stellen ...

SaschaSalamander 23.04.2008, 10.07 | (0/0) Kommentare | PL

Necroscope 01 Das Erwachen

Ich wollte mal wieder etwas Besonderes hören. Etwas Wegweisendes. Etwas, das kein Krimi oder Drama oder Roman nach 0815 Strickmuster ist. Und ich hatte mal wieder Lust auf Vampire. Gerade in diesem Genre gibt es ja inzwischen soviel Literatur, dass es kaum noch Spaß macht, diese zu lesen. Nachdem ich vor einiger Zeit die frechen Bücher um die Vampirkönigin wider Willen, >Betsy Taylor<, gelesen habe, kam ich über diese Umwege auf das Genre der erotischen Vampirliteratur. Anne Rice verkörpert eher die romantische Ader, Bram Stoker das Gruslige darin, beides nett, aber irgendwann immer gleich. Also habe ich mir Bücher von L. Hamilton und S. Henke geholt, die angeblich recht prickelnd sein sollen. Und weil man das nicht hören kann, gibts auf die Ohren Brian Lumleys Necroscope. Auch bezeichnet als "die ultimative Vampirsaga" ...

Ich muss zugeben, dass ich bei den Romanen nicht ganz den Überblick habe. Mehrere Bände der englischen Megasaga (soviel zu lesen, puh, da muss man wirklich so verrückt sein wie ich oder andere Leseratten. Wer mit dem Herrn der Ringe überfordert ist, sollte mit dieser zigfach längeren Reihe gar nicht erst anfangen) sind auf einen Band im Deutschen verteilt, und dann gibt es da noch die Hörbücher. Ob es jetzt schon fertig ist oder nicht, ob es weitergehen wird, ach, darüber informiere ich mich bei nächster Gelegenheit einmal. Vorerst habe ich acht Hörbücher von jeweils sieben oder acht CDs, und DAS will erst mal gehört werden ...

Eine Inhaltsangabe ohne Spoiler ist über den ersten Teil des Hörbuches, "Das Erwachen" nicht möglich. Denn die Saga ist lang, unendlich lang, und beinhaltet eine komplette Geschichte, die im ersten Band ihren Anfang nimmt. Würde ich mich kurzfassen wollen, ohne zu spoilern, müsste ich sagen "Es geht um einen Nekromanten, der in seiner Heimat nach einem alten Vampyr sucht und um einen kleinen Jungen, der seine Gabe zum Nekroscopen entdeckt" ... aber damit wäre den acht CDs kaum Genüge getan. Da diese acht CDs den Einstieg in eine wirklich riesige Saga darstellen und meine Worte kaum die Spannung aus diesem Werk nehmen können, werde ich also trotzdem erzählen, worum es hier geht:

Es werden zwei Handlungsstränge erzählt. Zum einen die Geschichte von Dragosani, der in seine alte Heimat reist und in einem Hotel nächtigt. Von dort aus möchte er ein uraltes Grab aufsuchen, in welchem der seit 500 Jahren untote Vampyr haust. Es wird erzählt, wie er diesem Wesen als Kind begegnete, von ihm die Gabe der Nekromantie erhielt (das Wissen toter Menschen und Tiere in sich aufnehmen, indem er deren Überreste mit allen Sinnen untersucht, was eine recht unappettitliche Angelegenheit ist). Boris Dragosani ist ein Findelkind, ausgesetzt, und vom Vampyr erfährt er über seine leiblichen Eltern, Zigeuner im rumänischen Siebenbürgen, aus der Wallachei ... aufgewachsen hier und dort, erste sexuelle Erlebnisse, die ihn traumatisieren, sein Aufstieg in den Staatsdienst.

Der andere Strang erzählt von Harry Keogh. Kleiner, unscheinbarer Schüler, recht durchschnittlich in seinen Leistungen. Prügelknabe, Sündenbock. Waisenkind, aufgewachsen bei seinem Onkel. Er beobachtet bei einem Schulausflug Lehrer und Lehrerin bei ihren erotischen Eskapaden und macht erste eigene Erfahrungen mit seinem eigenen Körper. Der Leser wird Zeuge seines Erwachsenwerdens, und auch dem Lehrer fällt auf, wiesehr der Junge sich zu ändern scheint. Bisher in Mathematik nur schlechte Leistungen, scheint er auf einmal ein besonderes Talent zu entwickeln. Formeln sind ihm egal, aber eine natürliche Gabe, den Inhalt der Aufgaben intuitiv zu erfassen erwächst in ihm. Der Lehrer, Hennand, fördert ihn, sorgt für seine Aufnahme an einer hohen Fachschule. Harry ist ihm unheimlich, ähnelt sein Blick, sein Wissen doch sosehr dem des alten Hennand Senior, welcher vor vielen Jahren verstarb und der ebenfalls Lehrer für Mathematik war, mit einer natürlichen Gabe, welche sein Sohn niemals erreichen wird ... und Harry verbirgt sein Geheimnis, denn niemand würde ihm glauben, dass die Toten zu ihm sprechen, wenn er sich zu ihnen begibt ...

dies in groben Zügen der Inhalt des ersten Buches. Ungekürzte Lesung (inszeniert, wie auf dem Cover steht, was jedoch nicht stimmt, den Musik zu Beginn und Ende eines Kapitels ist keine Inszenierung. Aber das macht nichts, Kerzel alleine ist ein Abenteuer für sich!). Wie für ihn üblich zelebriert er die Sprache, ja sogar jedes einzelnen Wort. Er kostet es aus, wenn der Vampyr sein düsteres "aaaaaah" aus den Tiefen seiner dunklen Existenz heraus seufzt. Er liest die ersten erotischen Beobachtungen des jungen Harry ebenso begeistert wie die perversen Spiele, deren Zeuge Boris Dragosani unfreiwillig wird, und die Angst des kleinen Boris beim Untersuchen seines ersten toten Tieres ist ebenso spürbar wie die kalte, abgestumpfte Brutalität, mit der der erwachsene Dragosani in den Eingeweiden seines zu lesenden Materiales wühlt. Erotik, Perversion, Angst, Gewalt, Blutdurst, Waten in tiefem Blut, ein zarter Kuss, die unschuldige Liebe eines noch reinen Paares, für ihn sind keine Emotionen fremd, und alles liest er, als gäbe es kein Gestern, kein Heute, kein Morgen, Kerzel zelebriert den Augenblick, wie es nur er kann. >Eigenen Aussagen< zufolge ist das Genre Phantastik und Horror nicht so sein Gebiet ("denn man bekommt ja Albträume davon, wie von zu schwerem Essen"), doch davon merkt man ihm nichts an, er ist ein Könner seines Fachs!

In Necroscope wird der Vampyr einmal von einer anderen Seite beleuchtet. Da ist er nicht der düstere Graf, welcher sich bei Vollmond in eine Fledermaus verwandelt, in die Gemächer zarter Jungfrauen eindringt und diese blutleer zurücklässt. Da ist er nicht der jahrhundertealte Lebemann, welcher Jahrhunderte überdauert, immer am Puls der Zeit, Nachtmensch, Frauenheld und romantischer, melancholischer Beau. Auch kein erotisches Geschöpf oder gar moderner Blutsauger. Nein, hier ist er der urtümlichste aller Vampyre (man beachte auch die Schreibweise, Whampyr oder Vampyr), ein blutgieriger Feldherr, der im Krieg seine Feinde scharenweise niederschlachtete, im Angesicht der Feinde durch deren Blut watete. Sex, Blut, Gewalt, Gier, Lust, Brutalität, Perversion. Finsternis und Hölle. Ein Geschöpf Scheitans, des ersten Vampyr uralter Legenden. Wer Necroscope liest, der braucht in der Tat einen guten Magen und sollte zuvor nicht gerade gegessen haben, denn Brian Lumley jagt den Leser schonungslos von einer grausigen Szene zur nächsten, bevor er ihn ab und zu für ein kurzes Kapitel aufatmen lässt.

Die Geschichte ist großartig erzählt. Alles, was eine atemberaubende Story braucht, ist enthalten. Religion und uraltes Wissen, die Weiheit der Generationen. Arm gegen Reich, Waisenkind, Findelkind, hoher Gelehrter, Staatsdiener, mächtige Genossen der Partei. Sex von unschuldig und rein bis hin zu grausam und brutal. Geheimnisse, mystische Zauber, jahrhundertealte Legenden. Ein Wechsel aus mitreißenden, actionreichen, atemberaubenden Sequenzen und gemütlichen, leichten Erzählungen. Jeder Abschnitt endet mit einem Cliffhanger, der den Leser sofort weiterblättern lässt. Man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen, die Kopfhörer nicht mehr aus dem Ohr nehmen, man will wissen, wie es weitergeht. Der Zuschauer an der Polizeiabsperrung, der nicht hinsehen kann, weil es zu grausig ist, was er am Unfallort sieht, und doch muss er den Blick auf das Opfer richten und will sehen, wie die Feuerwehr als nächtes vorgeht, ... so fühlt man sich bei Lumley: Willenloser Zuschauer, Gaffer, Opfer des Anblicks. Kein Buch für schwache Nerven. Genau das Richtige für Vampirfans, denen normale Vampirkost zu schwach ist ... genau das Richtige für die, die Gewalt einmal als das vermeintlich Natürlichste auf der Welt erleben wollen ... genau das Richtige für diejenigen, denen die immer gleichen Geschichten von King und Koontz einfach nicht mehr genügen ...

Ach ja, Nachtrag, weil ich vergaß zu erwähnen: was mich an Horrorliteratur häufig stört, ist eine vulgäre Sprache. Ich mag diese plumpen Worte nicht. Und umso mehr bin ich von Lumley begeistert, der es meisterlich versteht (oder zumindest sein Übersetzer ins Deutsche), die Dinge beim Namen zu nennen, ohne sich derber Fäkalsprache zu bedienen ... eine Gabe in diesem Genre leider viel zu selten beherrscht wird ...

>Wiki zu Joachim Kerzel<

SaschaSalamander 04.02.2008, 10.00 | (4/2) Kommentare (RSS) | PL

Zimmer 1408

1408_150.jpgMark Enslin ist Romanautor und schreibt "Fach"bücher über gruslige Orte, zuletzt über spukende Hotelzimmer. Klar, dass er von den Objekten immer enttäuscht ist. Er nimmt die Sache nicht wirklich ernst, macht sich seinen Spaß aus Hotelgästen und Fans. Plötzlich eine Postkarte zwischen seinen Briefen, er dürfe keinesfalls das Zimmer 1408 im Dolphin Hotel aufsuchen. Und was macht man in so einer Situation - klar, man sucht als erstes das Zimmer 1408 im Dolphin Hotel auf. Doch der Hotelmanager verwehrt ihm die Buchung. Nicht heute, nicht morgen, niemals! Enslin lässt nicht locker, und so droht der Verleger dem Hotel mit einer Klage. Also erklärt der Manager dem Autor, dass noch niemand länger als eine Stunde überlebt habe. 56 grausame Tode habe es bereits gegeben, von den regulären Todesfällen ganz zu schweigen, hier eine Mappe mit den Unterlagen, er könne sie ja mal ansehen. Enslin lässt sich nicht von dem Vorhaben abbringen und will dennoch eine Nacht dort verbringen. Er checkt ein, spricht lässig in sein Diktiergerät ("8 Dollar für Erdnüsse und Bier - hey, dieses Zimmer IST gruslig") und erlebt bald die erste Überraschung in Zimmer 1408 ...

Och, ja, kann nicht klagen. Funkel kam aus der Videothek zurück und meinte, der sei klasse. Na, ich weiß nicht. Meine King - Phase ist schon lange vorbei. Zu brutal die einen, zu langweilig die anderen. Ein paar gute Bücher und Filme, aber nix mehr, das mich reizt. Hab ihn mir trotzdem angeguckt, hatte grade Zeit. Und ich muss sagen, dass es mal wieder ein richtig guter King in alter Manier war ...

Ein einziger Raum, ein einziger Schauspieler, und der Rest - Einbildung? Wahnvorstellungen? Übersinnliche und geisterhafte Erscheinungen? Grausige Realität oder nur seltsame Halluzinationen? Was es mit dem Zimmer nun auf sich hat, wer die anderen Toten waren, wieso und warum und wer und überhaupt, das kommt nicht zur Sprache. In diesem Film zählt einfach nur "dass" ... sowas mag ich. Filme, die mit einem knappen Plot auskommen und sich mit einer oder sehr wenigen Personen abspielen. Cube, Shining, Nothing, Subject Two und andere. Klasse, gefällt mir sehr!

Und wirklich ordentlich gemacht, John Cusack als Mark Enslin kann prima überzeugen. Arrogant, selbstgefällig, egoistisch und dann auf einmal ziemlich kleinlaut, aber immer noch der verwegene Kämpfer in ihm, so leicht gibt er nicht auf. Nicht einmal seine tote Tochter und sein verstorbener Vater können es mit ihm aufnehmen, oder ist Enslin nun völlig durchgedreht? Mindfuck wirklich erster Güte.

Ach ja, Samuel L Jackson als Hotelmanager und Tony Shalboub (Mr. Monk) als Verleger habe eine nette kleine Nebenrolle. Wirklich prima :-)

Okayokay, der Film ist im etwas altertümlichen Stil aufgemacht. Und grade das gefällt mir sehr. Altes Hotel, biedere Möbel, Teppiche, Gemälde an den Wänden. Hübsch gemacht, wie dann die Bude langsam verfällt, überflutet wird, Blut aus den Wänden tropft (keine Bange, ist das einzige Blut im Film, ansonsten läuft es ohne Geister, Zombies oder Blut ab), vereist und überhitzt. Ein Setting, viele verschiedene Möglichkeiten. Habbich schon erwähnt, dass mir so etwas meist besser gefällt als aufwändige Staffage, haufenweise Schauspieler und Candy für alle Sinne?

"Zimmer 1408" ist einer der Filme, deretwegen man danach keinesfalls Angst im Dunkeln hat. Wozu auch. Denn das Böse lauert hinter der Banalität des Alltags. Kam da gerade ein seltsames Geräusch aus der Nachbarwohnung? Lag dieser Gegenstand tatsächlich vorhin schon genauso da wie gerade eben? Und ist all dies hier überhaupt real?

Ein King, frisch auf DVD gepresst, den ich jedem nur ans Herz legen kann, der alte Gruselfilme mag. Ohne Blut, ohne Gewalt, ohne Schockeffekt. Aber so schaurig, dass man nachts beim Schlafen das Licht anlässt ...

SaschaSalamander 12.12.2007, 21.49 | (0/0) Kommentare | PL

Black Sheep

schafe_150.jpgWie ich aufs Schaf kam, habe ich >hier< ja schon geschrieben. Und am gleichen Tag noch habe ich mir den Film angesehen. Konnte nicht anders, hat mich einfach zusehr gereizt. Und ich war begeistert!

Henry wurde von seinem Bruder Angus als Kind einmal böse mit einem geschlachteten Schaf erschreckt und ist seitdem traumatisiert, hat Angst vor Schafen. Er wird erwachsen, geht seiner eigenen Wege. Als seine Eltern sterben, muss er zurück zur Farm, um mit seinem Bruder das Vermächtnis zu klären. Er ist bereit, ihm seine Hälfte des Guts zu überschreiben. Doch es kommt alles ganz anders als geplant: Angus will neue Wege beschreiten und forscht unerlässlich nach neuen, besseren Schafen. Zwei Ökos sind gerade dabei, auf dem Gelände einzubrechen und ein Experiment aus dem dortigen Genlabor zu stehlen. Einer der beiden wird gebissen, die andere von Henry gestellt. Und damit beginnt das Chaos. Denn der Biss des Schafes lässt Menschen zu Schafen mutieren, und diese werden blutrünstig. Die "normalen" Schafe werden ebenfalls gebissen und gieren nun nach dem Gedärm ihrer Peiniger ...

Muahaha, ich lag fast auf dem Boden, der Film ist einfach zu gut! Naja, kommt drauf an. Es ist halt Geschmackssache, man muss schon einen extrem schrägen Humor haben und auf Filme wie "Bad Taste" oder "Braindead" stehen. Heißt, auf Filme mit recht wenig Handlung und dafür umso mehr blöden Sprüchen, schwarzem Humor, hektoliterweise Blut, jeder Menge Gedärm und Gemetzel. Mähtzelfilme gibt es viele, aber die meisten sind grottig. Um wirklich gut zu sein, braucht ein solcher Film das gewisse "Etwas", und dieser hier hat es ganz eindeutig, ...

Die Charaktere sind wunderbar skurill. Die lachende Oma, die sogar noch am Ende lacht, als die Situation schon längst eskaliert ist und sie eigentlich Angst haben müsste. Die verrückte Ökotante, der geldgierige skrupellose Bruder, der Jammerlapen Henry der zum Held wird. Und natürlich das obligatorisches böse Ding, in dem Fall Babyschaf: lang, kriechend, nackt, glitschig, undefinierbar und mit einem langen Maul voll spitzer Zähne *hihi* ... Alien, Rattenaffe oder Lamm, sie sehen doch alle gleich aus ...

Überhaupt, es ist genial, wie dieser Film die Gratwanderung schafft: genügend Klischees, um grottig zu sein, aber entsprechend originelle Abweichungen, um dann trotzdem zu überraschen und gefallen. Der vermeintlich tote Endgegner, das Feuer zum Showdown, das Steckenbleiben im Schlamm während der Flucht, die Kettensägenmähtzelei, die langsamen (Hauptcharakter) und schnellen (Nebencharaktere) Mutationen. Und trotzdem immer ein Tick anders. Wer will schon mutierte, hirnlose Zombies, knuddlige Killerschafe sind gerade in! Und wenn schon Kettensäge, dann bitte in den Händen eines durchgeknallten Ökoschafes!

Dazu seufzen elegant die Violinen, untermalen mit harmonischen Klängen das Gemähtzel, es fidelt und geigt und blökt und stirbt. Ein Widerspruch, wie er besser kaum gemacht werden könnte!

Naja, wie gesagt: man mag ihn, oder man mag ihn nicht. Irgendwo ist dieser Film auch krank. Aber sind das "From Dusk till dawn" und "Armee der Finsternis" trotz ihres Kultstatus nicht auch? ;-)

SaschaSalamander 17.10.2007, 13.27 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Der Dunkle Turm 01

King les ich recht gemischt. Manche Bücher sind ein meinen Augen Kunstwerke, andere lassen mich völlig kalt. Manche sind einfach nett. "Needful Things" und "Stark" werden wohl immer meine Favoriten bleiben, vor "Langoliers" und "The Stand" werde ich mich noch in 20 Jahren gruseln, und der Clown Pennywise ist einfach Kult. Derzeit versuche ich mich am ersten Band der Serie um den Dunklen Turm, das Buch, welches er selbst als sein Lebenswerk bezeichnet. Aber ich will und will einfach nicht in den Text reinkommen. Ich finde es unglaublich öde, wie dieser Revolvermann durch die Wüste rennt und den Typen in Schwarz verfolgt. Wird das irgendwann noch spannend?

Wie ging es Euch mit diesem Buch? Hat es Euch gefallen? Wird es spannender oder fandet Ihr es von Beginn an spannend? Habt Ihr es gelesen oder habt es noch vor Euch?

SaschaSalamander 14.04.2007, 16.17 | (3/3) Kommentare (RSS) | PL

Einträge ges.: 3526
ø pro Tag: 0,7
Kommentare: 2751
ø pro Eintrag: 0,8
Online seit dem: 21.04.2005
in Tagen: 5319
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3