SaschaSalamander
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Statistik KW 33

GELESEN / GEHÖRT
1 - Mord in Serie 01 - Das 12te Opfer (M Topf)
1 - Mord in Serie 02 - Wolfsnacht (M Topf)
1 - Mord in Serie 03 - die schwarzen Witwen (M Topf)
1 - Lady Bedfort 14 - Wald in Flammen (Hörplanet)
1 - Vollendet (N Shusterman)
1 - Mein Gott, Wanda (U Herwig)
1 - Black Sun 02 (U Ogasawara)
1 - John Sinclair 75 - Albtraum in Atlantis
1 - John Sinclair 76 - Herrin der Unterwelt
1 - Fessle mich (A Hoffmann)
2 - Fit mit Pu (E Mordden)
2 - Sex, Sünde und Zen (B Warner)
2 - D Geh v Ashton Place 01 - Aller Anfang i schwer (M Wood)
2 - Wächterschwingen 01 - Herzen aus Stein (I L Minden)


GESEHEN
Prometheus
Das Labyrinth der Wörter


NEUZUGÄNGE
Wächterschwingen 01 - Herzen aus Stein (I L Minden)
Dreiviertelmond (DVD)
Nur 6 Tage (P Webb)
Latex Lolita Domina (W Prides)
Fessle mich (A Hoffmann)


ANMERKUNGEN:
1 - komplett
2 - teilweise
3 - abgebrochen

SaschaSalamander 19.08.2012, 20.06| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Statistik

Synchronsprecher und ihre Rollen 4

>Hier< geht es zu Teil 1
>Hier< geht es zu Teil 2
>Hier< geht es zu Teil 3

R
UFUS BECK
Ich kam noch nie in die Situation, etwas von ihm zu hören und nicht zu wissen, wem die Stimme gehört. Er ist zwar Schauspieler, aber darin kenne ich ihn nicht. Und bei den Hörtiteln wusste ich immer, wer er ist. Aber ich kann mir vorstellen, dass ich ihn eventuell gar nicht erkennen würde, falls er nicht beginnt mit der Stimme zu spielen. Denn er nimmt sich selbst als Sprecher sehr stark zurück. Seine Kunst ist es, selbst völlig zu verschwinden und dafür unzählige Charaktere zum Leben zu erwecken. Bild im Kopf: wie ich ihn von Fotos kenne.


STEFAN KAMINSKY
Bei ihm geht es mir wie bei Rufus Beck. Beide stehen für mich gleichwertig als grandiose Ein-Mann-Hörspiele nebeneinander. Wenn man Beck oder Kaminski als Sprecher ordert, braucht man keine weiteren Sprecher, die schaffen das alleine, 20 weitere Männer und Frauen zu ersetzen, beide sind Garant für ein grandioses Hörbuch, egal was es ist. Aber die Stimme hinter den Stimmen, puh, das ist schwer. Ich glaube, wenn er beim Bäcker neben mir stünde, hätte ich das Gefühl im Hinterkopf "kenn ich den irgendwoher?", aber ich könnte nicht sagen was und wieso. Bei Kaminski habe ich nicht einmal ein Bild im Kopf leider.


FRIEDRICH SCHÖNFELDER
Als den berühmten Schauspieler, der er ist, kenne ich ihn nicht. Dafür als Sprecher, meist übernimmt er in Filmen und Hörspielen die Funktion des Sprechers. Er hat auch eine grandiose Märchenonkel-Stimme! In >DAS GEHEIMNIS DES WEINBERGS< habe ich ihn erstmals bewusst namentlich wahrgenommen. Als Gesicht sehe ich ihn real vor mir.


HANS PAETSCH
Eigentlich ist ja ER der Märchenonkel der Nation. Wesentlich weicher als Schönfelder, trotzdem verwechselte ich beide. Inzwischen kann ich sie gut unterscheiden. 2002 ist Paetsch in einem stolzen Alter von 93 verstorben. Wenn es EINE Stimme gibt, mit der ich aufgewachsen bin, die ich (neben den ???) als die Stimme meiner Kindheit bezeichnen muss, dann ihn. Er ist die Stimme des Opas im Ohrensessel, um ihn herum viele Kinder auf dem Schoß, der Stuhllehne, auf dem Boden, sie hängen an seinen Lippen, und er spricht. Ich sehe sein reales Gesicht vor mir. >Der Märchenprinz<


WOLFGANZ VÖLZ
Ein berühmter Schauspieler. Aber auch hier, die Stimme ist mir bekannter als die Filme. Ich kann seine Sprecherrollen kaum zählen, aber für mich ist er Otto aus CPT FUTURE und KAPITÄN BLAUBÄR. Beim Hören habe ich sein reales Gesicht vor mir.


THOMAS FRITZSCH
Toller Schauspieler, den ich auch schon häufiger gesehen habe. Auch als Sprecher ist er mir im Ohr. Aber all seine Filme und Hörspielrollen aufzuzählen, würde zu lange dauern. Bei ihm habe ich sein reales Äußere vor Augen, dieses schelmische Funkeln im Blick sehe ich stets vor mir, und wenn er spricht, dann weiß ich, dass es von hintergründigem Humor gespickt ist.

SaschaSalamander 18.08.2012, 11.43| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Zerlegt

Dreiviertelmond

Den Film habe ich schon vor einiger Zeit gesehen, Lovefilms. Jetzt liegt die DVD bei mir zu Hause, ich will sie einfach unbedingt im Regal haben. Eine Liebeserklärung an Nürnberg (naja, und auch Fürth, wo ein Großteil der Szenen entstand *hüstel*). Musik, Bilder, Inhalt, da geht einem das Herz auf :-)

Rezension wollte ich schreiben, hatte aber keine Zeit und fand nicht die rechten Worte (gerade, wenn ich etwas bewegend finde, fällt mir das eher schwer, das wars dann mit der sachlichen Rezension).

Heute kam die DVD bei mir an, und jetzt liegt sie bereits im Player, ich sehe mir die Extras an. Alleine schon dabei verzieht sich mein Mund zu einem breiten Grinsen. Da steckt ganz viel Herz drin, ganz viel Liebe. Ein warmer Humor, wunderschöne Bilder, perfekte Musikuntermalung und eine Menge fränkischer Charme. Ich liebe diesen Film :-)

SaschaSalamander 17.08.2012, 23.06| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: | Tags: Deutsch, Komödie, Drama, Fremde Kultur, Nürnberg,

Wächterschwingen 01 - Herzen aus Stein

Erster Satz (verschiedene Kapitel):

Wie eine riesige Fledermaus hing Vincent kopfüber an der Mauer der Abteil.

Kara haderte mit sich.

Kara wurde mit dem Rücken fest in etwas Weiches gedrückt.

"Willkommen, Bruder", begüßte ihn Amarante, die Anführerin des französischen Klans, mit einem Nicken.

Wenn es darauf ankam, klappte natürlich nie etwas.

Ash studierte angestrengt das Gesicht der Hexe.

"Wo sind wir hier?", fragte Kara.

Vincent beobachtete, wie Noir ihre Kutte überstreifte, Motorrad und Helm auf dem Besucherparkplatz zurückließ und in den Terminal des Flughafens lief.


Letzter Satz (verschiedene Kapitel):


So wie immer.

Weil es in ihrer Welt keine guten Dämonen gab?

Obwohl er wusste, dass er nicht mehr lange leben würde, war er nie glücklicher gewesen.

Und vielleicht sollte sie dem Hotelangestellten sagen, er solle lieber kein Obst mitschicken.

Zu heftig loderte die Flamme des Verlustes in ihrer Brust.

Jetzt würde er nicht mehr so zurückhaltend sein.


Aus: Inka Loreen Minden: Wächterschwingen 01 -
Herzen aus Stein; SiebenVerlag


SaschaSalamander 17.08.2012, 18.34| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Mein Gott, Wanda

01) Sie sind jetzt mal der Mann
02) Schon mal Känguru gegessen?
05) Triple Power Sensation
07) Sowas von aggro
10) Planet des Irrsinns
11) Otto gefällt das
12) Hüttenkäse, nicht so einen Mist
17) Galaktische Preise
18) Dead or alive
22) Truthahn und Schmetterlinge
25) Irisdiagnose

aus: Ulrike Herwig: Mein Gott, Wanda; Schröder-Verlag 2012

Die Namen der Kapitel entstammen dem jeweiligen Kapitel, sind ein Ausschnitt oder ein Satz, wie es wörtlich zu lesen ist im Kontext. Ich finde das eine witzige Idee, denn ich las die Kapitel ganz bewusst und fragte mich dann natürlich, was Otto gefallen könnte (und als ich diesen Satz dann las, musste ich ganz breit strahlen, es war einfach nett), was denn neben Hüttenkäse so ein Mist sein soll oder wer "aggro" sein könnte (denn dieses Wort passt ja nun eher nicht in Wandas Wortschatz). Macht neugierig, so liebe ich es :-)

SaschaSalamander 16.08.2012, 14.12| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Kapitel

Mottenlicht

VORAB

ANTJE WAGNER studierte Literatur- und Kulturwissenschaften und arbeitet seit rund 12 Jahren als freie Autorin, veröffentlicht Kurzgeschichten und Romane. MOTTENLICHT ist eines der ältesten Bücher der Autorin, das noch recht zu Beginn ihres Schaffens entstand. Nachdem ich zuerst >SCHATTENGESICHT< und >UNLAND< gelesen hatte, war ich natürlich neugierig auf ihre älteren Werke.


INHALT, THEMEN

MOTTENLICHT ist eine Sammlung von Kurzgeschichten. Nahezu alle Geschichten erzählen von Menschen, die traumatisiert, verstört und verletzt wurden. Leben, Liebe und Tod als treibende Kraft. Die Autorin greift verschiedene Tabus auf und verleiht ihnen, auch ohne sie beim Namen zu nennen, ein menschliches Gesicht. Abtreibung, Suizid, Selbstaufgabe, Brudermord, Depression, Inzest, Missbrauch, Fremdgehen und andere. Im Grunde hätte jede Geschichte eine ausführliche Analyse verdient, denn es ist meist keine konkrete Handlung, die erzählt wird, sondern eine Aneinannderreihung von Momenten und Gedanken, die erst zum Schluss ein stimmiges Bild ergeben. Das tatsächliche Geschehen hinter den Worten und Symbolen erschließt sich erst am Ende. Möchte man die Geschichten verstehen, so muss man sehr genau lesen, sehr genau den geflüsterten Botschaften lauschen, manchmal ist es ein kleines Wort nur, das den Ausschlag gibt.

Die große Stärke des Buches ist leider aber auch eine Schwäche: zu ähnlich sind sich die Geschichten in Aufbau, Verwicklung, Auflösung und Aussage. Nachdem ich zwei, drei Geschichten gelesen habe, ahnte ich recht schnell den Knackpunkt und das Ende, wodurch der eigentliche Reiz auch verlorengeht. Es ist daher sinnvoll, MOTTENLICHT nicht von vorne bis hinten zu lesen sondern heute mal eine Geschichte herauszupicken, nächste Woche wieder eine, dann ein paar Tage darauf die nächste. So bleibt der Zauber länger erhalten, ohne sich durch die kontinuierliche Wiederholung abzunutzen.


SPRACHE, STILMITTEL

Die Sprache ist sehr poetisch, Antje Wagner experimentiert mit der Wirkung ihrer Sätze und Worte, möchte damit verzaubern und einwickeln wie mit einer seidenen Fessel: sie berührt den Leser, webt die Geschichte um ihn herum, erregt ihn mit Worten und sanften Berührungen, sodass er kaum merkt, wie sich das anfangs weiche Band nun immer fester um ihn legt, ihn einschnürt, beengt, ihm die Luft zum Atmen nimmt. Sie erzeugt ein im Lauf der Geschichte immer stärkeres Gefühl von Bedrohung und Angst. Es gelingt ihr sehr gut, auch ohne konkret formulierte Gefahr den Leser zu verunsichern.

Häufig wiederkehrende Stilmittel hierfür sind der Einsatz von Farben, Stimmungen, es liegt über allem ein Grauschleier, verschwommen und schemenhaft. Das Cover vermittelt einen Eindruck von der Atmosphäre des Buches.

Die Autorin arbeitet viel mit Wiederholungen: wiederkehrende Sätze manchmal wortwörtlich, manchmal in leichter Variation. Immer wieder aufs Neue ausgeführte Rituale, die Routine und Gelassenheit vermitteln sollen, aber auch das Verschließen vor dem Tabu, das konsequente Nichtbeachten des eigentlichen Kernthemas. Die Charaktere wenden ihren Blick ab vor dem Unaussprechlichen, springen ablenkend von einem Moment zum nächsten, so wie auch die Autorin ihre Szenen scheinbar zusammenhanglos präsentiert, bevor sich alles im Kontext erschließt.

Was ebenfalls in jeder Geschichte zu finden ist, das ist ein Widerspruch. Innig Liebende ohne Intimität. Reiche Menschen reden am vollen Tisch über die Armut anderer Völker. Eine Frau sehnt sich nach Liebe und tut zugleich alles diese zu verhindern. Ein junges Mädchen oder doch eine Frau mit erwachsenen Bedürfnissen. Sätze wie etwa "sie konnte vor Stille nicht einschlafen" sind oft zu lesen. Weitere Beispiele ließen sich noch finden, denn auch dies wird von der Autorin regelmässig angewendet. Sehr geschickt, verleiht es den Geschichten doch zusätzlich Spannung und Konflikt. Trotzdem auch hier - weniger wäre mehr gewesen.

In MOTTENLICHT fühlt sich der Leser stellenweise erschlagen von allzu viel Symbolik und Wortkunst. Vor 10 Jahren, als das Buch entstand, experimentierte Wagner noch, übte sich im Umgang mit Wort und Wirkung, jongliert mit Inhalten, das merkt man dieser Sammlung deutlich an. Inzwischen experimentiert sie noch immer (und wird es hoffentlich niemals aufgeben, denn ich liebe es, wenn Autoren sich an etwas Neuem versuchen und sich konstant weiterentwickeln), ist jedoch deutlich gefestigter und weiß ihre Worte mit Bedacht einzusetzen, wendet ihre Stilmittel dezenter an und gibt dem Leser dadurch etwas mehr Freiraum im persönlichen Erleben der Handlung.

Der Inhalt ist manchmal so gut verpackt, dass es sich zum entspannten Lesen nur bedingt eignet, MOTTENLICHT verlangt vom Leser volle Konzentration. Dadurch wirken die Texte stellenweise trotz der zerbrechlichen, verspielten Sprache etwas schwerfällig. Gelegentlich aber blitzt etwas von der Leichtigkeit durch, die die Autorin in ihren späteren Werken vermittelt, diese Momente gefielen mir besonders.  


FAZIT

MOTTENLICHT ist eine wundervolle Sammlung von Kurzgeschichten, die damals schon vom Potential der Autorin zeugte. Perfekte Lektüre für einen nebligen Herbstabend, dazu ein schweres Glas Rotwein und instrumentale Musik. Aber wie auch den guten Wein sollte man das Buch sehr dosiert in kleinen Portionen genießen, da man sonst schnell übersättigt ist und die Geschichten nicht mehr ihre Wirkung entfalten können.

Wertung: 7 von 10 Murgor


SaschaSalamander 16.08.2012, 08.44| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Deutsch, Frauen, Queer, Dark, Kurzgeschichten,

Mein Gott, Wanda

Erster Satz:
Salsa - nicht nur ein Tanz, ein Lebensgefühl.

Letzter Satz:
"Weißt Du, zwischen uns beiden, das war sozusagen Liebe auf den ersten Blick"

aus: Ulrike Herwig: Mein Gott, Wanda; Schröder-Verlag 2012

SaschaSalamander 15.08.2012, 14.01| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Darkside Park

INHALT

Porterville ist ein kleines Städchen, beschaulich und gemütlich. Nette Nachbarn, eine stets aufmerksame Polizei, die Straßen sauber und frei von Kriminalität. Wer hierherkommt, der kann sich auf einen ruhigen Lebensabend freuen, und auch seine Kinder kann man hier perfekt großziehen, einfach ideal für jeden, der kleine idyllische Orte mag. Doch hinter der Fassade lauert das Grauen. Menschen verschwinden, einige bleiben auf ewig verschollen, andere tauchen wieder auf, sind danach völlig verändert und traumatisiert. Ein Serienmörder verteilt zur Warnung Tarotkarten an seine ausgewählten Opfer. Und immer wieder hört man vom "bleichen Mann". Was ist das Geheimnis von Porterville?


GESAMMELTE LINKS

Eine Gesamtrezension für eine komplette 18teilige Serie ist schwierig, und deswegen habe ich mir vorab schon einige Gedanken gemacht. Zu jedem der 18 Teile habe ich meine Gedanken notiert. Nicht als Rezension, sondern als kurze Meinung zur jeweiligen Folge.

Einleitung
>Teil 01 - Interview mit Ed<
>Teil 02 - Das böse Zimmer 01<
>Teil 03 - Der Gesang der Ratten 01<
>Teil 04 - Das böse Zimmer 02<
>Teil 05 - Porterville Times<
>Teil 06 - In den Jagdgründen<
>Teil 07 - Die verbotene Lichtung<
>Teil 08 - Porterville Steaks<
>Teil 09 - Das kalte Licht<
>Teil 10 - Lauter nette Damen<
>Teil 11 - Der Gesang der Ratten 02<
>Teil 12 - Jenseits des Rubikon<
>Teil 13 - Augen der Nacht<
>Teil 14 - Die Stille des St Helena Parks<
>Teil 15 - Die geheimen Kinder<
>Teil 16 - Die Farbe des Chamäleons<
>Teil 17 - Frischling, Frischling<
>Teil 18 - Willkommen in Porterville<


UMSETZUNG, AUFBAU

Die ersten 17 Folgen sind jeweils in sich geschlossene Geschichten aus der Ich-Perspektive. Verschiedene Beteiligte kommen zu Wort. Mal ist es ein fremder Gast von außerhalb der Stadt, mal ein Bewohner der Stadt ohne Hintergrundwissen, später auch Eingeweihte und Mitwisser. In der ersten Staffel haben die Folgen sehr wenig Bezug zueinander, und recht lange fragt man sich, was die einzelnen Figuren verbindet und welchem Zweck die Darstellung deren Situation jeweils dienen soll. Während die Serie dann langsam voranschreitet, gibt es nach und nach immer mehr Querverbindungen. Figuren aus anderen Geschichten werden erwähnt, hier und da wird eine Handlung aus nun einer anderen Perspektive geschildert, Symbole und Elemente aus anderen Episoden tauchen erneut auf. Doch der eigentlichen Lösung kommt man nicht wirklich näher. Da man weiß, dass DARKSIDE PArK mit 18 Folgen abgeschlossen ist, stört das jedoch nicht, auch wenn man gerade in der zweiten Staffel manchmal nah an der Verzweiflung ist, endlich mehr wissen will und sich noch so weit von der Antwort entfernt fühlt. Perfekt gemacht, die Spannung steigt von Stunde zu Stunde.

Auch, wenn jede Geschichte eine eigene Handlung in sich birgt und für sich selbst abgeschlossen ist, so gibt es doch eine übergeordnete Handlung. Manche Episoden dienen dabei lediglich als Füllelement und vervollständigen das Gesamtbild. Andere dagegen treiben das Geschehen um Martin Prey, der bald zum eigentlichen Protagonisten der Serie wird, voran. Die oben unter "Inhalt" geschilderte Zusammenfassung ist das Gesamtbild, die Handlung um Martin ist wesentlich konkreter: Martin trifft auf Sarah und erfährt durch sie, dass die Stadt ein Geheimnis birgt. Er beginnt zu ermitteln, wird dabei selbst zum Gejagten und irrt durch die Stadt, trifft auf verschiedene Mitstreiter und Gegner, bis er endlich am Ziel ist und alles erfahren soll.


SECHS VERSCHIEDENE AUTOREN

Die Zusammenarbeit verschiedener Autoren finde ich mehr als gelungen. Ein Gesamtkonzept, an dem sich alle orientieren, dabei aber kreative Freiheit. "Viele Köche verderben den Brei", mag man im ersten Moment denken. Hier aber hat das Projekt eine außergewöhnliche Eigendynamik gewonnen, die Anerkennung verdient. Sechs Autoren, unterschiedlich in ihrer Erzählweise und ihrem Ausdruck, haben gemeinsam ein Bild gemalt, das in sich stimmig ist. Sie alle haben dem DARKSIDE PARK ihren eigenen Stempel aufgedrückt, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen.

Bei 18 Folgen kann es schnell passieren, dass es bald langatmig wird, dass man abbrechen möchte oder mittendrin die Lust verliert, Spannung hin oder her. Mir zumindest geht es so, dass ich nicht gerne allzu lange mit einer einzigen Reihe beschäftigt bin. Durch die unterschiedliche Vorgehensweise der Autoren allerdings hätte es für mich noch ewig so weitergehen können, es gab ausreichend Abwechslung und trotzdem immer einen roten Faden.

Folgen, die mir weniger gut gefielen, wurden von anderen Hörern teilweise als Lieblingsfolgen benannt. Was mich absolut begeisterte, fanden andere wieder nicht so gut. Mit anderen Worten, das Gesamtbild ist grandios, es gibt schwächere und stärkere Folgen, doch dies liegt nicht an schlechtem Handwerk sondern persönlichen Vorlieben der Hörer. Es ist also für jeden etwas dabei, Porterville dürfte aufgrund seiner Vielfalt und des auf verschiedenen Ebenen erzeugten Spannung weit mehr Fans ansprechen, als ein einzelner Autor es geschafft hätte.

Spannung baut sich durch die sechs Autoren und deren voneinander abweichende Erzähltechnik auf vielen verschiedenen Ebenen auf, die Genres mischen sich bunt durcheinander. Hardboiled, Phantastik, Horror, Thriller, Krimi, Cosy. Mal der knallharte Typ mit rauer Schale weichem Kern, mal die netten alten Ladies, mal eine historische Geschichte um Indianer, ein andermal ganz normale junge Erwachsene wie Du und Ich. Einige Geschichten erinnern in ihrer Düsternis und Direktheit an Stephen King, andere führen den Hörer im Stil eines H P Lovecraft direkt an die Grenzen des Wahnsinns. Mal Blut und Knochenknacken, mal "Arsen und Spitzenhäubchen", mal Gänsehaut und nackte Angst.


SPRECHER

Alle Rollen sind durchweg grandios besetzt mit bekannten Stimmen aus den Bereichen Hörbücher, Hörspiele, Filme. Sie alle machen ihre Sache professionell und mit sehr viel Elan, man hat hier sehr gute Arbeit geleistet bei der Auswahl, Koordination und Regie. Nicht nur im Ausdruck, auch Tonfall, Klang der Stimme, alles passt so perfekt zu den jeweiligen Protagonisten, dass man regelrecht einen 18stündigen Film vor sich zu sehen glaubt.

Bei diesem Punkt weiß ich gar nicht so recht, was ich weiter schreiben kann als "prima gemacht". Einzig mit einem Sprecher konnte ich mich nicht so recht anfreunden, da ich die Art des Vortrags zu wenig emotional und zu monoton fand. Bei 18 Folgen kann man keinesfalls 100 Prozent erwarten, aber der DARKSIDE PARK ist verdammt nahe dran ;-)


HÖRBUCH / HÖRSPIEL

Teil 1 bis 17 sind reine Hörbücher. Hörspieltypisch allerdings ist das klassische Intro von Friedrich Schönfelder, der den Hörer begrüßt und dann die Überleitung zur aktuellen Geschichte gibt. Zu Beginn und am Ende gibt es dann noch jeweils ein kurzes Geräusch. Es ist nur ein leises, unaufdringliches Geräusch, aber es ist faszinierend, wie stark diese Wirkung ist! Besonders in einer Folge stach es drastisch heraus und verlieh der gesamten Story zusätzlich noch einmal den perfekten Abschluss.

Obwohl es ein Hörbuch ist, sortiere ich es gedanklich immer in die Kategorie Hörspiele. Teilweise wegen der typischen Hörspielsprecher, aber auch weil ich es trotz des jeweils einzelnen Sprechers immer als Hörspiel empfunden haben. Sie haben die jeweiligen Dialoge so gut verkörpert, dass man stellenweise regelrecht vergass, dass nur ein einziger Sprecher vor dem Mikrofon saß!

Folge 18 dagegen ist ein Hörspiel mit zwei Protagonisten und kleinen Nebencharakteren. Ich muss zugeben, dass ich sosehr auf die Gespräche zwischen Martin und Hudson fixiert war, dass ich wenig auf Musik und Geräusche geachtet habe, jedoch ist mir nichts negativ aufgefallen, auch hier war wieder alles in sich stimmig und eben richtig "rund". Nur selten nimmt ein Hörspiel mich derart gefangen, dass ich das "Drumherum" völlig vergesse und mich nur noch komplett auf den Inhalt konzentriere.

Ich weiß nicht, ob ein Hörspiel teurer ist als eine Lesung, vermutlich ja (da man mehr Sprecher braucht, Musik und Geräusche, es macht wohl mehr Arbeit als ein Soloauftritt). Ansonsten hätte ich es großartig gefunden, wenn die Reihe komplett als Hörspiel gemacht worden wäre, oder wenn man wenigstens die reine Lesung zu einer szenischen Lesung aufgestockt hätte, mit etwas mehr Geräuschen und hier und da Musik im Hintergrund zum Verdichten der Atmosphäre.


ABSCHLUSS IN FOLGE 18

Das Ende hat mir sehr gut gefallen. Recht schnell zeichnet sich ab, worauf es hinausläuft. Klar, exakt das Ende konnte wohl niemand vorhersehen, aber die Tendenz war klar. Und auch für konkretere Informationen gab es einige Hinweise. Absolut zufriedengestellt hat es vermutlich niemanden, dazu ließ es einfach zuviele Fragen offen. Trotzdem, gerade in diesem Genre ist es nicht wirklich möglich, alles zur Zufriedenheit zu klären, und das offene Ende sowie die unbeantworteten Fragen sind in einem für mich annehmbaren Umfang. Dafür, dass man 17 Folgen lang auf diesen einen Moment hingezittert hat, wäre etwas mehr wünschenswert gewesen, der DARKSIDE PARK ist perfekt für jede Menge Spin-Offs, Prequel, Sequel und eine Fortsetzung. Auch, wenn ich das Ausschlachten eines erfolgreichen Titels durch Fortsetzungen verachte, würde ich es hier ausnahmsweise sogar begrüßen. Nicht, weil ich unbedingt mehr will, sondern weil es einfach schade ist, dass so viel genialer Stoff nun ungenutzt in den Hirnen der Autoren brachliegt und nicht geteilt wird. Es gibt so viel, was man noch aus der Serie noch machen kann!


FAZIT

Der DARKSIDE PARK ist ein Projekt, das es in dieser Form noch nicht gab. Ivar Leon Menger und seinen Kollegen ist ein Meisterwerk gelungen, das so schnell niemand wiederholen kann, etwas ganz Eigenes und Anderes wurde hier erschaffen. Die Reihe packt den Hörer von der ersten Folge an und hält ihn bis zur letzten Episode gefangen, indem sie eine perfekte Mischung unterschiedlichster Genre und Erzähltechniken darbietet.

Und zum Abschluss: wer die Reihe bereits gehört hat, der wird nach Folge 18 wohl sehr viele Fragen haben. Viele von diesen Fragen wurden von Ivar Leon Menger und anderen Autoren ausführlich und nachvollziehbar im Forum der >Hörspiel-Freunde<

Wertung: 95 von 100 Versandhauskataloge

SaschaSalamander 15.08.2012, 09.18| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Thriller, Horror, Dark, Tip, Serie, Deutsch,

Vollendet

Erster Satz:
"Du kannst Dich verstecken"

Zweiter Satz:
Endlich erlaut er sich den wunderbaren Luxus der Hoffnung.

aus: Neil Shusterman: Vollendet; Sauerländer 2012

SaschaSalamander 14.08.2012, 14.01| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: 1. und letzter Satz

Beim ersten Sonnenstrahl

Teil 1 habe ich >hier< bereits besprochen, >hier< findet Ihr meine Gedanken zu Teil 2.

Dies ist also der dritte Teil des Projektes BEIM ERSTEN SONNENSTRAHL. Die Autorin hat dieses Buch in drei Teilen veröffentlicht, was einen recht gewagten Versuch darstellt: man kann nichts mehr rückgängig machen und ist an die vorherige Story gebunden, die Leser hegen bereits gewisse Erwartungen, und es ist alles "nicht so ganz aus einem Schliff" wie sonst bei Büchern üblich. Ich bin sicher, dass dies eine Form des Arbeitens ist, an dem ein Autor sehr viel über sich, sein Arbeiten, seine Technik erfahren kann und an sich selbst wächst.

Was ebenso wie in den ersten beiden Bänden auffällt ist die detailgetreue historische Recherche. Besonders die Ausstellung hat mich sehr fasziniert, von der Anordnung der Räume und Aussteller hin zu den vorgestellten Erfindungen. Der Leser profitiert davon, dass die Autorin konkrete Vorlagen für ihr Buch verwendet hat und selbst ein sehr klares Bild vor Augen hatte beim Schreiben.

Bei all dieser Detailverliebtheit hätte ich mir gewünscht, alle Anspielungen und Besonderheiten zu entdecken. Der dritte Teil strotzt weit mehr als die ersten beiden vor Produkten, Händlern, Gimmicks, aber auch Anspielungen auf berühmte Schriftsteller, auf die Palmblattbibliothek, ja sogar ein kleiner kleinen Hommage an Batman (jedoch absolut in die Zeit passend und mit einem witzigen Twist).

Was mich freute war das Einbinden einiger meiner Lieblingsautoren. Verne, Hugo, Shelly, die habe ich als Jugendliche und auch jetzt noch verschlungen. Geschickt baut sie hier und da etwas Trivia ein, und das erste Zusammentreffen zwischen David und einem der Autoren ließ mich herzhaft lachen. Inka hat sich hier wirklich ausgetobt und die Chance genutzt, einfach mal historische Fakten, Fantasy, Humor und Erotik so bunt durcheinanderzuwürfeln, dass ich es für unmöglich gehalten hätte, hätte man mir dies zuvor erzählt.

Sprachlich ist das Buch noch sanfter und weicher als die ersten beiden Teile. War die innige Verbindung zwischen Mensch und Gargole schon zu Beginn spürbar, so wird sie hier noch intimer, verbundener. Das führt dazu, dass der Autorin gelegentlich die "typischen" Formulierungen romantischer Romane unterkommen, die sie in anderen Büchern meistens geschickt vermeidet. Aber gut, für David und Zahar passt es ausnahmsweise sehr gut, und auch mich - die ich ja sonst einen Bogen um klassisches Romances mache - hat sie wieder überzeugt.

Auch in erotischer Hinsicht bekommt der Leser diesmal noch mehr geboten. Die beiden nähern sich vorsichtig in den ersten beiden Teilen an, am Ende haben sie sich entschieden und wissen um ihre Gefühle. Es geht hier also über Schaumspiele in der Badewanne und zärtliches Streicheln hinaus, hier kommt dann auch Grannys Paste zum Einsatz ;-)

Ebenfalls neu im dritten Teil ist, dass hier erstmals richtig auf Zauber und Magie zurückgegriffen wird. Gab es anfangs nur die Aussage, dass David ein Halbmagier sei, so wurde er hier endlich richtig aktiv, darauf hatte ich lange gewartet. Während in Band 1 und 2 abgesehen von dem Gargoyle als mythisches Wesen an sich wenig Fantasy enthalten war, geht Inka im Schlussteil so richtig in die Vollen: andere Gargoyles werden als Charaktere in die Handlung eingebunden, den Leser erwartet noch mehr Dämonenkontakt und Information über die Unterwelt, es treten aktiv mehrere Menschen mit magischen Kräften auf, und David steigert seine Fähigkeiten.

Während die anderen Bücher der Autorin erotische Romane mit einer sehr guten Handlung sind, aber eben doch Bücher, hatte ich hier erstmals das Gefühl, die Grundlage für einen Film vor mir zu sehen. Die reichhaltige historische Kulisse, die Aufklärung des Mordes als handlungstreibende Kraft, die verbotene Liebe fürs Herz, dazu ein tragischer Fluch und die mystische Welt der Gargoyles. Perfekte Zutaten für einen abendfüllenden Film. Ich wüsste auch schon, welche Schauspieler und Synchronsprecher ich mir wünschen würde ;-)

Das Projekt wird abgerundet von einem ausführlichen Nachwort, in dem Inka einige der historischen Aspekte erklärt und ihre Recherche erläutert. Abgesehen davon erfährt man auch um die Bedeutung der einzelnen Namen sowie ein paar persönliche Gedanken der Autorin.

Abschließend muss ich sagen, dass mir alle drei Teile sehr gut gefielen. Der dritte ist sprachlich und inhaltlich etwas anders als die ersten beiden, rundet die Geschichte jedoch perfekt ab und hinterlässt ein warmes "Ach-das-tat-gut" - Gefühl beim Leser.

SaschaSalamander 14.08.2012, 09.15| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Buch | Tags: Deutsch, Erotik, Romantik, Historisch, Queer,

Über uns Stille

morton_stille_1.jpgVORAB

Der Autor ist für mich ein Garant für gute Bücher. Egal was, ich freue mich es zu lesen. Auch das Thema fand ich dieses Mal wieder interessant. Einen Atombunker habe ich selbst einmal besichtigt, natürlich keinen privaten, aber einen öffentlichen unter unserer Stadt, es war sehr beklemmend und hat nachhaltig sehr großen Eindruck bei mir hinterlassen. Ich war gespannt, was Rhue Morton aus diesem Thema machen würde.


AUTOR

Rhue Morton (eigentlich Todd Strasser) arbeitete als Straßenmusiker, Journalist und später als international erfolgreicher Autor. Am bekanntesten dürfte wohl der inzwischen auch verfilmte Roman DIE WELLE sein. Mir persönlich gefielen >BOOT CAMP< und ASPHALT TRIBE auch sehr gut, ebenso habe ich bereits ICH KNALL EUCH ALLE AB, GHETTO-KIDZ und WISH U WERE DEAD gelesen, FAMEJUNKIES habe ich noch vor mir. Markenzeichen seiner Bücher ist es, dass sogar Lesemuffel begeistert seine Titel verschlingen, er schreibt perfekt für Jugendliche, nimmt sie ernst und klärt sie zudem über wichtige Themen auf, er unterhält und regt zum Nachdenken an. Ein Autor, den ich immer wieder gerne empfehle, wenn Eltern nach Büchern fragen, die pädagogisch sind, Spaß machen und auch einen gewissen Anspruch haben.


INHALT

Eines Tages muss Scott mit seiner Familie in den Atombunker. Doch als der Alarm losgeht, kommen auch die Nachbarn, und es gelingt Scotts Vater nicht, sie aus dem nur für 5 Leute gedachten Raum fernzuhalten. So sind sie nun zu zehnt unter der Erde, zwei Wochen müssen sie warten, bevor sie wieder über die Erde dürfen. Die Nerven liegen blank. Wie sollen die Vorräte nur so lange reichen? Wie mag es gerade über der Erde aussehen?


INTENTION

Ich gebe zu, dass dies für mich ein Punkt ist, an dem ich etwas knabbere. In allen Büchern des Autors ist mir klar, was er den Lesern erzählen will. Hier habe ich mich oft gefragt, worum es ihm ging. Es werden viele verschiedene Konflikte angesprochen (siehe entsprechender Absatz). Auch das Thema Krieg, Atomkrieg, Kubakrise ist wichtig. Gerade nach Fukushima stellt sich die Frage nach der Gefahr von Atomwaffen und Atomkraftwerken, und das Thema Krieg ist leider auch immer wieder präsent. Aber worauf will der Autor hinaus? Will er aus Sicht von Scott zeigen, wie schlimm Krieg ist? Will erzeigen, wohin Schubladendenken und Kriegstreiberei führen? Oder will er einfach nur zeigen, wie es sich in einem Bunker anfühlen könnte?

Da ich das Buch ohne Vorkenntnis las (um Spoilern zu vermeiden) wusste ich auch nicht, worauf die Geschichte abzielte: da es in der Kubakrise ja nicht zu einem Atomkrieg kam - spielte das Buch in einer parallelen Realität, in der es doch passierte? Oder war am Ende alles ein Missverständnis, und die Familie war umsonst im Bunker? Dieses trug dazu bei, dass ich die 3 CDs über ständig diese ungewisse Frage im Kopf hatte. Das Ende hat klar gezeigt, welche von beiden Möglichkeiten der Autor nun gewählt hatte. Aber was er mir damit nun sagen wollte, ist mir noch immer nicht klar. Was nicht die Brisanz und Wichtigkeit des Themas infrage stellen soll. Aber beim Lesen höre ich dem Autor quasi zu, und ich möchte kein Gespräch führen bzw nicht lauschen, wenn ich mich frage wozu. Die Intention eines Buches ist für mich elementar.

Auch, wenn das Ende die Situation erklärt, ist dennoch sehr viel offen. Ich hätte mir gewünscht, dass etwas mehr geschildert wird als nur das abrupte Ende. Viele Konflikte werden nicht aufgelöst (natürlich, wie auch. Dennoch sehr unbefriedigend für den Leser), und hier am Ende könnte eigentlich direkt Teil 2 ansetzen, es wirkt wie die Pilotfolge für eine lange Serie.


CHARAKTERE

Mit Scott werden viele jungen Leser sich bestimmt gut identifizieren können. Er ist ein lebhafter Junge, baut mit seinen Freunden auch mal Unsinn, ist im Grunde aber vernünftig und weiß um Recht und Unrecht. Trotzdem geht er mit seinem Freund Torte aus der Garage der Nachbarn stehlen oder muss gelegentlich Prügel von seinem Vater einstecken für seine Untaten. Doch er beobachtet seine Umwelt genau, macht sich viele Gedanken über das Warum der Dinge. Es ist dem Autor sehr gut gelungen, die Gedanken eines Jugendlichen einzufangen und zu Papier zu bringen, realistisch und ohne sich durch irgendeine alberne Jugendsprache anzubiedern, ohne zu erwachsen zu wirken.

Die anderen Charaktere werden nur aus Scotts Perspektive geschildert, sodass man nur ihr Handeln sehen kann, nicht ihre Beweggründe. Doch auch ihr Handeln sagt sehr viel über sie aus, schnell bilden sich Sympathieträger und ungeliebte Figuren. Alle befinden sich in einer dramatischen Ausnahmesituation, und auf engstem Raum ganz ohne feste Regeln zeigt sich, was wirklich in ihnen steckt. Der Autor wertet nicht, Scott beobachtet nur, erstaunlich rational, doch immer altersgerecht.


ERZÄHLEBENEN UND DEREN WIRKUNG

Das Buch beinhaltet drei Erzählebenen. Die eine ist die erzählte Gegenwart, in der Scott, sein Bruder "Sparky", seine Eltern sowie sechs weitere Personen sich im Bunker befinden. Die Frage nach einem Anführer stellt sich, auch die Frage nach der Rationierung der Lebensmittel und Bedarfsartikel. Schwarze und Weiße, Frauen und Männer, der eher stille und zurückhaltende Erbauer des Bunkers und der wortgewaltige, körperlich starke Eindringling, sie alle sitzen sich gegenüber und müssen nun damit klarkommen: es ist nicht möglich, eingenässte Hosen zu wechseln. Die Verletzte kann nicht versorgt werden. Die Lebensmittel sind für die halbe Personenzahl gedacht, das Wasser ist unsauber und die Menge aus dem Tank nicht vorhersehbar. Bei der Notdurft können alle zusehen, und Scham muss überwunden werden. Am schlimmsten ist die Frage, was draußen vor sich geht, wo die verbliebenen Angehörigen sein mögen und wie die Welt nach dem Angriff aussehen wird (oder für den Leser: ob es überhaupt einen Angriff gab).

Weiterhin wird erzählt, wie Scott und seine Freunde die Torte stehlen, welche Konsequenzen das für sie hat. Zum ersten Mal in seinem Leben wird Scott nicht körperlich bestraft, sondern muss für seine Taten geradestehen, das ist eine sehr einschneidende Erfahrung für ihn. Auch der Streit mit seinem besten Freund ist wichtig, denn es geht um die Frage, ob sein Vater in Narr ist, solch einen vermeintlich unsinnigen Schutzbunker gebaut zu haben.

Zu guter Letzt ist da noch der Schulunterricht. Es gibt einen neuen Lehrer in Scotts Klasse. Der führt nicht einfach Frontalunterricht und vermittelt auf langweilige Weise seinen Stoff. Sondern er stellt den Schülern Fragen, die nicht so einfach zu beantworten sind, er will ihnen die Schwierigkeiten von Rassentrennung, Kriegstreiberei und eigenverantwortlichem Denken nahebringen. Diese Momente fand ich besonders gelungen, denn Morton Rhue schafft es, die komplizierten Themen in einfache Fragen zu packen, sodass die Jugendlichen sich die Antworten selbst erarbeiten können, ideale Lektüre für Schüler.

Die drei Ebenen unterscheiden sich in ihrer Farbe, ihrem Tonfall. Der Bunker ist beklemmend und erdrückend, die Erzählweise ist schwermütig, die Handlung legt sich schwer über das Gemüt. Der Unsinn erinnert ein bisschen an die alte Romantik von Tom Sawyer und Co, Lausebengel mit Herz eben, ich empfand es als bunt, quirlig und lebhaft. Die Zeit in der Schule war recht lebendig, erhellend und genau richtig für die Wißbegier der Zielgruppe, solch einen Lehrer kann sich jeder nur wünschen. Der Wechsel zwischen diesen drei Ebenen führt dazu, dass es selbst ohne konkrete Handlung niemals langweilig wird.


SPRECHER

Jacob Weigert hörte ich erstmals in dem Hörbuch >REBELLEN DER EWIGKEIT<. Seine Stimme sehr angenehm, für das Hörbuch damals nicht so ganz geeignet. Für ÜBER UNS STILLE allerdings ist er perfekt. Er spricht den Charakter des Protagonisten glaubhaft. Nicht zu emotional oder hektisch, sondern stets die stillen Gedanken des Beobachters. Die Sorgen Scotts über die gestohlene Torte, seine Gedanken zu den Fragen des Lehrers, aber auch seine bange Zeit im Bunker und die Zukunftsängste kann er hervorragend darstellen. Ich habe ihm gerne gelauscht, er war eine sehr gute Wahl als Sprecher für diesen Titel.


FAZIT

Dieses Buch gehört nicht zu meinen Favoriten von Rhue Morton, ist aber dennoch ein gelungenes Werk. In langsamem Tempo erzählt der Autor seine Geschichte, in der es weniger um die Handlung geht als vielmehr das Erleben des Protagonisten. Hätte er sich nicht zusehr in den vielen Themen verzettelt und die Aussage des Buches etwas klarer in den Vordergrund gerückt, wäre es ein Top Titel gewesen. So ist es eben ein Jugendbuch, spannend und sehr flüssig zu lesen / hören, für volle Punktzahl fehlt allerdings das "gewisse Etwas".

Wertung: 7,5 von 10 Geigerzähler

SaschaSalamander 13.08.2012, 09.11| (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in: Rezensionen Hörbuch | Tags: Jugend



 






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