SaschaSalamander
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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Queer

Alpha2

Klappentext: Das Leben eines Werwolfes ist nicht einfach - vor allem dann nicht, wenn man seinen eigenen Artgenossen lieber aus dem Weg geht. Clive muss sich nach seinem Umzug in die neue Stadt nicht nur mit dem ortsansässigen Rudel herumschlagen, sondern auch mit einer Begegnung, die sein Leben auf den Kopf stellen wird: Er trifft Werwolf Quinn im Wald. Und Quinn besitzt zwei Merkmale, auf die Clive besonders extrem reagiert, er ist männlich und ein ausgeprägtes Alphatier - was den Wolf in Clive in furiose Aufgeregtheit versetzt. 

Die Zeichnungen stammen von >Kamineo<, die Story aus der Feder von Kamoi. Über die Autorin kann ich nicht viel erzählen, sie ist mir völlig neu. Was ich jedoch herausgefunden habe: der Manga erschien ursprünglich im Verlag Schwarzer Turm und bestand aus drei Teilen. Carlsen hat die drei recht dünnen Heftchen nun zu einem gesammelten Band von 196 Seiten zusammengefasst. 

Ich habe im Laden lange überlegt, ob ich den Mange kaufen soll. Werwölfe sind kein neues Thema, und die Zeichnungen wirkten nicht unbedingt ansprechend auf mich. Beim Blättern allerdings habe ich sehr viele Momente gefunden, in denen ich herzlich lachen musste, und die Bilder strahlen eine Herzlichkeit aus, die mich sofort berührte. Ich musste Alpha2 unbedingt lesen! Und ich habe es nicht bereut. 

Der Zeichenstil ist sehr schlicht, Kamineo hält sich nicht lange mit unnötigen Hintergründen auf. Die Panels sind sehr übersichtlich, sowohl in der Anordnung als auch in ihrer Füllung. Dadurch reduziert sich der Mang auf das Wesentliche: die beiden Protagonisten, sei es in ihrer menschlichen oder tierischen Gestalt. 

Ich gebe zu, dass die Darstellung der Menschen mir wenig zusagt, allein der Zeichnungen wegen hätte ich den Manga nicht gekauft. Trotzdem dauerte es nur wenige Seiten, bis die Zeichnerin mich in ihren Bann gezogen hatte. Die Figuren strahlen sehr viel Emotion aus, die Körpersprache ist sehr dynamisch und aussagekräftig. Mir gefällt auch, dass die Männer einmal nach echten Männern aussehen, mit Brusthaar und gepflegtem Intimbereich. Dicker Pluspunkt :-)

Wenn es mit der Darstellung realistischer Menschen gelegentlich in Proportion und Optik ein wenig hapert, sind die Chibis dafür umso witziger. Ich habe sehr oft gelacht, und allein durch die süßen Momente zwischen den Minicharakteren hat der Manga sich einen Platz in meinem Regal gesichert. 

Das Storytelling bedarf noch ein wenig der Übung. Einzelne Momente werden sehr lange ausgedehnt, wohingegen wichtige Aspekte nicht im Manga dargestellt sondern in ein, zwei Sätzen kurz erklärt werden. Wichtige Punkte der Begegnung zwischen Clive und Quinn werden gar nicht erst beschrieben sondern muss der Leser sich selbst zusammenreimen. Kamineo legt den Schwerpunkt eindeutig nicht auf die Entwicklung der Handlung sondern die Darstellung der Dynamik zwischen den einzelnen Figuren.

Alles in allem ein Manga, bei dem ich sehr, sehr gerne über einige Schwächen hinwegsehe und den ich auch sofort anderen in die Hand gedrückt habe mit der Aussage "hier, das MUSST Du lesen!". Und das möchte ich auch hier im Blog weitergeben: "Los, lesen! Absolut süß!" :-)

SaschaSalamander 26.03.2014, 08.51 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Vanilla Star

VANILLA STAR von Kana Miyamoto ist ein klassischer Boys-Love mit einem ebenso klassischen Thema. Pretty Woman goes Yaoi. Takahashi verliebt sich in Yuu, dessen Porno-Video er gesehen hat, und über Umwege und einen im Internet versierten Freund kommt er auch an dessen Telefonnummer, bucht ihn für zwei Stunden Eskort und verliebt sich. Auch bei Yuu hat es gefunkt, aber der Junge ist schüchtern, seine Vergangenheit ist ihm unangenehm. 

Eine ausführliche, lange Rezi dazu möchte ich nicht tippen, aber kurz vorstellen kann ich ihn ja trotzdem, auch für mich später zur Erinnerung, wie ich ihn fand ;-)

Ich denke, ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass alles happy und Friede Freude Eierkuchen ist. Ganz klassisch eben. wirklich etwas Innovatives sollte man nicht erwarten, hatte ich auch nicht. Es ist ein süßer Manga für zwischendurch mit einer Story, die nicht gerade unglaublich zu Herzen geht oder großartig überrascht, aber trotzdem sehr nett erzählt ist und zu gefallen weiß. 

Die Zeichnungen sind eher simpel gehalten, von einem Meisterwerk würde ich nicht reden. Aber sie sind nett anzusehen, bieten hübsche junge Männer fürs Auge und passen gut zur simplen aber herzlichen Story. 

Zum Abschluss noch eine kleine Zusatzgeschichte rund um die Protas und eine eigene kleine Kurzgeschichte um einen Schmuckmacher, beides hat mich weniger gereizt, dürfte aber durchaus seine Fans finden.

Alles in allem also ein netter, leichter Manga für zwischendurch, der mich für kurze Zeit gut unterhalten hat. Nichts, was lange im Gedächtnis bleibt oder die Welt verändert, aber genau richtig für einen gemütlichen Abend auf dem Sofa, um ein wenig zu träumen :-)

Wertung: 5,7 von 10 Modellknetfiguren

SaschaSalamander 12.02.2014, 08.36 | (0/0) Kommentare | PL

Schräge Bettgesellen

Vincent hat nach der Scheidung Probleme mit der Steuerbehörde. Als er liest, dass gleichgeschlechtliche Paare eine Steuerbefreiung erhalten sollen, hat er eine vermeintlich geniale Idee: er will seinen Kumpel und langjährigen Freund Ralph heiraten. Dieser ist verständlicherweise wenig davon angetan. Aber was tut man nicht alles für seinen besten Freund ... der Versuch, es in dem verschlafenen, konservativen Örtchen Yakandandah geheimzuhalten, misslingt. Und dann kommt auch noch ein Prüfer, der kontrollieren soll, ob es eine echte Beziehung ist oder sich um Betrug handelt. Da ist guter Rat teuer - wie soll man so schnell plötzlich schwul werden? 

Mit Paul Hogan und Michael Caton hat man zwei wirklich hervorragende Schauspieler gewählt, die das Dilemma sehr gut verkörpern. Zwei ordentliche, maskuline Kerle, bärbeißig und raubeinig, sympathisch in ihrer brummigen Art. Hier wird viel mit Äußerlichkeiten und Klischees gespielt, doch sie werden nicht plakativ aufgezeigt sondern oft subtil unterwandert und ins Gegenteil verkehrt. Je schwuler die beiden sein wollen, desto aufgesetzter wirkt alles, und desto deutlicher wird dem Zuschauer, dass genau das es eigentlich gar nicht sein kann. Männerfreundschaften erscheinen in einem neuen Licht, und am Ende wird plötzlich klar, worauf es eigentlich ankommt. 

Ein Schenkelklopfer ist SCHRÄGE BETTGESELLEN nicht, es veranlasst eher zum Schmunzeln, manchmal hintergründig manchmal direkt. Sätze wie "schwul wie ein Sack voller Schmetterlinge" oder "schlimm ist nicht, dass ich für schwul gehalten werde, sondern dass die Leute glauben, ich wäre mit DIR zusammen" sorgen für Lachen nicht über sondern mit den Beteiligten. 

Inhaltlich ist die Story sogar recht vorhersehbar, die Komödie ist klassisch aufgebaut. Aber das stört nicht, es ist eben eine angenehm leichte Unterhaltung. Ein Film über Liebe, den Zusammenhalt eines Dorfes und vor allem den Kern echter Freundschaft. 

Wertung: 6 von 10 Plüschteddies

(Anmerkung: und wieder zeigt dieser Film, dass die Bewertung nicht unbedingt aussagekräftig ist. Es ist kein Highlight, man hätte mehr daraus machen können, er bleibt deutlich unter seinen Möglichkeiten, mehr war nicht drin. Trotzdem hat die DVD es sofort in mein Regal geschafft. Obwohl er simpel und vorhersehbar ist, obwohl er nicht wirklich Tiefgang hat, der Film hat einfach Charme. Es ist nett, ihn mehrfach zu sehen, nicht wegen der Story sondern wegen der sympathischen Charaktere und des angenehm stillen Humors)

SaschaSalamander 03.09.2013, 08.48 | (0/0) Kommentare | PL

Ins Kleidchen gezwungen

stepford_kleidchen.jpgNach dem Tod seines Vaters übernimmt Christian die Führung der kleinen Firma. Um die Geschäfte anzukurbeln, besucht er seine Familie im (fiktiven) Staat Missiona. Dort angekommen soll er erst einmal einen Test absolvieren, und danach wird sein Leben komplett umgekrempelt. Denn der Test ergibt, dass Christians Naturell vielmehr dem einer einfachen Hausfrau denn dem eines Geschäftsmannes entspricht! Also wird er - zu seinem eigenen Besten - gewandelt und auf eine Schule für frisch umoperierte Frauen geschickt. Während Christine nun also auf ihr neues Leben als Ehefrau, Hausfrau und Mutter vorbereitet wird, ziehen im Hintergrund korrupte Geschäftsleute die Fäden. Und dann ist da noch ein Reporter, der brisante Informationen herausgefunden hat, die belegen, dass der Test nicht immer nur zum Besten der Probanden geschieht ...

Sprachlich ist das Buch sehr einfach gehalten, es lässt sich flüssig und schnell lesen, ohne über komplizierte Konstrukte zu stolpern. Das macht es zu einer unterhaltsamen Lektüre für zwischendurch. Die gelegentliche Umgangssprache ist eher ungewöhnlich, was ich jedoch als angenehm empfand, da es zum unkonventionellen Stil des Romanes passt und beim Lesen eine gewisse Sicherheit vermittelt: der Autor vermittelt gekonnt die alltägliche, scheinbar normale Fassade, hinter der das wahre Grauen lauert. Denn die Umwandlung geschieht nicht immer zum Besten der Betroffenen, im Laufe der Handlung kommen immer mehr Einzelheiten des Tests, seiner Strippenzieher und Intrigen zutage. Der Widerspruch aus kleinbürgerlichem Äußeren und den wahren Hintergründen wirkt umso erschreckender, je drastischer die Gegensätze aufgezeigt werden.

INS KLEIDCHEN GEZWUNGEN verspricht vor der Lektüre bereits eine Genderthematik, außerdem klingt es nach einem dystopischen Thriller. Dominanz/Unterwerfung und SM spielen bei der Erziehung an der Schule ebenfalls eine Rolle. Auch Aspekte eines Wissenschafts- und Politthrillers werden angedeutet. Es fließt auch eine gewisse Gesellschaftskritik ein, die zwar nicht im Vordergrund steht aber doch immer wieder durchblitzt. Und natürlich ist da noch das überstilisierte Frauenbild, ebenfalls sehr kritisch beleuchtet und markant in Szene gesetzt. Das ist ziemlich viel für gerade einmal 192 Seiten, und genau das ist die große Stärke aber auch unübersehbare Schwäche des Buches:

Da kein klares Genre erkennbar ist, ist es nicht vorhersehbar. Erwartet den Leser ein Happy End, oder eskaliert die Situation ohne Möglichkeit der Wiedergutmachung? Wie hängen die einzelnen Handlungsfäden zusammen, und was wird mit Christine am Ende geschehen? Ich habe das Buch sehr schnell verschlungen, da ich es kaum erwarten konnte, zum nächsten Kapitel überzugehen und endlich mehr zu erfahren.

Es werden sexuelle (weniger erotische) Inhalte angesprochen, doch diese werden meistens eher angedeutet, sodass viel der Phantasie des Lesers überlassen bleibt. Das Thema der Umwandlung des Mannes in die Frau nimmt weniger Platz ein, als man eigentlich erwarten sollte. Das Innenleben der Charaktere wird nicht wirklich aufgezeigt, sodass der Leser eher ein Beobachter ist und die wahren Eindrücke Christians / Christines nicht erfährt. Dafür werden Zusammenhänge und Hintergründe des Tests umso genauer beleuchtet.

Was mich überraschte war der Anteil an ... nun ja, ich möchte beinahe sagen "Horror", der in diesem Buch kam. Ja, doch, Horror, denn dieser muss nicht immer blutig sein, man denke an die perfekten Frauen aus Stepford, so perfekt, dass es regelrecht unheimlich ist. Der Mann bestimmt, lenkt, führt, teilt das Geld ein, geht zur Arbeit, die Frau kümmert sich um Küche und Kinder und Haushalt. Und zur Krönung - zieht die Schwiegermutter zu ihrem Sohn *schauder*. DAS war der Moment, als es mir eiskalt den Rücken hinunterlief ;-)

Bei all diesen Stärken nun auch das, was ich etwas schade fand: das Buch hätte gerne doppelt so dick sein können. Entweder einige der Themen herausnehmen und die übrigen Inhalte etwas ausbauen, oder das Buch verlängern und allem etwas mehr Tiefe und Komplexität verleihen. Es wirkt stellenweise eher wie ein Gerüst als wie ein vollständiges Buch. Viele Dinge bleiben ungesagt, ich hätte gerne mehr erfahren über die Umwandlung und das innere Erleben der Protagonistin. Auch wäre es in kleinen Andeutungen und Nebensätzen interessant gewesen, worin der Staat Missiona sich noch von unserer aktuellen Gegenwart und Gesetzgebung unterscheidet. In Idee und Aufbau hat das Buch das Potential zu einem grandiosen dystopischen Thriller, hat jedoch leider einiges an Möglichkeiten verschenkt.

INS KLEIDCHEN GEZWUNGEN ist alles in allem also ein Buch, das weniger auf Recherche und Genauigkeit baut, dem man aber eines ganz deutlich merkt: der Autor hatte großen Spaß beim Schreiben, die Themen liegen ihm am Herzen. Und diese Faszination, diese Begeisterung überträgt sich von der ersten Seite an auf den Leser. Wer das Buch liest, wird auf der letzten Seite überrascht und enttäuscht sein, Missiona und seine Bewohner wieder verlassen zu müssen ;-)

Wertung: 7 von 10 Testergebnisse

SaschaSalamander 20.08.2013, 16.16 | (0/0) Kommentare | PL

Love Flag Girls

Während der Manga-Markt mit Yaoi bzw Shonen Ai momentan geradezu überschwemmt wird, lässt die Liebe unter Frauen noch auf sich warten. Yuri bzw Shojo-Ai nennt man das Genre, und außer >BLUE FRIEND<, UTENA, HIGHSCHOOL-GIRLS oder den Klassikern von Satoshi Urushihara fällt mir kaum etwas ein. Schön, dass mit LOVE FLAG GIRLS von Itsumi Takahashi ein weiterer Titel erschienen ist. Und noch schöner, dass es ein One-Shot ist, keine Endlosreihe und auch keine zig Kurzgeschichten, sondern wirklich genau einen gesamten Band lang.

Klappentext: Die süße Prinzessin Lucia sucht das verschollene Kruzifix ihrer Mutter und heuert auf einem Piratenschiff an, da sie das Schuckstück dort vermutet. Die freche Piratin Eliana hat auf dem Schiff das Kommando und kümmert sich sofort besonders eifrig um den hübschen Neuzugang. Schon bald ist Lucia völlig hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen für Eliana, dem rauen Leben auf See und ihrer ursprünglichen Suche nach dem Kruzifix.

Die Beschreibung des Inhalts auf dem Klappentext ist weit mehr, als eigentlich dahinter steckt. Die Handlung ist im Grunde nur ein Alibi für tonnenweise Slapstick, niedliche Gesichtlein, Chibis und vor allem sexuelle Handlungen zwischen den beiden Mädels. Dennoch würde ich den Manga weniger als erotisch denn vielmehr als Love-Comedy bezeichnen, da selbst in den "zweisamen" Momenten der Humor trotz der geballten Ladung weiblicher Sexualität überwiegt.

Die Charaktere sind zu vernachlässigen. Sie haben zwar jeweils eine oder zwei besondere Merkmale, sind insgesamt aber sehr oberflächlich gehalten. Zur Identifikation taugen sie sogut wie gar nicht, die Entwicklung wird zwar angedeutet aber nicht nachvollziehbar dargestellt. Die Charas dienen im Grunde nur dazu, niedlich auszusehen und der Story ein wenig Fleisch (in genau diesem Sinne) zu verleihen.

Und holla, so direkt zur Sache wie in diesem Manga habe ich ja selten gelesen. Eigentlich ist das ja schon zuviel, wie sie ständig übereinander herfallen. Spätestens wenn die Piratenlady mit der Prinzessin auf dem Deck liegt und alle anwesenden Piratenbräute rufen "oh toll, kommt, lasst uns alle miteinander rummachen" fragt man sich, wo man hier eigentlich gelandet ist. 

So seltsam das klingt, aber trotz der arg dünnen Handlung und trotz des überextrem betonten Sexkontext hat der Manga jede Menge Charme. Ich musste sehr oft lachen, es war stellenweise einfach zu überzogen, als dass man es wirklich hätte ernst nehmen können. Es ist so überdreht und karikiert, dass es schon wieder lustig ist. Und obwohl die Charaktere wenig zu bieten haben, hatte ich sie ziemlich schnell ins Herz geschlossen und flog mit ihnen nur so über die Seiten. Vielleicht, weil es so völlig unrealistisch ist, vielleicht weil sich der Manga selbst nicht so ganz ernst nimmt, aber auf jeden Fall wegen der aberwitzigen Momente. 

LOVE FLAG GIRLS ist ein Yuri, der nicht nur in seinem Genre außergewöhnlich ist. Man merkt, Takahashi hatte jede Menge Spaß beim Zeichnen, und das überträgt sich einfach auf den Leser. 

SaschaSalamander 07.08.2013, 08.54 | (0/0) Kommentare | PL

Parada

VORAB

Es ist schon etwas her, dass ich diesen Film sah. Außerdem muss ich zugeben, dass ich mich nicht so ganz an eine Rezi zu diesem Film herantraue. Er hat einen sehr ernsten Hintergrund, und es ist ein Film, der viel über die soziale und politische Situation Serbiens, Bosniens, des Kosovo enthält. Da habe ich irgendwie das Gefühl, dass alles, was ich sage, irgendwie nicht wirklich der Sache gerecht werden könnte. Daher meine Meinung dazu und der Vermerk, dass der Film eine Tiefe besitzt, die man wohl nur erfassen kann, wenn man sich intensiv mit der Thematik Gleichstellung sowie der Geschichte dieser Länder auseinandersetzt. 


INHALT

Limun ist ehemaliger Krimineller, leitet jetzt eine Sicherheitsfirma, und er möchte seine geliebte Pearl heiraten. Mirko ist Hochzeitsplaner, sein Freund Radmilo ist Tierarzt. Als der homophobe Limun nun von den Neigungen seines Hochzeitsplaners erfährt, reagiert er aggressiv und will alles über Bord werfen. Pearl geht mit Mirko einen Deal ein: wenn er die perfekte Hochzeit für sie und ihren Mann organisiert, wird Limun mit seinen Leuten die geplante Gay-Pride (bei uns Christopher-Street-Day) beschützen. Die Rechtsradikalen stehen schon in den Startlöchern, die Polizei weigert sich, so wenige Demonstranten gegen so viele Gegner zu verteidigen. Doch auch Limuns Gefolge springt ab. Wenn er seine Traumhochzeit haben will, bleibt ihm nur noch eines: gemeinsam mit Radmilo macht er sich auf in die Nachbarregionen, um sich dort mit ehemaligen Kriegsgegnern / -gefährten zusammenzuschließen und eine neue Truppe auf die Beine zu stellen. Eine Chance sieht er nicht, aber für die Liebe würde er alles tun ...


PERSÖNLICHE MEINUNG

Der Film ist eine Tragikomödie. Doch besonders am Anfang (und wie für das Genre üblich am Schluss) überwiegt der tragische Teil. Ich empfand es als äußerst hart. Wo diskriminiert werden kann, wird diskriminiert, der Film beginnt mit heftigem Mobbing in jeder Szene. Ob Ausländer, Homosexuelle, Dicke, Frauen, oder oder oder. Es tut regelrecht weh und berührt einen tief, für eine TragiKOMÖDIE eigentlich schon etwas zu tief. Später blieb das Lachen nur im Hals stecken, aber gerade zu Beginn gab es eigentlich nichts zu Lachen, man konnte nur mit offenem Mund zusehen, wie geschimpft und gemobbt wurde. Auch das soziale Elend der Protagonisten ist heftig anzusehen. 

Nach dem ersten Drittel erholt sich das etwas, der Film wird humorvoller, es gab viele witzige Einlagen. Sehr schön ist, dass keine Klischees bedient werden - der Film hat eher das Ziel zu zeigen, dass eigentlich alle gleich sind: sie würden alles für die Liebe tun, sie haben Träume und Ziele. Sie tanzen, lachen, haben Angst und spüren Schmerz. Und sie mögen Ben Hur. Eigentlich sind sie gar nicht so verschieden. 


FAZIT

Ein großartiger Film mit realem und ernstem Hintergrund. Ohne Humor wäre er in dieser Form nicht zu ertragen. So aber wird dem Zuschauer etwas nahegebracht, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: Friedlich Miteinander, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Gesinnung oder Alter. 

***************************

Anmerkung: gerade in Hinblick auf die aktuelle Situation in Russland halte ich den Hinweis auf diesen Film sehr angebracht. Eigentlich war er ja in der "irgendwann mal posten" - Rubrik auf dem Vorratsspeicher gelandet, aber ich halte es momentan für sehr wichtig ...

SaschaSalamander 05.08.2013, 08.41 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Fucking Munich

hanke_munich_1.jpgLucy Palmer, Loreen Ravenscroft, Monica Davis, und seit ihrer Veröffentlichung bei Rowohlt nun auch Mona Hanke. Die Liste der Pseudonyme wächst, und hinter allem steckt Inka Loreen Minden (ein weiteres Pseudonym, aber wohl das bekannteste, mit dem sie von Beginn an die Herzen ihrer Leser eroberte).

FUCKING MUNICH ist der neue Titel. Ein Titel, den wohl der Verlag vorgab und der auf den Zug der Erotikbücher im Stil von FUCKING BERLIN (Titel) und SHADES OF GREY (softer Vanilla-SM) aufspringen soll. Ein Titel, der viele Leser wohl abschreicken dürfte, wenn sie nicht wüssten, dass sich dahinter ihre Lieblingsautorin verbirgt. Was mir weit besser gefiel als Titel - KINKY MUNICH. Unter diesem Titel veröffentlichte die Autorin eine Sammlung weiterer SM-Titel unter Eigenregie. Eine Rezension hierzu wird folgen.

Seit dieser Veröffentlichung jedenfalls ist die Autorin nun ganz offiziell auf den Stapeln der Großhändler bei den Neuerscheinungen zu finden, sogar in >DER WELT< wird über sie berichtet. Und was eindeutig ist: der Autor dieses Artikels scheint weder in erotischer Unterhaltungsliteratur bewandert zu sein, noch scheint er die Autorin zu kennen. Was dort an Falschinformationen zu lesen ist, ist mehr als lächerlich und lässt alle, die die Autorin kennen, mit dem Kopf schütteln.

Nun aber zu FUCKING MUNICH:

Klappentext
Heiß, phantasievoll, verwegen - München steckt voller Überraschungen. Da wird die junge Sonja im Englischen Garten von einem Ordnungshüter beim Nacktbaden erwischt und erwartet nun eine köstliche Strafe. In den Isaraugen finen verbotene Treffen statt, am Flughafen gibt es strenge Leibesvisitationen, und auf dem Oktoberfest kommen manche unter süßen Qualen in der Geisterbahn so richtig in Fahrt. In diesen Geschichten zeigt sich München von seiner erotischsten Seite!

Sehr gelungen finde ich, dass die Geschichtn wieder sehr vielfältig sind. Softer, härter, gay und straight, für alle ist etwas dabei. Einige sehr kurze Geschichten und zwei Mehrteiler. Besonders der Titel BANNKREIS DER LUST, der auch als Auskopplung gesondert erschien, weiß durch eine clevere Story und erotische Momente zu überzeugen.

Die Geschichten unterscheiden sich in Stil, Aufbau und Inhalt sehr stark voneinander. So kann man sicher sein, dass für jeden etwas dabei ist. Jeder Leser wird wohl schnell seine eigene Lieblingsgeschichte gefunden haben. Meine ist eindeutig AUßER KONTROLLE, eine kurze Gay-Story ganz im Stil von I L Minden.

Der Lokalkolorit ist ebenfalls gelungen. Man merkt, dass die Autorin vor Ort war, sich in München auskennt. Man könnte quasi mit dem Buch in der Hand durch München laufen und sich ansehen, wo die einzelnen Szenen stattfanden. Das macht es unglaublich lebendig. Ich liebe München, und es wird mal wieder Zeit für einen kleinen Tagestrip ;-)

Was auffällt und ich schon häufiger erlebt habe, wenn Autoren zu großen Verlagen wechseln: bisher schreiben sie so, wie sie selbst es möchten und können. Sobald ein Verlagslektor dazukommt, muss geschrieben werden, was der Verlag wünscht. Das kann dazu führen, dass Geschichten verändert werden, dass typische Formulierungen gestrichen oder eingefügt werden, dass Passagen umgeschrieben werden. Es ist kein Buch mehr alleine von Autor X, sondern ein Gesamtwerk von Autor, Lektorat und Verleger. Und oft kommt dabei etwas komplett anderes heraus als wenn der Autor alleine am Werk gewesen wäre. Man merkt diesem Buch in Stil, Story und Aufbau deutlich an, dass hier mehr als nur sie selbst am Werk war.

Für meinen Teil: ich liebe Inka Loreen Minden, Loreen Ravenscroft, Lucy Palmer und Monica Davis, und ich mag ihre Bücher so, wie sie sind und werde weiterhin alles lesen, was ich von ihr in die Finger bekomme :)

SaschaSalamander 29.05.2013, 08.17 | (0/0) Kommentare | PL

Pyromantische Affaire

lay_pyromantisch_1.jpgLila rennt zum Bus, sie ist zu spät. Bald soll sie Joe treffen! Und als sie aufeinandertreffen, wird dem Leser schnell klar, dass mehr hinter der Begegnung steckt. Berit arbeitet als Malerin und ist verliebt in Yui, diese scheint nur Augen für ihre Feuerwerksarbeiten zu haben. Doch dann soll Berit ihr eines abends bei den Filmaufnahmen helfen. Und zum Abschluss die Bonusgeschichte "Mr Wonderful", bei der ein unattraktiver Mann seiner Therapeutin davon erzählt, wie belastend es für ihn ist, von Frauen nur als Sexobjekt betrachtet zu werden und keinen Moment Ruhe zu finden vor ihren gierigen Blicken und Aktionen.

Und wieder ein prickelnder Text von Laura Lay, die auch schon >DIE FLAMINGOFRAU< schrieb. Und ebenso wie bei dieser Geschichte bekommt der Leser auch hier jede Menge Sinnliches geboten. Geschlechtsverkehr, Sex und all das, was viele im ersten Moment unter "Erotik" verstehen ist nicht das, worauf Laura sich spezialisiert hat. Sie schreibt wesentlich subtiler, ihre Texte berühren nicht nur den Körper, sondern sie gehen unter die Haut.

Kurz gesagt und passend zum Genre beschrieben: PYROMANTISCHE AFFAIRE liest sich nicht einfach wie ein simpler Akt, sondern wesentlich besser: weiche Lippen neben dem Ohr, wie ein Fingernagel den Nacken entlang, wie eine Federspitze zwischen den Brüsten, ein gehauchter Kuss zwischen den Schenkeln, ein Vibrieren und Zittern, gespannte Erwartung. Und dann, als es intim wird, überlässt sie es dem Leser, die Fantasie fortzuführen. Wer Sex lesen will, ist hier falsch ;-)

Die Geschichte um Lila/Joe und Berit/Yui ist in wechselnden Perspektiven der dritten Person gehalten, Mr Wonderful erzählt aus der Ich-Perspektive. Durch die Sprünge von einem Protagonisten zum anderen gibt es trotz der an sich kurzen Geschichte viele kleine Cliffhanger, einen steten Spannungsbogen.

Geboten wird etwas für Freunde von Frau/Frau wie auch Mann/Frau sowie eine sehr softe Variante von BDSM aus dem Bereich Erziehungsspiele.

Einzig schade, dass die beiden Geschichten, die zusammengehören, zwar verbunden werden, dies aber ein wenig nach Alibi wirkt. Es hätten gut zwei getrennte Stories sein können, dies hätte der Handlung keinen Abbruch getan. Mir wäre es lieber gewesen, Lila/Joe und Berit/Yui hätten ein jeweils eigenes Ende bekommen. Aber das ist es nicht, worauf es hier ankommt, beide Geschichten sind nur kurze Episoden ohne konkreten Anfang und Ende, einfach nur Beobachtungen der vier Personen.

Laura Lay ist eine meiner beiden liebsten erotischen Autorinnen, und ich hoffe, dass wir außer diesen kurzen Geschichten bald mehr von ihr lesen dürfen. Vielleicht sogar ein Buch, ganz im Stil dieser Geschichten? Oder eine Sammlung von Shorties?

Wertung: 4,6 von 5 Mikroröcke

SaschaSalamander 05.04.2013, 09.09 | (0/0) Kommentare | PL

Mein Freund aus Faro

faro_1.jpgAls Mel auf dem Heimweg beinahe ein Mädchen überfährt, verliebt sie sich sofort. Aufgrund ihres Äußeren wird sie für einen Mann gehalten und gibt sich dann auch tatsächlich als Miguel aus. Vorbild ihres Schauspiels ist der neue Arbeitskollege, ein Portugiese aus Faro. Immer öfter trifft sie sich mit ihrer neuen Freundin, und auf Arbeit fragt sie ihren Kollegen aus nach Literatur, Dichtung und dem Land selbst. Sie beginnt Portugiesisch zu lernen. Als sie bei einer Familienfeier ihren Freund vorstellen soll, bezahlt sie den Kollegen, dass dieser an ihrer Seite auftritt. Doch wie lange kann sie ihre Maskerade aufrecht erhalten?

Wie auch das bekannte Werk BOYS DON´T CRY oder der von mir kürzlich rezensierte >TOMBOY< greift MEIN FREUND AUS FARO das Thema Transgender auf. Wie leider üblich auf teilweise tragische Weise, die Protagonistin muss sich verstellen, wird von ihrer Umwelt nicht anerkannt und muss um das Aufdecken ihrer Identität fürchten. Ich finde es schade, dass Trans-Thematik immer schicksalsbeladen sein muss in den Medien und sich die meisten Filme im Bereich Drama ansiedeln.

Abgesehen davon hat mir der Film außerordentlich gut gefallen. Es gibt keine actionreichen Szenen, die Spannung entsteht vor allem aus der Frage "was geschieht, wenn jemand davon erfährt". Ruhige Musik, stimmungsvolle Bilder, eine sehr schöne Landschaft, intensives Charakterdesign. Die Handlung geht ruhig voran, und die Geschichte wird auch ohne große Worte erzählt. Es ist ein Film, auf den man sich einlassen muss, um ihn zu erfassen, man muss Zeit und Geduld mitbringen. Kein Mainstream, den man nebenbei verdaut und dann wieder vergisst, sondern bild- und inhaltsreiches Kino mit einer Aussage, die noch lange im Zuschauer arbeitet.

Wunderschön. Und traurig. Es lohnt sich ...

SaschaSalamander 03.04.2013, 08.42 | (0/0) Kommentare | PL

Dein und mein Geheimnis

morinaga_geheimnis_1.jpgMomentan habe ich noch nicht allzu viele aktuelle Titel vorbereitet. Tat gut, die Feiertage einfach zu genießen. zu lesen ohne darüber zu schreiben. Auf Dauer wäre das nichts für mich, aber mal ein paar Wochen Auszeit, das ist auch ganz nett. Deswegen hier mal wieder eine frühere Rezension, diesmal allerdings schon vom Februar 2011 :-)

*************************

Akira ist ruhig und sanft. Er ist verliebt in Nanako. Diese ist eigentlich total süß, wenn da nicht ihre ungewöhnliche Art wäre. Sie ist ein Rüpel, so gar nicht mädchenhaft und ziemlich draufgängerisch. NIemand kann so recht verstehen, was Akira an ihr findet. Als Nanako krank ist, bringt Akira ihr die Hausaufgaben und platzt mitten in ein Experiment, das durch seine Anwesenheit dann auch noch schiefgeht. Ergebnis: der Junge landet in dem Körper des Mädchens und umgekehrt. Dummerweise hat Nanako in ihrem Wutanfall die Maschine zerstört, und der Großvater hat aktuell weder Zeit noch Geld, sie zu reparieren. So kommt es, dass die beiden ihre Körper getauscht haben und nun den Alltag in Schule und Familie meistern müssen. Es geht alles drunter und drüber: der Junge war schon immer recht mädchenhaft, und nun kann er es so richtig ausleben, auch wenn es ihm natürlich peinlich ist und er verschämt überlegt, was er tun kann, um die Situation rückgängig zu machen. Und Nanako im Körper des Jungen kann sich endlich richtig austoben, sie wird beliebt, cool, alle sind stolz auf den Jungen, der langsam wohl endlich vom Weichei zum richtigen Mann wird.

Ja, der Manga gefällt mir. Ganz klassisches GenderBender, wie man es in westlichen Medien viel zu selten findet. Warum müssen es immer die Japaner sein, die solche eigentlich naheliegenden Themen mal ernst, mal dramatisch, mal witzig behandeln?

DEIN UND MEIN GEHEIMNIS ist eine Komödie. Nanako ist recht burschikos, und es ist einfach witzig, wie sie mit der Situation umgeht. Ihr erster Weg, nachdem sie realisiert hat, was passiert ist: unbedingt auf Toilette gehen und mit einem ganz breiten Grinsen zurückkommen. Akira dagegen geht es wesentlich dezenter an, er wagt es gar nicht, sich im Spiegel zu betrachten. Auch beim Sportunterricht ist es spannend: Mädchen haben ihre Tage, und nicht immer können sie am Turnen teilnehmen. Sie dagegen in seinem Körper hat jede Menge Fun, als sie endlich die Kraft dafür hat, beim Basketball hoch zu springen und SlamDunks in den Korb zu befördern.

Pro: Bekannter Plot, der super umgesetzt wurde mit viel Situationskomig und pfiffigen Zeichnungen.

Contra: ich habe die Befürchtung, dass es sich in zu vielen Bänden ziemlich totlaufen wird.

Fazit: einfach reinlesen und sehen, ob es gefällt. Ich kann den Manga nur empfehlen, aber er ist halt recht speziell ;-)

SaschaSalamander 11.01.2013, 08.52 | (0/0) Kommentare | PL



 






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